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Full text of "Zur Geschichte des Perfects im Indogermanischen; mit besonderer Rücksicht auf Griechisch und Lateinisch"

ZUR 



GESCHICHTE DES PERFECTS 



IM 



INDOGEEMANISCHEN 



MIT BESONDERER RÜCKSICHT 



AUF 



GEIECHISCH UND LATEINISCH 



HEEMAM OSTHOFF. 



STRAßSBURG. 
KARL J. TRÜBNER. 

LONDON. 

TRÜBNER & COMP. 

1884. 




Buchdruckerei von U. Otto in Dannstaai. 



MEINEN FREUNDEN 



KARL BRÜGMANN 



UND 



HEßMANN PAUL 



GEWIDMET. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2010 witii funding from 

University of Toronto 



http://www.arcliive.org/details/zurgescliiclitedOOostli 



VORWORT. 



Einer ehrwürdigen ruine gleich, deren einheitlichen 
architektonischen gesamtcharakter der nagende zahn der 
Zeiten nicht zu zerstören vermocht hat, so steht das system 
des indogermanischen tempus perfectum auf einigen der einzel- 
sprachlichen gebiete wol erhalten vor unseren äugen. Nicht 
dass im indoiranischen und germanischen alle neubildungen 
ausgeblieben wären — wo wäre das überhaupt geschehen? 
Aber es erscheint nur wie winziges gestrüpp und unerheb- 
liches schuttwerk, was sich hier um die grundmauern des 
alten baues angesetzt hat und was axt und spaten des alter- 
tumsforschers leicht entfernen , um jene in ihrer Unversehrt- 
heit bloss ZU legen. 

Gründlicheren Umwälzungen ist in anderen sprachen der 
ursprüngliche bestand dieser ererbten formenkategorie aus- 
gesetzt gewesen. Bausteine aus den trümmern des alten ge- 
mäuers wurden anderswohin verschleppt, um zu neuen zwecken 
späterer zeiten nutzbar gemacht zu werden. Ja, auf teilen 
der alten fundamente selbst sind frühzeitig ganz neue bauten 
aufgeführt, und da auch diese wieder das ansehn von anti- 
quitäten gewannen, ward es eine schwierigere aufgäbe für den 
forscher, die Schöpfungen jüngeren und älteren stiles, die auf 
engem areal sich zusammendrängten, richtig zu unterscheiden. 

Das indogermanische perfectum hat eine anzahl Spiel- 
arten namentlich auf dem altgriechischen boden und dem- 
jenigen der altitalischen dialekte getrieben. Gleich wol ist 
höchst selten die so entstandene mannigfaltigkeit der er- 
scheinungen, selbst wenn man den Ursprung des einzelnen 



VI 

noch nicht immer klar zu bezeichnen vermochte, ein anlass 
zum zweifeln geworden, dass hier alles auf sehr einheitlichem 
gründe erwachsen sei. Kaum irgend jemandem unter den 
neueren Sprachforschern ist der einfall gekommen, es könne 
oder müsse beispielsweise die griechische bildung mit -x« als 
Vertreterin einer besonderen sonst freilich nirgends mehr einzel- 
sprachlich existierenden tempusform der indogermanischen 
grundsprache anerkannt werden. Ein neuer name , um das 
kind zu taufen, wäre ja leicht gefunden gewesen und eine 
ihm ursprünglich eigene gebrauchssphäre hätte sich ausklügeln 
lassen von der regen phantasie derer, welche mit einzelsprach- 
lich auftretenden entartungen des s-aorists, des s-futurums in 
der weise bequem fertig wurden, dass sie das verbalsystem 
der grundsprache mit dem „plusquamaorist", dem „augment- 
futurum" und ähnlichen schönen erfindungen bereicherten. 

Beim perfectum ist überhaupt heute das wogen der mit 
einander streitenden tagesmeinungen glücklicher weise ein 
verhältnismässig geringes. Dank eben der sehr einheitlich 
verbliebenen gestaltung, welche dieses tempus bei den Indo- 
iraniern und Germanen kennzeichnet , herrscht klarheit und 
im wesentlichen übereinstimmendes urteil über die hauptpunkte, 
die hier in betracht kommen : vocalisraus und consonantismus 
der reduplication, wurzelablautung und die sie bedingende 
alte accentuation , ursprüngliche form wenigstens einiger der 
personalendungen und sonstigen suffixe u. dergl. Ist ja doch 
gerade das perfectum nicht zum geringsten teile das formen- 
gebiet gewesen, an welchem am ehesten die notwendigkeit 
einer reform der lehre vom indogermanischen vocalismus sich 
aufdrängte und welches die jetzt von den verschiedensten 
selten unternommenen versuche dieser reform besonders be- 
günstigte und selbst schon zu einer erfreulichen klärung der 
ansichten in unseren tagen kommen liess. 

Das vorliegende buch verfolgt als haupttendenz den 
plan, eine reihe von sprosstypen des indogermanischen perfects, 
wie sie in den sprachen der einzelvölker, vornemlich im griechi- 
schen und italischen, historisch hervorgetreten sind, ihrem 
wesen und Ursprünge nach aufzuhellen. Ich glaube, was 
auch immer die mitforscher über viele der von mir vorge- 



VTI 

brachton neuen theorieu denken niögon^ nach allem gesagten 
den einen vovwurf nicht bofüvchteu zu müssen , dass ich ein 
eiulicitliches bild ohne die gewissheit der erreichbarkeit eines 
solchen zu gewinnen strebe oder dass ich ursprüngliche eiu- 
heit in der tatsächlich vorhandenen grösseren mannigfaltigkeit 
zu erweisen suche da, wo es noch nicht feststehe, dass nicht 
eine mannigfaltigkeit bis zu einem gewissen grade der ur- 
sprüngliche zustand gewesen sei. 

Die „excurse" mögen vielleicht dem einen oder anderen 
als zu zahlreich beigegeben und einzelne derselben obendrein 
als zu ausgedehnt bemessen erscheinen. Ich habe der Ver- 
suchung, gegen die goldene regel des ne quid uimis zu Ver- 
stössen , darum nicht widerstehen können , weil ich , in den 
nächsten jähren durch anderweitige grössere arbeiten in an- 
spruch genommen, keine aussieht hatte, so bequem und im 
vorbeigehen wie hier über mehrere mit dem perfectum freilich 
nur lose oder gar nicht zusammenhängende einzelfragen meine 
meinung darzulegen. 

In den „nachtragen und berichtigungen" konnte glück- 
licher weise das nachtragen vor dem berichtigen vorwiegen. 
Da sich der druck des buches zufolge allerlei umstände un- 
erwartet in die länge zog, traf es sich, dass mittlerweile 
manches , was sich mit dem Inhalte meiner Untersuchungen 
berührt, auch in publicationen anderer zur behandlung kam. 
So ist, um nur eins zu erwähnen, dem griechischen aspirierten 
perfect ein von dem meinigen (s. 284 ff.) abweichender er- 
klärungsversuch im 3. hefte des XXYIIsten bandes der 
Kuhnschen Zeitschrift gewidmet worden. Zu derartigem, so- 
wie auch zu älterer übersehener litteratur, habe ich nach- 
träglich Stellung zu nehmen nicht unterlassen wollen. Eine 
eingreifendere modification irgend welcher resultate meiner 
forschungen hat sich auf diese weise nur selten und in neben- 
sächlicheren punkten als notwendig ergeben: Als eine einzel- 
heit, die ich auch noch gern, wenn ich zeitiger darauf auf- 
merksam geworden wäre, zum gegenständ eines nachtrages 
(zu s. 4 ff.) gemacht hätte , erwähne ich Spiegels urteil 
über die avestischon praesensformen hadhaiti und hidhaiti 
zeitschr. d. deutsch, morgenländ. ges. XXXVI 596: die durch- 



VIII 

weg entschieden bessere handschriftliche beglaubigung der 
lesart hadJi- hervorhebend gelangt dieser gelehrte nur noch 
nicht, gleich Geldnor und mir, zur völligen Verwerfung des 
sprachlich wie textkritisch anstössigen hidhaiti. 

Für die ausarbeitung des „Wortregisters" schulden die 
benutzer meines buclies , wie der Verfasser , der Sorgfalt des 
herrn dr. phil. Paul Hintzelmann, custos an der hiesigen 
Universitätsbibliothek, dank und anerkennung. 

Yerleger und drucker haben nach kräften das ihrige 
getan, um das werk auch äusserlich möglichst würdig auszu- 
statten ; namentlich dem ersteren, herrn Karl J. T r ü b n e r, 
mich für vieles entgegenkommendes eingehen auf meine 
specielleren wünsche dankbarlich verpflichtet zu fühlen, habe 
ich allen grund. 

Heidelberg, pfingsten 1884. 

H. Ostlioff. 



INHALT. 



I. Sedimä, sedimus, sefiim . 

A. Stand der frag'e . 

B. Zum lauto-esetzlichen . 

C. IndoE^ermanisch und altindisch 

D. Baltisch .... 

E. Lateinisch, altirisch, griechisch 

F. Germanisch .... 
II. Perfectbildung- von ed-, es-, ei-; nem- . 

III. Lateinische e-perfecta von «-wurzeln 

IV. Zur altitalischen perfectflexion 
V. Zum vocalisnuis der perfectreduplication 

VI. Das griechische aspirierte perfect 
VII. Das griechische x-perfectum . 

VIII. Anknüpfung der personalendungen und verw 

Exkurse ........ 

Excurs I. Indog. ii, uiji^, »jm, nn, p- , U aus 

Excurs II. Spiritus asper als factor bei d 

hauchdissimilation ..... 

Excurs III. Indog. saus-, aus-, ens- im gi 
Excurs IV, Sanskr. f := indog. s . 
Excurs V. Das jodpraeseus von indog. g~em 
Excurs VI. Lat. -ss- und -s- . 
Excurs VII. Suffix -ä des instrum. sing. 
Excurs VIII, Ital. l- und hw = indog. k- 
Excurs IX. Abulg, gos-podt, lat. hos-pes; grh 
Excurs X. Indog. nepöt und Zubehör 

Nachträge und berichtigungen .... 

Wortre"istor ....... 




;, «, w/, 11, r, / 
r griechischen 



echischeu 



eh. (hii-noT);: 



Beite. 
1 
I 

13 
43 
59 
105 
117 
122 
155 
191 
264 
284 
324 
391 
477 
477 

478 
484 
494 
505 
522 
572 
578 
589 
599 
002 
(532 



I. 

SEDIMÄ, SEDIMIS, SETUM. 

A. STAND DER FRAGE. 

Bei der geringen Überzeugungskraft, "welche einigen 
neueren versuclien, den Ursprung des ablautstypus von 
got. (ßhum, nemnin oder überliaupt das auftreten des rätsel- 
haften e in wurzeln der indogermanischen e;o- reihe zu 
erklären, innewohnt — so den constructionen von Kluge 
german. conjug. 59 ff. 63 f. und H. Möller Kölbings engl. 
stud. III 154 f., von Bezzenberger Götting. gel. anz. 25. juni 
1879 s. 819 ff., Froehde Bezzenbergers beitr. YI 190 ff. 
YII 109 anm. — , ist es nicht zu verwundern , dass man 
durch die rücksicht auf sanskr. scdimä und lat. sedimns 
immer wieder darauf geführt wird, gerade in got. setmn das 
muster oder eines der muster zu sehen, nach welchen sich 
die ganze in frage stehende formenkategorie auf analogischem 
wege ausgebildet habe. Nachdem man nun die einsieht er- 
langt hatte, dass bei dem versuche, den perfecttypus sed- 
aus einem vorausliegenden reduplieierten indog. se-sd- ab- 
zuleiten , die erklärung ans den lautgesetzen der einzel- 
sprachen heraus auf grosse Schwierigkeiten stösst, ist man 
notgedrungen dazu geschritten, jenen umbildungsprocess in 
die indogermanische grundsprache zurückzuvcrlegen. Dies 
ist der Standpunkt von Delbrück altind. verb. § 146 s. 118, 
Scherer z. gesch. d. deutschen spr. - 231 ff., Job. Schmidt 
Kuhns zeitschr. XXV 60 , und neuerdings von Brugmann 

Osthoff, zur gcschiclile d. pcrfpcts i. indog;ernianisclieD. 1 



morpliol. untois. 111 144 anni. 2 und Bloomfield American 
Journal ot' pliilology II 516. III 2 f. Prüfen wir seine be- 
rechtigung. 

Von allen den genannten gelehrten liat nur Biugniann 
einen gruud dafür geltend gemacht, warum niclit in allen 
fällen die einem vocale folgende lautgruppe - sd - in der 
indogermanischen urzeit so verwandelt worden sei, dass s, 
vorher zu tönendem z geworden, mit hinterlnssener längung 
des vorhergehenden vocales verklang. „Da bei sesd- und 
sisd- der dissimilutionstrieb wirkte", soll z. b. indog. ni-sd- 
-ö-s 'nest' nicht von dem Schicksal betroffen worden sein, 
dem zufolge se-sd-rt 3. plur, perf. und si-sd-e-ti 8. sing, 
praes. sich so frühzeitig in sednt, sideti {= sanskr. 
stddti oder sldati, lat, sulit) umwandelten. „So erklärt sich", 
urteilte Brugmann, „zugleich einfach, warum das praesens von 
sad- im indischen sUlüti , im altbaktrischen Jädhaiti, und 
nicht dort * shlati, hier * hi~daiti lautet". 

Dass in dem praesens sanskr. stdämi^ lat. sidö das sid- 
nicht bereits duich ein indogermanisches lautgesetz, vielmehr 
auf beiden gebieten nur in folge einzelsprachliclier laut- 
entwickelung aus der reduplicierten form si-sd- entsprungen 
sei, lässt sich zunächst unschwer wahrscheinlich machen. Der 
beweis liegt in der existenz des griech. ar/c*, nächstdem 
auch in derjenigen von griech- TCio. 

Es ist allgemein zugegeben, dass i-a/-(o eins der redu- 
plicierten praesentia wie nt-nr-c), ul-av-o), yi-yv-nfiui ist; vergl. 
Curtius verb. d. griech. spr. 11- 14. 425, verf. verb. iu d. 
nominalcomp. 340, Kluge german. conjug. 185, Uust. Meyer 
griech. gramm. § 407 s. 383. Der spiritus asper in der 
grundform *'t-n/i,) = indog. si-sgJi^-O milderte sich, wie 
schon Pott etymol. forsch. II^ 1, 641 gesehen, nach dem 
hauchdissimilationsgesetz wegen des nachfolgenden / zum 
lenis, aus gleichem gründe also wie in t-/(o aus *.^/w, dessen 
Verhältnis zu i-'i(o fut. genau gleich demjenigen von rpV/fü .• 
i)aii/n',, roi'/iii : 0(ji'h<i ist. Wenn nun für die entstohung 
von s/d- aus * si-sd- oder sed- aus *se-sd- die un- 
streitig richtige lautphysiologische erklärung die ist, dass 
nach l^loonifields werten "the inner s became sonant before 



— a — 

tlie sonaut d: [*si-zd-] *se-zd-; sonant ^ feil out, 
leaving behiud it only its voice' (stimnitoii) wliicli leugtli- 
ened the precediiig [tj e". so befand «ich offeubar indog. 
si-sgh^-o in ganz derselben läge wie indog. si-sd-o, d.h. 
auch dort hätte das innere s vor dem tönenden explosivlaute 
gh^ tönend werden sollen. Also müsste, wenn Brugmann und 
Bloomfield mit ihrer behauptung eines bereits nrindog. s'idö 
aus *si-zd-ö, jener dazu mit seinem vorausiiesetzen „dissi- 
milatioustriebe" recht hätten, auch *si-z(jh^-ö schon in der- 
selben fri^ihen periode zu ^sigh^-ö — d. i. griech. *'t/«) — 
geworden sein! Oder soll etwa Ya/to im griechischen nicht 
zu den alten erbwörtern gehören ? Zweierlei lässt doch die 
annähme, dass wir es hier mit einer auf griechischem boden 
neu entstandenen form zu tun haben könnten, wenig rat- 
sam erscheinen. Zuerst die allgemeine erwägung, dass die 
sämtlichen praesensbildungen wie ni-irT-o, ut-ur-cj^ yi-yvoiicu 
in ihrer spärlichkeit und bei der frühzeitigen Überlieferung 
der meisten unter ihnen — die einzige noch nicht homerische, 
das von Gust. Meyer a. a. o. aus * Fi-F'A-fo gedeutete t'AAw 
'wälze' ist wenigstens indirect durch die ableitung hi-iXXi- 
Covoiv Od. (j 11 als älter bezeugt — ■ eher den eindruck 
einer im griechischen nicht weiter zur blute gelangten 
formenkategorie machen , also als erstarrte Überreste aus 
uraltem vorgriechischem sprachbesitz erscheinen ; was für 
yi-yi-of-iat vollends durch die Identität mit lat. gi-cin-ö fest- 
steht. Sodann ergibt sich speciell für 'i-(i/-(o unter allen 
umständen wenigstens ein relativ hohes alter : auch als 
griechische neuscliöpfung könnte es nicht jung sein, denn 
nur zu noch unversehrtem ^ol-yin, mitliin vor der urgriechischen 
Verflüchtigung des vor vocal anlautenden ursprünglichen s-, 
hätte ein praesens *o(-a/-(i> sich, nach dem yerhältnis etwa 
von f(i-in'-(o neben usi'-io^ neu bilden können- 

Indem ich auf grund namentlich von griech. o'Coc = 
got. asts armen, ost ast, zweig' (aus indog. osdos, wie 
armen, nist 'das sitzen, sitz, besitz, hige' aus indog. nisdös 
= sanskr. mdcls lat. nulus ahd. nest, Hübschmaun zeitschr. 
d. deutschen morgenländ. ges. XXXYI 119. armen, stud. I 
45. 46. 61. 67. 70), griech. yaudXi: aus '^ /anäo-Si: mit 



Kög'cl Paul-Braunes beitr. Yll 192 anm., Malilüw d. lauiien 
voc. AEO 50 und Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXVI 
339 als gesetzmässig im griechischen die Umstellung von sd 
zu C (= ch) betrachte, scheint aucli mir meine früliere ei'- 
klärung von griecli. iCi» aus einer mischbildung '■■ ni -nd-l«) 
(verb. in d, nominalcomp. 840 f.), der Brugmann niorphol. 
unters. I 12 f., de Saussui'c syst, primit. 45, Gust Meyer 
griech. gramm. § 497 s. 38:5 und ganz neuerdings F. Stolz 
zur latein. verbal -flexiou Innsbruck 1882 s. 70 beigetreten 
sind, nun überflüssig zu werden, und ich sehe einfacher jetzt 
in K<i) aus * ni-od-w den genauen reflex von sanskr. sulänii, 
lat. sldö. Im verein mit 'ia/o) würde somit auch griech. 
*'iot\(i) K"> ^i^i einem zeugnis werden, dass nicht bis in die 
indogermanische grundsprache zurück das vei'klingen des 
inneren Zischlautes in der sanskritischen und lateinischen 
redupliciertcn praesensbildung der wurzel sed- datiert 
werden könne. 

Mit nichten ist auch in sanskr. s'idäti das dentale, nicht 
cerebrale d ein indicium für vorsanskritischen Ursprung des 
skl- aus ^ si-sd-^ als welches es neuerdings auch Havet mem. de 
la soc. de linguist. V 160 anzusehen beliebt. Wenn man 
nach n'tdd-s 'nest', mldhd- 'kanipfpreis , kämpf = griech. 
/iitot)6- u.a. allerdings mit recht * skhiti aus * si-~d-ät/ erwartet; 
so hat schon Brugmann, bevor er morphol. unters. III 144 
anm. 2 jene falsclien Schlüsse aus der abwesenheit des 
cerebrals zog, vorbei' morpliol. unters. I 12 anm. 3 die 
richtige erklärung dafür gegeben : „Es niuss angenommen 
werden, dass d in aulehnung an die formen sddati, sasdda 
u. s. w. wieder in (/ überging". Die durch Verdunkelung der 
etymologie isolierte nominalform uldd-s 'nest' wurde bei 
herkunft von der gleichen wurzel sad- von dem den cere- 
bral aus *stdati verdrängenden systemzwange naturgeniäss 
nicht betroffen. 

Aber endlich avest. h'uUudti? ! Das zend bewahrt sonst 
durchaus das indog. s in der Stellung vor tönenden explosiv- 
lauten als z oder nach i- und /^-vocalen z (zh) und hat z. b. 
mTzhdem =^ griech. iiiodoc, abulg. mtzda, got. mizdö. Vergl. 
Ilübschmnnn Kuhns zeitschr. XXIV 404 ff.; auch ihn liess 



— o — 

cbond. s. 415 der anstoss an hidhaitl anstatt des erwarteten 
* lihJuhdti schon für die arische o;riindspracho die form s/dati 
ohne inneres s vormntcn. Aehnlich spricht neuerdings Bar- 
tholomaes handbuch der altirauischen dialekte' Leipz. 1883 
§ 172 anm. 2 s. ß2. § 279 anni. s. 120 auf grund des 
avest. hidhaitl unbedenklich von einem „bereits idg. sldo- 
aus * si- zd-o-''^. 

Mich veranlasste nun, indem ich kürzlich bei Geldner 
stud. z. avesta I 53 anm. las, dass an der stelle yt. XIX 
5(i apa-hiilhdt besser als form von einer wurzel hid- = 
sanskr. 1. sidli- 'scheuchen, vertreiben' angesehen werde, diese 
notiz zu einer anfiage an ihren Urheber, ob nicht auf ähn- 
liche weise noch anderwärts , um die lästige gleichung 
hidhaiti = sanskr. sldaii los zu werden, sich formen des 
betreffenden zeudverbuuis von had- sitzen' würden abtrennen 
lassen. Herr dr. Gelduer schrieb mir darauf am 1. august 
vorigen jaiires mit liebenswürdigster bereitwilligkeit. was 
ich hier mit seiner erlaubniss veröffentliche: 

„Die, wie Sie ganz recht haben, misliche gleichsetzung 
von zd. hidhaiti und skr. sidati fällt nicht aus lexicalischen, 
sondern aus textkritischen gründen gänzlich fort. Die be- 
deutung sitzen' ist an stellen wie vd. YIII 29. IX 120. 133. 
137. 140 (letztere fehlen bei Justi) , vd. XYI 1. 21 [JeXiM 
bei J.). yt. XXII 2 nicht zu vermeiden. Die sache liegt so 
(ich bediene mich meiner neuen Umschrift): 

Vd. VIII 29 liest die beste hs- : nis-h\dhaeta; daneben 
haben gute hss. (bes. eine Pariser) nis-hndhaeta. 

Vd. IX 120 die beste Hs. (K 1) nd-h^dhöit; die 
zweitbeste L 4, die ich gegenwärtig hier habe und nochmals 
genau verglich, nis -Jndhöit (doch ist i nicht ganz sicher, 
könnte auch a sein). 

Vd. IX 133 K l: nis-hRdhaita ; L 4: nis-hadhaeta. 

Vd. IX 137 Kl: nis-h'ddhaiti ; L 4: nisdmdhaeta. 

Ebenso 140. 

Vd. XA^I 1 Kl: iiis-hfidhaf ; L4: nis-hUat 

Vd. XVI 8 liest K 1 nach einander: nis-hadJuieta, 
-hxdhaita^ -hadhaetü, -liadhaiti ; L 4: nis-liadhaita, -hadJiaHa, 
-hadJiarta, -hadhactc, diadhaeta. 



- 6 - 

Yt. XXII 2 lesen die wenigen liss. alle nis - hidhaiti, 
aboi' an derselben stelle yfc. XIV 54 liest eine (von den 
beiden liss.) nis-Jtudluuti. 

Wii' branciien also nirgends eine textänderung vorzu- 
nehmen und befinden uns in den meisten stellen in Über- 
einstimmung mit den besten liss., wenn wir statt Wester- 
gaards nis-hidJiaUi überall nis -hadhaifi (= skr, ni-sadati, 
nicht nih-sadoti , nach Kuhns ztschr. XXY 207 note 2, 
[vergl. auch Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIY 353]) 
schreiben. 

Anders yt. XXII 13- hier, wie in der parallele yt, 
XXIY 59, wird nur nis-h'\dhöis gelesen, und dies gehört, 
wie ich glaube, zu skr. 1. sidh -^ nl. Ich möchte die stelle 
übersetzen: So oft du sahst, wie ein räuber brandstiftung 
verübte, norzucht und ranb beging und bäume umhieb, 
da pflegtest du abzuwehren" u. s. f. Für skr. sidh 
hätten wir im zend also zwei ziemlich sichere belege. 

Zweifelhaft bin ich im augenblick nur über y. X 44. 
Dort könnte man lesen: i/d tat yat haomaie draonö nigäofi- 
hente (K 5) nis-Jüdhaitl und übersetzen 'welche den anteil 
des Haoma ihm. wenn er ihn essen will, verwehrt'. Doch 
ist die ganze stelle dunkel, fast nur an. Xsy. Aber wenn 
man aucli die bedeutung 'sitzen' beibehält, so liest an dieser 
stelle die zweitbeste hs. K 4 nis -Imdhaiti. Die beste hs. 
K 5 ist hier defect, aber eine abschrift. Hangs cod. 1, welche 
in solchen fällen für jene eintreten muss, liest nish-h'Adhaiti ; 
ebenso eine von mir verglichene Londoner hs. Also auch 
hier hat die lesart )iis-]i'AdJialti a priori die grössere Wahr- 
scheinlichkeit". 

Ich meine, nach diesen dankenswerten und die fragliche 
Sache völlig erledigenden nachweisen Geldners braucht uus 
das avest. hidhaiti 'sitzt' als ein utopisches wesen ohne reale 
existenz nicht weiter zu behelligen. Westergaard scheint, 
wenn er sich überall für die in handschriften vorgefundene 
fehlerhafte Schreibung mit / entschied, wesentlich mit durch 
die rücksicht auf die solches liidhaUl vermeintlich stützende 
sanskritform stdati geleitet worden zu sein. Ich bemerke 
zum schluss noch, dass zu Geldners auflTassung von ajia- 



— < — 

liidhat yt. XIX 56 sich auch Hübschmann /.ustimmcntl vcr- 
häh, indem er mir über die stelle briefhcli mitteilt: „((pci- 
hiiUidt '^^ apatacat V.oo- fort, floss foi't, verschwand', auch wol 
'wurde verscheucht' Hesse sich wol zu skr. 1. sidit ziehen". 

Einmal ist auch dem sanskr. skicdi eine solche beur- 
teilung wideifahren, dass ihm überliaupt der charakter eines 
redupliciorten praesens abgesprochen wurde , nendich von 
de Saussure syst, primit. 172 mit denselben zwei gründen, 
die Brugmann zur Verlegung des sld- aus *si-sd- in die 
grundsprache veranlassten: „1'' parce qu'il faudrait dans ce 
cas *s~idati, 2^' par la raison peremptoire que le zend a 
hidaiti e non ^luzlidaiti"'. Da beide argumente durch die 
vorhergehenden erörterungcn hinreicliend entkräftet sind, so 
wird niemand, glaube ich, in zukunft von der vulgatansicht 
über die bildung von sidänil, T^m. lat. sal)^ welche nun doch 
einmal deren vocalismus am besten erklärt, mit de Saussure 
abzugehen ursaclie haben. 

Weiter verneine ich nun aufs bestimmteste auch die 
von Brugmann und Bloomfield, wie von ihren Vorgängern, 
bejahte frage , ob in dem perfectischen sanskr. sedimd das 
sed- eine bereits gr und sprach li c he (nicht speciell sans- 
kritische) Verwandlung von * se-sd- sei. Die einzelnen 
in betracht kommenden momente und sprachhistorischen 
tatsachen gruppieren sich uns unter folgende acht gesichts- 
punkte. 

1. Die hauptsächlichste veranlassung. den Ursprung des 
typus scd- aus *se-sd- in der indogermanischen grund- 
spracii3 zu suchen, gab das got. setiim. An die möglichkeit, 
dass dieses nach germanischen lautgesetzen aus einem 
*se-st-iim entwickelt sei, konnte begreiflicherweise niemand 
denken. Aber auch die annähme, dass ein urgerm. *se-sd-iim 
in der periode vor der lautverschiebung den Übergang 
in * scd WH hätte erfahren können, verbot sich ohne weiteres 
durch die rücksicht auf die Wörter nest und ast mit ihrem 
normal in indogermanischem -sd- wurzehiden -st-^ wie Kluge 
german. conjug. 59 bemerkte. 

2. So entschieden nun aber got. sHum an seinem teile 
geg-en die einzelsprachliche genesis von sed- aus * se-sd- 



protestiert, ebenso sicher duldet andererseits das sanskr. 
sedimd gar keine andere erkläruug als die aus einem * sa- 
-sd-inid nach speciellon altindischen lautgesetzen. 
Ueberall, wo sonst das sanskrit als product sogenannter „er- 
satzdelmung" e aus az vor tönender explosiva hat, zeigt 
das altiranische in den vergleichbaren fällen noch den nicht 
verklungenen sibilauten. So in avest. nazdyd compar., naz- 
dis/itö superl. = sanskr. rn'dUjas, nnlishthas ; ferner in avest. 
dazdt imper. = sanskr. dchi und dhclii^ avest. niazddo 
'Weisheit apers. iiiazdd ^= sanskr. medhä- (medhas-J^ avest. 
myazda- opferfleisch' = sanskr. ntiijedha- (vergl. Hübsch- 
mann Kuhns zeitschr. XXIY 405. anm. 2., Brugmann mor- 
phol. unters. III 144 ff., Bartholomae ar. forsch. I 12 ff.). 
Von allen diesen beispielen , in denen also notwendig der 
Zischlaut noch in indo - iranischer zeit vorhanden gewesen 
sein muss, lässt sich doch das sanskr. sedimd nicht, wie Joh. 
Schmidt und Bloomfield gemeint haben, ohne w^eiteres ge- 
sondert hinstellen; und auch nicht, wie es Brugmann wollte, 
unter berufung auf einen dissimilationsvorgang der indo- 
germanischen grundsprache, von welchem, wie wir sahen, 
die griechischen praesentia 'lo/o) und ''■'lod(o Vcw nichts wissen. 
3. Die schon von Hübschmaun Kuhns zeitschr. XXIV 
415 getane folgerung, dass zu sanskr. sedimd das genaue 
avestische corrolat nur *hazdeiiia lauten konnte, erhält ge- 
wichtige Unterstützung durch die von demselben gelehrten 
später , Kuhns zeitschr. XXYI 825 , nachgewiesene perfect- 
optativform avest. hazdijdt yt. XIII 3. Y(!rgl. darüber jetzt 
auch Bartholomae handb. d. altiran. dial. § 170 s. 02. 
§ 330 s. 145. AVill man sich dem auerkenutnis, dass das 
hier gebotene avest. ha-zd- den uralten indogermanischen 
typus des schwachen perfectstammes von sed- sitzen' re- 
praesentiere. entziehen und etwa annehmen, diese form 
lia-zd-yä-t sei eine neubildung dt-r zendsprache nach der 
analogie der bildungen '^'Ja-yhm-i/d-t von (/am-, * ba-ivr-yä-t 
von bar- (vergl. jaghmyäm yt. YIII 11. X 55, bawryäm yt. 
VIII 24), *ca-khr-yä-t := apers. ca-khr-iyä Bh. I 50 von 
kar-, so würde damit für sanskr. sed- in sedimd doch nichts 
gewonnen sein : es könnte dann der verfahr dieses, ursanskr. 



* sa-zd-imö, auch nur als ebensolclie neuschöpfung aufgefasst 
werden und hätte folglich mit dem got. s^'tum auch nichts 
directes zu schaffeli. Denn os ist und bleibt eben willkür, 
so lange nun einmal sanskr. nccUyas, mdishthas und avost. 
nazdijo, iiazdis/ifo sich gegenüber stehen, nicht auch sanskr. 
scdyät jenem iiazdtjut unmittelbar gleichsetzen zu wollen. 

4. Ein einigermassen schwor wiegender einwurf gegen 
die ableitung des sanskr, sediniä aus einer indogermanischen 
grundform sednieni (sedmmem) = got. sHurii ist auch 
der: warum heisst es in diesem falle nicht vielmehr sanski-. 
*sädimd mit u? Indog. e ist doch sonst im sanskrit immer 
zu ä geworden, und im germanischen zeigt sich in den per- 
fectformen wie got. setum nirgends eine differenz ihres gern», 
e von demjenigen, welches sanskritischem ä entsprechend 
indog. e fortsetzt . z. b. von dem e in got dedi- tat' (in 
missa-, waila-dcds]^ sedi- 'saat' ün mana-seps), *sema 'samen' 
= ahd. SGDio ^ mcxa mond', menößs monat'. Man könnte 
inmierliin ausweichend erwidern, das ersatzdehunngs-r' von 
indog. Süd- aus *sc-zd- möge in der grundsprache immer 
noch etwas qualitativ verschieden von dem übrigen indog. 
e geblieben sein, das sanskrit habe' die alte differenz ge- 
w^ahrt, während auf germanischem boden frühzeitig zusammen- 
fall der beiden auf verschiedener herkunft beruhenden (--laute 
erfolgt sei. Aber würde das schon aus allgemeinen gründen 
eine misliche annähme sein, da wir den sanskritvocalismus 
ja jetzt als solchen kennen, wo im gegenteil zahlreiche alte 
vocalunterschiede verwischt worden sind, so sprechen dagegen 
insbesondere noch andere erscheinungen, die ich sogleich 
unter G. und 7. zur spräche bringe. 

5. Von den altirischen perfecten mit e: ad -ro- eher 
'redemi', ad-gen 'cognovi', ro genar 'natus sum', do-menar 
'putavi' hat nach meinem ermessen, worin mich Schorer z. 
gesch. d. deutschen spr.- 233 nicht irre macht. Windisch 
Kuhns zeitschr. XXIII 245 ff. aufs bündigste gezeigt, wie 
die das lange e im gefolge habende Verstümmelung ihrer 
ursprünglichen stamme *ce-cr-, * ge-gn-, * i)ie-7nn- notwendig 
„erst auf speciell irischem boden eingetreten ist". Sollen also 
diese überhaupt als analoga zu sanskr. scdimä herangezogen 



- 10 — 

Averdon, so kann docli die ])ai'allele nur im allgemeinen den 
wert haben, die auf zwei entlegenen spraciigebieten zwar 
übereinstimmend erfolgte, aber notwendig unabhängig von 
einander vollzogene Umbildung eines mit kurzem vocal re- 
duplieierteu perfecttypus in einen jüngeren äusserlich redu- 
j)licationsloson mit gedelintem vocal zu veranschaulichen. 
Vollends von dem sirenenhaften gleichklange des sanskr. 
mrne und des altir. menar hätte man sich um so weniger 
berücken lassen sollen, als zugestandenermassen diese noch 
nicht vedische »anskritform nur eine der analogiebildungen 
nach sede von seid- sein kann, währeml andererseits die 
keltische sich ja lautgesetzlich in dieser spräche aus * me-mn-ar 
herleitet. Xur dem altind. ma-mn- der vedischen 2. 3. dual, 
med. pari-ina-wn-(XtJie, ma-mn-äte rgv. YII 93. 6. 31, 7 ist 
der stamm von altir. meii-ar cougruent, sowie nur zu sanskr. 
ja-jn-ih\ ja-jn-e sich altii'. gen-ar 'natus sum' (Windisch 
kurzgef. ir. gramm. ^75 s. 17), zu sanskr. ja-jnau sich 
altir. ad-(ji'n 'cognovi' stellt. Als parallelen aber zu got. 
setttm sind jene altirischen perfectform.eu mit e überhaupt 
unbrauchbar, da dessen set- gemäss den speciellen ger- 
manischen lautgesetzen eben nicht aus *sc-sd- zu 
gewinnen ist. 

6. Dem typus von got. sHum ist aus dem keltischen 
allein vergleichbar derjenige des altirischen perfects 7'0 midar 
'judicavi' , über welches Witidisch Kuhns zeitschr. XXIII 
211. 231. 23.5 zu vergleichen ist. Denn / ist dem altirischen, 
wie auch Mahlow d. lang. voc. AEO 11 ohne beispiele zu 
geben andeutet, in haupttonigen silben der reguläre fort- 
setzer von indog. e. Das geht hervor aus : altir. ri 'könig' 
gen. rig = lat. rex regis , sanskr. rdj-^); //r 'walir' = lat. 
v^rus , ahd, u-är\ got. tuz-iverjan , abulg. ccra; mil 'tier' =^ 
griech. arkad. fiijXnv (in noAviiij).oi der arkadischen Inschrift 



1) Ist (las ;,'ermaiiiHclie Wort für 'fürsf, küni^' etwa nur auf 
dem wpfje internationalen verkeiirs zu seinem ; gekommen, also got. 
reik-s für * rek-s durch den einfiuss des keltischen wertes? Das 
oxporimoMt mit dem universalmitfol der „epenthese vor /.--lauten" (H. 
Möller Kuhns zeitschr, XXIV 404 f.) hat auch hier nichts gefördert. 



- 11 — 

bei Roehl inscript. Ciraecae antiqu. tit. 95 s. 351 , boeot. 
thessal. luTkov (voigl. Ahrens de (iraecae linguae dial. I 184. 
11 150, Meister giiech. dial. I 221 f. 296): wi monat' gen. 
mis = griech. uijr^ lat. mensis, abulg. mesf^a, lit. menü, got. 
nwna mcn'>ps , sanskr. Dtds- nuJsa- , avest. niäo mdos-ca 
mäonh-em ; li- füllen" in Iht zahl', linaim ich fülle" ^= lat. 
pU- in plenus plerus com-pJetus pVehs, griech. ttAt;- in 7r'/.ijd(o 
TTi^mlrjui nXrjQrjc nX-^doc ; di- 'saugen' in dtth suxit', dinu lamm' 
= griech. d^rj- in d->]k-t] S-fjnaro d^ijXvc^ lat. fe- in fchire 
femina, abulg. de- in dcte infans', deti plur. 'liberi', balt. de- 
in lit. pirin-delj/s ni. erstgeburt'. pirm-dele f. 'eine die zum 
ersten mal geboren hat', lett. dels m. söhn', lit. däe lett. 
dele f. 'blutogor, ahd. tä(jjen 'säugen', sanskr. dhatri amme, 
mutter'. Sein ganz individuelles unterkommen findet, der 
etvmologie nach, jenes altir. mklar bei dem germanischen 
plur. perf. got. niHum ^ anord. mätiini , ags. mcetoN , ahd. 
mazmi. Und neben dem praesens altir. miditir 'puto' als 
einer jodbilduug = indog. mediö steht m'idar so wie anord. 
sätum, ags. s(Pton , alts. sätun, ahd. säzwi neben pi-aesen- 
tischeni siija sittan sittian sizzen. Das andere altirische 
perfect aber, do-ru-madir 'fuerat emensus', ist zwar, wie 
Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 211 bemerkt, „nicht mit 
ro midar judicavi zu verwechseln", liefert jedoch die zu diesem 
ergänzend hinzukommende hochstufenform des sing. perf. 
indog. mod- (vergl. lat. nioduSy modius nehen niedeo)', medl- 
cuSf meditor und griech. uuh'i ^ledouai u&dovTtc tiHhfivoc, got. 
niita), also den keltischen reflex von got. anord. ))iat, ags. 
mwf; ahd. »laz. 

7. Einige noch nicht oder höchstens dunkel von Froehde 
Bezzenbergers beitr. VI 192 f. erkannte Vertreter des in 
got. setum vorliegenden typus der schwachen perfectstamm- 
form hat aber meines erachtens auch das sauskrit bewahrt. 
Dahin rechne ich zunächst ved. säh-väms- 'bewältigend, sieg- 
reich', däc-väms- 'huldigend, fromm' (einmal auch dac-i-väms- 
samav. I 2, 1, 1, 1), diese in der älteren spräche häufigen 
„participialen Wörter", wie Whitney ind. gramm. § 790 b. 
s. 275 sie nennt, denen sich noch ved. vi-jän-iish-as gen. 
sing. rgv. X 77, 1, von jan- zeugen, gebären' oder von jan- 



— 12 — 

(jnä-) 'kennen' (vergl. Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. VI 
1023 unter vijcüüvanis-) aureiht. Durch ihre purticipforma- 
tion sicher ja dem perfect zugewiesen, dürften diese von dem 
verdachte, das lange ä aus dem perf. sing, indic. bekommen 
zu haben, darum befreit sein, weil sie erstlich in solchem 
falle wol auch die reduplication ebendaher mit übernommen 
haben würden, sodann weil wenigstens däc-väms- unter ihnen 
durch seinen nur adjectivischen oder substantivischen ge- 
brauch überhaupt der sphäre des verbalbegriflFes weiter ent- 
rückt war und also formal der einwirkung von formen des 
verl)um finitum weniger ausgesetzt sein musste, endlicli 
drittens vi-jan-Hsh-as insbesondere noch, wofern es nach 
Grassmnnns wörterb. z. rgv. öü! zu jnä- 'kennen' zu stellen 
ist, wegen des im ganzen abweichenden habitus des perf. 
sing, jajhau^ jajnätha. So gut wie nun aber sanskr. suh- 
-väms- unbestritten perfectisch ist, sollte man ferner auch 
die rgv. X 83, 1 überlieferte optativform gleicher wurzel 
säh-ijä-ma einzig dem perfectum zuweisen , also darin die 
letzte altindische spur der bildungs weise der germanischen 
porfectoptative wüe got. set-jau, sct-ei-ma sehen. Vergl. rig- 
veda-prätic. 589 ed. M. Müller. Die einreihung jenes sdh- 
i/äiiia in das system des „wurzelaorists" bei Delbrück altind. 
verb. § 128. s. 92, Grassmann wörterb. z. rgv. 1496 und 
Whitney ind. gramm. § 837. s. 294 scheitert an dem wurzel- 
vocalismus der form; und dass die Verfasser des padapatha 
dafür sähyäma schrieben, beweist doch nur, dass ihnen die 
form mit dem befremdliclien langen ä nicht mehr verständ- 
lich war. Eine 2. sing, imper. med. desselben schwachen 
l)erfcctstammes sah- = indog. segh^- kann füglich aucli ved. 
säk-shva siege' rgv. III 37, 7 sein, obwol die möglichkeit 
der analyse * säh-s-sva die entscheidung zwischen dieser 
auffassung und der anderen, wonach säkshva in dasselbe 
sigmatisch- aoristische paradigma mit ved. a-säkski siikshi, 
conj. säkshäma sdkshate gehört, offen bleiben lässt. Ist aber, 
bemerke ich schliesslich, unsere Vermutung des alten perfec- 
tischen 5-typus in den erwähnten sanskritformen niciit eine 
irregehende, so zeugen auch sie nebst dem altir. ro niklar 
für das recht unserer vorhin s. 9. aufgestellten forderung 



- Vd — 

eines *sddiiiia als des einzig getreuen snnskiitisehcn icHoxos 
von gut. sctuiii. 

8. Eine mehr iintergeonlnete rolle spielt in dieser 
ganzen frage das lat. sedinms. Es kann zwar als repräsen- 
tant eines schon urindog. sed- auf seiten dos got. situm 
stehen, erklärt sich jedoch auch ebenso leicht, wie auch 
schon Kluge gernian. conjug. 61 anm. * bemerkt, nach den 
gesetzen der lateinischen spräche selbst aus einem vorhist. 
lat. ^ se-sd-inms , sowie nidus aus *nisdos, stdu aus * sisdo 
(s. 2 ff.), dl-ducö aus * dis-doucö und vielleicht das von Kluge 
Kuhns zeitschr. XXV 313. etyni. wörterb. d, deutschen spr. 
239" mit ahd. nestilo m., nestila f., ags. nostle 'bandschleife' 
verglichene lat. nödns aus ''■' nosdos. 



B. ZUM LAUTGESETZLICHEN. 

Der vorgeführte tatbestand dürfte uns zunächst deut- 
lich das eine zeigen: es gab im iu d ogo r ma ni s cii en 
zwei Stammformen des schwachen perfectstam- 
mes solcher wurzeln wie sed-.: typus l. se-sd-^ 
typ US II. Süd-, Als je einen einzelsprachlichen Vertreter 
für jeden der beiden typen stelle ich hier, das indifierente 
lat. scdimus bei seite lassend, zusammen: 

I. sanskr. {^^ sa-sd-imä) sed-imä, avest. Jia-zd-/jd-t; 

II. sanskr. sdh-vdu, altir. mid-ar, got. sPt-uin. 

Aber, könnte man uns fragen, woher das recht, unter 
solchen umständen nicht den einen der beiden typen als 
dem perfectsystem anders gearteter wurzeln auf analo- 
gischem Wege entlehnt zu betrachten ? Wenn die bildungs- 
weise der indo- iranischen formen sl'd-imd , lui-zd-ya-t als 
uralt verbürgt wird teils durch ihre Überstimmung mit der- 
jenigen sichei- alten von sanskr. ved. pa-pt-imd, avest. ta-tk- 
-usli-tsü , teils weil anderweitig feststeht, dass im indoger- 
manischen .s- nach vocal vor d nicht notwendig mit hinter- 
lassener vocallängung zu verklingen hatte: erscheint es da 
nicht dringend geboten, die heimat des t'-typus eben ander- 
wärts als bei den wie sed- beschaffenen wurzeln zu suchen? 



- u — 

Es ist zu antworten: ja, aber jene in unserer frage eine so 
wichtige rolle spielenden Wörter wie nest und ast bezeugen 
doch nur, dass unter den von ihnen dargebotenen 
besonderer- phonetischen umständen das -s- vor (/ 
erhalten blieb; sie beweisen nicht, dass überhaupt 
keine verklingung des in dieser läge befindlichen -s- (-^-) 
in der indogermanischen grundsprache stattfand. Und so- 
dann, dass speciell ein indog. sed- aus *se-sd- (*se-s;d-) 
neben anderweitig erhaltenen: indog, se-sd- zulässig ist, 
darauf deutet eine im griechischen bewahrte spur einer 
schon grundsprachlichen form s'id- des praesenstammes der- 
selben Wurzel hin: id-oiuu neben dem indog. si-sd-u ver- 
tretenden Ko (vergl. s. 3 f.). 

Griech. fd^iuo an den alten reduplicierten praesensstamm 
anzuknüpfen, sind wir doch wohl durch den vocalismus un- 
bedingt gezwungen. Dass es aber nach griechischen 
lautgesetzen aus einem urgriech. *i-ad-ov-iii) entwickelt sei, 
wird schwerlich jemand vertreten wollen; und den gedanken 
an die möglichkeit einer lautlichen Umgestaltung eines erst 
\on"C(o ausgegangenen *(L-ov-(i) i^lmhrijö) widerrät doch der 
umstand, dass -qv- augenscheinlich keineswegs ein im grie- 
chischen noch so lebendiges verbalableitendes suffix war, um 
noch in einer relativ so späten zeit, als es schon Tüd hiess 
für *'lad(n, zur anwendung zu komn)en. Zwanglos ist jedoch 
iö-{)i-(o denominativum eines schon indogermanischen nomens 
SiC?-r?^-s 'niedersetzung, gründung', das im griechischen wegen 
der in seine bedeutungen eintretenden erst wieder aus föuvm 
derivierten verbalabstracta 'Tdoii-ia und u)Qvaic untergegangen 
sein mag. Was die quantitätsverhältnisse angeht, so lehrt 
allerdings Passow handwörterb. d. griech. spr. T' 1462". 
auf grund der einen Euripidesstelle Bacch. 1070, dass in 
'idov«} das gewöhnlich durch position lange jota von natur 
kurz sei. Aber dennoch hindert nichts die annähme ur- 
sprünglicher naturlänge des i^ wenn man nur bedenkt, dass 
bei dem jedesfalls immer gefühlten etymologischen zusammen- 
hange von fdovu) und HC«) {hidzo) leicht ein späterer dicliter 
oder überhaupt die spätere spräche dem ersteren verbum 
das kurze X des letzteren (vergl. aor. y.üd-laav II. T 280, 



— 15 — 

t-y.äd-raur Monaiul. tVa^in. comic. Graec. IV 102 ed. MeinoktO 
mitteilfii iiioolite. Indog. * s i s d - )• e ij - su/-)-eii- auf der 
basis des praesens si-sd-ö entsprossen war somit ein Vor- 
läufer fok^ender sanskritischer und Lateinischer wortbikluni-'en. 
welche im leben der einzelsprachen die tendenz, jenes prae- 
sentische zum generellen verbal- und nominalthema zu er- 
heben, bekunden: sanskr. sld-ya-m n. 'trägheit'. sid-islii/ati 
iüt., ni-sli/d-(itidi perf. 'mahabh. III 14()50, snl-itum iiilin., 
lat. sld-l perf.; vergl. Pott wurzel-wörtcrb. W 676. 

Dasselbe lautgesetz nun, welches uns über den phone- 
tischen gegensatz von föuvio auf der einen und den griechischen 
eubwörtern *"ai)to 7C"^ *o(jc)'oc oCoc , fuadng, to/ji), sowie den 
im griechischen nicht vertretenen indog. nisdös nest'. 
nosdos 'knoten' auf der anderen seite aufschluss geben 
wird, wird uns, meine ich, auch das ursprüngliche gegen- 
seitige Verhältnis der beiden schwachen perfectstanimformen 
indog. sed- und sesd- aufklären. IS^un springt sofort in 
die äugen: fdgr«) ist der einzige fall, wo die dem tönend- 
explosiven wurzelauslaut sich anschliessemle ableitungssilbe 
mit einem consonanten beginnt. Die sämtlichen übrigen 
verbal- und nominalstännne lassen in ihrer ganzen flexion 
stets nur sonanten auf den tönenden indogermanischen 
verschlusslaut folgen. Ihnen reihen sich auch noch an und 
weisen ebenfalls auf indog. -sd-^ -sdh-, -sbh- vor nachfolgen- 
den sonanten hin: sanskr. j9?d- 'pressen, drücken' (= imlog. 
pi-sd-, ebenfalls von würz, sed-, vergl. Brugmann mor- 
phol. unters. II 156), in ved. piplle perf. rgv. lY 22, 8, 
pldäyati praes.; sauskr. edki = griech. &odi (neben 'ioßi 
avest. zdi) imper. 'sei' (= indog. esdli'i nach verf. moipliol. 
unters. IV vorw. s. VII f.): griech. oonKfi, aTtjOeacfi. 

Aus dem griechischen würde mit der aufgestellten 
lautregel , während ihr die sicher von dem verbum to/iti 
nicht zu trennenden io/ic, io/rooc, io/rc)^) und loyiov 'hüft- 

') Hesyclis glossen: ßia-^vv' la-^vv und ytayiiv' lo/vr, auf die man 
gewicht gelegt hat (Alirens de graec. ling. dial. II 47, Rüdiger Kulms 
zeitschr. XVII 318, Curtius grundz. d. griech. etyni. * 193, 389), be- 
weisen mir nicht ursprüngliche Verwandtschaft von in^tc und /i,-, son- 
dern nur, dass in einigen dialekten (lakonisch) ersteres an letzterec 
volksetvmologisch nnsrrlehnt wurde. 



— 16 - 

knocben, hüftbein, hüfte' (eigentlich 'was zusammenhält'^, 
ii^/äg 'anker, der das schiff festhält' sich wohl fügen, im 
widerstreite sein: lo/rnc 'trocken, dürr, mager' sowie sein 
derivatum io/vaitno 'trockne, dörre aus'. Aber die /Aigehörig- 
keit dieser zu l'a/nß ist noch umstritten und vielleicht mit 
recht andere herkunft derselben behauptet worden (vergl. 
Pott wurzel-wörterb. III 768 f., Stokes Kuhns beitr. VIII 
351, Fick vergleich, wörterb. P 799, Windisch bei Curtius 
grundz. d. giiech. etymol. ^ 742): im schlimmsten falle 
kann lay-vn-q immer als spätere speciell griechische ableitung 
aus ia/-('t gelten. 

Der lautregel folgt ferner aus dem indo-iranischen un- 
mittelbar der Superlativ sanskr. nedishthas = avest. iiazdisJitd', 
eben die wurzel sed- 'sitzen' in tiefstufengestalt hat auch 
hier Brugmaun morphol. unters. II 156. III 144 finden wollen. 
Hatte der comparativ sanskr. nediyas = avest. nazdyo ur- 
sprünglich cousonantischcn anlaut seines suffixes, indog. 
-j-, so ist er durch ausgleiehung mit dem Superlativ zu 
seinem ned-^ nazd- ^ anstatt des hier lautgesetzlichen indo- 
iran. *näd-, gekommen. Aehnlich wiid für sanskr. mtdh- 
väms- 'spendend, freigebig', da es doch wol mit avest. mizh- 
deni, griech. fitodöc^ abulg. rmzda und got. mizdö etymolo- 
gisch zu verknüpfen ist (vergl. Hübschmann Kuhns zeitschr. 
XXIV 407 aum.). ursprünglicher aber später ausgeglichener 
stamm Wechsel zwischen *nudhväms- (nom. sing. * mtdhvän 
= indog. mldhuo s) und nüdhüsh- (= indog- misdhus-') 
anzunehmen sein. 

I«[och einen fall aber von der art wie griech. u)qv(ü 
glaube ich im altiranischen auftreiben zu können. Wenn 
neuerdings Bloomfield American Journal of philology III 12 
f. und Havet revue crit. 1882 nr. 30 s. 63, wie ich selbst 
früher morphol. unters. II 4 anm., in dem avest. e des dat- 
abl. und instr. plur. von -as- stammen, raocehyo^ raocebls/i^ 
ein analogen zu dem sanskr. c von shJimä sehen, so ist das 
sicher unstatthaft. Die altiranische spiach(» hat nun einmal 
nirgends an ihrem teile z vor tönenden mit „crsatzdeiiiiung*' 
verklingen lassen. Avest. e kann vielmehr, wie überall in 
den von Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 333 zusammen- 



— 17 — 

gestellten fällen, so auch liier nnr eine entartung aus indo- 
irau. <i oder ä sein. Nun scheint mir eine der bcdiu- 
gungon, unter welchen solches e für « (nicht.auch für ä) ein- 
tritt, die Stellung vor einem consonanten mit nachfolgendem 
y zu sein. Daher ist von haena f. das ys. LVI 10, 6. yt. 
X 03 belegte haenehyö = sanskr, sctidbhi/as die einzig ge- 
nuine form des avestischcn dat.-abl. plur. der «-stamme; 
wenn sonst -abi/ö erscheint, z. b. f/acthahf/ö, und im dual 
-ähija, z. h. ndonliCihya = sanskr. näsdblti/unif so ist das Wieder- 
herstellung des Stammauslauts nach der analogie des instr. 
plur. auf -äbisJi, loc. plur. auf -ähti. Nach diesem lautgesetz 
ist vielleicht auch avest. rethydo visp. X 18 nur der regel- 
rechte gen. sing, von raiti-sli f. = sanskr. rait-sli. Also steht 
auch avest. raoci'byo für ein iudo-iran. ^raucubliyas, in welchem 
als dem reflexe eines indog. leuk-ebhios ich die älteste forma- 
tion dieses casus von -es- stammen sehe; leuk'^ebhio s war 
schon im indogermanischen aus urindog. *leiik'^ezb]iios 
entstanden, während gleichzeitig in lenk^ esbhis m^i\\i^\w.v.^ 
gemäss den griech. ogsaqu, sQbßeoqjiv, vor der einfachen con- 
sonanz der zischlaut noch fortdauerte. Der avestische instr. 
plur. raocebtsH, der ^'raocazbtsU lautgesetzlich heissen sollte, 
übernahm das -e- des dat.-abl. plur. und der dualform *>ao- 
cebya. Auch sanskr. mmiöbhyas, mdnöbhyäm vertreten folg- 
lich frühere *niäuubkyas, *mänuhliyam, indem sie, wie ebenso 
mänöbliish für lautgesetzliches *i)u'meb]i/sJi, aus indog. vi enes- 
bhis, die form mä)io des nom.-acc. sing, für den stamm ein- 
setzten, wol veranlasst durch nämabhyaSj näiiiahhisli neben 
nänid. Apers. rmicabish ist wol sicher nur eine analogie- 
bildung nach der form der ?j-stämme *ndmahish, da in dieser 
spräche ja die nom.-acc. sing, beider neutralen stammclassen, 
rauca und n(%ma, gleich auslautend wurden. Umgekehrt hat 
im altostiranischen eine beeinflussung der >^-stämme durch 
die s-stämme statt gefunden, die hier die bildung von avest. 
draomebyö, dämcbtsU nach raocebyö und seiner nachschöpfung 
raorebtsH zur folge hatte. Der contact beider stammclassen 
hub in dieser spräche, wie ich schon morphol. unters. II 3 f. 
anm. angenommen und wie ähnlich jetzt auch Bartholomae 
ar. forsch. I 92 f. lehrt, an bei dem loc. plur.: *üzahva (er- 

Oathoff, zur gppchichte d. poifecls i. in(iogcrmaiuschcn, 2 



— 18 — 

weitert aus üsahn) wie daniaJwa. Nur glaube ich jetzt nicht 
mehr, dass avcs^t. dzahu „mit aind. ämhassu auf das ge- 
naueste sicli deckt". Vielmehr wird zuerst *äzasn mit s aus 
SS (vgl. avest. dregvasii mit s aus ts nach morphol. unters. 
II 2) bestanden und dieses seinen ausgang -su mit dem nach 
rt-vocalen der spräche geläufigeren -hu vertauscht haben. 
Oder es haben vielleicht auch, was noch wahrscheinlicher 
ist, Hübschmann Kuhns Zeitschrift XXVI 606 und Bartho- 
loraae handb. d. altiran. dial. § 152 s. 57, § 181 s. 70 recht, 
wenn sie ursprüngliches -ss- sich schon indogermanisch zu -s- 
voreinfachen lassen und in avest. dzalm den genauen reflex 
einer erbform des loc. plur. der -es-themen sehen, mit be- 
rufung auf sanskr. ved. ämhasu mit einem -s- atharvav. VI 
35, 2, auf das, wie auf ved. apäsu 'bei den emsigen' rgv. VIII 
4, 14, zuerst Lanman Journal of the araer. asiat, soc. X 567 
hinwies, ferner auf indog. esi 'du bist' = sanskr. äsi, avest. 
ahi, griech. f?, ht. es\. ^) Es kann in diesem falle dann auch 



1) Vermutlich hinf|^ solche indogermanische reduction von -ss- auf -s- 
mit accentverhältnissen zusammen und i,'eschah nicht unter allen um- 
stünden. Etwa nicht nach haupttoniger silbe? Der loc. plnr. der neu- 
tralen -es-stärame indog. n >/^7j' es« = ved. ämhasu avest. äzcthii würde 
stimmen; ved. apäsu hatte als geschlechtiges und auf zweiter silbe 
accentuiertes -es-thema das einfache -s- durch analogiebildung nach 
formen wie ämhasu. Indog. esi 'du bist' könnte aber die enklitische 
satzform gewesen sein. Daneben stand als orthotoniert imlog. essi = 
homer. tiiai (und homer. syrak. lnai\ iain wieder enklidkon, vre^ii-fnai Od. 
n 248), armen, es. Dass sich armen, es nur aus *essi erklärt, geht aas 
den gesetzen über einfaches -s- im armenischen hervor, die Hübsch- 
mann Kuhns zeitschr. XXHI 15. zeitschr. d. deutsch, morgenl. ges. XKXVI 
117 ff. armen, stud. I 75 f. 80 erörtert. Nach es 'du bist' armen, beres 
'du trägst' als analogiebildung, sowie umgekehrt e 'er ist' nach lere 
'er trägt" aus *bereti (Hübschmann zur casusl. 334 anm. Kuhns zeitschr. 
XXIir 12 anm. 1). Mit dem accent von griech. h und (pl^;^ der seinem be- 
tonungsgesetz des griechischen verbnm finitum Schwierigkeiten macht, 
ist Jak. "Wackernagel Kuhns zeitschr. XXIII 460 ff. nicht überzeugend 
fertig geworden; vgl. auch Gast. Meyer griech. gramm. s. 351 anm. 
Alles ist in Ordnung, sowie wir von indog. est und bhusl mit 
nelientonig - tiefstufigem vocalismus des personalsuffixes ausgehen; 
auch die slavische form jesi, aus indog. esst (oder est), erfordert 
denselben, da es sonst ahulg. *Jes7 lauton niüssre. Aus est, bhast 
urgriechisch *;'"/, *'/'<1f. die nur zu liistor. fj, *(pu (erweitert um neu 



— 19 — 

apeis. raucahish, ausser von dem nom. sing, rmica, durch 
den loe. plur. auf *-aucä, '^raucauva = indo-iran. *rdi(c((Sü ä, 
und seinen parallelismus mit *nainauvä = sanskr. nämasv ä 
herbeigezogen worden sein. 

In welclior weise Hesse sich lautphysiologisch ein der- 
artiges gesetz. wie es betreffs der Verbindungen wie -sd-, 
-shh- + consonaut und -siJ-, -shit- + sonant für die indo- 
germanische grundsprache sich darzubieten scheint, recht- 
fertigen ? 

Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn mir in meiner 
individuellen ausspräche solcher Wortpaare wie hastard und 
estrich, laster und läsfre, in'nkel und ivinklig, iriiiter und 
(uber)ivmtre, handel und JiaudlMig, sonder und sondre, alter 
und altrej marter und martre, „die für die silbeugrenze 
charakteristische herabsetzung des exspirationsdruckes" (Sievers 
grundz. d. phon. 175) nicht genau an demselben punkte der 
inneren consonantengruppe zu erfolgen scheint. Bei der 
Stellung von -st-f -uh-, -nt-, -nd-, -It-, -rt- zwischen zwei so- 
nanten verteilen sich mir deutlich die zwei consonantischen 
einzellaute gleichmässig auf beide nachbarsilben, so dass ich 
bas\tard, las\ter, unnkel u. s. w. spreche. Nicht so schliesst 
bei -str-, -nid-, -ntr-, -ndl-, -ndr-, -Itr-, -rtr- vor folgendem 
sonanten die vordere silbe scharf mit dem ersten der die 
gruppe bildenden consonanten ab, sondern die silbeugrenze 
liegt bei estrich, lästre, whiHig, -tvintre, handlung^ soiidre, 
altre, martre, so wie ich wenigstens diese wöiter ausspreche, 
vielmehr in der mitte des zweiten consonanten : der verschluss 
des t, k, d wird in diesen Wörtern vor dem eintritt des mo- 
mentos der schwächsten expiration hergestellt, der neue Im- 
puls beginnt erst während der Verschlussstellung des t, k, d. 
Man könnte mathematisch auch sagen : da also in estrich, 
lästre, winklif/ , handle u. dergl. der Verschlussbestandteil 
des t, k, d zur erstcren silbe gehöre, nur die explosion den 
anlaut der nächstfolgenden silbe bilde, so finde genau ver- 



angetrotenes secundärsuffix -,• *<pa-i = ion. att. (pn--) führen konnton 
und auch als enklitika stets den accent behalten mussten, weil die ur- 
sprünglichen zweisilbigen formen lange ultima hatten. 

2* 



- 20 - 

teilung A'on je P2 consonanten auf jede der beiden nach- 
barsilbeii statt. Ich gestatte mir, dies Verhältnis graphisch 
durch estrich, lästre, ivinli'uj^ handlimg , im gegensatz zu der 
Silbentrennung von hüs\tard^ las\ter, tvin\hel, han\del, zur an- 
schauung zu liringen. 

Denken wir uns nun, im indogermanischen hätten, was 
die Verteilung der einzelnen acte der articulation der silben- 
trennenden consonanten anbetrifft, ähnliche distiuctionen wie 
die obigen gegolten, so sprach man in jeuer urzeit also zu- 
nächst sis\do setze znich. sitze' und tiiH\d6- nest', lenh'^es]- 
bhis instr. plur., aber andererseits *sisdreu- 'sitzung', 
Hiiik-eshhios dat.-abl. plur. Und es wirkte dann einfach 
das lautgesetz: s vor tönendem verschlusslaut derselben 
silbe assimilierte sich zu tönendem z; aus '-'sisdreu- ward 
*sizdreu- , aus ^lenk'-esbhios ^leuk^-ezbhios^ bei 
gleichzeitigem fortbestehen von sis\d6, nis\dö-, leuk-es- 
bhis mit tonlosem s. Wie ein mit nachfolgendem d zu 
einer und derselben silbe vereinigtes s ungleich weniger 
widerstandsfähig gegen die assimilatiouskraft des tönenden 
folgelautes sein muss . als ein durch die silbengrenze von 
dem d getrenntes s, ist ja wol vom physiologischen Stand- 
punkte ohne weiteres begreiflich. Aus * sizdr eu- , *leii- 
k- ezbhios entwickelten sich ferner, ebenfalls noch in der 
zeit vor der Sprachtrennung, indem nach Bloomfields werten 
„this z feil out and its voice lengthened the preceding t to 
Z" und e zu e^ in letzter Instanz indog. sldreu- = griech. 
*f()pt'F-, wovon fdov-o), indog. le iik- ebJiios = indo- 
iran. * /• ä u c ä bliy a s avest. raocebijö. 

Es könnte also scheinen, als ob wir der indogerma- 
nischen grundsprache jetzt die formen wie sisdo 'sitze', 
nisdo- 'nest', osdo- ast', misdho- 'höhn' noch mit unver- 
sehrtem tonlosem s zuzuweisen hätten, obwol ich früher selbst 
Kuhns zeitschr. XXIII 87 ff. für einen tönenden ursprach- 
lichen Zischlaut in eben diesen plaidiert und damit die Zu- 
stimmung von Curtius grundz. d. griech. etym.^ 88 f. und 
Kluge Kuhns zeitschr. XXV 313 gefunden habe. Der Über- 
gang von -sd- in -zd- hätte sich in diesen fällen einzelsprach- 
lich vollzogen, indem die einzelsprachen an ihrem teile nun 



— 21 — 

nicht mehr wie die mutterspraehe die assimiherbai-keit des 
6" von seiner stelhing im silbeninnern abhängig sein Hessen. 
Und einige der einzelspraclien wären dann auch, nach er- 
langung der , stufen sizdö, >ilzdo-, mizdho- , für sich 
einen eben solchen weg weiter gegangen wie das urindoger- 
manische von seinen Vorstufen '^'sizdreu-^ *leHk-ezhh [os 
aus: das hitein und das sanskrit, welchen sich 7 aus *iz, 
sowie aus *oz und sanskr. e aus *az in shlö^ )üd>if>, itödns^ 
in ^'siddnii (vergl. s. 2 tf.), nidäs, niidhd-, si'dnr 3. plur. perf., 
edht 'sei', nhlishtlias superl. , wenn auch ausser allem ge- 
schichtlichen Zusammenhang mit indog. sldreu-, leuk-e- 
bhios, so doch in folge des gleichen physiologischen actes 
wie in diesen einstellten. 

Für die betreffende sanskritische lautentwickelung könnte 
es ferner scheinen als hätten wii- einen bestimmten anlialts- 
punkt zur relativen sprachchronologischen daticrung. Es ist 
erwiesen, dass der Übergang des indog. s in -^ (s}t) nach 
nicht-«-vocalen ein schon der indo- iranischen grundsprache 
angehöriger lautwandel war; vergl. Hübschmann Kuhns 
zeitschr. XXIII 6. 14. 16. XXIV 351 f. 380. 383. 407 f. 
410. armen, stud. I 82, Spiegel vergleichende gramm. d. 
alterän. spr. 26, Bartholomae handb. d. altiran. dial. §§ 162 ff". 
3. 59 f. Xun erscheint im iranischen nach /- und «-vocalen 
parallel dem •? aus s auch tönendes cerebrales ~ (zli) aus z 
mit nachfolgenden tönenden consonanten, also avest. mizhdem, 
nizhhereto, nizhdaredairyät, nizhyanhenti und duzhddo, diizh- 
daeno, dadüzhhisli, yaozhdd- gegenüber hazdydt, uazdisUtö, 
mazddo^ niyazdem, dazdt. Und das sanskrit zeigt denselben 
gegensatz durch die bei vorhergehenden i- und ?<-vocalen 
hervortretende cerebralisierung nachfolgender tönender den- 
tale, durch den contrast von mdäs, puläyati, nüdhäm, 
midhvän, sowie dudäbha-^ düddc-^diidJu- und andererseits sediir, 
nedishthas, cdhi, medhd, miyedham. Ygl. Hübschmann Kuhns 
zeitschr. XXIV 351 f. 407 f., Bartholomae handb. d. altiran. 
dial. § 164 s. 59 f. § 172 s. 62. Die fälle wie sanskr. 
trmdhi 3. sing, praes., trnedhu iva^ew von frt;7t- 'zerschmettern', 
sddhd- partic. pract. und sädhar- nora. ag. von sah- 'bewäl- 
tigen', hüdhd- partic. praet. von hamh- befestigen' wider- 



— 22 — 

sprechen der regel nur scheinbar, da in ihnen der wurzel- 
auslaut etymologisch indogermanischer palatal gli^ d. i. indo- 
iran. i/< war: trnedlii = indo-iran. 'Hriiäidhi aus *trnäihdhi, 
Hrndzhti. 

Die grundformen '^m~düs^*si~dämi, ^mizdhmn^ *pi^dayati 
stehen also freilich fest als nächste Vorstufen der historischen 
sanskr. ntdds, *s'/dämi u. s. w. Dennoch folgt hieraus weder, 
das» jene grundformen mit M, Mh die bereits in der indo- 
iranischen einheitssprache herrschenden gewesen seien, noch 
dass ihr z direct aus früherem z durch dasselbe gemeinsame 
lautgesetz der Inder und Iranier entstanden sei, welches ton- 
loses « nach i- und ?(-vocalen aus s hervorgehen Hess. Es 
kann recht wol auch die reihenfolge der lautentwickelungen 
die von urindog. nlsdö- zu gemeinarischem *mHa-; weiter 
zu ursanskr. und uriran. *nüdä- gewesen sein, so dass folglich 
das tönend werden des cerebralisierten Zischlautes ein einzel- 
sprachlicher lautvorgang der beiden idiome gewesen wäre 
und eine Übergangsstufe *nizdd- niemals bestanden hätte. 
Entsprechend muss eingeräumt werden, dass wir zur an- 
setzung der *sazdyät, *ndzdisthas, *azdlü als urarischer for- 
men durch nichts gezwungen sind: die gemeinsamen vor- 
fahren der Inder und Iranier mögen ganz wol noch *sasdi/ät, 
*ndsdiHhas, *asdhi ohne die assimilatorische erweichung des 
Sibilanten neben *dazdhi 'gib', *mazdJids 'weisheit' mit zd, 
zdh (aus "^ddj *ddh) gesprochen haben. 

Der annähme eines tönenden Zischlautes z selbst für 
die indogermanische grundsprache will ich mit den obigen 
erörterungen selbstverständlich nicht in den wog treten. Mir 
scheint Bartholomae ar. forsch. I 20 f. anm. für einige fälle 
entschieden mit glück zu operieren, wenn er auf grund ira- 
nischer lajitverhältnisse indog. z vorauszusetzen fordert an- 
statt s. So namentlich für das praefix indog. duz-. Indo- 
iran. *duz-dhds, *duz-d]idbhas, *duz-dhis sind für mich durch- 
aus zulässig neben meiner betonung der möglichkeit, 
dass die Arier in *nmlä-, *siSddnii, *misdhd- das zd, ~dh noch 
nicht gekannt hätten. Nur würde ich wegen des indog. 
sidreu- aus * sizdreu- und -ehhlos aus * -ezhliios im 
dat.-abl. plur. der -es-stämme anzunehmen haben, dass die 



- 23 — 

Arier in den mit dnz-d-, duz-dh- und dul-hh-, dnl-(j-, du~-gh- 
begiunenden compositen das praefix nach analogie des du^- 
vor vocalcu, wie in avest dazli-upa-, duzh-ita- diizJt-ukhta-, 
neu aufgefrischt hätten; von alter zeit her überliefertes in- 
dogermanisches *duz-d-, * dttz-dh- hätte schon im 
indogermanischen selbst zu *dä-d-, *dä-dh- werden müssen. 

Alle diese bemerkungen sind indes doch nur geeignet, 
die möglichkeit darzutun, dass die Indogermanen noch 
nisdö-, sisdt) mit tonlosem s gesprochen haben. Wer 
trotzdem an indog. nizdo-, sizdö mit tönendem zischlaut 
festhalten will, der darf es tun und hätte nur anzunehmen, 
dass in diesen fällen die erweichung des ursprüngUch ton- 
losen s, wenngleich auch schon im indogermanischen, doch 
erst nach der zeit der giundsprache eintrat, in welcher sich 
bereits sidren- und der dat.-abl. plur. der -(?5-stämme auf 
-ehhios mit einbusse ihres frülieren tönenden sibilanten ent- 
wickelt hatten. Dann kann auch bereits die indogermanische 
grundsprache, anstatt der indo-iranischen, die herstellung des 
duz- vor tönenden consonanten nach der analogie desselben 
praefixes vor vocalen vorgenommen haben, mit ähnlicher, 
nur in anderer richtung erfolgender aüsgleichung, wie später 
die griechische spräche .ihre Öva-arjc, dvo-ojHjuaTog, dvq-MÖrjc 
und dvn-i.i^vi-jQ nach der norm von dvo-y.Xsrjc, övo-rrotiioc, dva- 
Tv/Jic u. dergl. gestaltete. 

Dass in sanskr. sedi'ir, edhi u. dergl. die qualität des 
ersatzdehnungsproductes als e mit der qualität des darin unter- 
gegangenen indog. e zusammenhänge, habe ich früher selbst 
morphol. unters. II 4 anm. IV vorw. s. YII f. mit Joh. 
Schmidt, Havet u. a. geglaubt, und neuerdings sucht das- 
selbe ßloomfield American Journal of philology III 1 flF. mit 
grossem Scharfsinn und vieler gelehrsamkeit zu erweisen. 
Jetzt möchte ich die richtigkeit dieser ansieht sehr entschieden 
in abrede stellen. 

Es spricht erstlich gegen sie der umstand, dass, wie 
wir zur genüge erkannt haben, der Ursprung solches sanskr. 
e in allen dahingehörigen fällen erst im speciellen sonder- 
leben der altindischen spräche zu suchen ist. Es müsste 
also, was doch wohl sehr bedenkhch wäre, angenommen 



- 24 — 

werden, dass selbst die arische grundsprache nocli bei ihrer 
Spaltung- in indiscli und iranisch das alte indog. c (oder a) 
allgemein besessen habe, dass man z. b. noch nicht von 
einem indo-iran. ca 'und', sondern nur von *ce (*ca), folge- 
richtig auch nicht von gemein-arischem '^dhadhätl er setzt', son- 
dern erst von ^dltedlü'ti (oder *dhäd]t.(Ui') auch für diese periode 
reden dürfe. Ihren so ausgeprägten gemeinsamen charakter 
als (Z-sprachen gegenüber den sämtlichen anderen indogerma- 
nischen Schwestern hätten jene beiden auerkanntermassen fast 
nur wie zwei dialekte einer spräche von einander abstehen- 
den Idiome Asiens nur durch eine zufällig übereinstimmende 
einzelent Wickelung erhalten. 

Sodann aber kennt ja das sanskrit unter jenen seinen 
„ersatzdehnungs"-ß auch solche, bei denen sicher nicht in- 
dog. e zu gründe liegt. Zunächst ved. hiijcdhä- 'vielum- 
fassend, capax' aus *kiyat-dhä- von klycmt-, was Benfey gloss. 
z. sämav. 150 b. nach dem vorgange indischer granunatiker 
lehrte, später Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 62 und 
Brugmanu morphol. unters. III 144 ff. weiter begründeten. 
Hier ist also sanskr. a = indog, n in dem e untergegangen. 
Wenn Joh. Schmidt a. a. o., um trotzdem die e-qualität hinein- 
zubringen, sich auf eine frühere bemerkuugBrugmannsCurtius' 
stud. IX 302 f. 305 beruft, dass die „nasalis sonans" in der 
„europäischen grundsprache" 'm., 'n gelautet habe, so wird 
Brugmann selber wol auf diese seine äusserung jetzt nicht 
mehr viel geben-, schlimmsten falles wäre die „europäische 
grundsprache" immer noch nicht die indogermanische und 
immer noch verschieden von der indo-iranischen. Das, was 
Schmidt als „den für uns ungünstigsten fall" bezeichnet, 
„dass in den arischen sprachen wie im griechischen reines 
a, nicht ä an entsprechender stelle gestanden habe," wird 
allerdings der einzig anzunehmende fall sein. Was aber 
Schmidt weiter vorbringt, um selbst unter diesen erschweren- 
den umständen die e-qualität des zweiten vocals in *kii/at- 
dhd- zu rechtfertigen, ist so problematischer natur, dass es 
einer Widerlegung kaum bedarf: selbst wenn das starkstäm- 
mige k'iyant- auf kiyat- in *k/yat-dhd- eingewirkt haben sollte, 
woher weiss Joh. Schmidt, dass jenes noch im sanskrit e- 



— 25 — 

farbig *kiyänt- war? Ein zweites beispiel wie klyedhä könnte 
sanskr. »icdJias- oder niedJtä- einsieht, Weisheit" = avest. 
niazddo, apers. tnazdä sein, weun wir den etyniologischeu 
andeutungen von Ilübschmann Kuhns zeitschr. XXIII 894 
anm. und Bartholomae ar. forsch. 113 folgend als die wurzel 
indog. inendh- 'klug sein', gvlech. utvO- in /ntvS-rjo ff (poovrig 
Hesych. gelten lassen : dann hätte das indo-irauische nomen 
die wurzelstufe von grioch. s-jita^^-ov aor. und /.idd^-oq n. 'das 
lernen, die lehre; doch könnte hier auch an die von mendh- 
verschiedene wurzel indog. med- 'messen, anordnen in got- 
mit-an, griech. usd-ai^ /Lad-ouai, utd-ovvsg, lat. med-eor, med- 
-iciis, med-itor^ gedacht werden. Brauchbarer ist für unseren 
gegenwärtigen zweck sanskr, iiedlijas compar., ncdishtha-s 
superl. = avest. nazdyö, nazdisTitö. Brugmann morphol. un- 
ters. II 156 III 144 deutet das darin zu gründe liegende 
na-zd- 'nahe' sehr ansprechend als 'iffiC(or, jioootjiuvoc^ in- 
dem er das mit der tonlos-tiefstufigen gestalt der wurzel sed- 
'sitzen' verbundene praefix na- dasselbe wie das avest. ana 
'auf, griech. „anastrophiert" ava (proklitisch «V«), got. ana 
sein lässt; völlig erlaubter weise, zumal in anbetracht von 
indog. pö- ^ lat. po- (in po-situs, p'o-Uö) , osset. fa-, ger- 
raan. */o- (iß ahd. fo-na) neben indog. äpo = sanskr. äpa^ 
avest. apa, griech. aiio {äno), lat, ah, got. af, nach verf. mor- 
phol. unters. IV 340 f. Also wäre auch in dem e von sanskr. 
nedti/as, nhUshtha-s ein anderes kurzes a absorbiert worden 
als dasjenige, welches indog. e vertritt. 

Was bedingte denn aber den eintritt eines sanskr. e 
für *az, wenn nicht die provenienz von einem e - laute der 



* Ich sehe keinen grund ein, warum Curtius grundz. d. griech. 
etvni. ^ 2-13 und Vanicek etym. wörterb. d. lat. spr. 2 209 f. lat. med-e)% 
med-itärl, ined-iciis, med-ela wegen des avest. madh- (mad-) 'niederi', 
madh-a- m. 'heilkunde, Weisheit', vi-mädh-anh- n. 'ärztliche behandlung" 
von got. mit-an, griech. uf'S-w und von der sippe des lat. mod-u-s selbst 
abtrennen zu müssen ghiubon. Die zendwörter können doch auch sehr 
wol zu med- 'messen' gehören, umgekehrt lat. med-erl u. s. w. kaum 
zu griech. ^ua^- 'lernen', weil bei diesem eben wegen des iu(v9->]ot] der 
innere nasal doch wol zu den integrierenden wnrzelbestandteilen zu 
rechnen ist. 



— 26 — 

indog-ermanisclien grundsprache? Moiuer nicinung- nach tat 
dies allein der /-lialtige charakter des stimmtons der tönen- 
den Zischlaute z und i (^= indog. (jh^^. Aus ursanskr. *sazdicr, 
*azdht, *näzdishth((-s, ^kii/azdhd- entfalteten sich zunächst 
gleichsam *sa'zdür, *a'zdhl, *nä'zdishtJta-s, *klij(C zdhä- ; aus 
^tnidzdhi entsprechend HnuCzdhi. Indem dann das parasi- 
tische /-elcmont immer mehr erstarkte, wurde aus a' allmäh- 
lich der volle doppollaut rt/^, der fortan mit dem alten aus 
indo-iranischer zeit ererbten al (= indog. e'i, ol, ai vor con- 
souanten) die gleichen wege der Verwandlung zu mono- 
phthongischem e ging. 

Es bieten sich bei dieser auffassung des sanskr. e aus 
*az als einer art i-umlautes melirfach verwandte orscheinungen 
aus der lautgeschichto anderer sprachen zum vergleiche dar. 

Bekannt ist im skandinavischen „die umlautwirkende 
kraft des aus z entstandenen r," z. b. in anord. ker 'gefäss', her 
bar, bloss', frorinii 'gefroren', k/Jr 'kuh', si/r 'sau, e]/ra 'ohr', 
rei/r 'röhr'. Vergl, Verner Kuhns zeitschi'. XXIII 113 anm. 
nebst den dort gegebenen eitateu aus Schriften schwedischer 
und dänischer Sprachforscher (^Bugges, Wimmers, Steffensens), 
ferner verf. Paul -Braunes beitr. III 15 anm., Paul ebend. 
YIII 213. Es wird doch wol unstreitig nur z selbst, zur 
zeit als es noch bestand, nicht r diesen skandinavischen /- 
umlaut erzeugt haben; also syr aus *'süz, *su'z, *sJ)z. 

Aber auch das altgriechische hat analoge Vorgänge 
aufzuweisen. Ich erinnere zunächst an den Ursprung der 
Imperativform l(Tdi sei', welche ich Kuhns zeitschr. XXIV 
583 ff. richtig vermittels der Vorstufen 'zdhl, zdhi aus indog. 
s-dhi = avest. z-dt hergeleitet und für die entfaltung der 
e'-protheseden eigentlichen grund „geiade in dem ehemals tönen- 
den charakter der lautgcuppe z-dh"' erkannt zu haben glaube. 

Noch ein anderes griechisches zeugnis dafür , dass 
tönendes z i-epenthüsc vor sich bewirkt, wählend gleichzeitig 
tonloses .s, welches ja als solches vor allen dingen mit i den 
stimmton nicht teilt, sich dessen unfähig zeigt, finde ich in. 
dem elischen dialekt und seinen formen des acc. plur. auf 
-OK), -ain: aXXnin^ toIo 3-(:a<)oi'o, x«r«^ff^/,o auf der Damokrater- 
inschrift (Cauer del. inscr. Graec. nro. 116 s. 135 f.). Es 



— 27 — 

kann niclit zufällig sein, dass das elische diese sonst nur der 
lesbisoheu mundart eigentümliche Verwandlung von oi-, ar 
vor einem Sibilanten in oi, «/ nur im wortauslaute kennt, 
d. h. da wo derselbe dialekt auch den rhotacismus des -g 
vornimmt; auf demselben denkmal stehen el. ndoar, Tiuoär, 
ärraTiod'idcoooar, diese im gegensatz zu lesb. na7au, di'Soina. 
Für den rhotacismus des s wird auch im elischen^ wie wol 
überall, als die Vorstufe tönendes z anzusehen sein. Ich 
nehme also an, dass im elischen aus *-on2:, *-aHz im acc. plur. 
sich *-onz, *-ans mit palatalem nasal, weiterhin *o'n2:, *a'nz 
mit der von dem palatalen nasal gewirkten /-epenthese ent- 
wickelten; das palatalwerden des nasals aber hatte die i- 
farbige uatur des tönenden z verschuldet. Aus den *-o'nz, 
*-a'nz wurden allmählich *-oi"z, -aP^z, dann "^-oiz, *aiz, wo- 
raus histor. el. -oio, -aio. Und wenn andere elische Inschriften, 
die älter sind als das ehrend ecret für Damokrater. auch firaig, 
xa&vTuic als acc. plur. zeigen (Meister d. griech. dial. I 78), 
so widerspricht das nicht: wer sagt uns, dass hier nicht etwa 
-uig nur der graphische ausdruck für -aiZ; also für jene letzte 
Vorstufe von -can ist? Aber auch el. doa/iKxg auf der alten 
bronze archaeol. zeitg. 1877 taf, 4 gibt von Wilamowitz- 
Möllendorff zeitschr. f. gymnasialw. 1877 s. 14 nicht das 
recht, über Cauer herzufallen, weil dieser mit dem „über- 
legenen Standpunkte des sprachvergleichers" in jenen acc. 
plur. der Damokraterinschrift auf -oto, -aio „productionem 
supplctoriam eandem quae in Aeolide Lesbiaca usitata est" 
witterte. Ich habe mich liter. centralbl. 1879 sp. 1096 aus- 
führlicher darüber ausgesprochen, dass und wie man sich für 
die ältere zeit des elischen dialekts das nebeneinanderbestehen 
von doppelformen mit auslautendem tonlosem -g und mit 
(tönendem -z =) -p zu denken habe. El. öoa/uög war in 
dieser periode die satzne benform zu doa/uuio (oder Wpa;^^^«/^), 
indem im elischen eben nicht, wie im lesbischen, auch ton- 
loses s die kraft besass, vorhergehenden nasal zu palata- 
lisieren, also aus -ans elisch nicht *-ans^ *-a'ns wurde, wie 
desgleichen nicht im inlaute bei näoav, arruvodiöviGoav. Aus 
der doppelheit von el. -äg und -uin konnte sich aber in der- 
selben periode auch das mischproduct -aig bilden, und so 



— 28 — 

siud denn vielleicht jene el. jumic, xad^vraic eher aufzufassen; 
ebenso war andererseits die compromissbildung -ao möglich, 
so dass hierdurch auch Hesychs glosse d'r/.ao' rovg y.Qtrag 
' HXhoi zu ihrem rechte käme, welche von Wilaraowitz-Möllen- 
dorflF a. a. o. ebenfalls gegen Cauer ins feld rückte. 

Tönendes i = indog. //A' nach kurzem a vor tönendem 
consonanten scheint im sanskrit seine kraft, /-epenthese wie 
in der 3. sing, praes. tr^itdlä zu wirken, in dem einen falle 
nicht betätigt zu haben, wenn dem a ein v (oder wol n con- 
sonans) vorherging. Denn darin kann man Bloomfield 
American Journal of philology III 6 f. wol beistimmen, das 
in ved. yrä-vodhiim infin., nxlJiar- nom. ag. von raJi- vehere' 
sich das ö anstatt e als „the result of the labializing influence 
of r upon a foUowing vowel" erkläre. Vergl. auch Ilavet 
revue crit. 1882 nro. 30 s. 63. Der keim der abweichen- 
den entwickelung zu o lag für vödhum in der ausspräche 
seiner grundform als ^nazdlium. Das in assimilation an u- 
enstandene ä (helles o oder o-farbiges ci) aus a liess den an 
sich /-farbigen stimmton des -5 uiclit in dieser seiner eigen- 
art aufkommen oder auch, anders ausgedrückt, liess das i 
nicht in seiner indifferenzlage verharren, so dass es seine i- 
farbe verlor und bei seinem verklingen einfach das ä durch 
mitteilung seines stimmtones an dasselbe zu ö verlängerte. 
Wenn zu sanskr. vas- anziehen, kleiden', praes. väste, die 
2. plur. praes. indic. nicht *vödhvai)i (oder nach indogerma- 
nischer weise *vädhvam) lautet, sondern vadhvam nach Böht- 
lingk-Roth Petersb. VI 82(5 vorkommt, so ist dafür die ana- 
logie der vielen übrigen formen mit wurzelhaftem a verant- 
wortlich zu machen. 

Consequcnt hat man wol auch anzunehmen, dass in 
sanskr. cäMnü, väste das a nach v einmal als ä und so 
überall nach v = n consonans gesprochen wurde, aber kurzes 
d kam im sanskrit nicht als ö auf, sondern ging wieder in 
reines a, wenigstens in der geschriebeneu spräche, zurück. 
So ja auch, wenn nach den gesetzen des „äusseren sandhi" 
sich wortschliessendes -ö aus -as vor folgenden anderen vo- 
calen als ä- nach der alten rcgel „vocalis ante vocalem cor- 
ripitur" zu *-o (*-a) verkürzte: Brhadacva uväca a,us *Brha- 



— 29 — 

da^vö uväca (luicli die mittelstufo *Brhad<irvo uvara lün- 
durch. Und analog war es moinos enichtens im ontsproelion- 
den falle mit wortschliesseiidem sanskr. *-e (*-d) aus -? in 
gleicher läge: rana asti' aus *ranv äste über *n(ne aste 
hinüber. Yorgl. auch Bloomfield a. a. o. 17 ff. 

Wenn aber Bloomfield a. a. o. 4. G auch in sanskr. 
shö-daca, s]iö-(la/if- und slio-dliä von sJiasJi 'sechs' das o ähn- 
lich unter herbeiziehung des r von avest. JiJishvasH, armen. 
vec; griech. herakl. Fi-'i und kymr. durecli deuten will, so 
muss ich schon wieder meinen dissensus aussprechen; diese 
erklärung scheint mir zu weit hergeholt. Man hat zu berück- 
sichtigen, dass jene sJiö-dara^ shö-dant-, sJiü-dliä im ganzen 
sanskrit der einzige fall sind, wo cerebrales c, als rcflex 
des tonlosen auslautenden -S in dem simplex shash, nach 
einem a-vocale vorkam. Cerebrales z aber hat natur- 
gemäss nicht die /-umlaut wirkende kraft, die dem dentalen 
z und dem palatalen i eignet; sondern der stimmton von 
cerebralem ~ ist entschieden mehr z<- färb ig. Folglich sta- 
tuieren wir, dass in *shaz-daca vielmehr «-epenthese 
statt fand : *shcCz-daca, daraus *shauz-daca, *shöz-daca, sliö-duca 
wie aus *)iä'zdishtha-s hervorging *näizdisht]ia-s, ^ezdishtha-s, 
nedishtha-s. Man wende nicht ein. dass dann auch *trnod]n 
anstatt tnmjhi, nach dem zeugnis des ja cerebralen dli^ hätte 
entstehen müssen. Hier war die reihenfolge der lautüber- 
gänge vielmehr diese ■.*trnd'zdhi, ^trndlzdhi, '^tr^idizdhi u.s.w.; 
d. h. erst weckte der palatale zischlaut z seiner natur ge- 
mäss /-umlaut. darnach erst wandelte sich i in den cerebral 
~ um, was vor consonanten im sanskrit wie im iranischen 
den palatalen s, z aus indog. k^ und g\ yh^ regelmässig 
widerfuhr, z. b. auch in sanskr. spashtd-s partic. 'spectus' aus 
indo-iran. *spastd-s = indog. spek^-tö-s, sanskr. dishtish 
avest. ä-dislitisli aus indo-iran. *distis = indog. dik^tis, 
sanskr. ved. ashtd acht' avest. asJita aus indo-iran. *astd 
= indog. okHö u. dergl. Vgl. Ascoli volles, über d. ver- 
gleich, lautl. SG ff. studj crit. II 15 ff. 367 ff., Ilübschmanu 
Kuhns zeitschr. XXIII 385 f. Wir sind berechtigt, noch 
nicht mit Bartholoraae liandh. d. altiran. dial. § 163 s. 59 
in diesen fällen die indo-iranische grundspraohe bis ganz zu 



— 30 — 

dorn cerebralen «^ z gelangt sein zu lassen: den letzten schritt 
von *a,sf(i zu asfct mögen beide zweige wol unabliängig von 
einander getan haben. 

liire Wirkung des ?'-umlautes haben im sanskrit dentales 
z und palatales i auch dann nicht zur geltung zu bringen 
gewusst. wenn der vorhergehende a-laut langes d war. Das 
bezeugen einerseits ved. cd-dhi imper. praes. act. rgv. II 
28, 6 und ca-cu-dhi imper. perf. act. rgv. YII 1, 20. 25. aus 
*cäz-dhi, *^a-cäz-dhi; die perfectform mit derselben aus- 
gloichung der perfectischen Stammabstufung der wurzel gäs- 
'zurechtweisen' wie ved. ca-cds-ä, ca-cds-ur 2. 3. plur. indic. 
(de Saussure syst, primit. 171). Weniger anscheinend schon, 
um von der 2, plur. imperf. med. d-dhvam von as- 'sein als 
einer unbelegten form abzuzehen, ved. dr d-dhvam 2. plur. 
aor. med., auch wenn wir dieses mit Whitney ind. gramm. 
§ 881 s. 806 (anders Grassmann wörterb. z. rgv. 1154. 1155) 
dem sigmaaorist von rd- 'schenken, gewähren' wie die 3. plur. 
med. ved. ä-rd-s-ata zuweisen: vor der doppelconsonanz -dliv- 
könnte bereits auch das indogermanische verklingen 
des tönenden Sibilanten (s. 15 ff. 50) stattgefunden haben; doch 
spricht ja die dem s-aorist zuzuerkennende ursprüngliche 
vocalabstufung der wurzel (de Saussure syst, primit. 191, 
Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXY 600, verf. morphol. unters. 
IV 37. 80. 390. Paul-Braunes beitr. YIII 552) für altindische 
neubildung des ä-rd-dlivam und ä-ru-s-uta, also dass auch die 
entstehung des ersteren aus *ä-rä-z-dhvam nach speciellem 
sanskritischen lautgesetze immerhin das wahrscheinlichere 
wird. 

Für palatales i = indog. gh"^ nach langem (/ kommen 
andererseits in betracht die schon oben s. 21 f. erwähnten ved. 
sddhä- partic, sädhar- nom. ag. von sah- 'bewältigen', hddhd- 
partic. von hamh- 'befestigen'. Ihre vorhistorischen altindischen 
grundformen sind sicher *sdz-dhä-, *säz-dhar-, *hdz-dhä- ge- 
wesen. Was *bdz-dhd- = hddhd- anbetrifft, so beruht es 
auf indog. hhiigh^ -to-, d. h. es ist ablautsgleich mit den 
morphol. unters. lY 72 ff. behandelten indog. l, ä aufweisen- 
den -f (5-bildungen wie sanskr. hh1-td- , hhü-td- u. dergl.; 
wegen sanskr. d aus langer „nasalis sonans" vgl. morphol. 



— 31 — 

unters, vonv. s. TV f. Für *saz-(Ui('(-s, *säz-dhar- ^= sädlid-s, 
sddhar- wird uns der fortgang dieser uutersuchuDg die reclit- 
fertigiing der vocallänge ä ergeben. Dass die erst nachve- 
dischen nebenformcn södha-, sodhar- und infin. södlium von 
sah- analogiebilduugcn uach dcu entsprechenden formen von 
vah- vehere' sein müssen, bei welchen letzteren sich das 
lautgesetzlich erklärt, erkannte schon richtig Bloonifield a a. 
o. 6 f. 

Im allgemeinen dünkt mich 'mit der erscheinung, dass 
gewisse vorhergehende vocale im sanskrit, *« (nach r) und 
d, die '/-epenthese des z oder i nicht durchbrechen lassen, 
die kurzes reines ä immer gestattet, wol einigormassen ver- 
gleichbar zu sein, was wir von der geschichte des /-umlauts 
auf germanischem boden wissen. Im althochdeutschen ist 
ja auch kurzes a noch der einzige vocal, der seine undautung 
zu e bereits zeigt. Die sämtlichen übrigen später umge- 
lauteten vocale werden dies erst in der mittelhochdeutschen 
periode, widerstehen also wenigstens länger, wenn auch nicht 
für immer. Aehnlich kennt das mittelniederdeutsche nach 
Lübben mittelniederd. gramm. §.26 s. 29 ff. (vgl. auch Ph. 
Strauch deutsche litteraturz. 1882 s. 1153) bis ca. 1500 nur 
den umlaut des a : e und erweitert dann das gebiet des um- 
lauts durch einwirkung der hochdeutschen litteratur. 

Yen ihrer ganz besonderen art sind noch die von 
Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 406 besprochenen fälle 
mit sanskr. // für vermeintliches sg, zgli : sanskr. majjän- 
m. 'mark', avest. niazga-vaiti adj. f. 'reich an mark', abulg. 
mozg-ü m., anord. merg-r m. ags. mearT, alts. ahd. niarg n. 
mhd. mark n. (gen. niarges) nhd. mark n. 'medulla', uhd. 
ab-, aiis-mergeln (Kluge etym. wörterb. d. deutsch, spr. 21Gb. 
223 b) ; sanskr. majj- 'tauchen, untersinken', praes. mdjj-(i fi, 
lat. merg-ö^ lit. mazg-öju wasche, bade'; sanskr. rdjju- f 
m. 'strick, seil', lit. rezg-i-s 'korb, korbgeflecht', lett. refchg-i-s 
'flechtwerk', lit. rezg-ü 'stricke, flechte', lett. rejch§-et reJchg-H 
'flechten' (Bezzenberger in seinen beitragen T 68) ; sanskr. 
hhrajj- rösten', praes. hlirjj-ä-ti, lat. frig-o. Ihnen reihen 
sich noch an: sanskr. lajj- 'sich schämen', praes. med. /«//- 
-ä-te, lajj-ä f. 'schäm, Schamgefühl'; sanskr. .s'a;^- anhängen, 



— 32 — 

hängen bleiben, sieh anheften, stecken bleiben, stocken, 
zögern', praes. med. sajj-a-te und episch act, sajj-a-il (Böht- 
lingk-Roth Petersb. wörterb. VII 556 unter sanj-). 

Als Wurzelauslaut liegt ihnen anscheinend meistens velares 
indog. (ß VAX gründe. Aber sanskr.»»«//«??- mark' und genossen 
hatten nach dem zeuguis des germanischen indog. glfi (vergl. 
Kluge german. conj. 75 f. Kuhns zeitschr. XXV 314. etymol. 
wörterb. d. deutsch, spr. 216b); und ghr vielleicht auch noch 
mehrere der übrigen Wörter, denen man es sogleich nicht 
ansieht. Für sanskr. hhrajj- 'rösten' allein ergibt sich nach 
dem ausweis indischer und iranischer formen indogermanischer 
palatal ,^^; vergl. Hübschmann a. a. o. anm. 3. 

Bei majj- 'tauchen' und hhrajj- 'rösten' kenneu selbst 
die indischen grammatiker noch, wie auch Hübschmann er- 
wähnt, die wurzelformen masj-, hhrasj-. Ich glaube aber 
nicht, dass man diese so ohne weiteres mit Hübschmann als 
graphische Substitute für *mazj-, *hhrazj- ansehen darf, son- 
dern man muss das s zunächst als das gelten lassen, was 
sein schriftzeichen im sanskrit gewöhnlich darstellt, als wirk- 
liches tonloses s. Damit allein kommt man auf eine er- 
klärung dafür, dass hier nicht wie sonst im altindischen az 
vor tönenden consonanten in e verwandelt ist. Zunächst 
widersprechen nach dem oben s. 20 ff. ausgeführten die tönen- 
den z in avest. mazgavaiti, lit. mazgoju, rezgis oder die r 
aus tönenden z in anord. mergr u. s. w., lat. mergere nicht 
dem ansatze eines noch tonlosen s vor indog. //-; gJtr, g^ : 
das tönendwerden des s kann in dem sonderleben der einzel- 
sprachen erfolgt sein. Das sanskrit aber liess hier ausnahms- 
weise tonloses s bestehen; wie ich vermute, aus einem dissi- 
milatorischen gründe. Sanskr. j = indog. g^ (in hhra.y'-) 
und das durch die indo-iranische palatalisierung der alten 
Velaren aus indog. g" enstandene sanskr. J enthielten in sich 
als Schlussbestandteil ein tönendes ~. Diesem wäre dentales 
z vor dem tönenden palatal zu klangähnlich gewesen, daher 
Unterhess man die eine kakophonie herbeiführende assimila- 
tion von masj-, hhrasj-, d. i. phonetisch masdz-, hltrascU-, zu 
*mazdz-, *hhraziU-. Ein auch von Kluge Kuhns zeitschr. 
XXV 314 schon berührtes Specialgesetz über indog. gli- im 



— 33 — 

Sanskrit war dann noch dies, dass es im falle seiner palatali- 
sierung unmittelbar hinter einem anderen consonanten seine 
aspiration oinbüsste, also als sanskr. j wie die nichtaspirierte 
media indog. </-, nicht als sanskr. li, welches letztere eben 
nur anlautend vor vocalen und inlautend zwischen vocalen 
gilt, erscheint: *inasjcm- mit -sj- = indog. -sfjh'^-. Sagen 
wir jedoch einfacher: aus ursanskr. ^h, soweit dies, anstatt 
h, der altindische Vertreter von indog. gli'- und yli^ zu bleiben 
hatte unter den besagten umständen und sonst, ging hauch- 
verlustiges sanskr. j hervor. Denn dass „;7i die Vorstufe von 
sanskr. h ^^ gh"" war, erschliesst mit recht Ilübschmann Kuhns 
Zeitschrift XXIII oUl aus der Imperativform ved. jalil 'schlage, 
tödtc' = *jn(lln für "yliadlii nach dem hauchdissimilations- 
gesetze. Kluge a. a. o. beruft sich auf sanskr. kuhjä-s =^ 
griecli. y.V([.6-q und sanskr. uhjä- (in uhjätl praes.) = griech. 
€ß()-; die griechischen formen sollen nach ihm für *y.vtj tpo-g, 
*vi)ß6-Q stehen, was mir freilich bedenklich erscheint. Aber 
sanskr. uhjätl "hält nieder, drückt zusammen' und uhhätl, um- 
hhdti oder uhhnätij unapti (für lautgesetzliches *tmdbdJii) 'liält 
zusammen, hält in verschluss' sind nicht zu trennen, und mir 
scheint eine einfaciie weise der vermittelung zu sein, dass 
man ub/dti für ein sä; '-praesens von nhh- ansieht: urindog. 
*ubh-skW;-tl ergab wol schon in der grundspiache *uhh- 
k^eti; nach morphol. unters. IV 329 f. anm., und letztlich 
indog. uhgh^eti im einklang mit der von Bartholomae ar. 
forsch. I 3 ff. handb. d. altiran. dial. § 175 s. 63. Kulms 
zeitschr. XXVII 206 entwickelten tlieorie (vergl. auch Kluge 
Paul-Braunes beitr. IX 153). Auf ubgh^eti beruht normal 
sanskr, ubjdti für '^ubjhdü; und so mag auch sanskr. kubjd-s 
'krumm, buckelig' an einen aus kiibli- gebildeten sÄ;'-praesens- 
stamm anknüpfen, während griech. y.cifi-o-c aus der einfachen 
nebentonig-tiefstufigen Wurzel hervorgegangen wäre. In dieser 
weise würden sanskr. ubjdti, kiihjds beispiele für -bj- = 
*-bjh- sein und parallelen zu *masjdn- 'nuirk' aus *niasjhän-. 
Ist griech. vßo-c eine lautgesetzliche verwaudelung eines 
cßyho-c, in dem man nicht die länge c- mit Kluge aus einer 
art „ersatzdehnung" für -ßß- zu erklären brauchte? Später 
hätte endlich im sanskrit. was die Wörter mit -sJ- wie *mas- 

Ostlioff, znr goschichte d. perfcL'ts i, iiidogeriiiaiüsohen. 3 



— 34 — 

jdn- anbetrifft, oder auch „sehr spät" nach Hübschmanns 
ausdrucke, die assimiUition ihres -sj- zu -jj- statt gefunden. 

Wenn wir nun das oben s. 14 ff. vermutete und für griech. 
fÖQVM uud avest. raocehijö iu anspruch genommene indoger- 
maniscke 2^-gesetz berücksichtigen, ferner erwägen, dass die 
nomina mujjdn- und räjju- ihren palatal aus den casus, die 
indog. e im themasuffix hatten, verallgemeinert haben müssen, 
so kommen wir auf die reconstruction dieser ursprünglichen 
und durch ausgleiciiung beseitigten altindischen declinationen : 
loc, sing, majjän-i, acc. sing, '"'meghän-am, instr. sing. 
*niag]m-ä ; nom. plur. rf^j/Vc^'-as^nom. sing. *regu-sJi^ insti-. sing. 
*rägv-ä (beziehungsweise *regJiu-sh, *rdg]w-ä). 

Die participia mit suff. -nd-; sanskr. mag-na-s, lag-tia-s, 
hätten lautgesetzlicher als ^niäg-nd-S; "^läg-nd-s zu erscheinen: 
vermutlich ist in diese letzteren gebilde einfach das kurze a 
von praes. mdjj-a-ti, lajj-d-te und anderen solchen es normal 
besitzenden verbalformen übertragen worden. Uebrigens ist 
mag-na-s diejenige form des verbum mdjj-a-ti, von welcher 
man hauptsächlich auf indog. g- als Vy'urzelauslaut zurückzu- 
schliessen sich bewogen fühlt. Da man aber gern die Ver- 
wandtschaft der Wörter für mark medulla mit dem verbum 
für 'eintauchen' festhalten wird, so ist die annähme gestattet, 
dass mag-7ia-s statt *magh-nä-s (noch älter '^'mägh-nd-s) eine 
analogiebildung nach lag-na-s von lajj- ist, eventuell auch 
nach solchen w^ie hhag-na-s von hhaj- 'brechen', hkug-na-s 
von hhiij- 'biegen', vig-na-s von vij- 'sich schnellen, losfahren ; 
der alte stammauslaut trat ja als gJi oder palatahsiert h kaum 
noch bei majj- irgendwo klar hervor. Analogiebildungen 
ähnlicher art ihrem consonantismus nach sind dann auch das 
absolutivum maktou oder manktvä , der Infinitiv mafiktum, 
welche ihrerseits lautgesetzhch die consonantengruppe -gdh- 
darbieten sollten. 

Das verbum sajj-a-te aus *sa-sj-d-te fasse ich, vorbe- 
haltlich einer weiter unten (s. 47) zur spräche kommenden 
modificierung dieser ansieht, als eine reduplicierte praesens- 
bildung der einfachen wurzel indog. seg'^- = sanskr. saj- 
'anhängen, stecken bleiben' (nasaliert sanj-), praes. ■sdj-a-ti, 
lit. seg- in seg-iii 'schnalle, binde um' (nach Schleicher lit. 



- 35 - 

leseb. u. gloss- ^514") oder S6'_r/-A 'hefte' (^uacli Kurschat graniin. 
d. litt. spr. § 1229 s. 327. litt. -deutsch, wörterb. 369'% lat. 
seg- iu secj-ni-s 'träge'. Die bildung von sa-jj-a-te, welche in 
dieser weise wol auch schon Fick vergleich, wörterb. F 224. 
791 verstanden wissen wollte, wäre also gleich derjenigen aus 
würz, ghas- essen', von welcher die „thematisch" flectiereuden 
praesensformeu ja-ksh-a-ta, ja-ksh-a-tii, ^'a-ksh-a-dhvam, a-ja- 
-ksh-a-t Petersb. wörterb. III 2 belegt sind. Anders, aber 
nicht richtig, über saJJ- in sajjate das Petersb. wörterb. YII 
556. Nach säj-a-ü neben sa-jj-a-ti mag sich übrigens wol 
auch laj-ä-te als seltenere und jüngere nebenform zu lajj-ä-te 
eingefunden haben. Yor der wie gewöhnlich den palatal durch- 
führenden ausgleichung müssen nun die praesentia der wur- 
zeln oder wurzelformen sajj-, lajj- und majj- diese alt- 
indische flexion besessen haben: sajjase, sajjate, * seg ante ; 
lajjäse, lajjäte, Hegänte; ^megliämi, mäjjasi, müjjati. 

Was es mit hit. merg-ö auf sich habe, warum hier niciht 
*meg-ö aus '^'mezg-ö wie sldö aus *sl-zcl-ö, weiss ich nicht an- 
zugeben. Auch lat. frlg-ö zu sanskr. hJirasj- hhrajj- bereitet 
noch allerlei Schwierigkeiten, wenn auch dieses mehr im 
vocaHsmus; man erwartet *freg-ö aus "^frezg-ö, nach merg-ö 
aber vielmehr ein '^frerg-ö. 

Zum Schlüsse weise ich noch darauf hin, wie unsere 
ansieht über das iSiW^\.v. sj m iimsj-^''^'masjän-,h]irasj- Vi.^.w.^ 
wenn sie richtig sein sollte, sich auch wol geeignet erweisen 
kann, den oben s. 20 ff. empfohlenen Vorschlag zu rechtfer- 
tigen, dass man die formen wie nisdö-s 'nest', sisdo 
'sTdo' noch so d. h. mit noch tonlosem s für die indoger- 
manische grundspracho ansetzen solle. 

Anhangsweise habe ich hier noch meine ansieht über 
eine frage aus der altiudischen satzphonetik darzulegen : über 
das sanskr. -ö, welches der regelmässige Vertreter von wort- 
schliessendem -as ist, so oft das unmittelbar im satze folgende 
wort mit tönender consonanz anlautet. Denn meiner mei- 
nung, dass im sanskrit aus jedem *az vor tönenden con- 
sonanten nur e hervorgehe, dass ferner dies ein specieller 
lautwandel nur dieser spiache sei, au dem das nächst ver- 
wandte altiranische gar keinen teil habe, scheint eben dieses 



— 36 — 

„finale" -ö zu ^YidersprecheD. An ihm participiert bekannt- 
lich auch die avestische spräche, wenn sie gleich, wie man 
annimmt, dasselbe -ö niclit in seinen alten gebrauchsgrenzen 
gelassen hat, sondern weit darüber hinaus setzt. 

Ich kann auch das nicht zugeben, dass in sanskr. d(^vd, 
mänöj avest. aspö, mano die quahtät der auslautenden vocal- 
länge mit der geltung der betreffenden wortschlüsse als -os 
im indogermanischen in directem causalen zusammenhange 
stehe. Bloomfield in der schon öfter herangezogenen arbeit 
„Final ÄS before sonants in sanskrit" hat zwar vor allem 
gerade auf diesen nachweis, besoudei's s. 7 ff., grossen fleiss 
und Scharfsinn verwendet. Aber seinen satz, dass ,^*a^vÖz 
dravati is the immodiate historic pre Cursor of aevö dravati, 
precisely as *ez-dhi is of edJu^, fechte ich zunächst schon 
darum an, weil ich das edJii aus *ez-dhi nicht zugeben kann 
und weil ich dem edlii entsprechendes zischlautverlustiges im 
altiranischen nirgends finde. Einer spräche, die wie die alt- 
iranische für indog. es und indog. äz vor tönenden explosiv- 
lauten erweislich niemals etwas anders als az darbietet, kann 
man aus keinem ersichtlichen gründe gleichzeitig die Ver- 
wandlung des indog. Ös in derselben läge zu ö zutrauen. 

Ich könnte mir denken, dass sanskr. avest. -ö aus -as, 
wobei wiederum jedes wortschliessende -as, auch das von 
sanskr. pädas nom. plur. =^ griech. nöii^q oder von padds 
acc. plur. = griech. nnäac^ in betracht käme, in folgender 
weise entstanden sei. Ein gemeinsames schon indo-iranisches' 
lautgesetz könnte gewesen sein, dass in der pausa 
schliessendes -as in -all und -ds in -äh mit „visarga" über- 
ging. Nicht so jedoch -fs und -üs in th, -üh, weil in diesen 
fällen zuvor schon -i^, -Ü5 durch die vorher wirkende indo- 
iranische cerebralisierung von s hinter /- und «-vocalen ( vergl. 
s. 21) entsprungen war. Ebenfalls noch in der periode 
arischer Spracheinheit verallgemeinerte man die pausaformen 
auf -ah, -dh in der weise , dass man sie überall einsetzte, 
ausgenommen allein vor tonlosen dentalen und palatalen, 
weil sanskr. dcvas tdd, dcvac ca und avest. *aspas tat, aspas 
ca bei der engen aussprachlichen anschmiegung. mit der den- 
tales -s und palatales -s sich zu der dentalen und palatalen 



- 37 — 

articulation des anlautes des folgenden wertes fügten, gleich- 
sam zu unlösliche Verbindungen dem Sprachgefühle schienen. 
Ein sanskr. *dcvas karoti oder *ä^vas patati, wie es strict 
lautgesetzlich nach alter weise lauten sollte, empfahlen sich 
in keinem solchen belange vor den von der ausgleichenden 
analogicbildung eingegebenen ä^vali karoti, äcvah patati 
Indem mau auch vor tönenden consonanten die pausaformen 
mit visarga einsetzte, entstanden zunächst *äcvali dravati, 
*ücDah hharati, anstatt der lautgesetzlichen *ärvaz dravatl^ 
*dcvaz hharati, die, wären sie beibehalten worden, zwar auch 
zu einer J-form dcvö geführt hätten, jedoch nur hier speciell 
wegen des v vor *-az (^vergl. s. 28) ; aus '^cfkaz dravati wäre 
*vfke dravati geworden und so -e in der grossen mehrzahl 
der fälle. Nun mochten ferner jene analogisch entstandenen 
*drrah dravati^ *dcvah hharati wieder eine phonetische Ver- 
änderung der art erleiden, dass mit tönendwerdeu des ton- 
losen visargalautes etwas wie *drvau vor den tönenden an- 
lauten d-, bh- sich entwickelte; genauer bezeichnen wir es 
vielleicht mit *dcva'i, wobei das 5 die tönende kehlkopfspirans, 
die lenis zu der fortis sanskr. h, ausdrücken mag. 

Darauf eben scheint mir dann sanskr. dcvö^ avest. aspö 
zu beruhen, und zwar als eine schon in gemeinsamer sprach- 
ent Wicklung erreichte lautstufe. Im avesta griff nun durch 
abermalige ausgleichung -0 noch weiter um sich, indem es 
auch statt der visargaform vor k- und p-, ferner für das alte 
-as vor t- in aspö tat statt '''aspas tat eintrat ; man kann 
auch geradezu sagen : überall eintrat, da in solchen Verbin- 
dungen mit enklitiken wie aspas-ca, aspas-cit füglich kein 
wortauslaut vor der enklitika mehr empfunden ward. 
Das apers. asp)a aber ist vielleicht einfach die verallgemei- 
nerte visarg^aform mit abfall des -h, also im gegensatz zu 
avest. as2)ö und sanskr. ägvö dem sanskr. dcüah gleichstehend. 
Wie das sanskrit, die form dcvö analogisch auch vor vocalen 
einsetzend, von da wiederum lautmechanisch zu dcva ge- 
langte, ist schon vorhin s. 28 f. im anschluss an Bloomfield 
bemerkt worden. Nur kurzes a- unterlag seinerseits hierbei 
dem -ö : dcvö 'sti aus *dcvö asti. 

Aus *-a5 für etymologisches -as mit langem d ging im 



- _ 38 — 

Sanskrit -d hervor, z. b, der nom. plur. dcvä in den Verbin- 
dungen dcvä dracanti, drvä hJiaranti. Dem wegen seiner 
länge in sich consistenteren d vermochte der in seinen stimm- 
ten sich auflösende tönende kehlkopfspiraiit die dumpfe o- 
färbung nicht mitzuteilen, ähnlich wie wir langes d dem i- 
umlaute des z und i widerstehen sahen (s. 30 f.). Da wir, 
parallel dem gemeinsamen indo-iran. -ö aus *-«2, w^ol auch 
das -d aus ^-ag nicht für eine nur specifisch sanskritische 
entwickelung halten dürfen, so müssen avest. mazdäo, mdo 
als die visargaformen = sanskr. medhäh (in ved. su-medhdh), 
mäh angesehen werden: aus schon indo-iran. -d im wortaus- 
laute hatte avest. -a gäthädial. -(/ zu w^erden. wie z. b. im 
nom. sing, der femininen ä-stämme. Äpers. mazdd nom. 
sing., martiijd nom. plur. bleiben anceps ; ihr -d mag sowol 
= sanskr. -dli als auch = sanskr. -d aus *-a2 sein. 

Durch den gleichmachungstrieb gelangten im sanskrit 
auch kavish, sümish, w^as im indo-iranischen noch die — 
wenigstens in der pausa und vor tonlosen verschlusslauten — 
allein herrschenden formen waren (Bartholomae handb. d. 
altiran. dial. § 164 s. 59 f.), zu ihren nebenformen kavili, 
sünüli mit visarga, als den für die pausastellung und vor k-, 
kh-, p-, ph- giltigen. Ihr muster war dcvaJi in denselben 
satzlagen , und die handhabe der analogieschöpfung die 
existenz gleich formierter casus wie z. b. des acc. sing.: dcvam: 
ägvoli = kavhn, suiiiim : kar/Jj, sünüh. Durch mdnah nom.- 
acc. sing, neutr. war hinfort auch die genesis von Ji/ötih und 
räkshuh neben jijdtish, cdkshush gegeben. Der von der aus- 
gleichung nicht betroffenen fälle gibt es mehrere, wie z. b. 
dyaüsh pitä , västosh päüm, pärusJi pänili (rgv. I 162, 18. 
X 97, 12), dvish karoti als besonders, eng gewordene Ver- 
bindungen. Nur nach äcvas täd sagte man fortan auch kavis 
täd, sünüs tad statt kavish täd, smmsh täd, dergleichen ja im 
veda bekanntlich nicht unerhört ist. Hatten aber erst kavish, 
sunüsh und jyötish, cäkshush die seitenformen auf -h acquiriert, 
so führte ihr vorbild den visarga und das -s vor t-, th- bald 
auch anderen formen auf -sh unter denselben bedingungen der 
Satzstellung zu: so kamen auch mstr. filnr. kavthhih, sfüiübhih 
und äcvaih und vor t-, tli- kavihhis, svm'ihhis, ägvais auf statt 



— 39 — 

der alten l-ac'ihhish u. s. w. , so auch der abl.-gen. sing. 
kaveh, siuwh und vor t-^ tk- kicccs^ sunos neben den alten 
kaccsJi^ sihiosJi, so das adverbium drtsJt in den seitenformen 
ävih und dv/s. 

AVir haben ferner wol dem sanskrit das lautgesetz zu 
vindicieren, dass sich ursprüngliches wortschliessendcs -r i n 
der pausa, und hier allein lautgesetzlich, zu -li, der ton- 
losen kehlkopfspirans, verwandelte: Ja^m«/^ 3. plur. perf. für 
jagnulr mit -lo' = avest. -are (vergl. J. Darmesteter mera. 
de la soc. de linguist. III 96 ff., verf. morphol. unters. lY 
294) 1), 2)/tah voc. sing, für ji'^tar = griech. ndTio. Eben dies 
ward bestimmend, um auch den formen auf -hJt,^ -fcsJi, -esh, 
-osJi, -aisJi, -aush, nachdem sie zuvor auf die beschriebene 
weise die Varianten auf -// erlangt hatten, zu weiteren satz- 
nebeuformeu auf -/• zu verhelfen. Wie neben seiner pausa- 
form jagmuh das alte Jagimir vor tönenden consonanten und 
vocalen galt, so gab man den snnuh^ kavik, dtjaüli, ävih u.s.w\ 
in derselben Stellung vor tönenden consonanten und vocalen 
nach jenem muster die gestalten süni'ir, kavh', dyaür, dvir. 
Umgekehrt kam auch jagmüh ausserhalb der pausa vor h-, 
lih-, p-, pli- in gebrauch, da also, wo man nunmehr auch 
sümili zu sprechen und zu schreiben sich gewöhnt hatte. 
Rein lautgesetzlich hätten aus *havish dadäti, *mmish dadäfi 
*kam *dadätl, *suuü *dadCdi hervorgehen müssen, nemlich 
nach dem zeugnis von nidd-s, düdählia-s u. dergl. (vgl. oben 
s. 21). Auch in der Stellung vor vocalen kann nicht im 
sanskrit Tiavir ayäm durch *kavis (*kavizj aydm aus *kavls 
(richtiger kavish) ayäm entstanden sein, wie noch Hübsch- 
maun Kuhns zeitschr. XXIV 404. 407 die sache sich dachte. 
Denn auch im wortinlaute ergibt ja kein -isli- je vor vocalen 
das resultat -/>•-, sondern bleibt stets -ish-. Und was Jy/o^/r- 

1) Die bemerkiing'en, welche Bartliolomae ar. forsch. 168 f. gegen 
die gleichsetzung den sanskr. -ür mit avest. -are macht, haben nichts 
einleuchtendes. Wie der gegenvorschlag, sanskr. -ür vielmehr mit dem 
avest. -aresü in clkdit-aresli u. dergl. zu identificieren, auch selbst den 
zweck, zu dem er gemacht wiid, entstehung von sanski'. rastür abl.-gen. 
sing, aus *g(')starsJi wahrscheinlich zu maciien, nicht erfüllt, zeigt Brug- 
mann lit. centralbl. 1882 nro. 11 s. 360. 



— 40 - 

-blu'sJi^ cdJishur-bhisli anbelangt, so setzen sie nur ebenso die 
form des noni.-ace. sing, vor das casussuffix wie der loc. plur. 
jj/otih-shti, cäkshuli-slnf und wie andererseits mänö-hldsh und 
mänah-su. Yergl. s. 17. Das lautgesetzliche wären *jy6ü- 
bhish, *c(UisJtfd/hisJt gewesen, mit *-thhis]t, *-yhhish. aus *-iz- 
bhish, *-i(:bJiis]i. Man beachte im zend dadüshblsh part. perf. 
act. als eine correct entsprungene form des instr. plur. eines 
nominalstammes auf -ush- ; vgl. Bartholomae ar. forsch. I 56 
anm. 

Für sanskr. äcvali bedurfte es eigentlich keiner Schöpfung 
einer satznebenform äcvar auf derselben grundlage , weil 
hier schon durch das aus dem indo-iranischen erbe über- 
kommene drvö für den fall der satzstellung vor tönenden 
consonanten und vor vocalen gesorgt war. Dass man in 
Brhadacva uväca = *BrJiadarv5 nväca (s. 28 f. 37) trotz des 
hiatus auch die form auf -ö einführte statt der alten auf -as, 
mag eben durch den parallelismus bewirkt worden sein, der 
sich nachgerade ja zeigt bei : kavih in pausa und vor k- kh- 
p- ph-: kav'ir dadäti : kavir uväca und Byliadacvali in pausa 
und vor k- 'kh- p- ph-: Brliadacvö dadäti : *Brhadagvö 
uväca. Aber doch hat sich die spräche stellenweise auch 
geradezu der analogischen erzeuguiig solcher gebilde wie 
ägvar nicht enthalten, und ich deute mir ebenso das iii der 
taittiriya- und kathakä-samhitä vorkommende „ganze nest" 
von formen auf -ar für -as, welches A. Weber Kuhn -Schlei- 
chers beitr. III 390 ff. (vergl. auch Bloomfield American 
Journal of philology III 7 anm. 2) aushebt: nom. sing, acvar, 
jinvär, ugrär, bhlmär, tveshär, crutär, bhütär, dat.-abl. plur. 
adbhyar. Ebenso glaube ich ferner, wie schon morphol. 
unters. IV 199 anm. angedeutet, dass sich unter dieser Vor- 
aussetzung einige berührungen in der sanskritischen declination 
der nomiua auf -as und auf -«r^ wie üdhas und üdhar^i usliäs- 
und ushar- (in ved. nshar-budh-), ähas und ahar- (in com- 
positen wie ved. ähar-jäta-, ähar-divä-, ahar-drc-, ahar-päti-, 
ahar-vid-) erklären lassen werden. 

Hat diese unsere theorie, das sanskr. avest. -ö aus 
„finalem" -as zu erklären, vor der Bloomfieldschen unver- 
kennbar den Vorzug, dass sie der zendsprache nicht für einen 



— 41 — 

einzelnen fall einen lautwandel aufbürdet, von dem dieselbe 
sonst in allen vergleichbaren fällen nur das gcgenteil zeigt, 
so darf man uns andererseits nicht vorwerfen, dass wir der 
ausgleichuugen zwischen satzdoppel- und selbst satztripel- 
formeu zu viele annehmen müssen. Auch Bloomtield kommt 
nicht ohne solche aus; so. wenn er von seinem staiulpunkte 
anzunehmen hat, dass sich lautgesetzliches sanskr. *pdde 
nom. plur. neben pädas nach lautgesetzlichem äcvö neben 
iicvas oder luduö neben nid/ias oder gen.-sing. [yado neben 
padds analogiseh entwickelt habe. Ueberhaupt aber glaube 
ich, dass sich das ganze künstliche system der sogenannten 
sandhigesetze im sanskrit, so minutiös ausgebildet wie es 
uns vorliegt, in dieser weise zum guten teile nur durch 
ganze ketten von analogiebikliingen und formausgleichungeu 
constituiert hat. Dafür hier zum zeugnis noch einen mir 
eclatant scheinenden fall. Es ist nimmermehr zu glauben, 
dass die bekannte regel, wonach wortschliessender tonloser 
verschlusslaut vor folgendem wortanlautendeu vocal in die 
entsprechende tönende leuis überzugehen hat, ähharad idäm 
für *ähharat idäm, vag Hi für ^cdk iti, sich strict phonetisch 
entwickelt habe. Der „innere saudlii" weiss von dieser regel 
nichts, und von lautphysiologischer seite ist für sie gar keine 
ratio vorhanden, da in verbunden gesprochenem ^äbharat 
idäm das -t die silbe ti anlautet, ein t aber so gut wie d 
zu einem folgenden vocale als dessen silbenanlaut sich 
fügt. Eben aus solchem gründe verbietet sich ja auch die- 
jenige annähme, welche von *kavish aydm irgendwie laut- 
gesetzmässig zu dem historischen kavir aydm gelangen möchte 
(vergl, s. 39). Aber die regel ist umgekehrt innerlich wol 
begründet und ja auch für den „inneren sandhi" geltend, 
dass ursprünglicher tönender vorschlusslaut vor nachfolgen- 
dem tonlosen consonanten auch selbst tonlos wird: tdt plidlam 
für '^'täd plidlam; sowie die andere, ihr widerspiel, dass ton- 
loser verschlusslaut vor tönendem consonanten (verschluss- 
laute) sich in die ihm entsprechende tönende lenis verwandelt: 
ähharad dänam für *äbharat dänam. Nun erwäge man, 
dass lautgesetzlich neben einander herzugehen hatten : einer- 
seits dhharat phdlam, ähharad dänam und *dhharat ündlias, 



— 42 — 

andererseits fäf phalam, täd dänam und lad ändhas. Ist 
Gä da nicht mehr als wahrscheinlich, dass sich ähliarad ändhas 
nach täd ändhas analogisch einstellte, weil die beiden werter 
äbharat und täd in zwei anderen satzlagen, vor phälam und 
vor dänam, lautniechaiiisch übereinstimmenden auslaut -t oder 
-d bekommen hatten? Aeltere wortzusammenrückungen, die 
vor der ausbildung des kanons des „äusseren sandhi" fest 
wurden, wahren denn auch die lautgesetzlich zu fordernde 
weise wie *äbharat ändhas, so die die festgewachsene Par- 
tikel -u enthaltenden „injunctivformen" wie sanskr. hhärat-u, 
hhüt-u, nach verf. morphol. unters. lY 252. 254 ff. 259 anm., 
R. Thurneysen Kuhns zeitschr. XXYII 175. 

Eine reform der lehre von den sanskritischen „wollaut- 
rogeln" vom sprachhistorischen Standpunkte aus ist nachgerade 
dringend zu wünschen. Dabei wird man zunächst allemal sein 
augenmerk darauf zu richten haben, dass die erscheinungen 
des inneren sandhi zur norm für die beurteilung derjenigen 
des äusseren genommen werden. Nur in wenigen fällen, wie 
in der bildung der />/i-casus und des loc. plur. von s-stämmen, 
hat der letztere den ersteren, der äussere den inneren sandhi, 
zu beeinflussen vermocht. Daraus für die genannte gruppe 
von casus zu scliliessen, dass ihre suffixe ursprünglich eine 
losere Verbindung mit dem nominalstamme eingingen als die 
anderer casus oder „zu dem thema mehr in einem com- 
positionalen als suffixalen Verhältnis standen" (Scherer z. 
gesch. d. deutsch, spr. - AOl^ Hübschmann Kuhns zeitschr. 
XXIV 405 anm. 1, Bartholomae d. gäthas u. heil. geb. des 
altiran. volkes 89 f. anm.), halte ich für unnötig und ver- 
kehrt. Wir glaubten morphol. unters. II 3 f. anm. und oben 
s. 17 eine nahe liegende erklärung in dem Verhältnis von 
näma : näma-hhish : näma-sn zu finden. Doch auch bei 
väk-shü und väg-hh'ish, väg-hhyäs, väg-hhyäm konnten, gegen- 
über (l(>in sonst durchgehenden väc- als thema, dem Sprach- 
gefühl die beiden formen des singularnominativs väk und vag 
zu gründe zu liegen scheinen; und so sonst noch in ähnlichen 
fällen. Und dass die Verfasser des padapatha des rgveda 
die cnsussuffixe -hhish, -hhyas, -hhyäm und -Sit häufig von 
dem thema des nomens, zu welchem sie gehören, wie com- 



— 43 — 

Positionsglieder abtrennen, kennzeichnet eben nur ihren Stand- 
punkt der grammatischen rofloxion, welche hier die Wirkungen 
des äusseren saudhi sah oder zu sehen glaubte, kann aber 
für unsere sprachwissenschaftliche auffassung nicht mass- 
gebend sein. Es geschielit durch densellien contact, der sich 
zwischen nom, sing, und den i/t-casus vielfach lautgesetzlich 
herausstellte, wenn im avesta sich aus formen wie raocehyö^ 
raocehhli (vergl. s. 16 f.) neue nom.-acc. sing, neutr. auf -e, 
gathadial. neme^ haze u. a.. ergeben. 



C. INDOGERMANISCH UND ALTINDISCH. 

Alle im vorhergehenden capitel enthaltenen lautge- 
schichtlichen erörterungen erschienen mir nötig, um der jetzt 
zu entwickelnden theorie über die ursprüngliche gestaltung 
des schwachen perfectstamraes solcher wurzeln wie sed- 
sitzen' die festere unterläge zu geben. 

Innerhalb des formengebietes des schwachen perfect- 
stammes bestand ein Wechsel zwischen sonantischem und con- 
sonantischem anlaut der an die wurzel antretenden bildungs- 
elemente. Darnach nun regelte sich, gemäss unseren vorhin 
dargelegten lautgeschichtlichen Voraussetzungen, der ursprüng- 
liche gebrauch der beiden stammformentypen indog. sesd- 
und sed-. Beispielsweise sagte man indog. sesdnt in der 
3. plur. indic. = sanskr. sedür, sesdimem in der 1. plur. 
optat. neben sed mein in der 1. plur. indic. = got. sPfinii^ 
und neben sed lein in der 1. sing. opt. = got. setjau. Beim 
particip lösten sich die Stammformen seduös- (nom. sing. 
sedioos = sanskr. *sädoä)i lit. sedeß) und sesdus- (gen.-abl. 
sing, sesdus-ös = sanskr. sedüsh-as) ab. Die persoual- 
endungen wie sanskr. -itnä griech. -ajusv got. -imi lat. -imus 
1. plur. act., sanskr. -ire 3. plur. med. rechnen wir den ur- 
sprünglich consonantisch anlautenden darum zu, weil sich 
voraussetzen lässt, dass sich die sogenannten ,, binde vocale" von 
sed-i-mä set-u-m sed-i-mus, griech. *f J/}cV-a-/<£)', sanskr, sed-i-re, 
wenn auch vielleicht bereits in grundsprachlicher zeit (vergl. 



— 44 — 

Paul in seinen beitr, VI 120 anm. 126, Brugmann morphol, 
unters. IV 413 anm.), so doch damals erst nach dem wirken 
unseres indog-ermanisclicn lautgesetzes übcr-^(^ aus dem stimni- 
tou der nachfolgenden nasalen und liquiden hinter langer 
Stammsilbe entfaltet haben; übrigens conforra dem von Sie- 
vers aufgedeckten gesetze über indog. /; ij und //', ku Paul- 
Braunes beitr. V 129 ff. (^vergl. auch verf. morphol. unters. 
IV 399), da z. b. sanskr. -Ire = indog. -rräi ist; das be- 
treffende gesetz findet sich auch im veda noch, gemäss Del- 
brücks beobachtungen altind. verb. § 147 s. 199, deutlich in 
kraft, und unser excurs I wird darauf zurückzukommen 
haben. 

Bei der wurzel sanskr. saJt- 'bewältigen' könnte man 
meinen alle im rgveda belegten äusserlich reduplicationslosen 
perfectformen (vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 1496 f.) als 
lautgesetzlich entwickelte ansehen zu dürfen. Xemlich einer- 
seits schänä- partic. med., andererseits sälivän part. act., 
säkshca imper, (= indog. segh^snö); sowie auch sahyäma 
1. plur. opt. wenigstens in soweit, als es ja die nachbildung 
des seinerseits lautgesetzlich entstandeneu unbelegten sing, 
opt. *sähyäm, -yäs, -yät ist und die eigentlich zu erwartende 
form auf *-?«<« aus bekanntem gründe aufhörte im sanskrit 
existenzberechtigt zu sein. Aber es erhebt sich betreffs seh- 
-and- und nachved. scJt-e die Schwierigkeit, dass der wurzel- 
auslaut palatales indog. yh'^ war, nach sanskr. sudhä-, sädhar-, 
besonders aber noch avest. liaz-o ntr. = sanskr. sah-as, got. sig-is. 
Vor töneudeu palatalen aber, alten sowol wie jüngeren aus 
den indogermanischen velaren im arischen entwickelten, ist 
nach s. ol f. im sanskrit keine assimilation des unmittelbar 
davor tretenden tonlosen s zu tönendem erfolgt: nach den 
fällen wie hlirasj- rösten' und ^'masjän- (majjän-) 'mark' 
können nur *sa-sj-änä-, *sa-sj-e {*sajj-und-, *sajj-e) als die 
eigentlichen lautgesetzlichen formen betrachtet werden ; ein 
dem griech. c-o/-co (vergl. s. 2 f) entsprechendes praesens 
müsste im sanskrit die form *si-sj-änii {*sijj-ämi) haben. 
Es bleibt nichts übrig, als in dem svh- als schwachem per- 
fectstamme schon eine analogiebildung nach s^d- von sad- 
sitzen' zu erkennen. 



— 45 — 

Bei der wiirzel sad- selbst begegnen wir schon keinem 
sanskr. *sdd- mehr im formengebietc des schwachen pcrfect- 
stammes; es hat duvchgeheuds die ausgleichung- zu gunsteu 
des antesonantischeu typiis indog. sesd- statt gefunden, schon 
im rgveda erscheint nur das sed-. Und auf die gleiche Ver- 
allgemeinerung deutet für die avestasprache M-cnigstens jene 
einzige spur hazdyat hin, das Substitut für lautgesetzliches 
*hädijdt (oder *hedijät nach dem s. 16 f. bemorkteuj. Durch- 
greifend aber in anderer richtuug vollzog das germanische 
die uniformierung- des ursprünglichen zustande« mit got. sHum 
1. plur., *sistiin 3. plur., sctjau 1. sing, opt-, *sisteima 1. plur. 
opt. Im lateinischen fielen lautgesetzmässig beide stamm- 
typen sesd- und sed- zusammen, vergl. s. IS- 
Für das Sanskrit ist von Plübschmaun Kuhns zeitschr. 
XXiy 405 f. das ursprüngliche gebiet, von welchem der 
perfectische t=-typus dieser spräche seine Verbreitung nahm. 
nur im allgemeinen richtig bestimmt woideu. Denn im ein- 
zelnen finde ich an seiner darleguug mehrerlei zu corrigieieu. 
Zuvörderst sind von den vier mit s- anlautenden wur- 
zeln, die Hübschmaun heranzieht, sanskr. sagJi- 'zu tragen 
vermögen', saj- anhängen', sad- 'sit-zen', sah- 'bewältigen', 
doch wol die erste und die vierte im gründe identisch, wie 
auch das Petersb. wörterb. YII 514 und Grassmann wörterb. 
z. rgv. 1443. 1495 behaupten; Hübschmanu selbst wollte sie 
Kuhns zeitschr. XXIII 392 auch nur „zunächst" trennen. 
In einer zeit, als mau noch ohne ausgleichung der velaren 
und ihrer entsprechenden palatalen sanskr. "^dägh-d-mi (= lit. 
deg-u), ddh-a-si, ddh-a-ti coujugierte, konnte sich nach diesem 
vorbilde auch *sdgh-ä-mi, sdk-a-si^ säh-a-ti entwickeln, und 
von solchem '^sdgh-ä-mi das gh weiter um sich greifen in 
ved. sdgh-a-t imperf., ä-sagh-no-sh imperf., sagh-yäsam prec. 
Der fall gehört also zu den von Collitz Bezzenbergers beitr. 
III 159 ff. nachgewiesenen analogischen entgleisungen aus 
der palatal- in die velarreihe, von denen iimi am ähnlichsten 
ist sanskr. deg-dJii praes., dig-dhd-s part. von dih- 'bestreichen, 
verkitten' ^ avest. diz- 'aufwerfen. Warum aber Hübsch- 
mann die Wurzel sah- 'bewältigen' = indog. segh^- über- 
haupt bei der erklärung des perfectischen e-typus des sanskrit 



— 46 — 

ganz hätte aus dem spiele lassen sollen, ist soeben (s. 44) 
bemerkt worden. 

Aus ähnlichem gründe ist von der wurzel sanskr. saj- 
anhängen = indog. seg'-- zu dem gleichen zwecke nur ein 
bedingter gebrauch zu machen. Mit berücksichtigung dessen, 
was obeu s. 31 ff. über majjcm- 'mark' u. s. w., besonders aber 
über das reduplicierte praesens gleicher wurzel sa-jj-a-te 
(s. 34 f.) gesagt wurde, wird man einräumen müssen, dass sich 
unter denselben umständen, wo sanskr. sM- aus *sasd- entspraug, 
entspiechend bei saj- noch eine Spaltung der schwachen per- 
fectstammform, nemlich in sajj- und seg-, einstellen musste, 
je nach der Stellung vor folgendem den volar palatalisieren- 
den laute (sanskr. g, i = indog. t, a = indog. e) oder vor 
nicht palatalisierung hervorrufenden lauten. In ganz ur- 
sprünghcher weise hätten bei dieser wurzel innerhalb des 
gebietes der schwachen perfectflexion neben einander zu er- 
scheinen: 1. a. sanskr. '''sägimä *sdgire '"'sägvän mit säg- 
= indog. seg'^-, b. sanskr. *säjgäm mit sdj- = mdog. seg- - 
vor palatal afficierendem g; 2. a, sanskr. *segür *segtish-as 
mit seg- = indog. sesg-- ohne palatale affection, b. sanskr. 
*sajj1tä *sajjhnähi opt. med. mit saj'j- = indog. sesg-- hei 
palatalisierung des wurzelauslautes. Tatsächlich sind im 
sanskrit, und zwar nur im nachvedischen, einzig diese per- 
fectformen von saj- belegt: sasajjur als varia lectio der 
Calcuttaer ausgäbe raghuvai.üca IV 47, sam-sasajjatur nach 
der lesart der ed. Bomb, mahäbh. YI 45, 72, sasajatur 
Vopad. und sasunjatur Yopad., sasanjur raghuvam^a IV 47 
nebst dem gleichfalls nasalierten sing. act. sasanja. Vergl. 
Petersb. wörterb. VII 556. 563. Vielleicht knüpfen unter 
diesen sasajjur, sasajjatur an einfachere *sa-jj-ur, *sa-jj- 
-atur ähnlich an, wie ved. fa - takshiir aus ved. takshür 
mit wiedervorsetzung der reduplication erweitert ist (Joh. 
Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 31, verf. morphol. unters. IV 
vorw. s. IX); wir hätten also eine hindeutung darauf, dass 
von jenen postuherten formen des opt. perf. med. *sa-jj-i-td, 
*sa-jj-i-mähi u. s. w. zunächst die uniformierung der schwachen 
perfectstammform ausgegangen sei. Durch einfluss des prae- 
sens suj-a-ti konnte ferner in sasajjatur der hinfort uuver- 



- 47 — 

stündliche doppolpalatal vereinfacht werden : daher sasajatur; 
umgekehrt dem peifectischeu sasajj- zu gofalleu sich ein 
nebenpraeseus mit -jj-, saJJ-a-ti , biklen, was anzuuolimen 
vielU'icht der s. 34 f. mehr provisorisch gegebenen erkh'irung 
dieser praesensbikluiig vorzuziehen ist. Indem (Midlich *sa- 
sajur [sasajjur) mit ved. tustahlmr von stuinblt-, mit %ah(i- 
dliür von handh- und anderen dergleichen formen ursprüng- 
hcher nasalwurzeln parallelisiert wurde, ingleichen dann auch 
sak-td-s partic. mit stuhdlta-s, haddhd-s und saj-ya-te pass. 
mit stahh-ya-te, hadh-ya-te, entsprang der siugular act. sa- 
sanja und nach ihm hinwiederum sasunjur plur., sasanj(din- 
dual., wie tastainhlie tastunihliire, hahandhlma hinter ihiem 
starkwurzeligen sing. act. tasfdmhlia, bahcunUia (Brugmaun 
morphol. unters. III 74). Hier hätte denn die im sanskrit 
weit um sich greifende nasalieruug der wurzel saj- (in 
saiikshyämi fut., a-sanksJut aor. , saüjayati causat. , sanga-s 
m. nom, act. u. a.) iliren urgrund gehabt ; sie aus einer uasal- 
infigi er enden praeseusbildung herzuleiteu, emptiehlt sieh nicht 
wegen gänzlichen fehlens eiuer solchen in der sanskritlittera- 
tur. Einzig nach sanj- neben sajj- ist dann aber meines 
erachtens niajj- mergere' zu seinen nayalierteu formen niank- 
shyaü fut., a-nianksJüt aor., manktnin infin., nuinktvä gerund., 
mauya- m. n. 'vorderteil eines schifFes', inanyiui f. 'boot, schiff' 
gekommen. 

Ferner, wenn Hübschraaim Kuhns zeitschr. XXIY 406 
anm. ausser sede und seinesgleichen auch sauskr. ye^'e^yete, yeme, 
yeshe von den wurzeln yaj-, yat-, yam-, yas- die muster sein 
lässt für pece , tcne und consorten, so stin)me ich völlig 
bei, ausser betreffs des y(:y'e. Dessen wui'zel yqj- lautete indo- 
germanisch mit /' consonans an, nicht mit der spirans^, wie 
Brugmann morphol. unters. I 4 anm. 2 zeigt. Aus diesem 
gründe ist, worüber man meine ausführlichere erörterung mor- 
phol. unters. IV vorw. s. X ff. vergleiche, hier neben stark- 
formigem sing. act. iycija einzig ij'e als „organische" bildung 
aus dem schwachen perfectstamme gerechtfertigt. Das frei- 
lich auch schon im veda neben tje, Ijire vorkommende yrje 
muss folglich selbst eine der neubildungen nach ycnif, yeshe 
u. s. w. sein. Dahingegen könnten noch andere wurzeln 



— 48 — 

unter den im sanskrit mit y- anlautenden die Vorbilder für den 
um sich greifenden ß-typus geliefert haben. Etwa auch yäc- 
'flehen, heischen, da es durch die reduplicationsweise von 
yayäce einigermassen den verdacht des alten anlautes mit j 
Spirans erweckt. 

Trotz aller abzüge aber, die an Hübschmanns recliuung 
zu macheu sind, trotzdem, dass namentlich von den wurzeln 
mit anlautendem s- eigentlich nur sad- 'sitzen' übrig Ideibt, 
dürfen wir uns dennoch überzeugt halten: auch die be- 
schränktere zahl der Vorbilder war immer noch eine aus- 
reichende für die analogische Verbreitung des perfcctisclien 
e-typus im sanskrit. Das wird nur derjenige bezweifeln 
wollen, der beharrlieh verkennt, dass die ausgleichende 
analogieschüpfung ihr fortwuchern successive treibt, und 
von ihr unbillig verlangt, dass sie alle ihre opfer auf einmal 
fordere. Yergl. Brugmann Kuhns zeitschr. XXIV 50 f. 
XXY 222. morphol. unters. I 82 ff. III 26. Es ist auch das 
zu beachten^ dass in unserem falle die associative Übertragung 
nicht notwendig nur an die gleiche bildungsweise des stark- 
wurzeligen sing. act. perf. — papäta wie sasdda , darum 
pctur wie scdi'ir — anknüpfte. Auch andere gleich aussehende 
formen konnten als brücke dienen: zu ved. hedh-nr, hedh- 
-isJie von bandh- binden' gelangte die spräche wol trotz ba- 
bdndJia von dem passiv praes. badh-ya-te aus und vermittels 
des parallelisrnus von yam-ya-te : yent-ür oder auch von pac- 
-ya-te (= griech. TTcOOczai) : pec-ur, da dieses pcc-iir vorher 
geschaffen schon seinerseits mitwirkend bei der analogischen 
erzeugung weiterer formen sein mochte. 

Die mit s- anlautenden und mit tönender explosiva 
hinter einfachem wurzelvocale e auslautenden wurzeln sind 
nun aber insgesamt, auch die welche wir von der con- 
currenz um die begründung des sanskritischen perfec- 
tischen e-typus ganz oder teilweise ausschliessen zu müssen 
glaubten, die ausbildneiinnen des indogermanischen e- 
typus von got. setum gewesen. Also ausser iudog. sed- 
'sitzen' auch seg^-- anhängen' und se^/t^ - bewältigen'. Diese 
drei mochten hierbei vielleicht noch eine genossin haben an 
indog. sebli- gesellen, wenn etwa in jeuer frühen zeit zu 



— 49 — 

sanskr. sahh-ä f. versanimlung, gosellscluift, liot", sdhhya-s 
adj. 'zur voisaiiiiiihm^- geli(')ri<;', got. sih-ja f. sippo', jil)ulg-. 
seb-rit in. 'teiliiaber an der tVldinark, baucr' (Fick vcrgleicli. 
wörteib. 1 •' 227J auch ein starkes vei'buni, dessen perfect 
gotisch *saf, '^scbiini ^owoiden wäre, existierte: man beachte; 
indog. sebh- in lit. si'h-ni-s m. 'hälftner, liandcls- odcu- arbeits- 
genosse' und dessen ablcitungen (^Kurschat litt. - deutsch, 
wörterb. 368'' ), wo aiit' ein urindog. *se- : h h -/•<>-. s sogai- 
diiect lautgt'set/lich /.ui'ückgegaugcn werden kruintc Das 
germanische hat tatsächlich von den alten mustern nur das 
eine gut. setmn bewahrt. Es wird sich abei- auch zeigen, 
dass die neusciiöpfung nach eben diesem typus bereits in 
einer v o r den anfangen des specitdlen germanischen sprach- 
lebens liegenden zcdt begonnen hatte. 

Als aualogische nachbildungen nach säh-vän,*süh-üsh-as 
müssen ved. dag-vän, oi-jän-üsli-as angesehen werden. Wie 
trotzdem dug-vän als „isolierte form" dastehen kann (vergl. 
s. 11 f.), ist begreiflich, wenn es eben einer alten vorhisto- 
risclien schiebt von neuhildungen, dergleichen im späteren alt- 
indischen nicht mehr vorkamen, angehört. Aehnlicli ist z. b. 
die Stellung, welche dem adjectiv nhd'. ge-diegeu in unserer 
deutscheu Sprachgeschichte angewiesen wird: entschieden ein(! 
isolierte form neben (je-dleheu mit ausgeglichenem gram- 
matischen Wechsel, ist doch auch jenes ye-diegen = ahd. 
gi-digan alts. gi-thigan keineswegs ein lautgesetzlich zu stände 
gekommenes wortgebilde, denn das alte particip von ge- 
de/hen wäre bei der feststehenden ursprünglichen inneren 
nasalieruug des verbums got. peihati (Job. Schmidt z. gesch. 
d. indog. vocal. 1 52) einzig nhd. *ge-dwigen, das aber seiner- 
seits schon in seiner alt- und angelsächsischen existenz als 
gi-thungan, "Zf Jmnien nur noch das dasein einer „isolierten 
form" fristetet; vergl. Paul in seineu beitr. VI 54Ü. Kluge 
etym. wörterb. d. deutsch, spr. 100". Ja. geht man noch 
weiter zui'ück, so dürfte selbst auch alts. gi-tlnnigati ags. 
le-Jyunien den schein der lautgesetzliehkeit einbüssen: nach lit. 
tetiku, tek-aü, fek-tl auskommen mit, genug haben nn und gi-iech. 
f-rfx-O)', ri'x-oc, r.'x-ro-?', rd/.-o-g, Toy.-&iK, sanskr. täk-Mdil- n. 
'abkömmling, kind', endlich selbst nach a.^s,. pe'iy-en alts. fheg-on 

Ost hoff, •/tu- ;;osrliidiio d. pi'rf.'i'l s i. indu ;. i rnniiisrlini. 4 



— 50 — 

ahd. deg-cüi m. 'knabo, Jüngling, streitbarer manu, held' (Job. 
Scbmidt a. a. o.) war der nasal bei dieser wiirzel ursprüng- 
lich nur praesensstamnibildendJ) 

Die Verdunkelung der herkunft des dar- in sanskr. 
där-vän bewirkte auch seine Übertragung an stellen, wo man 
solchen ablaut der wurzel indog. deh^- 'ehren' nicht erwartet, 
uemlich in die praesentia ved. dusli-ti rgv. I 127, 4, däc-a-ti, 
däc-nö-ti rgv. VIII 4. 6. Wiederum, dass diese Verallge- 
meinerung des indog. deh^- ein uralter und in die indoger- 
manische spräche zurückreichender Sprachvorgang war, könnte 
die von Leo Meyer Bezzenbergers beitr. II 200 fF. und Jac. 
"Wackernagel ebend. IV 2-68 f. sehr wahrscheinlich gemachte 
Identität des homer. örjY.-vv-i-a 'begrüsse' mit altind. däc-nö-mi 
bekunden; allerdings ist nicht zu verkennen, dass an den 
beiden Homerstelleu II. / 196. Od. cV 59 das JEKNYME- 
NO^ der naXaid (y?]/.iaaltt auch einfach durch ör/.vviisvoq zu 
umschreiben sein könnte, aber sicher stünde dahingegen dann 
griech- tj wenigstens durch drjy.-ut'oiowo II. O 86. Od. a 111. 
(0 410. In anknüfung an indog. dek^-UoS = skr. däg-vän 
mochte ein nasalpraesens indog. dek^-iieu-mi = sanskr. 
däg-no-mi für älteres dek'^-nen-ml etwa so gebildet werden. 



1) Kluges zweifei, etym. wörterb. d. deutscl!. spr. 48". lOÜ". 
Paul-Braunes bcitr. IX 169, reichen in keiner weise aus, um yedeilien 
von der oben angeführten sippsehat't und insbesondere gernian. ^C7«d -s 
'degen' von griech. n'xvo-v abtrennbar erscheinen zu lassen. Hinsicht- 
lich der grundbodeutung der wurzel indog. teh"^- hat man nur von 
dem begrifife 'proficere, es vorwärts bringen, fördern' auszugelien, um 
alles in Ordnung zu finden. Für 'peinö- wäre freilich wol, nach got. 
siii)i-s ajts. sitiH 'gesicht', german. *peun6- zu erwarten; vergl. Sievers 
Paul-Braunes beitr. V 149, verf. ebend. VIII '278 f., Kluge ebend. IX 
173 anm. Aber die annähme ist ja unverwehrt, dass bei dem alten stamm- 
wechsel zwischen *per-6no- imii*peu - /i6- (vergl. got. tv-an-s : sanskr. 
i'i-nä-s morphol. unters. IV 369, ferner morphol. unters. II 13. IV 205) 
sich durch contamination aus beiden ein pel^-nu- herausbildete, ähnlich 
wie german. auy<')i)- 'äuge' auf dem compromiss von '■'u'iön- und *aun- 
beruht nach verf. Paul-Braunoa beitr. VIII 261 f. Das german. */><>-- 
-6no-Zi auf welches somit a^jis-pezeii alts. thegan ahd. deff(m=^ p elii 6 -ft 
indirect hinwiese, wäre denn auch die allerältoste participform und der 
Vorläufer von 1) ags. le-punlen &\xs. (ji-tlmngan, 2) aUs. c/i-fkiymi ahd. 
gi-(Jiyau nhd. ge-Jieyen, 3) nlid. ge-diehen. 



— 51 — 

wio die part. perf. act, indog. k-t-nos geschichtet habend', 
k^lü-nös gehört habend' (^vergl. morphol. nnters. IV 60. tJö. 
vorw. s, IX) von alters her eine praeseusform Ä'-/ - »en- w/ 
=^ grieeh. xi-vi-at. k^ln-nen-mi neben einer anderen n)it 
kürze des wurzelvocals k-t-neu-mi = sanskr. ci-NÖ-mi 
avest. ci-tiao-imi grieeh. Ti-vc-ui, k^Iü-neu-m i =^ sanskr. 
cj--i}6-ini avest. suru-nao-imi altir. slu-ni-m (morphol. unteis. 
IV 35 ff. 285. 215 f. anm.) zur seite hatten. 

Schon CJrassmann wörterb. z, rgv. 596 mutniasste ganz 
richtig betreffs der altind. dCtr-^ dass es „aus einfacherem 

dac wahrscheinlich durch reduphcation .... hervor- 

fi-eeaueen" und erinnerte zur stütze dieser ansieht nicht un- 
eben an das wie die -nt- participia reduplicierender praesens- 
stänime ohne kenntnis der starken theniaforni durchdecli- 
nierende particip däc-at- : däc-at-as nom. plur. rgv. VII 
14, '6. 17, 7 wie dä-d-at-as gebende', dä-dli-at-as setzende'; 
übrigens auch für ^Yhitney ind. gramm. § 444 s. 157 wai' 
dies eine veranlassung, m dar- „eine versteckte reduphcation" 
zu sehen. Woher aber könnte dieselbe stammen? Hat viel- 
leicht ursprünglich auch von sali- 'bewältigen' ein ^redupliciertes 
praesens mit 1. plur. indic. *suli-mäs, opt. *sdh-i/ä-m bestanden^ 
wozu ja eventuell das von uns als perfectisch aufgefasste ved. 
mh-yä-ma (vergl. s. 12. 44) auch gehören könnte? Solches 
*säJi-mäs wäre eine erbform = indog. segh^-niös aus ur- 
indog. * se- z (jh^-in6s gewesen und hätte seinerseits den 
anstoss zur bildung des praesens *däc-mäs, 3. sing, däsh-ti 
gegeben. 

Fragt man endlich, was für sanskr. ddc- den indoger- 
manischen ablaut mittelstuf, dek^-: hochstuf, dok^- sichere, 
so hat auch hierfür bereits Grassmann wörterb. z. rgv. 582. 
596 den richtigen weg gewiesen. Erstens die erhaltenen 
sanskritformen mit kurzem (/, nemlich ddcenia, wie rgv. V 
3, 7 für därema zu lesen das metrum fordert, und darasyäti 
'erweist ehre, ist huldreich, ist gefällig', darasyä f. instrum. 
zu gefallen', welche auch im Petersb. wörterb. III 55.'] nicht 
von däc- getrennt werden und durch das etymologische spiel 
von däcüshe dacasyüu rgv. I 61, 11, ddrushe darasydsi rgv. 
VIII 77, 6 diesen zusammeuhang als einen auch noch den 

4* 



- 52 — 

alten vedischen sängern verständlichen bekunden. Ferner 
insbesondere das wiederum von daras-yä-tl als seinem un- 
verkennbaren denominativum herbeigezogene lateinische neu- 
trum clec-HS ehre, zierde'. Diesen Zeugnissen reihen sich 
endlich, um von den anderen mehr oder weniger unsicheren 
combinationen bei Fick vergleich, wörterb. I^ 99. 611, griech. 
ötic-of.iui i^d'f/nuai) 'gewähre mir, nehme an,' abulg. deS-q^ 
des-iti 'finden, erhalten' u. dergl., hier abzusehen, aus dem 
griechischen noch au die homer. d7]-ds/'aTai perf. sie be- 
willkomnen, begriissen', J^-Jfx-ro, öi]-Öf:/-aT plusquamperf., 
deren s Jac. Wackernagel a. a. o. noch dunkel lassen musste. 
Auch de Saussure syst, primit. 181 konnte, indem er von 
der vocallänge in sanskr. dar- als dem ursprünglicheren aus- 
ging, nicht über den fehlschluss hinaus gelangen, es sei das 
lat. deciis = sanskr. *d((ras in dacasyäti eine der „formations 
qu'il nous est impossible de legarder comme legitimes." 

Dass die wurzel sanskr. sali- 'bewältigen' von hause 
aus eine solche des ablauts indog. e : o war, braucht nicht 
erst bewiesen zu werden. Bei ihr aber, welche nach unserer 
annähme mit säh-vän das vorbild für daQ-vän lieferte, treffen 
wir ganz analoge Vorgänge wie die für däc- von dac- statuierten 
an, uemlich ebenfalls eine Verbreitung des siaIi- vom schwachen 
perfectstamme aus. Es kommen diese formen hierfür in be- 
tracht: das -nt- particip ved. säh-at-, das zwar nach dem 
nom. sing, sähan rgv. VI 73, 2 zu schliessen früher als das 
entsprechende däg-at- seinen Ursprung aus einer rodiiplicierten 
bildung vergessen zu haben scheint; die sigmatischen aorist- 
formen ved, a-sdk-sJi-i säk-sJu, conj. säk-sh-ä-iua, säk-sh-e 
(atharvav. II 27, f»), sdk-sh-a-te, opt. suk-sh-hj-a (atharvav. 
XIX 32, 10), sah-ish-i-tnähi (rgv. VIII 40, 1, vergl. rig-veda- 
prätiQ. 588 ed. M. Müller); das futur Sük-shye\ endlich die 
gleichfalls vedischen nominalen gebilde sädhä- partic, sddhvä 
absol., sudhar- nom. ag., sädliyai infin. (maiti-. samh. I 6, 3, 
vergl. Schröder zeitschr. d. deutsehen morgenländ. gesellsch. 
XXXIII 197. einleit. zu seiner ausg. s. XIV). Mit dem 
langen ä der letzteren ist Bloomfield American Journal of 
philol. IIT fi f. nicht fertig geworden, während ihm doch die 
nachvedisch dafür eintretenden formen mit ö^ sodha-, sOdhum, 



— ö:{ — 

s'~>dkar-, einleuchtend zu erklären gelang (vergl. oben s. 31). 
Es ist nun die s. 31 in aussieht gestellte deutung des d 
von ved. sädhä-s u. s. w. die, daas es auf Übertragung von 
säh-vdn, sdh-t/d-ma beruht. In das -/d-particip z. b. konnte 
der vocalismus des schwaclien perfectstammes darum leicht 
eindringen, weil man in so vielen anderen fällen, beispiels- 
weise bei üit-td-s und rid-cän vid-yä-nia, Qrii-td-s und qu- 
-rrii-ma cn-rfn-vän rii-rrn-i/ä-s, hhn-td-s und ha-hhü-vän ha- 
-hliH-ijä-t, beide formenkategorien im wurzelablaut zusammen- 
gehen sah. Zu den älter vocalisierten griech. ex-ro-c, i'y.-Tin^ 
(und "Ey.-TU)o nom. propr.) könnten die lautgesetzlichen alt- 
indischen reflexe nur *si'dJi.d-s, *s^dhar- sein. 

Innerhalb der perfectflexion selbst zeigen endlich sanskr. 
sah- und dac- übereinstimmend diese durch die beibehaltung 
der schwachen themaformen sah-, dar- veranlasste neuerung, 
dass vom sing. act. sa-säh-a, da-ddr-a aus den latent re- 
duplicierten schwachstämmigen bilduugen, *säh-imd, *ddc-imd 
u. s. w., die reduplication so wieder mitgeteilt wurde wie 
dem ved. taksh-ür (vergl. s. 46). Daher ved. sa-säh-lshe? 
sa-säh-e rgv. X 180, 1. 104, 10. VIII 85, 10, mit ihrer „im 
medium sonst unerhörten dehnung des wurzelvocals" (Del- 
brück altind. verb. 116), vom padapätha darum auch überall 
der erläuternng wegen durch sa-sah-ishe, sa-sah-e ersetzt; 
daher ved. da-ddc-imd, da-ddr-'ü)\ da-ddc-üsh-e rgv. I 86, 6. 
147. 1. IV 8, 5. I 112, 20. 166, 3. II 8, 2. V 53, 6 und 
also bei aind. daddca das von Brugmann Kuhns zeitschr. 
XXV 217 unrichtig aufgefasste „entraten der stammabstu- 
fung." Schlichtweg für sa-sdh-e, da-ddc-imd Übertragung 
der starken Stammform des sing act. anzunehmen, hätte zwar 
an ved. iju-yop-imd rgv. VII ,S9, 5, ved. Da-üarj-ush-tndm 
rgv. I 134, 6 und an dem verfahren der nasalwurzeln wie 
handh- in nachvedischer zeit, 1. plur. ha-handh-ima (vergl. 
s. 47), eine stütze, empfiehlt sich aber darum weniger, weil 
die also nicht zu erklärenden reduplicationslosen sdh-vdn, 
däg-vdn doch wol notwendig nicht ausserhalb eines unmittel- 
baren Zusammenhanges mit den aus sa-sdh-, da-dd^- gebil- 
deten ebenfalls suffixbetonten perfectformen zu stellen sind. 

An dem „entraten der stammabstufung" nehmen im 



— 54 — 

veda auch noch teil va-väc-ire rgv. II 2, 2 von vag- 'brüllen' 
und jene schon oben s. 30 berücksichtigten ra-cäs-ä, m- 
gäs-ur, ga-Qd-dhi rgv. II 29, 5. III 1, 2. IV 2, 12. Vif 1, 
20. 25 von cäs- 'zurechtweisen . Da im alten vedischen san- 
skrit die neigung noch so augenscheinlich gering ist, die per- 
fectstammbildung nach massgabe des wurzelstarken sing. act. 
zu uniformieren, so möchte ich annehmen, dass diese oa-väg- 
-ire, ra-cäs-iD' von ursprünglichen ä- {e-, ö-) wurzeln wesent- 
lich wiederum dem einflusse jener sa-sdh-e, da-ddc-ür zu ver- 
danken sind, bei welchen letzteren eben die vollwuchtige 
form des schwachen stammes ihre individuelle erklärung findet. 
Eine derartige einwirkung mochte namentlich dann leicht 
statt finden, wenn zuvor bei sah- und dar- das lange ä in 
weitcrem umfange ausserperfectisch aufzutreten begonnen 
hatte, nachdem z. b. statt des alten praesens *dag-a-ti erst 
das jüngere mit ved. oäc-a-ü, gäs-a-ti associerbare däg-a-ti 
oder statt *ddsh-ti das ved. däsh-ti, welches zu rds-ti sich 
sich fügte, aufgekommen war. Die nahe beziehung, welche 
zwischen diesen verben obwaltete oder, besser gesagt, sich 
entwickelte, bekundet, ausser dem -^d-particip nachved. ep. 
gds-ta-s wie sädhä-s, auch das partic. praes. act. von gas-, in- 
dem es in den formen ved. cäs-at nom. sing, masc, gds-at-d 
nom. dual, (vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 1392) nur 
schwachstämmige declination zeigt, ganz wie jenes ved. ddg-at- 
(oben s. 51), und darum von Whitney ind. gramm. § 444 
s. 157 auch seinerseits wie dieses als participium mit „ver- 
steckter reduplication" gerechnet wird. Desgleichen die 3. 
plur. praes. indic. gds-atl wie von redupliciertcr wurzel und 
vermutlich nach dem vorbilde einer ebensolchen 3. plur. 
*ddg-ati zu ved. ddsh-ti 3. sing. Das ved. dds-at- partic. 
praes. act. von dds- anfeinden', das Whitney a. a. o. den gäs-at-, 
ddg-at- noch anreiht, muss natürlich in Wahrheit auch nur 
als nachahmung echter praesentischer reduplicationsbildung 
gefasst werden. Wir glaubten s. 51 das alte prototyp, nach 
welchem sich also auch cds-ti, gäs-mäs statt gds-ti, gish-mäs 
gerichtet hätte, in einem mutmasslichen *sddh/ (aus *sd~dhf), 
*sdh-niäs von der wurzel sah- finden zu dürfen. 

Als eine bildung aus schwachem perfectstamme, welche 



— 55 — 

ebenfalls erst auf grund der typen sa-sdh-e, da-ddc-ür er- 
niöo'licht ward, wird man wol auch ved. ha-hudh-e von hädh- 
drängen, bedrängen' betrachten dürfen. An sich freihch böte 
sich hier auch eine andere möglichkeit der erklärung. wenn 
wir anders in sanskr. bddJi-, bädh-a-te mit Grassmann Kuhns 
zeitschr. XII 120 und Joh. Schmidt indog. vocal. I 34 f. 
94 ff. den reflex von lat. de-, of-fenderc erkennen. Dann 
enthält nemlich das praesens sanskr. hädhate dasselbe ä aus 
langer indogermanischer nasalis sonans, das ich morphol. 
unters. lY vorw. s. lY f. in den aoristformen sanskr. a-(jä-m 
d-gä-s ä-yd-t d-gd-ma gd-tä fand, und hädhate = indog. 
bhfjdhetai ist eines der alten „aorist-praesentia" wie sanskr. 
ishate, üliati, guhati u. a. (vergl. morphol. unters. lY 1 ff, 
Paul-Braunes beitr. YIII 287 ff.). Perfectisches ved. ba- 
-hddh-e aber würde ebenfalls auf vorausgegangenem ein- 
facheren *bddh-e beruhen, und dieses *bddh-e enthielte auch 
seinerseits wurzelhaftes d = indog. '.' und schob; wie die 
sanskr. ba-bhu-ijä-t ba-bJiH-vänis- und griech. ne-ffoiy.-äoi, rt-rl- 
-f-ihvo-q, TTb-TTfL-oo nach morphol. unters. lY vorw. s. IX; 
später der „nebentonig- tiefstufigen" wurzel- die redupli- 
cationssilbe wieder vor. Aehnlich würden sich hiernach ba- 
-bddh-e und sa-sdh-e betreffs ihres d unterscheiden, wie die 
-^d-participia sanskr. bddhd- 'fest, stark' von bamh- be- 
festigen' nach der s. 30 gegebenen erklärung seines d und 
sädhd- 'bewältigt' mit ä = indog. e. 

Gilt uns ved. sdhvän = indog. segh^uos mit recht 
als der descendent eines urindog. * se-z gh^-nos , so lag 
neben dieser form des partic. perf. act. mit „nebentonig -tief- 
stufiger" reduplications- und „tonlos-tiefstufiger" Wurzelsilbe 
correct seit alten zeiten als satzdoppelform aanskv. säh-?:än ; die 
ständige Schreibung des padapätha im rgveda, dieses beruhend 
auf einem urindog. * s-segh^ -tios mit „tonlos-tiefstufiger" 
reduplications- und „nebentonig-tiefstufiger" Wurzelsilbe und 
eine bildung gleichen kalibers wie abulg. pek-ü; vergl. mor- 
phol. unters. lY vorw. s. YIII ff. So kann auch das säh- 
yäma des padapätha rgv. X 83, 1 in dem Verhältnis der 
alten Zwillingsbruderschaft zu dem sdhyämu des samhitä- 
textes stehen, und können die optativischen (precativisehen) 



— 56 — 

sähyds rirv. l 152, 7. II 1 1 , 4. X 148, 2, sähyur v^\. VII 
00, 6 rillci'diiigs dem Systeme des perfects wol zugerechnet 
werden. 

^s'och eine Vermutung, die sicli mis' betreffs des hingen 
perfectreduplicationsvocüles in ved. sä-säh-a indic., sä-sdh-u-s, 
m-s(\h-a-t oonj., sd-sah-ya-t, sä-sah-tjä-ma opt., sä-sah-l-shthäs 
opt. (prec/i, m-sah-vdms- |)artie. aet., sd-sah-d)K(-s purtic. med. 
(vergl. rig-veda-pratie. 587 od. M. Müller), in homer. dr/-di/- 
-arcu, dtj-^rA-To, <)jj-i)e/-ur' aufdrängt^ will ich hier nicht unter- 
drücken Indem die griechischen formen für die möglichkeit 
der im altindiselien vielleicht nur zufällig neben dä-ddQ- 
-imd, dä-ddr-ür, dä-ddc-ush-e nicht zu behagenden seitenforuien 
mit *dä-däg- sprechen, deuten diesslben ja zugleich auch mit 
einiger Wahrscheinlichkeit daTauf hin, dass die ausbildung 
einer perfectreduplication mit dem vocale e anstatt e ein ur- 
alter und gemein-indogermanischer sprachschöpfungsact war. 
Nehmen wir also an, schon die indogermanische grundsprache 
habe auf dem angegebenen wege die wieder neu reduplicierten 
se-seyh^ -^ de-dck^- als jüngere abarten der älteren ein- 
facheren segW^-, dek^- erlangt, so ist weiter nur zu berück- 
sichtigen, dass seit einer früheren zeit derselben grundsprache 
in reduplicierenden praesensbildungen solche paarweisen typen 
wie sanskr. di-dt- und di-di-, ci-ki- und *ct-kt-, ht-blü- und 
*hl-hhi-) *pi-pi- und pi-j)^-, ^'dt-dhl- und dl-dhi- (conta minier t zu 
zu histor. dl-dhi-~) , ju h%- und *Jü-hü- (nach verf. morphol. 
unters. lY 59 f. vorw. s. XIII, Kluge Paul Braunes beitr. 
VIII 842) sich ganz regelmässig neben einander befanden. 
Einfach nach diesem vorbilde, meine ich, konnten sich im 
schwachen perfectstamme alsbald auch zu jenen se-segh^-, 
de-dPk^- die seitonformen indog. se-segh'^-, de-dek^- 
ausbilden. Hier fand denn die indo-iranische spräche (oder 
auch schon das ur-indogermanische?) den anlasszurbefriedigung 
jenes metrischen oder „musikalischen" bestrebens, den redu- 
plicierten perfectformen „einen gewissen rythmischcn tonfall 
zu verleihen", das man an ved. cdkana , jägara, hähadhe, 
rdradimr, rdrana, vdvickre, vdvaci'ir vdva^e vdvacänd-, vdvacre, 
(^äcadür rä^adre^ ferner ved. cdklpre, jdgrväms-, jdgrdhur, 
tutrshür täirshdnä-, mämrjur mOmrje mdmrjita, mdmr^ür, 



— 57 _ 

vävrtur vävrU, vävrdhür rävrdhe vdvrdiwäms- vävrdhdnd-, 
avcst. dädliare, värerezol vdvercsdtarc vdrerezushe, jägere- 
huslitarö wahrnimmt (Delbrück altind. vcrb. § 145 s. 114 f., 
Bartholoniae altiran. vorb. § 118 s. 84). Ein älmlichcr fall 
könnte es sein, wenn es richtig ist, dass sich nach Hrugmann 
morphol. untors. 111 78 f. die griechische gradationsbilduug 
von antfuirsnoc. oo(fj(i)ruTog gegenüber der von ia/rnrnenog 
ia/vooTaroc so erklärt: „So ist mir wahrscheinlich, dass der 
bekannte Wechsel zwischen -onQoc, -öraroq und -MTtnnc -wraroq 
im griechischen, obwol er sich in späterer zeit nach einem 
quantitätspriucip geregelt zeigt, doch nicht in einem solchen 
seinen letzten Ursprung hat, sondern dass die beiden forma- 
tionen etymologisch verschieden sind. Die form 
-(üTtQoc ist, wie ich glaube, an ablativadverbiis auf -«/(iV) ent- 
sprungen (ygl. 7TooG(o-TkQ(o xaT(o-iÜTto u. a. Froliwcin stud. 
I 1, 74 ff.)". In sanskr. ved. jägära, dädhdra dädhdrtha 
(ausserhalb des veda im aitareya-brahmana bezeugt nach 
Weber ind. stud. IX 267, Delbrück a. a. o.), cämna odvdutha^ 
sdsäha, avest. cdkhnare, cakltrare, dddre^ dddaresa sehen wir 
die spräche gemäss dem nimmer rastenden triebe der fort- 
wuchernden analogie über dasjenige in weiterer anwendung 
verfügen, was sie anfänglich nur mit rücksicht auf einen be- 
stimmten enger umgrenzten zweck ins leben gerufen. 

In der Griecheusprache aber dürfte ein weiteres suchen 
nach perfectreduplicationen mit e, wozu ja die homer. cVt;- 
-di/-aT(u, dij-dfn-To, cTtj-iV;»;^-« r' nunmehr direct auffordern, zu- 
nächst auf die rechtfertigung des von Heydenreich Curtius 
stud. X 137 ff. zu ehren gebrachten homer. rjouvTai II. - 418 
führen, das Jac. Wackernagel Bezzenbergers beitr. IV 273 
mit recht anerkennt, (nist. Meyer aber griech. gramm. § 550 
s. 417 wol nur aus mangel einer passenden erklärung des 
abweichenden reduplicationsvocales verwirft. Da die doppel- 
formen urgriech. *FlFoixa und *F-}']Foixa im attischen soixa und 
*£(t)xa (aus *rjoiy.a wie nkbaig aus *7tA^oc, ßaGiXi-f'ig aus ßaaiXrjog, 
vKng aus rrjög, *X£i6g aus *A.;;oc u. dergl.) zu ergeben hatten, wozu 
im nichtaugmentierten plusquamperfect regelrecht *^ o/xfM' (^vergl. 
homer. loUsaav II. ZV 102) und terMiv gehörten, so entschied 
man sich wol zur sanctionierung des Verhältnisses Isoty.a : Hiim-iv 



— 58 — 

darum, weil man in dem -n>- der letzteren form inneres 
syllabisches augmeut des -oi- von toiy.u zu fühlen begann. 
Aber in att. äi'-Hoya, dr-&wyfi(u zu or/iFjui, oiyu> hat auch das 
perfcctuni sein nr»- aus urgriech. ^FrjFoi- beibehalten. Den 
lautgesetzen confonn werden mithin auch att. hutoCvAa^ hooclum, 
wenn man sie in derselben weise auf urgriech. ^FriFoQä/.a, 
*F>]FÖQC(fuu zurückführt; möglicher weise ist das von Ts^auck 
bull, de Tacad. imper, des sciences de St.-Petersbourg XXIY 
378 f. besprochene besonders bei attischen komikern häutiger 
anzutreffende l-ögäy.a (vergl. Yeitch greek verbs irreg,"* 495. 
4il7, Gust. Meyer griech. gramm. § 543 s. 412) erst als neu- 
bildung in der weise aufgekommen, dass man den gegensatz 
zu dem plusquamperfect hogaxHv aufs neue zu markieren für 
nötig befand; ein plusquampf. lopflxfM' entsprang dann freilich 
auch hinterdrein zu jenem wQä/.u. Wie aber auf dieser 
basis im attischen bei denselben mit 6- (o/-), o- anlautenden 
Verben sich die eigentümliche combination von syllabischem 
und temporalem augment, in att. ru'-Hoyov dv-iuryvtv dr-üola 
dv-s(o/drji',f(i)Q<i)v ewo(i&7]v, ausbilden konnte, ist ohne weiteres 
verständlich.') Auch att. fd/;;»', homer. s'lyT] II. ./ 559 zur 



1) Für swQTai^oy von «opT-ätw aber schafift Gust. Meyer griech. 
gramm. § 475 s. 367 erst eine Schwierigkeit der erklärung, wenn er es 
an das im ionischen erhaltene praesens onTÜLco anzuknüpfen rät. Im 
gegenteil ist koQraZor das strict lautgesetzliche ionisch-attische resultat 
von *^öoTa'lov d. i. dem regelrecht temporal augmentierten imperfect zu 
tograic}; eine erklärung, welche A. Faust z. indogerm. augmentbildung 
Strassburger inauguraldiss. 1877 s. 34 f. ohne erfolg bekämpft. Dass 
die jüngere las keineswegs, im gegensatz zum attischen dialekt, die 
Verwandlung von tjo in eio auf dasjenige ^o beschränke, welches = ur- 
griech. üo ist, habe ich philol. rundschau l88l no. 29. s. 933 gegen Merz- 
dorf Curtius' stud. IX 'I'IGS., Joh. Schmidt Jenaer literaturz. 1877 art. 691 
und Curtius Leipziger stud. z. class. philol. III 199 bemerkt. Sein 
fMOTctiov fasste nun aber der Jonier wol wie füouov auf und bildete 
also sich ein neues praesens oqTULio wie ogäta, und demgemäss auch 
oQTt] statt fOQTr,- Wenigstens dürfte so das Verhältnis von fo^tÖCw. 
toQTij zu den kürzeren formen o^ratlu), 6qt>j weit voraussetzungsloser, 
als es bei Gust. Meyer geschieht, aufgefasst sein, da ja jene gemein- 
griechisch auftreten und fOQTij auch homerisch (Od. v 156. rp 258), also 
altionisch ist. oqtj;, oQräi^M aber auf das neuionische Herodots be- 
schränkt sind. 



— 59 — 

Seite von homer. ep. nr/viv (vergl. Yeitch greek verbs irreg.* 
9) wird sein sonderljurt-s aussehen — die passivaoriste von 
a-wui'zeln wie nayiji'ca, oan/^pcu, Tfiäyfjrai, ßacfr^iai, acfdyip'ai^ 
räyrjvai, Ta/.i]i'ai geben kaum jemals ihren tiefstufigen wurzel- 
voealismus auf — verlieren, wenn wir es aus *riayt,v herleiten, 
wie ßaaiktä^ ßaoi/Jäc aus ßaoikrjä^ ßaaikfjC'.c. Dass auch por- 
fectisehes att. eüya für *^a/a mit verallgemeinertem schwachen 
stamme und selbst auch für *7Jäya stehen kann, ist nicht zu 
bezweifeln, sowie andererseits sicher ion. eCryt Hesiod. op. et 
di. 534 wegen seines sonst unionischen d nur diese deutung 
fordert; freiUch müssto neben *FrjFuya ein urgriech. *F^FCiya 
wegen ion. y.ax-eriyövu Herod. YII 224, xar-erjyi-v Hippocr. III 
492 ed. Littre und lesb. eäys Sappho fragm. 2^9 Bergk^ 
gleichfalls zugelassen werden . wodurch der dualismus von 
sanski'. ved. sa-salt- (sä-sdh-) und sä-sah- auch hier sich als 
griechisch erwiese. — Ueber das augment tj- in homer. 
tjioxov rjr/.To, tjtl6/]c rjSiSrj^ -ijia r/tov behalte ich einer späteren 
gelegenheit eine ausführlichere discussion vor. 



D. BALTISCH. 

Ergibt sich bei näherem zusehen schon für das sanskrit, 
dass hier der indogermanische ^-typus von got. set-um eine 
nicht unbedeutende rolle in der perfectbildung und darüber 
hinaus spielt, so zeigen dasselbe nun, auch vom germanischen 
noch ganz abgesehen , mehr oder weniger die sämtiichen 
sprachen Europas. Zunächst in ausgedehnterem masso das 
baltische. 

Eine mir brieflich (5. februar 1882) zu teil gewordene 
ansieht Leskiens betriift den wurzelvocalismus solcher litau- 
ischen „aoriste" wie ber-iau 'ich streute, kel-iau ich hob', 
wem-iau ich erbrach mich' neben den praesentien her-/i(, kel-lh, 
ivem-ih. Leskien meint, dass zur erklärung des ablauts aller 
dieser doch wol nichts anderes übrig bleibe, als den parallelis- 
mus der gotischen perf. plur. hir-uin, stel-um, qem-um geltend 
zu machen. Zur stütze dieser ansieht erscheint es mir nötig. 



— 60 — 

efwas näher auf woson und Ursprung der baltischen prae- 
t(M-itiill)il(lung auf -au hier einzugehen. 

Morj)hol. unfers. IV 3 f. anm. 258 f. anm. liabe ich die 
Vermutung vertreten, es entstamme „die eigentümliche baltische 
aoristbildung und -flexion aus dem „thematischen" einfachen 
aorist der indogermanischen grundsprache", lit. likaü z. b. 
sei im gründe mit griech. /.ho-v, sanskr. rica-m dieselbe for- 
mation. Mit dieser theorie stünde nun Leskiens perfectische 
auffassung der formen wie ber-iaü^ Ixl-iau an sich nicht im 
Widerspruch. Im lateinischen sieht man in den s-perfecta 
wie (iLrl laltlat. dein) jetzt wol allgemein alte sigmatische 
aoriste, welche die endungen der echten perfecte wie tetigl, 
sedi, vidi auf sich genommen ; vergl. Thurneysen üb, her- 
kunft u. bildung d. lat. verba auf -io 58 f., Brugmann morphol. 
unters. III ?A\ f., F. Stolz zur lat. verbal-fie>:ion I 1 1 ff . In 
ähnlicher weise könnte, meine ich, aucli bei jenen litauischen 
praeteriten mit wuvzelhaftem e ganz wol der ursprünglich 
perfectische tempusstamm mit den personalausgängen des 
aorists der (7-conjugation verquickt worden sein. Dass in 
ber-iaCt, kcl-lau und consorten das -i- vor -au auf späterer 
Übertragung von dem jodpraesens beruht, wird sogleich her- 
nach gezeigt werden. 

Ich habe aber jetzt meine starken zweifei, ob ich über- 
haupt früher recht daran getan, lit. Ukan auf ein *Ukq 
(= griech. ?.hnv) mit postfigierter partikel indog. -u zurück- 
zuführen. Die endung -an war sicher schon ur- und gemein- 
baltisch vorhanden, da das lettische sie auch kennt, und 
zwar normal als -u: lett. lik-u = lit. lik-aü. In der periode 
baltischer Spracheinheit aber war auslautendes -an = indog. 
-om unstreitig noch nicht zu -'/ d, i. aussprachlich -a ge- 
worden, wie ausser anderm hinlänglich schon diealtpreussischen 
acc. sing, der o-declination auf -an fPauli Kuhns beitr. YII 
201 ff.) und die l)ekannten gleichen casusformen des älteren 
litauisch selbst beweisen. 

Suchen wir, um den anwuciis der partikel -u nun ein- 
mal festzuhalten, nacii einer anderen praeteritalform 1. sing, 
indic. indogermanischer herkunft, welche schon in der grund- 
spi-ache selbst nasalloses -a als personalausgang hatte, so 



— Gl — 

scheint in der tat nur das alto pcrfectum sii-li darzubieten. 
Und so tinde ich hier denn die veranhissun^, von meiner 
noch niorphoh unters. IV 304 ff. gegen andere forscher (aucii 
F. Stolz z. lat. verbal-flexion I 41) erkhirt sicli neuerdiiiirs da- 
gegen) verteidigten ansieht, das sanskr. avest. -a, grieeli. -a 
der 1. sing. perf. act. sei ghnch alter nasalis sonans indog. 
-iMi, endlich abzugehen. Ich verkenne auch nicht, dass die 
altirischen formen wie ad-chon-darc 't);'cVopx«, ce-chau 'cecini', 
da sie die im keltischen /- oder ^'-farbige nasalis sonans hinten 
niciit verloren haben köimen, am ungezwungensten für -(/ 
als die indogermanische form der personalendung zeugen; 
was ich morphol. unters. I 110 ff. anin. 230 anm, zur ent- 
kräftung dieses keltischen Zeugnisses beibrachte, war doch 
nur ein notbehelf. Das also anzuerkennende personalsuffix 
indog. -a in der 1, sing. perf. act. mag denn auch wol der- 
selbe formale exponent der 1. pers. sing, gewesen seiu, der 
in der praesensform indog. hhero aus urindog. *bhero-a 
seinen Untergang durch die vocalcoutraction fand; vergl. lirug- 
raann morphol. unters. 1 146 f., verf. ebend. II 121 f. 

Allerdings nehme ich nunmehr auch, um „die im indo- 
iranischen bestehenden wurzelvocalischen Schwierigkeiten" zu 
lösen, mit de Saussure syst, piimit. 72 f. an, dass der 1. 
sing. perf. act. ursprünglich nicht hochstufen-, sondern mittel- 
stufenvocalismus zugekommen sei. ludo-iran. (/ in offener 
silbe bleibt der Vertreter von indog. u oder wenigstens von 
haupttonigem indog. ö (vergl. morphol. unters. lY 303 anm.), 
und ved. eakära, jagäma sind = indog. Ä;"eA;'- er (/, cf- e [p im a 
und nur im wurzelaulautenden consonantismus nach der 2. 
und 3. sing, geneueit, wie andererseits got. qam als 1. sing. 
im vocalismus denselben einfluss erfuhr und ebenso alle 
anderen im germanischen, griechischen und keltischen das 
indog. oder dessen gesetzliche Vertretung aufweisenden 
1. sing. perf. act. So sind nun auch griech. att. //:V/fe;'a, homer. 
TtTi-v/a, y.sy.sv')u älter vocalisiert als got. hai((/^ duuy, hoHp, 
kaus in der 1. sing, und als im griechischen selbst hA/J- 
XovOa', auch griech. X^ksya (Hesych) nicht mehr notwendig 
durch die analogie des praesens zu erklären. Und wenn 
ich morphol. unters. lY 306 noch gegen de Saussure auf 



— 62 — 

cU/tV(,) aus * i^f (^Foi« (nach Mahlow) verwies, so wiegt das zeugnis 
dieser „isolierten form" doch nicht allzu schwer, wenn man 
zugibt, dass erst nach der frühzeitigen ausgleichung von 
*Jf'i)'FfiM und *dtöFoie die erstarrung des dadurch neu ge- 
schaffenen *di-dFom *didFoa dfiöio beginnen mochte. Uebrigens 
aber wäre auch noch ein anderer ausweg betreffs des d^'d«) 
denkbar. Von Malilow selbst wird Kuhns zeitschr. XXIV 
294 bemerkt, dass man bei Homer für das nur am anfang 
des Verses erscheinende ihiddi überall noch dtidou lesen 
könne. Sprach vielleicht der alte dichter vielmehr noch 
einzig dsidsa? Die spätere spräche konnte, wenn sie daraus 
*dtidij zu contrahieren hatte, für letzteres ein d&i-)(') supplieron, 
indem wegen der praesentischen bedeutung das *tVf/i)7; seinen 
auslaut analogisch in -m nach den vielen sonstigen praesentien 
mit dieser endung umwandelte. 

Eine besondere stütze erhält de Saussure's ansieht über 
den wurzelvocalismus der 1. sing. perf. act. durch die perfect- 
bildung der ä- (und e-) wurzeln, denn von den perfecten wie 
gnech.XtXäda, niry.äda^ reräxa, a'soäoa^ mSa, säya, -nf-nüya^ ion. 
att. ii'edi]{F)a, asofjna^ rf^y/Tra, y.sy.-)]rfa {y.ky.rjtff:' re&iojy.ev 
Hesych.) wehren sich einige sicher dagegen, ihr mittel- 
stufiges ä statt ö aus dem praesens oder futurum oder sonst 
einem anderen tempus aufoctroyiert zu bekommen. Z. b. 
Tsd^TiTia bei ganz defectiver conjugation, da man auf das nur 
hesychische und wol eigens zur erklärung von rtd^/jna erst 
von grammatikern gemachte praesens &rjTi(ij ' ini&viuM, davfiäLdi 
kaum gewicht legen wird ; ferner yiy.i](j^a neben praes. xarr-roj 
und y.an-TC) und lauter sonstigen formen von der basis y.Cm- 
(y.ä(f-); auch urgriech. *Ff F''ya = lesb. att. sCr/u, ion. £/]ya 
bei dem durchgehenden ay- von ay-vV-fn, u^w, l-äy-7p' oder 
att. Hiyip' = urgriech. *Ft]-Fay-ip' (vergl. s. 58 f.). Mit 
gutem recht hat daher auch schon de Saussure selbst syst. 
primit. 154 f. auf die möglichkeit einer ausgleichung inner- 
halb der perfectflexion als solcher, nemlich zwisclien It-kaifa 
1. sing, und *AfAo>^f 3. sing., "^tf^ßnya und ^rsdoyt (vergl. perf. 
med. att. Tsd^ijy/iiui und Tf&wyf.(froi " tsOvjuid/h&voi, ri-daiyrixi • 
Tsf)vfif»Tai Hesych.) hingewiesen. 

Im o-erraanischeu würde es ohne weiteres klar sein, 



— fi8 -•- 

warum bei dor 1. sing, imlic. perf. die spraclic voranlasst 
wci'den konnte, den alten niittolstutigen wurzelvocalismus 
fallen zu lassen. Ein got. %üid empfahl sich auf die dauer 
nicht, weil man diesen ablaut auch im praesensstamme von 
hindau hatte und wurzelvocalische differenz nachgeiade die 
rolle der tempusunterscheidung zu übernehmen anfing. Ferner 
bei allen starken verben des ablautes a : ö und solclien wie 
got. skaidcm, stau f an ^ haldan niusste gerniauiscii die 1. und 
3. sing, perf lautgesetzlich im wurzelvocalismus zusannneu- 
fallen; got. sök aus indog. sdga 1. sing, und indog. söge 
3. sing. Dies wirkte auf die fälle zurück, wo die beiden 
personen des sing, perf indic nicht lautgesetzmässig gleich 
ablautend geworden wären. Könnte endlich auf got sai-zlrp 
[sai-slep) jetzt mehr gewicht zu legen sein, als ich früher, 
morphol. unters. I 2o8 f. anra. Paul-Braunes beitr. VIII 558, 
meinte? Wäre es gestattet, anzunehmen, dass hier die 1. sing, 
indic. perf. ausnahmsweise den gesamten perfectischen 
vocalismus der Wurzelsilbe bedingte? Es könnte dann auch 
den Schreibungen mit innerem -2-, ga-saizlcp Joh. 11, 11, 
ga-saizlepun Gonnth. 1 15, 6, diejenige bedeutung beizulegen 
sein, welche Paul in seinen beitr. VI 545 dafür in anspruch 
nahm; denn sai-sUp brauchte nicht mehr, was ich früher für 
das einzig mögliche hielt, notwendig als eine gotische neue- 
rung mit übertragenem vocal des praesens von slqjan be- 
trachtet zu werden. 

Es werden sich uns im fortgange dieser und der nach- 
folgenden Untersuchungen noch eine reihe anderer erschei- 
nungen darbieten, welche ihre befriedigende lösung unter 
der Voraussetzung zu finden scheinen, dass de Saussure's 
hypothese von dem mittelstufigen wurzelvocalismus der 1. 
sing, perf, indic. act. als die richtige und ausserdem -a als 
das indogermanische personalsuffix der in rede stehenden 
verbalform angesehen wird. 

Um zum litauischen zurückzukehren, so ei'scheint nach 
allem bemerkten allerdings die auffassung berechtigt, der 
schon Brugmann morphol. unters. IV 414 zuneigte, dass das 
praeteritum lit. cdmc ich frass' „auf grundlage des indoger- 
manischen perfects entstanden" sei. Und zwar wäre dies so 



— 64 — 

dor fall, dass edau geradezu eine ihm gleichlautende erbform 
aus der grundsprache verträte. Bis auf das postpositive -u, 
welches nun scJion in urzeiten angewaciisen sein mag, deckt 
sich eda-u mit der 1. sing. porf. sauskr. äda, got. [fr-)et 
auord, ät ags. M ahd. äz und mit griech. *//()'« in dem er- 
weiterten *f{)-7;J« (belegt idr]ö-u)q partic). Oder auch lit. 
eda-u verhält sich zu der hier vertretenen kürzeren form 
indog. eda ebenso wie im sauskrit die perfectformen ]. und 
3. sing. JaJiä-u, paprä-u, dadd-u, dadha-u, ta-stJtd-u zu \e(l, 
^'ahä, paprä , *d(idd, *dadhd, Hasthä nach verf. morplud. 
unters. IV 259 anm. Oder ferner auch lit. eda-u ist dieselbe 
erweiteruug gegenüber sanskr. äda got. {fr-)et griech. *-^()«, 
wie es sanskr. ja-jüä-u gegenüber altir. {ail-)gen 'coguovi' 
ist ivergl. oben s. 10); denn dieses gm ist aus iudog. (/'e- 
-g^no = sanskr. '*Ja-Jnd ebenso unmittelbar zu gewinnen, wie 
altir. da ech nom.-acc. dual, in dem ech den lautgesotzlichen 
reflex von sanskr. ved. äcvä, griech. nm«), nicht aber den- 
jenigen des erweiterten sauskr. äevä-u, aufweist (Windisch 
Paul-Braunes beitr. lY 231. kurzgef. ir. gramm. § 88 s. 21, 
verf. morphol. unters. I 112, Brugniann morphol. unters. I 
159). 

Was die erklärung der übrigen flexion der baltischen 
pseudo-aoriste auf -au anbetrifft, so kann es hiermit nun auch 
fernerhin ganz so, wie ich morphol. unters. IV 258 f. anm. 
bemerkte, sein bewenden haben: „Die flexion likaii, likal , 
llko, Dkome entwickelte sich dann, indem likaü in die bahnen 
des praesens der denominativen ä-conjugatiou, mataü, Jeszkau 
(= ahd. eiscö-}i) mit -au aus indog. -alo^ übertrat." 

Alle baltischen praeteritalformen, welche ich ausser lir. 
likaü in niorphol. unters. IV an verschiedenen stellen be- 
handelte, nemlich lit. dygaii (s. 3), lipaü (s. 4), isz-wyduu 
(s. 6), migo (s. 8), hügau (s. 10), lütau, smukaü (s. 11), 
gijaü, rijan, Pijo (s. 362. 394 f.), puwau^ zuwaü (s. 362. 
.".77), Iniwan (s. 377), griuivaü, klluwaü (s. 394 if,), siuwaü 
(s. 395 f.), lett. guwu (s. 395), Ht. ki-Mc^ dilaü, iraü (s. '^i)4i'. 
anm.), verhören ihren wert für meine tiefstufentheoiie inso- 
fern nicht, als aus den vermeintlichen „tiiematischen" aorist- 
formen nun ebenso viele beispiele für den nebentonig- und 



— 65 — 

tonlos-tiefstufigen schwachen perfectstaram werden. Bei hiiw- 
-aü speciell hätte das noch den Vorzug-, dass dadurch dieses 
letzte Zeugnis für einen alten nach der ä-conjugation gebil- 
deten aorist schwindet bei der in sanskr. ä-hhü-t griech. t-r^ti 
einzig einen alten „wurzelaorist" kennenden wurzel indog. 
hheu-; vergl. morphol. unters. IV 14 f. 

Yerallgemeinerung der schwachen Stammform des per- 
fects zeigen nun auch eben jene litauischen Vertreter des e- 
typus her-iaü, krl-iau, wem-iau. Welche der formen aus 
dem scliwachen perfectstamme es aber gewesen sei, die 
macht genug besass, um die baltische spräche zur ausglei- 
chung in ihrer richtung zu veranlassen, wird sich weiter 
unten auch herausstellen. 

Ich lasse jetzt zunächst, an der band von Schleicher 
ht. gramm. § 115 s. 243 f. und Kurschat gramm. d. litt, 
spr. § 1229 s- 825 ff., eine aufzählung der wie her-iuü^ Ml-iau 
beschaffenen praeteritalbildungen des litauischen folgen. Es 
sind nach den wurzelauslauten -r-, -l-, -m- geordnet: 

h(h--iaü von her-ih her-ti 'streuen', 

gcr-iau „ yer-ia yer-ti trinken', 

ncr-iau „ ner-iü ner-U 'tauchen', 

per-iaü „ per-iü peP-H 'mit dem badequast 

sehlagen, baden', 

swer-iaü „ swer-ih suer-ti 'wägen', 

szer-i(iM „ szcr-lh szer-ti 'vieh füttern', 

twer-iau „ twer-iü kcer-ti 'fassen', 

iver-iau „ tver-lh wer-ti 'öffnen, einfädeln', 

zer-ian „ zer-ih zer-ti 'scharren'; 

ferner (fvl-ian „ (/el-ii) (/<'/-fi 'stechen, wehe tun', 

/icl-iuu „ Iiel-iii kel-ti 'heben', 

skel-iaii „ skel-iu sl-el-H 'spalten'^ 

ivci-ian „ irel-it) ivel-fi 'walken', 

zcl-i(fu „ z<'/-ii< zel-ti grünen, wachsen'; 

ferner Icni-iau „ lon-ih /('iti-tl 'das Schicksal be- 
stimmen' , 
r&m-iau „ rcm-ih rem-ti 'stützen, steiiinien', 
scm-ian „ sein-ii) sem-fi schöpfen', 

Ost hoff, zur gesrliichte d. perfecta i. iiKio^ermanischen. Ö 



— 66 — 

trem-iau vou treni-iu trem-ti niederstossen', 
ivcni-iau „ ivem-ih ivem-ti 'sich erbrechen, 

Dass, wie auch Leskien glaubt, das stammbildende jod in 
den angeführten litauischen praeterita nur der Übertragung 
aus dem praesens zuzuschreiben sei, wird in anbetracbt der 
in allen diesen fällen nebenher gehenden jodpraesensbildungen 
keine bedenkliche annähme sein. Freilich aus dem lettischen 
dialekt ist, obwol derselbe hier überall mangel des jod im 
praeteritum neben Vorhandensein desselben im praesens zeigt, 
dennoch aus weiter unten sich ergebenden gründen eine 
stütze dieser annähme nicht zu gewinnen. Es entsprechen 
im lettischen die bei Bielenstein lett, spr. 1 369 f. verzeich- 
neten ablautsreihen 

her-u 'ich streute, schüttete' zu hevii ber-t, 

dßr-ii 'ich trank' zu dfevu dfe'r-t, 

per-u 'ich schlug mit ruten, badete' zu pevu pe'r-t, 

swer-u 'ich wog' (trans.) zu sweni stve'rt^ 

ser-u 'ich steckte getreide in die rije' zu seru, ser-t, 

twer-u 'ich fasste, griff' zu tive^u, tice'r-t, 

wer-u 'ich wendete, fädelte' zu icerii, wer-t; 

dfel-u 'ich stach, tat wehe' zu dfehi dfel-t, 

zel-u 'ich hob' zu zelu ze'l-t, 

schkel-ti 'ich spaltete' zu scJikelu schke'l-t, 

ivel-u 'ich wälzte, walkte' zu welu ive'l-t, 

fel-u 'ich grünte' zu fehl jYl-t ; 

Um-ii 'ich bestimmte das Schicksal' zu leni-ju lem-t, 

wem-u 'ich vomierte' zu ivem-ju ivem-t. 
"Wozu noch kommen, als im litauischen nicht vertreten : 

sper-u 'ich stiess mit dem fusse, trat' zu sjiet'if spe'r-f ; 

pel-u 'ich verleumdete' zu peJu pel-t, 

smel-u 'ich schöpfte' zu smelu sme'l-t, 

swel-u 'ich sengte' (trans.) sivelu swcl-t. 

Das lettische lehrt aber zum mindesten ein anderes. 
Durch die von Bielenstein a. a. o. auch berücksichtigten 
dialektischen nebenformen seiner Infinitive ler-i, dfe'r-t, pe'r-t, 
sive'r-t, ser-t, twe'r-t, wer-t, spe'r-t, nomlich her-t (Nieder- 
bartau, Kabul en), dfer-t (Westkurlaud), per-t (Westkurl.), 



swer-t (Westkurl.), tirert{^(i^i\<i\iY\.) = kwer-t (Allschwangen), 
wer-t (Westkuil.), sper-t ^Westkurl.), zeigt es, wie wenigstens 
mundartlich der vocalismus des praeteritums mit indog. e 
sich über die anderen ausserpraeseutischeii verbalformeu ana- 
logisch auszubreiten beginnt. 

Die analogische ausbreitung des praeteritalen l- über den 
gcsammten verbalablaut ausser dem praesens ist im litauischen 
durcligängig geschehen bei solchen verbalwurzeln, die auf ge- 
räuschlautc , anstatt der sonoren r, J, nh ausgehen. Nemlich 
bei 

lit. dreb-iaü nebst fut. drcp-siu , infm. ihrp-ti 'etwas 

breiartiges werfen' im praes. dreh-iü; 
lit. dresk-iaü nebst fut. drek-siu, infin. drcks-ti 'mit 

einem ruck reissen' zu praes. dresk-lh ; 
lit. atsi-dtces-iaü nebst fut. -dwesiu, infin. -dives-ti auf- 
atmen' zu praes. -dives-iu; 
lit. krecz-iaü nebst fut. krhiu , infin. krh-ti 'schütten' 

zu praes. krecz-ih; 
lit. Uk-iaü nebst fut. Ick-siu, infin. lek-fi 'fliegen' zu 

praes. lek-ii); 
lit. slep-iaü nebst fut. sUp-sin^- mf^w. slep-ti 'verbergen' 

zu praes. slep-uc^ 
lit. SjjIecz-iüH nebst fut. sjdhiu^ infin s^;Z(V^rausbreiten, 

entfalten' zu praes. splec'z-ih\ 
lit. sreh-id.n nebst fut. srvp-slu, infin. srrp-ti 'schlürfen' 

zu praes. srch-ih ; 
lit. teszk-ian nebst fut. trki^ziu^ infin. trksz-ti 'dick- 
flüssiges spritzen' zu praes. teszk-ii). 
Vergl. Schleicher lit. gramm. § 115 s. 244. Kurschat a. a. o. 
Weiter gehend gleicht bei dieser gruppe das lettische 
so aus, dass auch das praesens^ neben teilweiser besonders 
mundartlicher erhaltung seiner älteren formen mit e, vom 
praeteritum das e empfängt, so dass dadurch nachgerade 
aller ablaut zerstört wird. Dies ist der fall bei folgenden 
Bielenstein lett. spr. I 367 f. entnommenen beispielen: 

lett. kret-u praet., infin. kres-t 'fallen machen, schütteln': 
dazu praesens kresclui, aber mit älterer nebenforin 
kresrliK =r lit. krecz-ih; 

ö* 



— 68 — 

Ictt. sUp-u, praet., infin. sUp-t 'verheimlich on' : dazu prae- 
sens sUp-ju statt *slep-ju = ht. slep-ih; 

Ictt. pUt-H praet., infin. pUs-t 'breit machen, öffnen: 
dazu praesens pleschu, aber mit älterer nebenform 
pleschn = lit. splecz-iü', 

lett. streb-u praet., infin. streb-t 'schlürfen': dazu prae- 
sens streb-pi neben älterem und dialektischem streb- 
-ju (Kabillen) = lit. sreb-ia. 

Nur in dem einzigen a verbo von lett. lezti, Uzu , Uk- 
-srlm, lek-t 'springen, hüpfen' = lit. lek-iü, Uk-iaü, Ick-siu, 
Ick-ti 'fliegen' (Bielenstein lett. spr. I 364) sind die vocalischen 
ausgleichungsprocesse auf beiden dialektgebieten genau die- 
selben geblieben. In letscJm praet. der mundart von Palzmar 
(Bielenstein ebeud.) wahrt sogar das lettische die jotierte 
praeteritalbiklung wie lit. Uk-iaü, weshalb wir weiter unten 
darauf zurückkommen, um dann auch zu zeigen, woher die 
andere form Uzu und das praesens lezu statt eines laut- 
gesetzlichen Hetsclm, 

Eine der zum Systeme des baltischen „aorists" zuge- 
rechneten formationen, und zwar für den zweck unserer 
gegenwärtigen Untersuchung mit die wichtigste, hat sich im 
litauischen immer der herübernahme des jod aus dem prae- 
sens enthalten, wo sonst in litauischen verben wie denjenigen, 
deren ablaut uns hier beschäftigt, der „aorist" jene erschei- 
nung zeigt. Das baltische partic. praet. act. auf lit. 
-{iv)es, -tisi bleibt ja sicher unter allen umständen eine von 
hause aus echt perfectische bildung, auch wenn unsere 
obigen Voraussetzungen über das verbum finitum auf -au und 
dessen hcrkunft hinfallen sollten. Und von diesem participium 
lehrt Schleicher lit. gramm. § 34 s. 96 : „Praeterita auf -jau 
nach einem consonautischen wurzelauslaute von solchen ver- 
bis, deren infinitiv nicht auf -;/ti ausgeht, sondern bei denen 
das -// an die verbalwurzel unmittelbar antritt, haben das / 
in diesem participium nicht." Ich meine nun, dass uns in 
lit. bcr-usi fem., bir-usiös fem. plur. von ber-iaü, ebenso (ßr- 
-usi ger-iisiös von cßr-iaH^ kci-usi kel-rtsiös von Ml-iau, rhn- 
-usi rcm-Hsiös von rcm-ian^ irnn-usi whn-nsiös von tvnn-iau 
u. s. w. relativ alte bilduugen entgegen treten, die wir dreist 



— 60 — 

dem bekannten gotischen particip ber-usjös und jetzt auch 
jenem ved. vi-j än-iish-a s {ohen s. 11 f. 49) unmittelbar au die 
Seite setzen dürfen, dass ferner für ein lit. lek-es geflogen 
seiend', fem. Ick-nsi lek-usiös von lek-icm, die genesis nirgend 
anderswo gesucht werden darf, als für das ved.-sanskr. dac- 
-vän, dde-Hsh-e^ däc-usJt-as. Eine erbform allerältesten ge- 
präges aber, gleich dem ved. sCdt-üän, besitzt unter seinen 
praeteritalen d-bildungen das litauische an dem particip sed-^s 
sed-usi zu dem „aorist" sed-au 'ich setzte mich' ; vergl. s. 43. 

Mit dem participium haben wir denn auch diejenige 
form des schwachen perfectstammes, deren analogischer ein- 
fluss, wie ich s. 65 andeutete, im baltischen so vielfach den 
mittelstufigen wurzelvocalismus der 1. sing, praet. auf -au 
beseitigte. Es sollte lit. *sed-au heissen = sanskr. ved, sa- 
sdda (unbelegt); sed-cm ist statt dessen nach dem particip 
sed-^s sed-usi neu geschaffen worden. Für lit. huw-aü 
nach hmo-usi wäre *haiv-au als ältere form = indog. 
(bh-)bheu-a-u zu erwarten; vergl. de Saussure syst, primit. 
67 f., verf. morphol. unters. II 140 f. über halt, air^ an aus 
indog. eu. Auch lit. dyg-au, hüg-au, lü^-au u. dergl. ver- 
danken ihren unursprünglichen nebentonig-tiefstufigen ablaut 
der analogie von dijg-es dtjg-nsl und hug-es, laz-es. 

Normal in alter weise mittelstufig gebliebene formen 
der 1. sing. perf. besitzt das litauische aber auch, nur dass 
diese dann hinwiederum ihrerseits dem zugehörigen parti- 
cipium ihre ablautstufe aufgedrungen haben. Ich nenne als 
solche hier zunächst lit. sen-aü ich wurde alt', tem-aü ich 
wurde dunkel' (Kurschat gramm. d. litt. spr. § 1225 s. 317). 
Ist das allgemein indogermanische adjoctiv sen-o-s 'alt = 
sanskr. sänas , avest. hano , armen. lUu, lit. s^'uas^ altir. 
sen (griechisch in tV?; y.ai rf«, lateinisch in senum gen, plur., 
senex^ gotisch in sineigs, siuista) eigentlich einer der vol- 
lendet hat, zum ziele gelangt ist', die wurzel dieselbe wie in 
sanskr. sanömi, griech. ävviti, dvv(o {avvio), arco'^ Man ver- 
gleiche ßrugmanns analyse der bedeutuugen Kuhns zeitschr. 
XXIV 271 f., welche eben 'erzielen, das ziel erreichen als 
grundbegriff des verbnms sanömi^ nvvfo ergibt. Dann stünde 



— 70 - 

alsolit. sen-aü 'ich wurde alt' einem altind. sa-sän-a 'habe mein 
ziel erreicht' (belegt ist im rgveda sa-sän-a 3. smg.^ gleich. 

2s ach den erbbildungen lit. sen-aü, tem-aü heisst es auch 
im particip sen-qs sen-usi^ tetn-^s teni-iisi, wo für das feminin 
nach ältester indogermanischer weise *sln-usiy *thn-usl gerecht- 
fertigt wären, mit -in- = indog. -nn- als ablaut der ante- 
sonantischen nebentonigen tiefstufe und darum lautgesetzlich 
ohne die reduplication wie bkw-i(si (morphol. unters. lY vorw. 
s. lY f. IX), wo aber auch nach jünger entwickeltem indo- 
germanischen brauche der '^-typus, also *sen-^s *sen-usi, *teni- 
-fs *fi'm-nsl, erscheinen könnte. Wiederum in umgekehrter 
ausgleichung zwischen particip und verbum tinitum : lit. rim- 
-aü 'ich wurde ruhig', twin-aü 'ich schwoll an', statt *reni- 
-aü (= einem ved.-sanskr. ra-räm-a), *tiven-aü, durch den 
einfluss von rlm-usi, twln-usi. 

Andere formen, die wie sen-aü, tem-aü ihren altererbten 
wurzelvocalismus der mittelstufe im litauischen auf das partic. 
perf. übertrugen, sind hrend-au ich wurde kernig fest, reifte', 
skend-aü 'ich ertrank, versank im wa^sser', stveik-aü 'ich genas', 
skret-aü 'ich überzog mich mit einer schmutzkruste', tresz-aü 
'ich faulte trocken', sznek-aü, 'ich fing an zu reden', die per- 
fecta zu den Infinitiven hres-ti, skqs-ti, siveTk-ti, skres-ti, tresz- 
-ti, sznek-ti ; sodann gelt-aü 'ich ward gelb', infin. gels-tij 
dessen t aber wol nicht wurzelhaft von hause aus war. 

\Yeiterhin reihen sich an als solche alte formen der 
1. sing. perf. act. die bei Kurschat gramm. d. litt. spr. § 1227 
s. 322 f. zu findenden ht. ged-aü von ges-tl in Unordnung 
geraten', ges-aü von ges-ü erlöschen (intrans.), jek-aü von 
jek-ti 'erblinden', lep-aü von lep-ti 'verwöhnt werden', sek-aü 
von sek-ti 'fallen' (von hohem wasser ), tek-aü von Uk-ti 'zu- 
kommen, zufallen, zu teil werden, auskommen, ausreichen'. 

Einem griech. *r^-7-f x-a (für neu gebildetes rt-rox-n) steht 
das zuletzt genannte tek-aü gleich, gemäss der wurzelgemein- 
schaft von lit. tenk-u, tek-ti mit griech. r/xrw, fc-rtx-o-)' nach 
.loh. Schmidt z. gesch.d. indog. vocal. I 52 (vergl. oben s. 49 f.). 

In bezug auf lit. gqsth ges-aü ges-ti 'erlöschen' (in- 
trans.) und ges-aü ges-iaü ges-yti 'auslöschen' (trans.), abulg. 
gas-nq gas-nqti 'exstingui', gasq gas-iti 'exstinguere' ist ety- 



— 71 — 

mologisch zu bemerken, dass deren vergleichung mit sanskr, 
Jas-, Jas-ate 'ist erschöpft, ist totmiide', jäs-n- f. 'orsciiöpfung, 
schwäche, avest. zah-, zah-tt möge erlöschen', zaq-ija- adj. 
wert ausgelöscht, vertilgt zu werden' (l'ott wurzel-wörterb. 
II 2. 372 ff., Fick vergleich, wörterb. IF 552, Hübschmann Kuhns 
zeitschr. XXIII 26. 390) an der Verschiedenheit der anlaute 
mit Velar und palatal scheitert. Da auslöschen' und 'fressen, 
essen sehr wol spocialisierungen eines grundbegriffes ver- 
zehren, vertilgen' — das erlöschende feucr verzehrt sich? 
consumitur — sein mögen, so stelle ich zu jener litu-siavischen 
sippe vielmehr sanskr. ghas- 'verzehren, verschlingen, fressen', 
praes, (jlias-tl^ und lat. vescor verzehre für mich, esse'. In 
der tat fehlen auch im sanskrit und besonders im lateinischen 
nicht die spuren einer solchen allgemeineren grundbedeutung 
'abzehren machen , hinschwinden machen'. Für sanskr. 
yhäs-i-s m. 'futter' kennen indische grammatiker auch die 
bedeutung Teuer' als 'das alles verzehrende' (vergl. Petersb. 
wörterb. II 887), und ifhas-ra-s adj. drückt verletzend, schin- 
dend' aus. Und für lat. vescns adj. 'klein, dünn, schwach, 
ärmlich, elend', cescull male curati et graciles homines' (Paul. 
Fest. p. 371) ed. Müller) gewann schon Pott etym. forsch. I'- 
721. wurzel-wörterb. 11 2, 466 den mittelbegriff zu dem verbum 
vescor hin als 'abgezehrt, durch aufzehren verschrumpft'. Es 
regierte, gleichwie sanskr. ykas-tl als activum, so auch das 
lat. vescor aus "^gces-scor als echtes medium ursprünglich den 
accusativ des objects, wie tatsächlich noch in sacrös laurös 
vescl bei Tibullus, hnmänam carnem vescl bei Plinius. Die 
constructiou mit dem ablativ ist erst durch syntaktische aus- 
gleichung mit fruor aliquä re 'habe genuss oder 'mache mir 
genuss von etwas' entstanden. Spätes actives vescö, vescere 
'nähren, speisen' in qiiis nös vescet carne Tertull. de jejun. 
5 kommt als eine nachschöpfung zu dem alten späterhin 
passivisch verstandenen vescor, vescl nicht in betracht für 
die grundbedeutung der wurzel. Bei sanskr. ghas- sind bil- 
dungen mit indog. o, wie ja-ghäs-a 3. sing, perf., gJiäs-'t-s m. 
futter (vergl. griech. rooTr-z-C;, rpor/-/-c, roö/-i-c, argoip-t-c, noX-i-c 
zu got. fil-u von indog. i)el- 'füllen', got. niat-s m. speise', 
eigentlich 'zugemessenes, ausgeteilte portion' = indog. möd- l-s 



- 72 — 

zu got. mit-an nach 0. Schade altdeutsch wörterb,- 597*, 
andere giiechischc , germanische und sanskritische bei- 
spiele bei de Saussure syst, primit. 85), es gewesen, von 
denen eine uniformicrung des wurzelanlauts zu gunsten des 
nicht-palatals vor sich gegangen ist. Zu der perfectform 
1. sing. act. ved. ja-()luU-a für *Ja-Jiäs-a stellt sich nun formal, 
gleichwie lit. sen-an zu sanskr. sa-sdn-a, tek-aü zu griech. 
*T€-Tfx-f(, das lit. (jes-a-ü 'ich erlosch' als die alte reduplica- 
tionsverlustige satzzwillingsform mit prosthetischer partikel 
-u^ obzwar der bedeutung nach das transitive lit. ges-yti dem 
sankritverbum näher kommt. 

Dass nun auch von dieser letzteren gruppe litauischer prae- 
terita die participia perf. act., lit. ged-^s ged-usi, ges-qs ges-usi, 
jek-es jek-usi^ lep-qs lep-usi, sek-es sek-nsl; tck-es tek-usi, neubil- 
dungen nach dem muster des vocalismus des verbum finitum 
sind, lässt sich keineswegs fest behaupten, zum mindesten nicht 
für diejenigen unter ihnen, die ohne irgend welchen Sonorlaut 
der Wurzel sind. Alte reduplicationsverlustige und in der wurzel 
darum nebentonig-tiefstufige bildungen wie im sankrit ved.sa/i- 
.ym*(vergl. s. 55) dürfen wir auch dem baltischen als empfange- 
nes erbteil wol beilegen, zumal sie ja dem nahe verwandten 
slavischen durchaus geläufig sind. Niclits liegt doch näher, 
als lit. kep-^s kep-usl unmittelbar dem abulg. pek-ü pek-uU 
und ebenso lit. deg-^s deg-nsi dem abulg, ieg-ü -eg-üU i) zu 



1) Dass abulg. ze(j-(i 'ich brenne' mit lit". defj-h und sanskr. däh- 
-ä-nii dasselbe verbum sei, wird niemand bezweifeln wollen. Eine er- 
klärung des abnormen anlauts im slavischen aber finden wir, wenn wir 
auf die seite derer treten, die wie Miklosich vergleich, gramm. d. slav. 
spr. I 255 die affricata dz für die Vorstufe der aus g vor palatalon 
vocalen entstandenen fricativa slav. z halten. Dann lässt sich denken, 
dass in den formen wie *dedzesi, *dedheU, *dedzete sich der anlaut der 
ersten silbe an denjenigen der zweiten, weil er diesem ohnehin in der 
articulation nahe stand, vollends assimilierte. Also entstanden *dsedzesi, 
*dzedzett = histor. zezesi, zezett; durch analogie dieser aber auch zega, 
zegafi für lautgesetzliche *dega, *degati. Anders über das chrono- 
logische Verhältnis von dz und i im slavischen Potebnja archiv f. slav. 
philol. III 365, während Collitz Bezzeiibergers beitr. III 195 anm. 1 
sich nicht entscheidet. Für Miklosich's Standpunkt spricht aber, im 
verein mit der entsprechenden fortis c d. i, ts a,us k, auch das, was 



— 73 — 

vergleichen. Darnacli würde dem lit fek-^s tek-usi nun die- 
selbe wurzelvocalstufe zut'allen, wie im grieeliischen dem aorist 
s-Tfx-o-r, Tt/.-sh: rr/.-civ uacli veif. Paul-Biaunes beitr. YlII 
304 anm. Auch können sich nach der analogie dieser schon 
in litu-slavischer einheitszeit solche pertectparticipia wie lit. 
ived-i^s ind-m^i = abulg. ced-ü ved-H^i, lit. wez-rs icck-Nsl = 
abulg. re<!-U vez-ü^i , lit. met-es met-usi = abulg. wet-ii met- 
-üsi, lit. nesz-es msz-usi = abulg. t/es-ü nes-ü-^i und folglich 
auch lit. lep-ps lep-iist neu entwickelt haben, wofern nicht 
bei den tu'-wurzeln mit an la u t ende m sonoren consunanten 
die gleiche form der nebentonigen tiefstufe wie bei den ent- 
sprechenden mit anlautendem geräuschlaut (vergl. die ger- 
manischen -o>iO-participia got. nig-ans, ivis-ans, mit-ans, nis- 
-mis, rik-ans, lig-anSj lis-ans wie gih-ans, sit-ans) schon indo- 
germanisch oder wenigstens nach einem schon „proethnischen" 
sprachgebrauche gerechtfertigt gewesen sein dürfte. Es ist 
nun wol mögUch, dass gerade diese fälle wie lit. (jed-aü : 
gkl-es gkl-Hsi, tek-ail : tck-es Uk-iisl mit lautgesetzlich zu- 
sammenfallendem vocalismus der mittel- und tiefstufe die 
hauptveranlassung für die baltische spräche geworden sind, 
auch sonst allerwärts den gleichen ablaut zwischen verbum 
finitum des praeteritums und partic. perf. analogisch herzu- 
stellen, z. b. bei *bau-aü : biiw-usi, *reni-aü : rlm-tisi oder sen- 
-aü : *shi-Hsi, *sed-au : scd-usi. 

So zulässig aber auch bei der gruppe von lir. ged-aü, 
tek-aü u. s. w. die annähme erscheint, dass der ablaut der 
participia mit dem gleichen vocale e ebenfalls ein altererbter 
sei. so kann doch das eine oder andere der hierher gehörigen 
participia im urbaltischen auch dem indogermanischen t^-typus 
der schwachen perfectformen gefolgt sein. Anstatt lit. tek- 



Brugmann morphol. unters. III 146 über den gegensatz von c = ts 
aus tj und z = dj im westslavischen bemerkt: „in den westslavischen 
dialekteu ist das aus (/' (z. b. *svetjä 'leuchte, kerze') entstandene ts (c) 
durchgängig unverändert geblieben, \Yährend das aus dj (z. b. *niedjä- 
'grenze'j erwachsene dz im cechischen und sorbischen in z überging 
(sv/ce, svecd, aber meze, mjeza); d vor z neigt stärker zur assimilation 
als t vor s". So neigte offenbar auch im gemeinslavischen (/ vor i 
stärker zur assimilation als t vor s. 



— 74 — 

-fs tek-nsi nicht nur, sondern seihst neben diesem kann in 
jener zeit *trk-f]s *fek-ii.si vorhanden gewesen sein, sowie im 
veda sdli-rdn neben säh-vän. Nun hat bei dfes- löschen' =^ 
lit. ges- das lottische den t-typus : praet. dfes-u neben praes. 
d/eschn (jodpraes.) und infin. dfes-t 'löschen' trans., sowie auch 
dfescIiH praes.. dfes-t infin. mit dem übertragenen ablaut des 
praeteritums ( vergl. Bielenstein lett. spr. I 368). Das, dünkt 
mich, könnte allerdings darauf schliessen lassen, dass der alte 
baltische ablaut dieses perfectums lit. gcs-aü : ''cjes-^s *ges-usi 
= lett. *dfcs-n : dßs-is dßs-usi gewesen und nur in beiden 
dialekten verschieden ausgeglichen worden sei. Doch komme 
ich weiter unten auf eine nähere erwägung des ablautes 
dieser wurzel von anderen gesichtspunkteu zurück. 

Ich brauche kaum nebenher besonders zu erwähnen, 
dass für de Saussure's hypothese über den tirsprünglichen 
M'Ufzelablaut der 1, sing. perf. act. im indogermanischen (vergl. 
s. 61ff.) nunmehr auch diese lit. sen-an, teni-aü^ hrend-au, 
siveik-aü, ges-aü, tek-aü u. s. w. eine nicht unverächtliche 
stütze abgeben werden, wenn anders unsere theorie über die 
herkunft dieses baltischen vergangenheitstempus irgendwie 
auf sicheren füssen steht, im baltischen konnte kein hoch- 
stufenvocalismus, wie anderwärts, nur der tiefstufige des par- 
ticipiums der 1. sing. perf. act. aufgedrungen werden. Tat- 
sächlich findet sich, so weit ich es übersehe, bei wurzelverben 
im baltischen für das praeteritum nur entweder der mittel- 
stufenvocalismus oder der ablaut der tiefstufe, welcher letztere 
eben mittels der ein Wirkung des particips sich erklärt. 
Andererseits erhalten die litauischen praeterita 1. sing. act. 
sen-an, tem-aü, hrend-au und ihresgleichen für die allgemeine 
perfectlehre des indogermanischen den wert, dass jetzt auch 
sie die unhaltbar keit der von Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 30 ff. aufgestellten, von mir aber auch schon morphol. 
unters. IV vorw. s. VIII ff. Paul-Braunes beitr. VIII 260 
bekämpften theorie zeigen, ., wonach der verhist der perfect- 
reduplication nur von den formen des schwachwurzeligen 
perfectstammes ausgegangen sei". 

Die lebhafte Wechselbeziehung zwischen dem activen 
perfectparticip und seinem verbum finitum hatte aber für die 



— .0 



baltische spräche noch eine andere Wirkung. Das häufige 
Verhältnis, dass neben dem praotei'itum mit „erweichter 
endung*^ -kin das particip stand, welches sich seinerseits der 
herübernahme des jod aus dem praesensstamme enthielt, 
ward in sofern verhängnisvoll, als es sich in der weiteren 
folge auch da zeigen konnte , wo der urheber der ,,er- 
wcichung". das jodpvaesens, seinerseits gar nicht vorhanden 
war. Es hatte lit. kel-iau sein -/- von dem praesens kel-la ; 
ebenso hatten ihr -iaü als praeteritalendung zur soite und 
zu folge eines praesens auf -ih entwickelt die zahlreichen 
verba in Kurschats Verzeichnisse gramm. d. litt. spr. § 1226 
s. 318 ff. und manche andere mehr ausserhalb dieser liste. 
Nach dem muster aber von kel-iau neben kti-es kel-i(si bildete 
sich auch ed'z-iau 'ich frass', die jüngere seitenform des altern 
lit. cd-au, zu M-ps ed-usi, trotzdem dass das praesens ohne 
jod ed-ml oder cd-u lautete. Auf dieselbe art ist zu beur- 
teilen der Ursprung der perfecta auf -iaü. welche im litau- 
ischen zu den nichtjodpraesentien deg-it 'brenne' i^intrans.), 
ke2)-i( 'backe, brate'. les-i( 'lese pickend auf, picke körner, 
fresse (von vögeln)', met-i< werfe', mezy-ii mache knoten, 
stricke', nesz-ü 'trage', jjesz-ic 'pflücke, rupfe', se(/-ii 'hefte', 
sek-ii folge', te^j-ü 'schmiere', wed-it "führe, leite', ice'<:-it 'fahre' 
(trans.) bestehen: deg-iaü^kep-iaü., les-iaü, mecz-iaü, mezg-iaü^ 
nesz-iaü, pesz-iaü^ seg-iaü, sek-iaü^ tep-iaü, ived'z-iaü, wez-iaü 
(Schleicher lit. gramm. § 111 s. 237, Kurschat gramm. d.litt. 
spr. § 1229 s. 325 ff.). Die älteren formen mit ,,harter endung'' 
*deg-aü, *kep-aü, '^seg-aü, *sek-aü, *wez-aü waren die reflexe 
der im vedischen sanskrit zu erwartenden um die reduplication 
reicheren altind. da-däli-a^ pa-päc-a, *sa-säj-a. sa-mc-a, u- 
-vdh-a^ sowie reconstruiertes lit. *les-aü abgesehen von seinem 
angeschmolzenen -u einem got. ^Us ahd. *les, dem Vorgänger 
der neuschöpfung las, gleichstehen würde. 

Die Installation einer praeteritalform auf -tau zuerst 
neben einem entsprechenden praesens auf -iu, darnach auch 
zur Seite eines praesens ohne jod, indem hierzu das partic. 
perf. in der angegebenen weise die handhabe bot, war nach 
meiner ansieht ein gemeinsamer sprachschöpfungsact der 



— 76 — 

Balten in der periode ihrer noch bestehenden dialektischen 
ungesehiedonheit. Die gründe dafür sind folgende. 

Erstlich stimmt in mehreren fällen das lettische in diesem 
punkte durchaus zum litauischen. Nemlich mit den nach 
Bielenstein lett. spr. I 345. 365. II 149 dialektisch, in Nieder- 
bartau und gegenden des Oberlandes und Livlands (Kalzenau, 
Nerfft, Kokenhusen) üblichen lett. meschu, neschu, ivefchu, 
sedfchii = lit, meck-iaü, ness-iaü, loedz-iaü, seg-iaü neben 
den pracsentien lett. met-u, nes-u, ived-u^ *seg-H = lit. met-ii^ 
nes2-a, wed-h , seg-h-, mit lett. befchu 'ich grub' zu bed-it 
praes. = lit. bed-u nach Ulmann lett.-deutsch. wörterb. 30". 
Auch bei den bildungen des ß-typus ist vereinzelt, und 
gleichfalls localnumdartlich, das mit dem litauischen harmo- 
nierende jodversehene praeteritum im lettischen überlebend: 
bei Iftsclm 'ich sprang' (Palzmar) = lit. lek-iaü 'ich flog'; 
vergl. s. 68. Dazu kommt bri'tscku 'ich schrie' aus Nieder- 
baitau (Bielenstein lett. spr. I 363) = einem lit. *brek-km\, 
eine bilduug des '>typus auch dies, wofern sich etwa lett. 
hrezu praes., brek-t infin. zu den s. 67 f. angeführten fällen 
slep-Ju sUp-t, streb-ju streb-t u. a. mit ihrem vom praeteri- 
tum aus uniformierten ablaut gesellen dürfte. Nicht nur 
ed-u 'ich frass' hat das lettische, sondern auch, und zwar als 
archaismus, das dem lit. edk-iau congruente „hochlett, efcku 
(eine form die schon Rehehausen 1644 anführt)"; vergl. 
Bielenstein lett. spr. II 392. Und endlich ist noch ein sol- 
ches residuum lett. pa-wäfchu^ das Bielenstein lett. spr. I 
361 als ältere praeteritalform aus Büttners Sammlung let- 
tischer Volkslieder nennt; jünger dafür irdf-u in dem ablaut 
lett. wdfch-ti, ivdf-n, ivdf-t 'deckel auflegen, stülpen' = lit. 
w6k-iu, wöz-iau, ivösz-ti. 

Ferner gebrauchen zwar sehr vielfach die Letten jetzt jod- 
lose praetcrita gegenüber denselben bildungen mit -/«?/ bei den 
Litauern oder in anderen lettischen localdialekten selbst. Bei- 
spielsweise lett. zep-if 'ich buk, briet' (statt *^ey>y?/= lit. kep-iau), 
lett. deg-ii ich brannte' intrans. (Kabillon, Niederbartau), met-u 
'ich warf'(Autz). wed-u'ioh führte' (Autz), )ies-u 'ich trug'(Autz), 
hochlett. bed-u 'ich grub' (Bielenstein lett. spr. II 394), tvä/'-tt 
,ich stülpte'. So auch in allen den oben s. 66. 67 f. aufge- 



( i 



führten r-bildungen, wo selbst das jodpraescns nocli im let- 
tischen daneben bestellt : Ictt. ber-it, tmn-u, krct-n, geoenüber 
lit. hcr-iaü^ urm-ian., hrcz-Uiu, zu den praesentien lett. bcmi^ 
iveiihjii^ krescliu {]a-esclm) u. s. w. =^ lit. her-ih, wem-ii), 
kreat-iu-, in lett. wü/'-k 'ich stülpte' zu praes. icufchu, wie 
eben erwcähnt. Aber man hat den beobachtungen Bielensteins 
lett. spr. I 345. 363 fF. 367 ff. 369 f. und besonders I 39 ff. 
II 148 f. 151 f. gerecht zu werden, wonach hier eine „um- 
lautende nach Wirkung" des ehemaligen jod vorliegt, der zu- 
folge der e-laut des praeteritums in der ausspräche „überall 
ein relativ geschlossener, spitzer" ist: „die fort- 
dauernde spitzung des e iu der wurzel lässt mit 
Sicherheit schliessen, dass in nicht zu ferner Vergangenheit 
das ;" auch im lett. noch existiert haben muss". 

Ich nehme an, dass die mundartlich und archaistisch 
erhaltenen jotierten praeterita lett. meschu, nesclm, tvefchu 
sedfdm, letscJm, bretschu, efchu, {pa-)irä/cJw, ferner die zu 
mutmassenden lett. *zep-ju, *dedfcJu( u. dergl. = lit- kep-iaü, 
deg-iaü und lett. *bern, *zelu, *ivem-ju, ^kreschu u, dergl. = 
lit. ber-iaü, kel-iail, tccni-iau, krecz-iaii einst die auch im 
ganzen lettischen Sprachgebiete allein herrschenden formen 
waren. Das gute einvernehmen zwischen lettisch und litauisch 
störte dann aber eine innerhalb der speciellen lettischen sprach- 
entwickelung sich vollziehende reaction vom partic peif. aus, 
welches letztere auch auf lettischem boden der einführung 
des jod hinter consonantischem wurzelauslaute immer wider- 
standen hatte (Bielenstein lett. spr. II 186 f.) und mithin 
vor dem in den allermeisten casus erscheinenden -us- {-usch-) 
den reinen unveränderten wurzelauslaut zeigte (lett. met-usl^ 
ties-iisi, deg-tisi^ tvem-iisi, kret-usi u. s. w.). Diese reaction 
beseitigte die consonantischen Wirkungen des praeteritali>n jod 
im verbum finitum, Hess aber den von ihm hervorgerufenen 
wurzelvocalischen umlaut unangetastet: daher die praeterita 
lett. met-u^ ties-u, ived-u, zep-u^ deg-n^ wem-u, ber-it^ zel-ii^ 
wem-u, kvH-u u. a. , jodverlustig nach massgabe der zu 
ihnen gehörigen participienformen, aber mit „gespitzter" aus- 
spräche ihres wurzelhaften r. Anlass konnte dem lettischen, 
um diese consonantische ausaleichune im wurzelauslaute vorzu- 



iiohint'Ti, der umstand sein, dass in so vielen fällen, wo eben 
kein jodpraeterituni als erbteil vorlag, vcrbum finitum und 
particip des perfects in den -hs- {-lisch-) formen factiscli von 
alters her keine differenz der wurzelschliessenden consonanz 
zeigten, z. b. bei den Verhältnissen von lett. äug-u : dug-usi, 
V'i'lh-u : wl'lk-usi, lik-u : lik-usi^ lip-u : lip-usi , hud-u : biid- 
-usi, iwat-u : prat-iisi., sus-u : sus-usi u. a. 

Wir gewahren noch einen anderen modus, wie im let- 
tischen das partie. perf. act. auf sein verbum finitum hinsicht- 
lich der wurzelauslautendeu consonsanz einwirkt, wenn wir 
die auf guttural, -/i>, -</-, ausgehenden wurzeln noch spcciell 
für sich betrachten. 

Ueber /./, gj im lettischen gibt Bielenstein lett. spr. 
§ 124 aum. 2 I s. 182 die meines erachtens unrichtige regel: 
„es entstehen nicht palatale daraus, sondern die dentalen z 
(aus kj) und d/' (aus gj).^^ Für doch palatale behandlung 
dieser gruppen Z^", gj, im einklang mit den ebenfalls stets 
palatalen resultaten aus den anderen Jodverbindungen fj\ sj 
und ((/', /)■ = lett. seh, fch^ sprechen zunächst deutlich die 
schon s. 76. 77 genannten localmundartlichen praeterita lett. 
Utschu (I'alzmar) = lit. lek-ian, lett- hretschy, (Niederbartau) 
von hrek-t, und ausser ihnen hräutschu 'ich fuhr, streifte' (Liv- 
land) = lit. brmik-iaü^ säutschu 'ich rief (Palzmar) = lit. 
szauk-iaü^ sed/chu 'ich heftete' (Niederbartau, Kokenhusen) 
= lit. seg-ian^ snedfchu 'ich reichte' (Livland) von sn<~g-t: 
vergl. Bielenstein lett. spr. I 363 ff. Ferner die jod- 
praesentia lett. Utschu 'ich glaube = lit. Hk-ii\ lett. dialekt. 
redfchn 'ich sehe' = lit. reg-ih^ für welche allerdings, sowie 
für lett. lätscha gen. sing, zu läzis m. 'bär' = lit. lokfis, gen. 
lökio^ lett. wadfrha gen. sing, zu wadfis m. 'keil, pflock' = 
lit. irugls^ gen. 'tmgio, Bielenstein lett. spr. I 183. 184. 185 
sich hilft mit der Voraussetzung, dass hier isch^ dfeh aus 
*^y, *dß hervorgegangen seien. 

In gemässheit seiner falschen lautregel unterliegen denn 
auch bei Bielenstein an verschiedenen stellen seines buches, 
z. b. I 185. 186. 344. 345. 363 - 366. 371. 379. II 125. 141. 
148. 149. 151, jodpraetorita und jodpraesentia von auf -/;-, 
-g- auslautenden wurzeln einer schiefen beurteilung. Ueberall 



— 79 — 

wo nur iinmci' in diesen sich scheinbar -z-^ -df- al« Ver- 
tretung von Ä7, tjj zeigt, Ja ist anzunehmen, dass es sich 
in Wahrheit um die von Bielenstein in den §§ 111. 112 1 s. 
167 — 170 behandelten assimilationsproducte ^, df handelt, 
welche normal aus /.', y vor den palatalen vocaleu, und 
zwar den ursprünglichen d. i. niciit erst im lettischen seeun- 
dür entstandenen, in jüngerer lettischer zeit hervorgingen. 
In der praesensflexion bot solches -e-, -(//- die 2. sing. 
indic. auf -l dar, im praeteritum aber der uom. sing, des 
activparticips auf lett. -is = lit. -qs. So sind folglich im 
praesens lett. *brdutsvhu und hräuz-i = lit brauk Ih^ hrauk-)^ 
ferner lett. *letschu und lez-i ^= lit. leli-ia, lelc-l zu gunsten 
der lautgestalt der 2. sing, mit einander ausgeglichen; jedoch 
titschu und tiz-i = lit. tik-ii\ tik-l, sowie lett. redfclin und 
redf-i = lit. reg-iu, reg-l mit verschiedenem erfolg der aus- 
gleichung auf den einzelnen localdialektgebieten (vergl. Bielen- 
stein lett. spr. I 41). So erfuhren auch im praeteritum lett. 
hrdutschu und brduz-is nom. sing. masc. partic. = lit. brank-iaü 
und braük-ps, andererseits lett. letschu und lez-is = lit. Ick- 
-iaü und lek-es in den verschiedenen localmundarten des let- 
tischen ein verschiedenes Schicksal der uniformierung. Und 
so endlich resultierte auch aus dem ursprünglichen Verhältnis 
lett. ^setscJiH : sez-ls partic. (= lit. sek-iaä : sek-rs) das 
historische lett. sezu ich folgte'; bei lett. de(j-t brennen' 
intrans. aber aus ursprünglichem *dedfclm 1. sing, praet. ; 
dedf-is uom. sing. masc. partic. ; deg-nsl nom. sing. fem. 
partic. (= lit. deg-iaä : deg-es : deg-usi) je nach den ver- 
schiedenen dialekten entweder dedfu (Autz) oder degit (Ka- 
billen, Niederbartau) als l.sing praet. (vergl. Bielenstein I 345). 
Das bei Bielenstein I 365 aus der Kokenhusener mundart 
erwähnte jodpraesens sedfchu ich hefte' wird normal dem 
von Schleicher lit. leseb. u. gloss. 314" gekannten lit. seg-iii 
gleichstehen, sowie auch zu sanskr. saj-yd-te pass. gehören 
(vergl. oben s. 34f.); aber aus ihm nicht nur, sondern auch 
aus dem nicht-jodpiaesens lett. *seg-u = lit. seg-n., sanski-. 
säj-ä-mi mochte sich das anderweitig bezeugte lettische prae- 
sens sed/u entwickeln durch den einfluss der 2. sing, praes. 
lett. sedf-i ^ lit. seg-l; der „aoi'ist" lett. sedfu aber hin- 



— 80 — 

wieder wesentlich durch die verniittelung des nom. sino-. mnsc. 
des particips sedf-is = lit. se[/-(^s^ statt dos lautgesetzlichen 
in Niederbartau und Kokenhusen gehenden lett. sed/'chu = 
seg-iau- Gemäss dem htauischen ablaut Mg-u, hcg-au, heh-ti 
'laufeu' können doch wol im lettischen nur die mund arten 
von Kabillen und Nieder bartau mit ihrem beg-u^ beg-u, beg-t 
den älteren zustand haben; das praeteritum bedfu des Autzer 
dialekts ist auch keineswegs nach Bielenstein lett. spr. I 345 
eine jodbildung, sondern ebenfalls seinerseits einfach nach 
der participform bedf-is = lit. beg-qs entsprungen. Den 
mächtigen einfluss des activen perfectparticips auf sein ver- 
bum finitum illustrieren aber wol diese lettischen cousonaut- 
ausgleichungen bei guttural auslautenden wurzeln am besten, 
wenn hier sogar eine einzige casusform des betreffenden par- 
ticips, freilich die häufigst gebrauchte, dem pseudo-aorist ihren 
formalen charakter aufzuprägen vermag. Und es dürfte auch 
wol zu vermuten sein, dass im lettischen jodpraeseus, z. b. 
bei brduzu statt *bräntschu, nicht so überwiegend häufig 
gerade die einzige 2. sing, indic. für den consonantismus mass- 
gebend geworden wäre, falls nicht vorher im praeteritum 
bnintschu = lit. hraulv-iaii sich zu brduzu nach dem nom. 
sing. masc. partic. umgestaltet hätte. 

Nachgerade sind wir hier im stände , noch über einige 
auch unseren perfectischen r^-typus mit betreffende ablauts- 
discrepanzen zwischen litauisch und lettisch rechenschaft zu 
geben. 

Bei der wurzel les- 'lesen, sammeln' steht dem litauischen 
a verbo les-u^ les-iaü, les-ti 'pickend auflesen, körner fressen' 
im lettischen gegenüber: Uschi jodpraes. und les-tii f-praes. 
(letzteres in Livland), les-n praet. . les-t (Kabillen) infin. 
'rechnen, zählen' (z. b. die fäden beim weben). So nach 
Bielenstein lett. spr. I 368; aber ebend. II 415'' erscheint 
als nachtrag der ursprünglicher vocalisierte Infinitiv lett les-t 
= lit. les-fi. Alles scheint sich zu ebnen, wenn man, wie 
wir es vorläufig tun wollen (weiter unten eine modification 
dieser ansieht versuchend), als den ursprünglichen ablaut in 
litauischer form betrachtet : praes. Ics-ii und *les-ih, praet. 
lex-ian^ partic. perf. *lrs-^s *les-im, infin. les-ii. Indem das 



— 81 — 

lettische das jodpraesens , zunächst als *Iesrhu, beibehielt, 
waren ihm die weiteren wcji^o. den ablaut *l.eschu praes. ; 
les-is les-vsi partic. pcrf. alhiiählicii umzubilden, gewiesen wie 
bei kreschu : hret-is kret-usi. pleschii : plet-is plet-usi (vergl. 
s. 67 f.V Analog wie mit lit. f/es-aii das lett. dßs-is dßs-usi 
nach s. 74, würde sich hier mit der jodbiidung lit. les-ian 
das lettische participium vom <?-typus combiuieren. Lett. 
Heschi praet. = lit. les-iaii, später lett. *Ieschu nach dem 
vocalismus des particips, endlich bist. lett. les-u nach dem 
consonautismus desselben particips, dies war die Stufenfolge 
der lettischen neubildungen am verbum finitum des praeteri- 
tums. Got. U'S-iim aber von lisan^ las hier hinzugenomn)en, 
so erlaubt wol dessen concordanz mit dem lettischen partic. 
les-is les-vsi auf schon „proethnischen" Ursprung des ?-typus 
auch bei dieser wurzel les- zu schliessen. 

Diametral entgegengesetzt verliefen die ausgleichungs- 
processe bei lit. greh-iu^ yrfh-iau^ grep-ti 'greifen, harken' 
(Kurschat gramm. d. litt. spr. § 1225 s. 315) -= lett. r/rei-/«, 
greh-u. greh-t 'schrapen. aushöhlen, mit einem grabstichel ein- 
graben'. Nach dem ursprünglichen gemein-baltischen zustande, 
der auch hier ein partic. perf. des e-typus aufweist, sollten 
die beiden hauptzweige, wie wir ebenfalls wieder provisorisch 
annehmen wollen, historisch darbieten : lit. *greb-ii( = lett. 
greh-pi praes., lit. *g7'eb-ian = lett. *greb-ju praet., lit. greh- 
-es greb-usi = lett. *greb-is *grPb-nsi partic. praet. Dafür 
lit. greb-iau ^vaet nach dem partic. ; weiterhin _^rr/v-/M praes.. 
grep-siu fut., grep-ti infin. hinwiederum nach dem praet. 
greb-iau. Im lettischen aber vielmehr greb-is greb-usi im 
partic. perf. nach dem praeteritum *grcb-Ju und durch Wechsel- 
wirkung greb-u praet. mit „gespitzt" bleibendem <? jodverlustig 
nach dem particip. So lange noch in der allerfrühesten 
zeit des urbaltischen *greb-aü als praeteritum bestand, an- 
statt der zuerst dafür eintretenden neubildung *greb-iaii^ war 
jenes als indogermanische erbform der reflex von sanskr. 
ved. ja-grabli-a. 

Wiederum mit Umsichgreifen des r im lettischen vom 
partic. perf. aus zeigt sich gegenüber lit. bed-ii 'ich grabe' 
lett. befchu, bef-it., bef-t 'schütten, scharren' nach Bieleustein 

ÖBthoff, zur geschichte d, peifects i. inclogernianiscbeu. i) 



- 82 — 

lett. spr. I 368; aber hed-u., befchn, bef-t nach Ulmann lett.- 
deutsch. wörterb. 30", und ähnlich befehlt^ bed-u^ bef-t gvahen 
als hochlettisch nach Bielenstein lett. spr. II 394 (vergl. 
oben s. 76). Jedenfalls ist zunächst von den beiden laut- 
gestalten des jodpraesens, befcJiu und befchu, die letztere die 
ältere. Im praeteritum aber conjugierte man anfänglich: lett. 
befchu nebst partic. *bed-is *bed-usi Dafür jünger mit voca- 
lischer ausgleichung einerseits befchu praet. und bed-is bed-usi 
partic; noch später aber mit hinzukommender consonantischer 
ausgleichung hed-ii als verbum finitum des praeteritums- An- 
dererseits gleichfalls jünger mit vocalischer nivellierung in 
umgekehrter richtung lett. *befclm praet. und *bed-is *bed- 
-usi partic. Auf dieses letztere Verhältnis mochte aber 
hinfort das entsprechende bei wurzeln, die auf -/- = lit. 
-z- auslauteten, einwirken: nemlich nach {^pa-] wäfchu 'ich 
stülpte' ; partic. tvdf-is wäf-usi (= lit. woz-iau : w6z-^s wöz- 
-usi)^ *ldi(fchu ich brach' trans. ; partic. Iduf-is Iduf-usi 
(= lit. Iduz-iau : Idiiz-qs Iduz-usi) u. dergl. (siehe 15 bei- 
spiele des verbalablautes so auslautender wurzeln im let- 
tischen bei Bielenstein lett. spr. I 360 f.) fing man auch zu 
*befchu praet. als particip bef-is bef-usl zu gebrauchen an 
und glich dies endlich zu dem historischen formenbestande 
bef-u : bef-is bef-usi aus, wie ja auch in jenen musterverhält- 
nissen für tväfdm, *ldufc1bu die jüngeren praeteritalformen 
ivdf-u (vergl. s. 76. 77), Iduf-u nach massgabe ihrer participia 
aufkamen, Dass, wenigstens bei der anwendung der jod- 
praesensform befchu {befcJni), nirgends anderswo als im partic. 
perf. der alte wurzelauslaut -d- klar zum Vorscheine kam, 
erleichterte es naturgemäss, dass derselbe aus jenem in der 
dargelegten weise verdrängt wurde. 

Auf der grundlage alles vorhergehenden wird die be- 
rechtiguug hervorgehen, ein baltisches verbum mit constant 
durchgehendem e selbst dann für die ablautsreihe der indo- 
germanischen e ; o-wurzeln in beschlag zu nehmen , wenn 
weder das litauische noch das lettische aus sich selbst heraus 
mit irgend welcher e-form noch einen anlass dazu gibt; wenn 
solches aber die vergleichung der weiter verwandten sprachen 
tut. Bei lit. r/rrh-iu. grrb-iHu. t/rrp-i^iu^ c/rrp-fi greifen, harken' 



- 83 - 

erzielen wir die hcrstellung der urspiünglicheu identität mit 
abulg. greb-q scabo, pecto' schon allein an der band des 
lettischen mit seinem anders ausgeglichenen ablaute von 
greb-ju. Kaum verschieden davon aber wird , obgleich die 
lettische vermittelung fehlt, die art und weise sein, in welcher 
man die einheit von lit. strg-iu, stcg-iau^ stek-sin^ sfck-ti 
'dach decken mit griecli. oity-M lat. teg-ö sanskr. stJidi/-a-nii 
oder diejenige von lit. n-k-ii), reh-iau^ rck-mi, rlk-ti schreien' 
mit abulg. rek-({ spreche', von lit. ivep-ia, uep-iaü, inp-siu, 
wcp-ti 'die lippen des mundes aufsperren' mit sanskr. vdp- 
-ä-mi 'ich schütte auf, dämme auf (eiuen wall u. dergl.), 
werfe auf, streue hin' (hier auch im lettischen noch wep-li-s 
m. 'maulaffe' neben wep-U-s = lit. ircp-a-Iis nach Ulniann 
lett. -deutsch, wörterb. 334*. 337^') zu reconstruieren hat. 
Auch hier stammt alles lit. c im letzten gründe einzig vom 
partic. perf. act. und waren praes. *steg-ii(, praet. *steg-taü, 
partic. steg-^s steg-usi, futur *stek-sii(^ iufin. *stek-ti, anderer- 
seits *rek-iu., *rek-iaH, rek-^s rek-usi , *rek-siu^ *rekti und 
*icep-iu, Scep-iaü^ wep-^s tcep-nsi, *wtp-siu^ *ivep-ti (eigent- 
licher noch infin. ^üp-ti) die im urbaltischeu oder auch noch 
in einer älteren zeit der litauischen spräche selbst vorhandenen 
ablautungen. Für *ivep-iaH noch früheres urbalt. *u-cp-ail 
eingesetzt, kommt man an dessen sanskritischen reflex ved. 
u-vap-a dicht hoiau. Wegen der grundbedeutung der wurzel 
indog. nep- erinnere ich auch an die morphol. unters. lY 
182 aum. zusammeugestellteu altindischen nomina rap-ä, 
vdp-ra-, up-ds-. 

"Wir dürfen uns nachgerade hier auch zur beautwortung 
der frage anschicken, worauf es beruhe, dass im baltischen 
so ungleich entschiedener die auf geräuschlaute schliessenden 
wurzeln die analogische fortpflanzung des praeteritalen e auf 
nicht praeteritale verbalformeu zeigen, als ihre auf die liquiden 
und nasale -r-, -Z-, -in- ausgehenden genossen. Im litauischen, 
wie eine vergleichung der oben s. 65 f. und s. 67 gegebe- 
nen Verzeichnisse lehrt, gewahrt man bei solchen wie ger-ih 
gcr-iau. kel-iu kel-iau^ ivem-iit nrm-iau kein c ausserhalb des 
praeteritums. Dahingegen im litauischen bei dreh-iü dreb- 
-iaü und genossen das ^ stets auch im futurum drcp-siu und 

6* 



— 84 — 

infinitiv drcp-ti; und im litauischen in einigen fällon wie 
grcb'iu grcb-iau sogar aucli im praesens dieser vocalismus 
des schwachen perfectstammes. Woher kom.mt das ? 

Vielleicht löst sich der ganze Widerspruch bei näherem 
zusehen in äusseren schein auf. Ich habe in meiner recension 
von Gust. Meyers griechischer grammatik philol. rundschau 
1881 sp, 1593 ff. als „ein gemeingriechich wirksam ge- 
wesenes lautgesetz" ausgesprochen: „jeder lange vocal ist in 
der Stellung vor souorlaut [i = /. v = n, f.i, i-, q, X) und einem 
weiteren consonanten innerhalb desselben wertes urgriechisch 
verkürzt worden." Ich deutete ebendaselbst auch an, dass 
ich dasselbe „kürzungsgesetz" für noch andere europäische 
sprachen, „für das lateinische und germanische (got.fairzna 
aus *ferzna^ ivinds für *wmd(a)-s aus *ivend(a)-s)"' annehme. 
Ein ähnliches gesetz bin ich auch der baltischen spräche zu 
vindicieren längst geneigt gewesen. Daraufhin zielten schon 
meine bcmerkungen über gemeinbaltische Verkürzungen von 
indog. ä „in der Stellung vor sonorlaut derselben silbe 
(Stellung im „diphthonge")", morphol. unters. II 129 ff. ; z. b, 
wenn ich den „acc. plur. der ä-, hochlit. ä-stämme, mergäs, 
älter mergans ^ apreuss. genans für ursprüngl. *mergäns, 
*genmis"' stehen Hess und „in den participien mit dem suffix 
• nt- von verbalstämnien auf -ö-. niätant-, jeszkant-^ von mätö-^ 
jrszkö-"'^ dieselbe veikürzung von ("/ erblickte. Dass nicht nur 
indog. ä unter den genannten obwaltenden umständen so be- 
handelt wurde, sondern auch indog. <7, zeigt das beispiel des 
instrum. plur. der o-stämme: ganz entsprechend wie sich 
griech. Xvy.niQ durch *Xvyi(iHc mit sanskr. vfkaish, avost. vehr- 
l-äisJi vermittelt, basiert lit. nilkais auf *wilköis und demge- 
mäss auf noch älterem *wilköis. Die zwei fälle des acc. plur. 
altlit. mergäns und des instrum. plur, wilhais gehen genau 
so band in haud, wie auf griechischem boden vv/uqxxvg (ion. 
att. i'vitffäg) und Xvy.ntc. Hierauf hingewiesen wird man uns 
auch einräumen können, dass in ähnlicher weise die futura 
und Infinitive lit. ger-siu ger-ti, kM-slu kel-tL wem-siu icem-ti 
lautgesetzliche Verkürzungen vorhistorischer formen mite, *gf.r- 
-siu '^gcr-ti, kH-siu *kel-U, *ynn-siu *tv(''m-Ü, sein mögen. Damit 
aber wäre die einheit der bildung dieser mit drep-siu <lrep-H, 



- 85 — 

grcp-siu grcp-ti u. dergl. geschaffen. "Wenn die praeterita 
yer-iau, kel-laii, wan-iau ihrerseits hiutgesetzlich nicht die 
Verkürzung eintreten Hessen, so geschah das wol deshalb, 
weil das den Sonorlauten ->•-, -/-, -in- folgende jod sich mit 
der liquida oder nasalis bereits so frühzeitig zu einem für 
die ausspräche einheitlichen laute als dessen anhaftende 
„mouillierung'' verschmolzen hatte. Oder man hat auch für 
die baltische spräche — ob desgleichen für griechisch, 
lateinisch und germanisch, bleibe hier dahingestellt — das 
kürzungsgesetz so zu formulieren, dass langer vocal vor einem 
Sonorlaut und hinterher folgendem geräuschlaute in die 
entsprechende kürze überging. 

Einige consequenzen, sowie zugleich die notwendigkeit 
gewisser modificationen unserer früheren aufstellungen betreffs 
der baltischen praeterital- und sonstigen verbalen ablautung 
mit dem e ergeben sich nunmehr wol noch. 

Zunächst ist klar, dass das lettische mit seinen local- 
dialektischen ^-formen der Infinitive her-t. dfer-t^ per-t, swer-t, 
ser-t, tivfr-t (kicer-t), wir-t, sper-t (oben s. 66 f.) und der etwa 
zugehörigen futura nur in ganz junger zeit wieder dasselbe 
nach demselben muster schafft, was schon einmal früher, 
in urbaltischer periode, dagewesen und lautgesetzlich ver- 
schwunden war. 

Sodann, wenn sich herausstellt, dass liquidisch und 
nasalisch schliessende wurzeln von hause aus in gleicher 
weise wie die auf geräuschlaute ausgehenden den wurzel- 
vocalismus, der ursprünglich nur dem partic. perf. act. eignete, 
auf alle ausserpraesentischen verbalformen ausdehnten — 
früh-urbalt. (jvr-iau, *(/cr-siu^ *(jer-U wie lit. (jrvb-'um^ f/rep-siii, 
grep-tl — . so ist wol in noch mehreren fällen, als in denen 
wir es im vorhergehenden zuliessea, gemein- und urbaltische 
einführung des e in das verbum finitum des praeteritums vom 
particip aus, ja selbst noch weiter vom praeteritum in das 
futur und den infinitiv zu statuieren. Um ein beispiel statt 
vieler zu gebrauchen: wir haben nunmehr wol nicht mehr 
anzunehmen, dass von *greb-üi, *greh-iaü und partic. greb-qs ^) 

1) Da es mir im obigen wesentlich mir auf die reconstructionen 
der wurzelvocalischen Verhältnisse ankommt, kaum jemals auf die ge- 



- 86 - , 

greb-usi^ *gr4p-siu, *girp-ti als dem ablautszustande in letzter 
ur- und gemoinbaltischer zeit auszugehen sei, sondern dieser 
war wol schon *greh-iu^ greb-iau (und partic. grcb-qs greb-usi), 
grep-siu, grep-ti. Während das litauische in diesem speciellen 
falle und in anderen ähnlichen nur das praesens in der <?-form 
hinzu bildet und *greb-ia gegen das junge grcb-iii aufgibt, 
geht umgekehrt lettischer seits einzig auf grund des ererbten 
praesens greb-ju die neue ablautung mit dem uniformen e 
hervor. 

Als die eigentlichen repraesentanten des verbalablauts 
der den alten perfectischen e-typus überhaupt kennenden 
ea;-wurzeln, wie solcher ablaut nemlich in der abschlussperiode 
der baltischen spracheinheit bestand, erscheinen also jetzt die 
lit. krecs-ih : kreck-iaü kresiii kres-ti^ lek-iü : lek-iaü lek-siu 
lek-ti , splecz-ih : spUcz-iaü spUsiu sples-ii , sreb-iü : sreb-iaü 
srep-siu srep-ti, bei denen ja auch nach s. 67 f. das lettische, 
abgesehen von den nur localdialektisch auftauchenden neben- 
formen der praesentia mit jungem ^, sehr deutlich zum litau- 
ischeu stimmt. Diese annähme macht sich wenigstens dann 
unbedingt notwendig, wenn man^ wie es doch geraten scheint, 
darauf ausgeht, die auffallende äussere bildungsverschieden- 
heit zwischen ber-iü : ber-iaü ber-siu ber-ti, ger-iu : ger-iau 
ger-siu ger-tl u. s. w. und andererseits den genannten typen 
der ea:-wurzeln verschwinden zu machen. 

Noch einige weitere fruchte hat dem baltischen die erb- 
schaft des perfectischen e-typus der indogermanischen grund- 
sprache eingetragen. 

In der lettischen coujugation begegnet ein Wechsel des 
langen e mit kurzem e mehrere male auch bei solchen wurzeln, 
welche nicht mit einfacher consonanz, sondern mit r + ge- 
räuschlaut schliessen. Es sind diese neun nach Bielenstein 



naiie ansetzung der flexioiisendungen, so gestatte ich mir im vorher- 
gehenden wie im nachfolgenden öfter den gebrauch der überlieferten 
litauischen endungen auch bei der besprechung urbaltischer fornien- 
ziistände, vermeide also z. b. etwa einen nora. sing. masc. des partic. perf. 
act. in der mutmasslichen baltischen grundform *greh-ens. Achnlich stellt 
man ja auch, ohne scheu vor dem n()öa9^F 2./-'on', ojn&sr Si? Sgäxiov, urger- 
manische ablautsreihen mit gotischen flexionsausgängen auf; vergl. 
Paul in seinen beitr. VI 540 anm, 



- 87 — 

lett. spr. T 367 ff. mit dessen nunimcrn hier aufgezählten 

fälle : 

16(). Urp-JH , terp-ti. terp-t 'kleiden", aber daneben infin. 
te'rp-t in Autz; Bielensteins no. 167. terp-ju, terp-u, 
terp-t pferden das maul reinigen' (Livland) ist wol 
damit identisch; 

168. werp-JH^ werp-u^ werp-t 'spinnen neben werp-ju^ 
we'rp-n, ive'rp-t der Autzer mundart = lit. /verp-lü, 
werp-iaü., werp-ti ; 

169. §erb-ju^ gerh-ii^ §erb-t 'kleiden' neben §e'rb-ju, 
^e'rh-H, tfe'rb-t = lit. gerb-lh, gerb-iaä^ geJ-b-ti 
'ehren'; 

175. werschti, iverf-n, wers-t 'wenden neben tve'rschu, 
we'rt-u^ we'rs-t der Autzer mundart = lit. wercz-iü, 
werc'z-ia «7, wers-ti ; 

185. schkh'fcJiu, schkerd-u, schkerf-t 'teilen, verschwen- 
den' neben schke'r/'chu, schke'rd-u, schke'rf-t der 
Autzer mundart = lit. skerds;-iü, skerdz-iaü, skers4i 
Schweine schlachten'; 

186. ber fehlt, berf-i(^ berf-t 'scheuern, reinigen' neben 
be'rfchti, be'rf-u. be'rf-t in Autz und Kalzenau ; 

191. serfchu, serf-u, serf-t 'spazierend besuchen, als 
gast wo verweilen' neben se'rfchu^ se'rf-u se'rf-t 
der Autzer mundart; 

192. schketfchu, schkerf-u, schkerf-t 'quer durch- 
schneiden' neben schke'rfchu^ schke'rf~u, schke'rf-t 
der Autzer mundart; 

193. werfchu, irerf-u^ werft 'wenden, drehen' neben 
we'rfchu^ we'r/-u, we'rf-t der Autzer mundart, 
vermutlich -- lit. iverz-iü^ tverz-iaü ^ wersz-ti 
'schnüren, drängen'. 

Dass hier in den ^-formen nur ganz junge, wo möglich 
sogar nur rein localdialektische neuschöpfungen des lettischen 
vorliegen, kann nicht zweifelhaft sein. Bei wurzeln, die auf 
Sonorlaut r, l oder auch in^ n und nachfolgenden geräusch- 
laut ausgingen, ist selbst im germanischen niemals der e-typus 
des schwachen perfectstammes zu bilden versucht worden, 
geschweige denn schon im urindogermanischen je erhört 



— 88 -- 

gewesen. Ueberdies erfordert ja schon die existenz des so 
eben berührten gemeinbaltisclien „kürzungsgesetzes" die an- 
nähme lettischer neubildung für diese verbalformen mit er -f- 
geräuschlaut wie für die Infinitive lett, her-t^ dßr-t u. s.w. (s. 66 f.). 
Aeltere musterverhältnisse, wie lett. streh-ju : streb-u = 
lit. sreb-iü : sreh-iaü oder dfefu : dfer-ii = lit. ger-iü : gcr-iau 
oder zelii : zel-u = lit. kel-iü : kel-iau, waren es, nach denen 
man in später specifisch lettischer zeit auch wc'rp-jii : wejy-u 
und ive'rschii : ivert-ii einrichtete. Vielleicht nur localdialek- 
tisch ; doch wenn auch in weiterer geographischer Verbreitung, 
so wurde dann jedenfalls localmundartlich auch dieser junge 
ablaut wieder zerstört, indem nicht nur futur und Infinitiv, 
sondern auch das praesens die vocalisation der neu ge- 
schaffenen praeterita werp-u, ivert-u u. s. w. übernahmen, 
ebenso wie ja auch jene älteren streb-jn : streb-u^ *slep-ju : 
slep-H^ krescim : kret-ii die ausgleichung des ablauts zu gunsten 
des praeteritumvocales sich vollziehen Hessen (s. 67 f. 81. 85 f.). 
Der Autzer dialekt aber bewahrt wahrscheinlich den alten mit 
dem litauischen conformen zustand, indem autzisch we'rp-u, 
we'rt-u mit lit. iverp-iaü^ iverc'z-iaü wenigstens so weit sich 
decken, als es nach der üblichen lettischen entfernung des 
mouillierten consonantischen wurzelauslauts im verbum fiuitum 
des praeteritums möglich ist. Wofern jedoch die neubildung 
der praeteritalen t-forraen iverp-u, ivert-u ein gemein-let- 
tischer Sprachvorgang gewesen sein sollte, wäre für Autz und 
seine mundart anzunehmen, dass hier im gegenteil doch die 
ausserpraeteritalen 5-formen schliesslich wieder obgesiegt und 
neue werp-u^ we'rt-u im praeteritum, statt der vorher auch 
hier gesprochenen werp-u, wert-u, bewirkt hätten. So fern 
übrigens jemand bei lit. iverp-iu : werp-iaü = lett. we'rp-ju : 
we'rp'U selbst, ferner bei lit. szelp-iu : szelp-iaü^ zeng-iu : 
zeny-iaü u. dergl. annehmen möchte, dass hier die directen 
fortsetzungen früh -urbaltischer ablaute werp-iu : *werp-iau 
*i.verp-siu *werp-ti^ szelp-iu : *szelp-imi u. s.w., zeng-ih : *'~eng- 
-iau u. s. w. vorlägen, fände er zwar an den lautgesetzen 
kein liindernis, im sonstigen aber auch wol kaum einen positiven 
anhaltspunkt für so weit getriebene gleichmachungstendenz. 
Aelteren datums als jene lettische ausbildung eines 



- 89 - 

verbalen ablauts mit er + geräuschlaut ist im baltischen 
sprachloben, weil dem litauischen und lettischen gleiciimässig 
bekannt, eine andere genetisch mit dem alten perfectischen 
e-typus zusammenhängende erscheinung. 

Die vocalstufe der Htauischen jodpraesentia gir-lk 'ich 
rühme', ir-ih 'ich rudere', skir-lh 'ich scheide, wähle', spir-ih 
'ich stosse mit dem fusse', skil-iu 'ich schlage feuer an, picke 
mit dem schnabel' (wie ein küchlein im ei), wil-iu ich be- 
trüge' ist unmittelbar klar nach den indogermanischea ablaut- 
gesetzen : lit. ir, il ist =^ indog. r, l wie sonst regelmässig. 
Wie dem lit. dir-lh ich schinde" griech. dalou) entspricht, so 
dem spir-iu griech. mralim ich zucke, zappele'. Und so 
könnte als griechischer reflex des skir-lh ein *yi(xi{}M erwartet 
werden, das zu y^sigto 'ich schere , schneide ab' ja auch als 
sprossform eines und desselben praesensparadigmas , wie es 
daiQdj und dsiQojj (pd^uiou) und (p&iiooj sind (H. Müller Paul- 
Braunes beitr. VII 532, verf. ebend. VIII 287), vorausge- 
setzt werden muss. Lit skil-lh combiniert schon Pott wurzel- 
wörterb. II 1,685 (vergl. auch Fick vergleich, wörterb. P 813) 
sicher richtig mit griech. oxüXXlo 'scharre, schüre, schürfe, kratze, 
grabe, hacke'; indogermanische grundform beider: sk'^l-io. 

Aber bei den litauischen praeteriten von gir-ih. u. s. w., 
nemlich ggr-iau, gr-iaii, skijr-iau^ spyr-iau^ skijl-iaii^ wiß-iau, 
lässt der indogermanische ablaut im stich. Doch hilft ohne 
weiteres die proportionale analogie jener ger-iau : ger-li), 
kel-iau : kel-ih u. s. w., nach der meines erachtens schon in 
urbaltischer zeit das praeteritum auf -gr-iati, -yl-iau zu solchen 
praesentien auf -ir-iit., -ü-lh gewonnen wurde. Ein paralleler 
fall, wo analogisch in der litauischen conjugation zu altem 
ir, il = indog. f, l neues lit. gr^ gl entsprungen, nur dass 
daselbst umgekehrt die pra es ens formen sich als die neu- 
schöpfungen erweisen, sind die praesentia wie lit. gr-h^ kgl-h, 
dyl-ü nach verf. morphol, unters. IV 394 f. anm. ; es zeigt 
das lett. del-u 'schleife mich ab', zu dil-u praet., di'l-t iniin. 
= lit. dil-aü^ dil-ti (Bielenstein lett. spr. 1 347), welche 
ältere litauische praesensform, nemlich *del-u, das durch die 
analogiebildung dgl-ü abgelöste gebilde gewesen. 

Schon in urbaltischer zeit, sagte ich, geschah die neu- 



- 90 — 

Schöpfung jener praeterita auf -t/r-iau. -yl-iau ; denn das let- 
tische hat teil an der erschcinung. Es sind lett. tr-ii ich 
ruderte' dialektisch (in Kabillen, Niederbartau ), lett. dßr-ü-s 
ich rühmte mich, prahlte' dialektisch (in Nerfft, Livland), 
ferner allgemeiner lett. scliMr-u ich schied', schkU-u 'ich 
schlug feuer an', pl-ivil-u ich betrog" die praeterita zu i/fu, 
d/trü-s^ schkiru, schküu, pi-wüu --^ lit. ir-üi^ gir-iu-s, skir-iü, 
skü-iü., wil-ih, nach Bielenstein lett. spr. I 361. 362; zu ihnen 
kommt noch im lettischen str-u von s/>^«, s/r-rumhersch wärmen, 
besuchen, schmarotzen' (Bielenstein ebend. s. 362). Das lett. 
ir-u nebst genossen ist nur wieder der „erweichung" ver- 
lustig, d. i. statt */>w = lit. yr-iau stehend, in der nach- 
gerade genügend bekannten weise. Das neben ir-u in an- 
deren lettischen dialekten übliche ir-u praet. (Bielenstein 
a. a. 0. 361) beruht auf ausgleichung der vocalquantität mit 
dem praesens iru und Infinitiv ir-t. 

Eine besondere Stellung nimmt das praeteritum lit. 
tijr-iau von ür-ti erfahren' (Kurschat gramm. d. litt. spr. 
§ 1226 s. 321 f.) darum ein, weil nach ihm hinwiederum, 
wie sonst bei keinem anderen dieser ablautsfälle, auch das 
praesens das -yr- bekommen hat : lit. tyr-ih. Der indivi- 
duelle grund, warum man hier nicht das doch wol sicher 
voraus gehende Verhältnis Hir-iü : tyr-iau bestehen liess, ent- 
geht mir. Analog ist übrigens die htauische Übertragung 
des e in die praesensformen wie greb-iu, steg-iu, rck-iü, ivep- 
-iü; vergl. s. 81. 82 f. 

Was für zustände der praeteritalbildung vor der in 
rede stehenden neuschöpfung der formen ani -yr-iau im urbal- 
tisehen bei den betreffenden verben bestanden, lässt vielleicht 
der ablaut vermuten, welchen das lettische dem lit. spir-ih^spyr- 
-iatt, spi)--ti gegenüberstellt : nemlich das schon s. 66 mit be- 
rücksichtigte lett. spern^ sper-u^ spe'r-t 'mit dem fuss stossen, 
treten. Mit dem hier erscheinenden praeteritum sper-n und 
seinem participium sper-is sper-nsi hätten normal im htau- 
ischen *sper-iua (oder *sper-iau), *sper-qs *sp)(''r-usi zu corre- 
spondieren ; und das können und werden die älteren baltischen 
praeteritalformen dieser wurzel sper- gewesen sein. Das 
lettische hätte es füglich vorgezogen, hier den ererbten ab- 



— 91 - 

laut *spm( : sper-u nach jenen selben Vorbildern wie lett. 
lifern : .Jfer-H (:= lit. ger-lii : ger-iait) so auszugleichen, dass 
die neue praesensforni speru und demgeinäss auch den* in- 
finitiv spe'r-t anstatt *spir-t - lit. spir-ti hervorgingen. An 
sich stünde freilich auch nichts directes im wege, wenn man 
etwa der baltischen einheitsperiode noch den dualismus der 
jodpraesensbildung, *sper-iü - lett. spePu und spir-iii, wie 
griech. dst^)«) und da/oo), (fitfigdt und rpdalQn)^ zuerkennen 
wollte. Für das germanische nasalpraesens gleicher wurzel, 
anord. spor-na ags. spor-nan alts. spur-uan calcitrare' = 
\Q,t.sper-nere^ erschliesst Kluge german. conjug, 145 in metho- 
discher consequenz als form des perf. plur. „in der ältesten 
zeit" *sper-ume, was an dem lett. sper-u praet. also jetzt 
einen neuen anhält gewänne. 

Ohne jod im praesens bilden ihr praeteritum auf -tau 
und mit -«/- in der wurzel lit. pilu giesse, schütte, fülle ein'. 
ginn wehre', minü 'trete', pinü 'flechte, winde', skinii 'pflücke', 
trinü 'reibe' : praet. pt/l-iau, gyn-iaii^ myn-iau^ pyn-iau, sl'yn- 
-imt, tryn-iau. Wie in ^//<V als aoristpraeseus von indog. ^eZ- 
'füllen' lit. -II- unstreitig =^ indog. -IJ,- ist, so sind von denen 
auf -nü mindestens gin-u und pin-h he\ bekannter etymologie 
von ebensolcher art der bildung, aoristpraesentia mit -in- 
aus grundsprachlichem -nn-. Der ablaut der praeterita pyl- 
-iau, gyn-iau, pyn-iau ist folglich auch nur als ein im litau- 
ischen analogisch entstandener aufzufassen. Und ob auch 
bei den übrigen genannten praesentien auf -inh oder einigen 
derselben das -nu ursprünglich praesenssuffix hinter wurzel- 
haftem indog. -i- gewesen sein mag, wie bei mi-nü nach verf. 
morphol. unters. IV 44, bei ski-nv nach Pott wurzel-wörterb. 
IV 455, bei tri-nu etwa wegen lat. tri-vl, tri-tu-s und got. 
pri-ska dresche' = urgerm. pri-sko^ so ist doch der nasal 
in diesen für das baltische so frühzeitig, wegen abulg. mc^-ti 
comprimere' = lit. mhi-ti vermutlich schon in litu-slavischer 
einheitsperiode, fest verwachsener wurzelauslaut geworden, 
dass auch bei myn-iau^ skyn-icm, tryn-iau nicht an eine recht- 
fertigung der wurzelvocalisation aus indogermanischen ablauts- 
verhältnissen gedacht werden darf: diese myn-iau u. s. vv. 
folgen durchaus der analogie jener gyn-iau, ^:>yH-mw. 



— 92 - 

Vom praesens aus, da pil-Ui gin-ii u, s. w. mit skil-iü^ 
(jir-iii sowie mit ke/-iu bei morphologischer Ungleichheit nicht 
associicrbar waren, können jene verba auf -il-n^ -in-h nicht 
zu ihren praeteriten auf -ijl-icm^ -yn-iaii gelangt sein. Doch 
bildete man zu den iufinitiven pll-tl^ (jln-tl ohne Schwierigkeit 
die praeteritalformen pijl-lau, <jiJH-lau hinzu, nach vorher ent- 
standenem skijl-km neben sVil-ti, gyr-iau neben glr-ti. Einen 
derartigen secundäreu Ursprung der von p/jl-laii^ gi/n-lau und 
consorten gebildeten gruppe macht auch das lettische sehr 
wahrscheinhch, indem es hier das lange l. der überwiegenden 
regel nach noch nicht kennt: in lett. miu-u, pln-u^ sclikin-u 
trin-n zu den gleichlautenden praesentien, sowie in tin-u 
praet. zu tln-u 'ich winde, wickele' (= sanskr. tan-o-mi dehne, 
spanne') nach Bielenstein lett. spr. I 344. Nur min-u ver- 
zeichnet Bielenstein als vereinzelt vorkommende Variante von 
min-u praet. Da auch die* praesentia in den mouillierten 
nebenformen minu, pimi^ sdikimi, timi, trinu dialektisch auf- 
treten, so wird die Vermutung nahe gelegt, dass sich nach 
dem Verhältnis von nichtmouilliertem tr-u praet. zu mouillier- 
tem iVe< praes. sich später solche praesentia wie minu zu den 
praeteriten min-n, phi-u u. s. w. stellten: die „erweichung" 
in i^ii^ sclik'du konnte man nachgerade als etwas für den 
praesensstamm charakteristisches empfinden. Darnach bildete 
sich leicht dann auch statt min-u ein mhi-u zu praes. mimi^ 
nach dem Schema tru : vfu^ zumal xla auch der infinitiv lett. 
int-t = lit. mhi-ti zu langem i durch lautgesetzliche ent- 
wickelung gekommen war. 

Die lettischen praeterita nün-u, pin-u^ sclikin-u^ tin-u^ 
trin-u erscheinen folglich als älter in der vocalisation denn 
die entsprechenden litauischen formen. Und da dieselben 
lettischen gebilde wiederum ohne weiteres trotz ihres jetzigen 
jodmangels als fortsetzer urbaltischer praeterita auf -iau an- 
gesehen werden können, so ergibt sich, dass im litauischen 
*pil-iau, gin-iaü^ *pin-iau u. s. w. es waren, welche durch 
die historischen //-formen verdrängt wurden. Lit. gin-iaü 
jedoch nur aus der bedeutung ich wehrte': bei der anerkann- 
ten Wurzelverwandtschaft von gen-h 'ich treibe vieh' (= abulg. 
zen-q treibe, stosse') imperfectpraes. und gin-u 'ich wehre' 



— 93 — 

aoristpraes. (vergl. Fiele vorgloicli. wörterb. I^ 79. 576 f, 11^ 
354 f. 546 f.) ist zu constatieren, dass (jijn-iau 'ich wehrte' 
eine jüngere litauische abspaltung aus dem ursprünglich beiden 
praescntien geineiusainen yin-iaü ist, welches letztere sich 
uns weiter unten noch (s, 103 f.) als eine aus urbaltischer zeit 
wol herleitbare praeteritalbildung erweisen wird. Vielleicht 
hat man in diesem falle zuerst, um der entstandenen differen- 
zierung der bedeutung durch eine solche der form nachzu- 
kommen, das bedürfnis empfunden, die Schemata von ijr-iau. 
: Ir-ii^ shjl-imi : slil-ti als vorläge für eine neubildung zu 
benutzen, und sind die lit. pyn-iaM^ myn-iau^ skyn-iau, trijn- 
-iaii nur die nachzügler des einen gyn-iau gewesen. 

Nur auf nachahmung der ablautung e : e in kel-iii : 
kel-iau wird vermutlich auch diejenige von ü : n beruhen in 
hur-iü lett. hll^'^l 'zaubere' ; htir-iau lett. hür-u., dur-iu lett. 
dum 'steche' ; dür-iau lett. dür-u, kur-iü 'baue, zünde an, heize' 
lett. kii9=u 'zünde an. heize' ; kür-iau lett. kur-u, in lit. kid-iü 
lett. kulu 'dresche, klopfe' ; kul-iau lett. kül-u^ in lit. stum-iü 
lett. stum-jti 'stosse, schiebe' ; stüm-iau lett. stüm-u', vergl. 
Bielenstein lett. spr. I 362. Ganz sicher wird sich freilich 
hierüber erst dann urteilen lassen, wenn ausgemacht ist. wie 
die -ur-, -ul-^ -um- im praesens und in den Infinitiven lit. 
hür-ti^ dür-ti, kür-ti, kid-ti, stmn-ti vom Standpunkte der indo- 
germanischen ablautslehre, ob etwa als bestimmte abarten 
grundsprachlicher r, /, m sonantes sich darstellen. 

Indogermanischen Ursprunges aber kann endlich das 
ablautsverhältnis ä : ä in lit. kar-ih lett. kat-'u hänge auf .• 
kor-iau lett. kär-u praet., lit. wag-iii 'stehle' ; ivog-iaü praet. 
sein. Das praeteritale (/ lit, ö wäre, neben dem tiefstufigen 
ä der jodpraesensbildungen, der zu erwartende mittelstufen- 
vocal der 1. sing. perf. act. der ä-wurzeln, wie in griech. 
Xl-Xäd-u, y.i-y.äÖ-a^ Tt-rän-a, ne-Träy-a u. dergl. ; siehe oben 
s. 62. Der Infinitiv lit. wök-ti hat aus dem praeteritum 
übertragenes ö, wie ebendaher drcp-ti^ -dives-ti u. a. ihr e, 
nach s. 67. 83 ff., doch wök-ti speciell bekam auch noch 
von seinem futurum wök-siu diesen vocalismus zugewiesen. 
Merkwürdig ist nemlich auch der parallelismus. der darin 
sich zeigt, dass tv5k-ti bei geräuschlaut als wurzelschluss 



- 94 — 

in der vocallänge mit diesen lek-ti, drcqy-tl^ srep-ti, -dwes-ti 
u. s. w. zusannneugeht, wälirend kär-ti ganz wie die gruppe 
der ger-ti, kel-ti, ivem-ti vocallvürze, wenigstens urbaltische, 
mit sonorem wurzelauslaute verbindet. Das gibt unserer s. 83 ff. 
versuchten begründung dieser formalen differeuz eine nach- 
trägliche stütze. Denn auch kär-slu tut. und kär-ti infin. sind 
als die resultate einer lautgesetzlicheu Verkürzung ursprüng- 
licher baltischer *kar-siii. *kär-tl aufzufassen, welcher *iväk' 
-sin., *ioäk-ti = lit. wök-siu, wök-ti mit wurzelschliessendem 
geräuschlaut nicht zu unterliegen hatten. Nur waltet hier 
beim futurum, wie bemerkt, der besondere umstand, dass den 
lit. ivök-siu und kär-sin aus *kor-siu natürlich langes ä als 
mittelstufenvocal von liause aus zukam. Waren also wol 
*tvnk-siu und *kär-siu sowie andere ihresgleichen bei ihrer 
althergebrachten Übereinstimmung mit dem ablaut der 1. sing, 
perf. die Wegweiser für lek-siu, drep-siu u. s. w., für *ger-siu^ 
*kel-siu.i *weni-siu und consorten, so dass darum schon in 
urbaltischer zeit das praeteritale (perfectische) e in futurum 
und Infinitiv, jedoch noch nicht in das praesens, bei den in 
rede stehenden e-wurzeln eindringen konnte? 

Was noch die etymologie von lit. ivag-iii 'ich stehle', 
icag-l-s m. 'dieb' anbetrifft, so könnte, scheint mir, in etwas 
anderer weise, als es bei Fick vergleich, wörterb. I'^ 761 f. 
geschieht, allerdings der verwandtschaftliche Zusammenhang 
derselben mit griech. äy-)'v-/-ii 'breche' wol behauptet werden. 
'Stehlen ist Ijrechen, einbrechen in fremden besitz'. Man 
vergleiche lit. wägys l hütci Jsiläu'ze 'die diebe sind in das 
haus eingebrochen' (Kurschat deutsch-litt. wörterb. I 389" 
unter einbrechen)^ \-si-wagiu 'schleiche mich heimlich hinein, 
breche ein', „um zu stehlen sowol als um anderer zwecke 
willen" (Nesselmann wörterb. d. litt. spr. 45"). Dass lit. 
wag-ä lett. wag-a f. 'furche' genau = griech. dy-rj f. 'bruch, 
gebrochene stelle' sein kann , ist klar. Doch würden sich 
jetzt auch jenes lit. ivag-l-s m. dieb', gen. wag-es, und lit. 
wag-l-s lett. tvad(-i-s m. 'keil, pflock', im litauischen auch 
'krahn, zapfen an einer tonne, hölzerner nagel oder knaggen 
zum aufhängen von sachen, gabelnagel am pflüge', gen. lit, 
wäy-io lett. wadfcha, zu ursprüngUch einem nomen im sinne 



— 95 — 

von einbrecher, eindringling' ziisamnicuschliessen , da das 
variieren des niasculins zwischen älterer -l- und jüngerer -ja- 
declinatiün (Schleicher lit. granim. § 42 s. 104. § 49 s. 115 f. 
§ 51 s. 120. § 85 s. 188, Kurschat gramm, d. litt. spr. § 655 
s. 193, Bielenstein lett. spr. I 273. 278. 279) bekanntlich 
keine Instanz gegen solche annähme ist. Also ergäbe sich 
auch, dass lit. ivog-iaü^ genauer aber dessen Vorgänger ohne 
das herübergenommene praesens -jod *ivö(j-a-u die exacte 
litauische entsprechung des griechischen perfects *Fi-Fäy-a =^ 
lesb. att. s-äy-a ion. s-T^y-a wäre. 

Zur erzeugung des jungen baltischen vocalwechsels 
zwischen % und i, ü und ä in i7'-ia : yr-iau^ bur-iu : hür-iau 
mochten die fälle urbalt. kar-iü : *kar-iau, *wag-iu : *iväg-iaü 
neben kel-iü : k'el-iau und genossen zwar mit benutzbar sein, 
brauchten es aber nicht und hätten vielleicht kaum für sich 
allein bei ihrer sehr geringen zahl die ausreichende analogie- 
wirkende kraft gehabt, um den i/r-iau, hür-iau und etwa gar 
den kel-iau^ her-iaü u. s. w. selbst zum dasein zu verhelfen. 
Freilich kommen noch , um die zahl etwas zu vermehren, 
diese ablautsreihen mit lit. ö = indog. urbalt. d im perfectum 
hinzu: dzäu-ju^ d'zöw-iau^ dzäu-siu^ dzäu-ti 'trocknen lassen'; 
gridu-ju, griöiv-iau, griäu-slu^ griäu-ti 'zertrümmern'; kräu- 
-ju, kröw-iau^ kräu-siu^ krdu-ti 'auf einander legen, häufen'; 
lidu-ju^ liöiv-iaii, lidu-slu, lidu-ti aufhören'; mdu-ju, mow-iau,, 
mdu-siu, mdu-ti 'aufstreifen' ; rdu-ju, röiv-laic^ rdu-siu, rdu-ti 
'mit der wurzel herausreissen'; spidu-ju^ spiöiv-iau, spidu-siu, 
spidu-ti 'speien ; szdu-ju, szöiv-iau, ssdu-siu, szdu4i 'schiessen'. 
Es ist zwar auch in ihnen, wie ich jetzt glaube, im futur und 
indicativ au aus *äu verkürzt, wie in kdr-siu., kdr-ti ent- 
sprechend ar aus *är. Doch scheint grosse vorsieht hier 
geboten, um nicht vorschnell bei allen auf zu gründe liegende 
ä-wurzeln zu schliessen. Da halt, au auch aus indog. eu ent- 
springt (vergl, oben s. 69), können einige wenige muster- 
bildungen unter diesen auf -«i^-j?^ gewesen sein, welche andere, 
nemlich ableitungen aus indog. eM-wurzeln, bei gleichlautend 
gewordener praesensform in die analogie ihres ablauts hin- 
überzogen. So mag bei lidu-ju : li6u--iau die wurzelform 
als mittelstufig indog. lüu- 'abschneiden, lösen' allerdings w^ol 



— 96 - 

durch griech. clor. aeol. /<1(F)-/o-j' Saatfeld, sichel', lC({F)-iä 
'beute' gewährleistet sein; vergl. morphol. unters. IV 20 
anm. 1. Aber darrtach kann sich dann z. b. rrhi-ju : röiv-iaii 
gerichtet haben, bei welchem die nominale -wew- bildung des 
germanischen, ags. reo-ma alts. ahd. rio-mo m. 'riemen', auf 
ein reu- 'reissen' als mittelstiifige wurzelform zurückführt, 
nach verf. morphol. unters. lY 142. Im sanskrit lautete zu 
lü'^ lu-nd-ti 'schneidet ab' freilich wol die 1. sing. perf. act. 
in vedischer spräche *li(-ldv-a, denn die belegte und nach ihr 
formierte 2. sing, lu-lav-itlia (Petersb. wörterb. VI 567) lässt 
etwa darauf schliessen. Aber es zeugt solches *hi-ldv-a darum 
nicht gegen eine «-wurzel lau-, weil es zu der 3. sing, hi- 
-läv-a nach dem schema des bei e : o-w^urzeln herrschenden 
perfectvocalismus, nach sa-sdd-a : sa-sdd-a u. dergl.. hinzu- 
gebildet sein kann , wie solche neuschöpfungen für andere 
indogermanische ä- wurzeln Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 10 ff. abgesehen von dem verkennen des ä = indog. 
der 3. sing. perf. bei e- wurzeln im übrigen richtig ge- 
lehrt hat. 

Anhangsweise erörtere ich noch die frage: nach welchem 
princip wurde wol die jotierte praeteritalbildung auf -iait, 
wenn dieselbe. We wir ja annehmen, ur- und gemeinbaltisch 
war, von der spräche neben einem nicht-jodpraesens bald in 
anw'endung gebracht und bald nicht? Und im zusammen- 
hange damit versuche ich den allgemeinen gang der for- 
malen Wechselwirkungen zu skizzieren, welche zwischen 
partic. perf. act. und seinem verbum finitum im verlaufe des 
früheren und des späteren oder einzeldialektischen baltischen 
Sprachlebens sich wirksam gezeigt haben. 

Man betrachte den gegensatz der zugehörigen praesens- 
bildungen bei den praeteriten lit. ged-aü, Jek-an , seh-an, 
skret-aü, sznek-aü, tek-aü sowie ges-cm, lepaü, tresz-aü, scn- 
-aü, tetn-aü, hrend-au, skend-m., sweik-aü, saiis-aü einerseits 
und deg-iaü, kep-iaü ., les-iaü, mezg-ian^ nesz-iaü, pesz-iaü^ 
seg-iaü, sek-iaü, tep-iaü, wedz-iaü, wez-ian andererseits: dort 
gendii, jenkv, senkn^ skrenfn, sznenkü, fenku und g^s-tü, lep- 
-sfü, tresz-tu^ se-stu, iem-stu, brps-tn, skes-tü, sireik-sfu^ saus-tü; 



— 97 — 

hier aber deij-k, kep-i)., les-h u. s. w. Also das indoger- 
mauisohe pertect beibehalten und die prueteritale jodbildung 
vermieden, da wo der praeseusstanim eine anderweitige Unter- 
scheidung vom perfectischen stamme, durch nasalinfix oder 
sonstwie, besass; aber zur jodbildung geschritten, wo ohne 
dieselbe perfectum und praesens bei der bildung des letzteren 
nach erster sanskritclasse in der themaform zusammengefallen 
wären. Das scheint in der tat die tendenz der baltischen 
spräche gewesen zu sein, wenn sie so ausgiebig ein im letzten 
gründe ja auch praesentisches stammbildungsmittel, das jod, 
zur perfectischen starambildung benutzte. 

Die flexion des perfects auf -au selbst hatte ja nach- 
gerade nichts specifisch perfectisches mehr an sich, nachdem 
sie frühzeitig von der 1. sing, aus ganz den bahnen einer 
bestimmton praeseusconjugation gefolgt war. Da griff man, 
wo man sie nicht schon hatte, zu neuen mittein der tempus- 
distinction durch die stamm bildung und fand ein solches 
für das perfectum, unter wesentlicher beihilfe des perfect- 
particips, wie wir sahen, an dem alten praesentischen jod- 
suffixe. Es scheint nicht undenkbar, dass zu der frühen 
zeit, als die urheber der ganzen entwickeluug, die praeseutia 
auf -m, ihrerseits das -ia^^praeteritum bewirkten, dass da- 
mals wol noch die alte perfectische conjugation mit den 
personalausgängen indog. -tlia in der 2. sing., -e in der 3. 
sing. u. s. w. dem baltischen praeteritum anhaftete ; daher 
der Widerspruch der alten musterverhältuisse wie lit. brauk-iü : 
brauk-iaü^ wercz-iü : wercz-iaü, zeng-ih : keng-iaü gegen das 
später erstrebte princip der formalen differenzierung von 
praesens- und perfectstamm. Dass aber wirklich dies letztere 
betreffs des gebrauches oder nichtgebrauches der -imi-iorm 
bei' den nicht-jodpraesentien auch in zahlreichen anderen 
fällen als den erwähnten bei e- sowol wie nicht-<;-wurzeln, 
wenngleich nicht ausnahmslos, hervortritt, kann eine durch- 
sieht der reichhaltigen litauischen ablautstabellen bei Kurschat 
gramm. d. litt. spr. §§ 1225—1232 s. 314 ff. lehren. Wenn 
man vollends abgeleitete verba auf -au im praesens das per- 
fectum der starken oder wurzelverba nachahmen lassen wollte, 
so ist es von selbst klar, wie man da z, b. für lit, mat-aü 

Osthoff, zur Kfscliiclile d. peifects i. indogermaiiisphen. 7 



— 08 — 

keine andere praeteritale formation als mucz-iaü zur Ver- 
fügung haben konnte. 

Ein paar male aber griff das partic. perf. act. in die 
einmal geschaffeneu praeteritalen zustände, wie es sie hatte 
mitschaffen helfen, so auch zu versciiie denen Zeiten störend 
und verändernd ein. Zum gaten teile ist dies sicher schon 
im urbaltischen gescliehen. So wol entschieden nach allen 
dafür zu geböte stehenden indicien bei den formen des 
e-typus, welche wie lit. ber-iaü, kel-iau, ivem-iau = lett. ber-u, 
zel-u^ tveni-u^ lit. hrecz-laü = lett. kret-u in beiden liaupt- 
dialekten übereinstimmend das e vom participium schon im 
verbum finitum des praeter! tums und noch darüber hinaus, 
d. i. im futurum und Infinitiv, die einen offenkundiger die 
andere gruppe versteckter, aufweisen. Indem aber die nach 
dem praesens jotiert gebildeten Urformen *ber-iaü, *kel-iaü^ 
*wem-iaü,*krec!i-iaü von ihren participien mit indogermanischem 
e-typus so frühzeitig das e übernahmen, war füglich auch 
selbst hier trotz der nebenliegenden jodpraesentia jene in so 
grossem umfange erstrebte thematische differenzierung des 
perfect- und praesensstammes erreicht. 

Für das diaiektisclie einzelleben der litauisclien und der 
lettischen spräche lässt sich die erneuerte einwirkung des 
partic. porf auf das verbum finitum im allgemeinen, wie ich 
glaube, auf die einzige tatsache besciu-änken: die lettische 
entwicklung treibt zu einer reaction hiu, um die jodformen 
der praeterita nach dem muster des allezeit bei consonantisch 
auslautender wurzel jodlosen participiums möglichst wieder zu 
beseitigen. Andere erscheinungen, welche so aussehen als 
dürften sie unter diese selbe rubrik geiiören, erleiden wol 
passender anderweitige auffassungen. 

Ob z. b, das urbaltische den einzelnen tochterdialekten, 
litauiscli und lettisch, noch etwas zu tun übrig gelassen, um 
mittelstufigen vocalismus des praeteritums und tiefstufigen 
seines particips gegen einander auszugleichen, darf füglich 
jetzt aus manchen gründen bezweifelt werden. Es wurden 
uns s. 85 f die wege gewiesen, um lett. greb-u 'ich schrapte, 
höhlte aus' nicht, wie noch s. S 1 , als älter denn lit. grcb-iau 
anzusehen, sondern nur als eine erneuerung nach dem praesens 



— 99 — 

lett. (jreh-ju. Was von lit. les-iaü und lott. les-ii den ent- 
sprechenden gegensatz anbetrifft (vergl. s. 80 f.), so ist nun 
nicht mehr zu übersehen, dass das lettische, anders als das 
litauische mit les-ii praes., neben der g-form des praeteriti 
das jodpraesens, leschii für *lcschii, besitzt: es ist recht wol 
wahrsciieinlich, dass schon im urbaltischen zwei verba gleicher 
Wurzel, nemlich les-u , les-iaü, les-tl und Hes-iii , *lcs-iau, 
*Us-ti, neben einander hergingen, und zwar auch in den diffe- 
renzierten bedeutungen 'pickend auflesen, fressen' (von vögeln) 
wie lit. les-ti und 'rechnen, zählen wie lett. Us-t. Analoges 
mag für ht. ges-aü und lett. dßs-u, trotz des oben s. 74 
hierüber gesagten, gelten, nemlich dass die lettische e-form 
wiederum eng mit dem zugehörigen jodpraesens dfesclm zu- 
sammenhängt; wie in den bedeutungen erlöschen' trans. und 
'löschen, auslöschen' iutrans., so gingen wol auch in der ab- 
lautsform g^s-tü; ges-aü, ges-ti und *ges-iü, *ges-iau, *ges-ti 
schon urbaltisch ein jedes ganz seine eigenen wege. Das 
litauische bildete sich für den begriff des transitivums sein 
besonderes deuominativ formiertes verbum ges-aü, ges-iaü, 
ges-ijti aus. 

Durchweg verschiedene wurzelstufe erscheint auch 
zwischen den beiden baltischen hauptdialekten in dem verbal- 
ablaut der wurzel indog. satis- 'trocknen': bei lit. saus-tu, 
saiis-aü, saüs-fi = lett. sus-u, stis-u, sus-t 'trocken wei-den'. 
In dem adjectiv ht. saüs-a-s = lett. sdits-s 'trocken, dürr' 
stimmen beide zweige überein und zu griech. av-o-c, abulg. 
stich-n, ags. sear mitteld. niederd. sor (ahd. sör-eti 'ver- 
dorren' denom.), norweg. dial. sögr m. 'verdorrung der bäume' 
(Bugge Kuhns zeitschr. XX 33), während über ein aus 
Xeikens vorarbeiten zum lettischen Wörterbuch entnommenes 
lettisches verbum säus-t von Ulmann lett. -deutsch, wörterb. 
251" bemerkt wird: „Möchte in der spräche nicht vor- 
handen sein". Es teilen noch den mittelstufigen vocalismus 
mit lit. saiis-ti: das avest. haosh-enma- partic. praes. med. 
'vertrocknend'; im griechischen ucp-av-m praes. 'ich trockne, 
dörre', av-alru) praes. dass., ai-uX'to-c adj. 'trocken, dürr', 
uv-oi'/j f. 'trockenheit, ausdörrung^ plage', niJo-raXto-c adj. 
'trocken, dürr, ava-TijQ-n-g adj. 'trocken und rauh machend, 

7* 



— 100 — 

sauer, herb'. Das Verhältnis des aspirierten anlautes von 
av-(o 'trockne' (d(fi-avu)) zu dem in den griechischen bildungen 
derselben wurzel («v-og, ava-rrjoöq u, s. \v.) auch begegnenden 
Spiritus leuis behandelt der excurs II; dasjenige (etymolo- 
gische! dieses griechischen verbums zu avo) 'zünde an' der 
excurs III. Ferner hat uichttiefstufige formen von indog. 
saus- 'trocknen' das sanskrit: in gu-gosh-a perf. act. 'bin ein- 
getrocknet, bin verdorrt', rosh-a-s m. 'das austrocknen, ein- 
trocknen, verdorren, trockenheit, Schwindsucht', adj. 'trocken 
machend, ausdörrend', cosh-aka- adj. 'versiegen machend, ver- 
nichtend', cosh-atja- adj. 'trocknend, ausdörrend', n. intrans. 
'das eintrocknen, verdorren', trans. 'das trocknen, trocken- 
machen, dörren, ausdörren', cosh-in- adj. intrans. 'eintrocknend, 
hinsiechend, schwindsüchtig', trans. 'austrocknend, ausdörrend', 
a-gosh-ya adj. 'nicht trocknend, unversieglich', su-cosh-ita- adj. 
'gut getrocknet'. Dagegen teilen mit lett. sus-u, sus-u, sus-t 
die schwächste wurzelstufe diese Wörter des altiranischen 
und altindischen: avest. hiisJi-kö apers. nsh-ka adj. 'trocken'; 
sanskr. cush-kd-s (giish-ka-s) adj. 'ausgetrocknet, trocken, 
dürr', rüsh-ya-ti praes. 'trocknet ein, dorrt aus, welkt hin', 
a-cush-a-t aor., cush-i-s f. 'das austrocknen, verdorren', parna- 
-cush- adj. 'blätter verdorren machend', plialapäka-cusli- adj. 
'das reifen der fruchte vernichtend'. Denn die assimilatorische 
verwandelung eines vorhistorischen sanskr. *sosh-, *sush- in 
gosh-, gush- folgt durchaus einer im altindischen weiter grei- 
fenden lautregel , wie ausführlicher unser excurs IV zeigt. 
Ich hätte das ablautungsverhültnis sc/ ms- .• s«s- dieser in so 
vieler hinsieht interessanten wurzel indog. satis- 'trocknen' 
mit verwerten können, als es mir morphol. unters. IV 323 ff. 
darauf ankam, den von andern geleugneten Wechsel der 
mittelstufigen indog. ai, au mit tiefstufigen ?, ü darzutun. 

Wenn man nun fragt, ob nicht hier wenigstens ein an- 
zeichen sei, dass die baltische spräche noch unausgeglichenen 
perfectablaut, lit. saus-aü : *siis-qs *si(s-usi wie lett. *sdHS-u : 
sus-is sus-usi, gehabt habe, so ist zu erwidern, dass wir nicht 
sicher sein können in bezug auf die gerade dem perfectum 
zu erteilende rolle bei der zwiefachen uniformierung des 
Verbalablauts. Nehmen wir an, man habe urbaltisch schon 



— 101 — 

conjugiert: saus-tu, *sns-ar( wnd *SNS-rs *sus-usi, *si<s-ti; oder 
meinetwegen aucli: *sus-ta, saus-an und saüs-qs saüs-usl^ 
sm"(S-fi. Dann hatte, nachdem die muttersprache bereits so 
weit vorgearbeitet hatte in der vocalischen ausgleichuug, jedes 
der beiden tochteridiome leichtes spiel, um entweder vom 
praesens aus den vocalismus der übrigen verbalformen oder 
umgekehrt von diesen aus denjenigen des praesens zu ver- 
jüngen. Das wahrscheinlichste aber ist, dass man auch hier 
auf die vorliegende Verschiedenheit der praesens- 
s tammbild ungen lit. saus-tu und lett. stis-u ein haupt- 
gewicht zulegen und demgemäss wiederum zwei verba dem 
urbaltischen zuzusprechen hat. Sie mochten sich auch in der 
bedeutung so scheiden, dass nur die im litauischen gewahrte 
^bildung, wie sie in den allermeisten fällen es tut (vergl. 
Schleicher lit. gramm. § 117 s. 246 ff., Kurschat gramm. d. 
litt. spr. § 401 s. 117), das „inchoativum" ausdrückte, in 
dem leben der beiden einzelnen dialekte aber fing ein jedes 
der beiden gleichwurzeligen verba die begrifflichen functionen 
des anderen mit zu übernehmen an. Lett. sus-u v/ar aorist- 
praesens und wahrte seinerseits neben sich das alte partic. 
perf. act. sus-is sus-iisi besser; oder auch das imperfect- 
praesens lett. *säus-u =- griech. uv-io (ai'-oj) bestand anfäng- 
lich in dem später ausgeglichenen ablaute *säus-n , sus-u, 
sus-t. Aber auf litauischer seite konnte neben dem ^-praesens, 
gemäss unseren obigen ausführungen s. 96 f., sich im verbum 
finitum des perfectums das alte saus-aü aufrecht erhalten, 
und dieses wäre somit doch der unmittelbare descendent einer 
gleichlautenden urindogerraanischen form und dem sanskr. 
gu-gosh-ü; 1. sing. perf. act. von güsh-ya-ü praes., in der be- 
kannten weise zuzugesellen. 

Auch noch ein anderes, nemlich dass in noch schrofferem 
gegensatz zu der im lettischen wahrnehmbaren wachsenden 
aversion gegen ererbte baltische jodpraeterita auf -iau das 
litauische vielmehr an seinem teile hie und da nach dem 
überkommenen schema von partic. -qs -usi: praet. -iau oder 
nunmehr auch nach demjenigen von praes. -u: praet. -iau 
{deg-u : deg-iaü) sogar einige neue jodpraeterita zu dem alten 
bestände selbständig hinzu geschaffen habe , wird sich nicht 



— 102 — 

behaupten lassen, sondern da, wo es der fall zu sein scheint, 
in der tat eben auch nur den äusseren anschein für sich haben. 
Zum exeinpel die neubildung des lit. edz-iaii 'ich frass' 
neben altem cd-aif (vergi, s. 63 f.) als eine specifisch htauische 
anzusehen, geht nicht an. weil auch als hochlettisch e/'chit 
vorhanden ist (vergl. oben s. 76) und weil eben bei der 
feststehenden entschiedenen abneigung des lettischen, neue 
jodpraeterita seinerseits nachzuerschaffen, dadurch durchaus 
die Wahrscheinlichkeit sich ergibt, dass auch solches edz-iaii 
bereits zu den gemein- baltischen spraclierrungenschaften ge- 
höre. Wo nemlich, wie bei cd-nii und scd-nn wol zweifels- 
ohne in der frühesten zeit des urbaltischen , das praesens 
noch der m-conjugation folgte, da schöpfte die spräche viel- 
leicht wegen der durch die flexion hinlänglich differenzierten 
tempusbildung keine veranlassung, ein praeteritum auf -iau 
einzuführen. Also blieben damals noch cd-au sowie sed-au. 
Erst als auch das „thematisch" flectierende praesens lit. ed-u 
lett. ed-H für cd-mi aufkam, hielt man deswegen auch cdk- 
-iau lett. efchu zu schaffen für angezeigt, in folge der macht 
der gewohnheit, welche die zuvor creierten Verhältnisse wie 
wedz-iaü : ived-h, deg-iaü : dey-u u. s. w. begründet hatten. 
Also können lit. ed'z-iau lett. efchu und lit. ed-au (= lett. 
kl-u?) beide neben einander aus der baltischen einheits- 
periode herstammen, jenes als die zu dem jüngeren praesens 
ed'U lett. ed-Uj dieses als die zu der alten mi-iorm ed-mi lett. 
e-mu (für *e-m{i) zu folge der schon von Bielenstein lett. 
spr. § 407 II s. 117 f. statuierten ausgleichung) zugehörige 
praeteritalform. Ein urbalt. *sedk-iait 'ich sass' kam freilich 
nicht auf, obgleich die neubildung eines praesens sed-u für 
sed-mi geschah. Zur erklärung des lettischen praeteritums 
ed-u ich frass' stehen übrigens zwei verschiedene wege offen. 
Einmal kann es die gewöhnliche lettische Umwandlung der 
jodform efchu sein, auf der bekannten consonantischen aus- 
gleichung mit dem particip ed-is ed-usi beruhend. Anderr-r- 
seits aber mag sich ed-u auch näher, wenngleich nicht ganz 
nahe, mit dem jodlosen lit. ed-au berühren. Denn es parti- 
cipieren im lettischen ed-u und sed-u praet., sowie auch 
beg-u praet., an dem „gespitzten" e-laut gegenüber der 



— 103 — 

„relativ breiten ausspräche" dos e im praesens, nach Bielen- 
stein Ictt. spr. I 345. 368. II 149. Deswegen aber lassen sie 
alle drei nun doch nicht notwendig auch ihrerseits als ihre 
basis jotierte vorformen efchu, *sefchi(, bedfcJm voraussetzen, 
sondern können ihre „spitzung des e in der wurzel" wol 
einfach der analogie der vielen übrigen praeterita, denen 
aufgegebene jodbilduug zu gründe liegt (vergl. s. 75 ff.), ver- 
danken, (lianz treu erhaltene alte formen, so dass sie den 
lit. cd-au, scd-aii , hcg-au durchaus gleichgesetzt werden 
könnten, sind mithin jene lett. ed-u, sed-u, heg-u unter allen 
umständen nicht. 

Nur der trügerische äussere schein, als ob der alter- 
tümlichere und urbaltische zustand beim lettischen und seiner 
jodlosen praeteritalbildung vorläge gegenüber der litauischen 
form auf -lau, herrscht auch wol in den fällen : lit. giin-iau, 
gin-ian von gem-h werde geboren, gen-h treibe vieh", denen 
das lettische mit dßm-ii, d/ht-ii ohne jod von den praesentien 
dfem-u, dfen-u (Bielenstein lett. spr. I 347) entspricht. Denn 
man könnte ja meinen, da die lettische vocalisation der prae- 
terita genau derjenigen von lit. rim-aü, twin-aü gleich ist; 
werde sie wol auch ihrem Ursprünge nach einfach so wie 
diese zu erklären sein (vergl. s. 70); in anbetracht zumal, 
dass urbaltisch ein ablaut gem-h : *gim-aü, gen-h : *gin-aü 
ohne jod im praeteritum , nach allem was wir bisher er- 
mittelten, wol geduldet worden sein könne. Von den also 
nach ihrem particip neugebildeten *glm-ah, *gin-aü = lett. 
dfim-u, dßn-H einen schritt weiter zurück gelange man dann 
zu den erbformen halt. *gei)t-art ich ward geboren' = ved.- 
sanskr. Ja-gd)n-(( ich bin gekommen' i), halt, '^gen-aä 'ich tvieb 
vieh' = ved.-sanskr. ju-ghän-a 'ich habe geschlagen (für 
*Ja-]u(n-a^. Das litauische aber, verführt durch seine deg-h, 
ived-h mit ihren praeteriteu auf -iaü, habe sich einer gleichen 
praeteritalbildung mit „erweichung" auch bei gem-h, gen-h 
benötigt geschienen und dieselbe hier ausnahmsweise nicht 
in den fornipu *gem-'taü, *gen-iuü gewonnen, weil es die neu- 

1) Die mir riclitjo; scheinende combination von lit. ghn-ti 'i^eboren 
werden' mit der wurzel indog. y^em- 'kommen' ist nicht mein eigen- 
tum, doch entsinne ich mich im augeublicke ihres Urhebers nicht, 



— 104 — 

schöpfiiug an die ererbten bildungcn *gim-aü, *gm-aü an- 
knüpfen konnte. Wie aber lit. gim-ian, gin-iaü zu gem-ü, 
gen-h, so sei drittens dann auch bei dem im lettischen nicht 
vertretenen lit. men-h 'ich gedenke' dessen praeteritalform 
min-km zu beurteilen : sie werde urbaltisch noch als *min-aü 
vorauszusetzen sein; das von diesem verdrängte *me)i-aü 
habe = ved.-sanskr. ma-mdn-a (unbelegt), griech. */ics-ufv-a 
(/<^-/<ov-a), got. *inin (^man) gestanden. Aber der entgegen- 
gesetzte versuch, vielmehr die lit, gim-laü, g'm-km, min-kiü 
zu dem ränge der schon urbaltischen Formationen zu erheben, 
empfiehlt sich in nicht geringerem grade, weil bei dieser an- 
nähme zahl und art der vorauszusetzenden associativen 
umformungsprocesse keine irgendwie ungünstigere position 
schaffen: an stelle der alten *geni-aü, *gen-aü, *men-aii zu- 
erst erzeugung von urbalt. lit. gim-kiü, gin-iaü, min-iaü, auf 
grund z. b. dev proportion her-qs her-usi : ber-iaü (oder auch 
deg-^s deg-usi : deg-iaiC) = ghn-es gim-usi : x; im lettischen 
hinterdrein abstreifen der mouillierung von *dfim-ju, *dfinu 
gemäss der formausgleichuug mit den participien dßm-is 
dfim-usi, dfin-is dfin-usi. Welche veranlassung das lit. gin- 
-iaü 'ich trieb vieh' als eine schon urbaltische bildung dem 
gleicher wurzel entstammenden aoristpraesens gin-h ich wehre' 
geben konnte, damit dieses seinen praeteritaltypus als ggn- 
-iaii neu gewann, sahen wir oben s. 92 f. Wenn Bielenstein 
lett. spr. II 392 dem lett. üf-min-u, -min-u, mt-t 'erraten' 
lit. min-u, min-aü^ min-ti entsprechen lässt, wol auf gewähr 
von Nesselmann wörterb. d, litt. spr. 380 ''; und dieses lit. 
min-aü — ich finde es weder bei Schleicher noch bei Kurschat 
— nicht eine ungenaue auffassung des gehörs statt min-iaü 
ist, so darf wol angenommen werden, es habe schon die bal- 
tische grundsprache die praeterita zu dem imperfectpraesens 
men-ii 'ich gedenke' und dem aoristpraesens min-ü 'ich errate' 
in den zwei formen min-iaü nnd min-aü zu differenzieren 
gewusst; was mithin als ein neuer gleicliartiger fall zu den 
oben 8. 99 ff, hervorgehobenen erscheinungen hinzukäme. 



— 105 



E. LATEINISCH, ALTIRISCII, ORIECIIISCII. 

Immer noch von dem germanischen als solchem ab- 
sehend , verfolge ich jetzt die mehr vereinzelten spuren, 
welche der indogermanische r-typus der schwachen porfect- 
stammform auf italischem, keltischem und griechiseliem 
boden hinterlassen hat. 

Es kann lat. sed-lmns an sich nach s. 13 sowol = 
sanskr. scd-inid als = got. set-um gesetzt werden. Wir worden 
jedoch die letztere dieser beiden combinationen vorziehen 
mit rücksicht auf lat. imi-imus und leg-imns^ zu denen noch 
clep-imus kommt, nach dem auch von Pott Kuhns zeitschr, 
XXVI 238 berücksichtigten altlat. dl'pit perf. Facuv. bei 
Non. 20, 18 = Pacuv. fragm. 185 ed. Ribbeck (var. lect. 
clepsit). Denn man erwäge folgendes: 

Es ist kaum wahrscheinlich zu machen, wie innerhalb 
der lateinischen sprachentwickelung selbst die neubildung von 
ven-imiis nach sed-imus hätte geschehen können. Betreifs 
elep-imus und leg-inms stünde allenfalls als musterproportion 
diejenige von imperf. sedebam : legebam clepebam = sed- 
-imus : X zu geböte; weiter sonst selbst hier keine berüh- 
rungspunkte. Diese letzteren fehlen aber ganz zwischen der 
flexion von sed-ere oder sld-ere einerseits und derjenigen von 
ven-lre andererseits. Ferner Ug-imus^ clep-imus hätten sich 
zu leg-ö, clep-ö allenfalls auch nach dem muster von ed-imus 
neben ed-ö bilden können_, über welches ed-imus als altererbte 
form weiter unten ausführlicher die rede sein wird. Aber 
wiederum wäre man auch von dieser seite in beziehung auf 
ven-imus so gut wie ratlos. Denn auf ven-imus : ed-imus 
Ug-imus clep-imus = ven-it (3. sing, praes. indic.) .• ed-it 
leg-it clep-it zu verweisen geht schwerlich an, da ven-it selbst 
noch erstlich nur eine einzelne form unter sehr vielen anderen 
des praesensstammes ist und zweitens auch in der frühlatei- 
nischen zeit *ven-U gewesen sein muss. Man müsste denn 
schon an den älteren formenzustand erinnern wollen, als noch 
das praesens lat. ven-iö ganz wie cap-iö, rap-iö, fug-iö u. s. w. 
flectierte und formen wie *ven-u, ven-it 2. 3. sing., *ven'imus. 



— 106 — 

*ven-itis 1. 2. plur., *ven-ere infin,, *ven-erem conj. imperf. 
besass, die dann mit ed-ts^ ed-it, ed-inms, ed-itis, ed-ere, ed- 
-ereni die association hätten eifahren können. 

Beträchtlich günstiger stellt sich das bild, wenn wir 
lat. sed-imus mit dem got. set-uni identiticieren , also bei 
weitem früher im inneren zischlautverlustig sein lassen, als 
es nldus, sldo durch speciell lateinischen lautwandel wurden. 
Dann nemlich kann auch lat. ven-lmus dem got. qcm-tim 
gleich gesetzt werden, und jenes hat nach sed-imus sich 
schon gebildet zu einer zeit, als auch der uritalischen spräche 
noch nicht im sing. perf. act. der wurzeln g-em- und sed- 
der einklang der alten bildungsweise wie bei got. qam und seit 
abhanden gekommen war. Müssen wir aber schon so hoch 
den Ursprung des ven-imus hinaufdatieren, so steht auch wol 
nichts im wege, es samt seinem germanischen pendant durch 
einen und denselben neuschöpfungsact einer „proetlmischen" 
Sprachperiode entstehen zu lassen. Lateinisch und germanisch 
erbten also bei ven-imus, qem-um den (>typus der schwachen 
perfectformen; trotz der natürlich ihrerseits die aller älteste 
und schliesslich allein „organische" grundsprachliche bildung 
g'-e- fj-m- m em repraesentierenden oder dieser wenigstens 
näher stehenden griech, ße-ßa-iuv , ved.-sanskr. ja-yan-ma 
(rgv. lY 16, 8). Ursprünglicher hiess es nur lat. *vem-imus 
= got. qem-um ; denn sowol in lat. venire^ osk.-umbr. heu-, 
als auch in griech. ßmvsiv hatte das -n- statt -m- den herd 
seiner entstehung und Verbreitung in dem alten jodpraesens, 
worüber man Brugmann morphol. unters. II 207 anm., ferner 
auch meinen excurs V vergleichen wolle. Dass auch die 
gleichung lat. clep-imus = got. hlef-um auf ausprägung des 
schwachen perfectstammes k-lcp- von k-lep- 'stehlen vor dem 
einzelleben der italischen und germanischen spräche hinweise, 
müsste freilich schon mit mehr reserve ausgesprochen werden. 

Die Wurzel indog. med- messen, ordnen, schalten und 
walten', hochstufig mod- in lat. mod-u-s, iitod-iu-s, modes-tu-s, 
m,od-er-äri^ got. ma^perf. sing., »«a^-e'-m. 'speise' (vergl. s. 71 f.), 
altir. do-ru-mad-ir 'fuerat emensus', wird mit -dem ablaut 
indog. ^~, den wir oben s. 10 f. übereinstimmend in altir. ro 
mid-ar judicavi' und got. met-um feststellten, ausserdem auch 



— 107 — 

iin griechischen vorgefunden : in dem praesens uTJd-n-iaa 'er- 
sinne, erdenke, fasse einen l)Osctiluss und dem neutrum nfjd-oc 
'beschluss, ratschlag, anschlag , dem nomeu agentis /tvja-rn^o 'be- 
rater, bewerkstelliger' mit urgriech. >j (Ahrens de graec. ling. 
dial. II 153, Meister griech. dial. I 221. 296, Ourtius verb. 
d. griech. spr. 1- 229). Zu beurteilen ist das indog. e in 
diesen ausserperfectischen griechischen formen ähnlich^ 'wie 
in den vedischen praesentien dcic-a-ti, sdh-a-n partic. ; fitja- 
-v(OQ iusbesondere von indog. med- gleicht ganz dem ved. sä- 
-dhar- 'überwinder' von segh^-, und to /nfjd-oc entspricht genau 
dem arm. mit Verstand, einsieht' nach Hübschmann armen, stuti. I 
43. 61. 67. 72, ferner vielleicht dem avest. vl-mädh-anh- n. ärzt- 
liche behandlung'. Yergl. s. 52 f. 25 anm. Für got. met-iim^ met- 
-jau aber dürfte sich hier die Wahrscheinlichkeit ergeben, dass 
auch sie nebst got. set-um, set-Jau dem germanischen bereits 
als erbgut überliefert wurden, wenngleich die quellformeu indog. 
med -mim, med-ie-m ihrerseits gleichfalls schon der schicht 
der nachbildungen nach sed-mem sed-le- m , segh^-m(<m 
se gh^-lii- in angehören mussten und also zu dem nacli scgh^- 
-uos = ved. säh-vän geformten indog. dek^-uös = sanskr. 
ddc-oän sich stellen. Denn, was niemand leugnen wird, die 
altirische perfectform mid-ar sträubt sich wegen ihrer völligen 
Vereinzelung im keltischen gegen jeden verdacht der ein- 
zelsprachlichen neubikUmg, und darum eben vermag sie für 
das mPt-um der Germanen noch zwingender das darzutun, 
was schon für got. qein-iim durch lat. vm-imus einigermassen 
wahrscheinlich wurde. 

Betreffs des griechischen praesens uTJd-o-juat wäre aber 
vielleicht auch die annähme nicht ungereimt , dass es wie 
rjy.-io u. a. (vergl. verf. Paul-Braunes beitr. VIII 290 f. anm.) 
ein aus alter perfectflexion umgeformtes praesens der o-con- 
jugation sei, mit der ursprünglichen bedeutung des „praeterito- 
praesens" ich habe für mich ermessen'. Wie nun bei rjy.-io 
doch wol die perfectischen formen *fjy.-aiify, *rjy.-avri die 
ersten waren , welche der praesensbedeutung zu liebe die 
associative verwandelung ihrer endungen in -o-firv, -o-m vor- 
nahmen, so würden dort ^/i/jS-uuui, *urjd-äu£!>ov, *i.ii]ö-di.teda^ 
*l.ifjd-uTui die zu erschliessenden gebilde sein müssen, welche 



— 108 - 

in gleicher weise die vermittelung zwischen dem alten Systeme 
von g-ot. mei-um und altir. nüd-ar und dem thematisch-prae- 
scntischen des historischen fi)]i)'-o-iiai herzustellen hätten. 

Wie in der flexion des griech. i]fia( 'ich sitze', obgleich 
in der Hauptsache natürlich dieses verbum bei sanskr. ds-e, 
äs-te zu verbleiben hat, doch der spiritus asper darauf hin- 
deute, dass wahrscheinlich bildungen des schwachen perfect- 
stammes indog. sed- = griech. ?;tV- auf dasselbe eingewirkt 
haben, ist schon von Brugmann morphol. unters lY 414 anm. 
und von mir Paul-Braunes beitr. VIII 291 anm. ausgesprochen 
worden. Ich möchte jetzt nicht dabei stehen bleiben, dass 
nur „rjo-S^ov, /ya-^f leicht als contarainationsbildungen aus 
*i]G-roi', */^rr-rf von würz, sed- und *ijo-dor, */]a-5^f von es- 
= sanskr. äs- gefasst werden könnten." In anbetracht 
nemlich. dass sich im rgveda mediales sedire 3. plur. perf. 
in keiner wesentlich anderen bedeutung als das activische 
sedür findet ( vergl. Grassmann wörterb. z. rgr. 1458), dürfen 
wir wol das medium des perfects von sed- überhaupt als 
urindogermauisch voraussetzen, als urgriechisch um so sicherer, 
als ja in s^oi.mi, sSovuai praesens und futur gleicher wurzel 
nur die mediale flexion kennen. Dann aber ergeben sich 
rjGai (i\xv *7]<)-oai), ijn-Tai 2. 3. sing, noch ganz unmittelbar als 
griechische abkömmlinge von indog. sed- 'sich gesetzt haben'. 
Wie in ihnen die gleichbedeutend gewordenen *rjo(o')ui, *r]a- 
-rui = sanskr. ds-se, ds-te leicht untergehen konnten, liegt 
auf der band. 

Mahlow d. lang. voc. A E 144 f. hat auch das litau- 
ische archaistische praesens scd-mi 'ich setze mich', oder 
wahrscheinlicher nach Kurschat gramm. d. litt. spr. § 1184 
s. 305 'ich sitze', für das alte tempum perfectum in beschlag 
genommen. Es geht das, trotzdem dass auch der „aorist" 
lit. sed-uH gerechte ansprüche auf die Zugehörigkeit zum indo- 
germanischen perfectum hat, wol an; denn dass skl-au eine 
baltische neubildung nach dem particip perf. sed-es sed-nsi 
sein müsse, statt eines früheren *sed-aü = sanskr. ved. sa- 
-säd-a, bemerkten wir oben s. 69. 73. Nun wäre betrefi^s der 
praesensforraen lit. sed-mi, ses-t einerseits wol denkbar, dass 
sie auf alten medialformen beruhten, welche beim aus- 



— 109 — 

sterben doö indogermanischen mcdiums auf baltischem boden 
sich zur aniiahiiic der activisclieu personalendungen bequemten; 
dann würde die 3. sing. lit. ses-t zunächst zu gricch. ra-rai 
gehören. Doch brauchen wir das medium nicht unbedingt 
für das htauisclie verbum: es können auch die im ietzv^en 
spracligebrauche nicht mehr nachzuweisenden activformen 
2. plur. lit. *scs-te, 2. dual. *ses-ta die neuschöpfung der 
singularforraen scd-ml, scs-t nach sich gezogen haben, indem 
jene wie cs-te, es-ta neben den singularischen cd-mi, cs-t auf- 
gefasst wurden. Denn woher diese lit. ed-mi, es-t = abulg. 
e-rm, es-tt von ed- essen' in relativ früher, vielleicht schon 
slavo-baltischer zeit zu ihrem langen e kamen , wird unten 
gezeigt werden. Mit Mahlow a. a. o. mag man auch glauben, 
dass ebenfalls schon in der slavo-baltischen grundsprache von 
dem praeteritopraesens mit sed- das mit griech. i'^ouui, ahd. 
sizzu identische jodpraesens beeinflusst ward und also lit. 
sedk-iii, abulg. sczdq lautet, anstatt *sedz-iii^ *sezdq. 

Wegen der praesentischen bedeutung, 'sitzen' aus 'sich 
gesetzt haben' bei griech. ?^aa/, ijo-tm und lit. sed-mi, sSs-t, 
kann auch an Hübschmanns praesentische wiedergäbe seiner 
avestischen perfectform m-hazdyat 'er w^ürde sich nieder- 
setzen' Kuhns zeitschr, XXYI 325 erinneit werden. 

Hat das griechische ferner auch an iif-utjX-e, ia-ur,k- 
-iiig zu /iisA-io 'bin gegenständ der sorge, liege am herzen, 
sorge, kümmere mich' einen repraesentanten des indogerma- 
nischen perfectischen ("-typus, nach Bezzenberger Götting. gel. 
anz. 25. juni 1879 s. 820 f.? Oder hat wenigstens de Saussure 
syst, primit. 169 recht, hier eine wurzel mel- zu finden? Ich 
glaube keins von beidem; sondern anstatt das zeugnis der 
pindarischen form i-iefialoraq Ol. I 89 bei seite zu setzen oder 
sie grundlos als „hyperdorismus" zu verdächtigen — Ahreus de 
graec. ling. dial. II 136 fiel dies noch nicht ein - -, hätte 
man sich lieber von ihr den weg zur erklärung des homer. ep. 
fcb/.ii]Ac zeigen lassen sollen. Gust. Meyer griech. gramm. § 555 
s. 421 hat schon das richtige angedeutet: fii-uf]?u iie^ft^hog 
fisf-irjAH von jiis '/.-{, II f ah) enthalten ihm, wie die d:'d/;a, x8iiXt]yiog, 
XtXTjy.ii'g u. s. w., ion. ^ -^ a als neuschöpfungen von einer 
f-wurzel. Es ist der urgriechische reguläre perfectablaut der 



— 110 — 

Wurzel ,"f^-, nemlich */<£'-uoX-f ; *jiis-jiud-F(i)g *fn-uäX-vTa 
(letztere mit aA = / und II, vergl. l-q^dän-arai zu (fd^tg- 
£-(f)don-a, t-oxäX-uro zu anX-)^ der analogie von ri-däX-i- : ts- 
-d^äX-vTa Uüd n{;-aäQ-£ : ae-oäQ-vTu , aI-Xcca-c : Xe-Xay.-vTa ^ /ne- 
-jiiäy-c : ni-f.iay.-v7a in der weise verfallen, dass sich wegen des 
gleichklangs der schwachstämmigen formen mit« singularisches 
fu-HüX-c neu bildete, dessen a ion. ?; sich dann später ebenso 
verallgemeinerte in i.iB-firjX-Mc, dor. fis-f-iäX-ok, wie wir es bei 
T8-3)iX-(iK dor. Tl:-^^äX-^^lc, 0£-07]g-(f')g dor. oi-oäg-wg, Xe-Xi-jx-ioC; 
f.a-/ia]>i-(ÖQ geschehen sehen. Von dem homer. fii-fißX-^-rai, 
fd-iißX-s-ro, II. T 343. 516, zu denen erst bei späten 
epikern die gleichartigen atftßXojuai ii^/nßXtirÜi: jus/ißXopvai hin- 
zukommen (Veitch greek verbs irreg. '^440), denke ich (vergl. 
dazu Curtius verb. d. griech spr. II- 176. 238), dass sie wegen 
der praosentischen bedeutung vollzogene analogische Umfor- 
mungen echt perfectischer (plusquamperfectischer) niedial- 
bildungen */iit-/.ißXa-Tui, */it-fißXu-To sind , demnach ähnlich 
entsprungen wie ijy.-o-i.icv aus ''^/jy-ufii-v und eventuell fi)]Ö-6- 
-(.leda aus *firjd-ä/ii^d^a (s, 107 f.). 

Ich erkläre übrigens, dass ich weit davon entfernt bin, 
die von de Saussuro syst, primit. 166 ff. aufgestellten wurzeln 
mit innerem e als mittelstufenvocalismus, wie sle<ß- in griech. 
Xrjy-«) (Stokos Kuhns beitr. VIII 321, Froehde Bezzenbergers 
beitr. III 16, Curtius grundz. d. griech. etyni. ''737), k^ed- 
in lat. ced-ö. lud- in got. Ict-a^ redh- in got. red-a, ganz zu 
leugnen. Nur hat de Saussure sicher zu vieles zu dieser 
kategorie gezogen, was in Wahrheit dem häufigsten der alten 
ablaute indog. e:ö angehört und die erklärung des in irgend 
welchen verbal- oder nominalbildungen vorhandenen ("durch den 
notwendig als urindogermanisch anzuerkennenden schwachen 
perfectablaut mit ("empfängt. Z. b.in dem Verhältnis von lat. tey-ö^ 
griech. rsy-og^ arty-M zu lat. tog-a kann mich weder die rücksicht 
auf lat. terj-ida noch auf lit. steg-iu daran irre machen, einzig die 
alte ablautsroihe mittelst, e : höchst. Ö zu sehen. „Necessaire- 
ment hysterogene" ist mir nicht lat. tog-a^ sondern nur lit. 
stög-a-s 'dach', welches von steg-iu aus, nachdem dieses auf 
die oben s. 83 beschriebene weise zu stände gekommen, 
nach dem ablautschema der P : ö-wurzeln entsprungen ist; 



— 111 — 

denn iiidog. ö ist hoclilitauisch, wie schon niorphol. unters. 
II 113. 121 angedeutet, bald durch ü bald auch durch ö, 
wie im gen. (= abl.) sing, wül-o, vertreten. Gleicher weise 
beurteilt sich in lit. s6s-ta-s sitz', abulg, sad-iti 'pflanzen' die 
basis söd-. in abulg. gas-iti 'exstinguere' das (jas- aus *</ös- : 
jene haben das scd- von lit. sed-ml scdziu, abulg. sezda ses-ti 
zur Voraussetzung ihrer bildung, dieses beruht auf dem baltischen 
ges- in lett. dfesvhu, d/es-u, dfes-t (vergl. s. 70 ff. 74. '.19), 
aber diese scd-, ges- des litu-slavischen sind nicht die niittel- 
stufenformen der wurzeln gewesen, sondern aus dem schwachen 
perfectstamme w'eiter gedrungen. Das richtige hierüber findet 
sich, abgesehen von der unhaltbaren hereinziehuug des sanskr. 
sedimä, bereits bei Brugmann morphol. unters. lY 414 aus- 
gesprochen: „In ähnlicher weise ist die zunächst aus se-zd- 
entstandene schwache perfectstammform uridg. sed- (in aiud. 
Sedimä, lat. sedimus, got, setum) von w\ sed- sod- 'sitzen' 
(vergl. niorph. unt. III 144) aus dem gebiet des perfects 
herausgetreten : lat. sedcs, sedäre, lit. scstis, sedcti, slav. sestl, 
und mir scheint, dass auch das e von lat. tcgida , got. 
andanem, usmet u. a. ähnlichen formen direct oder indirect 
auf das perfectische e zurückgeht, was hier nicht näher aus- 
geführt werden kann". Weil die gleichung lat. sed-imus = 
sanskr. sed-imä aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine schein- 
bare ist, muss auch darauf verzichtet werden, ved. sed-i- f. 
entkräftung, Verkommenheit', auf das als eine redupiicierte 
nominale -£?i-bildung von sad- Bartholomae ar. forsch. I 29 f. 
anm. aufmerksam macht, allzu unmittelbar au das ja auch 
in der bedeutung weit abstehende lat. sed-i- f. 'sitz' heran- 
zurücken. 

Seine parallelen zu den sddliä-s, sädhar- des vedischen 
sanskrit, dem jlitjo-twq der Griechen (oben s. 107) besitzt auch 
das latein, dessen participia und nomina agentis lec-tu-s lec- 
-tor, rec-tu-s rec-tor, tec-tu-m tec-tor naturlanges e hatten, 
wie teils durch das ausdrückliche zeugnis des Gellius noct. 
Att. IX 6. XII 3, 4, teils durch inschriftliche Schreibungen 
mit apices wie ADLECTYS inscr. regni Xeapol. no. 1999, 
RECTOREM in der Narbonensischon Inschrift aus dem jähre 
11 nach Chr. (Wilmanns exempl. inscr. Lat no. 104 1. 11), 



— 112 — 

TECTOR Wilraaniis ebend. no. 405, teils durch griechische 
transscriptioneu mit ?; in diesen Wörtern wie ' Pl-/.Tip bei Dio 
Cassius LVII 10, 5, teils endlich durch die romanische de- 
scendenz derselben feststeht. Vergl. W. Schmitz beitr. z. lat. 
sprach- u. literaturk. 8. 38. 40. 46, Ritschi rhein. mus. f. 
philol. n. f. XXXI 487 = opusc. philol. lY 773, Bouterwek 
und Tegge d. altsprachl. Orthoepie u. d. praxis Berlin 1878 
s. 40. 109, W. Förster rhein. mus. f. philol. n. f. XXXIII 
296, Jul. Wiggert stud. z. lat. Orthoepie Stargarder gymnasial- 
progr. 1880 s. 13. 15, Büuger üb. d. lat. quantität in 
positioiisl. Silben Strassburger gymnasialprogr. 1880 s. 4. 12 f. 
Ihr e haben diese nominalbildungen im letzten gründe einzig 
von den perfectformen leg-inms, *reg-imus, ^teg-imus, wie 
ebendaher reg-ida, teg-ula und die s-praeterita rexl, texi, für 
welche letztere die wurzelhafte naturlänge ebenfalls historisch 
beglaubigt ist (vergl. die Zeugnisse bei Bouterwek -Tegge 
a. a. 0. 40, Wiggert a. a. o. 12, Bünger a. a. o. 15, Brug- 
mann morphol. unters. III 36 anm. 1). Yon ve.iillum^ dessen 
e sich aus Inschriften vermittels apexsetzung und aus grie- 
chischen transscriptioneu sicher ergibt (W. Schmitz beitr. z. 
lat. sprach- u. literaturk. 47 f., Bouterw^ek-Tegge a. a. o., 
Bünger a. a. o. 15), schliesseii wir allerdings mit recht auf 
ein *vexl zurück, und letzteres weist uns wiederum auf eiu 
der einstiges asigmatisches perfect *üehi, *vi'h-imus hin. 

Es ist verfehlt, wenn Wiggert zur erklärung des e in 
diesen lectus und consorten verschollene formen der praesentia 
mit langem vocal, *legö, *regö, *tegö^ von denen nirgends 
etwas verlautet, zu gründe legt. Es ist aber noch weit ver- 
fehlter das von Lachmann comment. zu Lucret. p. 54 f. auf- 
gestellte princip, wornach der kennlaut des verbalstammes. 
ob media g^ h, oder tenuis c, p, bestimmend gewesen sein 
soll für die quantität des stammvocales im supinum und -to- 
participium. Diese rein aus den paar beispielen des Gellius 
IX G voreilig abstrahierte regel spottet jeder lautgeschicht- 
lichen und physiologischen ratio, und ihr widerstreitende 
formen aufzufinden ist nicht schwer. Struitis z. b. ist trotz 
des charakterlautes g von stringere durch Italien, stretto 
proveny. estreit franz. etroit seiner alten vocalkürze versichert. 



— 113 — 

Umgekehrt bekommen re-llctus, de-llctum bei tenuis als wurzel- 
auslaut von Unquere dennoch durch italieu. relitto, delitto^ 
franz. delif ihr hmges i zugewiesen (vergl. niorphol unters. 
IV 76). Erfolgreich bekämpft bereits Wiggert a. a. o. 13 ff. 
jene Lachmannsche regel, welche Bouterwek und Tegge alt- 
sprachl. orthoep. 108 ff. besser nicht acceptiert liaben würden 
und 7Ai welcher auch Bünger a. a. o. 4. 12 ff. 15, wenn- 
gleich dieser mit bestimmten modificationen und restrictionen, 
nicht gegen ^Yiggert hätte zurückkehren sollen. Der zwang 
des falschen priucips vermochte eben die Lachmann folgenden 
gelehrten zu dem von den romanischen sprachen verleugneten 
strlcUis zu führen. Es bleibt also dabei : in jenen Icctus 
lector, rectus rector rPxi, tvetum tector texl, vexl vexillum ist 
das e die individuelle folge einer formübertragung, wodurch 
ein e von schon grundsprachlicher herkunft aus einer ur- 
sprünglich enger begrenzten formensphäre im lateinischen in 
anderweitige bildungen derselben wurzeln eindrang. 

Möglich ist sogar, dass, sowie im griechischen ue^m 
u'iSouai neben dem jüngeren iir]do^au erhalten blieb, freilich 
mit bedeutungsditi'erenzieruug, und wie im sanskrit das partic. 
praes. sdhant- neben der neuschöpfung sähant- fortbestand, 
und zwar ohne semasiologische Scheidung von dieser, dass 
so auch die lateinische spräche nach der hervorbringuug ihrer 
lectus lectör, rectus rector die vorausgegangenen älteren formen 
mit e nicht sofort aussterben liess : auf "E-AAsy.Tog 'Ey.Xr/.roi- 
bei Dio Cassius LXXII 4. 6. 19, 4 und a^Afxroc bei Hesychios. 
sowie 'Pfxroc in einem I^lutarchfragment (p. 56, 13 ed. Didot), 
FEKTQP corp. inscr. Graec TV no. 9377 dürfte man immer- 
hin mehr gewicht legen als ^Y. Schmitz beitr. z. lat. sprach- 
u. literaturk. 38 anm.** und Bünger a. a. o. 12 f. tun; 
gräcisiertes lat. sy.-ksy.Tog braucht trotz lectus nicht notwendig 
„reiner gräcismus" zu sein , sondern ist möglicherweise die 
der griechischen congruente ältere participform . die das 
lateinische nebenher zu bewahren wusste. 

Wer etwa von den hypothetischen alten asigmatischen 
perfectformen *re(j-ii)nis, HUcj-imus absehen möchte, könnte 
zu den neubildungen rectus^ trctus, weniger schon zu rri/uht 
und te(/tda^ auch so gelangen, dass er nach dem zuerst zu 

Osthoff, zur geschiclite il. perfects i. iDdo-fernianisclien. S 



— 114 — 

leg-imus entsprungenen lectiis hinwiederum jene rectiis, tectus 
auf grund der gleichen praesensformation, regö^ tegö wie legö, 
sich bilden liesse. Die s-praeterita rex7^ texl, vexi werden 
bei unserer auffassung ihres wurzelvocalismus anscheinend 
zu Schicksalsgenossen der altind. a-säk-sh-i, säk-sh-ä-ma, säk- 
-sh-a-te von sah- (oben s. 52) werden ; doch wird sich uns 
weiter unten eine möglichkeit zeigen, jene s-formen rexl, 
texij vexl auch unmittelbar an verschwundene wurzelperfecta 
lat. *rcgi; *tegl, *vehl anzuknüpfen. Das asigmatische *teg- 
-inius aber, für welches wir lat, tex-imus so oder so indirect 
zeugen lassen, steht seinerseits natürlich in historisch-genetischem 
zusammenhange mit dem litauischen partic. perf. act. steg-qs 
steg-usi (vorgl. oben s. 83. 110); und vexü^ vexiUum würden 
sich im ablaut zu got. ga-weg-um perf. plur. gesellen. 

Nicht umgangen werden kann hier, weil es als eine 
vermeintliche stütze der getadelten Lachmannschen theorie 
über das e in lat. lectus u. s. w, geltend gemacht werden 
könnte, das particip actus von ägö. Dessen ä ist ausser 
durch GelHus IX 6 durch ganz besonders häufige inschrift- 
liche Setzungen des apex bezeugt, welche W. Schmitz a. a. o. 
38 f. und Bouterwek-Tegge a. a. o. 40. 108, Wiggert a. a. o. 15 
besprechen ; vergl. auch Corssen ausspr. vokal. I- 23. 396, 
Ritschi rhein. mus. f philol. n. f XXXI 487 = opusc. philol. 
IV 773. Will man nach den andeutungen Büngers a. a. o. 13 
auch darauf sich berufen, dass in den compositen ex-ödus, 
co-äcttts, trans-ädus, red-äctus nicht die Schwächung zu 
*-edics sich zeige, wie in a/-, coti-, ef-, inter-,per-,prae-, in-fedus 
von fädus (der gedanke an *-fedus wird in diesen com- 
positen zum überfluss völlig abgeschnitten durch die auch 
von Wiggert und Bünger angeführten inschriftlichen und hand- 
schriftlichen griechischen Schreibungen IIEPOEKTQ C. J. Gr. 
II no. 3368, noaiq^y.rnq), so muss man sich nur des secundären 
wertes dieses argumentes bewusst bleiben: die aualogie eines 
eventuellen simplex *ädus konnte jederzeit leicht den wurzel- 
vocal des zweiten compositionsglicdes wieder auffrischen^ wie 
ja auch für per-ägö statt des lautgesetzlichen '"^'per-tgö der- 
selbe Vorgang der ausgleichung anzunehmen ist. Aber bei 
seinen individuell entwickelten bedeutunffen musste das nomen 



— 115 — 

lat. ex-ämen der oinwiikuiig iles uucomponierton agmen weiter 
entrückt sein; und ex-ämen an sich leidet nur die herleitung 
aus *ex-ägmeir, ein *ex-ä(/nien hätte *ex-tgmen und allenfalls 
noch *ex-emen ergeben. i) Wir haben demnach wol auch das 
einfache ügwen mit naturlangem a anzusetzen, welche vocal- 
stufe ja überdies in amb-äges, amh-ägo^ co-äguhim deutlich 
vertreten ist. Da nun das griechische mit dg/-, Xo/-, oi)-, 
OTQaT-äy-6-c gegenüber äy-(oy-6-g dy-toy-i] ebenso deutlich den 



1) Wenn nach Corssens uutersucliungen über die lateinische 
vocalschwächiing im zweiten eorapositionsgliede , ausspr. vokal. 11 ^ 
396 — 435, anheläre, dellnire und pejeräre als ausnahmen übrig bleiben, 
bei denen sich wider das sonst durchgehende gesetz langer vocal 
geschwächt zeige, so erledigen sich wol zunächst a)i(k)elus, cin(1i)eläre 
durch die von Fick vergleich, wörtcrb. II ^ 15 gegebene etyniologie der 
Wörter lat. älum 'wilder knoblauch', äläre 'hauchen, duften': *dn-a>iIo-s, 
dessen Schlussglied dem sanskr. anilä-s 'wind' nahe steht, ward dem 
gesetze folgend zu *an-enlo-s, daraus oneliis. Ferner pejeräre scheint 
mir aucli aus anderen gründen die ableitung von jüräre gar nicht zu 
gestatten. Ich möchte vermuten, dass wir es hier in Wahrheit mit einem 
denominativum des comparativs ^jg/or pejus zu tun haben, welches, 
ähnlich wie temper-äre von tempus -oris (Brugmann Kuhns zeitschr. 
XXIV 20), nach älterem bildungsgesetz regelrecht an eine in der de- 
clination des stammnomens selbst später verdrängte schwächere thema- 
form *pejes- anknüpfte. 'Entstellen, verhunzen' war die grundbedeutung 
yon pejeräre, wobei man a.]s ohject veritäfem oder eher noch^its 'recht- 
liche aussage' (wie in jus jüntnclum), nach juris j^ejeräti Horat. carm. 
II 8, 1, ergänzen mochte. Das erst spätlateinische pejör-äre 'ver- 
schlechtern' ist also jüngere „scheideform" zu pejer-äre und als solche 
mit verlassung des alten bildungspriucips aus pejör- hervorgegangen- 
Das alsdann volksetymologisch um pejeräre und per -jüräre geschlungene 
band ermöglichte weiterhin auch, dass ein cle-jeräre 'einen hohen eid 
ablegen, sich heilig vermessen' neben und aus de-jüräre, welches seiner- 
seits bei Gellius I 3, 20. XI 6, I die beste handschriftliche Überliefe- 
rung für sich hat, entspross, dass ferner als mischbildung aus pejeräre 
und perjnräre selbst sich ein perjeräre ergab, welches durch perjerant 
als die beste lesart bei Plautus Trucul. I 1, 9 30) sicher steht Was 
endlich de-llnlre als die in handschriften des Plautus und Cicero häufige 
nebenform von de-lenlre (Corssen ausspr. vokal. II' 420) anbetrifft, so 
mag leicht auch hier bei der bedeutung 'durch schmeicheln oder lieb- 
kosungen oder list gewinnen, für sich einnehmen, bezaubern' die Volks- 
etymologie ihr spiel, und zwar mit Umini 'zuggarn, netz', getrieben 
haben; man vergleiche unser umgarnejt oder auch attt den leim lochen. 

8* 



— 11« — 

ablaut äy- : «ly- zeigt, so entscheide ich mich aus allen diesen 
rücksichteu jetzt aucli dafür, als mittelstufengestalt der wiirzel 
indog. äg'^- anzusehen und das praesens sanskr. äj-a-ti, avest. 
az-a-lti, armen, ac-em, griech. ay-(o, lat. a^-ö, altir. ato-m-aig 
adigit me'. anord. ak-a dem zuerst von de Saussure syst. 
primit. 159 ff. 178 ff. gemachten vorschlage gemäss „unter 
die kategorie der aoristpiaesentia zu r^clmen." Meine frühere 
polemik gegen diese auffassung, inorphol. unters. IV 341 f., 
bezweckte zun<ächst auch nur das eine, zu zeigen, dass „die 
bisher dafür angeführten gründe — vielleicht finden sich 
andei'e entscheidendere — " für nicht hinreichend zu halten 
seien. Indog. a g^-o war aoristpraesens mit nebentoniger tief- 
stufe der Wurzel, wie dieselbe stufe auch das nomen a^'- 
-rö-s 'weidetrift, acker' = sanskr. äj-ra-s (mit verschobenem 
accent), griech. «y-oo-c, lat. ag-er, got. ak-r-s iune hatte. 
Für die neutrale -men-h'üdung aber gestaltet sich hier das 
morphol. unters. IV 341 f. vorw. s. VI noch anders bestimmte 
ablautsverhältnis der einzelnen vorliegenden Stammformen so, 
dass sich allein lat. äg-men — wenigstens das iu ex-ämen ent- 
haltene, da das simplex ag-men ja immeriiin kürze des a ge- 
habt haben könnte — auf das gleiche niveau mit griech. 
;^ftj-aa, sanskr. hö-inan- stellt; sanskr. ved. äj-man- (wieder- 
um mit verschobenem accent statt *aj-mmi-) rangiert nur 
dem yv-i-ia gleich; ved. j-män- endlich bleibt dem griech. 
yß-fxa parallel und bietet die tonlos-tiefstufige wurzelform g^- 
von '1 (/'- dar, sowie sanskr. savge-sJttlidr-, savya-shtlmr-, avest. 
rathae-stär-em , -stär-ö und griech. orv-o entsprechend auf 
sth- als stärkster reduction von mittelstufigem indog. sthd- 
beruhen l^vergl. morphol. unters. IV vorw. s. XII f.). Von 
altir. dm 'schaar, manus iiostium', ebenfalls -m6;n -stamm 
(Windisch bei Curtius grundz. ^ 1 70. kurzgef. ir. gramm. 
§ 74 s. 16), lässt sich wol nicht sicher ausmachen, ob es 
auf *äg-men- oder *äg-men- zurückgehe. In griech. n-y-/.io-g 
wird man das ö- als protliese fassen dürfen, wodurch dieses 
nomen auf dieselbe wurzelstufo mit ved. j-män-. zu dem ved. 
aj-mä-s lauf, bahn, zug' aber in das Verhältnis kommen 
würde, welches auch zwischen solchen paaren von -mo- 
bildungen wie griech. dr-fin-g einerseits und sanskr. dhü-nid-s, 



— 117 — 

abulg. dij-niu, lit. clü-mai andererseits besteht (vergl. morphol. 
iintors. lY 123-129). Für das particip lat. clc-tu-s aber er- 
gibt sich: es ist entweder abkönimling eines indog. o(j^-to-s 
und ergänzte vor zeiten mit dem griech. ax-ro'-c, In-äx-ro-g 
sich zu einem wurzelabstufenden paradigma (vergl. morphol. 
unters. lY 93 ff.); oder ac-tus hat, was vielleicht einige vor- 
ziehen werden, als lateinische neubildung ein früheres *äc-iu-s 
= griech. hy.-ro-q abgelöst, indem der einfluss des supinums 
äc-tnm mit seinem von jeher mittelstufigen vocalismus (morphol. 
unters. lY 110 ff.) sich auf das -fo-particip zu erstrecken 
begann. Böte sich übrigens diese grundlage für das Ver- 
ständnis des vocalismus von actus nicht dar. so hätte ich im 
notfall auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, dass man 
actus zu (Kjö geradezu nach den mustern lectus : legö^ rectus : 
regöj tectus : tegö in proportionaler analogie gebildet sein Hesse. 



F. GERMA^^ISCH. 

Was blieb dem germanischen zur constituierung des 
perfectischen e-typus, in der weise wie es ihn ausgestaltet 
hat, an seinem teile zu tun übrig? Jedenfalls, wie wir 
auf grund aller vorhergehenden erörterungen unbedenklich 
sagen können, nicht so viel, dass es etwa nach dem einzigen 
got. sef-ioti auf seine eigene faust alle übrigen formen hätte neu 
erschaffen müssen. Yielmehr hatte allem anscheine nach der 
an die uralten muster wie sed- anknüpfende neubildungs- 
process schon in der zeit der indogermanischen grundsprache 
seinen anfang genommen und ist nur in den übrigen eiuzel- 
sprachen nicht fortgesetzt worden oder auch mehr oder 
weniger früh zum stillstand gekommen, am spätesten auf 
baltischem und germanischem sprachboden. 

Wir glaubten s. 10 f. 80 f. 99. 106 ff. 1 12. 1 14 gründe oder 
wenigstens anhaltspunkte zu finden, um die got. met-uni, les-unij 
qein-um, vielleicht auch hlef-um, ga-weg-um für erbformen, 
keine germanischen neubildungen des e-typus zu halten. 
Dieselbe aussieht nun auf höheres alter, welche met-um von 



— 118 — 

keltischer (und griechischer); les-um von baltischer seite ge- 
winnt, qein-iim aber und eventuell hlef-uin. (ja-iccy-um von 
italischer , könnte dem got ter-um zu tair-a tar von 
griechischer seite her kommen. Denn wahrscheinlich hat doch 
Bopp vergleich, gramm. IIP 380 f. durchaus richtig, unter 
Verweisung auf paralleles sanskr. vi-där-ana-m n. 'krieg' von 
dar- dr-i.iä-ti 'zerreissen', das griech. driQ-i-c, f. 'streit, krieg', 
mit urgriech. ?; wegen drjQiouai Pind. Ol. XIII 63, dfjouövTiov 
Pind. Nem. XI 32, zu dem verbum dio-io gezogen; Curtius 
grundz. d. griech. etym. ^ 235 verhält sich zweifelnd zu dieser 
begrifflich ansprechenden combination. Dann würde aber 
eben bei dem O/jo-i-g das got. fer-um unter dach kommen, 
d. h. der Vermutung räum gegeben werden können, dass 
auch diese zu den dem germanischen schon fertig vorliegenden 
perfectischen e-formen zählte und in indogermanischer gestalt 
der-{jn)me m als jüngere rivalin von de- dr -mein = 
sanskr. da-dr-mä lebte, wie (j-em-{in)mem = got. qem-um 
lat. ven-imtis als solche von g- e-g'^m- in e m ^= ^xiQch. ße-ßa- 
-u£v ved. ja-gan-ma (vergl. s. 106). 

Das germanische zeichnet sich nur, wie überall in der 
ausbildung seines verbalsystems so auch hier wieder, vor den 
schwestersprachen durch die musterhafte consequenz aus, mit 
der es nicht nur altererbte vocaldistinctionen zu wahren und 
ihnen so viel als tunlich functionalen sinn unterzulegen, 
sondern auch die keime und ersten ausätze zu einer neuen 
Ordnung der dinge sorgfältig auszunützen und fruchtbar zu 
machen weiss. Yergl. verf. Paul-Braunes beitr. VIII 310. 

In drei punkten vornemlich bewies hier die Grermanen- 
sprache ihre consequenz des organisatorischen bestrebens. 
Erstlich, indem sie den e-typus von den paar formen, die 
ihn innerhalb des gebietes des schwachen perfectstammes 
ursprünglich allein hatten wie got. setiim, setjau (vergl. s. 43 ff.), 
über den ganzen formenbereich des letzteren analogisch aus- 
dehnte. Zweitens, indem sie ihn innerhalb der verbalflexion 
dann auch nicht weiter ausdehnte, d. h, das set-^ nachdem 
es zur generellen schwachen Stammform des perfects erhoben 
war, im verbum dann auch nur schwachen perfectstamra 
bleiben liess. Und drittens, indem sie denkreis der nach- 



— 119 — 

bildungen, so viele deren im laufe der zeit auch werden 
mochten, doch immer, gleichsam in stetiger reminiscenz an 
die letzte hcrkunft und früheste gebrauclissphäre des c-typus 
in der weise zu beschränken wussto, dass nur die auf ein- 
fachen consonanten (geräusch- oder Sonorlaut) schliessenden 
e-wurzeln, diese dann aber wiederum auch sämtlich, den- 
selben typus annahmen: also wol got. (jch-um und ives-iim 
und snew-inn, nem-um. ber-uia, stel-um, wol auch got. *k)ted- 
-um -= ags. cnded-on, ahd chnät-um), hrek-um, Mcf-um, aber 
nie *bend-um, *berg-um. *help-uni zu den singularon band, 
barg, halp. Ja, urgermanisch noch nicht einmal solche for- 
mationen wie ahd. bräst-nni von brestan 'brechen, gebrechen'. 
Denn auf grund von belegen wie anord. alts. ahd. brast 
brustum neben ahd. brästum, ahd. drask druskum von dreskan 
'dreschen gelangt Kluge german. conjug. 64 f. zur auf- 
stellung des satzes, „dass der c-typus im urgerm. die verben 
mit unechter doppelconsonanz im auslaut noch nicht ergriffen 
hat". Wenigstens wird Kluge damit das richtige treffen für 
solche dieser (secuudären und speciell germanisch entwickelten) 
wurzeln mit „unechter einfacher consonanz" (wie ich lieber 
sage, vergl. Paul-Braunes beitr. VIII 563), welche innerer 
liquida oder nasalis nicht entbehrten. Die vom litauischen 
in praet. dresk-iaü, partic. dresk-^s dresk-usi (vergl. s. 67) 
aufgewiesene stufe ward im gormanischen erst einzeldialektisch 
erreicht, z. b. althochdeutsch in bräst-um. Siehe auch H. 
Möller Kölbings engl. stud. III 155. Yergleicht man über- 
haupt mit eben diesen germanischen zuständen betreffs des 
perfectischen e-typus die oben (s. 65 ff.) geschilderten ziemlich 
ungeordneten Verhältnisse, zu denen der baltische sprach- 
zweig bei seinen entsprechenden Wucherungen mit dem e-typus 
gelangte, sieht man vollends das lettische an, wie ihm, wenig- 
stens iocaldialektisch, die vom germanischen immer gemiedenen 
*berg-um, *iverp-um in seinen gebilden terp-u, iverp-u u. s. w. 
(s. 86 ff.) nicht fremd blieben: so muss besonders die ich 
möchte sagen reinliche tat des germanischeu sprachgeistes 
in die äugen springen. 

Aehnlich wie beim sanskrit den psychologischen anstoss 
zur ausbreitung seines hysterogenen e-typus sed- in sed-imd, 



— 120 — 

ycm-imä hat man beim germanischen den grund seiner er- 
wachenden Vorliebe für das prototyp got. set-mn mit recht 
also festgestellt, dass man das schreckensbild der vielen durch 
den „synkopierten" typus (sanskr. pa-pt-ima) entstandenen 
consonantenverbindungen sich ausmalte , welche letzteren, 
wenn sie gleich die spräche durch lautgesetzliche Umgestal- 
tungen sich „mundgerecht" zu machen gewusst hätte, den- 
noch ebendeswegen die morphologische einheit der bildungs- 
weise der schwachen perfectformen, bei verben welche im 
praesens und perf. sing, allezeit treu mit einander gingen, 
notwendig stark gefährdet hätten. Man sagte sich, „dass 
dem nach einheitlichkeit der formen strebenden Sprachgefühl 
des germanischen der synkopierte typus. welcher jeder ein- 
zelnen schwachen praeteritalform eine eigenartige gestalt 
verleiht, auf die dauer unerträghch sein musste." Vergl. 
Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 248, Hübschmann ebend. 
XXIV 414, Kluge german. conjug. 61. Wie Kluge auf ein 
ahd. *jirHm verweist als diejenige form, w^elche lautgesotz- 
hch dem sanskr. yeshimä = indog. j e-js- [jn) mem anstatt der 
neubildung ahd. järum gegenüber zu stehen hätte, so em- 
pfehle ich beispielshalber, sich ein got. *mintuM aus indog. 
me-md-(jn)mem von mitan mat und dazu ein got. *siskiim 
aus indog. se-sk^-(in)mem xon saihw an sahiv oder ein got. 
*qaihtum (ahd. *quehtum) aus indog. g'-e- g'~t-mmem von 
qipan qap zu vergegenwärtigen. 

Mit allem diesem, so richtig solche erwägungeu sind, 
ist aber eins noch nicht abgemacht: warum verschmähte das 
germanische auch den ihm gleichfalls von alters her zu ge- 
böte stehenden typus * set-mn, *zeh-um, mit ton los-tiefstufiger, 
daher in indogermanischer zeit weggefallener reduplicatious- 
silbe und nebentonig-tiefstufiger Wurzelsilbe wie die participia 
sanskr. ved. säh-vätns-, abulg. pek-u, zeg-u^ lit. kep-es, cUg-qs 
(vergl. s. 55. 72 f.) ? Die autwort ist: von diesem zwar die mor- 
phologische einheit nicht bedrohenden bildungstypus musste 
wegen der gleichen ablautstufe im praesens stamme der 
verba wie "ijßb-an abgesehen werden, seitdem man in dem 
vocalwechsel der wurzel alle tempusbildende und tempus- 
unterscheidonde kraft zu fühlen begonnen hatte. Man ver- 



— 121 — 

gleiche meine Schilderung der selben oder ähnlichen niotive, 
welche auch den Untergang der schwachen perfcctfürnion mit 
indog. i, ü im germanischen wie '^bd-um, *bi-l/b-Hi)i und 
Hük-um herbeiführten, Paul-Braunes beitr, VIII 306 ff. ; ferner 
das, was oben s, 62 f. über die unhaltbarkeit eines got. *bind 
als 1. sing. perf. indic. i^esagt wurde. 



II. 

PERFECTBILDUNG VON ED-, ES-, EI-; NEM-. 

Eine besondere bewandtnis hat es mit dem perfectischen 
e-typus bei solchen ^-wurzeln, welche mit diesem e- selbst, 
genauer mit dem spiritus lenis als geräuschlaut Aor dem e-, 
anlauteten. Als solche kommen hier diese drei in betracht: 
ed- essen, es- 'sein', ei- 'gehen'. Und zwar mit diesen 
einzelsprachlichen dem tempus perfectum noch augehörigen 
oder auf ihm beruhenden praeteritalformen : 

Sanskr. äd-a , äd-i-väms- partic. ; griech. ^Ö-rjÖ-iöc 
eS-rjd-vla partic. ; lat. ed-~i, ed-inuis ; got. (fr-)et (= alt- 
nord. dt ags. cU ahd. äz fr-äz), ef-tini; lit. ed-au, ed-es 
ed-iisi partic; abulg. ed-ü ed-üM (jünger jad-ü jad-ün) 
partic. 

Sanskr. äs-a, äs-i-tha, äs-iir ; avest. äonh-a^ äonh-are, 
äonli-ush-äm gen. plur. partic-, griech. ij-a, Tjo-S^a, rj-ev. 

Lit. ej-aü, ej-^s ej-usi partic 
Ueber indog. ed- und es- als perfectische Stammformen 
hat jüngst Brugmann morphol. unters. lY 411 ff. gehandelt 
und unter anderem für das griechische gezeigt, mit welchem 
rechte man in dem system des imperfectums rj-a 'ich war 
alte perfectformen zu sucheu hat. Zu ed- und es- kommt 
aber nunmehr notwendig indog ei- von ei- 'gehen hinzu, 
und zwar wegen des litauischen praeteritums zu dem praesens 
ei-rm. Lit. ej-aü 'ich ging beruht nach unserer ansieht von 
dem baltischen praeteritum auf einem indog. ei-o,, ist also 



— 123 - 

eine uralte erbfonn in derselben weise, wie wir es s. 63 f. 
von lit. hl-cut gezeigt zu haben glauben. 

Was die beurteilung der genesis der indogermanischen 
perfectstämme cd-;, es- und ei- angeht, so teile ich nun in 
allem wesentlichen die anschauungsweise Brugmanns a. a. o. 
Brugmann beruft sich auf die von mir morphol. unters. 
II 113 ff. dargelegte regel über die grundsprachlichen vocal- 
contractionen. Darnach sind unbedenklich zunächst unter 
den starkwurzeligen formen des sing. act. die 1. sing, indog. 
ed - a , CS - a , H - a als zusammenziehungen urindogermanischer 
reduphcierter '^e-ed-a, *e-es-a, *e-ei-a anzusehen; um 
so unbedenklicher nemhch, als wir ja jetzt mittelstufigen, 
nicht hochstufigen wurzelvocalismus dieser perfectform zu- 
erkennen zu müssen glauben. 

Zweifelhafter ist mir aber, ob wir nach Brugmann auch 
urindog. *e-6d-^ *e-6s-^ *e-6i-, die wir auf die 2. und 
3. sing, act. beschränken, zu ed-, es-, ei- contrahiert sein 
lassen dürfen. Unter den sämtlichen fällen, aus welchen 
ich morphol. unters. II 113 ff, meine regel: „es siegt alle- 
raal die qualität des ersteren der beiden zusammenfliessenden 
vocale" abstrahierte, ist kaum ein einziger vorhanden, von 
welchem sich mit derselben Sicherheit wie hier sagen Hesse, 
dass vor der constraction der zweite der beiden vocale 



1) Lettisch entspricht gdj-ti 'ich ging' dem lit. ej-aü in dem a 
yerho \eit. ei-mu, gäj-u, 1-scJm^ i-^ = lit. ei-ml (ei-nu), ej-mi, ei-siii, el-ti. 
Anstatt mit Bielenstein lett. spr. § 518 II 259 f. für die einzige prae- 
teritalform gäju eine eigene wurzel gä- zu requirieren, könnte man 
hier eher eine willkommene bestätigung der theorie Kluges über das. 
germanische verbum ags. 'zän, ahd. mhd, gen (gän), etym. wörtorb. d 
deutsch, spr, 101" anter gehen, finden. Es enthielte auch lett. gdJ-ti 
aus *ga-ej-aH, vfie nach Kluge das germanische gehen, die verbalpartikel 
iadog. gh'^o- = lett. ga-, got. ga-, Ihre beschränkung auf die Ver- 
bindung mit der perfectform in dem lettischen verbum entspräche vor- 
trefflich der bekannten resultativen oder perfectiven bedeutuugs- 
schattierung, welche im germanischen dasselbe praefix so überaus 
häufig der mit ihm componierten verbalform gibt und wodurcli es ja 
auch in den jüngeren und jüngsten phasen unserer sprachentwickelung 
geeignet geworden ist, als untrennbare vorsilbe der partieipia der Ver- 
gangenheit zu dienen. 



— 124 — 

d r mit dorn h a u p 1 1 o n e versehene war. Und aus 
lautphysiülogischeii griuulon ist es doch wol bedenklich, auch 
bei t'inom e-ö- so, wie bei e-o- und e-o- (mit nichthaupt- 
tonigkeit beider vocale), den erstereu laut den ausschlag- 
gebenden bei der coutraction sein zu lassen. Ich halte es 
also für sicherer, die giltigkeit meines indogermanischen 
vocalcontractionsgesetzes jetzt auf diejenigen fälle zu be- 
schränken, wo nicht der zweite der zusammenfliessenden 
vocale vor der synaloephe der träger des haupttones des 
Wortes war. Darnach niuss ich ed-^ cs-^ wo es wie bei 
got. {fr-)et, griech. Tja-da tj-^i' als stamm der 2. und. 3. sing, 
begegnet, als eine einzelsprachliche — oder auch schon 
grundsprachliche — formübertragung aus der 1. sing. perf. 
ansehen. Das lautgesetzliche wären griech. *(a)-)oKy-t got. 
*fr-dt in 3. sing., griech. *(oa-9^a *w-£v gewesen. Es ist 
möglich, dass eben daher der vocalismus von griech. &ä-Md-i] f., 
i6-(i)d-6-g adj., fd-(oö-i/iio-c adj. stammt. Möglich ferner, dass 
hier armen, ut-el 'essen' dem ablaute nach unterzubringen 
ist; denn nach armen, tur gäbe' = griech. ihngo-v abulg. 
darü^ armen, e-tu aor. ich gab' = griech. *s-d(.o-i' sanskr. 
ä-däin ist wol für das armenische u der gesetzmässige reflex 
von indog. t7ii, während kurzes indog. o in dieser spräche 
regelmässig als o und nur unter gewissen phonetischen be- 
diuguugen als u auftritt, z. b. in der Stellung vor nasalen 
wie bei -sun '-zig' = griech, -zojt« in ere-sim '30', Kara-sim 
'40', iji-sim '50', bei -nn-U im nom. plur. der ><!-declination 
{(fa'run-K 'läramer', akim-k 'äugen') = griech. -ov-^c, in xt- 
xTov-sg (verf. morphol. unters. I 124 f.), bei armen, htm fürt, 
weg' = lat. ponfi- abulg. pqti (verf, bei Hübsch manu armen, 
stud. I 39. 62)^ cim-r knie' = griech. yöw u. a. 

Mehr noch als betreffs des singular act. finde ich mich 
hinsichtlich der ed-^ es- als der Stammformen der sc h wach - 
wurzeligen perfectbildungen mit Brugmanu im einver- 
nehmen. Ja ich meine, dass sich nun, unter berücksichtigung 

') Armen, tu- in iur, aor. e-tu ^= f^riech. fJoi-, lat. da-; daneben 
iiefstutig^'S armen, tä- 'geben' in ta-l infin., ta-m 'ich gebe' (nach ta-tnl' 
1. plur. =: lat. dä-mus u. dergl.) = lat. da-, griecli. So— Vergl. Hübsch- 
niann Kuhns zeil^eclir, XXIIl '6A anm. 3. 



— 125 — 

der gesetze über die zwiefache tiefstufcnfüiiii , wie ich sie 
raorphol. unters. IV vorw. s, V ff. XII f. skizzen weise fixiert 
habe, noch entschiedener, als es bereits Brugmann zu tun 
vermoclito, die ansieht H. Möllers Kölbinos engl. stud. 111 154f. 
und Joh. Schmidts auz. f. deutsch, altert. VI 121 zurück- 
weisen lässt, wornach die form des schwachen perfectstammes 
von ed- 'essen ursprünglich nur ed- mit kurzem vocale ge- 
wesen sein könne. 

Es hindert zunächst nichts, die indogermanischen vocal- 
contractionen für jünger zu halten als die ausbilduug wenig- 
stens der nebentonigen unter den beiden tiefstufenformen. 
Bezeichnen wir ferner mit o den irrationalen (schwa-aitigen) 
Yocal der grundsprache, der als die nebentonig-tiefstufige 
reduction der vocallängen indog. «, e, ö erscheint und im 
indisch-iranischen als i (und a), im europäischen und arme- 
nischen als a vertreten wird, den wurzelvocal von pitä -naTno 
pater, von sanskr. ditä-s lat. datu-s, lat. satii-s 'gesät' aus 
würz, se-: so können wir drei successive perioden der indo- 
germanischen grundsprache mit dem gleichzeitigen neben- 
einander folgender formenpaare ansetzen: 

I. pei'iode: ^e-ed-mem 'wir haben gegessen, dreisilbig, 
uncontrahiert; andererseits sv-tö- 'gesät'. Das gesetz der 
nebentonigen tiefstufe hatte ge wirkt : es hinterliess bleibende 
reduplication e- dort und dazu noch nicht geschwächte Wurzel- 
silbe regulär wie in got. it-an-s partic. praet. und sanskr. 
ad-mäs 1. plur. indic. praes.; es hinterliess« in sv-tö- als 
reduction von mittelstufigem e der wurzel se-, 

II. periode: ed-mem (ed-mmeni) durch vocalcontrac- 
tion entstanden; andererseits fortbestehen des so-tö-. 

III. periode: fortbestehen des ed-mem (ßd-mmeni); 
andererseits Spaltung des sn-tü- in die satzdoublette so-tö- 
und S'tö-. D. h. wirken des gesetzes der tonlosen tief- 
stufe, welches nur kurze a- vocale zun? ausfalle trieb, den 
mittlerweile aber (in der zweiten periode) in nicht haupt- 
tonigen silben durch vocalcontraction hysterogen entstandenen 
längen e, ^7, ö nichts mehr anhatte. 

Man kann hiergegen freilich einwenden : ich lasse doch 
auch durch das gesetz der tonlosen tiefstufe aus indo"'. i. ä 



— 126 - 

sich die entsprechenden kürzen «, ü entwickeln; nichts sei 
also walirscheiülicher, als dass durch denselben process ein 
von jenem gcsetze angetroffenes ed-inem analog zu ed-mSin 
„mittels einbusse einer mora" (vergl. morphol. unters. IV 354) 
geschwächt worden sei. Darauf ist zu erwidern, dass ich ja 
aber nebenden aus i-tö- gegangen', kHü-tö- 'gehört' ent- 
standenen oder genauer daraus abgespaltenen i-t ö - ^k^lü-tö- 
jene ersteren volleren formen mit z, n nicht fortfallen lasse 
aus der spräche. So könnte ich mir immerhin auch ein aus 
ed-meni durch das walten des zweiten tiefstufengesetzes als 
satzz willingsform abgespaltenes ed-mem wol gefallen 
lassen und den umstand, dass von einem solchen historisch 
nichts verlautet, dass nur mit indog. e sanskr. ud-i-vdms-^ 
griech. 6t)-?;i)-olc iö-i]d-vTa, lat. ed-imus. got. et-tan, lit. ed-es 
ed-nsL abulg. ed-ü ed-üH begegnen, durch die annähme zu 
erklären suchen, es habe der starkwurzelige singular indic. act. 
mit seinem auf *e-ef/- beruhenden ed- der l.siug. indog. t^c^-a 
mitgewirkt, um derjenigen unter den zwei paarformen des 
schwachen Stammes, welche mit ihm den gleichen vocalismus 
teilte, frühzeitig ein übergewicht vor der anderen mit e- zu 
verschaffen. 

Nicht unmöglich scheint, dass das avestische in ailh- 
-ush-äm-ca gen. plur. partic. perf. act. von ah- 'sein' ys. 
LXIV 22 neben äonh-ush-äm yt. XIII 21 die alte satz- 
doublctte wählt, welche wir als indog. es- und es- für den 
schwachen perfectstamm voraussetzen. Aber mit Bezzen- 
berger Götting. gel. anz. 25. juui 1879 s. 821 anm. sanskr. 
ad-änä-s partic. med. dem avest. anh-ush-äm-ca als gleich- 
artig an die seite zu reihen, also jenes nicht als praesens- 
particip des »u'-verbums dd-mi zu betrachten, liegt gar kein 
zwingender grund vor. 

Diese unsere theorie, dass wir indog. e je nach dem 
grade der tiefstufe sich in indog. e und e spalten lassen, wie 
analog die /, n sich in *, ü und T, ü differenzierten, hat 
weitere stützen an einsilbigen enklitiken, welche schon grund- 
sprachhch den dualismus von ^T und e gezeigt haben müssen. 

So repraesentieren sanskr. mä avest. mä lat. me 'mich' 
und sanskr. tva avest. tliivä lat. te 'dich', lat. se 'sich' die 



- 127 — 

nebentonig- tiofstufige form; aber g-riech. f^ie got. mi-k, grioch, 
oe ahd. di-li, grieeh. 's got. si-k die tonlos-tiefstufige. Weder 
indog. w(~ noch me wurde haupttonig gebraucht. Für diesen 
letzteren gebrauch, „emphatiquement," verfügte schon die 
grundsprache vielmehr über die in sanskr. mäm avest. mäm 
apers. 7nam abulg. mr, sanskr. tväm avest. thwäm apors. 
thuväm abulg. te, abulg. Sf^ vorliegenden im auslaut nasalierten 
formen indog. mem. tiiem, stiem, sei es nun dass man 
diese mit Baunack mem. de la soc. de linguist. V 7 und 
Thurueysen Kuhns zeitschr. XXVII 175 als erweiterungen 
durch die partikel sanskr. -am oder als analogiebildungen 
nach dem acc. sing, der nomina und der geschlechtigen 
pronomina ansehen will. Vielleicht ist das enklitische alte 
me im griechischen neben /ns vorhanden. Gust. Meyer be- 
merkt gricch. gramm. § 472 s. 365, mit recht die ansieht 
verwerfend, dass das augment f- mitunter auch als grieeh. 
«- angetroffen weide: „das f-ianosas der alten bustrophedon- 
inschrift eines bei Olympia gefundenen helmes C. J. 31 kann 
(.i'ünörjot und f.ia nörjos sein und in jedem falle wird « einen 
im elischen aus s entstandenen laut repraesentieren (vergl. 
§ 21 f.)." Da ä aus s als elische laut Wandlung unerhört ist, 
sehr bekannt aber ä aus t] in el. /<« 'nicht', narao, Fg^(TQCc, 
ßuoiXäfg^ ffai'i'ävaij dnoaraXäiicv u. a. , so möchte ich vor- 
schlagen, dass in /<« nnrjos jener helminschrift ein el. /<« 
'mich' = lat. me sanski. avest. mä anerkannt werde. Wenn 
Joh. Schmidt Jen. literaturz. 1874 art. 73 s. 77, was Schweizer- 
Sidler philol. wochenschr. 13. jau. 1883 s. 35 billigt, um 
altlat. med. ted^ sed als aecusative zu deuten, zu der enklitischen 
Partikel sanskr. kl avest. it seine Zuflucht nimmt, so bezweifle 
ich, dass ans einem *me id etwas anderes im lateinischen als 
*nieid *mTd hätte hervorgehen können. Die Übertragung der 
ablativformen med, ted, sed in den accusativ, obgleich so viel- 
fach perhorresciert, bleibt doch die einzig ratsame annähme. 
Sie verliert ihr bedenkliches, wenn man den altlateiuischen 
abfall des ablativischen -d sowie des ursprünglich auslautenden 
-d überhaupt im richtigen lichte ansieht. Dieser abfall ist 
nicht radical unter allen umständen eingetreten; haben doch 
die neutra der pronomina kl, qukl, qtwd, istnd, ilhul, aliud 



- 128 — 

ihr -d immer festgehalten. Es wird eine zeit gegeben haben, 
wo im alten latein die formen mit -d vor folgendem v o c u 1 
gesprochen wurden, während vor c o ns o nan t i s che m an- 
laut des nächsten wertes sich -c/ assimilierte. Darauf eben weisen 
ja scd-itio neben se-cürus^ sc-gregöre, se-Jungere u. s. w.^pröd- 
-est prod-esse neben prö-sum prö-fm hin. In der /cit der 
noch nicht ausgeglichenen satzdoubletten wie med, iM, sed 
und mc, tP, se im ablativ — eben diese zeit war die periode 
des Plautus und der älteren lateinischen inschriften - konnten 
sich med, ted, sed als accusative einbürgern neben den alten 
me, te^ se, weil beim ablativ ein gefühl für die gleichwertig- 
keit der formen mit und ohne -d entstanden war. 

Enklitisches indog. k-e und daraus abgespaltenes k^e 
'und' ergeben sich durch sanskr. ved. cä (z. b. rgv. 1 77, 2), 
avest. (gäthädial.) cä apers. cä auf der einen und sanskr. ca, 
avest. ca. griech. rt, lat. que, got. ni-h (= sanskr. nd ca, lat. 
ne-que) auf der anderen seite. Für ersteres, k-e, allein hätte 
man also sich nach einer erklärung durch einen casus des 
indefinitstammes ä;-o- (Ä;'-e-) umzusehen und fände sie. mit 
Colhtz Bezzenbergers beitr. III 197 anm. 2 von der grund- 
bedeutung 'wie, irgendwie, ebensowie' ausgehend, in dem 
Instrumentalis got. hwe 'womit, um wie viel, um was, etwa', 
aber mit dem sinne 'wie' in den compositen hwe-laiips wie 
gross', hwe-leiks 'wie beschaffen'. 

Auch indog. ve und ve 'oder' stehen als dualisnms für 
die grundsprache fest: jenes durch das cnklitikon vä der 
Inder und der Tränier (avest. apers.), worin sonderbarer weise 
Havet rev. crit. 1882. no. 30. s. 63 ein indog, vo sehen 
will ; dieses durch griech. rje (contrahiert ?}) aus *?)-Ff und 
lat. -ve. Die beschaffenheit des griech. i'j-L noch ein dunkler 
punkt für Delbrück syntakt- forsch. IV 145, wird klar durch 
die bomerkungen Froehdes über die copulativen i]-p'tv, rj-db 
und andere griechische Zeugnisse füi- die indogermanische 
Partikel e = sankr. a, Bezzenbergers beitr. VII 327 ff. Auch 
das 7}- des disjunctiven //-(Fjs, das erweislich ja duichaus 
nicht vorn im aulaut ein digamma oder die spuren des- 
selben zeigt, „entspricht dem altindischen anreihenden ä 'dazu, 
ferner, und auch', welclies auch steigernd und hervorhebend 



— 129 — 

gebraucht wird im sinne von 'zumal, ganz, gar" und welches 
richtig von Froehde auch in dorn griech. ^ ßeßumirr/.öv gewiss, 
traun, freilich' wiedererkannt wird. Ein sanskr. ä vä könnte 
es, dünkt mich, doch wol geben, wie ja die mit griech. •^-(7^)t 
gleichartigen Verbindungen nachved. atha rä (jithava) oder 
auch, oder', vod. nachved. idä vä oder auch, und auch, und 
in dieser spräche ganz geläufig sind (Böhtlingk-Roth Petersb. 
wörterb. 1 117 f. 880, (Jrassmann wörterb. z. rgv. 249). *) 
Vielleicht sind spuren eines sanskr. vä = griech. -Fi lat. 
-ve das. was Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. YI 605 unter 
„2. va indecl. = iva"" beibringen. Yiele rgvedastellen. wo 
va für Iva zu lesen ist, verzeichnet (i rassmann wörterb. z. rgv. 
221. Anders darüber jedoch Roth Kuhns zeitschr. XXYI 51 f. 
Dass auch i-va selbst und e-vä („oder metrisch gedehnt eya") 
nur partikelverbindungen mit sanskr. va = vä^ also wie 
griech ?;-(F)i-' beschaffen seien, muss gleichfalls erwogen werden. 
Durch solcherlei erscheinungen mag es gereciitfertigt 
sein, wenn wir indog. cf/- und i's- und daneben ed-^ es- 
als formen des schwachen perfectsrammes der wurzeln ed- 
und es- anerkennen zu dürfen glauben. Nicht in gleicher 



1) Bei anerkennung von griech. ^- = sanskr. avest. ä- auch als 
verbalpraefix löst sich vielleicht am besten die Schwierigkeit der aug- 
raentierung von tißovXöutjv, tjSuvä/urjr, ^9-fß.ov, 7;,«f-?^or, die doch wol auch 
Gust. Meyer griech. grarara. § 473 s. 366 noch nicht richtig erklärt 
hat. Diese imperfecta sind eigentlich zu praesention *>]-ßovZotjai 
*)j-(1iira^uai, *}j-9^ho, '^^-uf'Xho gehörig. Griech. ,J-d^f/i- kann = sanskr. 
ct-dliar- sein, dessen simplex ciliar- auch für 'sich anschicken, unter- 
nehmen, beginnen, bereit sein zu, fest entschlossen sein zu' gebraucht 
wird nach Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. III 8V.3. Mit *7]-ßov).ouui 
=^ ßovXouaL confrontiere man hinsichtlich der bedeutung, dass im 
Sanskrit ä-var- 'erwählen, er wünschen' wie das einfache rar- ausdrückt 
(Böhtlingk-Roth a. a. o. VI 708, Grassmann wörterb. z. rgv. 1323). 
Weil nun )]-ßov).öii>^r an das augmentierte imperfect f-ßovXöutjv des 
verbum simplex nahe anklang, so dass es gleichsam nur eine abart 
dieses zu sein schien, konnte jenes in der folge auch zu ßovXouai be- 
zogen werden und so sich halten, während *r^-ßov/i.quai ausstarb. Aus 
i]-9fXov aber hat man später e-d^f-'Xw als ein neues praesens und neben- 
form des alten S-f'/.io, nachdem das componierte *>]-i)-fXto verschwunden 
war, folgern können, weil ja auch ijnd-iov imperf. neben la^tu praes. 
bestand. 

Ost hoff, zur geschichte d. perfecta i. indogermanischen, 9 



— 130 — 

läge befindet sich mit diesen beiden wurzeln im entsprechenden 
falle die wurzel ei - 'gehen'. Bei ihr bedingt ja der Sonorlaut 
-i" als wurzelscbluss , anstatt der geräuschlaute -d- und -s- 
bei jenen, besondere Verhältnisse der tiefstufengestaltung. 

Parallel dem urindogermanischen noch uncontrahierten 
*e-('d-mem der periode I., die wir s. 125 ansetzten, be- 
standen gleichzeitig bei ei- 'gehen *i-'i-niew^ 3. plur, 
*i-'ii-nt. Denn in unmittelbarer gleichzeitigkeit mit dem 
lautmechanischen acte der assimilation, durch welchen zur 
bildung der stärkeren und älteren form der tiefstufe aus ur- 
anfänglichem ei in nicht hauptoniger silbe ii, anteconsonan- 
tisch t wurde (morphol. unters. lY 281 ff. 353 ff. vorw. s. V), 
wird wol auch das e- der reduplicationssilbe sich sofort an 
das ihm jetzt nachfolgende -ii-, -l- assimiliert haben. In der 
periode II. contrahierten sich dann, wie frühere dreisilbige 
*e-ed-inem^ *e-ed-nt zu zweisilbigen ed-mem. ed-nt, 
so auch *i-'i -mein, *i-'ii-ijt zu i-mem, li-nt. Darauf 
beruhen denn die sanskritischen formen ty-athur^ ly-ätur, 
ty-ür , partic. act. iy-i-vänis- , ty-üsli- ; darauf avest. ty-en 
ya. XLI 35, wenn dies Bartholomae altiran. verb. 42. 84 
richtig aus handschriftlicher Verderbnis herstellt und als 
3. plur. act. des conjunctivs perf. erklärt. Lit. ej-^s, ej-usi 
partic. aber müssen füglich als n<'ubildungen nach dem 
vocalismus des verbum finitum ej-m erklärt werden. 

Dass sich durch das wirken des letzten tiefstufen- 
gesetzes, desjenigen der tonlosen tiefstufe, in unserer periode 
III. aus indog. i-mem 1. plur., 7i-jt 3. plur. perf. act. 
noch %-meni, ti-nt abzweigen mussten, so dass mithin im 
sanskrit als historische formen auch Hy-äthur ^ ty-ur auf- 
treten könnten, haben wir selbstverständlich auch anzunehmen. 
Bestätigt wird das vielleicht zunächst dadurcli, dass eben 
sanskr. %y-ur mehr als blosse heischeform zu sein scheint : 
das indische epos kennt sie in anv-iyuh mahäbhär. I 5738 
(vergl. Böhthngk-Eoth Petersb. wörterb. I 573), wobei frei- 
lich zu bemerken ist, dass die lesart schwankt und gegen- 
über dem anviyiüi cokakarsliitäh der Calcuttaer ausgäbe die 
Bombayer an derselben stelle mahäbhär. I 145, 5 anvhjiih 
cokukarritdh liest und zu letzterem, nach professor Ad. Holtz- 



— 131 — 

manns freundlicher mitteilung-, des Nilakantha anviijuh anu- 
jagmuh stimmt. Auch Beufey vollständ. gramm. d. sauskrit- 
spr. 378 aum. 7 gibt tyur als episch an, jedoch ohne citat. 
Im mahubhiirata aber findet sich anderwärts, wie ich eben- 
falls durch Holtzmaun erfahre, auch nur das gewöhnliche 
ttjiir. Auf die möglichkeit der nebenform tijur fülirt indes 
wol auch der dualismus von sanskr. 7c-e, ish-te und den 
avestischen in die ö-conjugatiou von der 1. sing. *ts-e aus 
übergeführten formen desselben „praeteritopraesens" avest. 
ts-a-ite, ts-d-maide, ts-e-nti (vergl. auch im sanskrit jüngeres 
„thematisch"-praesentisches tg-a-te als entwickelung auf der 
basis der 1. sing. med. %Q-e^ die man wie hlidr-e auffasste). 
Denn war sanskr. tc-e^ tsh-te, wie ich morphol. unters. IV 
205 f. angenommen, von hause aus ein perfectum, so muss 
es natürlich auch ein redupliciertes gewesen sein, wie ja an- 
erkanntermassen alle perfecta des indogermanischen ursprüng- 
lich reduplicierter bildung gewesen sind. Bei dem medial- 
participium ved.- sanskr. ic-und-s = avest. ts-änd erklärt sich 
die paarung von 7 und t einfacher, d. i. ohne dass redupli- 
cationsverhältnisse ins spiel kommen, wenn ich morphol. 
unters. lY vorw. s. IX f. Paul-Braunes beitr. VIII 30G mit 
recht alte reduplicationslosigkeit der nominalen -o;/o-bil- 
dungen behauptet habe. 

In den sanskr. hj-athür, ty-dtur^ ty-iir, partic. act. hj- 
-i-väms-, ty-üsh- lag für die altindische spräche die quelle 
der neubildung des sing, act., so dass daselbst die alten erb- 
formen *äy-a (^ lit. ej-aii), *m-tha, *äij-a nicht mehr vor- 
gefunden werden. Jene ry-dtur, ly-iir nemlich mit ij-atur^ 
1j-e, y-ire^ den schwachstämmigen bildungen zu i-ydj-a sing, 
perf. act. von yaj- 'verehren, opfern' (vergl. oben s. 47) auf 
ein niveau zu rücken, war eine dem Sprachgefühl kaum ver- 
meidliche formale association. Also bildeten sich im sinsr. 
act. ved. nachved. iydy-a wde iydj-a und nachved. iyay-itha 
2. sing wie nachved. iyaj-itha. Ferner das neu erworbene 
iydy-a hinwiederum der parallelisierung mit cihäy-a (cicdy-a), 
jigäy-a^ jiglidy-a^ ninäy-a, bibhäy-a, mimdy-a u. dergl. unter- 
werfend, gelangte man zu ved. iye-tha als 2. sing. perf. act., 
wie cice-tha, jlge-tha u. s. f. Dass es auch zu der neu- 

9* 



— 132 — 

Schöpfung eines *iydy-a als 1. sing. act. des vedischen sprach- 
idioms gekommen sei, ist an sich durchaus wahrscheinlich, 
aber doch nicht etwa wegen der nachvedischen 2. sing. 
iyay-itha anzunehmen geboten. Denn nachträglich zu s. 96 
muss hier auch anerkannt werden, dass auch sanskr. lu-lav- 
-itha zu lu-läv-a unmittelbar und ohne dazwischenkunft eines 
erschlossenen ved. *lu-läv-a 1. sing, hinzu gebildet werden 
mochte, nachdem nemlich zuvor nachvedisch formen wie 
i-yaj-ithü^ da-dar-itlia sich aus den früheren ohne -i-, i-yasli- 
-fha, *da-där-tha, entwickelt hatten; i-yaj-itha und ähnliche 
wol, um den bei directer anfügung von -tha verdunkelten 
ordinären wurzelauslaur wieder hervortreten zu lassen. Nach 
da-dar-ithu zu da-dur-a^ i-yaj-itha zu i-yäj-a kamen also auch 
ni-nay-itha zu ni-näy-a und iyay-itha zu iyäy-a auf, diese 
folglich ohne ihrerseits an die älteren vorformen ni-ne-tha, 
iye-tha anzuknüpfen. Entschiedener aber dürfte das einmalig 
belegte ved. iya-tha rgv. VIII 1, 7, die dritte nachweisbare 
form für dieselbe 2 sing. perf. act. von i- 'gehen', zu gunsten 
jenes vermuteten ved. 'Hyäy-a der 1. sing sprechen. Denn 
ich wüsste nicht, wie man dieses verwunderliche «'«/a-^/i« anders 
auifassen könnte denn als eine frucht der wurzelvocalischen 
ausgleichung zwischen *iydy-a als 1, sing, und jener verhält- 
nismässig ältesten 2. sing. ved. iye-tha. Indem letzteres 
solche beeinflussung von *iyäy-a erlitt, ward dieses selbst 
offenbar als *i-yd-ya aufgefasst; wie denn ja eine ähnliche 
auffassung auch durch die Schöpfung des i-ydy-a 3. sing, 
nach i-yäj-a indiciert war. Die paarung alsdann von H-yd-ya 
und i-ya-tha schien kaum eine wesentlich andere zu sein, 
als vom Standpunkte des Sprachgefühles diejenige von ba- 
-bhü-va 1. sing, und ved. ha-hhü-tha 2. sing. perf. 

Aelmlich, wie auf grund der bildungen ly-dtur, ty-ür, 
hj-i-väms- ti/-üsh- vom schwachen perfectstamme sich der 
sing. perf. act. von ei- 'gehen' im sanskrit geneuert hat, 
ist überhaupt in dieser spräche das geschick der perfect- 
formation von solchen wurzeln ausgefallen, die mit ei-, eu- 
oder «i-, all- im indogermanischen anlauteten, von den- 
jenigen wurzeln, welche die weiland gunatheorie als mit i- 
u- (^-, Ü-] anlautende, wie i- 'gehen', ansah. Auf erbtum 



— 133 — 

wie jene hj-ätur, /!/-i<>' beruhen nemlich auch diese alt- 
inJischoü pcrfectformen : vod. hh-ire von ish- 'in rasche be- 
weg-ung- setzen, schnellen, schleudern'; ved. Wh-e, tdh-ire ron 
iclh- entzünden, entflammen' ; ved. hh-äthur, Uh-ür, Uh-e^ tsh- 
-äte von ish- 'suchen, begehren, heischen'; ved. üc-ishe^ vc-e, 
partic. act. {ic-nsh-e von uc- 'gefallen finden an, gern tun, 
gewohnt sein' (neutr. ök-as 'behagen, gefallen, ort des be- 
hagens'); ved. iVi-e von üh- beachten, merken auf, warten 
auf (praes. 6h-a-te). Ton sanskr. ush- urere. brennen' sind 
die schwachen pcrfectformen nicht bcdegt, doch als üsh-iinä^ 
üsh-iir unbedenklicli vorauszusetzen. Es ergibt sich uns 
also, dass auch uranfängliche *e-eis-' ('?), *e-euk--' (?), 
*e-euffJi^-' (vergl. griech. ft'/-f-r«< praes. = sanskr. öh-a-te 
nach Pott Wurzel -wörterb. III 777 ff.), *e-ens-' (vergl. 
griech. (-v-fo praes.), sowie *e-aidh-' (vergl. griech. cu&-(o 
praes.), *e-ais-' (vergl. sabell. ais-os pacris dis pacificandis' 
und weiter lit. j-eszkoti mit /-verschlag als zeugnis für iudog. 
als- 'heischen' nach Mahlow d. lang. voc. A E 9) bei da- 
hinter fallendem haupttone auf den personalendungen zu 
*i-'is-\ *u-Hk'^-', *u-ü(jh^-, *u-us-'y zu* i-idh-'. *l-']s-' 
durch das wirken des gesetzes der nebentonigen tiefstufe ge- 
worden waren. Der starkwurzelige sing. act. sollte hier 
sanskr. *aish-a, *aHsh-a^ *aük-a (3. sing. *«?«•-«), *aidh-a 
lauten. Dafür erscheint historisch die von Whitney ind. 
gramm. § 783b. s. 273 beschriebene perfectbildung: in späterer 
nachvedischer spräche iij-esh-a von isli- 'heischeu', nc-osh-a 
von ush- 'urere'; indes uv-öc-a, uv-öc-ifha von nc- 'gefallen 
finden' schon vedisch. Deren reduplicatiou /y-, nv- bewirkte 
wiederum nur, wie entsprechend bei iy-äij-a^ die analogie von 
i-yäj-a und u-väc-ßy u-väd-a^ u-väp-a, u-viig-a^ u-väs-a^ 
u-väh-a, weil die schwachen perfectstämme tsh-, ush-, uc- 
dort mit ?/-, {ic-, ud-, üp-, nc-, ush-, üh-, den schwachen 
perfectthemen der wurzeln yaj- und vac-, vad-, vap-, vag-, 
5. vas-, vah-, für das Sprachgefühl gleichartig waren. Aber 
nur in diesem einen belang, hinsichtlich der reduplicatiou, 
sind iy-esh-a, uv-osh-a, ved. uv-6c-a analogiebildungen solcher 
art : ihre wurzelvocalisation verdanken sie vielmehr der ein- 
wirkung der anderen, nicht perfectischeu formen aus den- 



— 134 — 

selben Avurzeln, indem z. b. zu esh-ishya-ti fiit., ösh-a-ti praes., 
üc-ya-ti praes. - nacli massgabo der formenverhältnisso wie 
ved- isJbi/a-ti : vi-ved-a, bödh-a-ti röh-a-tl : hti-hodh-a ru-roh-a, 
hiip-ya-ti yiidh-ya-ti : cu-kop-a yu-yödh-a — nicht wol andere 
perfecta sing, als solche mit innerem e, o bestehen konnten. 
Aehulich sind die sanskr. iy-esh-a, uv-osli-a., nv-öc-a auf 
grund zweier gleichzeitig wirkender factoren der associations- 
bildung zu stände gekommen, wie das „sonderbare gemächt" 
nhd. ivurde mit seinem «. vom plural inirden und dem -e 
vom schwachen praeteritum, nach Brugmann Kuhns zeitschr. 
XXIV 79 anm., oder wie man bei der bildung der grie- 
chischen Imperativform öurv „zwei musterformen zugleich be- 
rücksichtigte," nemlich so wol die imperative uyt, ffi'gf der 
''-conjugation als auch die 2. sing, indic. des gleichen mi- 
systemes Öuvvq^ nach verf. morphol. unters. II 137 f. zeitschr. 
f. d. Österreich, gymn. 1880 s. 63. 

Wenn die beeinflussung seitens der formen des gleichen 
Wurzelsystems unterblieb, konnten sich auch directer nach 
den Vorbildern i-yivj-a , u-väc-a , u-väd-a u. s. w. '^iyas-a^ 
*uvds-a^ *uväc-a statt iy-esh-a, uv-osli-a^ iw-öc-a bilden. Dies 
ist meines erachtens geschehen bei der wurzel indog. aus- 
aufleuchten, hell werden'. Denn selbstverständlich hat doch 
wol der name der morgenröte selbst und was dazu zunächst 
gehört, lesb. av-<oq^ lat. aur-öra^ anord. aus-tr m. osten', 
anord. aus-tr ags. eas-t alts. ahd. ös-tar adv. ostwärts, im 
Osten', altn. aus-tan ags. eas-ten alts. ahd. os-tana adv. 'von 
osten', ags. Eas-tre ahd. Os-tara f. nom. propr. der frühlings- 
lichtgöttin, anord. Äns-trl m. name eines zwergs die ost- 
gegend der erde bezeichnend, mehr gewicht zur bestimmung 
der mittelstufenform der wurzel als das perf. sing, ved- 
uväs-a 'illuxit', wenn dieses, wie wir annehmen dürfen, zu 
den plural formen ved. üsh-d 2. plur., ush-ür 3. plur. hinzu 
entsprungen sein kann nach der analogie von u-väs-a hat 
verweilt' (== got. ivas) neben ved. ush-atur 3. dual., üsh-i- 
-väms- fish-ush-äm partic. perf. act., sowie nach u-väc-a hat 
gesprochen' neben uc-imd , nc-ür ^ ne-e , üc-ishe, uc-i-vänis-, 
nach u-väd-a neben nd-imd u. s. f. In dem inchoativpraesens 
ved. ucchd-ti avest. {vi-)usa-iti ist nicht die tiefstufe von vas-, 



— 135 -- 

sondern von indog. ans- = sanskr. *osh- enthalten, wie 
desgleichen in der indo-iranischen naraensforni der Aurora, 
sanskr. ush-äs avest. ush-äo (verf. morphol. unters. IV 332j. 
Wie in lit. aüsz-ta praes. 'es tagt', ausz-rä f. niorgenröte' 
der reflex des altindischen inchoativums ucchd-tl sich birgt, 
zeigt unser excurs III. Die weiteren formen von der basis 
i^as- 'leuchten', wie im veda a-vas-ran aor., vds-tii- f. 'das 
hellwerden, tagen, der morgen, vds-tav-e zu leuchten' dat. 
iufin., vas-tdr- 'erheller', väs-ard-s adj. 'früh erscheinend, 
morgendlich', sind nur weitere folgerungen des mit u-väs-a 
perf. getanen ersten Schrittes der spräche gewesen. An sich ist 
die aus diesem u-väs-a entnommene wurzel vas- 'leuchten' 
von nicht minder hypothetischem werte als eine etwa aus 
lyäy-a abstrahierte wurzel yay- gehen'. i) 

Wenn unter den verschiedenen neubildungen nach 
l-ydj-a, n-cäc-a und genossen uväs-a 'illuxit' das eine, ly- 

1) Eine wurzel vas- 'leuchten' verschwindet also aus dem grund- 
sprachlicheii wurzelschatze. Der frühling, sanskr. vas-antd-s, griech. 
f'-aq aus ^fia-aq, abulg. ves-na, lit. vas-arä f. 'sommer', war den Indo- 
gerraanen nicht, wie vielfach angenommen, 'die licht bringende Jahres- 
zeit', sondern 'der bekleidende' (A. Weber ind. skizzen 9). Von den 
noch übrig bleibenden sanskritwurzeln vas- hatten 3. t'«s- 'kleiden' und 
5. ras- 'wohnen, verweilen' ihre specifische differenz in dem anlautenden 
consonanten, nach der verschiedenen reduplicationsweise der perfecta 
ra-vas-e med. und u-cäs-a zu schliessen fvergl. Brugmann morphol. 
unters. I 4 aum. 2, Gust. Meyer griech. gramm. § 242 s. 214, oben s. 47 f. 
134). Wir finden also indog nes- in griech. fo-TCH {"^Eo-tlü), lat. Ves-ta, 
got. wis-an; andererseits indog. ces- in griech. sv-vu-jui, el-jua^ i'a-9-o;, 
fa-&)j?, lat. ves-ti-s, ves'-ti-ö. Damit hängt es weiter auch zusammen, 
dass im altindischen von vus- 'verweilen' tiefstufenformen mit «ö7t-, wie 
Hsh-ya-te pass., ash-ita-s partic, iish-itva tish-tvä gerund., ganz ge- 
läutig, bei cas- 'kleiden' aber ebenso spärlich vertreten sind. Die 
wenigen bei letzterer wurzel vorkommenden »s/;-formen, ved. ush- 
-d-m(h.M-s partic med. rgv. IV 22, 2 und ved. iish-diid-s partic. med. 
'sich kleidend' rgv. IV 16, 14 statt des überaus häufigen ved. vds-dna-s 
(vergl. Grassmann wörterb. z. rgv. 1232) sind notwendig als neu- 
schöpfungen durch analogie zu erklären, welche der zusammenfall von 
indog. H und v in sanskr. r ermöglichte; denn von indog. ves- mit 
r Spirans konnte lautgesetzlich keine tiefstufengestalt us- entstehen. 
Das griechische zusammenfallen des indog. u consonans und v Spirans 
In F behauptete ich schon philol. rundschau 1881 sp. 1591 gegen Gust. 
Meyer. 



— 136 — 

-esh-üj uv-osh-a, ved. uv-öca aber das andere extrem c'\n- 
nehmen, so steht \iusei" li/di/-a, von dem wir ausgingen, in 
der glücklichen mitte zwischen beiden gruppen: obwol ganz 
wie uväs-a entsprungen, verlor jenes doch nicht den 
morphologischen anschluss au das system der ausserperfec- 
tischen verbalformen gleicher wurzel. Erst die nachgeborne 
2. sing. ved. iy-e-tha stellt sich entschieden zu der kategorie 
der ly-esh-a^ uv-osh-a^ nv-6c-CL 

Was übrigens den Ursprung der schwachen perfect- 
stämme wie sanskr. ij- von yaj- und äc- von eac- selbst an- 
betrifft, so möchte ich jetzt meine morphol. unters. IV vorw. 
s. XI f. ausgesprochene ansieht bestimmter dahin formulieren 
oder modificieren, dass ich uunmehr auch die urindog. *ii- 
-llg^-m«'ni, ^uu-uuk- -me )ii, diese durch das erste tief- 
stufengesetz entstandenen gebilde der 1. plur. perf. act., so- 
fort, nemlich vor dem wirken des zweiten gesetzes der ton- 
losen tiefstufe, zu 'ig^-mem, äk'--meni, contrahiert sein 
lasse. Mithin könnten auch hier die jüngereren satzzwillings- 
formen mit 1, ü a priori wol erwartet wurden. Aber dass wir 
nirgends solchen perfectformen mit i, m, keinem sanskr. Hj-ür, 
*uc-imd, sowie ja auch nur ganz ausnahmsweise noch einem bslü- 
skv. Ty -ur statt '/y-ür (vergl. s. 130 f.) von /- gehen, keinem ^Wi-e 
statt idh-c von iilJi- entzünden'^ *üc-ishe statt üc-ishe von in- ge- 
fallen finden' begeguen, ist wol dadurch zu erklären, dass solche 
formen dem Sprachgefühl als r ed upli eierte zu gelten nach- 
gerade unfähig waren, darum aus dem perfectsysteme zu 
gunsten ihrer lautvolleren zwillingsformen ausgemerzt wurden. 
Hingegen avest. *Ts-e ^= sanskr. i<^-e blieb aufrecht, weil ja 
das praeterito p r a e s e n s als solches frühzeitig der perfec- 
tischen auffassung überhaupt entrückt ward. 

Avest. vaoc-ätare^ vaokh-emä, vaok-ush-e als formen des 
schwachen perfectstammes von vac- 'sprechen' (Bartholomae 
altiran, verb. § 123 s. 88) nötigen mich noch zu der be- 
merkung, dass ich in ihnen nur jüngere reduplicationsbil- 
dungeu gegenüber sanskr. uc-hnä, uc-iir sehen kann. Auch 
der sing. act. avest. va-vac-a ist, wie das einmalige ved. 
va-väc-a rgv. I 67, 8, eine neubildung von der schon 
morphol. unters. IV vorw. s. XI bezeichneten art. Da wahr- 



— 137 — 

scheinlioh auch dem altiranisclien wie dem altindischon (vergl. 
s. 185 anm.) indog. n und v zusammengefallen waren, so 
können jene avest. vaov-ätare , vaokli-enid, vuoJi-ush-e specieller 
als analogieschöpfungen nach dem typus der perfeetformen 
caon-are^ caon-yä-t , vaon-nsh-äm aus würz, van- siegen' 
(Bartholomae a. a. o.) aufgefasst werden. Denn dieses mn- 
war indog. ven- 'gewinnen mit v spirans; die reduplications- 
weise von sanskr. ved. m-vdn-a, va-vdn-tha, va-vn-e zeugt 
dafür. Vergl. Gust. Meyer griecli. gramm. § 242 s. 214, 
oben s. 135 anm. Dass allgemeiner im zend die mit altem 
V- anlautenden wurzeln den mit indog. u- beginnenden die 
richtschnur abgaben, beweist aucli die entartung des avest. 
va-caz-aneiti partic. perf. med. yt. X 124 aus vaz- vehere' 
= indog. ue(/h^-; nicht nur sanskr. ved. x-i-ali-a^ uh-dthur, 
dk-urj fih-e, i)h-ire als reduplicierte perfectbildungen, ferner 
sanskr. ved, uh-yd-U pass., uJt-t-tä opr. aor. med., üh-una-s 
partic. aor. med., ildhd-s partic. pass., üh-a-tl aoristpraes. 
(verf. morphol. unters. IV 9. 282. Paul-Braunes beitr. VIII 
289. 300 f.), sondern auch im avesta selbst uz-ya-mana- partic. 
praes. pass. yt. XVII 13 = sanskr. ved. uh-yä-mdna- treten 
für solches indog. iieyh^-, nicht vegli^-, ein. 

Ich denke durch alle diese erörterungen genugsam ge- 
zeigt zu haben, wie indog. li- in sanskr. ty-dtur^ ly-ür als 
reduplicierte schwache perfectstammform von ei- 'ire voll- 
auf gerechtfertigt ist, wie es sich in einen grösseren kreis 
ebenso beschaffener alter perfectstammbilduugen von anderen 
mit ei-, eu- oder ai-, ati- anlautenden wurzeln stellt und 
mithin die den ed-, es- als schwachen perfectstämmen von 
ed- 'edere', es- 'esse' regelrecht parallele formation genannt 
werden kann. Eben in diesem betracht habe ich auch davon 
abstand genommen, eine andere an sich auch denkbare er- 
klärung des singular-perfectischeu sauskr. iyäy-a in verschlag 
zu bringen. Wie nemlich griech. *sd-t]d-a (belegt nur im 
particip khjdcog idrjdvTa) unzweifelhaft so entsprungen ist, 
dass sich vor altes *'>jd-a = sanskr. dd-a got. {fr-'tet lit. 
ed-au behufs erneuerung der reduplication das £()- von fd-io 
praes., sö-o-i-iai fut., sä-fismi infin. vorfügte, so wäre an und 
für sich auch altiud. iy-dya an das einstige *äy-a derartig 



— 13S — 

anzuknüpfen gewesen, class man in den sankritformen des 
praesonsstammes wie iij-anti 3. plur, indic. (= griech. ;'(/')- 
-dai). iy-antii 3. plur. impor,, iij-ant- partic. die lieferanten 
des von neuem roduplicierenden iy- gesehen hätte. Ich hätte 
nomlich. beiläufig gesagt, diese sanskritischen praesensbil- 
dungen mit nebentonig-tiefstufiger wurzel, die so correet zu 
griech. 'i{l)-clr)t sich gesellen, morphol. unters. IV 363 nicht 
als blosse heisch eformen hinstellen und ebend. s. 52 f. neben 
dem poteutial sanskr. t-yä-m, t-yä-t auch die existenz der 
indicativischen 3. dual, praes. i-tas = t-tds berücksichtigen 
sollen. Das sanskrit hatte noch durchaus nicht den alten 
dualismus der tiefstufenbildungen mit /-, iy- = t-^ y- völlig 
zu gunsten der schwächsten formen ausgeglichen; denn 
Böhtlingk-Rotli Petersb. wörterb. I 753 verzeichnen ja eine 

praesensflexion „III) e-ti^ t-tas, iy-anti"' = „I) e-tl , 

i-tds, i-mmi (ved.), i-thd, y-änti^, und rgv. YIII 60, 10 ist 
y-antii des metrums wegen dreisilbig als iy-antu zu lesen. 
— Bei der wähl dieses zweiten Standpunktes, um iy-äy-a 
zu erklären, hätte man sich dann, umgekehrt zu den schwach- 
wurzeligen ty-ätur. ty-iir so hinfinden können, dass man diese 
letzteren als eine Wirkung der association von i-yäy-a mit 
i-yäj-a aufgefasst hätte. 

Die Verteidiger der hypothese, dass aus urindog. * e-ed- 
-nleul sich so ein e-d-mem habe entwickeln müssen, wie 
aus *pe-2)et- m e m letztgiltiges indog. pe-pt- in e m (= sanskr. 
ved. pa-pt'ima), H. Möller nemlich und Joh. Schmidt, sollten 
sie nirgends Stützpunkte dieser ihrer ansieht finden ? Ich 
glaube, wir haben nach dieser seite hin die eine concession 
zu machen: es kam ohne vorhergegangene vocalcontraction 
(synaloephe) zur ausbildung der schwächsten tiefstufenform 
einer wurzel- oder bildungssilbe nur in dem einen falle, wenn 
dieselbe silbe vocalisch auslautend vor vocalisch (sonantisch) 
anlautender und dazu haupttoniger folgesilbe stand. 
So nemlich erkläre ich mir die existenz von formen des 
sanskrit und iranischen wie: sanskr. ta-sth-e 1. sing. perf. 
med., da-dh-e und da-d-e = avest. daidh-e (daneben dade 
in ausgleichung mit anderen die epenthese lautgesetzlich nicht 
entwickelnden formen aus avest. dadh- dad-) 1. siug. perf. 



- 139 — 

und praes. med. der wurzoln sthd-, dhd-, da-; sanskr. ta- 
-sfh-d ta-sfh-ur, (hi-dli-u dd-dh-nr, da-d-d da-d-dr 2. 3. plur. 
perf. act. derselben wurzoln ; kn-i,i-dnti o. plur, praes. act. 
der - « t1 - praesensclasse ; sanskr. soma-p-ds abl.-gen. sing., 
soma-p-e dat. sing., soma-p-6sh gen.-loc. dual, von soma-pä- 
adj. 'sonia trinkend". Es dünkt mich nemlich auch laut- 
physiologisch sehr leicht begreiflich zu sein, dass ein urindog. 
*de-dv-di noch offen blieb, während gleichzeitig *e-ed- 
-metn sich in ed-mem zusammenzog und aus *e-aif//t-ai 
sich, wie wir gesehen, * i-'idh-di Jdh-dl == sanskr. ved. 
tdh-e entfaltete. Denn dort bei *de-d'o-dl befand sich 
das tongewicht der letzten beiden silben in einem viel weiteren 
abstände von einander, was eben der vocalcontraction sich 
länger hinderlich zeigen konnte , die in *('- ed- /h e m die 
zwei beiderseits nicht haupttonigen vocale ohne weiteres er- 
griff. Aus ^dt'-dh-ni ward alsdann, indem die mittelsilbe 
dem gesetze der tonlosen tiefstufe unterlag, regebecht de- 
-d'-di = sanskr. da-d-e, a.\'est. daidh-e ; iius*k- rt-nh-nti 
k-ri- n' - n ti =^ sanskr. krt-n-dnti. 

Eine consequenz davon ist die, dass wir nun auch an- 
zuerkennen haben: im sing. perf. act. der wurzeln ed-^ es- 
und el- gingen neben indog. ed-a (= sanskr. dd-a griech. 
*^J-« got. {fr-)et lit. ed-aii), öd-tha, od-e und es-a (== 
sanskr. ds-a si\est. donh-a griech. ^-a), os-tha, os-e sowie 
ei-a (= lit. ej-aü), oi-tJia^ öl-e als die entsprechenden 
satzzwillingsformen mit tonlos-tiefstufiger reduplicationssilbe 
indog. ed-a^ Öd-tha, of/-e, indog. es-a, Ös-tha, od-e, 
indog. ei-a, oi-tha, oi-e her. Zur erklärung freilich des 
got. at perf. sing, von it-a)i ist man dieser theoiie nicht be- 
nötigt, es deutet sich ja w^ol viel einfacher nach Jessen 
tidskr. for philol. I 205 f., Möller Kölbings engl. stud. III 
154, Brugmann morphol. unters. IV 411 als germanische 
neuschöpfung für et nach sat von sit-an. Ingleichen besagt 
\\t.jek-aH ich erblindete' aus einer wurzel eÄ:--, hochstutig ok"- 
in lit. äk-la-s adj. 'blind', nicht viel zu gunsten eines indog. 
ek'^-a perf.: es könnte nach lit. tenk-h : tek-aü u. dergl. 
(vergl. s. 70. 74. 96) sich ja jenes praeteritum zu dem praesens 
jenk-ü auch neu entwickelt haben. Aber got. aih-t, aih kann 



— 140 - 

als praeteritopraesens seinen ablaut nirgendwoher in ähn- 
licher weise analogisch bezogen haben und erfordert um so 
mehr eine „organische" erklärung desselben, als ja der plur. 
aig-iim (aih-um) seine wurzelvocalstufo nur von jenem sing, 
act. haben kann. Nun muss got. aih als perfectische bildung 
ebenso gut dereinst redupliciert gewesen sein, wie wir in den 
zu ihm gehörigen medialformen sanskr. /'r-e avest. *is-e die 
reduplication ausfindig zu machen uns bemühen mussten 
(s. 131. 136). Entweder beruhen also got. aih-t^ aih 2. 3. sing, 
auf indog. öik^-tha, öik^-e (sanskr. *esh-tha , *ee-ci); 
diese letzteren waren die reduplicationsverlustigeu und aus 
*e-6ik-tha, *e-6il-^-e so entwickelten formen, wie indog. 
de-d-äi 1. sing, med. perl', aus urindog. * de-dh -di. Oder 
got. aih-U aih sind die abkömmlinge von indog. oik^-tha, 
olk^-e (= sanskr. *aish-tha^ *aic-a)^ indem für sie das 
„kürzungsgesetz" des germanischen (vergl. philol. rundschau 
1881 sp. 1595. oben s. 84 f.) in anwendung zu kommen hätte. 
Indog. öik^-tha. olk'^-e aber kamen neben oik^-tha^ 
Öik^-e so zur ausbildung, wie indog. (/-e- g- öm-tha^ cße- 
-(f-öm-e = sanskr. ja-gän-tha^ ja-gäm-a neben indog. 
{g--)g'-6m-tha , {g--)g-6ni-e = got. qam-t. qam. D. h. 
bei bewahrung der nebentonigkeit der ersten silbe in urindog. 
*e-öik-tha^ *e-6ik^-e gelangten diese später grundsprach- 
lich auch zur vocalcontraction. welche dann dem oben s. 123 f. 
bemerkten gemäss mit praevalenz der qualität des zweiten 
vocales als des haupttontragenden ausfiel. Dass in den got. 
ai-aik^ ai-auk, ai-alp unter allen umständen die reduplication 
auf junger restauiierung nach dem muster von hal-hait, 
*hai-hlaup beruhe, wird wol niemand überhaupt verkennen 
wollen. 

lieber Möllers versuch, gerade got. ct-nm zum ausgangs- 
punkt für die entwickelung aller germanischen schwachen 
perfectformcn des e-typus zu machen, Kölbings engl. stud. 
in 154 f.. eine theorie, die wir schon gleich eingangs dieser 
Schrift als eine unter anderen verfehlte summarisch verwarfen, 
ist hier der geeignetste ort. ein kritisches urteil zu fällen. 

Das H-um selbst kann Möller, da er germ. *et-^ wie 
bemerkt, als urspiünghchen schwachen perfectstamm fordert, 



— 141 — 

nur als eiuo neubilduug nach dem sing. act. pcrf. erklären. 
Ist es aber ohne die kühnsten und historisch aidialtlosesten 
annahmen von Verschiebungen, vor denen allerdings Möller 
nicht zurückscheute, wol denkbar, dass aus einem ursprüng- 
lichen zustande mit got. sat, plur. *sistiim auf der einen und 
got. et, plur *itum auf der andern seite ein deiartiger neuer 
hervorging, bei welchem gerade für den plural perf das e 
zum charakteristicum gegenüber dem singular wurde? Nicht 
einmal von Brugmauns and meinem Standpunkte, die wir 
doch das et-um für eine ursprüngliche bildung halten, könnte 
das plausibel erscheinen, da wir ja die zu solcher eutwick- 
lung unumgänglich notwendige neubilduug des siugulars at 
nach sat, gaf u. s^ w. nicht einmal eine gemeingermanische 
nennen können; es ergibt sich angesichts des fr-et der 
Goten, ät der Skandinavier, (H der Angelsachsen für got. <xt 
und ahd. mhd. a2 doch nichts weiteres mit irgend welcher 
Sicherheit als einzeldialektische neuschöpf ung. Die also schon 
vom speciellen germanischen Standpunkte aus höchst unwahr- 
scheinliche Möllersclie hypothese müsste vollends ihre Ohn- 
macht bekunden, wenn man ihr mit den zahlreichen ausser- 
germanischen spuren des perfectischeu «-typus. die doch auch 
eine erkläruug heischen und von got. set-mn, et-um nun ein- 
mal unmöglich abzutrennen sind, sich befriedigend abzufinden 
zumuten würde. 

Wesentlich anders als mit der genesis der indoger- 
manischen perfectstämme ed-, es- oder auch ei- ist es mit 
derjenigen von em- in lat. em-T, em-innts, lit. em-ian 'ich 
nahm', em-^s hn-usi partic, wenn wir alle einschlägigen 
etymologischen und sonstigen momente gebührend berück- 
sichtigen, bestellt. 

Zunächst ist hier zu betonen, dass im litauischen bei 
dem dortigen a verbo im-h. em-iaü, im-siu, iiii-ti die be- 
schränkung des e auf das praeteritum und die damit ver- 
bundene abwesenheit eines praesens mit e bedeutend ins 
gewicht fällt, um auch für dieses verbum das hohe alter des 
perfectischeu (^-typus durchaus zu sichern. Könnte man für 
das lateinische immerhin neuschöpfung des formenverhält- 
nisses em-ö : än-l nach demjenigen von ed-J : ed-1 oder von 



— 142 — 

leg-ö : leg-l (vergl- s. 105) annehmen, so ist doch der litauische 
ablaut i : r in hn-u praes- ; em-laü praet. natürlich unmög- 
lich nach irgend einem älteren muster innerhalb der bal- 
tischen sprachentwickelung selbst creierbar gewesen. 

Nun ist lit. itn-u nebst abulg. ini-n aus *jim-a (vergl. 
vüz-miq^ SM>i-MH^{) aoristpraeseus, und wahrscheinlich sind auch 
lat. e?«-ö, umbr. eni-an tur 'sumantur' sowie aXiiw ar-fo-imim 
'suscipio' auf demselben iudog. mm-o [für *nni-o) beruhend. 
Die alte mittelstufengestalt der wurzel kann dann indog. 
nem- gewesen sein und also griech. v^'jli-m besitze, habe 
inne, halte fest', veu-o-uai 'teile mir zu, besitze, habe inne', 
got. nim-a als imperfectpraesens mit jener vocalisch an- 
lautenden sippe sich vermitteln, ohne dass man mit Kluge 
etym. wörterb. d. deutsch, spr, 237'' unter nelimen bei 
dem anlautenden n- an den „rest einer partikel" zu denken 
brauchte. Von gleichem ablaut aber mit lit. im-u u. s. w. 
wären im griechischen aii-tj 'sichol, sense. harke, rechen, 
schaufei, wassereimer', df.i-ä(o sammle ein (flüssigkeiten, 
körn), schöpfe, mähe, ernte', ««-/g nachen, nachttopf, a,«- 
-ä'krj afi.-alku ähronbuud, garbe', ä/n-vio-v schale zum auf- 
fangen des opferbluts, opferschale' u. a., im sanskrit dm-a- 
-tra-m gefäss, krug, trinkschale', die man ja zu lat. eni-ere 
und genossen zu stellen pflegt (Fick vergleich, wörterb. I'^ 19, 
Curtius grundz. d. griech. etym.^ 32.)). Got. num-an-s ge- 
nommen' stünde etwa für *um-an-s mit wiedervorfügung des )i- 
von nim-a, nam. Wahrscheinlicher jedoch wäre num-an-s 
die satzzwillingsform mit nebentoniger tiefstufe der wurzel 
zu solchem *MJM-a><-s gewesen; denn w»«m- und «w- (woraus 
assimiliert mm-') mussten ja die zwei tiefstufenphasen der 
wurzel nem- von folgenden sonanten von hause aus sein, 
und lit. im-u, abulg. Im-q, lat. em-ö^ altir. im-im sind ihrer- 
seits die regelrechten abkömmlinge des alten aoristpraesens 
mit tonloser wurzeltiefstufe. Tatsächlich ist aber, bei dem 
alten Wechsel der suffixformen -oiio- und -eno- (Paul in 
seinen boitr. VI 238 ff. princip. d. sprachgesch. 112, verf. 
morphol. unters. II 13. IV 20.5. 370. 373). das slavische 
particip abulg. ini-t'iin 'genommen' «liejonigo form, welche 



— 143 — 

uns das nur erschlossene gut. *i(iii-a7h!> = indog. m ni-öno-s 
ersetzt. 

In diesem zusammenhange ergäbe sich dann für das 
perfectische lat. halt, ein- als eine nicht abzuweisende for- 
derung die, dass man es mit dem gütischen perf. plur. nem-nm 
in der einen oder anderen weise zu vermitteln suchen müsste. 
Würden wir diese germanische perfectform als eine der schon 
indogermanischen analogiebildungen nach sed-{m) ni e in = 
got. set-Hin auffassen, wie es uns betreffs der got. iiiet-um, 
les-itm, qein-wn, ter-uin mehr oder weniger geboten schien 
(s. 117 f.), so könnte aus indog. nein -{m) nie m sich da ein 
indog. e ni - (jn) in e III = lat. cni-innis als neubildung abge- 
zweigt haben, wo das aoristpraesens \uin-v mit seinem 
sonantischen anlaut, richtiger aber mit dem consonantischen 
anlaut des spiritus lenis^ vorwiegend in gebrauch kam. Was 
mir aber besser gefiele, wäre dies: indog. e m - i^iy) m e m = 
lat. em-imus war die früher entstandene form und etwa in 
folgender weise aufgekommen. 

Yon anord. kom-a, ags. afries. alts. cum-an, ahd, kom- 
-an ist, wie nach Sievers Paul-Braunes beitr. VIII 83 f. durch- 
aus wahrscheinlich werden dürfte, auf ein altes „thematisches" 
aoristpraesens der wurzel g-em-, indog. g- in m-o mit nehen- 
toniger wurzeltiefstufe , zurückzuschliessen. Sievers selbst 
freilich sucht in umständlicherer weise mit einem „unthema- 
tischen" wurzelpraesens zweiter indischer classe = sanskr. 
gdn-ti auszukommen; ich versuche im excurse V die tat-. 
Sachen aus der angelsächsischen conjugation, auf die er 
dabei fusst, auf anderem wege zu erledigen. Ausser in dem 
germanischen kommen sehe ich im sanskrit das aorist- 
praesens indog. g-iijm-e-ti in der bildung gnm-a-ti\ was 
sich erstens empfiehlt durch die dreimal im rgveda belegte 
optativform gain-e-ina mit suffixbetonung (rgv. YIII 45, 10. 
46, 9. Välakhilya 3, 5), wonebeu gdin-a-ti ganz wie auch 
gä-ccha-ti die bei irgend einem wurzelhaften a eines „the- 
matisch" flectierten praesens dem sanskrit so geläufige accent- 
zurückziehung zeigt (vergl. de Saussure syst, primit. 174. 
234, verf. Paul-Braunes beitr. VIII 301). Zweitens braucht 
man bei dieser auffassung dem gäin-a-fi auch nicht erst seinen 



— 144 — 

Velaren guttural statt des palatals des imperfectpraesens avest. 
Jii)i-a-/ti ^= gut. q/iiiip ahd. quiniit auf dem wege der aus- 
gleichung von anderen formen derselben wurzel zurückgeben 
zu lassen; diese anderen formen bewirkten mit ihrer analogie 
nur die Verdrängung des alten nebenliegenden imperfect- 
praesens sanskr. *jäm-a-ti zu gunsten der alleinherrschaft 
des gätn-a-ti = ags. cymeä alts. kumid ahd. himit. Davon, 
die aoristische auffassung des sanskr. gdm-a-ti auf grund des 
Optativs (jam-e-ma zu vertreten, ist auch bereits W. Neisser 
Bezzeubergers beitr. VII 219 nicht weit entfernt. 

Wie wir nun oben s. 106. 117 f. vermuteten, besass wahr- 
scheinlich die indogermanische grundsprache oder, richtiger 
gesagt, eine „proethnische" sprachperiode von derselben 
wwrzel (f-em- bereits die neubildung des plur. perf. g'^em- 
-{nj)iiiem = got. qcm-um^ lat. ven-imiis. Ich meine nun: eine 
parallelisierung des aoristpraeseus g-mm~o 'ich komme' mit 
nebentonig -tiefstufiger wurzelform und des aoristpraeseus 
mm-o 'ich nehme' = lit. bn-h lat. eui-ö u. s. w. mit tonloser 
tiefstufe der wurzel konnte ebenfalls schon in jener gruud- 
sprachlichen zeit die neuschöpfung eines em-{m)mem 'wir 
nahmen' = lat. (~»?-m?/6' nach g'^em-{in)meni 'wir kamen' im 
gefolge haben. Den ganzen Vorgang einmal ins gotische über- 
tragend und dieser spräche den besitz des aoristpraeseus 
*u)n-a statt oder zur seite seines nim-a vindicierend, könnten 
wir sagen: nach *kum-a (= ags. ahd. cum-u) : qem-uni bil- 
dete sich das ablautsverhältnis *um-a : *em-um. Zur not 
konnte wol auch schon das -ono- (-eno-) particip der 
grundsprache, indog. mm-öno-s = abulg. im-enü^ got. 
*uni-an-s (verlorene satzzwillingsform zu niim-an-s,^^. o.), ge- 
nügen, um darzu in befolgung des musterverhältnisses g'^mm- 
-6no-s (= got. qum-an-s) : g^em-{m)mem {^= got. qeni-unt^ 
das neue em-mmem = lat. em-imus nachzubilden. 

Was wir nun von dem got. iiriii-iiiii im verhtältuis zu 
dem vorauszusetzenden *cin-uni halten, ist klar : entweder Jiat 
das germanische dem auch seinerseits ererbten *('m-wn das 
anlautende n- von nim-a., neun neu vorgeschoben oder noch, 
einfacher sich sein hPih-hi» ganz selbständig zu der con- 



- 145 — 

atituieiteii ablautsreihe niiti-a, )taiii, Hinii-an-s später hinzu 
erschaffen. 

Beticlitouswert ist auch noch das lettische mit seiner 
doppelheit des ablautes nem-u, nem-u, neni-t und jem-u, jem-u. 
jem-t 'nehmen', nach Bielenstein lett. spr. I 370. Will man 
nicht gerade glauben , das lettische habe mit seinem nem-ii 
das alte iniperfectpraesens wie griech. t'f'/t-o; got. nim-a in 
Vorzug vor dem litauischen zu wahren gewusst, so bleibt der 
ausweg, dass man annimmt: es hat sich durch die aus- 
glcichuug mit dem futur lett. aem-schu, welchem tempus be- 
kanntlich raittelstufiger vocalismus von hause aus eignete, 
hier jenes praesens nem-u neu entwickelt und darnach auch 
das praeteritum nem-u, das mithin dem got. nem-nm auch 
nicht direct vergleichbar wäre. Denn lit. ihi-siu fut. inuss 
allerdings jüngere neuschöpfung statt *uem-siu = lett. neni- 
-schu sein. Solclie neuschöpfung nach dem praesens lit, im-ü, 
abulg, im-q (*jwi-(i) ist aber ferner aus einem anderen gründe 
auch der infinitiv lit. Ifii-ti^ abulg. j<i-ti: anteconsonantisch 
war, nach meinen ausführun<;en morphol. unters. IV 285 ff._, 
nur um- als (tonlose) tiefstuf enform einer wurzel nem- ge- 
rechtfertigt, also lit. *nmi-ti, abulg. *ne-ti als infinitiv zu ei'- 
warten. Aehnlich steht der sigmaaorist des slavischen, abulg. 
je-chu, für lautgesetzliches *ne^-chü = indog. nem-s-m mit 
mittelstufenvocalismus. Und im griechischen gilt für afi-n'o-v 
'opferschale' und ar-rXo-r kielwasser, schiffsjauche' aus *a)<- 
-rAo-v (verf. forschungen I 28 ff,, Curtius grundz, d. griech. 
etym. '' 323) entsprechendes wie für die litu-slavischen In- 
finitive im-ti, J'i-ti' der vocalismus von au-}], äfi-aju u, s, w. ist 
für sie massgebend oder bei ihrer bilduug zu gründe gelegt 
worden , da es sonst *)'a-rAo-)' statt nv-r?.o-i' heisson müsste. 

Yon den lettischen formen der wurzel nem- nehmen' 
mag aber selbst das futur ueni-schu doch nur bedingt eine 
alte erbform genannt werden. Rein lautgesetzlich müsste 
es '^'nem-schu oime mouillierung des anlautenden n- heissen ; 
die mouillierung entstand, indem vor das praesens jem-u 
(*ßm-u) und praeteritum jem-u das n- der futurform ge- 
schoben ward (*)i-jem-u nem-u, *n-jem,-ii nem-u) und dieser 
Vorgang auf das futurum zurückwirkte. Die formen mit jod- 

O st hoff, zur gRscliiclite d. perfocts i. iiuloj;ormaiiisi'1ipu. 10 



— 146 — 

Vorschlag lett. j-c))iv^ j-emii, J-emf aber stellen sich zu den 
lit. i»tü, enilaü^ hnti ohne denselben, wie im litauischen 
selbst die nebenformcn J-iiHti, prl-j-mti zu imü. Aus Kur- 
schat gramm. d. litt. spr. §^ 96 — 98 s. 30 f. und der dort 
gegebenen bemerkung: „Dieser Vorschlag des / geschieht 
zumal beim vorangeiien eines mit einem vocal 
auslautenden wertes" dürfte das ursprüngliche gesetz 
hervorgehen, welches, wie ich glaube, schon in litu-slavischer 
zeit solche satzdoppelformen mit und ohne /-, tv- entwickelte, 
wie \\t. j-hldi iQit.j-emt (*J-imi) abulg. imq (aus */-mw«) und 
lit. irnti abulg. vüz-tmq, smi-nnq, ferner lit. j-irklas und 
irklas 'rüder', abulg. j-es- und lit. lett. es- 'sein', abulg, j-utro 
und utro 'morgen', jad- (aus *j-cd-) und ed- essen', lit. 
tv-'ä'ga und ü'ga 'beere', abulg. v-qza und qsa 'band', v-onja 
'geruch' und qchati 'riechen' u. a. (Leskien handb. d. alt- 
bulg. spr. § 26 s. 16 f., Miklosich vergleich, lautl. d. slav. 
spr. 2 198 f.). 

Ueber die grundbedeutung der wurzel indog. nem- 
habe ich beiläufig, zur rcchtfertigung aller hier gemachten 
oder von andern acceptierten etymologischen combinationen, 
zu bemerken , dass ich sie in dem begriff des 'zusammen- 
fassens' finde. Griech. vti-isiv nvl n für einen etwas (als 
sein teil) zusammenfassen', daher 'zuteilen' ging daraus un- 
mittelbar hervor; während erst nach dem medialen o y.QioQ 
vb(.L8Tui avSsa noli^q 'der Widder fasst für sich die blumen des 
grases zusammen, nimmt sie weidend weg' (vergl. Od./ 449) 
sich das activischo o noifD^v v'efin noiftnu, rijv ay'eXijv 'der 
hirt lässt das vieh, die herde weiden' entwickelt haben mag, 
zumal da dieses letztere eine tatsächlich erst im gebrauche 
späterer nachhomerischer zeit häufiger nachweisbare rede- 
weise ist (vergl. Passow handwörterb. d. griech. spr. •' unt. 
v'^^ui) I 2. a. b. II 3. a. b.). Vergleichbar ist der spätlatei- 
nische Ursprung eines activischen vescere 'essen lassen, speisen' 
aus dem alten von hause aus nur medialen, jedoch passivisch 
aufgefassten lat. vescl (oben s. 71). 

Im loben der einzelsprachen tritt die perfectstammform em- 
trotz ihres verschiedenen Ursprunges natürlich auf gleiche 
stufe mit ed- und es-; für das lateinische Sprachgefühl 



— 147 — 

z. l). ^val• das Verhältnis em-ö : Um-i kein anderes als das- 
jenige von cil-ö : cd-l. "Wir haben auch wiederum das gleich- 
massige heraustreten aller drei, r d - ^ es- und rni-^ aus dem 
gebiete des pcrfects in mehreren indogermanischen sprachen 
zu beobachten. Brugmann bemerkt darüber morphol. unters. 
lY 414, von dem aufgrund des indogermanischen perfects ent- 
standenen lit. r(/(^?^ 'ich frass' ausgehend : „Durch Übertragung 
ist das e jedenfalls in die formen edmi edu, fut. csin, infin. 
csti und in cdkiös hineingekommen. Ebenso in slav. cim^ 
infin. csti {jami, jo-sti) und »tedoedf^ in got. iiz-eta und in 
homerisch (oii-ipri-jC, falls hierfür nicht mit Wackernagel 
(Bezzenb, beitr. IV 267) mu-sottjc zu schreiben ist. Für die 
neubildung von nomina vom perfectstamm cd- aus ist lehr- 
reich gr. 6di]d(in' ' (paysöulva Hesych. und das durch über- 
tritt in den ablaut r .• ö entsprungene Idoiörj."- Es scheint 
nicht unannehmbar, dass man mit Fick vergleich, wörterb. P 
11 f. 483 ein nomen ed-iio- {cd-io-) 'essbar' bereits der 
indogermanischen muttersprache zuweist, nemlich wegen 
sanskr. dd-ya adj. 'was zu essen ist, geniessbar', n. 'nahrung, 
abulg. jazda f. 'speise', lit. cd-i-s m. 'frass, mahl', cds-ios f. 
plur. raufe, krippe', anord. wt-r adj. 'essbar'; nur lat. in- 
-ed-ia f. 'das nichtessen, fasten, hunger' hat kein e. wie Fick 
ansetzt, vergl. Quicherat thes. poet. hug. lat.- 539^ Es 
spricht ferner einiges dafür, dass auch als schon grund- 
sprachlich ein -^o-particip rd-to- (et-tö-)^ wie lat. iPc-tu-s^ 
rec-tu-s, tcc-tn-m beschaffen, angesetzt werde wegen der ge- 
nauen Übereinstimmung von lat. esu-s mit ags. ws ahd. ds 
nhd. aas neutr.; das germanische nomen, dessen schon von 
Jak. Grimm gesch. d. deutsch, spr. 1010 erkannten Zusammen- 
hang mit essen neuerdings Kluge etym. wörterb. d. deutsch. 
spr. 69*. Paul-Braunes beitr. IX 152 schlagend auch nach 
der formalen seite hin rechtfertigt, ist ja deutlich eine er- 
starrte und also wol nicht vom germanischen selbst geprägte 
bildung. Das latein hat ausserdem von ed- seine wie lec- 
tum lector, rector zu beurteilenden nominalen bildungen esum 
sup., esus m. das essen', esor nom. ag. (nebst esur-iö 
denomin.); siehe oben s. 111 ff. Aber auch nnptiis, das ebenso 
nur auf der basis des alten perfectums e;«-7, cm-imus zu 

10* 



— 148 - 

erklären ist, steht für das lateinische fest, nicht zwar durch 
inschriftlicho apices, wie Ritschi rhein. mus. f. philol. n. f. 
XXXI 486 — opusc. philol. IV 772 lehrte'), wol aber durch 
die instructive griechische transscription P6dt]yn[T~\a = Bedenipta 
corp. inscr. Graec. lY 9811 p. 565. Vergl, W. Schmitz beitr. 
z. lat. sprach- u. literaturk. 68, Bouterwek -Tegge d. alt- 
sprachl. Orthoepie u. d. praxis 40, Wiggert stud. z. latein. 
Orthoepie 17, Büuger üb. d. latein. quant. in positionsl. silb. 
18 f. Der letztere gelehrte bringt nur leider auch hier 
wieder falsche phonetische erklärungen und unberechtigte 
Verallgemeinerungen, wie für con-tem^itiis u. dergl., vor. 

Auffallender kann es erscheinen, dass bei den wurzeln 
ed- 'essen' und es- 'sein' sich das lange c auf mehreren 
Sprachgebieten auch in formen des praesens eingenistet hat. 

Uebereinstimmend bei der ersteren wurzel im latei- 
nischen, slavischen und baltischen: lat. es 2. sing, indic. und 
imper., wonach man auch, alten grammatikern folgend, den 
übrigen formen der alten „bindevocallosen" conjugation est, 
estis, Este, esto, estur und esse, essem naturlänge des wurzel- 
vocales zu geben pflegt ; abulg. erm, esi, est% emu, este, edqtt, 
ev6^ esta, imper. (opt.) e~dt, edimü, edite, edive, edita, partic. 
act. ed^, partic, pass. edomü (beziehungsweise daneben j/' am?, 
jasi u. s. w. aus *j-erm, ^'j-esi, vergl. s. 146); lit. edmi (da- 
neben jünger „bindevocalisch" lit. edii = lett. edu), est, 
edme, este, cdiva, esta. Für die lat, est, estis u. s. f. sind 
die betreffenden auch von Bouterwek-Tegge d. altsprachl. 
Orthoepie u. d. praxis 113 berücksichtigten grammatiker- 



*3 Prof. Zangemeister teilt mir gütig mit: „Eitschl hat da.s 
lEMTVS vermutlich aus dem Verzeichnis der mit apex versehenen worte 
von Kellermaun entnommen (ediert von Otto Jahn, Spicilegium epi- 
grapliicum 1841 p. US) oder aus Garrucci, i segni delle lapidi latine 
volgarmente detti accenti (Roma 1857), pag. 23. Auf dem steine (jetzt 
im Museo Kireheriano zu Rom) steht nach Henzen : fiOC ' ENP • EST, 
d. h. loc[us\ enp[tus\ est oder vielleicht enpl[us] est. Die inschrift ist 
seit Smetius und Gruter oft publiciert (z. b. Orelli 4181, Wilmanns 
2573); sie ist aber von Henzen in den Commentationes in hon. Mommseni 
1877 p. 636 für eine fälsch ung (des Ligorius; erklärt worden und 
zwar offenbar mit recht.'' 



— 149 — 

Zeugnisse: Prise, inst. IX 9 — 11 p, 456 sq. H. es tarnen 
[von edo] productani quani a secuuda accepcrunt persona 
servatum ubique [seil, invenios] : es est este esto estote essent 
esse; ferner Donat. zu Ter. Audi-. I 1, 54, wo esset bezeugt 
wird; Serv. zu Verg. Aen. V 781 edo es est' quarum secunda 
et tertia personao longae sunt propter difFereutiam sum 
es est\ 

Bei der anderen wurzol, es- sein', kennt dieselbe ei- 
scheinung vorueailich das litauische, dem im plural und dual 
csame^ esate, csaiva, esata die geläufigen uebeutbrmen zu der 
entsprechenden reihe mit e, esame u. s. w. , sowie zu den 
älteren in der ;>u-conjugation verbliebenen esnte, este^ csiva, 
esta i^oder es)ne, este, Psiva, esta) sind und das particip und 
gerundium esqs^ esant neben t~säs, esant lauten; vergl. 
Schleieher lit. gramm. § 119 s. 252, Kurschat gramm. d. 
litt. spr. § 1106 s. 287. Im lateinischen will ich zwar auf 
das einmalige HlC SITA EST mit apex C. J. L. II no. 
1989, 5 kein gewicht legen, wie es auch Bünger üb. d. 
latein. quautität in positionsl. silben 21 nicht tut. Was aber 
mehr bedeutet : es ist zwar von sum die 2. sing, indic. und 
imper. „in der gewöhnlichen spräche kurz", „jedoch ist bei 
Plaut, und Terent. es in der regel lang," wofür Neue 
formenl.^d. lat. spr. II ^ 592 und C. F. W. Müller plautiu. 
prosod. 50 f. eine grosse anzahl belegstellen beibringen und 
worüber mir von meinem collegen F Scholl geradezu be- 
merkt wird: „Es gibt keine stelle, wo es (von suni) bei 
den kouiikerii als es erschiene, und eine ganze reihe, wo es 
notwendig ist". Der unterschied also zwischen es du 
issest, iss' und es du bist, sei' ist nicht strict aufrecht zu er- 
halten; übrigens auch schwerlich bei es sei' die ausspräche 
mit vocallänge in älterer zeit durch die einsilbigkeit des 
wertes motiviert, nach Brugmann morphol. unters. III 8, wie 
ich denn ja auch morphol. unters. IV 253 mich gegen eine 
ähnliche annähme für griech. näv ausgesprochen habe. Noch 
weniger gerechtfertigt erweist sich, in anbetracht eben von 
altlat. es du bist, sei' und aus anderen gründen, Froehdes 
meinung Bezzcnbergers beitr. VI 164, dass „sich das e von 
lat. est estis esto esse aus dem streben, diese formen von den 



- 150 — 

entsprechenden dos verbum substantiviim zu differenzieren, 
ohne Schwierigkeit [sie!] erklärt". 

Dass wir auch für dieses praeseutische c von er/-, es- 
mit der einfachen Verweisung auf das perfect und seinen 
vücalismus auskommen, ist aus mehr als einem gründe un- 
wahrscheinlich, obwol ja Brugmann morphol. unters. IV 414 
für abulg. cnn^ lit. cdml edii damit auszukommen meinte, 
seine frühere ansieht morphol, unters. TU 5 preisgebend, 
dass mit de Saussure syst, primit. 167 f vielmehr ed-mi 
statt ed-nii als die indogermanische form der 1. sing, praes. 
indic. act. anzusehen sei. Folgende erwägungen sprechen 
gegen die annähme einer Übertragung des c aus dem per- 
fectum ins praesens. 

Erstlich musste dem lateinischen Sprachgefühl doch wol 
sicher bei den ablautungen Je(jr> : iPgJ, cinö : einl^ edö .- edl 
und auch sogar bei venlo : vem^ sedeö : sedl die am wurzel- 
vocale liervortretende quantitätsdifferenz immer als das eigent- 
lich unterscheidende merkmal zwischen praesens- und perfect- 
stamm erscheinen, besonders bei den in der endung einander 
gleichen formen wie ler/it und legit, legimus und legwms. 
Glich sich aus diesem gründe niemals edö, soweit es der 
ö-conjugation folgte, im praesensstamme an die vocalisation 
des perfects an, so ist auch nicht einzusehen, wie jene älteren 
»//-formen des praesensstammes zu solcher ausgleichung ge- 
kommen sein sollten, wodurch sie gegen den erlangten an- 
schluss an das perfeetum den viel naturgemässeren au ihre 
eigenen praesentischen mitformen, z. b. die 2. sing, (is den- 
jenigen au ihren rechtmässigen alten optativ lat. ediiii, edlmiis^ 
edltis (Neue formenl. d. lat. spr. II ^ -141), einbüssten. Und 
sodann, wo ist im litauischen und lateinischen von es- 'sein' 
eine spur des alten indogermanischen perfects. von deren 
stamme es- wir die vocallänge in den praesentischen lit. 
esame, esate^ altlat. es du bist, sei entlehnt sein lassen 
könnten? Beide sprachen substituieren ja einmütig im per- 
feetum (practvritum) die wurzel bheu- : lit. hmv-aü, \a.t. fu-J. 

Eine befriedigende lösung findet sich, wie ich glaube, 
wenn wir denjenigen älteren sprachzustand des lateinischen, 
slavischen und baltischen berücksichtigen, wo diese sprach- 



- 151 — 

familieu nocli das alte a u g m e n t i e r t e i m p e r f e c t u m der 
beiden in rede steliouden nach zweiter indischer classe von 
alter zeit her ihren praesensstamm bildenden wurzeln besassen, 
also die dem sanskr. äd-ain = indog. Pd-m^ sauskr. äs-am 
griech. rj-a =- indog. es-ni entsprechende formation. Als 
formen dieser imperfecta wären lat. es, est, estis, abulg. 
emü, este, eve, esta, lit. est, edme, este, edwa, esta von e d- 
'essen', ferner altlat. es von suni sofort irr Ordnung. Denn, 
was die plural- und dualformen unter diesen mit e- anbetrifft, 
SO dürfen wir die in sauskr. plur. äs-nia. äs-ta, äs-an, dual, 
äs-tanu äs-tänu griech. plur. >]-/iisi', rjo-re, '^jj-ar (= boeot. 
elav nach verf. morphol. unters. lY 292 f. anm., Meister 
griech. dial. I 277), dual, rjo-vor, rjo-rär vorliegende Verallge- 
meinerung der starken aus urindog. *e-es- entsprungenen 
Stammform des singulars act. i'S- (Brugmann Bezzenbergers 
beitr. II 245 f. anm. 2., Gust. Meyer griech. gramm. § 483 
s. 373, vergl. auch A. Faust z. iudogerm. augmentbildung 
Strassburger iuaugural-diss. 1S77 s. 7 ff.) vielleicht für einen 
schon der gruudsprache bekannten Vorgang, mindestens 
aber für ein in dem leben der einzelnen sprachen 
recht altes ereiguis halten. Vielleicht ist aber auch das 
nicht einmal anzunehmen nötig. Mit Jak. Wackemagel 
Kuhns zeitschr. XXIII 470 sind, wie Brugmann morphol. 
unters. 111 12 ff. 88 f. IV 413, so die meisten forscher 
darin einig, „dass das augment ursprünglich ein selbständiges 
wörtchen, eine quasi-praepositiou gewesen sei", und Brug- 
mann sagt wol ebenfalls mit recht: „die Verbindung des aug- 
ments, eines ursprünglich selbständigen wörtcheus , mit der 
folgenden verbalform war in der zeit der idg. Ursprache, als 
das lautgesetz aufkam, demzufolge es-te 'ihr seid' zu s-te 
wurde, sicher noch eine viel lockerere als die Verbindung der 
reduplicationssilbe mit der folgenden Wurzelsilbe im perfect." 
Da wir nun andererseits erkannt haben (morphol. unters. IV 
vorw. s. VI ff.), dass die form der 2. plur. es-te in der gruud- 
sprache durchaus nicht unter allen umständen zu s-te wurde, 
sondern teilweise erhalten blieb, warum soll nicht das „ur- 
sprünglich selbständige wörtchen", die „quasi-praeposition" e 
sich auch mit jenem volleren es-te zu *e este verbunden 



— 152 — 

haben, so dass sanskr. dsta^ griecli. ijors lautgesetzlich 
entstandene erbformen aus der gruudsprache wären? Indog. 
i^s-te aus *t' es-te war, was die ablautstufe der wurzel an- 
geht, eine durchaus mit sanskr. ä-hhü-ta griech. f-r/T-rt oder 
auch mit griech, t-cfä-Ti: und selbst mit sanskr. ä-gä-ta griech. 
s-ßä-TS congruente augmentbildung, da auch diese letzteren 
nebentonige tiefstufigkeit der wurselsilbo haben, nach verf. 
mo'rphol. unters. IV 54 f. vorw. s. IV f. XII f. Nur für 
dual und plural imperf. von et- 'gehen', sanskr. ahva, ai-tam, 
ai-tam, ai-ma, ai-ta, äi/-an = griech. rj-tov, ij-rciv, fj-utv, 
f']-rf, wird es bei der statuierten Übertragung der starken 
Stammform aus dem sing. act. sanskr. äij-am, als, ai-t = 
griech. */)-«; *,']-<;, *rj (Brugmann Bezzenbergers beitr. II 245, 
Gust. Meyer griech. gramm. § 482 s. 371 , verf. morphol. 
unters. IV 300) auch fernerhin sein bewenden haben müssen; 
denn z. b. auch aus *e 'i-te 2. plur. konnte nur indog. e-i-te 
= sanskr. *e-ta griech. *t-l-Ts hervorgehen, wie aus einem 
*e i-te mit tonlos-tiefstuhger Wurzelsilbe. Aber das Verhält- 
nis bei dem imperfect von es- 'sein' mit lautgesetzlich ent- 
wickeltem ('S- in allen formen mochte dann eben auch eine 
triebfeder werden, um dem paradigma von indog. i-l-in ich 
ging' frühzeitig dieselbe gleichförmigkeit der wur/.elsilbe wie 
bei demjenigen von es-m ich war' zu geben. 

Ferner ist jetzt allgemein anerkannt, dass von der indo- 
germanischen zeit her ursprünglich alle einzelsprachen neben 
den augmentierten praeteritalformen entsprechende ohne das 
augment in gebrauch hatten. Ob man in der erklärung da- 
für mit Wackernagel a. a. o. und Joh. Schmidt Kuhns zeit- 
schr. XXV 32 oder mit Brugmann morphol. unters. III 13 f. 
88 f. zu gehen oder noch einen anderen weg zu befolgen 
habe (vergl. zu der frage auch Thurneysen Kuhns zeitschr. 
XXVII 173), kann hier dahin gestellt bleiben; nur auf die 
tatsache als solche kommt es uns jetzt an. Also indog. 
hl-s du assest' und gleichbedeutendes ed-s^ ed-te und 
ed-te 'ihr asset' (vergl. sanskr. at-td als „injuuctiv" rgv. 
X 15, 11), <'S-s und es-s 'du warst', <^s-te und es-te (oder 
s-fr) 'ihr warot' existierten neben einander, und hioriii liogt 



- 153 — 

der Schlüssel für das praosentische ed-, es- der lateinischen, 
slavischen und baltischen spräche. 

Da man auf diesen gebieten, abweichend vom indischen, 
iranischen und griechischen, sich durchweg für die praeterital- 
formeu ohne augmont zu entscheiden begann, konnte man 
trotzdem jene imperfectformen mit erf-, es- beibehalten als 
solche, in denen man keine augmentierung mehr fülilte. Und 
dasselbe unausbleibliclie ersterben des gefühls für die ur- 
sprünglich praeteritale bedeutung der vocallänge des U er- 
möglichte dann auch , cUiss das schwanken der imperfects 
zwischen ed- und cd-, rs- und t^s- formen sich, zumal bei 
den zum guten teile einander gleich gewordenen personal- 
endungeu beider tempora, dem praesens mitteilte, so dass 
neben den hier ursprünglich allein herrschenden ed- und 
es -formen eine nebenreihe mit ed-, es- aufkam. Das 
latein und entschiedener noch das slavische haben dann 
aus der willkür wieder eine regel gemacht, indem sie mit 
der ihnen nunmehr für die praesensflexiou zu geböte stehen- 
den doppelheit des e und e eine scheidung der sonst zu- 
sammeufallenden praesensformen beider wurzeln er/- und (^s- 
zu erzielen wussteu; und dazu, dass dann gerade dem edere 
die e-formen lat. es^ est estls u. s. w., abulg. esi, esti, este., 
esta zugewiesen wurden, mag dann allerdings die pression 
der lat. edi, esum, esus, esor, abulg. edü edmi mit ihrem 
perfectischen oder aus dem perfect übertragenen e- mitge- 
holfen haben. Wie modern aber diese regel des lateinisclien 
ist oder wie wenig der unterschied von e und e mit dem 
ursprünglichen wesen der beiden wurzeln zusammenhängt, 
vermag eben das zu siim gehörige es des Plautus und 
Terentius zu zeigen. Andererseits deutet auf solclien jungen 
Ursprung des r in den lat. esse essem die geminata -S8- hin, 
welche bekanntlich mit alter vocallänge vor ihr nicht ver- 
einbar sein würde und demnach auch in csnm, esiis, esor, 
esuriö, in Übereinstimmung mit Visus, fiSKS, lüsiis, e-vcsi, räsJ, 
rösi u. dergl. mehr, sich nicht zeigt ; vergl. den excurs VI. 
Im litauischen setzen die der ö-conjugation folgenden 
esame, esate, esatva, esata freilich zunächst ältere w/-formen 
*esme, *este u. s. w. voraus ; dass uns diese nicht erhalten 



— 154 - 

sind ,. sondern statt ihrer die älteren praesensformen esme 
(csnie) u. s. w. sich behaupteten, mag zufall der ausgleichenden 
Sprachentwicklung- sein. 

Mit de Saussure's „racine" ed- 'essen', syst, primit. 
167 f., ist es also ebenso wenig etwas, wie mit seinen wurzeln 
serf-, (s)tcff- (vergl. oben s. HO f.). Consequent wäre es 
übrigens nur gewesen, wenn de Saussure wegen lit. es-ame, 
h-ant viud jenes altlat. vs du bist, sei' auch eine e-wurzel 
es- statt es- 'sein' aufzustellen sich entschlossen hätte. 

Nach der beschriebenen Wirkung auf das praesens ist 
im lateinischen, slavisohen und baltischen das alte iraperfect 
der wurzeln ed- und es- ausgestorben oder durch andere 
jüngere tempusbildungen ersetzt worden. Beim slavischen 
aber, wo man ja auch für das partic. praet. act. abulg. ediu 
fem. edmi (= jadu, jadmi) die unmittelbare anknüpfung 
an die perfectfornien sanskr. ädlväms-^ lit. ed^s, edusi und 
lat. cdimus^ got. etum immer als die natürlichste und nächst- 
liegende auffassung erachten wird (vergl. s. 122. 124 ff.), kann 
man ähnlich in den sigmaaoristforraen abulg. esw, este, esf, esta 
(= jasu^ jaste u. s. w.) von (hm 'ich esse' immerhin das durch 
die alte augmeutierung entstandene ed- = indog. ed- wieder- 
finden, ja auch annehmen, dass die 2. plur. este.. 2, 3. dual. 
esta^ da sie mit den lautgesetzhch aus *ed-s-te, *ed-s-ta ent- 
standenen aoristformen zusammenfielen, die in das system 
dieses aorists aufgegangenen reste des alten imperfects seien. 



III. 

LA.TEINISCHE ^-PERFECTA VON .1- WURZELN. 

Sieben verba der lateinischen spräche, deren wurzeln 
ö-wurzeln — wenigstens vom Standpunkte dieser einzel- 
sprache «-wurzeln — sind, formieren ihr perfectum ebenfalls 
mit dem charakteristicum des ablauts e. Je nach der bil- 
dung des zugehörigen praesens können wir diese sieben 
e-perfecta wieder in drei gruppen zerlegen, wobei auf die 
erste gruppe eine form, auf die zweite zwei, auf die dritte 
vier entfallen: 

1. eiß zu agö aoristpraesens (vergl. s. 116); 

2. fregl, pegl von den nasalpraesentien frangö^ pangö • 

3. cepT, fecl^ jecl von den jodpraesentien capiö^ facu>, 
jaciö. Hierher endlich noch: -epl zu dem alten apiö, apere 
'comprehendere vinculo, adligare' (Paul, ep. Fest, p, 18, 9 
Müller, Servius zu Verg, Aen. X 270), wie coept für co-epi: 
'habe angeknüpft, fange an, beginne' beweist. Doch eifordern 
bedeutungs- und formverhältnisse dieses letzteren vcrbums 
vorab noch ein näheres eingehen darauf. 

Schon alt und, so viel ich sehe, allgemein gebilligt ist 
die erwähnte etymologie des coepisse oder altlat. coepiö^ 
coepere. Vergl. Freund wörterb. d. lat. spr. unter coepio, 
Greorges lat.-deutsch, handwörterb.^ unter coepio, Bopp gloss. 
sanscr. 30 f., Pott etyni. forsch. II ^ 1, 373. wurzel-wörterb. 
V 18 f., Corssen ausspr. vokal. I- 632, Fick vergleicli. 
wörterb. T' 489, Yanicek etyni. wörterb. d. lat. spr. 2 15. 
Des Plautus litts coepiö Men. V 5, 57 könnten auch wir 
noch geradezu mit 'ich knüpfe händel an' übersetzen, und 



— 156 — 

unserem an-fangen liegt bei der ursprünglichen bedeutung 
des einfachen fangen =^ lat pangere fest machen' eine ähn- 
liche metaphor zu gründe. Im übrigen erörtert namentlich 
Pott aa aa. oo. gut die bedeutungsgeschichte des lat. coepl. 
Das simpiex apere, bei Festus und Servius im Infinitiv, 
ferner im imperativ ape 'prohibe, compesce' Paul. ep. Fest. 
p. 22, 17 Müller, ape 'xcoXvoov glossar. Labb. (vergl. Müller 
zu Paul. ep. Fest. a. a. o.l ergibt sich als eine jodpraesens- 
bilduug wie capiö ausser durch das compositum altlat. coepiö 

auch aus Isidor. orig. XIX 30 .• ^apex appellatus 

ab apiendo^ id est a ligando". Es dürfte auch heute kaum 
noch irgendwer die zweifei Potts teilen, wenn dieser gelehrte 
Wurzel- wörterb. Y 13 f. in lat. apiö nur ein „hypothetisches 
verbum" sehen möchte und es „einigermassen in verdacht 
nimmt, nichts als theoretisches gebilde zu sein, lediglich er- 
funden für gedachten zweck", nemlich um apex zu er- 
klären. Dass mit apiö^ apere und apex m. ausserste spitze, 
gipfel, kuppe, höchste stufe, priestermütze', also auch mit 
coepl weiterhin im lateinischen selbst noch aplscor {ad-tp7s- 
-cor , ind-iplscor , red-ipJscor^ , aptus (ad-eptits) partic. und 
aptus adj. augefügt, verbunden, verknüpft, abhängig von, 
passend zu' (opp, in-eptns) verwandt sind, ist bekannt. Ebenso, 
dass zu diesen etymologisch sanskr. dp- erreichen; erlangen', 
praes. äp-a-ti, äp-nö-ti, partic. äp-tä-s erreicht, erlangt, ge- 
eignet, geschickt zu', avest. ap- 'erreichen', praes. conj. ap- 
-ä-itl, opt. ap-ae-ma gehören. Die begriffe erreichen, er- 
langen' und anfangen, beginnen' finden eben ihre einigung 
in dem anknüpfen, verbinden, unmittelbar zu einander fügen' 
(vergl. auch Italien, giugnere franz. joindre engl, to join 'er- 
reichen, einholen' aus 'verbinden, zusammenfügen), und es 
ist für die bedeutungslehre nur interessant zu sehen, wie im 
Sanskrit bei äp-ya-te 'erreicht sein ziel, erreicht sein ende', 
pary-äp-nu-hi 'mache ein ende, lass genug sein'; pary-äp-ta-s 
erfüllt , zum abschluss gfibracht . prdp-ta-s 'zum abschluss, 
zur reife gelangt, fertig', satii-ap-no-ti 'er vollendet, erfüllt, 
führt zu ende, vollbringt, vollführt", sam-äp-ta-s 'vollendet, 
beendigt, zu ende gegangen' (Böhtlingk - Roth Petersb. 
wörtprb. 1 649. 651- 654. 656) dieselbe wurzel sich dem 



— 157 — 

begriff des 'aufhörens' annähert, welche anderwärts, im latei- 
nischen, ein verbiini für anfangen' lieferte: je naclidcMu ob 
der punkt des anknüpfens, erreiolions das ende oder der an- 
fang einer handlung war, konnte beides geschelu'n. 

Bewegen wir uns in dieser seniasiologischen hinsieht fast 
ganz in dem gedankenkreise l'otts, so können wir andererseits 
in morphologischer beziehung des altmeisters bedenken gegen 
die reale existenzdes apio noch um so mehr zurückweisen, als 
ja das inchoative apiscor sMuer bildung nach doch wo! nur auf 
den schultern von apiö stehen wird. Nach sciö (aus *sci-i''>'} : 
sct-scö, das ganz ein Verhältnis ist wie im griechischen ßan'io : 
ßä-oxto oder /aivco : /a-oxm, d. h. beide praesensbildungen 
sind alte und primäre unmittelbar aus der wurzel, bildete 
sich das neue schema von lat. dormiö : con-, oh-doriiüseö und 
so wol auch von cupiö : con-cuplscö, sapiö re-sipi<' : re-sipl- 
scö ^ und hierher endlich stellt sich unser apif) : apiscor. 
Später im vulgärlateinischeii und romanischen bekanntlich in 
dieser art auch fhüscö : flni'> und capJscö : capiü und vieles 
andere gleichen genres. Ich denke mir, dass erst darnach 
von lat. cou-cupJscv, re-sip'iscö^ aplscoj- neben cupere, re-sipere, 
apere und neben cupis cupit cupimus^ cupitis cuperetti^ re-sipis 
u. s. w., apis u. s. w. der- anstoss zur Schöpfung der re- 
-vlvlscoj con-trenüsco., in-geniiscö, ex-perglscor neben und aus 
vlvere, tremere, gemere, ex-pergere, zur erzeugung des pactscor 
neben altlat. p)ac^-, pacit, pacunt (Neue formenl. d. lat. spr. 
II- 412, Corssen ausspr. vokal. I- 393) gekommen ist. Aehn- 
lich übrigens im griechischen nach dv-oi (aus *öv-i(o) : t)i'-axw 
der Ursprung von fifS^v-oxa) neben us!}v-(o. r^ßa-ox«) neben 
ijßä-(ü^ xoQb-oxiii neben ungi-w fut., ^Aa-axo/m« neben rXcc-ofutt und 
überhaupt auf solchen wegen der Übergang der inchoativ- 
praesensbildung auf -nyj», lat. -scö an die abgeleiteten verba 
in diesen beiden Sprachgebieten. Doch kehren wir nach 
dieser nötig erschienenen abschweifung zu dem perfectum 
lat. coejß zurück. 

Für coepit hat Lucretius IV 617 ed. Bernays noch 
offenes dreisilbiges co-epit, und auf die gleiche ausspräche 
soll nach Neue formenl. d. lat. spr. II- 616 bei Plautus 
Gas. III 5, 24. 57 das bacchische versmass hinleiten. Ander- 



— 158 — 

wärts ist aber auch schon in der spraclie dvv alten scouiker, 
wie des IMautus und Terentius, ebenso sicher und häufiger 
ohne „diacresis" coejn^ cmpw mit diphthong oe zu sprechen, 
und denselben Vollzug der contraction deutet auch die in- 
schriftliche Schreibung mit oi an, coiperit in der lex: repet. 
aus dem jähre 123 — 122 v. Chr. (Corssen ausspr. vokal P 704, 
Ritschi opusc. philol. iV 168), also aus vorlucretianischer zeit^ 
Zu dem dreisilbigen co-epit stimmt allgemein übliches co-egi 
von *c6-ogr> cögö, und man fragt: warum erscheint nicht auch 
dieses zweisilbig als *coegJ oder wie erklärt sich das schwanken 
dort zwischen den in denselben zeitläuften der spräche neben 
einander bestehenden co-epl und coept? Vermutlich haben 
wechselnde betonungsverhältnisse hier ihr spiel getrieben. 
Ich denke, dass formen wie co-cpT, co-rpit, co-(~pli)ms, co- 
-opvrini^ co-rperam diejenigen waren, welche die diaerese laut- 
gesetzlich aufrecht erhielten; coep- entstand aus ^co-ejj- da. 
wo der hauptton von der wurzel- auf eine bildungssilbe 
weiter rückte, also in coepisti, eoej/istis, coept'runt, coeperdnms^ 
coepissem^ coi'pisse u. dergl. Dass nun die ausgleichung sich 
bei co-eyl und cöepl in verschiedener richtung vollzog, ist sehr 
leicht begreiflich: dort verhalf das simplex egl den wurzel- 
betonten formen co-Pgl^ co-egit zum siege über *coeg/st7, 
*c(^gerunt^ hier mangelte die stütze des einfachen *epT, indem 
dieses entweder schon ausser gebrauch der spräche gekommen 
war oder wegen dei' abweichenden bedeutungsentwickelung 
seineu einfluss auf die Zusammensetzung co-epl verloren hatte. 
Wie aber deutet in den nichtperfectischen formen, in 
dem participium coeptus und dem altlateinischen praesens 
coepi('>^ sich die anwesenheit des diphthonges oe? Es hat, wie 
ich glaube, als lautgesetz zu gelten, dass schon zu den zelten 
der älteren oder vorhistorischen lateinischen betonung aller 
verbal- und nominalcomposita, wonacli durchweg in diesen 
die praefixe den hauptton trugen, kurze vocale mit un- 
mittelbar vorhergehenden haupttouigen vocalen des praefixes 
die synaloephe zu der länge des praefixvocales erhtten. Aus 
6'ä ward o : cogo aus *c6-ägö^ cögito aus *c6-ägitö. copula aus 
*e6-äpuJ(f ; aus e-ä ebenso e : drgo aus *d'^-ägö] selbstver- 
ständlich aus 6-Ö o : cöpia aus *c6-öpia (vei-gl. in-Öpia, öpes). 



— 159 — 

Aber die lüjigen an zweiter stelle wussteii als solche ihre 
selbstäiuligkeit im eiitspreehenden falle zu wahren, wenigstens 
gegenüber einem qualitativ von ihnen verscliiedeneu praetix- 
vocale: *cö-äctus, *c6-ägulniit blieben bestehen, desgleichen 
*cö-eg~t, *cö-ejH, und diese wurden nur später durch erhebung 
des nebentons zum haupttone zu co-äctiis, co-ag/iln)ii, co-rgt, 
co-ept^ sowie * per-fecUis zu per-fediis. In dcgl perf. aus *(/<^- 
-egl hinwiederum synaloephe, weil zwar der zweite vocal 
lang, aber zugleich auch mit dem ersteren qualitätsgleich 
war. Hierdurch, besonders eben duich das mit roepl wurzel- 
und praefixverwandte cöpida^ werden wir auch darauf ge- 
führt, für das alte praesens zu coepT und das -^o-particip als 
die lautgesetzlichen formen *cöpiv, ^'cöptus aus *c6-äpi.ö^ *c6- 
-äptus zu fordern. Es machte sich frühzeitig auf den voca- 
lismus der gesamten Wortsippe dieses verbums der einfluss 
des immer häufigst gebrauchten und in der classischen latinität 
als praeteritopraesens allein herrschenden perfects coepl gel- 
tend ; daher coepiö^ coeptns und subst. masc. coeptus mit über- 
tragenem oe von coepJ oder eigentlicher von eoepistl^ coepernnt. 
Wenn aus den vorformen *co-ipi(', *co-ipere, *ro-epti(S l'ott 
Wurzel- worterb. V 18 und Vanicek etym. wörterb. d. lat. 
spr. 2 15 jene coepio^ coepere, coeptus gewinnen wollen, so ist 
das darum ein unhistorisches verfahren, weil sich ja die 
vocalsynaloephen in eopula^ ca^c, cogito, degn^ cöpia, ferner 
in prömö^ deinö ans *prö-einö^ *de-einö, in debe>> aus *dB-(h)ähe<>, 
altlat, probet pröheat aus *pro-{h)äbet *prÖ{h)äbeat bei Lucret. 
III 862. I 977 ed. Bernays (vergl. Lachmann comment, zu 
Luret, p. 187 sq.). in nemo aus *ne-{h^emo oder *ii('-{li)Ömö 
u. dergl. augenscheinlich als älter denn die lateinischen 
Schwächungen kurzer vocale im zweiten compositionsgliede 
ausweisen. Indem die wie co-egi^ co-ddus., co-agnientuiii, co- 
-(tgiiientäre, co-ägiduni., co-aguhtre beschaffenen fälle das be- 
wusstsein von co- als einer selbständigen praefixform vor 
vocalischem anlaut wach erhielten, bildete sich in jüngerer 
Zusammensetzung auch co-ägito schüttele zusammen', die 
späte „scheideform" zu cügitö denke' , ferner ebenso co-äcer- 
väre, co-äct'scere, co-älcscere (jedoch älter daneben cölescere^ 
das Büoheler rhein. mus. f. philol. n. f. XXXIII 85 kennt). 



— 160 — 

co-äpt'ire u. a.. die sämtlich auch durcli don maugel der 
vocalschwächung- an der küize des zweiten gliedes den 
Stempel ihres jungen Ursprunges an der stiru tragen. Aber 
auch selbst co-hibeö^ anstatt eines *cobeO aus *cö-(Ji)äbe(>^ und 
pro-hihe^i gegenüber den ei'wähnten archaismeu \jucyq'i probet^ 
probeat müssen schon als solche jüngerem princip folgende 
zusammenset/Aingeu aus ro-, pro- und der von ad-, e.r-^ per- 
-Jubeo sich darbietenden vorbumsform angesehen werden. 
Wie C. F. W. Müller plautin. prosod. 454 bemerkt, haben 
cohibeo und prohibeö im plautinischen verse ganz regelmässig 
die geltung von cOben^ pröbeö. Dagegen kann das von 
Ritschi iiergestellte dehibuist'i Plaut. Trin. II 4, 24 (426) 
sprachwissenschaftlicher seits kaum einen sonderlichen an- 
klang zu finden hoffen, zum mindesten nicht als eine alter- 
tümlichere form gegenüber dem gewöhnlichen debuist't. 

Es gilt nun den ablaut e in den sieben lateinischen 
perfecta egl^ fregl, pigt^ cepi^ fect, jiü, co-epl zu erklären. 
Ich recenslere zunächst mehrere (vier bis fünf) erklärungs- 
versuche, an die man dachte oder denken könnte, aber wahr- 
scheinlich nicht zu denken hat. 

Ein analoger Ursprung wie derjenige des indogerma- 
nischen typus sed- von e-wurzeln ist kaum irgendwie wahr- 
scheinlich zu machen. Wussteu wir der wurzeln, welche 
diesen letzteren in früher grundsprachlicher zeit lautmechanisch 
entwickelten, doch im ji^anzeu vier aufzutreiben (oben s. 48 f.), 
so fehlen nahezu die beispiele von solchen wurzeln des 
^-vocalismus oder auch von solchen e-, ö-wurzeln, welche 
bei anlautendem s unmittelbar vor dem a {e, ö) und aus- 
lautendem tönenden verschlusslaute hinter demselben unter 
den gleichen bedingungen wie sed- sitzen', segh^- 'bew<äl- 
tigen' in den bewussten mehreren formen des schwachen 
perfectsstammes zu dem „ei-satzdehnungs"-e hätten gelangen 
mögen. Denn das steht ja freihch sicher (vergl. morphol. 
unters. IV vorw. s. XII f.), dass die mittelstufig mit den 
längen a, e, n erscheinenden wurzeln auf der tonlosen tief- 
stufe ebenso gut ihren vocal ganz ausdrängten wie die 
w'urzeln der e .• o-reihe. 

Sanskr. sädh- in sddh-a-tl kommt gerade aus zum 



- IGl - 

ziele", S(nlh-i'(-s adj. gerade, richtig-' mit nebentonig - tief- 
stufigem «anskr. sidli- in siilh-i/a-ti kommt /Ann ziele, trifft, 
gelingt'; dies wäre die allenfalls zunächst sich zur Verfügung 
stellende wurzel. Aber gerade von ihr ist leider weder die 
europäische Verwandtschaft, welche erst klarer über die voca- 
lismusverhältnisse urteilen Hesse, irgendwie sicher ermittelt, 
noch auch im sanskrit selbst das alte perfect belegt, da si- 
-shedh-a die schon von de Saussure syst, priniit. 171 liehtig 
gedeutete junge neuschöpfung zu sidh-ya-ti ist. Ferner käme 
die Wurzel sog- 'aufspüren, suchen' in betracht: mit mittel- 
stufe in lat. s (g-u-s s'ig-a, sig-Jre prae-säg-lre^ i)yae-s (g-iu-))i^ 
griech. äy-eoual rin 'finde den weg auf für jemand, weise 
den weg, führe', uy-i^fich' Wegweiser, fülirer' (nach Lettner 
Kuhns zeitschr. V 240 und Mahlow d. lang. voc. A E 28, 
trotz Pott etymol. forsch. I- 810. wurzel-wörteib. JII 413 ff., 
Curtius gruudz. d. griech. etym.-^ 170 f., Corssen ausspr. 
vokal. I- 896 und anderer lautgesetzwidrig bei ay-u> ver- 
bleibender forscher, homer. rrjeaa' rjyr/our' [-//utiny ^' Ihor elao 
11. .7 71 vom seher Kalchas gesagt streift ganz dicht an den 
specialsinn von lat. s^igiis, prae-sägus. prae-sig'ire heian); 
mit mittel- oder hochstufe (indog. ö) in got. söic-jan 'suchen': 
nebentonig-tiefstufig in lat. sug-üx adj. und vielleicht altir. 
salgim adeo', ro-sagat, in-saigid to advance, to visite, be- 
suchen' (Windisch Kuhns zeitschr. XXI 430). Ist nach Pott 
wurzel-wörterb. III 307 f., Corssen ausspr. vokal. I^ 397 und 
Fick vergleich, wörterb. II ^ 2')2. III "' 3 1 3 f. got. sak-an 'zurecht- 
weisen, streiten (= 'etwas an einem suchen') zu sök-jan^ 
also auch hierher gehörig und zwar als aoristpraesens von 
gleicher ablautstufe mit lat. sag-tx, so könnte der plural 
perf. got. söli-um allerdings durch ausgleichuug mit dem 
Singular iüv .^seh-uui = indog. scg-{vi])nem aus urindog. 
*se-zg-mrm stehen. 

Aber alle diese anhaltspunkte sind doch, wie man zu- 
geben wird, zu schwach, um darauf eine so weit tragende 
Hypothese wie die angedeutete zu bauen. Und vor allen 
dingen ermangeln Hier die zahlreichen über alle indogerma- 
nischen sprachen verbreiteten spuren eines ablauts c in Murz(dn 
der (1- und ö-reihe, welche bei den e-wurzeln miserer theorie 

OstliOir, /iii- gpscliictilp (i. perfprls i. iiulo^fprni.uiisi-li. n. 11 



— 162 — 

über den. perfectischen ?-typus derselben eine so wesentliche 
stütze vorliehen. Es sclieint ja eben nur das lateinische oder 
vielleicht altitalische überhaupt den e-typus bei perfecten 
der a-wurzeln zu kennen. 

Hat man ferner vielleicht auf die gleichung lat. freg- 
-imns = got. brek-um erheblicheres gewicht zu legen? Es 
könnte ja der fall gewesen sein, dass hier eben nach dem 
ausweis des germanischen eine ursprüngliche e-wurzel hltreg-- 
vorlag, dass auch diese schon „proethnisch" ihren schwachen 
perfectstamm nach dem muster des sed- von sed- neu 
bildete, dass dann bei allen im lateinischen vorgegangenen 
Umwälzungen in dem habitus der wurzel und ihrer con- 
jugation (übertritt aus der e- in die a-reihe, nasalierung des 
praesens) trotzdem die erbform freg-imus immer bestehen 
blieb und diese endlich ihrerseits im lateinischen derartig 
analogie wirkte, dass nach ihrem beispiel andere ß-wurzeln 
den e-typus übernahmen. Es würde sich dabei nur fragen, 
wie von dem einzigen freg-imus^ fvEg-l als musterform aus 
die Schöpfung der sechs übrigen im einzelnen hätte vor sich 
gehen können. Nur pegl von pangö nach fregl von frangö 
böte keine Schwierigkeit dar. Bei den andern, deren praesens- 
stammbildung von //'a^i^y abweicht, hätte die analogiewirkung, 
wenn eine solche stattfand, wol nur über die brücke der 
-^o-participia (oder der supina) und der mit ihnen periphrastisch 
gebildeten perfecta passivi (fractus sum) ihren weg finden 
können. So sicher wie nun aber actus langes a hat (vergl. 
8. 114 ff.), ebenso gewiss kommt den vier anderen, capUis^ 
factus^ Jactus, aptus, wegen der composita auf -ceptus, -fec- 
-tus, -jectus, -eptus {ad-eptus^ in-eptus) kürze des a zu ; vergl. 
oben s. 114 f. Man stünde hiernach vor einem dilemma. Ent- 
weder hatte fractus langes a wie actus: dann konnte sich 
cgi nach fregi bilden, und nur dieses egl. Oder fractus 
hatte ä wie cäptus, fäctus u. s. w., dann mochten cepi^ f<^ci,, 
jcci und *epl wie frcgl hervorgehen, aber die Schöpfung des 
egl auf der gleichen basis war unmöglich Diese sciiwierig- 
keiten lassen es, meine ich, in Verbindung mit dem durch- 
aus unsicheren uutergrmide, dass in freginms got. brelcum 
eine aus gruiltlsprachlichor zeit ererbte bildung vorausgesetzt 



— \{M\ - 

wird, ratsam erscheinen, ancli die />v"r/////«<8-hypothese. wie 
man es kurz nennen könnte, bei seite zu schieben. Mit der 
quantität des wurzelvocals der participien lat. fractits, pactus 
werden wir es weiter unten noch zu tun haben. 

Noch eine weitere scheinbare möglichkeit. Wäre etwa 
denkbar, dass der Ursprung von egl, fregl, cc/)7 darin zu 
suchen sei, dass sich zuerst bei den compositis nach ad- 
-iiHO : ad-emi^ col-Ugo : col-lerfi die ähnlichen Verhältnisse ad- 
-igö : ad-cgl, ex-igö : ex-egij red-igö : red-egi u, s. w. gebildet 
hätten ? dass wegen der mit col-ligis, col-ligit^ col-ligimus^ 
col-ligitis, col-ligere^ col-Ugerem parallelisierteu foimemeihe 
con-cipis, con-cip/f, con-cipinnis, con-cipitis, con-eipere, con- 
-ciperem sich auch con-ccpl nach col-legl eingefunden hätte? 
Die simplicia agö, capiö wären hinterdrein nach dem vor- 
gange ihrer zahlreichen composita zu ihren e-perfecten ge- 
kommen. Frango und pangö aber so, dass sie erst wieder 
auf die vorher geschaifenen egl, cepl sich stützten : entweder 
auf egi^ wenn die i)articipia fractus, pächis langes a wie 
actus hatten, oder auf cPpJ, falls man fräcU(S ^ päctus mit 
kürze wie cäptus sprach. Jeder einzelne dieser analogie- 
vorgänge wäre an sich mehr oder weniger einfach und un- 
bedenklich: ihr ensemble aber gestaltet die ganze hypotheso 
zu einem unleugbar künstlichen gebäude. Dazu kommt nun 
noch der weitere erschwerende umstand : man müsste hierbei 
den Ursprung der e-perfecta egl^ cepl zeitlich unter die periode 
der lateinischen vocalschwächuug in zweiten compositions- 
gliedern herabrücken. Zu eiuer so jungen datierung ist aber 
vor der hand kaum eine berechtigung vorhanden, ein directer 
hinderungsgrund jedoch dann, wenn etwa auch aus dem 
oskischen oder umbrischen sich Vertreter desselben perfeo- 
tischen r-typus bei «-wurzeln nachweisen lassen sollten; denn 
jene „vocalschwächung" gilt bekanntlich als ausschliesslich 
lateinisch, nicht ur- oder gemein-italisch. 

Eine halbe erklärung des ablauts von lat. fec'i gibt 
endlich auch Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXYI 375: „mit 
Übertragung des e aus formen wie scdimus = got. srtu))\ 
skr. sedimd zunächst vielleicht in die schwachen formen 
*fefäci^ fecimus, später frei, ficinnis."- Halb nenne icli diese 

11* 



— 164 - 

erklävung-, weil ihr urlieber selbst o;esteht rebend. anm.): 
„Wie diese ausscliliessb'ch ifabsche Übertragung des e zu 
stände gekommen ist, weiss* ich nicht" und weil derartige er- 
klärungcn allerdings von dem tadel betroffen werden, den 
Schmidt seinerseits in den methodologischen vorerörterungen 
zu jenem selben aufsatz, Kuhns zeitschr XXVI 330, an die 
adresse anderer forscher, vornemlich Brugmanns. richten zu 
dürfen glaubte: „Eine aualogistische erklärung, welche allein 
negativ durch das nichtvovhandensein einer lautgesetzlicheu 
begründet wird, nicht durch innere Wahrscheinlichkeit über- 
zeugt, ist nichts als ein vorläufiger rein subjectiver abschluss 
oder abbruch der Untersuchung, der an wissenschaftlichem 
werte hinter dem offenen bekeuntnisse des nichtwissens nicht 
selten zurücksteht. Um zu überzeugen muss eine aualo- 
gistische erklävung positiv weuigstens annähernd ebenso 
bewiesen werden wie ein lautgesetz." 

Zwei verschiedene wege, um auch unsererseits den 
versuch mit der „Übertragung des c aus formen wie sedimus^'' 
auszukommen nicht zu unterlassen, betraten wir mit der 
„/n~^im«^s-hypothese" und mit dem, was wir über die even- 
tuelle möglichkeit von ad-iJgi : ad-igö nach col-legi : col-Ugö 
bemerkten; beide führten uns nicht zum ziele oder wenigstens 
vor Schwierigkeiten. Dasselbe erkennt Job, Schmidt von 
seinem ihm einzig sich darstellenden wege. die statuierte 
Übertragung des e von sedimiis auch „positiv wenigstens an- 
nähernd" zu rechtfertigen. „Wäre sie nur lateinisch", be- 
merkt er, der in osk. hipid^ hipust und sipus ausserlateinische 
spuren des in rede stehenden ^-typus gefunden zu haben 
glaubt, „dann könnte man denken, sie sei eingetreten, als 
die typen *pegägi und *meinoni (fisfioi'a) durch die ausschliess- 
lich lateinische vocalschwächung gleiche vocalisation erhalten 
hatten: pepigi^ tnemini, so dass die pluralvocalisation der 
e-wurzeln auf den plural der a-wurzeln übertragen wurde 
wegen der gleichheit der singularvocalisation: pepigü pPghmis 
nach *sesidi. sedimns. Allein dem widerspricht das oskische, 
in welchem, trotzdem der sing. perf. von a- und e-wurzeln 
lautgesetzlich nicht gleich geworden sind {fefacid)^ das i ^^ 
urspr. e im perf. der r^wurzeln erscheint {Jiipid)"' . Laboriert 



- 165 — 

also diese von Schmidt selbst fallen gelassene möglichkeit 
an dem nemlichen gebrochen wie unsere von ad-ifjö : ad-e(ß 
=^ ad-liiiö : ad-enü ausgehende construction, so muss dort 
obendrein auch noch mclireres andere praejudiciert werden : 
nicht nur erstens, dass die vermeintliche ausgleichung von 
*sesidt^ sedimus zu sedl, sedimns lelativ kein frühzeitiger 
sprachact war, sondern auch zweitens, dass im gegenteil die- 
jenige von *pepägl^ pecßgimus zujyepiß, pepigimiis desto baldiger 
eingetreten sei, denn in ^pepogl sieht ja Schmidt gemäss dem 
griech. nsnäya den älteren lautstand der 1. pers. sing, 

Corssens fiühere annähme, ^^^fefaci sei zu *fefer'i, ge- 
worden wie hdare zu anhelare und dann die reduplication 
geschwunden (^kiit. beitr. 530 f., ausspr. 11- 578 f, anm.)", 
verwirft mit recht auch Schmidt a. a. o. Ich würde diese 
erklärung, von der Corssen selber spätei' (ausspr, vokal, 
I - 564) zu gunsten einer freilich noch unhaltbareren theorie 
Leo Meyers (vergleich, gramm, I ' 134) abging, hier auch gar 
nicht erwähnt haben, wenn nicht neuerdings Froehde Bezzen- 
bergers beitr. VI 189 f. sich derselben angenommen und sie 
in sonderbarem misgriff bezeichnet hätte als „die einzige, 
die den lateinischen lautgesetzen in jeder beziehuug gerecht 
wird." Froehde meint diese aufstellung noch schmackhafter 
zu machen durch Verweisung auf die composita co-egt, ad- 
-egl, red-egi, die nach ihm auf lautlichem wege zu ihrem e 
aus *ä gekommen sein konnten. Aber nicht sowol an osk. 
hipid, über das man ja immer noch anders denken könnte 
als Joh. Schmidt, scheitert jener Corssen -Froehdesche ver- 
such, sondern mehr noch an dem einzigen, was ihn recht 
eigentlich stützen soll, an dem vermeintlich aus *än- 
hcdäre entstandenen anhelare^ worüber ich jetzt auf mich 
selbst oben s. 115 anm. verweisen kann. Es ist, das wieder- 
hole ich, auf das bestimmteste jede teilnähme des ä oder 
überhaupt der monophthongischen vocallängen an den im 
lateinischen eingetretenen vocalschwächungen zweiter com- 
positions- oder wortglieder in abrede zu stellen, 

Nach dieser kritik verschiedener theorien, die sich zur 
erklärung des '>typus von cgi^ fr^d^i ^'^P'^ aufdrängen könnten 



— 166 — 

oder aufgedrängt haben , schreite ich zu derjenigen auf- 
stellung, welche mir die einzig haltbare zu sein scheint. 

Zwei der sieben in rede stehenden lateinischen perfecta 
dürfen wir unstreitig als erbteile aus dem indogermanischen 
sprachbesitze ansehen, die beiden allein unter allen mit vocal 
anlautenden: cgi und -epl in co-epl (coept). 

Lat. e^-Z, i'(j-istt sind des gleichen systemes mit dem 
sanskr. äj-itha 'du hast getrieben'. Wie das Petersb. wörterb. 
I 65 bemerkt (vergl. auch Benfey vollständ. gramm. d. 
sanskritspr. § 147 s. 78), fehlen nach Pan. II 4, 56. 57 die 
sogenannten generellen formen der wurzel aj-, doch bildet 
die siddhantakaumudi 115 a. einige derselben und darunter 
vom perfect jene 2, sing. act. ; was auch für Whitney ind. 
gramm. § 783 a. s. 272 genügt, um den reduphcierten perfect- 
stamm sanskr. äj- als hinreichend beglaubigt hinzustellen. 

Yon dem perfect der wurzel sanskr. (?^> erreichen', bei 
dem das la^. -ep-l von co-tpi {coepl) seine Unterkunft findet, 
sind im rgveda nach Grassmann wörterb. z. rgv. 179 diese 
einzelnen formen belegt: sing. act. äp-a, dual, und plur. act. 
äp-atur^ äp-iir, med. äp-ire. Nach Whitney ind. gramm. 
§ 783 c. s. 273 macht von der regel, dass im sanskrit wurzeln, 
die mit langen vocalen beginnen, im allgemeinen kein per- 
fectsystem bilden, sondern dafür eine periphrastische bildung 
verwenden, äp- „eine annähme, indem sie den unveränder- 
lichen perfectstamm ä2J bildet (wie von ap nach regel a)". 

Wir fassen nun zunächst, fussend auf die oben s. 123 ff. 
gewonnenen ermittelungen über die grundsprachlichen vocalcon- 
tractionen und ihr chronologisches Verhältnis zu den tiefstufen- 
gesetzen, indog.efj^-, ep- unbedenklich als die normalen alten 
gestaltungen der schwachen perfectstämme. Indog. c g^ - 
- (>/') m e m , c p - (^u) m e m aus urindog. * e- i) g^-mem, *e- « p - 
-mein- sind fortgesetzt in lat. eg-lmus, co-ep-imus, sowie indog. 
ed-{ip,)mem aus urindog. *e-ed-meiii in lat. ed-imus = 
got. et-um. 

Es concurrieren mit lat. eg-J als perfectbildungen der 
wurzel "g^-- aus dem griechischen tj/-a, med. ijy-fiai, aus 
dem germanischen anord. 6k^ plur. ök-wn. Erster es kann 
nicht sehr in betracht kommen, da es uns nur bei loniern 



— IGT — > 

(Herodot) und Attikern Überliefort ist; vergl. Yeitch greek 
verbs irreg. and def.-* 13 f. Waren aber auch, was wahr- 
scheinlich ist, die dorischen und aeolischen formen '"■'ay-a, 
*dy-f.iai, so stünde nichtsdestoweniger die unmittelbare Zuge- 
hörigkeit derselben zu dem perfect des anord. ak-a noch in 
frage: in dor, ay-o-v imperf, ist nach verf, morphol. unters. 
II 123 die einfache dehnung des anlautenden vocals als 
form des „augmontum temporale" durch einen vermutlich 
speciell griechischen neuschöpfungsact nach „proportionaler 
analogie" entsprungen, in dem perfectum '^ay-a, *dy-/nai 
könnte dasselbe temporal augmentierte «;- in bekannter grie- 
chischer weise als Vertreter der reduplicierten wurzelform 
gesetzt sein. Auch das anord. ök selbst fiele au und für 
sich nicht schwer in die wagschale bei der bestimmung des 
grundsprachlichen perfectablautes von indog. «^'- agere'; 
ebenso wenig aus dem go tischen öl 'wuchs empor' von 
al-an (= lat. al-ere) , ön hauchte' von an-an (zu griech. 
a'»'-f,«o-C; lat. au-imu-s an-ima) zur bestimmung desjenigen 
der wurzeln al-, an-: hier könnten ja einfach die germa- 
nischen nachbildungen der perfectformation der consonantisch 
anlautenden a-wurzelu, z. b. got. söh von sak-an, vorliegen. 
Aber solche erklärung würde im stiche lassen bei dem prae- 
teritopraesens got. öy 'fürchte mich' aus der in got. ag-is n. 
= griech. o.y-oz mittelstufig (oder auch uebentonig-tiefstufig) 
vorliegenden wurzel indog. agh^- (beziehungsweise Bgh^-, 
ägli^-^ ögh-): eben als praeteritopraesens steht g in dieser 
beziehuug ebenso da wie got. aih (vergl. s. 139 f.) und kann 
bei ermangelndem praesens mit a nicht analogisch seinen 
perfectablaut " bekommen haben. Ist aber og notwendig 
eine „organische" bildung, so können es natürlich auch got. 
()?, öH und anord. 6k sein. Und die erklärung ergibt sich 
uns aus der oben s. 123 f. dargelegten modification der grund- 
sprachlichen vocalcontractionsgesetze : bei haupttoniger Wurzel- 
silbe führten urindog. * e-u g^- a, *e-Ö g^-tha, '^e-ög^-eim 
sing. perf. act. zu ag^-a, og^-tha, 6g^-e = anord. ök^ 
ök-t, 6k -:= sanskr. a/-a, äj-itha, äj-a. Got. ön entspricht 
genau dem sanskr. i%n-a perf. von an- atmen' (praes. dn-iti 
oder dn-a-ti); als 1. sing, liegt für beide indog. <1n-a, als 



4 _ 168 — 

3. sing, indog. 6n-e zn griindo. Aber im dual und plural 
pci'f. sind got. o(j-u, örj-nin und anord. ok-nm sicher neubil- 
dungcn statt *eg-H, *e(j-nin^ anord. ^dk-tuii durch Übertragung 
des ablauts des singulars, wie ja anerkannter massen auch 
got. sok-ii, sök-um seine wurzelstufo von dem singular sök 
hat; für den schwachen perfectstamm weisen eben lat. 
cy-lmns^ -ep-imus die wege. 

Bei der wurzel sanskr. dp- 'erreichen, erlangen', lat. äp- 
in ap-io^ ap-lscor, ap-tu-s hängt die reconstruction ihres 
singularischen perfectablauts davon ab, was wir als die 
mittelstufcnform derselben zu ermitteln vermögen. Zunächst 
veranlasst hier das altindische zu der bemerkung, dass der 
bei dem perfect «/>«, äp-ür uralte äusserliche mangel der 
Stammabstufung in dieser spräche die abstraction von äp- 
als genereller wurzelform bewirkt haben kann. Daher viel- 
leicht erscheint sanskr. up)- auch in Wortbildungen, die (neben- 
tonig-)tiofstufig *äp- zeigen sollten: in äp-no-ti praes. .5. cl., 
ved. dp-n-äna-s partic. praes. med. 9. c\., dp-td-s -^o-partic. 
Genau so dürfen wir dies dp-uö-ti entstanden sein lassen, wie 
ved. (Idg-nö-ti statt *däg-nö-tl nach ddc-väms- und da-ddc-imä, 
da-ddg-ür ^ da-ddc-iish-e; vielleicht genau so dp-td-s, statt 
^dp-td-s =■ lat. dp-tu-s, wie ved. sddhd-s, statt *scd1id-s = 
griech. Iy.-v6-c, nach sdh-väms-, Vergl. s. 50 f. 52 f. Die zend- 
sprache wahrt noch vielfach das kurze a, so dass man hier 
dp- 'erreichen' als wurzel ansetzt für avest. apditi 3. sing, 
conj. praes., apaema 1. plur. opt. praes. Umgekehrt greift 
dann im avesta das a über seine alten gränzen hinaus, wenn 
auch das causativum cqxcyeiti statt *dpayeiU =^ sanskr. 
dpayati gebildet wird. Ob im sanskrit auch das praesens 
dpati, das futur dpsyati^ der infinitiv dptiiw ihr d durch Über- 
tragung bekommen, bleibt desgleichen von der entscheidung 
der frage nach der mittelstufengestalt der wurzel, ob indog. 
äp-, ep-, öp- oder dp-, abhängig. Diese entscheidung 
kann selbst das mit sanskr. ved. dp-i-s m. Verbündeter, be- 
freundeter, bekannter', äp-ya-ni n. 'bundesgenossenschaft, 
freundschaft, bekanntschaft' verglichene griech. rjn-io-g nah- 
bar, freundlich, förderlich, gütig' (Aufrecht Kuhns zeitschr. 
V 351) ff. 363 ff., Düntzer ebend. XII 24 f.J und ferner 



— 169 — 

g;riech. r^TJ-änum 'flicke' (Curtius grundz. d. griecli. etyin. '' 
510 f.) nicht herbeiführen, da von deren rj- die doriseh- 
aeolische lantwährung nicht bekannt ist. Al)er meines er- 
aclitens führt sie herbei ion. att. rjn-nonc, dor. CtTT-siQnc, fest- 
land' (Ahrens de graec. ling. dial. II 138) in genioinschaft mit 
dem von Lettner Kuhns zeitschr. VIT 180 und Froehde ebend. 
XXII 256. Bezzenbergers beitr. VII 328 dazu gestellton ags. 
of-er mhd. iiov-er n. ufer'; denn die coiubination dieses mit 
lat. aqua got. aJiiva (Curtius grundz. d. griech. etyniol. ■' 
469) findet an dem germanisclien labial von n/er Schwierig- 
keiten und wird also wol besser durch die auffassung des 
festlandes, ufers als des anfügsels, auhängsels", der terra 
apta ex marl ersetzt. So begreift sich auch gut, wie 
griech. r/7jfinoc seltener auch das flachland' im gegensatz zum 
gebirge, die terra apta c ))io>itibus bezeichnen kann: fi 
öoHoi' rjnsioövds Apoll. Rhod. II 976. Sanskr. dp-a-tl könnte 
also imperfectpraesens = indog, tip-e-tl sein neben dem 
aoristpraesentischen oder aoristischen avest. ap-ä-itl conj., 
ap-ae-nia opt. Auch brauchten das particip sanskr. ap-t'i-s 
und der infinitiv ap-tu-iii nicht notwendig von dem perfect 
«/>«, äp-ur verbreitetes ä zu besitzen, sondern wären allen- 
falls wie lat. äc-tn-s, äc-tu-ni beschaffen und zu lat. äp-tn-s 
äp-tu-m in demselben Verhältnisse, wie lat, dc-tu-s : griech. 
ax-TO-c (\e\g\. s. 117). Doch sicherer wäre wiederum iudog. 
c in anspruch zu nehmen für die aoristformeu sanskr. ved. 
dp-a-s, äp-a-t, äp-a-n, wegen der hier zu suchenden cou- 
traction des wurzelvocales mit dem haupttonverseheuen aug- 
ment indog. e-. Als die indogermanische perfectflexion aber 
von dp- haben wir, bei ganz den nemlicheu vocalverhält- 
nissen mit äg^- agore', nunmehr aufzustellen: sing. act. 
1. pers. dp-a = sanskr. äp-tt; 2. pers. op-tha = sanskr. 
äp-{i-)tha, 3. pers. öp)-e = sanskr. dp-a, plur, act. 1. pers. 
ep-{7n)mem = sanskr. äp-imä lat. -ep-imus u. s. f. 

Ob wir der lateinischen 1. sing. eg-J, co-ep-i den c-ab- 
laut als den ihr von alters her gebührenden zuerkennen 
müssen oder nicht, entscheidet sich darnach, was wir in der 
personalendung lat. -l eigentlich su suchen haben. Wenn 
es mir in der nachfolgenden abhandlung „zur altitalischen 



- 170 — 

perfectflexion", auf deren rosultat ich also den leser im vor- 
aus vorweise, gelungen sein sollte, zu beweisen, dass die 
lateinische 1. sing. perf. auf -1 nichts anderes ist als die alte 
niedialforni des perfects, deren bildung das altindische und 
iranische mit den personalausgängen sanskr. -e, avest. -e 
treuer bewahren als das griechische mit seiner form auf -/.lai^ 
so würde hieraus speciell für die lat. cg-T, -cp-t folgen, dass 
sie als entsprechungen altindischer ry-ß; äp-e ebenso gut den 
e-vocalisums der wurzel von hause aus haben, wie die plural- 
formen eg-imus, -ep-imus, 

Indog. c aus alte coutractionssumme aus dem redu- 
plicierenden oder augmentierenden e- und nachfolgendem 
wurzelvocal einer a-wurzel, wie wir es bei lat. eg-l eg-imus^ 
co-ep-l co-ep-imus annehmen, gewahren wir noch öfter. Ich 
erwähne einige der zunächst liegenden fälle. 

lieber das auf einem perfect ijy.-u = sankr. ät:-a er- 
wachsene praesens griech. ijyjo handelte ich bereits Paul- 
Braunes beitr. YIII 290 f. anm. und bemerkte: „'/xw hat 
urgriechisches // ; ganz normal als sprosse einer perfectform, 
in der die reduplication e- mit dem wurzelvocale indoger- 
manisch contrahiert war, wie auch in lat. eg-l zu ag-ö'"'' . 
Das /yx- ging aus von den dual- und pluralformen, welche zu 
den im rgveda belegten sanskr. äc-((tnr, äg-tir (Grassmann 
wörterb. z. rgv. 135) sich stellen. Ueber die eutstehung der 
„thematischen" praesensflexion von ijy.io sieh oben s. 107. 
Die ä- oder a-wurzel aber, zu der ?yx-«,«£j', sanskr. äc-imd 
= indog. ek^-mmem zu beziehen sind, findet man als ah^- 
'durchdringen , erreichen, eilen' nach vielfach vertretener 
meinung in lat. ac-er adj. 'scharf, durchdringend, schneidig', 
ac-ie-s f. schärfe', ac-u-s f. nadel', ac-ic-ö 'schärfe', griech. 
dic-/iii] f. schärfe, schneide, spitze', uk-wx-tj f. 'schärfe, spitze', 
an-a/-f.ikvo-c 'geschärft', äy.-övrj f. 'stein, Wetzstein', «x-wv m. 
'wurfspiess', ux-ili«))' m. amboss', ux-QO-g adj. 'spitz', ax-go-v n. 
'spitze' (Fick vergleich, wörterb. I •' 4 f. 475 ff.). 

Mit den unstreitig doch auf einer wurzelbasis indog. 
CS- 'sitzen' beruhenden griech. i']-f.iai, ^-arai, sanskr. äs-te, 
äs-ate wird fast allgemein lat. nr-a altlat. <'ts-a herd, opfer- 
herd, altar', osk. aasai loc sing., aasas nom. plur., umbr. 



- 171 - 

as am-ad adaram', asa-ku 'apud arain /.iisammengestellt, von 
einigen auch lat. <(nu-s m. 'gesäss, at'ter aus *äi>-no-s. Yorgl. 
A. Kulm in öciner zeitsciir. \1 61, Pott wurzel-wörteib. II 
2, 299 ff., Curtius grundz. d. griech. etym." 377 f.. Fick 
vci-gleich. wövterb. I^ 50-1. II ^ 28, Yanicek etyni. wörterb. 
d. lat. spr.- 34. Ich glaube, diese combinatiouen wird die 
neuere es mit den tl-lauten genauer nehmende vocallehie 
trotzdem bestehen lassen können, nur hat mau sich zu ent- 
schliessen, das griech. /;««< wieder für dasjeuige rempus an- 
zusehen, als welches es der vorboppischeu grammatik immer 
galt (vergl. Buttmann ausführl. griech. sprachl. I- 526. giiech. 
gramm. 1^ § 108 s. 202, Matthiä ausführl. griech. gramm. 
I^ 587), für ein echtes perfectum, „praeteritopraesens" : 
indog. CS- sich gesetzt haben, sitzen' aus urindog. ^e-ns-^ 
normaler schwacher perfectstamm mit reduplication von würz. 
äs-^ wie iudog. t?^'-, ep- iu lat. eg-1 <?<j-i)iufSj -ep-i -ep- 
-imus von den wurzeln äiß-^ äp-. Die nicht reduplicieite 
nebentonige tiefstufenform derselben wurzel zeigt das uomen 
sanskr. ds-ta-ni u. 'heimsitz, heimat, heimwesen'. Die gründe, 
welche Pott wurzel-wörterb. II 2, 301 gegen die altherge- 
brachte perfectische auff'assung von /^/nai geltend macht, er- 
ledigen sich sehr leicht. Ueber die nichtperfectische betouung 
des particips rj^ievoc, sagte schon Matthiä a. a. o. richtig: 
„statt rjusvoc wiegen der bedeutung des praesens''. Der 
accent aber in xa9^7Jo&ai rührt nicht daher, „weil", wie Pott 
sagt, „das wort einem griech. obre sich allerdings als perf. 
darstellen konnte", sondern weil es ein solches war. Und 
sanskr. ds-te, äs-ate, avest. ds-te wird natürlich unweigerhch 
mit zum perfectum gestempelt, in ähnlicher weise, wie ich 
schon morphol. unters. IV 205 f. auch das sanskr. tc-e, ish-te 
dem praesens med. zweiter indischer classe entzogen habe; 
nemhch trotz der personalendungeu 3. sing, -te, 3. plur. -ate, 
die eben wahrscheinlich wie die entsprechenden griech. -r«f, 
-azui nicht von hause aus lediglich praesentische waren und 
nur von denjenigen altindischen perfecten festgehalten wurden, 
welche sich dauernd in praesensbedeutung constituierten. Auch 
die „thematische" conjugation von sanskr. ved. ep. äs-a-te, 
ep. ds-a-nte und selbst ds-a-ti act. sowie von avest. donh-a- 



— 172 — 

-üti act. ist, entsprechend wie bei ved. ic-a-te statt Ish-te, 
bei avest- is-äl conj. (vergl. oben s. 130, klärlicli nur eine 
folge der permanent gewordenen praoseiisbedeutuug, kein 
Zeugnis für ursprüngliche praesens form des alten äs-te. 

Die accentuation der sanskr. äs-te, äs-ate und Ic-e^ 7sh-te 
erscheint sowol bei der einreihung ins praesenssystem 
zweiter classe als bei der richtigeren perfectischen auflfassung 
gleich unregelmässig. Yielleicht ist sie bei cXs-te dadurch 
entstanden, dass das zugehörige augmenttempus (plusquam- 
perfectum) wirklich augmenttempus oder genauer aug- 
m c n t i e r t r „ wurzelaorist" war : sanskr. ds-ta, cis-ata -= griech. 
-^a-ro, ij-aro aus indog. >' s-to, es- nto = urindog. *e »s-to^ 
*S üs-nto (vergl. oben s. 151 f.) wären normal accentuiert und 
dadurch wäre auch griech. xad--rjoTo {aad-ijro) in seiner 
betonung gerechtfertigt, eine regelrecht wie uao-fjv, nao-ijaav 
u. dergl. den accent dos componierten verbums nicht über 
die augmentstelle zurückziehende praeteritalform, im gegen- 
satz zu den nicht augmentierten Y.k9--i]uai, y.äi)^-i]vai. Von 
sanskr. äs-ta^ ds-ata ging dann die betonungsweise auch auf 
die „praesentischen" formen über : man wusste zwischen den 
verschieden entstandenen äs- des praeteritopraesens und des 
augmenttempus nicht mehr zu unterscheiden und konnte 
füglich ausgleichung der betonungen von *ästf' und ästa, 
*äsate und äsata eintreten lassen, hatten ja doch auch 
düishte, bhdrate und die augmentlosen dvishtä hJidrata, ferner 
dvishate, hhdrante und dvisluctd, bhdranta übereinstimmenden 
accent. 1) Bei den Griechen ist ähnlich der alte augmentierte 
Charakter des „imperfects" ■/.n3^-iyn]v in Vergessenheit ge- 
raten, wenn hier neben die nach älterer weise regelrecht 
accentuierten formen xa9--i]aro xai>-/;ro, xad--7](yd'f, y.aS--rjvxo 



*) Das oben vorausgesetzte Verhältnis, dass zu einem echten re- 
duplicierten perfectum (praeteritopraesens) sich als entsprechendes 
„plusquamperfectum" (impcrfect) das einfacher „unthematischer" aorist 
genannte oder von Whitney ind. granim. § 824 s. 289. §§ 829 ff. 
s. 291 ff. als „wurzelaorist" bezeichnete augmenttempus zugesellte, 
glaube ich als ein uraltes und bis zu einem gewissen grade in der 
ältesten zeit des indogermanischen ganz regelmässiges in weiterem um- 
fange nachweisen zu können. Doch ist dazu hier nicht der ort. 



— 173 — 

die jüng'oron und als solche auch noch voimitfels des aug- 
mentum syUabicuin aufgefrischten bildungen t-y.uirijio, t-y.ädrjadi 
treten (Veitch greek verbs irieg. ^ 347. La Roche 'das aug- 
nient dos gi-iechischen verbums' Linz 1882 s. 36 f.). Das 
verbum äste, äsate wurde im sanskrit dann, so nehme ich 
an, das prototyp für andere nur mediale praeteritopraesoutia 
oder wirkliche praesentia der „wurzelclasse", die nach ihm 
die accentverschiebung vornahmen, für 7ce Islite, cäye cete. 
Ein beachtenswertes scb wanken der betonung zeigen die 
participia: ved. ds-(hiä-s neben jüngerem äs-2na-s, 1c-and-s 
neben ebensolchem tc-una-s (morphol. unters. IT 205) ; aber 
ved. cdy-äna-s schon allein ohne ältere nebeuform *c«//- 
-änd-s. Wahlscheinlich hat mau nach massgabe davon beim 
verbum fiuitum dasselbe, nur hier früher beendigte schwanken 
des Sprachgebrauches zwischen *dsU und äste vorauszusetzen, 
und während dieser periode werden sich analog ice ishtc 
neben *ice *ishte , cdye cete neben '""caye *cete-) gebildet 
haben; auf das verbum finitura *äste, *äsate musste auch der 
einfluss des verkappten augmentpraeteritums äsfa , dsata 
notwendig unmittelbarer, darum stärker sein als auf das 
participium. 



2) Die noch moriihol. unters. IV 206 von mir mit (ji:sr. Meyer 
griech. gramm. § 482 s. 372 geteilte meinnng, dass bei sanskr. (;c(i/-c, 
ge-she, ^e-te, avest. sae-te, griech. xH-uai, xfl-uui, xfl-rui eine „viel- 
leicht schon grundsprachliche Übertragung der nicht reducierten wurzel- 
form k^ei- 'liegen' ins medium zweiter indischer praesonsclasse" er- 
scheine, hege ich nicht mehr. Setzen wir indog. k^ej- als wurz<M an, 
mit J spirans statt i consonans, so ist alles in ordninig. Aus k^ej- 
wird nicht tiefstufig k^f-, weil sich nur an den Sonorlaut i consonans 
(nach morphol. unters. IV 281 f. 353 f.) die assimilation des? in nicht 
haupttoniger silbe vollzog; k^ej- aber unterliegt den gleichtun tief- 
stufengesetzen mit anderen auf geräuschlaut endigenden wurzeln, 
z. b. es- 'sein', pet- 'fallen, fliegen' (morphol. unters IV vorw. s. V ff.). 
Also haben griech. xfl-rai, sanskr ge-te für älteres *ge-te, avest, sae-ie 
nebentonis'e tiefstufe der Wurzelsilbe. Es srleichen den indog. k^ej-tdi 
k^ej -11 1 äi wegen der nichtassimilation des e an./ spirans ganz jene 
indogermanischen schwachen perfectstämme \\'\pje-js- von /es-'sicden', 
die das sanskrit in seinen yesh-e, yem-e, yet-e, rfas avestische in yuealt-i-., 
yaet-tish'isli yöitJt-eimi kennt (Hübschmann Kuhns zeitschr. XXIV 406 
anm. 415, verf oben s. 47 f.) : sanskr. -e-, avest. -at'- {-i'n'-) hier aus -cj- vor 



~- 174 — 

AVar indog. es- in jjuai. sanskr. äste, wie ich nacli 
allem vovgcbraohten wahrscheinlich gemacht zu haben glaube, 
schwacher perfectstamm , so dürfte endlich die oben s. lOS 
erörterte mischung der beiden p erf e ctis c h e n es- und 
sed- in dem griechischen paradigma des rjuai rjarnt noch 
um einen grad natürlicher erscheinen. 

Ein durch contraction mit dem rcduplicierendene wort- 
anlautend entstandenes indog. e- haben wir auch dem per- 
fectum des defectiven sanskr, ah- 'sagen, sprechen', weniger 
wiederum der 8. sing, äh-a und 2. sing, attha., als vielmehr 
den plural- und dualformen ah-ii}\ oli-atluir, Cüt-atnr zuzuer- 
kennen. Für die '^-wurzel zeugen ausser armen, asel 'sagen' 
aus dem lateinischen : öj(> jodpraeseus aus *uh-jö oder *<(lt-Jr>^ 
axäre anrufen, nominare' Paul. ep. Fest. p. 8, 9 Müller, 
ax(ime)da carmina Saliaria' ebend. p. 3, 6 sq. und besonders 
a(I-'if/-in-i)i n., ad-cg-iö f. 'sprichwort'; vergl. Curtius grundz. 
d. griech. etym.''' 399 und Yanicek etym. wörterb. d. lat. 

consonaiu in nicht iiaupttoniger sübe, wie ebenso in sanskr. *re-te 
ige-te), avesf. sac-fe. Die dem sanskiit in ved. talpa-givari adj. f. 'auf 
dem lapjer ruhend' rgv. VII 55, 8 und sonst nur als Schlussglied von 
compositeii bekannte wurzelgestalt r/- (Petersb. wörterb. YII "iSOl er- 
klärt sich leicht als analogische ncuschöpfung: wie p'i'-van-^ fem. p'i- 
'Var'i 'fett' zu puij-a-te praes. 'schwillt, strotzt', so -gt-van-, fem. gt- 
-var'i 'liegend' zu gäy-a-te praes. 'Hegt, ruht'; desgleiciien ved. jihma- 
-ci- 'quer liegend' zu gäy-e^ gäij-a-te praes. wie ved. pada-u'i- 'schritte 
lenkend' zu ndij-e. udij-a-tf. Für die griechische Lautlehre aber ergäbe 
sich hier wegen xfarm, xf'aro, was auch a priori schon wahrscheinlich 
war: ,/ spirans ist inlautend zwischen vocalen nicht anders behandelt 
worden als l consonans, und nur der griechische anlaut zeigt die von 
Brugmann niorpliol. unters I 4 f. anm. 2 erörterte Scheidung beider laute 
als L- und spiritus asper. Schliesslich sei noch bemerkt, dass auch 
xflrni sanskr. gete avest. saete als ein ursprüngliclies redupliciertes 
perfect med., statt eines praesens zweiter classe, aufzufassen nunmehr 
wol anginge, da mit nebentonig-tiefstufiger Wurzelsilbe allerdings ja 
der lautgesetzliehe alte Schwund der rednplication verbunden zu sein 
pflegte fvergl. verf. morphol. unters. IV vorw. s. IX. Paul-Braunes 
beitr. VIII 30tj f. oben s. 55 f. 72 f.). Aber es liegt hier keine nötigende 
veranlassung zum perfectum zu greifen vor, wie eine solche doch bei 
Tjiiai f/'.s/r» durch den wurzelvocalismus (indog. es- zu mittelstufigem äs- 
'sitzen') und bei sanskr. ^'ge yshte durch die rücksicht auf das aetiviseh- 
perfppfische got. aih gleichen paradigmas gegeben war. 



- 175 — 

spv. - f, nebst der dort ang-eführten litteratur. Den letz- 
teren beiden nomina lat. ad-iig-iu-m nnd ad-(((/-lö, die bei 
dichtem nirgends belegt sind, pflegt man gewöhnlich, ich 
weiss nicht worauf fassend; kürze des wurzelvocals beizu- 
legen ; nur Curtius in seinen stud. IX 463 und Ciust. Meyer 
griech, gramm. § 280 s, 240, § 484 s. 375 sciireiben adücjmw. 
Meines erniessens kann hier auch nur ä gesprochen worden 
sein, da sonst ^ad-ig-iuin zu erwarten wäre, sowie pröd-ig- 
-ium 'vorhergesagtes, Vorzeichen, ungeheuer' und nid-^<j-itCire 
eine gottheit anrufen, eine gebetsformel hersagen', ind-7(/- 
-itämenta gebetsformeln' (Corssen de Yolse. ling. 16 ff.) 
tiefstufiges d derselben wurzel normal in offener silbe des 
zweiten compositionsgliedes zu 7 geschwächt zeigen. Ascoli^ 
der Kuhns zeitschr. XYII 279 ganz richtig dies argument 
für <( auch sah, hätte nur einen schritt weiter gehen und 
jenen Wörtern ad-agium, ad-ägio das kurze ä überhaupt ab- 
sprechen sollen, anstatt es als eine Verkürzung aus ü zu er- 
klären. Suchen wir nun in den sanskr. dh-ür^ äh-(dJtur, 
dh-atiw indog. t^-, ohne es hier strict beweisen zu können, so ist 
uns wenigstens ein duich contraction des augments e- mit 
dem vocale derselben wurzel hervorgegangenes indog. e- 
gewährleistet durch griech. ij 3. sing, praet. 'sprach's' ; denn 
7j hat urgriech. c, die 3. sing, praes. dor. ?jrt braucht Alcman 
fragm. 139 Bergk ', lesb. jjoi Sappho fragm. 97 Bergk -^ 
(vergl. Yeitch greek verbs irreg. ^ 301). Es war bei diesem 
griechischen defectivum einzig die 3. sing, praet. ^ eine erb- 
form aus dem indogermanischen: sie steht, wie schon Jak. 
Wackernagel Kuhns zeitschr. XXIII 467 (vergl. auch Gust. 
Meyer griech. gramm. § 484 s. 375) erkannte, normal für 
urgriech. *r/j<-r (analog «V« voc. sing, aus *äi'ay.r, yaka nom.- 
acc. sing, aus *;'fa«xr) ^ indog. i' gh-t\ dies egh-t war seiner- 
seits aus uriudog. *e dgh-t entsprossen. Nach homer. att. 
//, der am häufigsten gebrauchten und ältesten, bei Homer 
noch alleinig vorhandenen form des griechischen paradigmas, 
bildete sich zunächst die 1. sing, praet. att. ^y, die "SYacker- 
nagel a. a. o. fälschlich auch noch lautgesetzlich zu deuten 
suchte, darnach dann die nachhomerischen und nur poetischen 
praespusformen ///</, i)ri' i]r>l. Mustor für diese ganze ent- 



- 176 - 

wiokolung: das mit i] synonyme (fci (r/i/)) 'sprach' zur seite 
von f/'«)' {^(fijf) und i/iätii, (fCal ('/'//"W/'/'J')- Ich glaube auch 
noch bemerken zu sollen, dass sich // =^ indog, e gli-t aus 
*e (tgh-i als „wurzelaorist" ebenso zu dem sanskritischen perfect 
a//-a, üh-ür stellt, „das praes- und perf.-bedeutung hat" ( Böht- 
lingk-Roth Petersb. wörterb. I 567) und also auch seinerseits 
„praeteritopraesens" ist. wie nach der vorhin (s. 1 71 fF. ) gegebenen 
darstellung sanskr. ästa griech. y.ad-7]oro aor. zu dem redu- 
plicierten perfectum sanskr. (*aste) äste griech. i^itai. Wie 
viel man mit Curtius in seinen stud. IV 208 IX 463 ff. verb 
d. griech. spr. I- 264 auf die hesychische glosse ij/artr • elnfv 
geben wolle oder wie wenig mitNauck bull, de Tacad. imper. 
des sciences de St.-PetersbourgXX (1875) s. 503 f. und Gust. 
Meyer griech. gramm. § 484 s, 375 anm., ist hier gleichgiltig. 
Wenn ti/urtv zu ?} 'sprach's' gehört, kann es trotzdem als 
ionisch-attische form urgriech. *«'/-«)'f j-, mit demselben voca- 
lismus wie lat. ad-äg-iu-m oder mit „augmentum temporale" 
zu tiefstufig geformtem *«/-, gewesen sein; als nicht specifisch 
ionisch-attisch hätte aber /}'/-« iv r anspruch auf dasselbe indo- 
germanische contractions-e- wie ij aus */yx-r. Bezzenbergers 
genialer deutung dieses fj aus einer wurzelform sen-^ in 
seinen beitr. IV 314 f., stehen wol sonst keine „unüber- 
windlichen lautlichen Schwierigkeiten" ausser der allerdings 
auch kaum beachtenswerten Winzigkeit des spiritus lenis 
entgegen? 

Die lat. eg-i cg-imus, -ep-1 -ep-inius stellen sich also als 
nach grundsprachlicher regel normal reduplicierte perfectformen 
in einen grösseren kreis gemein -indogermanischer erschei- 
nungen. Nach ihnen allein nun sind die anderen 
fünf lateinischen perfecta mit P bei praesen- 
tischem a-laute analogisch entsprossen. Und 
zwar, was interessant ist zu constatieren, es lässt sich fast 
genau noch der anteil feststellen, den eine jede der beiden 
musterformen an der gesamtzahl der nachschöpfungen hatte. 

Nach -ep-i zu ap-id, äp-tn-s haben sich, bei gleicher 
pi-aosensbildung nach der jodclasse und gleichem kurzem ä 
der Wurzel im praesensstannne, -fo-participiiim und supinum, 
neu entwickelt : rrp-i^ p('-'i j<^<'-'- 



— 177 — 

Zur Schöpfung der freg-1, peg-l war, mochte dieselbe uun 
ebenfalls nach -cp-l oder nach eg-i erfolgen, jedenfalls die 
anknüpfung au das -fo-participium nötig, da die praescns- 
stamuibilduug von frcuigö, pangü associiorbarkeit sowol mit 
apiö als mit agU verleugnet. Es hängt also die entscheidung, 
welchem der beiden mustertypen die/rr//-7, pcg-l gefolgt seien, 
davon ab, was die natürliche quantität des wurzelvocalcs 
in frac-iu-s, pac-tu-s gewesen sei, da ja äc-tu s und äp-fu-s 
in diesem punkte differieren (vergl. s. 162 f. ). Ich glaube nun 
einigermassen wahrscheinlich machen zu können, dass zum 
mindesten fnains mit langem ä im lateinischen gesprochen 
wurde. 

Von fractns erscheinen sämtliche composita nie mit 
*-frectus: con-, de- ^ e-f-^ in-, per- ^ prae- , re-fracU(s u. a. 
Diese also, wenn sie auch nicht gerade directes zeugnis für 
/r<^cf?^8 ablegen können, nemlich aus dem s. 114 erwähnten 
gründe nicht, widersprechen wenigstens an ihrem teile nicht der 
annähme eines langen « in der wurzel. Aber cm-fräctus 
'umgebogen , gekrümmt' nebst ou-fräctus m. 'umbiegung, 
krümmung" könnte auch positiver zeugen bei dem weiteren 
begrifflichen abstände von der verbalbedeutung das frangere 
und bei der abwesenheit eines verbums ^'an-fr lagere. Indes 
steht hier dieser älteren etymologischen auffassung des an- 
fradus^ die mit Yarro de ling. lat. VII 2 § 15 in unserem 
Zeitalter Pott wurzel-wörterb. III 514, Corssen ausspr. vokal. 
I^ 397, Vanicek etym. wörterb. d. lat, spr. ^ 196 vertreten, 
eine neuere analyse gegenüber, welche anfr-äctns zerlegt. 
Zu dieser ansieht bekennen isich Zeyss Kuhns zeitschr. XVI 
381 f., Curtius grundz. d. griech. etym. ^ 293, Breal les tabl. 
Eugub. 183 und Bücheier lex. Ital. IV" ; und das formale 
bedenken, welches bei derselben das unlateinische -/- des 
praefixes anfr- ^= osk.anifr- (in am fr- et ambiunt') verur- 
sachen könnte, weiss Bücheier a. a. o. mit dem hinweis auf 
frühzeitige volksetymologische umdeutung zu entkräften, welche 
a?ifr-äcfus von agö an fratigere angelehnt habe. AVio dem 
auch sei: selbst im letzteren falle bliebe hier immer noch 
eine wenigstens mittelbare hindeutung auf die länge des a 
in fractus bestehen, denn da anfr-äctus als compositum von 

Oathoff, zur geschichte d. perfecta i. indoc^ermanischen. 12 



— 178 — 

actus sicher ja langes ä haben musste, so konnten diejenigen, 
welches es „a frangendo dictum putabant" — und dass es 
solche gab, beweist da? beispiel des Varro — , dies doch wol 
nur tun, wenn sie auch fmctus mit vocallänge wie actus 
sprachen. Die wurzelstufe frag- haben noch die Wörter lat. 
suf-frägö 'hinterbug, rebschoss' und suf-fräg-iu-m 'zer- 
brochenes stück, scherbe, stimmtäf eichen nebst seinem Zube- 
hör suf-fräg-arl, re-fräg-dri. Und eben von dem frag- aus 
würde sich uns auch eine gute aussieht auf vermittelung des 
lateinischen verbalablauts von frangere mit dem e-vocalismus 
des got. br'ik-cm ergeben, welcher letztere allerdings füglich 
der ältere wäre: fräc-tu-s wäre = indog. hhfg^-tö-s, 
particip mit nebentoniger tiefstufe der wurzel hhreg-- (= 
sanskr. hliraj- in ved, giri-hh'äj- 'berge durchbrechend, aus 
bergen hervorbrechend' nach Grassmann Wörter b. z. rgv, 401, 
Fick vergleich, wörterb. I ^ 702) ; lat. rä = f sonans wie in 
strä-tu-s, grä-nu-m (morphol. unters. IV vorw. s. IV), wie 
ferner in crates f. plur. als der satzzwillingsform zu ahd. 
hurt f. 'flechtwerk, bürde', got. haurd-s anord. hnrd f. türe' 
(indog. krtei- : krtei-). Im germanischen hat mit lat. 
fräc-tu-s^ suf-fräg-iii-m u. s. w. dieselbe vocalstufe, germ. rö 
= indog, r, das nomen ags. hrök m. giessbach, Strömung, 
fluss' engl, brook 'bach', ahd. mhd. bruoeh m. n. 'moorboden, 
sumpf, morastgrund' nhd. brucJt m. n., niederd. brook^ nieder- 
länd. broek feuchte wiese', eigentlich 'brüchige stelle, ort mit 
hervorbrechendem wasser' (Kluge etym. wörterb. d. deutsch, 
spr. 39'' unter 2. Bruch); die vedischen iirmdyo glribhräjas 
'aus bergen hervorbrechende wogen' rgv. X 68, 1 bieten 
willkommene begriffsaualogie. Denselben einklang in lat. 
rä german. rü = indog. r gewahrt mau auch bei lat. räd'ix 
und anord. röt f. 'wurzel', die sich zu got. ivaurt-s ags. wtji't 
alts. uiirt ahd. ivurz f. in das Verhältnis der alten satz- 
doublette (indog. «ri^i- oder vftid- : vrtei- oder vrtid-) 
stellen. 

Dass langes ä auch dem participium lat. jmctus ge- 
eignet habe, also derselbe ablaut wie in päg-us, päg-ina, 
com-pag-es^ in iwo-päg-es pro-pCig-ü pro-päg-äre, re-päg-ulu-m 
und wie auf griechischem boden in ion. att. tit^x-to-^, wird 



— 179 - 

sich noch sch\N'erer durch ein ausschlaggebendes indicium 
zeigen lassen. Zwar könnte man sich daranf berufen, dass 
von den compositen ohne die vocalschwächung com-pactus^ 
im-pactiis, sup-padiis das erstere wegen seines adjectivischen 
gebrauches 'untersetzt, gedrungen, dick' auch positiv beweisen- 
der für ä sei. Allein trotzdem drängt sich in com-padus 
doch wol nicht zwingend genug eine „isolierte form" auf. 
Ferner hatte von der nebenwurzel mit auslautender tenuis, 
päc- in päx p'-ic-is, pac-lscor, das -^o-particip sicher kurzes ä: 
pädus, pädnm, pädö nach dem ausweis der vocalschwächung 
im componierten com-pedus, de com-pedö bei Plautus u. a. 
(Neue formenl. d. lat. spr. II- 309 f.). Immerhin bliebe 
möglich, dass trotz der gleichen wurzel das zu pangö gehörige 
padus andere quantität als das zu päcJscor sich stellende, 
jenes also doch hänge gehabt habe. Und so bleibt diese 
frage in suspenso. 

Rascher freilich sind nach ihrer art unsere neueren 
orthoepisten mit der quantitätsbestimraung von fradus und 
padus fertig geworden. Wiggert stud. z. lat. Orthoepie 
14. 17 steht nicht an den beiden formen kürze des wurzel- 
vocales zuzuweisen, Bouterwek-Tegge.d. altsprachl. Orthoepie 
u. d. praxis 109 und Bünger üb. d. lat. quantität in positionsl. 
silben 13 und ganz neuerdings auch x\nton Marx 'hülfsbüch- 
lein für die ausspräche der lateinischen vokale in positions- 
langen silben Berlin 1883 s. 5 f. 32''. 50" 'plaidieren ebenso 
unbedenklich zu gunsten der länge; wie diese auf grund 
ihrer falschen Lachmannschen regel (vergl. oben s. 112 f.), 
so jener ohne berechtigung das an fädus, jädus u. dergl. 
wahrgenommene verallgemeinernd. ^) 

Für die erklärung des Ursprunges der c-perfecta fregi 
und pcgl bieten sich nun drei verschiedene wege dar, von 
denen sicher einer, wenn die anderen zwei im stiche lassen, 
zum ziele führen wird. 



1) "Wir müssen unbedingt festhalten an dem princip, dass im 
lateinischen vocalschwächung zu e im compositum vor positionsbildender 
consonanz notwendig für ursprüngliches ä des simplex beweist, wäh- 
rend unterbleibinig der vocalschwächung nicht ebenso notwendig da- 

12* 



— 180 — 

Entweder sowol päcfns als auch frdctns hiess es : dann 
sind beide, pe(ß und fregl^ unmittelbare nacliformungen von 
egl neben actus. Oder zweitens, es reimte mindestens fräctus, 
wie es uns wahrscheinlich zu werden anfing, sich genau auf 
actus., päctus hatte kürze des wurzelhafteu vocales : dann ist 
nur frcgl unmittelbar nach egl geschaffen, pegl zu pangö erst 
wieder nach frcgl neben frangü entsprungen. Oder endlich 
drittens: bei der notwendigkeit, einzig fräctus sowol wie 
päctus anzuerkennen, sind sodann auch frcgl, pcgi vielmehr 
analogiebildungen nach -epl neben äptus gewesen, und das 
einzige cgi stand unbenutzt abseits bei diesen betätigungen 
des triebes der proportionalen analogieschöpfung im latei- 
nischen. In jedem falle stellt sich uns der einklang von lat. 
fregimus mit got. brekmn als ein rein zufällig entstandener dar. 

Mit der annähme , dass lediglich auf grund überein- 



gegen und für langes ü eintritt, sondern dieses meistens nur dann, 
wenn eben das compositum eine mehr oder weniger „isolierte form" 
gegenüber dem simplex geworden ist. So reden auch at-tractus, con- 
-tractus keineswegs, wie Bünger a. a. o. meint, einem träctus das wort 
aber wol zeugen die verba af-trectäre, con-trecfäre, de-trectäre ihrer- 
seits als „isolierte formen" bei ihren von trahö so abweichend ent- 
wickelten bedeutungen laut zu gunsten eines fräctus. Das hat auch 
Marx hülfsbüchl. f. d. ausspr. d. lat. vokale in positionsl. Silben 5 f. 
69'', wie vieles andere, nicht gesehen. Und dass Momrasen philol. u. 
bist, abhandl. d. Berliner akad. d. wissensch. 1863 s. 462 auf der 
Augusteischer zeit angehörigen inschrift corp. inscr. Lat. VI no. 1527 
das abgebrochene trd zu trd\cta] „mit voller evidenz ergänzt", wie 
Corssen ausspr. vokal. I^ 23, Bünger a. a. o. und Wiggert a. a. o. 17 f. 
annehmen, Hesse sich eben daraufhin noch bezweifeln. Sollte aber 
auch dieses trdcta feststehen, so würde der apex desselben doch mit 
nichten das aus at-trectäve, co/i-trecture, de-trectäre gewonnene träctus 
umstossen, sondern man hätte nur der lateinischen spräche den besitz 
eines träctus neben träctus zu vindicieren, wie ähnlich lat. actus dem 
griech. äzrö? zur seite geht und auch *äctus lauten könnte gleich diesem 
und wie in etwas anderer weise wol auch die formendoppelheiten lecttis 
und lectus, rectus und rectus der lateinischen spräche zuzuerkennen 
sind (vergl. s. 113). Unsere orthoepisten werden sich bei ihrem löb- 
lichen bestreben, die natürliche quantität der lateinischen vocale in 
positionslangen silben zu bestimmen , entschieden daran gewöhnen 
müssen, jeden einzelnen fall viel mehr individuell und weniger nach 
allgemeinen Schablonen zu behandeln, als sie es bis jetzt zu tun pflegen. 



— 181 — 

stimmender participbildung ein lateinisches verbum sein acti- 
visches perfect demjenigen eines anderen verbums liabe ähn- 
lich machen können, wird man sich noch mehr befreunden, 
wenn man die rolle des -^o-particips in der lateinischen con- 
jugation nach gebühr in anschlag bringt. Es werden ja mit 
ihm periphrastisch drei volle tempora des mediopassivums, 
perfectum, plusquamperfectum und futurum exactum nebst 
allen ihren zugehörigen modi, gebildet. Und so ist denn 
auch die Schöpfung des fregl nach er/l, wenn diese anzu- 
nehmen ist, nicht sowohl eine auflösung der simplen pro- 
portion actus : egl = fräctus : x gewesen, als vielmehr das 
gewinnen des x aus den zahlreichen musterverhältuissen wie 
actus sum^ es, est, äctl sunms u. s. w. .• egi = fräctus sum, 
es u. s. w. .' X. !Nach meinem dafürhalten gelangt man auf 
ganz ähnlichem wege auch zii einer befriedigenden erklärung 
der jungen lateinischen perfectbildung auf -vi : in der paralleli- 
sierung von mmtus, deletus, audltus, nötus sum mit mötus, 
fötus, vötus sum und Jätus sum haben clmä-vl, dele-vl, audi-vl, 
nö-vl nach müv-l, föv-l, vöv-l, jäv-i ihren entstehungsgrund, 
was näher darzulegen der nächstfolgenden abhandlung „zur 
altitalischen perfectflexion" vorbehalten ist. 

Wie schon erwähnt, hat Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXVI 372 ff. mit einer neuen und jedenfalls scharfsinnigen 
auffassung des oskischen adjectivs slpus 'sciens' und der 
verbalformen osk. kipid 'habuerit' perf. conj., hlpust 'habuerit' 
fut. exact. diesem altitalischen dialekt auch anteil an der 
lateinischen perfectbildung mit e bei a-wurzeln geben wollen. 
Schmidt erteilt den formen langes osk. l aus ursprünghchem 
und lateinischem e, wie ja die sie enthaltende tabula Bantina 
jedes ursprünglich lange lat. e zu i gewandelt zeige {licjud 
'ir-ge, ligis Ir-gibus', licitud 'liceto', zicolom 'dieculam'), und 
slpus sucht Schmidt auf das alte partic. perf. act. von lat. 
*sep'i (zu sapio) zurückzubringen. 

Ich könnte es für mein teil ganz dahin gestellt 
sein lassen, ob das richtig ist oder nicht. Dass hier der 
Schwierigkeiten noch manche walten, wird wol auch Schmidt 
selber nicht verkennen wollen. Das noch immer rätsel- 
hafte p der osk. hipid , hipust , gegenüber dem zu der 



— 182 — 

umbrischeu und lateinischen lautform der wurzel hab- 
besser stimmenden / in osk. haßest fut., weiss auch Schmidt 
nicht zu erklären und meint nur: „es scheint irgend- 
wie durch die perfectbildung bedingt zu sein." Dennoch 
glaube ich, dass Schmidt für das Verständnis der osk. hipid 
hipiist und sipns den einzig richtigen weg gezeigt hat und 
dass seine auffassung derselben formen gerade an unserer 
theorie und umgekehrt diese sich an jener bewähren kann. 

Hat das oskische die gleichen Wirkungen aufzuweisen, 
so wird es wol auch die gleichen Ursachen, wodurch im latein 
die bildung eines perfectums *sept möglich gewesen wäre, 
gekannt haben. ^N^emlich erstens eine dem lat. -eju von 
co-ejjl entsprechende altererbte perfectform neben der national- 
oskischen form des jodpraesens apiö. Sodann die flexion des 
verbums habere nach derselben praesentischeu jodclasse wie 
aplö im gegensatz zu der lateinischen conjugationsweise; 
darauf deuten ja gerade auch das futur vom praesensstarame 
osk. haßest umbr. habiest und der conj. praes. umbr. habia 
'habeat' hin. Darauf im germanischen die alts. hebhkm fries. 
hebha ags. *hehban anord. *hefja^ deren paradigmatische 
mischung mit den Stammformen got. habai-^ ahd. habe- = 
lat. habe- in der von Sievers Paul-Braune's beitr. VIII 90 ff. 
für das urgermanische reconstruierten weise (vergl. auch 
Mahlow d. lang. voc. A E 22 ff.) ich für etwas uraltes 
und nicht wie Sievers für einen durch specielle germanische 
überdies problematische lautentwickelung ausgebildeten zu- 
stand halte; was hier indes nicht näher ausgeführt werden 
kann. Von seinem *haf-iu = alts. hebb-iu (indog. khabh-io) 
aus mochte das oskische denn auch zu einer perfectbildung 
dieses verbs mit e nach dem muster derjenigen von *ap-iu 
= lat. ap-iö gelangen. 

Ja, man könnte sogar, wenn man der Oskersprache 
auch ein particip *hafto- gehabt', zu lat. habitus sich ver- 
haltend wie lat. üUhs zu alitus^ al-lectus (von al-Jiciü) pel-lectua 
zu e-licitiis, zuschreiben dürfte, auf die Vermutung kommen : 
auf grund der gleichlautenden participia *hafto- und *afto- 
= lat. apto- habe sich auch osk. lüpid wie *lpid = lat. 
-eperit eingefunden; womit man dann auch eine erklärung 



— 183 — 

des schwierigen p von Jüpid, hipust hätte und also das von 
Schmidt angebahnte Verständnis dieser formen in erwünschtester 
weise vervollständigt haben würde. Berücksichtigt man übrigens 
die bekannte oskische vocalsynkope von factml, adud, vlncter 
{\evg\. Bücheier rhein. mus.^ f. philol. n. f. XXXYII 648 f.) 
und dass eben nach factml auch osk. *haptud, *aptud von 
den jodpraesentieu lat. *hahiö, apiö zu erscheinen hätten, 
also ferner auch 3. sing, praes. pass. *hapter und *apte)\ so 
ergeben sich augenscheinlich der formen noch mehrere, im 
anschlusse an welche osk. hlpid seinem muster *ipid auch 
im consonantismus folgen konnte. Die richtige erschliessung 
der Imperativform osk. *]iaptiid verbürgt überdies der um- 
brische dialekt mit seinem hahtu capito'. Das umbrische 
lässt ja. darin weiter gehend als das oskische,, die Verwand- 
lung der consonantengruppen kt, pt auch dann eintreten, 
wenn die beiden einzelnen consonanten durch vocalausstossung 
secundär zusammen geraten sind, also nicht nur in snbahtor 
subacti", anfehtaf 'infectäs', r e h t e recte', u h t u r auctor 
und screhto 'scriptum', screihtor scripti' wie bei den Oskern 
saahtüm sanctum', ühtavis 'Octavius'. scriftas scriptae', 
sondern auch in umbr. a i t u aitti = osk. actud lat. ckjüö, habt u 
= osk. *hapti(d; der einzige unterschied dieser secundären 
umbrischen erweichung der kt, pt von jener früheren mit dem 
oskischen gemeinsamen scheint zu sein, dass bei der jüngeren 
die gutturale gruppe kt eine palatale affection, geschrieben 
it in aitu agitö', fei tu 'facitö', ad-, ku-veitu 'ad-, con- 
vehitö', zurücklässt (vergl. Breal les tabl. Eugub. 63. 100. 
181. 338)^ woran natürhch das in umbr. hahtu zu gründe 
hegende pt keinen teil haben konnte. 

Yermochten wir so von unserem Standpunkte Joh. 
Schmidts auffassung der osk. hipid liipust^ sipus noch be- 
deutend zu stützen, so können wir es dagegen nur als ein 
verfehltes wagnis bezeichnen, wenn derselbe gelehrte a. a. o. 
374. 376 auch die italienischen praeterita ehhi, seppi als nach- 
kommen urlateinischer *]iebi, *sepl mit jenen oskischen formen 
in directen Zusammenhang bringt. Die italienische spräche 
hat von den sieben lateinischen perfecta mit c sonst nur noch 
das einzige feci. Nicht einmal nach diesem hätten sich, 



— 184 — 

weder in der lateinischen sprachentwickelung noch auch 
selbst in der romanischen, beide, Italien, ehhi und seppi., als 
analogiebildimgen einstellen können, so dass sie als die letzten 
ausläufer des durch -cpl im altlateinischen begründeten per- 
fectablautstypus von ^1-wurzeln erschienen ; geschweige denn 
dass die unmittelbare anknüpfung dieser wie anderer roma- 
nischer Spracherscheinungen an verschollene altlateinische 
mutterformen und gar an das früh verklungene sprachidiom 
des fernen alten Samniums die mindeste Wahrscheinlichkeit 
für sich beanspruchen dürfte. 

Dem alten latein musste, während ihm ein perfectum 
*sepl zu sapiö natürlich möglicli gewesen wäre, ein ^hebl nach 
-epi oder nunmehr auch nach fem, jecl^ cepl neu zu bilden 
schlechterdings versagt sein; wenigstens nach der zeit seiner 
ausgleichung der früheren praesensflexion *hablö, habes, habet 
und der abschaffuug der participialnebenform *haptus waren 
keine dazu veranlassung gebenden berührungspunkte in der 
conjugation des habere und des apere, facere,Jacere, capere mehr 
da. Im italienischen könnte es zwar der grosse parallelis- 
mus in der conjugation von fare einer- und avere, sapere 
andererseits — praes. indic. fo, fal, fa, facciamo, fanno^ 
conj. faccia wie ho, hai, ha, abbiamo, hanno, abbia und wie 
so, sai, sa, sappiamo, sanno, sappia — nahe legen, gerade 
an feci als das muster für ebbt, seppl zu denken, was in der 
tat A. Baragiola Italien, gramm. 111 tut. Aber auch das 
verbietet sich , durch die erwägung nemlich , dass erstens 
ebbi, seppl kurzes offenes e haben, feci aber langes ge- 
schlossenes e ganz nach der Ordnung bei zu gründe 
liegendem lat. e in offener silbe, ferner jene mit „consonanten- 
dehnung" -bb-, -pp- erscheinen, dieses nicht. Gemäss feci 
könnten im italienischen nur *ebi, *sepi die formen sein, auf 
welche eine auffassungsweise wie die Joh. Schmidt'sche über- 
haupt anwendbar wäre. 

Consonantendehnung und offenes e hat aber mit ebbi, 
seppi gemein das perfectum Italien. siMti von stare-, vergl. 
Blanc gramm. d. italiän. spr. 44. 45, A. Baragiola Italien, 
gramm. 109. 111. 145. 149. 171, Fornaciari gramraatica ital. 
dell' uso moderno (Firenze 1879) 11. 153. 188, O. Vockeradt 



- 185 — 

lehrb. der Italien, spr. 46. 48. 49. An die analogie von 
stettl erinnert darum Baragiola s. 111 sehr viel passender 
auch bei der erklärung der ehhi^ seppi. Es fragt sich nur, 
M^as stetti selber ist. Weder entspricht es genau dem lat. 
stetig nach Diez gramm. d. roman. spr. 11^ 155, IJaragiola 
a. a. 0. 171, noch geht es auf die lat. nebenform stitJ zurück, 
nach verf. morphol. unters. IV 3 anm, (vergl. auch Brug- 
mann morphol. unters. III 26) : aus jenem wäre ein italien. 
*stieü^ aus diesem ein *stetl mit geschlossenem e geworden, 
aus keinem von beiden eine form mit consonantendehnung 
italien. -tt-. Der letztere umstand weist vielmehr auf latei- 
nische doppelconsonanz hin, und ungezwungen würde sich 
die italienische form als sprosse eines vulgärlat. '^steint 
(*stetvT) deuten, sowie italien. vdlll = lat. i'oluT ist: stetti 
gehört mit dem ihnj entsprechenden altfranz. estiä zu den 
zahlreichen neuen pcrfoctformen des vulgärlateinischeu und 
romanischen auf -uJ, welche für das französische gebiet grund- 
legend von Suchier Gröbers zeitschr. f. roman. philol. II 255 ff. 
untersucht werden und nach ihm s. 261 „auf zwei arten ent- 
standen sind : einmal durch Umbildung der lateinischen per- 
fecta, indem für die endung -l -ul substituiert wurde, und 
zweitens durch neubildung, indem die spräche aus dem latei- 
nischen (oder romanisch umgebildeten) praesens durch anleh- 
nung an die vorhandenen perfectformen auf -ui neue perfecta 
erzeugte". Der fall italien. stetti afranz. estui gehört zur 
ersteren art, desgleichen aus dem italienischen z. b. noch 
ruppi aus *rilpiü (*rilpvl), venni (mit geschlossenem e) aus 
*venu'b (*venvJ) '), crehhi aus *creviü (*creiwl), conöbbi aus *co- 
gnövui (*cognöüvt); während z. b. italien. caddi aus *cadui 



1) Auch italien. temii hat geschlossenes e (Blanc gramm. d. italiän. 
spr. 45, Baragiola italien. gramm. 150). Folglich ist es nicht = lat. 
temil, sondern entweder aus einem *te».iil die analogiebildung nach 
venni = *veiiul oder tenni entstand aus einem lat. *tlniii, welches durch 
den einfluss der composita wie ital. asfenni, ritenni, sostenni = lat. 
abstimil, retinal, sustiuitl aufgekommen war. Wenn letzteres das rich- 
tigere wäre, bliebe übrigens auch für italien. venni die möglichkeit, 
dass es nicht der im texte gegebenen erklärung folge, sondern seiner- 
seits die ueusohöpfuiig nach tenni = *tinul wäre. 



— 186 — 

(*cadvf) ein ropraesenlant der zweiton Suchierschen gattung 
ist. Vermutlich ist ebenso schon im alten latein selbst die 
mischbildung aus sigm.itischem perfect und demjenigen auf 
-Hl entstanden bei metö^ partic, messus und bei nectö, pectö : 
messui für einstiges *messh nexiiT und 'pexnJ für die ja auch 
noch vorkommenden älteren nexT, pexT (Neue formenl. d. lat. 
spr. II 2 494 f. 497 f.); ähnlich über messm, nexuT^ pexui 
F. d'Ovidio rivista di filol. XI (1882) s. 33 anra. Nur darin 
besteht zwischen italien. stetti und afranz. estiii ., ebenso 
zM'ischen italien. crrbbi , conöhhi , caddi und afranz. criiij 
conui, chani (Suchier a. a. o. 255. 256) , zwischen italien. 
völU und neufranz. voidus ein unterschied, dass die italienischen 
formen noch die alte betonung der ihnen zu gründe liegenden 
vulgärlat. *stetul u. s. w. festhalten, im französischen aber 
„die angleichung der stammbetonten formen an die endungs- 
betonteu" (lat. -u'/stT; -üimiis^ -tiistis, conj. -uissem u. s. w.), 
auf welchen Vorgang wahrscheinlich die analogie des para- 
digmas von füi nicht ohne einfluss war, eine anscheinende 
accentverschiebung nach sich gezogen hat (Suchier a. a. o- 
264, Thurneysen 'das verbum etre und die französische con- 
jugation Halle 1882 s. 34 ff.). 

Unmittelbar nun, wie italien. stetti auf ^stetul. oölU auf 
altlat. volm^ beruhen auf den altlat. habiü hahuit^ sapwl 
sapuit die archaisch und poetisch im italienischen ja auch 
noch nachweisbaren ahhi uhhe, sappi sappe\ vergl. Diez gramm. 
d. roman. spr. IP 149. Baragiola italien. gramm. 109. 111. 149. 
Diese machte später der einfluss von stetti stette bei dem 
parallelismus der flexion sto stai sta stanno : ho hai ha hanno 
und .so sai sa sanno zu e-formen : daher ehhi, seppi. Der- 
selben bahn des stetti folgte ja doch auch die bildung der 
jüngeren nebenform detti zu italien. diedi = lat. dedJ (und 
vice versa auch italien. stiedi für stetti nach diedi), nur dass 
bei noch grösserer Wurzelähnlichkeit von dare und stare, 
mangelndem consonanten als charaktorlaut im wurzelschlusse, 
in dem falle detti noch stricter, weil auch im consonantismus, 
sich die nachbildung an das muster anschliessen konnte. Es 
ist nach der genauen Übereinstimmung von altitalien. abhi 
span. hübe portug. houve afranz. (normann.") oi = lat. habut 



— 187 — 

und von altitalien. soppi span. supe portui?. soube provenz. 
saup afrauz. (norraann.) soi = lat. sapm das siclier, dass das 
gesamte romanische Sprachgebiet die gewöhnlichen hitei- 
nischen perfectbilduugen der verba habere und sapere ererbt 
bekommen hat (vergl. auch Diez gramm. d. ronian. spr, I* 356, 
Suchier a. a. o. 255) ; es folgt dem gegenüber aus den 
allein vom gesamttypus sich entfernenden und nachweislich 
erst in späterer zeit auftretenden Italien, ebbi, seppi nichts 
für die conjugation der lateinischen muttersprache. 

Wo und wie finden sich, frage ich endlich, zu den nach 
analogie erschaffenen lat. fregT. pegi, fecT, jecJ, cepT, osk. 
hJpTd hJpustj sTpus die Vertreter älterer und indogermanischer 
perfectbildung aus denselben wurzeln vor ? 

Wir sehen von got. bnik ganz ab, da es mit frecß 
wegen seines befindens in einer anderen und wahrscheinlich 
der älteren vocalreihe schon gar nicht mehr commensurabel 
ist; vergl. s. 162. 178. 

Zu pe(ß tritt im lateinischen selbst pepkß^ aber auch 
griech. iri-ndya ion. att. Ti'ci\)]ya\ lat. pepicß aus *pe-pä(j-ai^ 
zwar als medialform regelrecht mit tiefstufiger wurzel, muss 
aber wenigstens wegen des nicht allersehwächsten grades 
dieser tiefstufe — die alte satzzwiilingsform hiess *pe-p(j-ai 
— die reduplication nach analogie wieder vorgesetzt haben, 
was übrigens ebenso auch von lat. tetigJ, cecklT, cecim gilt. 

Zu lat. cepJ got. anord. ags. altfries. alts. liöf ahd. hiob^ 
zu osk. sTptis alts. af-söf ahd. int-suab (in Otfridischer mund- 
art); diese german. höf, söf, abgesehen von dem bei ihnen 
alten maugel der reduplication, wie griech. 7rt'-7ic7/-«oder even- 
tuell als 3. sing, wie ein griech. "^nä-ncoy-e (vergl. s. 62). 

Endlich zu lat. fecT osk. fefacTd opt. perf., umbr. f a k us t , 
ia,kuYent facurent fut. exact. ; zu osk. Mpid, hipust umbr. 
habus, habiirent fut. exact. Wüssten wir um die quantität 
dieser oskisch-umbrischen formen mit fac-, hab- bescheid, 
so würde je nachdem osk. fe-fäc-Td an eine wie griech. 
TTs-näy-a gestaltete 1, sing, urital. *fe-ßic-a dem ablaute und 
der reduplication nach anzuknüpfen oder osk. fe-fäe-ul wne 
lat. pe-pig-T als eine bildung mit wieder vorgeschobener redu- 
plication vor nebentonig-tiefstufiger Wurzelsilbe zu beurteilen 



— 188 — 

sein ; so würden sich je nachdem umbr. fäc-urent., häb-us 
h(lb-i(reiit zu der 1. sing, german. JiOf^ sOf gesellen als bil- 
duiigen mit dem übertragenen ablaut der reduplicationslosen 
1. sing, perf. act. urital. *f<ic-a, *JuiJ-a oder umbr. fäc-ureut, 
häb-us häh-i(rent in bezug auf den wurzelablaut wie das lat. 
pe-plg-J beschaffen, in hinsieht auf die mangelnde reduplication 
altertümlicher als dieses und parallel dem für pe-pig-J zu er- 
schliessenden lat. *päg-J erscheinen. ITebrigens kann wol 
das verbum lat. fä-c-iö selbst nur als ein denominativum des 
in arti-fex^ carnu-fex, opi-fex und anderen solchen lateinischen 
compositen vorliegenden nominalstammes fä-c- mit ^'-suffix 
gelten (vergl. griech. (fvkaoaio aus *(fvXäy.-uo)\ lat. /ä- von 
fe- = indog. dhe-, griech. ^/;- die tiefstufe, wie lat. sä- in 
sä-tH-s von sc- säen' (Brugmann liter. centralbl. 1882 no. 41 
sp. 1300). Dann würden, indem /V<cw im altitahschen ganz den 
flexionsbahnen von alten wurzelverben wie capto, sapiö folgte, 
auch selbst die osk. fefacid, umbr. fakust fakurent, ob- 
gleich sie ja der indogermanischen bildungsweise des perfects 
von tt-wurzeln näher zu stehn scheinen, doch nicht minder 
als lat. fecc nur analogische neuschöpfungen der einzelsprache 
sein können. 

Für das verbum Jac-iö lässt sich das ursprüngliche per- 
fectum, dessen Substitut die neubildung Jcc-J ist, wol auch 
noch aus dem lateinischen selbst gewinnen. Meines erachtens 
wird sich nemlich für lat. ic-ö oder k-iö 'treffe' die herkunft 
von derselben wurzel mit jac-iö behaupten lassen. 

Formal insofern, als lat. tc- in dem aoristpraesens tc-ö 
— die kürze bezeugt Priscian X 3^ 17 p. 509 H. nach 
Caper (vergl. Neue formenl. d. lat. spr. II- 502, Georges 
lat. -deutsch, handwörterb. '' unter *co) — die tonlose tief- 
stufe von indog. lak-- in lat. jac-iö darstellt. Das durch 
Lucret. III 160. lY 1042 ed. Bernays gewährleistete praesens 
ic-ö oder Jc-iö (vergl. Neue a. a. o., Georges a. a. o.) ent- 
hält die stärkere tiefstufenform indog. lA:--. Und tiefstufen- 
bildungen derselben wurzel /' a k- - sind füghch auch die bei 
Curtius grundz. d. griech. etym.^'' 461 und Vanicek etym. 
wörterb. d. lat. spr. - 39 zu lat. ic-ö^ ic-tu-s gestellten grie- 
chischen Wörter in-ro-fiai 'bedränge, bedrück e^ belaste, be- 



— 189 — 

schädige', 7| 'scliüdliclier käfer', np 'schädlicher wurm, bohr- 
wiirm', i'n-i')] baumhackor', Jn-o-c f. 'stellholz iü der maiise- 
falle, mausefalle, bürde, belastung, presse' u. a. ; insbesondere 
auch g'riech. tiwWw und iv-in-td) 'fahre an, schelte', iv-Tn-rj 
'tadelnde anrede, Scheltwort'. Lat. jac-iö nun ist jodpraesens- 
bildung aus mittelstufigem iudog. iak^-^ sowie griech. aZoaai 
ehre, scheue" das nicht reducierte indog. iag^- = sanskr. 
ijaj- verehren, opfern' zu gründe legt, nicht die von sanskr. 
ij-ija-te pass.. isli-tä-s partiC; ish-tvä gerund., ish-ti-sh f. 
'Opferung, opfer' dargebotene tiefstufenform iudog. i(/^-. Es 
hat also lat. j'ac-iö auch zu ic-iö (oder Jc-iö) und griech. 
hr-ioaco dasselbe formale Verhältnis, wie griech. d^t'^io und 
q>&siQ(') zu duiQU), (fd^aiQM, griech. /.hqo zu lit. skir-m; vergl. 
oben s. 89. 91. 

Von selten der bedeutung ist der unterschied von lat. 
ic-ere treffen' und Jac-ere 'werfen' ja doch kein anderer als 
im griechischen der von ßaXsTv aor. und ßakXsiv praes. (Del- 
brück syutakt. forsch. IV 84. 101) 5 auch in dem lateinischen 
falle verknüpft sich der begriff des „effectiven" oder der 
resultativen handlung passend mit der aoristpraesensbildung 
^c-ö, gegenüber dem durativen sinne des jac-iö 'werfe', eines 
jodpraesens wie ßäXho. 

Das griech. Jäirrn) 'werfe' wird von Corssen ausspr. vokal. 
I^ 453, Pott wurzel-wörterb. III 210, Curtius verb. d. griech. 
spr. 12 243 f., Fick vergleich, wörterb. II 3 200 und Vanicek 
etym. wörterb. d. lat. cspr. - 37 f. zu lat. jac-iö gestellt; es 
vereinigt sich damit wol nur so, dass jenes als eine redu- 
plicierte praesensbilduug durch f-suffix i-an-rc) = indog. 
{i)i-icih--tö angesehen werde. Man vergleiche öiÖQaay.w, 
ninQäoxcK yiyrcooy.«)^ diduo/.w^ riTvox(o^ nnrioxro^ ßtßoioax(t), ferner 
Ttramo, iäXXc) u. a. mit ilirer combination der nemlichen 
praesensreduplication und lautvollerer stammbildungssuffixe. 

Entspricht nun das zu ic-ere geltende perfectum lat. 
Tc-T überhaupt den anforderungen an eine aus dem indo- 
germanischen erbgute entstammende form, so w-ürde folgen, 
dass es ehedem auch die zu jac-iö gehörige perfectbildung 
gewesen, bevor Jcc-T aufkam. Allerdings ist aber von einer 
Wurzel iah-- nichts anderes als mediale 1. sing. perf. der 



— 190 — 

grundsprache vorauszusetzen denn ein Tk'^-di^ und dieses 
mag im lateinischen lautgesetzlich Tc-T sein. Liegt ja docli 
von iag^- 'verehren' sanskr. f/'-e vor und vermochten wir 
dieses morphol. unters. lY voiw. s. XI f. oben s. 47. 131. 
136 freilich als eine erbbildung = indog. Jfj^-di wol zu 
rechtfertigen. 



IV. 
ZUR ALTITALISCHEN PERFECTFLEXION. 

Die frage nach dem wesen und der herkunft des lat. 
-~i der 1. sing. perf. ist in der heutigen Sprachwissenschaft 
noch eine durchaus offene. Ihre beantwortung ist, um von 
älteren lösungsversuchen ganz abzusehen, neuerdings auch 
F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 48 ff. trotz grosser bemühung 
nicht gelungen. 

Dass das -7 unter keiner bedingung dem indo-iran. -a, 
griech. -a der activform 1. sing. pörf. entsprechen könne, 
dürfte wol allgemein zugestanden sein. Ich sehe aber nicht 
ein, warum man nicht, wie ich oben s. 169 f. andeutete, die 
medialform 1. sing., also den reflex von sanskr. -e, avest. 
-e, abulg. -e in vtd-e, ich weiss'; in dem schwierigen lat. -l 
suchen solle. 

Dann würde sich lat. tu-tüd-J laut für laut dem sanskr. 
tu-tud-e vergleichen lassen, ebenso lat. sci-cid-i zu dem 
sanskr. ci-cchid-e sich stellen. 

Lat. de-d-J wäre dem sanskr. da-d-e avest. da-idJi-e, lat. 
ste-t-t dem sanskr. ved. ta-sth-e (rgv. X 48, 5) conform. 
Yergl. über die ursprünglichkeit solcher da-d-e da-idJi-e 
de-d-I, ta-sth-e ste-t-T im indogermanischen oben s. 138 f. 

Zu sanskr. ri-rk-e, ved. vi-vid-e 'ich habe gefunden' 
rgv. lY 18, 13 gehören lat. re-lTqu-l, vTd-t, denen ich schon 
morphol, unters. IV 129 anm. tiefstufenvocalismus mit indog. 
7 zusprach, als die uralten satzzwiUingsformen; die lateinischen 



— 192 — 

formen zudem regelrecht reduplicationslos bei nebentonig-tief- 
stutigor Wurzel nach verf. morphol. unters. lY vorw. s. VIII fF. 
Paul-Braunes beitr. YIIl 30t) f. oben s. 55. 72 f. 120. 174 anni.; 
lat. v7d-J ferner aucli gleiclieu ablauts mit den iranischen 
schwachen perfectfoi-men der gleichen wurzel avest. vul-ya-t, 
vul-vao (morphol. unters. 1Y62 f. ). In sofern auch das slavisclic 
unicum abulg. ved-e ich weiss' zu lat. vld-t^ als diesem in den) 
personalsuffix völlig gleich, zu stellen ist, ist für ersteres nur 
grössere unursprünglichkeit seines wurzelablauts, Verdrängung 
eines älteren *vkl-e nach der analogie der verlorenen activ- 
formen abulg. *ves-to 2. sing., *ved-e 3. sing. = sanskr. vH- 
-tha, vhl-üj griech. olo-Sa^ old-s, got. wais-t, wait anzunehmen. 
Aehnlicli übrigens im lateinischen selbst to-tond-% spo-pond-t 
mit Übergang der hochstufigen wurzelform der verschollenen 
2. 3. sing. act. an das der personalendung nach mediale ge- 
bilde, während lat. pe-pend-1 wiederum in diesem belang 
treuer dem alten herkommen folgen und einem sanskr. *pa- 
-spad-e, statt der hier neu gebildeton medialform pa-spand-e. 
gleichen dürfte: vergl. F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 47 f. über 
den irapei'ativ perf. lat, me-men-tö als eine die „nasalis 
sonans" enthaltende und noch in alter weise „unthematische" 
schwache perfectform = griech. i^a-f.iä-r(i). 

Endlich nenne ich noch lat. sed-1 als dem sanskr. sed-e 
wol vergleichbar, welches letztere, unbelegt, nach der im 
veda häufigen 3. plur. med. ni shed-ire und den gleichfalls 
medialen griech. ?;aa«, rjo-rai unzweifelhaft vorausgesetzt 
werden darf; vergl. oben s. 108. 

Von selten der bedeutung wird wol dagegen, dass wir die 
im lateinischen activische perfectform auf -t dem alten medium 
zuweisen, niemand einspruch erheben, der bedenkt, wie fein 
und dem oberflächlicheren blicke oft verschwindend in den- 
jenigen sprachen, die das indogermanische medium beibehielten, 
indo-iranisch und griechisch, uns die bedeutunsnüancierung 
desselben gegenüber dem genus activum häufig entgegentritt. 
^Yarum sollten wir nicht eben lat. srd-J medial durch 'ich habe 
mich gesetzt' wiedergeben können, wenn für unseren geschmack 
die functionale differenz des ved. ni shedire von dem acti- 
vischen ni skedur kaum immer fühlbar wird? Warum nicht 



— 193 — 

ebenso lat. ste-t-7 durch 'ich Imbo m i c li gestollf, wenn wir 
uns schon nur mit mühe rocheuschafr darüber geben, wes- 
halb in mi iiniydi'e 'va tastlie 'nicht bin ich dem tode an- 
heimgefallen' rgv. X 48, 5 nicht die activform tasthau ge- 
braucht ist; oder weshalb es dem einen vcdischen sänger 
rgv. YIII 7. 8. 36 tc hliännhliir cl tasthire mit strahlen breiten 
sie sich aus' ((3rassniann) von den winden, iiiariUas, zu sagen 
beliebt, einem anderen aber in activischer rede wen düng rgv. 
II 38, 7 dhäiivänp ä nirgaydso vi tasthiili auf dem festland 
rings verteilt das wild sich' (Grassmann); weshalb es ferner 
rgv. IX 62, 27 tübhyemä hlmvanä have mahimne soma ta- 
sthire 'es standen, weiser soma, dir die weiten hier zur macht 
bereit' (Grassmann) heisst, aber andererseits in ganz ähn- 
licher gedankenfügung und construction mit activischer verbal- 
form tasthur rgv. IV 54, 5 ydthä-yatlid patdyanto v'iyem'ird 
eva'tvd tasthiih savitah savdya te 'wie immer sich verteilten 
auch die eilenden [Indras scharen, die marütas], so stehn 
sie deinem antrieb stets, o Savitar' (Grassmann) und rgv. 
VIII 85, 1 asiiui dpo mdtdrah saptd tasihnr nfhhyas tdrdya 
sindhavah supäräli 'die sieben mütter standen ihm [dem ludra], 
die Wasser, zur fahrt den männern. ströme leicht durchfahr- 
bar' (Grassmaun)? Begegnet uns auf griechischem boden 
homer. ns-cpvy-f.ievo-c in keiner wesentlich anderen bedeutung, 
als sie activisches *77f-^i;/-(F)ffj? auch haben würde, so ist 
kein vernünftiger grund einzusehen, warum nicht lat. füg-t 
als abkömmling eines indog. h]täy--di zu demselben medial- 
system mit 7Ts-rfvy-filro-g gestellt werden sollte. Und rücke 
ich lat. vtd-i weiter ab von sanskr. ved-a griech o?J-«, als 
man es seither zu tun pflegte, so stellt sich mir zum ersatz, 
ausser dem ved. vi-vid-e 'ich habe gefunden' und abulg. ved-c 
'ich weiss', hinsichtlich der bedeutung der medialen form auch 
die parallele von Hesychs lö-fiai' yirdjoxco, oida (Curtius verb. 
d. griech. spr. 11'-^ 166. 241) zur Verfügung. 

Was aber nun die lautliche seite dieser unserer theorie 
über das perfectische lat. -I anbetiifft, so käme es nur darauf 
an. die grundsprachhche geltung des in sanskr. -e, avest. -e, 
abulg. -c vorliegenden indogermanischen i-diphthonges fest- 
zustellen. 

Ost ho ff, zur gpscl'ichtp d. pcrfprls i. iiulo'jcrmaiiischen. lo 



— 194 — 

Zunächst ist indog. -ei durch das abulg. vid-^ aus- 
geschlossen, „denn slav. ^ ist nie Vertreter eines indog. ei"; 
vergl. niorphol. unters. IV 7. Bleiben somit nur indog. -öi 
und -di übrig, so würde bei der annähme des ersteren, -öi, 
auf lateinischem boden für tn-tud-J, de-d-T u. s. w. sofort eine 
parallele sich darbieten an der behandlung des auslautenden 
-Ol in uom. plur. der pronominalen o-declinatiou : lat. is-tT, 
eqiü = griech. voi, 'hnot. Abulg. ved-e stellte sich aber viel- 
mehr zu dem loc. sing, vlücö aus indog. vlho-i, und die 
verschiedene gestaltung des auslauts beider von dem - oi im 
nom. plur. abulg. ti, vlücl (und in dem optativ abulg. heri 
= griech. (ptgoig^ (fegoi) müsste auf abweichenden accent- 
verhältnissen beruhen, wie schon Leskien d. declin. im slav.- 
lit. u. german. 53 (vergl. auch Mahlow d. lang. voc. A E 
103 f.) andeutete. 

Doch die relativ grösste Wahrscheinlichkeit besteht, 
gemäss dem parallelismus von griech. -er«/, -rat = sanskr. 
-se, -te in der 2. und 3. sing., dafür, dass indog. -ai = 
sanskr. -e das suffix der 1- sing. med. gewesen sei. Wegen 
des lat. -1 als einer bei entziehung des haupttones ganz ge- 
setzmässigen Schwächung (assimilation) aus *-ai bedürfte es 
darum hier einer etwas längeren digression vom eigentlichen 
thema. 

Ich kann zunächst, wie schon morphol. unters. IV 349, 
darauf hinweisen, dass in den compositen von caedö, giiaerö, 
laedö, haetö^ taedet, aestimö, aequos gemäss der älteren vor- 
historischen betonung des latein (vergl. oben s. 158 f.) sich ge- 
setzmässig die Schwächung (assimilation) von *ai zu T voll- 
zog; wegen con-qulrö^ per-tisum dis-ttsum und exTstimö sehe 
man auch Ritschi opusc. philol. IV 140 f. 770. Analog 
assimilierte sich au zu ü in cön-^ ex-, in-, re-clüdö neben 
cldudö, in ex-, re-cüsö neben cdusärT, in de-früdäre Prise. 
I 52 p. 39 H. neben fräudärT. Wiederherstellungen des 
ae, au nach der analogie der simplicia sind natürlich nicht 
ausgeschlossen, und formen wie exquaerere conquaeslverit, ex- 
aestumäverit, exaequöre (gegenüber in-iquos), defaecäre, per- 
taedet pertaesum, adhaerere, ohcaecäre, wie ronclaudere, adau- 
gere, exhaurlre, ex-audtre, collaudäre sind natürlich keineswegs 



- 195 — 

die älteren , wie noch Ritschi und Corsscn ausspr. vokal. 
112 423 f, sie ansahen. 

Ich kann ferner auch an Mahlow d. lang. voc. A E 
101 f. anknüpfen und unterschreibe im wesentlichen durchaus 
dessen bemerkung: „die oskischen formen beweisen auch, dass 
die endung des lateinischen mensTs nicht aus dem masculinum 
übernommen ist, was auch auffallend genug wäre. mensTs 
muss aus *mensais entstanden sein, vgl. osk. dmmpais wie 
aasai = aroe, mit derselben Schwächung von ai zu 7, die in 
extstimo, cecldi., inqnJro u. a. vorliegt ; dass diese Schwächung 
nicht bloss auf derartige mehrsilbige Wörter beschränkt ist, 
ergibt sich aus s7, sie, osk. svae^. 

Ganz ein beispiel wie lat. ded-t aus *ded-ai = sanskr. 
dad-e avest. daidh-e ist ausser sl 'wenn' möglicher weise lat. 
hum-J 'zu boden' = griech. yu.u-ai, avest. zem-e 'auf die erde, 
auf der erde'. Denn ich glaube hier nur den local gebrauchten 
dat. sing, des alten consonantischen m-stammes sanskr. JcsJiam- 
(Jcshäm- kshm-, jm-^ fßi^-)i avest. zem-, griech. /ßov- (/d-a/n-, 
/uf.1-) sehen zu sollen: im lateinischen führte hmm wie 
Corinthi loc. sing, aufgefasst zu der o-flexion huniii-s, humö, 
aber mit Währung des althergebrachten weiblichen genus ; 
/u/Lini aber, diese im griechischen „isolierte form", als loc. 
sing, eines femininen ä-stammes und geradezu als das muster- 
bild dieses casus der ä-declination hinzustellen, die bisherige 
vulgate und früher auch von mir geteilte ansieht (vergl. 
morphol. unters. II 29. 113), geht nicht mehr an, weil ein 
solcher ä-stamm */anä- völlig in der luft steht, nirgends in 
den indogermanischen sprachen seines gleichen nachweisbar 
ist und weil /ufiuCs für ^/a^uäods (vergl. oben s. 3 f.) selbst 
nur eine griechische nachschöpfung zu dem /a/nal sein kann. 

Nur darin irrt Mahlow a. a. o. entschieden, dass er 
solches lat. J vorwiegend eine Schwächung von langem *äi 
sein lässt. Gerade letzteres scheint mir in nicht haupttoniger 
silbe nur zu lat. ae zu werden, und so fasse ich Römae 'zu 
Rom' auf, indem ich auch den oskischen entsprechungen 
aasai, viai mefiai langes -äi zuweise; so entstand auch 
abulg. rqcä 'in der hand' aus *rqhn wie im dat. sing, rqce 
aus gleicher grundform. Ein indogermanischer locativausgang 

13* 



— 196 — 

-äi für die ä-stämme ist überhaupt nicht gesichert. Was 
Gust. Meyer griech. grainni. § 349 s. 297 an griechischen 
locativformen auf -w beibringt, sind entweder dative sing, von 
consonantischen stammen wie yai-i-o.i, nao-ui (verf morphol. 
unters. IV 283 anm.), oder erklären sich nach Meyers eigener 
angäbe als „speciell griechische analogiebiklungen nach den 
locativen auf -oi {-m : -oi = -Ca : -ßt)"-» o^^e^' mögen endhch 
auch als formen in compositen vor consonantisch an- 
lautendem schlussgliede, z. b. Orjßai-ycv-^g, nvXui-/.üi'i]g nvXai- 
-/iia/og, /iaui-(f>övoc ^ raXui-nwQOc TaXai-/iie i'7]g (verf. morphol. 
unters. IV 320 f. anm.) . ihre rechtfertigung durch das 
„kürzungsgesetz" finden, indem Qrjßru-ysvtjg aus *Qi]ßCa-yn't]g 
entsprang wie vCwg aus *vcivg, ßovg aus *ß(ovg^ Zevg aus *Zrjvg 
(vergl. oben s. 84 f.). Beruht nun aber lat. Röniae auf *Römäü 
so kann nicht, wie Mahlow will, mensis direct auf *)tiensäis 
zurückgehen ; letzteres hätte zu histor. *mensaes werden müssen. 
Ich sage darum auch nicht mit Mahlow einfach: ^*mens'ns 
ist nach *equöis gebildet". Sondern vielmehr, wie ähnlicli 
schon rhein. mus. f. phüol. n. f. XXXVI 481 f., heisst es 
für mich : *mensäis entsprang nach '^'equöis^ dieses *equöis 
aber hatte sich nach dem auch für das lateinische geltenden 
„kürzungsgesetze" aus noch älterem ^equöis = sanskr. 
dcväish avest. aspäisJi entwickelt ; oder wenigstens : *mensäis 
ist freihch nach *eqims gebildet worden , beide aber ver- 
wandelten sich zunächst weiter durch Verkürzung in *mensäis, 
*eqims, um darnach historisch beide auf den ausgang -Js 
hinauszukommen. Ueber die analoge bildung des griech. -aig 
in /MQaig nach dem -oig in 'Innotg siehe verf. morphol. unters. 
II 65 f. 75. 

Wird kurzes äi in wortschliessender silbe eines mehr- 
silbigen lateinischen wertes zu 7, langes äi aber in demselben 
falle zu ae, wie verhält es sich alsdann mit dem nom. plur. 
der ö-stämme lat. istae, mensae'i Warum nicht hier *menst 
aus *mensäi und also zusammenfall des auslauts mit dem- 
jenigen von eqm^ sowie doch mei/sTs mit equTs gleichauslautend 
wurde? Da, wie ich morphol. unters. II 66. 127 hervor- 
gehoben (vergl. aucli Gust. Meyer griech. gramm. § 355 
s. 299 f.), die lateinische neubildung dieser formen mit der 



— 197 — 

entsprechenden griechischen von rui, ywoai in keinem un- 
mittelbaren historischeu Zusammenhang stehen kann, sondern 
schon des oskischen und umbrischen wegen auf so zu sagen 
spontaner und zufällig übereinstimmender sonderentwickelung 
in den beiden einzelsprachen beruhen muss. so stünde an sich 
auch nichts im wege, das lat. -ae des nom. plur. von dem 
griech. -äi noch weiter zu trennen und jenes auf *-'(/ zurück- 
zuführen; wie denn ja Mahlow d. lang. voc. A E O 53 in 
der tat *mensai als die lateinische grundform aufstellt, frei- 
lich das griech. -(u von d-voai gründlich misverstehend und 
es gegen alle lautgesetze ebenfalls aus einem *-«/ herleitend. 
Es könnte sich, meine ich, während im griechischen der 
parallelismus von rare; /(öijärg und tovq "nnovg zu red yiögäi 
wie Toi "jrnoi führte , so im lateinischen vielmehr an den 
singularaccusativ der neubildungstrieb angeknüpft haben und 
in auflösuug der proportion istöm equöm : *istöi ^equol = 
*istäm *mensäm : x zu Hstüi *mensäi = histor. istae mensae 
gelangt sein. So nur ist ja wol sicher im griechischen die 
neubildung des -äo im gen. sing, l-lrptidcw nach dem -oo der 
o-stämme (^Leskien d. declin. im slav.-ht. u. german. 40 f., 
verf. morphol. unters. II 128. zeitschr. f. d. Österreich, 
gymnas. 1880 s. 70) zu verstehen mit hilfe der gleichung 
-ov : -00 = -är : -Cio. 

Es bleibt aber noch ein anderer ausweg übrig. In 
haupttoniger silbe wird ja auch «/ zu lat. ae ; man vergleiche 
caedo, laedö^ quaerö^ aestumö^ aedes, aestäs, aestiis, aeiwm, 
Caesar, besonders aber die einsilbigen indeclinabilia lat. nae 
= griech. r«/, vae = got. wai ags. irä alts. ahd. mhd. we, 
prae = giiech. Tiaoai avest. ^jar^ (morphol. unters. IV 283 
anm.). Also ist bei den einsilbigen pronominalformen 
hae, quae dieser ausgang des nom. plur. fem., auch wenn -äi 
zu gründe liegt, völlig gerechtfertigt. Diese Jiae; quae mögen 
dann ganz wie griech. rai sich gebildet haben, zu Jiäs, quäs 
nemlich auf grund von *^o^, *qtioi (= sanskr. ke avest. köi 
abulg. ci) neben Aos, qqiös im acc. plur. Nach den hae, quae 
übernahmen dann vielleicht zuerst die andern, mehrsilbigen 
pronomina dieselbe form des nom. plur. fem., also istae, illae, 
ipsae , eae , aliquae u. s. w. , endlich die Substantive und 



— 198 — 

adjective. Indem sich in umgekehrter ausgleichung dann die 
masculina /</", qm statt Uiutgesetzlicher *hoe^ *quoe nach den 
mehrsilbigen IstJ, Uli, aUquJ sowie auch nach eqiü, honJ ein- 
fanden, erlangte die spräche wieder den vorteil einer formalen 
Scheidung von masculiner und femininer form des nom. plur. 
bei istT und istae, equT und eqiiae, hom und honae, auf die 
sie im dat.-abl. plur. bei equJs masc. und mensTs fem. für ge- 
wöhnlich verzichtete — auch hls fem. muss analogiebildung 
statt *haes nach den mehrsilbigen formen sein, wie hTs masc. 
statt *hoes — und nur in seltenen und dringenden bedürf- 
nisfällen mittels fortführung der alten indogermanischen dat.- 
abl. -bilduug auf -fthiis in den bekannten equähiis , deäbus, 
fUiähus u. dergl. (Neue formenl. d. lat. spr. I- 20 ff.) be- 
dacht zu nehmen beflissen war. ') Nimmt mau die sache 
noch etwas genauer, so wird man freilich wol sagen müssen, 
dass bei den einsilbigen pronominalformen sich satzdoppel- 
formen entwickeln mussten, nemlich masc. '^'quoe, *hoe und 
quij hl, fem. quae, hae und *qm, *hJ im nom. plur., masc. 
Vioes und liTs, fem. "^haes und lüs im dat.-abl. plur. : qiü nom. 
plur. masc. ist die im proklitischen und enklitischen gebrauche, 
also als relativum und indefinitum (in si qui, num quJ, nP 
qiiT, äli-qul wie griech. nvec), ursprünglich zu hause gewesene, 
dann aber für das orthotonierte interrogativum *(iuoe (vergl. 
griech. rivsc) mit gesetzte form, während zwischen quae und 
*(/?« im femininum sich die ausgleichung in entgegengesetzter 
richtung vollzog. Vielleicht sind „die glossen aus dem 



1) Delbrück einleit. i. d. spraohstud. 108 erörtert lichtvoll die 
bedürfnisfrage und die in betracht kommenden momento, welche die 
Lateiner veranlassen konnten, dieser formen auf -ühus sich zu be- 
dienen, „differentiae causa,'' wie die alten grammatiker sagten. Aber 
ebenso weit trifft Delbrück am ziele vorbei, was die erklärung des Ur- 
sprunges jener dat.-abl. plur. fem. auf -ähiis betrifft. Nach ihm sollen 
sie samt und sonders neuschöpfungon nach dem muster von duabiis 
sein, während doch wol in Wahrheit die sache so Hegt, dass equä-hus 
als eine „tlifferentiao causa" beibehaltene alte erbform anzusehen und 
mit sanskr. dgvä-bJii/iit: zusammenzustellen nichts hindert, dahingegen 
duä-bus schon allein seiner pluralischen endung wegen, wie auch duö-hus 
und amhö-bits, amhä-bits gegenüber sanskr. dva-bhydm, ubJia-bhi/äni, 
notwendig eine lateinische neubildunc: sein miiss! 



— 199 - 

Salierlied bei Festus pilmnnoe poploe (gleich pilaU popli] 
und fescetünoe'^ (Bücheier- Windckilde grimdriss d. lat. declin. 
§ 85 s. 36) auch niclit gerade reminiscenzeu an die aller- 
älteste zeit, als noch nirgends -ol in -l im nom. plur. niasc. 
übergangen war, sondern nur an diejenige ältere periode, 
als noch die einsilbler */toe, *quoe nicht durch ausgleiclmng 
beseitigt waren, indem etwa nach diesen jene nomiualformen 
auf -oe gebildet sein mochten. 

Es berührt auch Mahlow ganz richtig die Stellung in 
der proklise als <lon grund, warum die conjunction osk. 
svai svae lateinisch als sT erscheint, mit seiner bemerkung 
d. laugen voc. AEO 102 anm,: „Der unterschieil in der 
behandlung vou sT und meitsae erklärt sich daraus, dass *svai 
als unbetonte conjunction {ei) sich an das folgende wort an- 
lehnte ; dadurch kam cd in eine unbetonte silbe des inlauts". 
Nur sind hier statt mensae vielmehr dessen musterformen 
hae^ qiuie zu setzen und ist auf die Stellung im „inlaut" 
nichts zu geben, da einzig verlust oder bewahrung der haupt- 
tonigkeit der entscheidende factor ist, ob sich T oder ae aus 
ursprünglichem al zu entwickeln hat. 

Die zweite weise, das -ae in istae, mensae zu erklären, 
bei welcher es = *-cw bleibt, ziehe ich, wie gesagt, nicht in 
anbetracht des griechischen vor, wol aber deswegen, weil 
wir bei anderen solchen formübertragungen zwischen den 
Systemen der o- und der «-declin ation im lateinischen auch 
nicht die rücksicht auf den quantitativen unterschied der 
vocale obwalten sehen. Es bildete sich in parallele zu dem 
Verhältnis -ös : -äs im acc. plur. auch -örnm in istorum^ 
equönim nach -änim des gen. plur. der ä-stämme, istärmn, 
equärum ^) ; es trug auch das nach -öd im abl. sing, nieritöd 

1) Joh. Schmidt Kuhns zeiischr. XXV 5 anm. glaubt zwar, das 
lat. -öntm bei den pronominen nicht als eine so radieale neubildung 
ansehen zu können und will nur die dehnung des o in istöram, aliOnim 
durch istäruni, alläncm veranlasst sein, im übrigen aber *alioymn dem 
älXiov der Dorier (Ahrens dial. II 31) genau entsprechen lassen 
„*aUÖMv kann nur aus *a)LXonMv entstanden sein," und hier soll die 
alte pronominale bildung im griechischen „auch bei masculinen pro- 
nomina erhalten" sein. Brugmann morphol unters. III 76 stimmt dem 



— 200 - 

jreschaffone -äd der feminina wie sententiäd osk. A k u d u n n i ä d 
(verf. morpliol. unters. II lOi) anm.) zur Verwischung des alten 
quantitätsabstaudes zwischen den o- und den ä-formen bei: 
also wird wol auch im nom. plur. nur *-äi in hae^ qiiae nach 
dem *-di der masculina */joe, *quoe aufgekommen sein. 

Eine ganz neue theorio über den nom. plur. der ä-stämme 
im griechischen und lateinischen sucht neuerdings Brugmann 
Kuhns zeitschr. XXVII 199 ff. zu begründen : anstatt einer 
neubildung nach dem -oi der masculina sollen wir bei rai, 
yjooai^ lat. istae^ equae „nur eine Verschiebung des gebrauchs 
altüberkommener formen" seheu^ nemlich der alten dual- 
formon auf -ai wie „aiud. te^ acve^ air. dl cJioiss duo pedes 
(Windisch Paul-Braune's beitr. IV 242), abulg. te, rqce, lit. 
te-dvi, rankV" ; lat. duae insbesondere sei genau = altind. 
ved. duve (dve). Ich lasse es dahin gestellt sein, ob diese 
anschauungsweise sich vor der früher üblichen den vorzug 



zu. Aber selbst mit einem solchen *aUor)tov kämen wir ja doch noch 
nicht, sondern nur mit einem *a/JoiaMv, auf die gleiche formation mit 
sanskr. teshäm anyesluhn, avest. yaeshäm anyaCsham apers. tyaishäm, 
abulg. techü^ apreuss. steison-, anord. peira ags. pia-a got. aljaize 
hlindaize hinaus, die sicher allein, trotz Joli. Schmidt indog. vocal. 

II 344 f. , nach der Übereinstimmung so vieler sprachen die uralte 
gemein-indogermanische war ; vergl. '^ievers Paul-Braune's beitr. 11 106. 

III ff. Ich meine also, wenn die Dorier tovtwv, TrjrtZv, alXiov sagten, 
werden sie nur einfach nach der analogie der zugehörigen feminin- 
formen auf -äv aus -taov den accent verändert haben, sowie umgekehrt 
die Attiker ihre femininii^chen ^tuvtioj', *u).).wv, *rpi?Mr (wie -^wnior) ver- 
licssen zu gunsten der masculin-neutralen formen roinwv^ alhov, (piXwv 
(verf. raorphol. unters. II 128, Gust. Meyer griech. gramm. § 371 s. 306. 
§ 431 s. 343). Zur entsprechenden änderung der accentuation der plural- 
genitivo von Substantiven, wie dor. n^iamov, lag natürlich eine solche 
Veranlassung nicht vor. Vermutlich aber haben die Dorier auch bei 
den adjectiven und pronominaladjectiven (wie ja eben äVJos eins ist) 
solche accentverschiebung im gen. plur. masc.-neutr. vorgenommen, 
also auch axowv, ci/LKportQuiv gesagt in angleichung an die überlieferten 
feminina axQuv, a,u(poTfQäv (Ahrens dial. II 31. 225). Wenn aber nur 
spociell beim pronomen dieses dor. -wv, so nehme ich an, dass wesent- 
lich das mustcrverhältnis der artikelformen rwr ; tüv dazu diente, um 
nach ihm später dasjenige von dor. *rovTMv : Tavrav (als theraeisch 
überliefert C. J. Gr. no. 2448 III z. 32, vergl. Gust. Meyer griech. 
gramm. § 431 s. 343) und *rm(oy : aUüv zu regeln. 



— 201 — 

zu erwerben geeignet sein werde. Nur das constatiere ich: 
das ausgehen von einem kurzen -äi erfordert auch der Brug- 
maunsche Standpunkt, mithin wird unsere construction. wo- 
nach die isfae, eqitae, diiae aualogiebildungeu nach liaCf quae 
sein müssen, ihr rocht auch behaupten dürfen, wenn man 
hinfort das hit, -ai -ne dos nom. plur. der (f-stäninio viel- 
leicht mit Brugmann als dualisch der herkunft nach zu be- 
trachten haben wird. 

Zur stütze meiner ansieht von der herkunft des lat -l 
der 1. sing. perf. werdon die vorstehenden bemerkungen über 
die lateinische behandlung eines indog. ai in nicht haupt- 
toniger silbe und besonders im wortauslaute mehrsilbiger 
Wörter wol genügen. Ich brauche mich hier nicht darauf 
einzulassen, zu erörtern, in wiefern auch noch andere latei- 
nische Vertretungen des ursprünglichen ai und des oi in 
nicht haupttonigen silben vorkommen, ob und nach welchen 
speciellen gesetzen etwa mit dem T in solchem falle ein e 
concurriert. Es muss fernerer forschung überlassen bleiben, 
möglichst die lautgesetzlicheu bedinguugen zu finden, nach 
denen z. b. in den optativischen futurformen /eres, feremtis, 
feretis (verf. morphol. uuters. IV 404) und wortauslautcnd 
in dem ploirume der ältesten Scipionengrabschrift und anderen 
solchen altlateiuischeu formen des nom. plur. der o-stämme 
(vergl. Bücheier - Windekilde grundriss d. lat. decliu. § 87 
s. 38) ein e für indog. oi erscheinen mag, nach denen viel- 
leicht auch wortschliessendes indog. -ai, ausser in -J wie bei 
humJ^ sT, tutndl, nach -e (verkürzt -e) abbiegen kann, wie 
der allgemeinen annähme zufolge in den verschiedenen In- 
finitiven des lateinischen, vTüere = sa,iiskv. Junlse, lat. esse, ferre, 
Celle j clTxisse (dixe) neben griech. dsT^ai u. dergl. (Mahlow 
d. lang. voc. A E 53, Brugmann morphol. unters. III 42 ff.). 

Fragt man noch, was überhaupt wol der treibende factor 
für die lateinische spräche gewesen sein möge, wenn sie so 
durchgreifends für die 1. sing. perf. die alte medialform con- 
stituierte, so scheint die antwort nahe zu liegen : man suchte 
das formal ähnlichere, uemlich in der tiefstufigkeit der Wurzel- 
silbe unter sich übereinstimmende, paradigmatisch zu einander 
zu gesellen. Daher stellte man z. b. tutndl =- sanskr. tutude 



— 202 — 

zu tutudimtis = sanskr. tutndimä , vJdJ =■ ved. vivide zu 
üJdimus = sanskr. vidmd griech. li^ut)^ got. tvitmn^ stetJ = 
sanskr. tasthe zu stetimus = sanskr. tasthimä griecli. '^oräf-iev. 
Dalier kommt os auch, dass nachweislich meistens, und zwar 
nach meiner Überzeugung noch in einem weit höheren masse, 
als man es bis jetzt schon weiss oder zugibt, bei den latei- 
nischen Überresten des indogermanischen reduplicierten per- 
fects uns gerade diejenige ausgleichung der alten stammab- 
stufung entgegentritt, bei welcher der schwache perfect- 
stamm dem oder den beiden anderen der wurzelstarken formen 
zuvorgekommen ist. 

Unsere theorie von der herkunft des lat. -i der 1. sing, 
perf. kann aber erst dann eine allseitig wolbegründete ge- 
nannt werden, wenn sie sich auch mit dem -7 der 2. sing, 
auf -istJ befriedigend abgefunden hat. ferner mit dem inneren 
-»-, welches in -It der 3. sing, (und vielleicht vereinzelt auch 
in -JsU der 2. sing.) gleichsam stammbildend für das lateinische 
perfectum auftritt, so dass einige gelehrte (Corssen, Pezzi 
u. a.) hier geradezu von einem „bildungssuffixe", „suffisso 
costitutivo" -J- der perfects reden mochten. Unsere theorie 
steht um so fester, wenn vielleicht gerade sie zur aufhellung 
dieser und noch anderer dunkelheiten in der lateinischen 
perfectbildung etwas beizutragen sich tüchtig erweist. 

Wegen der tatsächlichen Verhältnisse, die in betracht 
kommen, verweise ich im allgemeinen auf Corssen ausspr. 
vokal. I- 608 f. und auf die bündige auseinandersetzung von 
F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 58 f. Ersterem gelehrten hat man 
darin unbetiingt zuzustimmen, dass er auf die inschriftlichen 
Schreibungen mit ei^ wie in der 3. sing, redielt, posedeit. 
venieit, prohaveit^ fuuelt, dedeit, obieit, das gebührende ge- 
wicht legt: „Alle diese Schreibweisen sind epigraphisch wol 
verbürgt und finden sich meist in öffentlichen Urkunden aus 
der zeit der Gracchen bis zum Zeitalter des Cicero, Caesar 
und Augustus, wo die Schreibweise bereits geregelt war durch 
die lehren über die Orthographie, welche Attius und LuciHus 
aufgestellt hatten." Das genannte ist bekanntlich auch eben 
das Zeitalter, in welchem die Schreibung ei nur mono- 
phthougisches langes i und nichts anderes mehr auszudrücken 



— 203 — 

pflegte. Corsscn hat ferner recht, wenn er für die 3. pors. 
die messung i durch die formen altlateinischer diclitungen: 
fult (vers. Saturn, tit. Scip.), dociüt iLiv. Andren."), enüt^ 
vldlt, dedlt, vendidlt, optifßU astitU, vTxJt^ resprxU, jussU, 
potuU, iit (Plaut.), profmt^ stetJt (Terent.) bestätigt findet, 
„messungen, wie sie auch Vergil, Horaz und Ovid noch bei- 
behalten, Vergil in illTsU mit der schlusssilbe in der vers- 
senkung". Auch F. Stolz erkennt an: „Hingegen ist seit 
ältester zeit die länge des -i in der 1. und 3. sgl. unbe- 
stritten, inschriftlich auch durch die Schreibung ei gekenn- 
zeichnet (Neue II 507, Ritschl op. II 641)." Für das -I 
der 1. sing, und das auslautende -T der 2. sing, fehlen solche 
inschriftliche wiedergaben durch -el, deren es hier natürlich 
zur Sicherung der quantität nicht bedürfen würde, auch nicht ; 
es sind für die 1. pers. die von Corssen a. a. o. auch ge- 
nannten petiei^ fecei, redkleique, poseivel, conquaeisivei ; ferner 
für die 2. sing, gesistei, restitistei (Corssen ausspr. vokal. 
12 595). 

Umstritten ist der wert des einzigen epigraphischen 
Zeugnisses, welches sich für die naturlänge des ersteren / 
von -isti 2. sing, anführen lässt: interieisti C. J. L. I no. 1202. 
Während Corssen das el hier als ganz gleichberechtigt mit 
dem jener inschriftlichen formen der 1. und 3. sing, ansieht, 
bekämpfte Joh. Schmidt z. gesch. d. indog. vocal. II 345 anm. 
eindringlich diese ansieht und fand in interieisti nur einen 
Schreibfehler der nicht früher als nach 60 v. Chr. verfassten 
Inschrift. Einen mittelweg zwischen diesen beiden extremen, 
der sich uns als der im ganzen richtige herausstellen wird, 
schlugen Brugmann morphol. unters. III 27 f. und F. Stolz 
a. a. 0. ein, jener wiederum dem Schmidtschen Standpunkte 
etwas näher stehend als dieser. 

Das -tl von lat. -isti muss nach allgemeinem dafürhalten 
mit der activischen personalendung 2. sing. perf. sanskr. -tha, 
avest. -tha (z. b. daddtha gäthädial. dadfWid, nach zischlaut 
-tä in voistä^ vergl. Bartholomae altiran. verb. 30. 32), griech. 
-5-«, got. anord. -t (westgerm. 4 in den praeteritopraesentien 
wie ahd. tveist, niuost) in Verbindung stehen. Andererseits 
ist sicher, dass mit diesem indog. -tha (vergl. wegen der 



— 204 — 

tenuis aspirata Kluge Kuhns zeitschr. XXVI 90 f.) das lat. 
-Ü des Yocales wegen ebenso wenig völlig congrucnt sein 
kann, wie das -T der lateinischen 1. sing, mit dem indog. -a 
= sanskr. avest. -a^ griech, -a der 1. sing. act. sich deckt. 
Sagen wir von unserem Standpunkte aus kurz: d^ -t- in -tl 
ist activisch. das -Z^ aber medial, so folgt hieraus schon, dass 
behufs einer erklärung der ganzen endung von einem sprach- 
zustande ausgegangen werden muss, wo allerdings noch echte 
activformen des singulars neben medialen im lateinischen 
oder wenigstens neben der 1, sing. med. auf -J ^ indog. -äi 
bestanden. 

Dieser Urzustand könnte zunächst, wenn wir als para- 
digma das perfectum der wurzel veid- 'sehen' wählen und 
die personalendungen, auf die es uns hier ankommt, noch in 
ihrer ursprünglichen nicht historisch-lateinischen gestalt an- 
setzen, folgender gewesen sein : 

Act. sing. 1. *i-eida Med. sing. X, *i'7dai 

2. *volsta 2. *vJssai. 

plur. 1. vTdimus 
2. *vTstis. 

Nehmen wir ferner an , es habe sich dieser formen- 
bestand zu allererst so alteriert, dass sich der wurzelvocalis- 
mus der sing.-act.-formen gegen einander ausglich : es bildete 
sich als 1. sing. act. *voida<, wie im griechischen olda noch 
oloS^a, oich, im germanischen got. lüciit nach ivaist, wait\ 
oder auch im urlateinischen etwa umgekehrt als 2. sing. act. 
*veista nach der 1. sing. *veida. Dann unterschied sich hin- 
fort die 2. sing. act. *voista (beziehungsweise *veista) von der 
zugehörigen 1. sing. *voida (beziehungsweise ^veida) äusser- 
lich betrachtet nur durch den eintritt der lautgruppe -st- 
für den reinen auslautenden wurzelconsonanten -d-. Begann 
darin das Sprachgefühl den charakteristischen unterschied 
zwischen 1. und 2. pers. sing, überhaupt zu empfinden, so 
stellte man leicht im medium ein ähnliches Verhältnis her, 
biklete also analog *vJstai neu statt *Dissai zu der 1. sing. 
med. *vTdaL Dann machte sich das vorhin in seiner be- 
deutung für die lateinisclie perfectlehre hervorgehobene „gleich 
und gleich gesellt sich gern" geltend : *vldai^ *instai = histor. 



— 205 — 

vJdT. *vTstT stellten sich mit den aetivischen pluralfornicn 
vldimus, *vistis zu einem formensystem zusammen. 

Es bleibt noch zu erklären, wie sich *vIstT, *vlstis end- 
lich zu vidistT, vTdisfis erweiterten. Ich glaube, im piinci]) 
nicht anders, als wie bei den uuteritalischen Griechen in 
Heraklea sich *n(iaaoaoai zu nQuoofn'ranGi umwandelte diircii 
die rücksicht auf ngaaoovTa, nQaoaovvtc^ nach Joh. Schmidt 
Kuhns zeitschr, XXV 590 ff. (vergl. auch verf. morphol. 
unters. IV 291 anm. , Misteli zeitschr. für völkerpsych. u, 
sprachwiss. XIV 296), oder wie in griech. *«p«a/ das -v- von 
dov-oQ, uQv-iöv eindrang, so dass uQvaai entstand, nach ßrug- 
mann Curtius' stud. IX 376 anm., oder wie griech. *Ti-dä-uav 
*Tk-3ä-Tc das -)'- von hom. Ti-dv-am sich aneignend zu Tt^^räfifv 
Tsd-vccTs wurden, nach Brugmann morphol. unters. I 63 f. Lat. 
*vTst'i, *vTstis übernahmen das -di- von vldiimis, wodurch neue 
concinnität der fiexion erzielt wurde, das -stJ, -stis aber hinter 
dem jetzt als perfectstamm geltenden vidi- nunmehr zu dem 
ränge von personalendungen des indic. perf. herabsanken. 

Ein neues moment kommt bei der 3. sing, in betracht. 
Hier erbte das lateinische aus dem uritalischen sprachbesitze 
einen ausgang -et oder -ed. Das ergeben die altlateinischen 
formen ftcet , dedet auf der ältesten Scipionengrabschrift 
C. J. L. I 32, die erstere als fi(M durch das saturnische 
metrum gesichert, feced auf der alten Dvenosinschrift, sowie 
falisk. dedef (Corssen ausspr. vokal. II- 23) in ihrer Über- 
einstimmung mit osk. d e d e d thdsr^ k ü m - b e n e d , u p s e d 
u. s. w., umbr. rtede. Weder ist diese endung -et, was man 
gemeiniglich angenommen hat, mit dem späteren speciell 
lateinischen -it zu identificieren, noch F. Stolz zu billigen, 
wenn er z. lat. verbal-flex. 160 f. darüber bemerkt: „Umbr, 
dede, osk. deded tragen zur aufhellung nichts bei." Viel- 
mehr setzt Büchcler lexic. Ital. VI"" mit vollstem rechte ein 
y,dedet ()"f^)wxt^'" — wir ergänzen die länge: dedet — in den 
uritalischen Sprachschatz hinein. 

Meine Vermutung nun morphol. unters. IV 367, dass 
fuet = griech. l-cpvrj sei, misfällt F. Stolz a. a. o. und mir 
selbst jetzt, so dass ich sie gern zurückziehe. Ich glaube aber, 
dass fuet, dedet., antiquitäten vom speciell lateinischen stand- 



— 206 — 

punkte ans bleibend, sich unschwer von demjenigen der 
genieinitalisclien grundsjn-ache als ueubildungen erklären 
lassen werden. 

Osk. 3. sing, dedet upsed : 3. plur. "'dedens 
uupsens = 3. sing, fuid fefacid *t ri barak attid opt., 
pütiad conj., *fufad imperf. : 3. plur. *f/nns *fefacins 
trib arakattins opt., putiaus conj., fufans imperf. 
Ebenso umbr. de de : *dedens = 3. sing, si opt., dirsa 
conj. : 3. plur. sins opt., dirsans conj. Und ebenso altlat. 
dedi't : *dedent = 3. sing. *slet (■= histor. siet) opt., ftiat 
conj. (Corssen ausspr. vokal. II ^ 489. Neue formenl. d. lat. 
spr. II- 444), pönt'bät imperf. (Corssen ausspr- vokal. I^ 597) .• 
8. plur. sient opt., fuant conj., p'mebant imperf. 

Das heisst: sicher an dem Verhältnis der 3. sing, und 3. plur. 
in Optativsystemen der }»i-conjugation — dazu vielleicht auch 
in conjunctivsystemen der f>-conjugation und im indicativ des 
imperfects, wenn das kürzungsgesetz. das lat. fuant, pönebänt 
bewirkte, uritalisch wirkend war — konnte die italische spräche 
das Vorbild linden, um im perfectuni jene o. sing, auf lat. 
-et = osk. -ed zu einer 3. plur. auf *-e)it osk. umbr. -ens 
zu gewinnen. Denn *-ent = indog. -üt (got. -im) nimmt man 
ja, so Brugmann morphol. unters. DI 53 und neuerdings 
F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 22. 56, als die ursprüngliche form 
der personalendung 3. plur. perf. im lateinischen in anspruch, 
was freilich vielleicht eine (hier jedoch noch nicht in betracht 
kommende) modification (vergl. weiter unten s. 210 f.) zu er- 
leiden hat. Wegen der immer vorhanden gewesenen kürze 
des e in der optativform 3. plur. altlat. sicnt vergl. verf. 
morphol. unters. lY 294^)5 über die secundären personal- 



*) Sciuirfsinni^' erörtert Stolz z. lat. verbal-flex T 8 ff . (verg'l. be- 
sonders 8. 24 f. 30 — 42) den Ursprung des lateinischen eoujiuictivus 
imperfecti iius dem indinativ des sigraatischen aorists der indoger- 
manischen grundsprache. Seinen formalen deductionen iiabe ich nur 
dreierlei hinzuzusetzen. Erstens wird Stolz den gedanken wol fahren 
lassen müssen, es habe sich der übertritt in die spätere flexion -res^ 
-remua, -retis ausser von der .8. plur. stärent noch von der 1. sing. 
stärem = indog. siJia-s-ni vollziehen können. Zv?eitens wäre statt 
stä-r-ent als musterbeispiel überhaupt be.sser du-r-ent ^= indog. dv>-s-nt 



— 207 — 

endungen als die wahrscheinlich aucli im ä-conjunctiv ur- 
italisch heiniischou habe ich mich ausführliclicr rhein. mus. 
f. philol. II. f. XXXVI 487 f. im auschluss au Buggo Kuhns 
zcitschr. XXII 885 ff. ausgesprochen. 

Eine andere Vermutung über die herkunft des aus- 
gangcs lat. -('t osk, -ed der 3. sing. perf. hat Brugmann 
niorphol. unters. III 37 anm. ausgesprochen : die, ^dass zu- 
nächst nur dede- [lautgesetzlicher wäre *fede- angesetzt] von 
Wurzel dhe- [condö credö etc.) das e hatte und danach e 
in die perfecta von dare und stdre und weiterhin zu allen 
anderen perfectis kam." Das scheitert meines erachtens 
aber, von allen anderen Schwierigkeiten abgesehen, schon 
allein daran, dass die 8. sing, perf, act. von indog. dJie- 
bei erforderlicher hochstufigkeit der Wurzelsilbe doch wol 
nur dhedho, contraliiert aus urindog. '^dhe-dhv-e, lauten 
konnte; Tcrgl. got. lai-lot, tai-tök, 7xii-röp, yaigröt, sui-so, 
wai-wö, lai-lö^ griech. f-pooj;'-f von e-wurzeln, ferner die in 



gewählt worden, als eine auch bei der alten wurzelabstufuuu' ver- 
bliebene pluralische aorist-indicativi'orm und in solchem belang selbst 
altertümlich vor dem mit ihm sonst correspondierenden abulg. cla-s-^ 
aor. ; oder aus demselben gründe lat. fo-r-ent =^ indog. hhü- s -nt , 
die alte satzzwillingsform zu abulg. by-s-^ aor. = hhü-s-n t oder auch 
zu griech. f-tpü-a-av, abgesehen von dessen analogisch erneuertem -a-, 
denn die kürze des -o- in fö-r-enf gegenüber der länge -D- in /-'-(pv-n-av 
hätte Stolz s. 35 nicht mehr als „der identificierung sehr hinderlich" 
erklären sollen. Drittens endlich wird als das musterparadigma, mit dessen 
3 plur. därent, föreut sich associierten, geeigneter der optativ praes. 
von esse, altlat. siem, sies, stet, 3. plur. sle7it, bezeichnet werden als das 
System der Optative praes. der ö-conjugation wie lat. amem. Das sabell. 
upsaseter nemlich aus einer Paelignerinschrift = lat. operäretiir, das 
auch Stolz s. 42 berücksichtigt, beweist, dass die ausbildung des latei- 
nischen conj. iniperf. eine in uritalischer zeit fertige war. In dieser 
frühen periode hatte aber höchst wahrscheinlich oder sogar sicher die 
1. sing. opt. altlat. siein noch ihre vocallänge : *sieni, und lauteten 
wol vollends lat. (onem, ament noch ganz anders (vergl. osk. deivaid. 
tadait). Aber wie sieiit 3. plur. war damals ^dusetit, -füsent aufzu- 
fassen möglich, wonach sich *dasem, *dases, *äaset wie ^sieni, sies, *sict, 
späterliin dazu auch *dasemus, *dasetis neu bildeten. Der Ursprung 
also des lat. *daref ^= histor. daret zu darent 3. plur. wäre ein ganz 
analoger gewesen wie nach unserer annähme derjenige von dedet 3. sing, 
perf. zu *dede)U plur. im uritalischen. 



— 208 — 

griech. «y;-;V(>-x«, a.r-i'(<)~vrai, dor. dy-Ho-ad-ai steckende spur 
einer 3. sing. perf. ^nn = got. saisö (de Saussure syst. 
priniit. 140 f. 148 f., Gust. Meyer griech. gramm. § 557 
s. 423). ') Indog. dJiedJiÖ = avest. dadha gäthädial. dadhd, 
sanskr. *dadhä in dadhä-ii ; indog. dhedJio aber im latei- 
nischen " *fedö (-*didö in composition ) ! Daraus mit even- 
tueller anfügung des personalsuffixes -f der 3. sing, urlat. 
*'fedöt {-*didöf]^ aber auf keinen fall hier ein ausgang -et. 
In der 1. sing. perf. act. hiess es von dhc- 'ntitvai zwar 
indog. d Ji. e d ]i. e aus urindog. * dhe-dJic-a = sanskr. *dadhä 
in dadhä-ii. Aber lat. -didt von con-didt^ cre-didt vermag 
nicht lautgesetzlich jenes activische urgebilde dhedhe zu 
sein, da lat. -I --- indog. -e zu setzen unmöglich ist. Brug- 
mann müsste also schon annehmen, dass sich in lateinischer 
oder italischer urzeit nach ital, *pepe = lat. *fed(' (*-dide) 
1. sing, die 3. pers. auf -et durch an alogie bild ung ein- 
gefunden habe, darnach die musterform selbst einer neuen 
bildung lat. *fed7, -dklJ gewichen sei. Ich denke aber, dass 
Brugmaun, der neuerdings selbst liter. ceutralbl. 1882 no. 41 
sp. 1390 gegen die sich überstürzende theorie Ph. Thiel- 
manns schlagend nachweist , eine wie geringe rolle die 
aspirierte wurzel indog. dhii- im latein aus vielen giünden 
nur spielen kann (vergl. auch J. P. Postgate transactions 
of the philological society 1880—1 s. 99 f. Äcademy 1882 
no. 552 s. 400, R. Thurueysen deutsche literaturz. 1882 
no. 41 sp. 145G), jetzt nicht abgeneigt sein wird, seine hypo- 
these über das -c- im italischen perfectum zu gunsten einer 

') Got. saisö, toatwö, lailö sollten freilich, wie de Saussure s. 148 
erinnert, lautgesetzlich *saisa, *iv((>wa, Haila lauten und zwar in der 
l. sing, sowol, nachdem diese den hochstufigen vocalismus der 2. und 
3. sing, auch übernommen hatte, als in der 3. pers. Da bei ver- 
schiedener gostaltung der praesentia saiaii und redan, letan nicht an 
unmittelbare Wirkung des , Systemzwanges von rairöp, lailöt gedacht 
werden kann, so ist wol anzunehmen, dass in dem perfectsystem von 
saian selbst die 2. sing, saisöst Luc. 19, 21 die conserviererin des 
ö-lautcs gewesen sei und sie nun im verein mit den geuossinnen 
ratröst, lailöst wirkend der 1. und 3. sing, das -ö wieder zuführte. 
Aohnlich über got. saisö anstatt des erwarteten *s((isa auch bereits 
Mahlow d. lang. voc. A E 04. 



— 209 — 

sich darbietenden anderen von ungleich grösserer einfachheil 
fahren zu lassen. 

Als neubildung nach und aus der 3. plur. nahm die 
italische 3. sing. perf. auf -et (-ed) selbstverständlich auch 
an der wurzelstufe jener pluralform teil, hatte z. b. altlat, 
fiicf die nebentonige tiofstufe indog. hJiuu- wie *ß(-e)it osk. 
*fu-ens und das diesen entsprechende homer. 7TE-cpv{F)-äai 
(verf. morphol. unters. IV 363 f. 376. 391. 392. vorw. s. IX), 
stimmte osk. küm-benTMl cipp. Abell. 11 zu *ben-ens, 
das seinerseits selbst entweder regelrecht bei verlust der redu- 
plication dem nebentonig-tiefstufigen wurzelablaute des ger- 
manischen particips got. qum-ans folgt , also eine 3. plur. 
perf. ist in der weise von got. nuDi-nn^ skid-un (ital. -en-, 
-em- = indog. -yn-, -mm- wie in lat. e)m\ vergl. oben s. 142, 
in lat. tenuis = sanskr. tanü-s, griech. raw-, abulg. Vinü-ku)^ 
oder auch als *hen-ens den e-typus von lat. veti-enmt got. 
qem-nn hat. Anders über den wurzelvocalismus des osk. 
küm-bened und umbr. hen-urent Joh. Schmidt Kuhns zeit- 
schr. XXVI 375 f. aum.; aber seine beobachtung, dass „lat. e 
auf dem cippus überall durch i vertreten" sei, darum -bened 
nicht wie lat. venu ablautend sein könne, berücksichtigt gerade 
von dem küm-bened selbst die schlusssilbo nicht, welche 
doch wol nach dem altlat. fnet der Scipionengrabschrift auch 
im oskischen, und hier erst recht, nur unverkürztes -ed ge- 
wesen sein kann. Wir haben wol e und t (geschrieben in 
national-oskischer schrift mit dem zeichen für i, ii) als oskische 
und umbrische Vertretung des indog. lat. e und als alternierend 
nach für uns kaum eruierbaren gesetzen zuzulassen ; vergl. 
zu der frage auch Bugge altital. stud. 74, Bücheier rhein. 
mus. f. philol. n. f. XXXIII 10 und verf. oben s. 181. 

Das Verhältnis, dass die uritalische neubildung der activ- 
form 3. sing. perf. in solcher weise die schwachstufigkeit der 
Wurzel für dieselbe mit sich brachte, ward im lateinischen 
alsdann der grund, warum hier überhaupt diese form auf -et 
(-ed) sich behaupten konnte: die '*üTd-et, *füg-et, *scind-et, 
*tutüd-et, *pepend-et und *scd-et, *L-cn-ed, *cg-et^ *ep-U u. s. w., 
wie ja auch die belegten altlat. ded-et, fu-et, fec-ed^ passten 
gerade wegen ihrer tiefstufigkeit der wurzel gut zu dem neuen 

Osthoff, zui- geschiclile c]. ppilrrls i. indO';oi-nianisclion. 14 



— 210 - 

perfectsysteme. das man aus alten medialformen im singular 
einerseits und den rosten des plur. act. perf. andererseits 
zusammenzuschweissen sich anschickte. 

Dass dann endlich lat. -U für -et aufkam, fifiU dedlt 
u. a. schon altlateiuisch und jenes neben dem alten fuet 
bereits auf demselben Scipionendenkmal, geschah durch den 
zum vocalischen ausgleich nötigenden einfluss der 1. sing, 
auf -7. 

Jetzt begreift sieh auch, warum man von dem einzigen 
interieisti nicht viel aufhebens machen darf, wie F. Stolz 
richtig erinnerte. „Diese eine form", sagt ßrugmann treffend 
morphol. unters. III 27 f, „ist eine analogiebildung nach 
interiei iiiterieit^ und zwar entweder eine in der Sprachge- 
nossenschaft weiter verbreitet gewesene oder eine, die nur 
von einzelnen oder von einem individuum, dem Schreiber 
der Inschrift, vorgenommen wnirde". Warum Brugmaun 
diesen sp rech fehler des oder der betreffenden einzelnen 
trotzdem auch als eiuen „Schreibfehler" mit Joh. Schmidt 
bezeichnen zu können glaubt, wnrd nicht recht klar. Ein 
vollgiltiger beweis aber gegen die weitere Verbreitung solcher 
formen mit länge des -i- der perfectendungen -istl, -istis und 
ein einwand, den man gegen Corssens starre Verteidigung 
dieses punktes, zuletzt beitr. z. ital. sprachk. 512 ff., längst 
hätte geltend machen sollen, ist der : das romanische zeugt 
deutlich nur für lat. -tsti, -tstis mit dem geschlossenen e von 
italien. venesti, veneste (Blaue gramm. d. italiän, spr. 46). 
Lat. *vemsü, *ven2stis hätten italienische formen mit *-istl, 
*-iste ergeben. 

Am schwierigsten sind die foimalen Verhältnisse bei 
der lateinischen 3. plur. perf., wo historisch die drei formen 
-ere, -erunt und -Gnint vorliegen. Vergl. über ihr vorkommen 
Neue formeul. d. lat. spr. II 2 389 ff. 

Darf man, wie es neuerdings meist geschieht, das -e 
von dem ersteren ausgange -ere als eine abschleifung des 
alten persoualsuffixes uuthematischer conjugationen -ent^ deren 
gesctzmässiges entspringen — vielleicht als einer satzdoubletten- 
form neben dem volleren -ent von sient — noch unserer kennt- 
nis sich entzieht, betrachten? Ist vielleicht gar -e in -tre das 



— 211 - 

einzig lautgesetzliche = osk. umbr. -ens aus indog. -nt und 
sind lat. sienf^ darent (s. 20ü f. anni.) für *s/e, "^dare goncuert 
durch übertraguug der primäreiidung -nt = indog. -ntl in 
lat. ferunt, umbr. sent^ osk. set indic? Dass möglicher weise 
auch osk. -ed in der 3. sing. peif. und altlat. -cd in feced 
sowie in sied opt. praes. (Dvenosinschrift) das ältere gegen- 
über der ^-form lat. -et sein werde, bemerkte ich rhein. mus. 
f. philol. n. f. XXXVI 487 f. Unter dieser oder etwa einer 
solchen Voraussetzung über das -e von lat. -tre möchte auch 
ich mit aller reserve meinen erklärungsversuch wagen. So 
nämlich fassen das -tre, in ihm zugleich den relativ ältesten 
der drei personalausgänge sehend, bereits Joh. Schmidt Kuhns 
zeitschr. XXIII 363, Brugmann morphol. unters. III 28 und 
Stolz z. lat. verbal-flex. I 22. 56 ff. auf. Und offenbar ist, da 
-ere und -erunt lautlich nicht identisch sein können, wenigstens 
so viel sicher, dass aus -ere sehr leicht -enmt werden konnte, 
nemlich durch auhängung des gewöhnlichen indicativausganges 
•unt in praesentien der ö-conjugation, für die umgekehrte an- 
nähme sich aber schwerlich eine handhabe der aualogie- 
bildung irgendwo oder irgendwie nachweisen lassen würde. 
Wer -ere genügend erklärt haben wird, hat für das modernere 
-erunt eo ipso mit gesorgt. 

Von Brugmanns bemerkungen a. a. o. diene uns als 
ausgangspunkt diese eine: „Die form vlderunt hat ihr e vom 
stamm *veide- in der 1. 3. Sgl. (vgl. fue-t u. dgl.) erhalten." 
Fehlerhaft ist, wie wir schon gesehen (s. 207 f.), dass Brug- 
mann den e-stamm auch noch in der 1. sing, auf -l sucht 
und hier, wie auch s. 37, nicht principiell zwischen den 
endungen -et und -it oder überhaupt zwischen den e- und 
den i-formen des perfects scheidet. Fehlerhaft ist auch schon 
darum, was s. 28 sogleich von ihm hinzugefügt wird : „dass 
der vocal nicht als t erscheint wie in vidi, rldU, ist durch 
das nachfolgende r (s) bewirkt." Ein durch den rhotacis- 
mus aus -s- entstandenes intervocalisches -r- afficiert im la- 
teinischen nur kurzes 1 und macht es zu e, wie in serö 
aus *sisö = griech. 7?;/«, dessen analogie darum allerdings 
passend von Stolz z. lat. verbal-flex. I 56 anm. zur erklärung 
der kurzen perfectendung -ernnt herangezogen wird. Langes i 

14* 



— 212 — 

bleibt lat, l vor -r- = urspr. -s-; vergl. z. b. vtms gift' = 
avest. vlshö griecli. 'inc altir. // (verf. morpliol. unters. IV 175). 
Auch das aus ai entstandene lat. J zeigt sich in gleicher läge 
nicht in einen t^-laut verwandelt bei in-quirö aus *in-quaisö. 
Da nach unserer theorie das 7 der perfectendungen -i, -It 
phonetisch das gleiche ist mit dem von inqulrU. so ist für 
uns eben aus diesem gründe r'idere nicht aus *vidJre(tit), 
beziehungsweise aus *vtd'isei^nt\ lautgesetzlich herleitbar. 

Es bleibt wol nichts anderes übrig, als wegen -ere {-erunf) 
anzunehmen, der stamm auf -5-, den altlat. fuet, dedet^ feced 
zeigen, habe einst in der perfectflexion der lateinischen 
spräche eine grössere rolle gespielt. Ich möchte mir also 
folgende construction gestatten. 

Bevor sich aus den alten *vtst~t^ *mstls auf dem s. 205 
beschriebenen wege die formen vldistl, vldistis gebildet hatten, 
bestanden statt dieser *vldesti, *vJdestis in der 2. sing, und 

2. plur. Diese letzteren hatten sich auf dieselbe weise mit 
rücksicht auf die 3. sing, vide-t (^'vide-d) aus den alten *vIstJ, 
*vJstis entwickelt, wie die historischen vldistl., vldisüs durch 
den einfluss von vuUmus. Vielleicht hat man auch geradezu 
anzunehmen, dass *vulest1, ^videsüs die unmittelbaren Vor- 
stufen von vldistl, vldistis waren : diese letzteren mögen Um- 
formungen jener nach der analogie der 1. plur. vldimus sein. 
Zur zeit des *vTdestis nun konnte sich nach und zu ihm auch 
eine 3. plur. *videse{nt) = histor. vTdere neu bilden, wodurch 
das alte *vtde(nt) verdrängt wurde : das *vtdet (oder *vlded') 
der 3. sing., welchem *vlde(^nt)^ die 3. plur., selbst in ur- 
italischer zeit zum dasein verhelfen, ward diesem in latei- 
nischer Sprachperiode mittelbar zum verderben. Besonders 
leicht vollzog sich die schöpfung des *vldcse(nf) = vTdere 
nach *v~idestis dann, wenn etwa zur zeit seiner entstehung 
im urlateinischen auch noch die alten imperfectformen 2. und 

3. plur. von es- 'sein' lebten, *estis, *ese{nt) = sanskr. ästa, 
äsan, griech. ?;f7rf, ri{(i)av (vergl. oben s. 151 ff.). Auch vTdisse 
infin., vtdissem conj. plusquamperf. zeigen meines erachtens 
den einfluss von esse^ essem, nach denen sie ins leben traten, 
indem man rJdistis und estis parallolisierte; anders hierüber 
Brugmanu morpliol. unters. III 26 f- 



— 213 — 

Wol beachtenswert erscheiut aber auch eine neuere von 
MisteH zeitschr. f. völkerpsych. u. sprachwiss. XIV 315 f. 
vorgetragene ansieht, welche die perfectisclic persoualendung 
-ere als analogiebildung nach dem infinitivus historicus ent- 
stehen lässt. In anderer weise, als Misteli diese annähme 
begründet, wäre dann vielleicht zu construieren, dass die 
infinitive zweiter coujugation wie vtdere, sedere, fövere, möoerej 
vövere, cävere, fävere, pävere bei der angliederung an das 
System des verbum finitum des perfects den vortritt nahmen und 
in folge dessen uuter aneignung der wurzelvocalisation des 
perfectstammes zu rldcre^ sedere u. s. w. sich gestalteten; 
die pendere^ inordere, tondere hätten andererseits nur die 
reduplication von pependi, momordi, totondl (altlat. memordi, 
tetondt) übernommen ; au den historischen Infinitiven prcmdere, 
stridere aber wäre vollends gar nichts zu verändern gewesen. 
Ferner würde die ererbte 3. sing. perf. auf -et {-ed) ihre 
rolle hierbei so gespielt haben, dass an ihren stamm auf -e- 
vornemhch sich jene ersten zu perfectformen gewordenen 
infinitive anlehnten , dass darum nach den schematen wie 
*vJdet : imlcre, *sedet : sedere und *pependet : pependere, 
*prandet : prcmdere hinfort auch zu fitet, dedet, feced^ 'Heget, 
*venet u. s. w. die entsprechende pluralform auf -ere sich 
bildete, -erunt müsste nach wie vor die von dem -ere erst 
weiterhin abgezweigte neubildung sein. Wäre nicht die 
pisaurensische form dedro und wegen ihrer, sowie wegen 
Student fäcere bei Terent. Adolph. V 7, 2 (900), hahent dcspi- 
cütam Terent. Eun. II 3, 93 (384) und anderer dergleichen 
messungen (vergl. Spengel in seiner ausgäbe vonTerenz'Andria 
XXV), einige Wahrscheinlichkeit, dass -ont, -ent unter be- 
stimmten Satzstellungsverhältnissen eine abschwächung zu 
-0, -e (vielleicht nasaliert -ö, -e) tatsächlich haben erleiden 
können, dass demgemäss auch -ere auf einem *-erent allen- 
falls wol beruhen möge, so würde ich entschiedener in einer 
construction wie der Mistelischen das einzige heil erblicken. 

Die form auf -erunt^ viderunt, endlich gilt mir, im gegen- 
satz zu Brugmann a. a. o., als die allerjüngste. Auf viderunt 
erstreckte sich der einfluss von vidimxjiS und vWist% vidistis: 
daher entsprang aus jenem *vTdwunt, das dann lautgesetzlich 



— 214 — 

in viderunt überzugehen hatte, wie eben *sh'ö in serö (s. 211). 
Durch das hier wirksam gewesene lautgesetz der Verwand- 
lung von *-tr- in -er- war die neue form vTclenmt der alten 
mutterform viderunt (sowie dem noch älteren vldere) formal 
wieder näher gerückt, als es *vTdesti, *vülestis, wenn wir bei 
der Voraussetzung dieser bleiben wollen, den aus ihnen 
hervorgegangenen vldistT, vultsüs waren: dort jetzt nur 
quantitative, hier neben quantitativer auch qualitative vocal- 
differenz. Das möchte denn wol der grund gewesen sein, 
warum viderunt (nebst vldere), dem Sprachgefühl gleichsam 
nur als eine spielart des moderneren vTderunt erscheinend, 
neben dem letzteren lange zeit aufrecht erhalten blieb, sogar 
bis spät in das romanische sprachleben hinein, nach span. 
hicieron = lat. fecerunt neben Italien. /e'cero = lat. fecerunt 
(Diez gramm. d. roman. spr. 11^ 127), während *vldestt, 
'^vJdestis an den jüngeren vTdtst't, vldtstis nur concurrenz- 
formen schlechthin, nicht eine solche stütze fanden und also 
zeitig ausstarben. Die versuche einer lautmechanischen ab- 
leitung des -erunt aus -erunt (Corssen ausspr. vokal. I'' 611 ff., 
112 203, 513. beitr. z. ital. sprachk. 514) oder umgekehrt 
des -erunt aus -erunt (Schleicher compend. d. vergleich, 
gramm. ^ % 291 s. 727, Joh. Schmidt indog. vocal. II 345) 
dürften zu den von der heutigen Sprachwissenschaft über- 
wundenen Standpunkten gehören; vergl. auch Curtius verb. 
d. griech. spr. 11'' 198 anm., Brugmann Curtius' stud. IX 321. 
Von Brugmann weiche ich darin überhaupt am wesent- 
lichsten ab, dass ich wenigstens für den indicativ des latei- 
nischen perfects, d. i. des echten asigmatischen, jegliche Ver- 
mischung mit formen des indogermanischen „-«s/t- aoristes" 
in abrede stelle. Ich kann schon darum nicht die gleichung 
Brugmanns lat. vtdistis = altind. d-vedishta als richtig aner- 
kennen, weil ich in dieser sanskritform kein ererbtes gebilde 
aus der indogermanischen grundsprache erblicken kann, weil, 
wie ich grund habe anzunehmen, die „-is/t-" formen von hause 
aus auf den sing, act, des indogermanischen s-aorists be- 
schränkt waren und erst durch weitere analogische Verbreitung 
von da im sanskrit die selbständige abart des „-is/i-aoristes" 
ins dasein treten Hessen. Sodann ist der aoristischen auf- 



— 215 — 

fassung des lat. vTdlsfis auch entgegenzuhalten : von dieser 
2. plur. lv;inu die 2. siug. vJdisfJ nicht abgetrennt werden; 
ist jene aoristischer herkunft, so muss es auch diese sein 
oder muss wenigstens von vTdistJ gezeigt werden können, 
wie es auf veranlassung der vermeintlichen ererbten aorist- 
form vIcUstis im lateinischen neu geschaffen werden mochte, 
welcher nachweis aber der nur perfectisch sein könnenden 
personalendung -ti wegen wol immer mislingen dürfte. 

Im lateinischen hat im gegenteil nur der s-aorist vom 
perfectum empfangen, und zwar in der von Brugmann selbst 
morphol. unters. III 36 f. zutreffend geschilderten weise so, 
dass einzig die 1. plur. dl-v7sliiius^ säxiiiiKS^ gessimus^ («c-) 
cessimiis (vergl.über den wurzelvocalismus dieser verf. morphol. 
unters. IV 80. 390. Paul-Braune's beitr. VIII 278 ff., wegen 
cessimiis speciell unseren excurs VI) die genau wie griech. 
£-aiiujLier^ e-rvV'aiiS)', f-art'i«/;f j^, s-neia/Lttv, s-ni-^'a/uev, t-/(auf.uv 
beschaffene formation waren, nach ihrer associierung mxivJdimus 
und beim aufhören der alten tempusunterschiede von aorist 
und perfectum für die lateinische spräche allmählich alle 
personalausgänge von vTdT^ vidisü u. s. w. an das flexions- 
system von dT-vTsimus und genossen übergingen. ^) 

Mehr berührungspunkte als mit Brugmann haben meine 
aufstellungeu mit denen von F. Stolz in dessen anregender 
abhandlung „zur flexion des perfectstammes" (z. lat. verbal- 
flex. I 43 ff.). Ich muss es dem leser überlassen, nachzu- 
prüfen, worin wir beiden, ausser den im vorhergehenden an- 
geführten dingen, im einzelnen zusammenstimmen oder von 
einander abweichen. Nur einen punkt will ich hier noch 
besonders hervorheben, als einen solchen, in welchem sich 
bei concordanz in einer hauptsache zwischen Stolz und mir ein 
auseinandergehen in einem mehr nebensächlichen punkte zeigt. 

') Nur Mahlow Kuhns zeitschr. XXVI 586 f. weiss es auf grund 
der an ihm gewohnten besseren Information dem wissbegierigen leser 
ganz genau und „leicht" zu sagen, warum bei einem ursprünglichen 
gegenüberstehen der formenreihen vidi, viderö, viderim, vldevani und 
dlxi, dlxö, dixini da einzig gemäss dem Verhältnisse viderö viderim : 
dlxö dixim ein *dixam nach vlderam gebildet sein „müsste", nie und 
nimmer aber, wie Brugmann angenommen, gemäss dem anderen Schema 
vid^l : dlxl = vlderam : x die form dlxerain entspringen konnte. 



— 216 — 

Stolz handelt s. 52 f. über das suffix der 2. sing, -stl 
und gewinnt einen ähnlichen ausgangspunkt wie wir oben, 
wenn er das, was ich Kuhns zeitschr. XXIII 319 ff. über 
den in grieh. -oß^a, germau. -st festgewachsenen zischlaut aus- 
einandersetzte, für das lateinische verwertend sagt: y,*Visti 
ist nebst den übrigen formen der zweiten person von t- und 
s-stämmen die retterin dieser formen und des perfectsuffixes 
-ti, bez. in veränderter gestalt -sti geworden," Die construc- 
tion, welche also -stl und -stls in der 2. plur. an den dental- 
stämmen erwachsen sein lässt, kann sich zu ihrer stütze auf 
das stattliche beer der im lateinischen von d- und ^-wurzeln 
vorhandenen perfecta berufen: cecull, cecTcU, (ac-, in-, suc-) 
-cendi, cädt, edl, {de-, of-) fendl^ ßdi, födl, frendl, fndl, pre- 
-hendl, mandi, momordt, ödl, pandi, pependi., prcmdl, scandl, 
scicidl (scidt), scdl, spopondl, strldl, tetendJ, totondl, tiitudl, 
vidi und vertl dürften, dünkt mich, doch wol über die hälfte 
aller vorkommenden formen derselben tempusbildung von 
Wurzelverben in der lateinischen spräche ausmachen. 

Von den nicht-dentalstämmen mag ohne Schwierigkeit 
angenommen werden, dass sie bis zum eintritt der flexion 
Vidisti, vldistis (^beziehungsweise ^vldestl, *vTdestis) für das 
alte *vTstb, *vTstls ihrerseits die s-losen formen -tl, -tis noch 
fortführten, dass es so lange noch *füct%, *füctis, "^rnptl 
*ruptis, ferner *meme)itl, ^pepultT, *füt~b hiess. Ein derartiges 
'^fäctl oder vielmehr dessen Vorstufe *füctal hatte sich statt 
der medialen erbform ^fäxai (vergl. oben s. 193) ebenso auf 
grund der entsprechenden activform *foiicta und der 1. sing. 
*fti(jai = histor. füge entwickelt, wie ^vlstai nach *voista 
und *vJdai = histor. vidi (s. 204) aufkam. Später, als man 
vidi : vidisti {^-vldestt) zu flecticren begonnen hatte, gelangte 
man nach diesem muster ohne weiteres dazu, auch fäg-i : 
fägisti {*fugesti) u. s. f. abzuwandeln. 

In einem punkte weiche ich entschieden von Stolz ab : 
ich kann mich dazu nicht entschliessen, gleich ihm z. latein. 
verbal-flex. I 52 ff. die überlieferten formen wie prö-mlstl, oc- 
ex-cUtstT, e-västl, senstf, manstt, dis-cesti, 2. plur. ac-cestis von 
den „aoristen" lat. mlsT, clausJ u. s. w. ihrer genesis nach 
zu trennen und jene „als reste von perfecten mit abgefallener 



— 217 — 

reduplication" für den auch von mir ja anerkannten alten 
zustand "^nstt^ *v7stls im echten perfectuin zeugen zu hissen. 
Stolz beruft sieh, wie auch schon verlier s. 12, auf die 
rcsultate ßrugmanns morphol. unters. III 37 ft". 56 , nach 
welchen für dü'tt, scrJpstls und dergleichen formen die alte 
ansieht, sie seien aus dlxistJ^ scrJpsistis „synkopiert", zu ver- 
werfen sein soll zu gunsten einer neuen theorie, dass hier 
vielmehr, oder wenigstens in der 2. plur. auf -stis^ „die alten 
ursprünglichen formen des s-aorists" anzuerkennen seien. 
Brugmanns drei gründe aber haben mich nicht von der 
richtigkeit oder uotvvendigkeit dieser seiner anschauungsweise 
überzeugt. 

Brugniann bemerkt: „Erstlich. Wären die kürzeren 
formen durch einen mechanischen lautwandel aus den volleren 
hervorgegangen, so müsste man erwarten, dass die letzteren 
darnach ausgestorben wären. Aber die kürzeren formen sind 
in unsern Sprachdenkmälern gerade die altertümlichen und 
die volleren die jüngeren." 

Das letztere, dass „die volleren die jüngeren" formen 
seien, dürfte zunächst entschieden nicht nachweisbar sein, 
sondern nur, dass in litterarischen und epigraphischen deuk- 
mälern beide formationen gleich früh und in älterer 
zeit neben einander bezeugt sind und dass die kürzere 
von beiden baldiger vom schauplatze des Sprachgebrauches 
abtritt. dJxtJ^ scrlpstis, sowie dJxe^ dlxem sind nur in dem- 
selben sinne die „altertümlichen"' formen gegenüber dJxlsti^ 
scrlpsistis und dlxisse, dlxisseni zu nennen, in welchem auch 
das -otai des dat. plur. auf altattischen inschriften als die 
„vetustior terminatio" gegenüber dem ebenso früh zu be- 
legenden, aber länger lebenden -oic. gelten mag, nach verf. 
morphol. unters. II 56. 

Dass die volleren formen dJxistt, scrJimstis, wenn die 
kürzeren „durch einen mechanischen lautwandel" aus ihnen 
hervorgegangen, „danach ausgestorben wären", „erwartet" 
vielleicht jetzt Brugmann nicht mehr, wenn er berücksichtigt, 
in wie zahlreichen fällen uns namentlich die neueren lebenden 
sprachen die lautmechanische entwickelung von satzdoppel- 
oder auch sogar satztripelformen aus einer einzigen grund- 



— 218 — 

form zeigen, ohne dass sofort eine ausgleichung des Sprach- 
gebrauches zu guiiston einer der zwei oder drei concurrentinnen 
einzutreten braucht. Wogen des princips, nach welchem die 
spräche sich zu der durch die stelhmg im satze entstandenen 
doppel- oder tripelformigkeit verhält, bald dagegen sofort 
reagierend bald auch nicht, brauche ich zwar nicht Brug- 
mann, jedoch wol andere auf die trefflichen erörterungen 
Pauls princip. d. sprachgesch. 100 ff. zu verweisen. Als 
durch Satzphonetik entstandene zwillingsformen , wie z. b. 
nhd. mHÜcje als pausaform neben niütlge inihmer (Sievers 
grundz. d. phonet. 183), werden sich nun auch lat. dtxti und 
dlxisti sehr wol rechtfertigen lassen , wenn man nur auch 
hier die ältere, vorhistorische betonungsweise der latei- 
nischen spräche, auf die uns so vieles hinweist, zu rate zieht 
und an die Spaltung des proparoxytons *deLristT in *deixistf 
= histor. dlxistJ (der alte nebenton wird hauptton! 
vergl. oben s. 159) und *de/xisti = histor. dtxtl (die Syn- 
kope trifft den tonlosen kurzen vocal!), je nach den satz- 
accentuationsverhältnissen, denkt. Nach diesem princip wird 
sich uns, wie ich hoflte, noch manche scheinbare Unebenheit 
der lateinischen laut- und formenentwickelung glätten, manche 
jetzt noch zugelassene willkür sich vor unseren äugen in 
regel und gesetz verwandeln. Vielleicht ist es auch nur das 
resultat einer in den einzelnen localdialekten verschieden er- 
folgten ausgleichung zwischen satzdoppelformen , wenn die 
Pisaurenser dedrot dedro = lat. *dedrunt, die Lateiner aber 
selbst dedenoit ohne synkope sprachen. 

Brugmanns zweiter und dritter grund besagen nun noch 
weniger als sein erster. Wenn wir gerade so, wie dixtis 
aussieht, die 2. plur. des alten s-aorists von dlcö im latei- 
nischen zu reconstruieren haben, so folgt daraus doch nicht 
notwendig, dass dixtis diese alte aoristform ist, vorausgesetzt, 
dass sich noch eine andere mit den lateinischen lautgesetzen 
in einklang stehende und vielleicht näher hegende erklärung 
bietet, als welche ich eben die annähme der entstehung durch 
synkope aus dixisüs betrachte. Und dann endlich : „Es wäre 
unnatürlich, wollte man dtxü und dlxim von den formen 
faxö und faxim trennen, die auf *faxisö *faxisim zurückzu- 



— 219 — 

führen nichts uns berechtigt" ist eine bemerkung, welche auf 
die indi cati vformen dJxtJ, scrTpstis, ferner auf dJxem conj. 
plusquamperf. und dJxe infin. perf. gar keinen bczug hat. 
Coujuuctiv und optativ können sehr wol, bei individueller 
gestaltung ihrer begrifflichen function, wie es hier der fall 
ist, ihre eigenen wege der formalen entwickelung gehen, 
also z. b. auf der bahn ihrer alten flexion bleiben, während 
der indicativ desselben tempus sich radical neuert, wiederum 
wie hier auf besondere veranlassung, durch berührung der 

1. plur. dJxiiUHS mit vtdimus der äusseren und inneren sprach- 
form nach (vergl. s. 215). Ich kann also, wie ich es tue, zu- 
geben, dass Brugmaun die formen dJxU^ faxö und dlxim^ 
faxim schlagend richtig als die alte conjunctiv- und optativ- 
bildung des sigmaaorists im lateinischen erwiesen hat, ohne 
dass daraus der geringste zwang für mich erwächst, bei dJxtl^ 
scrJpstis, sowie dlxem, dJxe von der alten auffassung abzugehen. 

Was aber endlich noch positiv die Brugmannsche auf- 
fassung der formen wie lat. dJxtis, scrTpsUs stürzen würde, 
wäre das grundsprachliche lautgesetz über eine ausdrängung 
des -s- zwischen explosivlauten, welches ich morpol. unters. 
IV 329 f. anm. im anschluss an Sievers und dessen auf- 
fassung des ahd. sehto anord. setti = griech. vavoq vermutete, 
wenn dieses sich bewähren sollte; dafür spricht sich neuer- 
dings auch Kluge Paul-Braune's beitr. IX 195 aus. Dann 
könnten schon deswegen lat. dJxtis, scripstis als echte alte 
sigmaaoristformeu gar nicht erwartet werden, sondern nur 
lat. *dJctis, *scnptis mit derselben alten lautgestaltung wie 
im sanskrit a-kshalpta 2. plur. act., a-kship-thos, a-l-shipta 

2. 3. sing. med. Vielleicht wird ein weiteres zeugnis für 
jenes ausdrängungsgesetz in diesem falle zu sehen erlaubt 
sein: altir. echtar ausserhalb' (Windisch kurzgef. ir. gramm. 
§ 53 s. 12) = osk. ehtrad, in anbetracht deren lat. exträ 
ebenso die neubildung nach dem positiv ex sein dürfte wie 
lat. sextns diejenige nach dem cardinale sex. 

Freilich, wenn sich dlxti^ scripstis als die satzzwillings- 
formen neben dTxistI, scrlpsistis entwickelten, so erwartet 
man die entfaltung solcher doubletten auch bei anderen per- 
fecten als den sigmatischen. Und diese erwartung wird auch 



— 220 — 

reichlich erfüllt durch die perfecta auf -ävi, -evt, -öi% denn 
diese ^nebst den dazu gehörigen plusquamperfecta und futura 
exacta können vor den cndungen mit ;•, st und ss ihr ve oder 
vi ausstossen, wenn das v nicht zum verbalstamme gehört." 
Vergl. Neue formen!- d. lat. spr. II ^ 527 ff. Wie kann man 
wol lat. putästl putästis putt'isseni putässe, ferner complcsU 
complestis complcssem complesse^ nösti nöstis nössem u. dergl. 
aus einem anderen gesichtspunkte betrachten wollen, als 
dixfJ dlxtis dlxem dJxe? Wenn hier die erscheinungen der 
Synkope in noch weiterem umfange, nemlich auch bei den 
r-formen sich zeigen: putäram putärU., compleram complerit, 
nöram nörit., so folgt daraus, dass man im princip auch den 
Ursprung von *dlxram *dlxrit. *m7sram *mlsrit als ein histo- 
risch eingetretenes factum anerkennen muss; nur mussten 
solcher art formen wol noch weiterer lautgesetzlicher Umge- 
staltung, etwa einer assimilatiou oder dissimilation der laut- 
gruppe sr, unterliegen, wodurch sie dann in ihrer morpholo- 
gischen deutlichkoit litten, so dass man darum baldiger den 
ausgleich zu gunsteu der längeren nebenbildungen auf -seram, 
-serit vollzog. In pidärunt, complerimt, nörnnt aus *putäverunt 
u. s. w. — nicht etwa aus putävenint — hat denn auch die 
lateinische spräche selbst den neben dederunt ihr fehlenden 
typus *dedrnnt = pisaurens. dedrot (s. 218). Wenn nun Brug- 
mann selber morphol. unters. III 39 lat. amärö mmrim als 
synkopierungen von amäverö amaverim ansieht, wird er das 
Verhältnis von amästi amästis amässem anlasse zu amävisti 
u. s. w. doch wol nicht anders beurteilen können. Welche 
waffe bleibt ihm aber da noch gegen denjenigen, der ihm 
die richtigkeit seiner auffassung von düxtl dlxtis dlxem dlxe 
bestreitet, neben denen die längeren formen sich angeblich 
nicht so haben aufrecht erhalten können wie doch amäverö 
amaverim neben ainnrö amitrini? 

„Hand in band mit faxö fuxltur, faxim gehen die 
formen wie amässö turhässitur^ amassim und prohihessö^ pro- 
hibrssim."' Allerdings, aber Brugmann a. a. o. 39 ff. gewinnt 
nach eigenem Zugeständnis keine überzeugende erklärung 
dieser. Ebenso hilft sich F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 64 ff. 
betreffs ihrer in zu gekünstelter weise. Warum diese bildungen 



— 221 — 

alt und „signmtisclie aoristformen sein müssen," verstehe 
ich nicht. Meines erachteus hat hier die associierun»- der 
nicht synkopierten alten conj . aor. dJxö^ opt. aor. dJxim 
mit den synkopierten dJxeiii^ dJ.ve alles bewirkt. Darnach 
bildete man amässö, amässim zu den synkopierten amässejyi, 
amosse. Dann wegen ainässö aniässit : amäre auch prohi- 
bessö prohibt'ssim, licessit : prohibere, Uccre. War man -erst 
so weit, so stellte man, nunmehr im besitze von prohibessO 
prohibcssiiH zu prohibuT prolübltiis, licessit zu licuit licitus, 
nach diesem vorbilde auch lacesso zu perf. *lacm, partic. Hacifus 
(vergl. e-licuJ, c-Jicitns). Endlich gewannen nach lacessö : 
laciö auch die wie laciö beschaffenen jodpraesentia capiö, 
faciö ihre intensiva auf -essö : caiyessö, facessü. 

Synkopierte nebenformen, wie dlxtl, scrTpstis neben 
dJxistJ, scrTpsistis^ erwartet man aber a priori auch bei den 
echten oder wurzelperfecta im lateinischen. ISun scheint sich 
hierfür in der lateinischen Sprachüberlieferung allerdings so 
gut wie nichts tatsächliches darzubieten. Formen wie coepstt 
und aceepstJ, percepstJ, die Neue formenl. d. lat. spr. 11- 539 
erwähnt, haben nur die geringe gewähr verdächtiger hand- 
schriftlicher Überlieferung oder wenig gesicherter conjecturen 
von neueren textkritikern für sich. Es braucht sich aber, 
meine ich, auch nur ein triftiger grund angeben zu lassen, 
warum bei den w u r z e 1 p e r f e c t e n die spräche früh- 
zeitiger undentschiedenei" sich veranlasst sehen 
konnte, den alten dualismus durch ausgleichung 
zu gunsten der volleren formen zu beseitigen, 
als bei densigmatischenperfecten und denen auf 
-ävJ, -evi, -övT. Diesen grund erkenne ich in folgendem umstände. 

Bei vJdi hätten die synkopierten formen der 2. sing. 
2. plur. indic, des plusquamperf. conj. und des iniin. perf. 
zu lauten gehallt : *mstT^ *c7stis, ^vTssem. *vTsse. Entsprechend 
bei allen den lateinischen perfecten von dentalstämmen, die 
wir s. 216 aufführten. Solche formen aber standen 
morphologischer s e i t s in einem erheblichen n a c h - 
teil gegenüber den denwurzelauslaut nicht ver- 
dunkelnden volleren seitenbildungen rJdistT, rTdistis, 
vldissem^ vldisse. Hatte man ja doch in einer früheren sprach- 



— 222 - 

periodo gerade ein ohne synkope entwickeltes *mstt dadurch 
vorniicdon, dass man dafür zur erhöhung der morphologischen 
eiuheitlichkeit des paradigmas jüngeres vidistJ (^otdcsfi) neu 
erschuf (s. 205. 212). Auch beiden perfecten noch anderer als 
dental auslautender wurzeln traten durch die synkope ähn- 
liche, wenn vielleicht auch nicht in demselben grade uner- 
träglich scheinende formenverhältnisse ein: eine media -^-, 
-b- hatte im zusammenstoss mit dem s von -st7^ -sHs^ -ssem, 
-sse zur tenuis -r-, -p- zu werden, also dass z. b. *füxti 
*fr(xem, *scäpst7 ^scopsem die zu fugii scähi sich stellenden 
synkopierten formen gewesen wären. In dem falle von 
ceculi, tetigJ, pepigJ, ceciiü. meminl u. a. wäre überdies wol 
auch noch eine vocalische differenz durch die synkope hervor- 
gerufen worden, indem es wegen der entstehenden mehrfachen 
consonanz wahrscheinlich zu formen mit e : *cecestl, ^tetexU, 
*pepejcfl, *cecenstJ^ *iuemensiJ gekommen wäre. Das alles 
empfahl der spräche auch hier den frühzeitigen verzieht auf 
die aus dem „systemzwange" am meisten herausfallende unter 
den zwei concurrenzformen. Bei dem dilemma zwischen 
oc-clnsU und oc-düsistt, e-vüsU e-vässet in-vnsse und e-väsistt 
e-väsisset in-väsisse^ dt-vlsse und dt-vTsisse^ ac-cestis ac-cesset 
und ac-cessistis ac-cessisset^ scrlpstis und scnpsistis^ prö-traxtis 
de-traxe und prö-traxistis de-traxisse entschied keine ähnliche 
rücksicht über die grössere oder geringere brauchbarkeit einer 
der beiden formen: sie beide ermangelten des -d-, -h-, -h- 
von claudöj vädo, di-vidö^ scrtbö^ trahö^ enthielten aber beide 
gleich klar das -s-, -ss-, -ps-^ -x- ihren praeteritalen schwester- 
formen clansT, väsz^ dt-vtst, cesst, scrlpst^ traxt. Indem aber 
aus solchem gründe die vtdistt, fägistt^ scäbistT, tetlgistt, 
cecinistl u. a., forner wegen ihrer auch fccistJ^ cepistt, räpisti 
u. dergl. sich in dieser alleinigen form baldig, nemlich schon 
vor dem beginn der lateinischen Sprachüberlieferung, fest- 
setzten, ist es nicht zu verwundern, dass das fester normierte 
Verhältnis dieser in der folge auf das schwankende der 
s-perfecta drücken musste, dass darum in dem rivalenstreit 
zwischen jenen dJxtJ und dlxistl, dnxiJ und dnxistl, scrlpstis 
und scrJpsistis der endgiltige sieg schliesslich aucli nur den 
längeren formen zufallen konnte, weswegen Brugmann sie 



— 223 — 

als „die jüngeren" und die kürzeren als „die altertümlichen" 
hinzustellen sich veranlasst sah. 

Ein analogon dazu , dass in der lateinischen spräche 
zwischen otdistT und seiner synkopierten nebenform "^vTstJ 
frühzeitig- ausgleichuug eintrat, während das paar dTxistJ und 
(iTxtJ länger neben einander zu leben vermoclite, ist eine er- 
scheinuug aus der jüngsten geschichte deutscher verbalflexion, 
welche neuerdings l'aul in seinen beitr. IX 108 bespricht: 
dass in der schwachen conjugation des neuhochdeutschen 
für die 2. 3. sing., 2. plur. praes. indic, ferner für praeteritum 
und partic. praet. „eine Zeitlang doppelformon mit synkope 
und mit erhaltung des endungsvocales neben einander be- 
standen haben {lebst — lebest^ lebt — lebet, gelebt — gelebei) .... 
Diese letzteren sind ja bei den d- und ^-stammen ihrer 
grösseren deutlichkeit halber zur herrscliaft gelangt 
(vgl. redest, redet, redete, geredet}."' Eine „isolierte form" 
ist das zum adjectiv gewordene beredt eloquens'. Eigentlich 
aber lässt sich diese beobachtung in weiterem umfange als 
nur auf dem gebiete der schwachen conjugation bei uns 
machen : so vollzieht die neuhochdeutsche Schriftsprache über- 
haupt die ausgleichuug zwischen derartigen verbalen doppel- 
formen von den (/- und ^stammen, auch bei starken verben, 
ausgenommen wo bei diesen letzteren an einem vocalvvechsel 
in der wurzel die 2. und 3. sing, ihr charaktericum liat. 
Also auch bittest bittet, reitest reitet, leidest leidet, meidest 
meidet, schneidest schneidet, scheidest scheidet; aber brätst 
brät, rätst rät, trittst tritt, und hinwiederum hier 2. plur. 
bratet, ratet, tretet mit Verallgemeinerung der nicht synkopierten 
als der allein morphologisch hinreichend deutlichen form. 

Doch, um ganz im bereiche des lateinischen und seines 
perfectums zu bleiben, so will ich an die bevorzugung der 
r-formeu mTseriin mTserö miseram vor *mJsrim u. s. w., welche 
letzteren wahrscheinlich noch weiter umgestaltet worden wären 
(vergl. s. 220), nur noch einmal vorübergehend erinnert haben, 
vor allem aber noch einmal hier (vergl ebend.) an Neue 
formenl. d. lat. spr, II ^ 527 anknüpfen und an die dort nach 
Priscian X 16 p. 508 H. gegebene regel über die synkope 
oder nichtsynkope bei den perfecta auf -ävT, -ein, -nvT- Es 



— 224 — 

synkopieren diese vor den endungen mit r, st, ss nur, „wenn 
das V niclit /.um vorbalstamm gehört. Die ausstossung ist 
also nicht statthaft in den au cdv7, /"«■<", l'^vl^ expävT^ fönJ sich 
anlehnenden formen". Wie sollte sich die ausuahmestellung 
dieser wol einfacher erklären lassen, als dadurch, dass hier 
wiederum der „systemzwang" oder das etymologische iuteresse 
den synkopierten formen HastT 'Hästis *lärunt, *föstt gegen- 
über lävistt, fövistt nicht günstig sein musste ? Bei amästl, 
delestl^ nösti verlor man nichts wurzelhaftes durch den ge- 
brauch der synkopierten form. Dass seitens des lautgesetzes die 
auf -v-t, deren -v- wurzelauslaut war, nicht als solche eine 
andere schonendere behandlung erfuhren als die mit bildungs- 
-vl oder „vi adjecta" (nach Priscians ausdruck), beweisen 
zahlreiche überlieferte formen mit synkope von möv-i : e-möstis, 
sum-mösses, ad- com- re-niösse, ad- com- re-mt>runt, com-mörit, 
ad-nioram u. a. bei Neue a. a. o. 527. 533, Ja ich finde selbst 
durchaus nichts auffallendes daran, sondern im gegeuteil nur 
etwas völlig den auforderungen an consequenz des lautwandels 
entsprechendes, wenn uns die ältere latinität auch sogar statt 
der perfectausgänge -Uvit, -ävimus^ -evimus, -ovimus die daraus 
durch synkope reducierten -ät, -ämus, -emus^ -umus darbietet: 
inrJfcit , distitrbdt bei Lucretius, narrämus , mütnmus bei 
Propertius, siicimis bei Lucretius und con-suemus, ßemus bei 
Propertius, mmus bei Ennius in den von Neue a. a. o. 534 
gegebenen belegen. Die coUision mit den gleich oder fast 
gleich lautenden praesensformen auf -ät, -ämus, -emus lässt 
es nur gar zu leicht entschuldigt erscheinen, warum solche 
doubletten, wie disturbdvit und disturhüt, wie narrävinnis und 
narränms, ßevimus und flemus rarae aves in der lateinischen 
spräche geworden sind im vergleich zu der häufigkeit, mit 
der uns ein narrästJ^ narrästis neben narrUvistJ, narnwisUs 
zu begegnen pflegt. Also auch hier wieder die synkopierten 
formen ein opfer des nach etymologischer und morphologischer 
deutlichkeit strebenden systemzwanges ! Weit abgeirrt vom 
einfachen und richtigen ist F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 29 f., 
indem ihn das übertriebene suchen nach alten „aoristischen 
gebilden" im lateinischen zu aufstellungen wie „iwmi(S aus 
*nosmus"' und zu einer gänzlichen abtronnung der vermeint- 



- 225 — 

licli sigmatisch-aoristischen formenreihe nöstJ, nöstis^ norim, 
nösse von növistJ^ novistis, növeriin, növisse gelangen lässt. 

Dass die perfecta auf -i-tv wie lat. andl-vJ auch doppel- 
formen mit und ohne synkope entwickelten, kann nicht be- 
stritten werden, obwol Neue sie nicht in dieser bezieluing 
auf gleicher liuie mit denen auf -ä-rr, -e-vJ, -ü-vJ genannt 
hat. Jedoch formenl. d. lat. spr. II 2 510 ff. bringt Neue 
eine grosse anzahl von formen wie audJstT, audtstis, audisset^ 
audisse bei, die als solche synkopierte wie amästJ sicher zu 
betrachten sind. Nur kommt hier noch ein neues moment 
hinzu. Lat. iT von Jre, in älterer zeit noch unverkürzt n, 
z, b. in Jerant bei Terent. Adelph. I 1, 2 in allen hand- 
schriften (Neue a. a. 0. 518), ist alte erbform aus der grund- 
sprache: das regelrecht entwickelte medium iudog. Ji-üi, 
des gleichen systemes mit den sanskr. Uj-ätiir. hj-ür und der 
activform 1. sing. lit. ej-aü (vergl. oben s. 130). Man 
kennt auch den gebrauch des mediums dieser wurzel bei 
sanskr. adhi -\- i- 'für sich durchgehen, lesen, studieren. Später 
bildete man zu tre auch das neue perfectum lat. J-vJ nach 
audJre : cmdl-vl; und vice versa dann nach dem alten per- 
fectum des tre und seiner vielen composita, ah-ire, ad-ire, 
red-lre u. s. w., auch bei audJre die formen wie audieriuit^ 
aiidierim, audlerain, audierö^ audiisse; audleräs bei Terent. 
Phorm. lY 1, 7 (573) in der besten Überlieferung des cod. 
Bembinus (Neue a. a. 0.) ganz wie lerant bei demselben 
dichter. Wahrscheinlich sind auch noch bei cjueo [iie-cßieö)^ 
bei sciö (ne-sciö) aus *sc^-iö (vergl. oben s. 157) oder sciscö 
(de-scüscö^ re-sclscö]^ bei ciö {ac-, con-^ ex-ciö] = griech. xico 
und bei si-nö [de-sini), sämtlich alten wurzelverben wie 
eö 'gehe', die perfecta quü ne-quiJ, seil ne-scil de-scü re-scü, 
eil ac-cü con-cü ex-cü, sii de-sü die echten alten bildungen: 
indog. Jc-ii-di, sk-ii-di, k'^iidi, sii-di bei nebontonig- 
tiefstufiger wurzel normal reduplicationsverlustig; überdies 
auch lat. i-t^ qui-t, sci-T, ci-7, si-7 von ?'-, qui-., sei-, ei-, si- 
so wie fu-I von fu-, plu-T von plu-, lu-J von In-, rn-J von 
*•?«-, nu-t von nn-. Zu siJ ergab sich bei mangelndem praesens 
auf -iö die nebenform sJ-m entweder nach dem jetzt häufig 
gewordenen schema der doppelformigkeit -il und -T-vT bei 

Ost hoff, zur ge3chichte d. perfecta i. iiidogoiinaiii.sclieu. 15 



— 226 — 

eö, sciö^ cid, audio u. s. f. oder auch, indem man nach der 
analogie von J-vJ neben '^ittis partic. (vergl. ttum est^ ad-ttics, 
in-itus^ ob-ttus, praeter-ttus), qiiT-vI neben fju%-tu4 [neqmtus)^ 
cf-vt neben cttus solches sT-vI zu dorn participium sUus (j)o- 
-sttns^ dt'-situm est) gewann. Letzteres dünkt mich das wahr- 
scheinlichere, weil ebenso am einfachsten auch U-vT zur seite 
von Ittus {col-, il-; ob-litus) aufgefasst wird, denn dem linere 
fehlt ja die echte alte starke perfectform Hi7. Dass auch 
vom Standpunkte der lateinischen Sprachgeschichte selbst 
wenigstens sii, de-siT noch als die älteren formen gegenüber 
sTvT, de-sivT erscheinen, geht aus Neue formenl. d, lat. spr. 
II 2 519. 520 klar genug hervor. Diese kreuzung aber der 
perfecta auf -T-vT von abgeleiteten mit alten perfecten auf 
-u von Wurzelverben bewirkte es, dass bei jenen die syn- 
kopierten nebeuformen in einem etwas anderen lichte da- 
stehen als bei denen auf -ä-^)^ -e-vt, -ö-vi: ein audJsse konnte 
man auch als contrahiert aus dem nach iisse gebildeten 
midiisse ansehen, anstatt vielmelir als ein product der synkope 
von audlvisse wie aimsse aus armvlsse. 

Ich möchte aber auch, um noch einmal zu den wurzel- 
perfecten zurückzukehren, nicht glauben , dass die in der 
theorie zu fordernden synkopierten formen, wie *vJstT, *fextl 
neben vldistl, fecistT, in der praxis durchaus fehlen und spur- 
los in der spräche untergegangen seien. Wenigstens ein- 
zelnen scheint es geglückt zu sein, durch gründung eines 
neuen heims in einem veränderten formensysteme das all- 
gemeine loos der ausmerzuug, das ihre genossen traf, zu über- 
dauern. Stolz z. lat. verbal-flex. I 54 fasst das in der ver- 
stümmelten stelle des Pacuvius bei Fest. p. 229, 34 Müller 
(Ribbeck Pacuv. fragm. v. 321 p. 117) nachgewiesene oc-clsti 
(vergl. Neue formenl. d. lat. spr. II ^ 538) in seiner weise 
als eine der urbildungen ohne synkope „für oc-{ce-)äd-ti.'^ 
Bleiben wir bei der von Neue a. a. o. gegebenen erklärung 
stehen und sehen hier nur die synkopierte zwillingsform von 
oc-ädistT^ so erscheint als ein rechtfertigungsgrund für das 
bestehenbleiben eines solchen oc-c7stT die annähme, dass man 
es in der spräche wie dJxtJ, dnxtJ^ iiiTstl aufzufassen sich ge. 
wohnte und also ein sigmatiscli-perfectisches oc-cTsI wie nüsT 



— 227 — 

dazu nacbztischafft'n sich anschickte: ausser in den roma- 
nischen formen itaUen. uccisl altfranz. ocis findet Diez gramm. 
d. rom. spr. 11 ' 140 auch schon mittcllateiuische bestäiigungen 
{caesit, decislnuis, occlsserit, occisissef) dieser s-bildung, die 
in der altrömischen vulgärsprache, als eine solche eben durch 
occTstT. *occ7sfis, *occTssei)i^ *occJsse veranlasste nachgeburt zu 
cecldJ, oc-cldJ^ schon früh gelebt haben mag. 

Den perfecten auf -exT, rexJ^ texT und ähnlichen, gibt 
man aufgrund der Überlieferung bei Priscian IX 28 p. 466 H. 
und hinzukommender iuschriftlicher apices länge des wurzel- 
haften vocals, und ich glaubte sie darum oben s. 112, 114 mit 
dem alten e-typus des echten indogermanischen perfects, auf 
den ja auch rrgula und tögnla tcctuni hinweisen, in Ver- 
bindung bringen zu sollen. Wie nun, wenn uns die bei 
Neue formenl. d. lat spr. IP 538 aus Plautus, Terentius, 
Varro, Cicero, Vergilius, Horatius, ]\[artialis belegten intellextT 
mteUexes, circw)tspcxtT prospextJ circumspcxe dcspcxe^ dlrextJ 
surrexti surrexe^ ävextJ advextJ advexe den weg wiesen zu 
den des c wegen zu vermutenden echten und asigmatischen 
perfectbildungen? Ich meine, es könnten z. b. -lextJ, -lexes 
die regelrechten synkopierten nebenformen zu legistT^ iPgisses 
gewesen sein, indem man jene aber wie dJxiJ dlxes, dnxtl 
däxes auffasste^ kam es zur neuschöpfung des s-praeteritums 
-lext in di-lexi, intel-lexl, 7ieg-lexi; intel-lexisti würde zur nach- 
geborenen Zwillingsform von intel-lextJ werden. Ebenso 
wären durch veranlassung der synkopierten formen rexJ, 
texi, spexi^ vexT aufgekommen statt früherer dem indoger- 
manischen e-typus von e-wurzeln folgender *regT^ Hegt, ^specJ^ 
*veh7, wie ich bereits oben s. 114 andeutete. In diesem 
falle würden also auch die lateinischen bildungeu -lexT, rexT, 
texT noch weniger unmittelbar zu den griechischen sigmaaoristen 
f-Afia, fü'pf^a, f-arf^a gestellt werden können, als es ßrug- 
mann morphol. unters. III 36 vermeinte. 

Ein inlexe für iUexisse belegt ebenfalls Neue a, a. o. 
Und da nun Priscian a. a. o. ausdrücklich auch il-lrxj mit e 
von il-Uciö bezeugt, so könnten wir mit in-lexe ähnlich auf 
ein *il-leci kommen, d. i. auf ein weiteres der nach apio : -ept 
im lateinischen entsprungenen e-perfecta von a-wurzeln: *il-lrrf 

15* 



— 228 — 

von laciö^ wie fecJ^ jecT von faciö, jaciö ; vergl. oben s. 155. 176. 
Doch ist hier auch die ni()glichkeit niclit in abrede zu stellen, 
dass die composita von laciö, nemlich il-Ucio^ pel-liclö^ ein- 
fach und direct nach denen von speciö, also z. b. nach in- 
-sinciö^ per-spkiö^ ihr s-perfectuai -lex! wie -spexi gewinnen 
mochten. 

Es wäre nicht undenkbar, dass sich noch bei anderen 
lateinischen perfecten auf -st derartige anhaltspunkte fänden, 
um sie in entsprechender weise auf das alte asigmatische 
wurzelperfectum zurückzuleiten, wie es bei den -lexl, -rext 
die quantität des wurzelvocales ist. Es scheint mir aber auch 
wol annehmbar, dass in der Volkssprache der alten Römer 
die synkopierten formen der wurzelperfecta überhaupt nicht 
in solchem grade und mit solcher entschiedenheit verpönt 
gewesen seien, als es der normalisierende purismus der 
Schrift- und gebildetensprache mit sich brachte. In der volks- 
tümlichen altrömischen rede werden sie neben den nicht- 
synkopierten des öfteren gelebt haben, auch ohne dass ihr 
gebrauch immer solche Umwälzungen der ganzen flexion wie 
bei intel-lexti., dJ-rextt im gefolge hatte. Es ist bekannt, wie 
häufig die metrik der alten sceniker die messung von bihisti, 
dedistT dedisse als zweisilbiger spondeischer wortformen mit 
fallendem rythmus erfordert und wie verschiedeufache und 
sich oft widersprechende prosodische theorien diese und ähn- 
liche erscheinungen bei den neueren hervorgerufen haben. 
Vergl, C. F. W. Müller plautin. prosod. 234. 235 f, der den 
fall unter die rubrik „die positionslänge der zweiten silbe 
mehrsilbiger Wörter vernachlässigt" einreiht. Sollte nicht 
Plautus einfach mit dem volke destt, desse gesprochen haben, 
zumal da doch wol gerade diese formen es sind, welche in 
der romanischen sprachentwickelung fortleben? In Italien. 
desti, di'ste indic, dessi, desse conj. praet. zu diedi, Italien. 
stesti^ steste indic, stessi, sUsse conj. praot, zu stetti (Baragiola 
italien. gramm. ^ 114 s. 170. 171) müsste man nur das ge- 
schlossene e auf rechnuug der Übertragung von venesti^ veneste^ 
venesse ■= lat. venistt^ venistis, venisset (vergl. oben s. 210) 
setzen, um in den dann übrig bleibenden '^desfi u. s. w., 
*stesti u. s. w. die unmittelbaren reflexe der auch von Plautus 



— 229 — 

gekannten volkstümlichen formen mit synkope zu haben. So 
setzen ja auch sonst die neulateinischen idiomo gerade die 
synkopierte formenreihe fort, nicht die voUtönigere der beiden 
altlateinischen concurreuzbildungen, nemlich auch in italien, 
atnasti, amaste^ franz. tu aimas, vous aimätes praet. indic, 
italien. aniassi, anlasse, franz. J'aimasse^ tu aimasses, il aiiuät, 
ils aimassent conj. praet. (aus lateinischem conj. plusquaraperf.). 

Nach diesem eindringenderen versuch, die verwickelten 
Verhältnisse des lateinischen perfects auf -J auf grund einer 
neuen theorie zurechtzulegen, scheint es jetzt auch erforder- 
lich, einen abschnitt über die umbrisch- sabelhsche perfect- 
bildung folgen zu lassen, um vor allem einen von dorther 
drohenden einwand gegen das fundament meiner das latei- 
nische betreffenden aufstellungeu von vorne herein als nichtig 
zurückzuweisen. 

Es spräche entschieden gegen meine auffassung des 
lat. -i der 1. sing, perf., wenn man mit recht in wxnhv. pihafei 
pihafi das correlat von lat. piävJ sähe, wenn man ferner 
richtig umbr. trebeit und osk. Aeixsir, hoyMY.eiv als bildungen 
der 3. sing- perf. indic. erklärte. Yergl. Aufrecht-Kirchhoff 
umbr. sprachdenkm. I 144. II 63 f. 67, Corssen Kuhns zeit- 
schr.XI353. XVIII 207 ff". 241. 247 f. ausspr. vokal. I^ 552 
anm.**) 559 f. 609. 613. 11-' 579 anm. 1014. 1016. spräche 
d. Etrusk- I 754 f II 464. beitr. z. ital. sprachk. 569 f. 
571 f., Bruppacher vers. einer laut), d, osk. spr. 34, Enderis 
vers. einer formenl. d. osk. spr. XXXIX. XLI. XLIII gloss. 
s. 37. 38, Breal les tables Eugub. 37. 85 f. 361, Zvetajeff 
sylloge iuscr. Ose. I 119. 120, Curtius verb. d. griech. spr. 
112 231, Brugmann morphol. unters. III 50. Man erwartet 
im oskischen *-ai in der 1. sing, als denjenigen ausgang, 
der allein nach meiner theorie von dem lat. -T diesem adae- 
quat wäre, bei eventueller Übertragung auf die 3. sing, also 
osk. *-aIt (^*-aid) = altlat. -Tt. 

Ueber umbr. piliafd pihafi hat Breal, nachdem er vor- 
her der vulgaten gleichstellung mit lat. piävT beigestimmt 
hatte, seine meinung später, les tabl. Eugub. 361 anm. 2, ge- 
ändert, um jetzt darin eine 2. sing., etwa von der art der 



— 230 — 

lateinischen intensivformen wie acdärässls, zu vermuten. 
Und nach Bücheier Fleckeisens jahrbb. f. class. philol. 1875 
s. 132. 324. rhein. raus. f. philol. n. f. XXXIII 63 ist „umbrisch 
pihafel, welches früher dem lat. piaci gleichgesetzt ward, 
keine perfect-, überhaupt keine tempusendung, sondern wie 
Jieriß celiefi traUvorfi nominaler natur." Die völlige identifi- 
cierung mit lat. piävl würde ohnehin wegen des -/- gegen- 
über lat. -V- heutzutage nicht mehr möglich sein; vergl. 
Brugmann morphol. unters. III 47 ff. Nach dem wenigstens im 
negativen übereinstimmenden Standpunkte der neuesten er- 
klärer der umbrischen sprachreste (^vergl. auch Schweizer- 
Sidler Fleckeisens jahrbb. 1876 s. 60) kommt also pihaj^ei 
überhaupt nicht mehr für das perfectum, sicher wenigstens 
nicht als eine indicativform dieses tempus, in betracht. Es 
wäre auch, wenn schon au sich nicht unmöglich, so doch 
immerhin recht auffallend gewesen, dass die mundart von Iguvium 
neben jenem pihafei her in sub-ocau 'invocavi' eine ganz 
anders geartete bildung der 1. sing. perf. von einem verbal- 
stamme derselben denominativen ä-conjugation gehabt habe. 
Denn in der auffassung des siih-ocau als perfectforra 1. sing, 
indic. herrscht völlige einmütigkeit der jetzigen hauptvertreter 
altitalischer dialektologie; vergl. Bücheier Fleckeisens jahrbb. 
1875 s. 323 f. rhein. mus. n. f. XXXIII 64, Breal mem. 
de la soc. de hnguist. II 287 ff. les tabl. Eugub. 69 ff. 323. 
361, Schweizer-Sidler Fleckeisens jahrbb. 1876 s. 60, Bugge 
altital. stiid. 17, gegen die nichts bedeutenden einwendungen 
von Corssen beitr. z. ital. sprachk. 398 f. anm. 

Von den für die 3. sing. perf. indic. in anspruch ge- 
nommenen umbr. trebeit., osk. Xcinfir, hoxaxi-ir wird zunächst 
das erstere von Bücheier Fleckeisens jahrbb. 1875 s. 313. 
lex. Ital. XXVIII " entschieden als praesens verstanden: 
„locus ubi flamen trebeit versatur aut potius stationem habet." 
Betreffs der beiden oskischen formen aber, die uns wie noch 
so viele andere rätsei das griechisch beschriebene grab- 
monument von Anzi (bei Zvetajeff tab. XVIII no. 9) dar- 
bietet, genügt es ebenfalls, die werte zweier der besten 
kenner herzusetzen. Bugge bemerkt darüber altital. stud. 
84: „Der vocal der ersten silbe von Xsiksit ist lang; wenn 



— 231 — 

das wort Jicuit (transitiv) bedeutet, ist es wie die perfecta liisd 
und u u p s e n s gebildet. Die regelmässige form würde * 1 i i k e d 
sein. A/oxMxf/f. wenn = lat. locavlt, hat im oskischeu nicht 
analogie, scheint aber den umbrischen formen cotnbißanci^ 
combipancinst, purdinciust vergleichbar." Und Bücheier lex. 
Ital. XYI": y,Xsiy.tir fortasse pollicitus est," „/uoy.ay.eiv 
fortasse locavit ," lex. Ital. XXVII ": „Äf/xffr y.(oa/s()f]i 
Xioxay.ur oFa obscura verba" und im allgemeinen über die 
ganze Inschrift von Auzi rhein. mus. n. f. XXXIII 281 : 
„leider ist der text so dunkel und w'as über den inhalt von 
andren und mir selbst vermutet ward so hinfällig, dass u. s. w." 
Darnach steht also auch bei diesen weder die perfectische 
uatur noch selbst ihre bedeutung so zweifellos fest, wie es 
Curtius verb. d. griech. spr. II- 231 für hoy.uy.sir erscheint, 
welche form sogar schon, auch bei Corssen spräche d. Etrusk. 
I 754 f. II 464, jedoch unter dem gerechten proteste Brug- 
manns Kuhns zeitschr. XXV 212 anm. 3., zu einem oskischen 
Zeugnis für das griechische x-perfecfc hat gestempelt werden 
sollen. Die äussere gestalt der keixsir, Xioy.uy.tiv würde es 
vor der hand empfehlen, auch für sie den versuch der recht- 
fertigung als praesensbildungen zu machen, sowie umbr. treheit 
praesens nach Bücheier ist und im oskischen halt eis 2. sing, 
praes. indic auf dem stein von Altilia (Zvetajeflf tab. V no. 3) 
= lat- baetis nach Bücheier rhein. mus. f. philol. n. f. 
XXXIII 29. lex. Ital. VI', Zvetajeff syll. inscr. Ose. I 18. 99. 

Das einzige, was sich für die umbrisch-sabellische flexion 
des indicativus des perfects mit einiger Wahrscheinlichkeit 
aufstellen lässt. scheint mir folgendes zu sein, was allerdings, 
wenn es sich bewähren sollte, auf erheblich andere zustände 
führen würde, als sie im lateinischen bei seinen 7- formen der 
Singular perf. indic. darbietet. 

Xach dem ensemble von umbr. sub-ocau 'invocavi' und 
osk. upsed operavit', osk. uupsens operaverunt' zu 
schliessen, fügte sich, w^enigstens bei den denominativen 
verben der ä-conjugation, eine 1. sing, auf -au (d- i. wol -äu) 
mit einer 3. sing, auf -ed (= -ed) und einer 3. plur. auf 
-ens zusammen. Ferner bestand, wie ich grund habe zu ver- 
muten, dieses selbe paradigmatische Verhältnis auch so bei 



- 232 — 

den Wurzelverben, so dass man also vielleicht auch *dedäu, 
deded, *dedens und *benäu, benöd, *benens flectierte. 
Denn osk. u upse n s, sowie auch osk. prüfa ttens, terem- 
nattcns, sabell. colsatens haben ja klärlich die eudung der 
3. plur. der perfecta von primitivverben. Sodann stimmen 
beide classen, primitiva und abgeleitete ä-verba, in dem aus- 
gang- der 3. sing, -ed überein: nicht nur osk. upsed, sondern 
auch prufatted, dadikatted. uunated undprüffed, 
aamanaffed, aikdafed u. a. wie osk, deded, küm- 
-bened und wie umbr. de de; und wiederum sind es die 
ersteren, die primitiva, bei denen sich nach s. 205 ff. diese 
3. sing, auf -ed als alte ur- und gemeinitalische neubildung 
zu der 3. plur. leicht erklärt. Was liegt folglich näher, als 
gleichheit der flexion beider gruppen auch ia der bildung 
der 1. sing. perf. zu vermuten, also von umbr. sub-occm auf 
die existenz der *dedäu, *benäu zu schliessen? als ferner 
auch anzunehmen, dass die schwache '^-conjugation, wie sie 
ihre -cd, -ens von den perfecten der wurzelverba haben muss, 
so auch ihr -du der 1. sing, nur ebendaher entlehnte? 

Eventuell könnte auch noch der 1. plur. perf. ihr 
oskisch-umbrischerpersonalausgang als -um zugewiesen werden 
nach osk. manafum 'mandavimus' auf der bleitafel von Capua, 
da, wie auch Stolz z. lat. verbal-flex. I 49 urteilt, sachUch und 
formal Bugges pluralische deutung dieser form altital. stud. 
16 f. ansprechender ist, als Büchelers Vermutung der 1. sing, 
rhein. mus. f. philol. n. f. XXXIII 60 ff". Und wiederum 
auch betreffs dieses -um müsste die sache so liegen, dass es 
sowol bei den primitivis als bei den abgeleiteten der ä-con- 
jugation endung der 1. plur, gewesen sei und bei den letzteren 
durch Übertragung von den ersteren bestanden habe : * d e d um 
'dedimus', *benum 'venimus' wie * ups um operavimus' und 
das Vorbild für die formation dieses. 

Alles scheint sich nun darum zu drehen, wie wir das 
-au von umbr. sub-occm auffassen. Dass es der reflex des lat. 
-ävT in vocävi nicht sein kann, ist so klar, dass eine solche 
behauptung nie von Breal Ics tabl. Eugub. 60 f. 323 und 
neuerdings von F. Stolz z. latein- verbal-flex. I 10. 50 hätte 
ausgesprochen werden sollen. Eine dem lat. -*, mag dies 



— 233 — 

von irgend welcher beliebigen herkunft sein, entsprechende 
endung pHegt im umbrisehen nicht spurlos abzufallen oder 
sich mit vorhergehendem v in -n zu „contrahieren". wie 
dieses wenigstens richtig von Corssen beitr. z, ital. sprachk. 
398 f. anm. bemerkt wird. Aus solchem gründe würde auch 
das umbr. sub-ocau mit nichten ausreichend sein, um seinet- 
wegen die oben s. 181 aufgestellte und hernach weiter unten 
näher zu begründende Vermutung über den Ursprung des 
lateinischen -iv-perfectums als einer speciell einzeldialektischen 
neuschöpfung umzustürzen. 

Andererseits dürfte die länge des -äu in der umbrisehen 
form dadurch feststehen, dass aus kurzem äu sogar in nicht 
auslautenden Stammsilben umbr. o (= o) zu entstehen pflegt: 
toni 'taurös', ote aut', frosetom fraudatum' u. a. (Breal les 
tabl. Eugub. 320). Das bleiben von Cm als umbr. -cm im 
auslaut wäre der lateinischen entwickelung von *-äi zu -ae 
in Romae loc. sing, vergleichbar (oben s. 195 f.). Auf länge 
des -äiu und auf nichts anderes nach meiner ansieht, deutet 
auch die an 8 von 23 stellen der Iguvischen tafeln vorkom- 
mende Variante SYBOCxAYY d. i. subocavu hin. In einem 
langen an verbinden sich die beiden einzellaute für das 
gehör nicht so eng zu einem sogenannten „diphthonge" wie 
in einem äij, sondern treten mehr gegen einander in ihrer 
einzelqualität hervor, so dass man sonantisches ii statt eines 
consonantischen und zwei silben statt einer einzigen zu ver- 
nehmen glauben kann. Die schrift mag sich in solchem falle 
gelegenthch dann wol durch die darstellung ävu helfen. Sie 
tut es, ebenso wie bei den Umbrern, bei den Oskern in 
tribarakävum cipp. Abell. 36 neben censäum tab. Bant. 
20, moltäum tab. Bant. 12. 13. 18. 26. 27: die ausspräche 
dieser infinitivendung war, dünkt mich, kaum eine andere als 
die eines einsilbigen -äum. 

AYelche der wurzelverben konnten denn nun aber im 
indogermanischen wol einen ausgang -äu der 1. sing, perf, 
haben? Antwort: die mit -ä- als würze lauslaut wie 
sthä- 'stehen, stellen' (lat. stä-re, griech. 't-OTä-f.u. sanskr. 
ti-shthä-mi) ^ hhä- offenbar werden, erscheinen, sprechen' 
(lat. fä-rl, griech. (fä-fii, (fä-rl =- sanskr. hhä-mij bhä-tf), 



- 234 — 

snä- 'sich waschen, baden, schwimmen' (lat. wö-re, 2. 3. sing, 
praes. indic. iiä-s, iM-t =^ sanskr. s>ia-si, snd-tl), wenn sie 
wie sanskr. tasthd-ii, ha-hhä-u^ sa-snä-u und wie \\t eda-u^ 
(;/«-« (vergl. s. 60 f. 63 f. 122 f.) die partikel -?( mit der 
form der 1. sing. perf. act. verwachsen Hessen. 

Die einfachen sanskr. *tasthd^ %ah}id, *sasnd ohne das 
accessorische -u repraesentieren indog. sestli<~' , hliehha^ 
*sesna; ersteres, *tasthd = sestha, gemäss den von mir 
Paul-Braune's beitr. VIII 540 ff. entwickelten gesetzen für 
die einzelsprachliche Umbildung der alten consonantischen 
reduplicationsverhältnisse bei wurzeln mit st-, sl--^ s^>-anlaut. 
In indog. sestha , bliebha ^ sesna ferner war -o contractions- 
summe aus dem mittelstufenvocale ä der wurzel mit der 
personalendung -«: urindog. * se-sthä-a ^ *bhe-hhd-a , 
*se-snu-a ganz, nach dem s. 61 ff. 208 dargelegten, 
die vorschriftsmässigen bildungen der 1. sing. perf. act. 
Uebrigens h atten indog. sestha sesthäu und b heb ha 
bhebhau , sesna sesnäu von alter zeit her die nebenformen 
mit untergegangener, weil tonlos-tiefstufiger reduplications- 
silbe sthd stlidti, bhd bhdti, snd sndu. 

In den ererbten perfecta seiner den lat. 
stä-re, fä-rT, nä-re entsprechenden wurzel v er ba hat 
meines er achtens der umbrisch-sabellische 
zweig die muster gefunden für die perfectbil- 
dung der schwachen verba der ä-conj uga ti o n. 

Es hatten die zur Schöpfung von umbr. sub-ocaii^ osk. 
*upsäu dienenden oskisch-umbrischen und uritalischen seiten- 
stücke zu sanskr. tastJuul, babhau^ sasnau zu lauten : *stetäu, 
*fe/äu^ *snendu. Osk. umbr. ^stetäti : lat. steti = sanskr. 
tasthai'i act. .• sanskr. tasthe med. Wegen des perfectredu- 
plicationstypus STE-T- als des gemein-italischen nach lat. 
ste-ti und umbr. sti-ti, ste-teies opt. perf. vergl. verf. Paul- 
Braune's beitr. VIII 540 f. 548 f. Die ansetzung von urital. 
*snenau = sanskr. sasnau rechtfertigen meine bemerkungen 
über lat. memor und memordt ebend. 549 f.: nach ausweis 
von umbr. snata asnata „uda sicca," veskla snata 
asnata „vascula umecta inumecta" oder „vascula rerum 
liquidarum et nou liquidarum" (Corssen ausspr. vokal. I- 432 ff., 



— 235 ~ 

Bücheier interpretat, tah. Tguv. II Bonner universitätsprogr. 
1878 s. 21. 26. lex. Ital. XXV'') hatte die wurzel snä- ur- 
italisch sicher noch ihren alten vollen anlaut s)i-. Zeugen 
diese umbr. suata, a-snata für existenz des verbunis lat. 
nä-re im umbrischen, so weist osk. fatium sprechen' = lat. 
feiten auf bekanntschaft der Samniter mit der sippe von lat. 
fä-rl hin. Und da es wenigstens nicht als unmöglich be- 
zeichnet werden kann, dass das oskisch-umbrische auch noch 
das zu dem iuchoativum lat. pa-scö 'weide' und dem nomen 
pä'hulu-m futter' gehörige wurzelverbum zweiter indischer 
classe sanskr. pd-mi, pä-si, pd-ti, avest. pä-Jii, pä-itl 'schützt, 
hütet' = lat. */>(>, *2x7s, *pat besessen habe, so lebte viel- 
leicht in *pepäu = sanskr. papau diesen altitalischen dialekten 
ein viertes der muster für umbr. sub-ocäu und seinesgleichen. 
Wir bedürfen aber, wie sich zeigen wird, zur erklärung 
einiger der perfectbildungen der schwachen ä-conjugation im 
umbrisch-sabellischen auch unreduplicierter nebenformen der 
prototype *stetmi^ ^fefäii, *sneiMUj also eines ital. *stau, 
*fäu, *snäiL Diese möchte ich nun nicht gerade aus dem 
hohen indogermanischen altertume herleiten, so dass in der 
zeit der oskisch-umbrischen Spracheinheit noch nicht der 
dualismus zwischen den grundsprachlichen satzdoppelformen 
ausgeglichen gewesen wäre. Vielmehr büssten *stetm(^ '''''fe/äii, 
*snenäu selbst lautgesetzlich bei Umbrern und Samnitern 
unter bestimmten umständen die reduplication ein: in den vielen 
italischen compositen von stä- (vergl. lat. ah-^ ad-, con-, 
ex-, in-, oh-, per-, prae-, pro-^ re-, sub-stäre) und fä- (vergl. 
lat. ad-^ ec-, prae-, pro-färl), sm- (vergl. lat. ad-, e-, in-mre) 
gemäss den speciellen umbrisch-sabellischen gesetzen der 
synkopierung kurzer unbetonter vocale. Also 1. sing. perf. 
osk. umbr. *re-stäu regelrecht aus *re-st{e)tau, zu umbr. 
re- statu imper. 'restituito, restaurato'; osk. umbr. *äd-faii, 
*dd-snäu aus *äd-f{e)füu, *dd-siiie)nm(, zu lat. ad-färt, ad- 
-näre. Des lautgesetzhchen wegen vergleiche man besonders : 
umbr. sestu sistu imper. ; lat. sistitö = osk. umbr. 
*restäu perf. ; lat. restiti ; sowie viele fälle derselben vocal- 
synkope in solchen Imperativformen, umbr. ku- vertu co-vertu 
convertito', osk. actud 'agito', factud 'facito' u. a. (oben s. 1 83). 



— 236 — 

Ich glaube aber auch tatsächlich eine derartig in der redu- 
plicationssilbe synkopierte, weil mit praeposition zusaniinenge- 
setzte perfectform aus dem sabellischen nachweisen zu können. 
Ueber paelign. afäed \\\ dem weihgedicht von Corfinium 
schreibt mir nemlich Bücheier jetzt, seine frühere ansieht 
rhein. mus. u. f. XXXIII 283 modificierend : „ AFß-ED bleibt 
nach meiner ansieht verbum des satzes: aetatti ist sicher = 
aetateni (nach ausweis der neuen pähgn. inschr. casnar oisa 
aetate [vergl. auch Bücheier lex. Ital. IV"^]), was auch annum 
bezeichnen kann poetisch (Servius zu Y. georg. 3, 190) u. 
meiner auffassung der ganzen inschr. entspricht: lustrum 
condit censor^ ein analoger akt, die feierliche bestattung der 
abgelaufenen amtszeit ist m. e. der Inhalt dieser zeilen". 
Bücheier, der Bugges heranziehung des lat. apte altital. stud. 
67. 74 nicht billigen kann wegen der notwendigkeit, in -B- 
ein etymologisches d zu sehen (rhein. mus. a. a. o. 272 ff.), 
erklärt sich ferner mir gegenüber „geneigt afäed mit lat. 
abdit zu identifizieren, also präsentisch zu fassen trotz -d."" 
Dieses letztere ist offenbar nur ein notbehelf, zu dem der 
mangel der reduplication treibt. Aber gerade diesen erwartet 
man bei dem verbum compositum : afded bleibt 3. sing, act, 
des tempus perfectum, dem es durch seine endung -ed zuge- 
wiesen wird, also hierin Büchelers frühere auffassung auf- 
recht; afäed lautgesetzlich für *af-d'äed -:= lat. ab-didit, so- 
wie die minder stark synkopierenden Lateiner wenigstens die 
ursprünglich viersilbigen perfectformen hinter dem einstmals 
immer haupttonigen verbalpraefix die reduplication einbüssen 
Hessen in at-tigJ, con-tudJ, de-cidt, in-currT, oc-cldt, refellt 
und graphisch am deutlichsten in re-ppulJ, re-pperi, re-ttudi 
(Neue formenl. o. lat. spr. 11- 470 ff.), i) 



•) Ueber das sachliche, was nach ßücheler in paelign. aetatu 
afded zu finden ist, bestattung und feierliche beisetzung abge- 
laufener Zeiträume in spräche und brauchen vieler alten und neueren 
Völker, handelt mit gewohnter gründlichkeit Usener rhein. mus. f. 
l)hilol. n. f. XX.X 194 fF., über italisches wie lustrum condere insbe- 
sondere ebond. 204 fi^. Das abdere wird, wie sonst condere, im latein vom 
begraben, beerdigen gebraucht bei Flor. IV 12, 38: consnlis corpus 
quod militum pietäs huml ab di de rat. Von formaler seite liegt in der 



— 237 — 

Die iimbrisch-oskisch-sabellischen ncubildungen der per- 
fecta aus verbalstämmen der schwachen ä-conjugatiou haben 
nuD mit *stet((U Q're-stäii), *fefau (*dd-f(iu), *S)ienäu {*dd- 
-snuii) zunächst alle das eiue gemein, dass sie in getreuem 



Sabellerform af-äed, da sie sonst *af-fed lauten müsste, nun auch ein 
zeus^iiis gegen die Herkunft des lat. ab-dö von der aspiiiorten wurzel 
dhe- 'Ti9-/-rai\ Diese letztere dürfte überhaupf wol nur für crc-dö =: 
sanskr. cräd-dadlKhni noch nicht reciit zu entbehren sein, obwol sie 
selbst da Postgate transactions of the philological Society 1880 — 1 s. 101 
leugnen zu können meint. Vergl. oben s. 208. Man hat auch noch 
gebührender als bisher zu berücksichtigen, dass nicht minder im Sans- 
krit dortiges unaspiriertes da- keineswegs sich auf die bedeutnng des 
'gebens, schenkons' beschränkt, sondern sehr vielfach die allgemeinere 
von 'tun (wohin tun), setzen, legen' hat, welche man sonst für die 
eigentliche begriffssphäre des dhä- 'n^fvai zu halten pflegt. Sanskr. 
JJui»ipa)ji du- 'einen Sprung tun' als genaues pendant zu lat. saltum 
dare entging schon auch Ph. Thielmann 'das verhum dare im latei- 
nischen als repriisentant der indogermanischen würze! dlia' Leipz. 1882 
s. 31 selbst nicht; doch musste er von seinem kritiker R. Thurneysen 
deutsche literaturz. 1882 no. 41 sp. 145ß wieder daran erinnert werden. 
Ferner sanskr. dd- 'legen, stellen, tun auf, tun in, setzen, anlogen, 
anbringen', z. b. in tasi/a juiiu dadau 'er setzte ihm das knie auf den 
leib', )ii(jodäni da- 'fesseln anlegen', pävakahi da- 'feuer an etwas legen'; 
sanskr. nd-d-dä- 'erheben', ud-d-tta-s partic. 'hoch, hervorragend', wie 
lat. darl in alfiiin 'sich in die höhe erheben' (Plin.); sanskr. vy-d-dd- 
'auseinander tun, aufsperren, öffnen', /)rrt-c?(r- 'hineintun, iiineinlegen', 
sam-dd- 'zusammenhalten'; pavl-tta-s 'begrenzt' ähnlich wie \a,L circum- 
-datits: auch dieses und anderes der art, was bei Böhtlingk - Roth 
Petersb. worterb. III 567 f. 572. 574. 576 577. IV 563 verzeichnet ist, 
wirft genügendes licht auf die neueren versuche, der wurzel dhe- einen 
übertriebenen Spielraum im lateinischen zu vergönnen und dagegen das 
gebiet von dö- ebenso ungebührlich einzuschränken. Wenn nach 
J. P. Postgate Acaderay 1882 no. 552 s. 400 im indogermanischen die 
beiden wurzeln dö- und dhe -mit grossenteils gleicher bedeutnng neben 
einander bestanden, in einigen sprachen, wie z. b. im griechischen, die 
bedeutungen dann stärker differenziert wurden, in anderen aber, nem- 
lich im lateinisL-hen, „one was lost and the survivor had to do duty 
for both," so könnte man diesen bemerkungen gemäss für das ger- 
manische auf die Vermutung kommen, dass hier die beiden wurzeln 
„with much the same meaning" sich in formaler contamination zu einer 
einzigen verschmolzen hätten; denn tatsächlich hat ja ags. alts. du» 
ahd. tnon zwar den consonantismus von indog. dhe-, aber zugleich 
den vocalismns von indog. dö-. Damit also ein gcrm. äö- aus der 



— 238 — 

anschluss an diese ihre mustor in alter weise, d. h. also auch 
wie sanskr. fasthd-u : tasth-iinä tastJt-tir, den stamm zwischen 
1. sing, einerseits und 1. 3, plur. indic, 3. sing, und plur. 
opt., womit noch im italischen die 3. sing, indic. zusammen- 
ging, andererseits abstuften. Daher die flexion unibr. sub- 
-ocä-u : *sub-0(;-e, *snb-oc-um, *sub-oc-e)is, opt. *sub-oc-i, *sub- 
-oc-ins und osk. *upsä-u:ups-öd, * ups- um, uups-ens, 
opt. *ups-Td, *ups-ins wie *stetä-u : *stet-ed , * stet -um, 
*stet-eus^ opt. * st et-ul {^= umhr. stiti 'stiterit' nach Bücheier 
Populi Iguv. lustr. Bonner progr. 1876 s. 36 f. lex. Ital. 
XXV "), *stet-ins. Im übrigen sind bei den neubildungen 
noch wieder eine reihe einzelner von einander abweichender 
typen, die für uns ebenso viele sprachgeschichtliche processe 
oder auch sprachchronologische schichten darstellen, zu unter- 
scheiden. Ich wähle zu ihrer veranschaulichung an einem 
beispiel den verbalstamm ital. osk. profä- = lat probä- gut 
heissen. 

1, Typus *^5ro/aw. Diese bildung ist die einfachste und 
wol schlechthin nach den compositen ^re-stäii 'restiti', *ad- 
-fäu adfatus sum', *ad-snäu 'adnavi', den perfecten der verbal- 
stäramores^<7-, adfä-, adsnä-, vollzogen. Hierhergehören von den 
historischen formen unibr. suh-ocau, osk. upsed, uupsens 
ovnoevq\ und wol auch das etymologisch noch dunkle umbr. 
eitipes tab. Iguv. V a 2. 14 jusserunt, docreverunt' nach 
der auffassung Breals les tabl. Eugub. 231, censuere' nach 
Bücheier Fleckeisens jahrbb. 1875 s. 127. Von der Schreibung 
des anlautes der oskischen form uupsens operaverunt' auf 
der pompejanischen wegebauinschrift Zvetajeff tab. X no. 5 
vermutet Bücheier (nach mündlicher mitteilung) nicht uneben, 

mischung von germ. *fte- und *tö- herv rg-ing, konnte wol der umstand 
mitwirken, dass bei noch bestehender wurzelabstufung in der prae- 
sentisehen wZ-flexion die tief.stiifigen basen germ. *ää- — lat. fä- in 
fä-c-ere und german. *tä- = lat. da- in dä-mus, dä-iis ja im vocalis- 
mus zusammengefallen waren : man setzte einen singular praes. indic. 
german. äo-mi , äo-s! , äo-pi (= alts. dorn dös dod, ahd. tuom tuos 
tuot) zu den pluralformen äa-mem, äa-äe^ sowie bei der sinnver- 
wandten Wurzel der singular germ. to-mi — (lit. dumi, ahnXg. damt), 
tö-si, to-pi sicli neben dorn pluriil f«-rii('iii, ta-d«' (= lat. däinus, 
däti's) vorfand. 



— 239 - 

dass das iiu- als graphische darstellung der vocallängc wol 
die reduplication andeuten werde. Eut.-taüden müsste die- 
selbe sein, indem von ed- essen uud ein- nehmen' die 3. plur. 
perf. osk. *edeus^ *emens (= lat. ederunt, emenmt) altererbte 
bildungen im italischen waren (vergl. oben s. 123 ff. 141 ff.) und 
diese als prototyp benutzt wurden, um bei anderen vocalisch 
anlautenden verben die dehuung des anlautes oder gleichsam 
„augmeutum temporale" als exponent der perfectstammbildung, 
wie es im griechischen geschah (s. 167), in anwendung zu 
bringen. 

2. Typus *profau mit consonantengeminatiou. Nach 
dem simplex *fefaii zu fd- bildete man *pröfefäu zw pro fä-- 
Aus ^pröfefau dann mit lautgesetzlicher synkope *proffäu^ 
wozu als 3. sing, das zweimalig belegte osk. prüffed, auf 
dem stein von Molise Zvetajeff tab. X no. 1 und dem opfer- 
tische von Herculanum bei Zvetajeff tab. X no. 4. Viel- 
leicht darf man auch annehmen, dass das compositum von 
fä-, *pro-füu 'profatus sum', mitwirkte: es behielt seine durch 
die synkope entstandene gemina ta -/f-; die m*ad-f<vH adfatus 
sum', *ek-fäu 'ecfatus sum' bei vorhergehendem cousonanten 
sich vereinfachen musste; nach ^pro-ffä/u 'profatus sum' hätte 
man dann *profCm 'probavi' geschaffen. Es scheint mir 
übrigens, dass wir nicht sowol sagen dürfen: bei der bildung 
des '^pr6f{e)fäu 'probavi' ward -efaii in der musterform *fefau 
'fatus sum' als perfectausgang empfunden ; sondern wahr- 
scheinlich vollzog sich die Schöpfung nur nach stricter „pro- 
portionaler analogie" und wird man nach demselben muster 
z. b. auch 'Haddäu aus *täd(e)däu von dem in osk. tadait 
'censeat' opt. praes. (tab. Bant. 10) enthaltenen verbalstamme 
tadä- gesagt haben oder doch haben sagen können. 

3. Typus '""profafäu. In einer zeit nach dem wirken 
des vocalsynkopegesetzes hat sich unter erneuter benutzung 
des musterverhältnisses '^fefäii : fä- ausgebildet '^'profefäu : 
profä-. Dieses "''profefdu unterlag nun nicht mehr einer 
einbusse seines mittelvocales, veränderte denselben aber später 
in -ä- nach der analogie der sonstigen, d. i. ausserperfec- 
tischen formen des verbalstammes profä-; daher '^pro- 
fäfäu. Möglicher weise mochte sich aber auch das muster 



— 240 — 

*fef((ii selbst, indem mau seinen reduplicierten charakter 
nicht mehr zu verstellen anfing, in solcher ausgleicliung zu 
einem *fäf('(U entwickelt haben, so dass man darnach dann 
unmittelbar "^'profafau von profä- 'probare' bildete. Histo- 
rische Vertreter dieses typus sind: osk. amanafed, aikda- 
fed') 3. sing., osk. manafum 1. plur. 5 im umbrischen 
andersafust ancUrsafust atedafust 'circumdederit' fut. exact. 
von an-dersä- (Breal les tabl. Eugub. 209. 360, Brugmann 
morphol. unters. III 50). Dann mag hierher wol auch 
noch aus dem umbrischen jenes pihafei pihaß gehören, wo- 
fern es doch verbalform ist nacli Break und nicht advorbial- 
form nach Bücheier ; vergl. s. 229 f. Da Breal les tabl. 
Eugub. 361 anm, 2 nach erneuter prüfung der in betracht 
kommenden stellen findet, dass man eine zweite person, und 
zwar wo möglich „du subjonctif", anstatt der ersten des indic. 
perf., erwarten müsste, so lässt sich vielleiciit das umbrische 
pendant zu lat. pidmris hier sehen, welches letztere man ja 
ebenso wünschend von etwas gegenwärtigem zu setzen pflegte : 
„commiscent usu antiquissimi perfectum optativi et praesens 
saepissime vetantes, saepe optantes et precantes", nach 
Bücheier pop. Iguv. lustr. 37. Umbr. pihajei du mögest 
sühnen' wäre in Ordnung als normale 2. sing. opt. zu '^pihnfäu 
1. sing, indic, sowie umbr. stiti 'stiterit' sich als 3. sing, 
opt. zu '^'stetäu stellt; vergl. auch osk. hipid , fefacid als 
Optative des perfects. Wegen des fehlenden oder nicht 

1) Osk. aikdafed iiiich Biicheler lex Ital. IV* „libravit quod 
extructum erat templuni iiequamento usus" oder nach Bücheier bei 
Zvotajeff syll. inscr. Ose. I 95 „aequidavit id est fiiies ad normam 
direxit", also etymologisch zu lat. aeqiios gehörig. Ein lat. *aeqiiidits 
als Weiterbildung von aeqiios entspräche dem häufiger auftretenden Ver- 
hältnisse von -US adj. .• -idtis adj.: lat. albus albidus^ flävus fläiudus, 
murcus mnrcidus, tovros torvidus, vlvos vlvidus u. dergl. (verf. verb. in 
d. nominalcorap. 124). Das von *aequidus derivierte *aequidäre, das 
ja auch Bücheier fingiert, würde sich zu den verbalbildungen wie lat. 
(jravidäre^ nitidüre, riyidäre, sordidilre, tepidäre u. a. stellen, und in 
osk. aikdafed läge, nächst dem umbr. kalettuf calersu = lat. 
Cfdidös, das zweite zeugnis vor, dass in der suffixform lat. -ido- das d 
von indog. d, nicht dh, abstamme: vergl. verf. verb. in d. nominal- 
comp. 121 anni. 



— 241 — 

geschriebenen -/• als porsonalendung in unibr. p/hafei pihafi 
2. sing. opt. läge es am nächsten, au umbr. sei si = lat. 
sls neben umbr. sir auf den jüngeren tafeln (Breal les tabl. 
Eugub. 358) zu erinnern. In der bildung von umbr. an- 
-dersCi-fust an-dirs't-fust ist der reduplicierte praesensstanim 

dersn- dirs'i derselbe hatte sich wol durch die partielle aus- 

gleichung von starkem *dersO- '''dirsö- =^ griech. dido)- und 
schwachem *dersu- *dlrsä- = griech. SiSo- entwickelt nach 
dem Schema *sist'i- : *sisfä- = griech. tarä- : hra- (vergl. 
unten s. 245 f.) und tritt ähnlich wie im lateinischen da- in 
dd-s (statt *dö-s) neben dä-mus dä-tis auf — ganz wie ein ab- 
geleiteter der schwachen ä-coujugation behandelt worden. 
Wie aber umbr. aii-dersufust von dersa- und ein *jjiJi"/iisf 
von pilui-. so hat man in dieser spräche auch ampr-efus 
'ambierit", amhr-efurent von c- = indog. ei-, lat. 7- (in 7s, 
it) wagen zu dürfen geglaubt ; vergl. Brugmann morphol. 
unters. III 47 f. 50 über die uusiunigkeit der annähme einer 
composition mit fust^ furent in diesen umbr. andersafust, 
a m p r e f u s amhrefurent. 

4. Typus ^profäffau; historisch bezeugt nur in dem 
einzigen, aber auf mehreren, besonders pompejanischen bau- 
inschriften (bei Zvetajeff tab. XII no. 2. XIII no. 1 .5. 7) wieder- 
kehrenden osk. aamanaffed 'mandavit, fieri jussit. faciun- 
dum curavit . Eine einfache erklärung dürfte die sein, welche 
diesen vierten typus unter mitbeteiligung aller drei vorher- 
gehenden zu stände kommen lässt. Man nehme an, es seien 
*j)rofäu probavi', *profed probavit" nach unserem typus 1. 
wie umbr. suh-ocäu und osk. upsed und gleichzeitig daneben 
die nach dem typus 2. entwickelten *proffüU, 3. sing. osk. 
prüffed gesprochen worden; ähnlich auch gleichzeitig der 
dualismus ^tadnu, '"tadet und "^taddäu^ Haddi'd 'censui, censuit' 
u. dergl. mehr. Konnte nicht einfach nach dem schema dieser 
osk. amanäfed, nachdem es sich in der beschriebenen 
weise als unser typus 3. gebildet hatte, zu der „geschärften" 
ausspräche a a m a n ä f f e d , um mit Enderis vers. einer formenl. 
d. osk. spr. XL zu reden, gelangen ? Mit Bugges verschlag alt- 
ital. stud. 17, das letzte -a- in aamanaffed, amanafed, 
manafum nur dieselbe stimmtonentwickelung sein zu lassen 

Osthoff, zur gesohichte d. porfects i. indogermanischen. Iß 



— 242 — 

wie in Alafaterniim = ÄlfateniKni , wird man kaum 
irgendwie durchkommen. ^\"enn aber Bugge a. a. o. mit 
recht gegen Büclieler rhein- mus. f. philol. n. f. XXXIII 61 f. 
hervorhebt, das oskische verbum könne nicht in der weise 
= lat. mandäre sein, dass man einfach osk. m a n ä - = lat. 
niamhi- setze, dagegen spreche die Schreibung aamanaffed 
mit einem -«-, die „in drei inschriften sich findet, welche 
sonst die doppelung der consouanteu bezeichnen"; so ist mir 
darum doch Bugges osk. manafä- = lat. mandä- und die 
anknüpfung an die aspirierte wurzel dhe- = sanskr. dhä-, 
griech. ^tj nach Bugge sollen dann amanafed, aama- 
naffed einfach zu bildungen aus manafä- werden wie osk. 
upsed aus upsä-. prüffed aus prüfä- — nicht minder 
bedenklich. Ich glaube, es muss bei der alten aufstellung 
eines aus mann- band oder dem kürzeren man- (in lat man- 
-ceps^ mal-luviuni) derivierten verbalthemas manä- 'ein- 
händigen^ ay-yeini^uv (Corssen Kuhns zeitschr. XI 334 ff. 
XIII 317. ausspr. vokal. I- 431. 11-' 30. 416. 429, Euderis 
a. a. 0.) nach wie vor sein bewenden haben. Die mit recht 
namentlich von Bücheier betonte Identität des osk. *m anä-um 
mit lat. mandä-re hält man auch aufrecht, wenn man an- 
nimmt, im lateinischen habe wegen der bedeutung in die 
band geben' sich die Volksetymologie des alten *nianö, 
^manäs, *manat bemächtigt : später ging das also durch Um- 
formung entstandene lat. mando freilich doch seine von rfö, 
däre oder dessen compositis abweichenden flexionswege in 
der weise des alten *ma)iö, *maiutre weiter. 

Die beiden jetzt endlich zu erwähnenden typen 5. und 6. 
bilden unter sich eine einheit und einen gegensatz zu den 
vier vorhergehenden dadurch , dass bei jenen einzig das 
muster ''^'stetnu von stä- in betracht kommt, während wir bis- 
her allein oder doch vorwiegend an '^'fefäii von /'/- sich die 
perfectiachen neubildungen der schwachen rt-conjugation an- 
schliessen sahen. 

.5. Typus *profntäu. Analog von ''^stetnu ausgegangen, 
wie der typus 3. '''[»'ofifan von '^'feffm: in derselben periode 
nach dem wirken des vocalsynkopierungsgesetzes die schöpfung 
eines *profetaii nach *stetuit, dieselbe Übertragung des verbal- 



- 243 - 

thematischen -c- von profä- auf die niittelsilbe des *i)rofetäu. 
Eventuell übrigens auch hier wieder die Umformung durch 
stoffliche ausg-loichung zunächst an der musterform selbst; 
d. h. zuvörderst ausbilduug einer nebenform *stätdu zu dem 
alten *stetiiu, welches selbst darum nicht gerade auszusterben 
brauchte (vergl. das umbrische mit seinem stiti. steteies). 
Bei der bildung des "^profetm (beziehungsweise ^profaf'iu') 
empfand man in dem vorbildlichen *stefäu. {^'statmi) von stn- 
selbst schlechthin das -etnu {-((tau) als perfectausgang der 
1. sing, eines auf -n- auslautenden verbalthemas. Aus der 
romanischen Sprachgeschichte scheint wol vergleichbar die 
tatsache, dass im italienischen das einzige stetti, mit dessen er- 
klärung wir uns oben s. 184 ff. beschäftigten, ausreichte, um 
der spräche „zu dem ganzen schwärm der pcrf. auf -etti wie 
detti vendetU freiiietti u. s. w." zu verhelfen (Diez gramm. 
d. roman. spr. 11^ 154 f., Brugmann morphol. unters. III 26). 
Auf den Inschriften belegte formen, die dem typus 5. *pro- 
fätäii angehören, sind osk. profated (dieselbe Inschrift aus 
Casacalenda, bei ZvetajefF tab. I no. 6, hat das amanafed), 
uunated 3. sing., sabell. (marruc.) aiiiatens, sabell. (paelign.) 
coisatens curaverunt', locatin locaverunt' (Bücheier lex. Ital. 
XVI % Bugge altital stud. 82) 3. plur. 

6. Typus *prof(Utäu; verhält sich zu 5., wie 4. zu 3. 
Wie sich in osk. aamanaffed gegenüber amanafed das 
-f- „schärfte" nach massgabe von prüffed neben '^profcd, 
*tadded neben Haded u, s. w., so entsprang nach denselben 
analogien osk. p r ü f a 1 1 e d 'probavit' neben und aus pro- 
fated. Diese belegten oskischen formen folgen dem typus 6.: 
p r ü f a 1 1 e d (p r u f a 1 1 e d , p r ü f a 1 1 d) , d a d 1 k a 1 1 e d 3. sing., 
prüfattens, teremnattens 3. plur., t ri b arak attins 
opt. perf., tribarakattuset fut, exact. Die vulgate an- 
sieht über das Verhältnis der formen mit -tt- zu denen mit 
einfachem -t- dürfte Enderis vers. einer formenl. d. osk. spr. 
XLI aussprechen : „in uunated, profated ist ^ für tt ge- 
schrieben, wie auch im umbr. u. altlat. Verdoppelung der 
consonanten nicht graphisch dargestellt zu werden pflegte." 
Ich sehe aber nicht ein, dass wir in dieser weise die beiden 
typen für nur einen zu halten nötig oder auch nur grund 

16* 



- 244 - 

hätten. Im gegenteil: ist es nach upsed doch wol durch- 
aus sicher, dass es neben osk. prüffed und anstatt seiner 
auch *prüfed heissen könnte, so würde eben wegen der 
existenz des upsed auch niemand je den zwang zu em- 
pfinden brauciiou, ein solches oventueHes *prufed auf die 
vollere bildung prüffed zurückzubringen; man würde in 
*prüfe(i und prüffed immer zwei verschiedene bildungen 
erkennen. Yon diesem falle ist aber der analoge des neben- 
einanders von profated und prüfatted, sowie desjenigen 
von amanafed und aamauaffed, nicht zu trennen; also 
wird auch hier hinter dem Wechsel von doppel- und ein- 
facher coiisonanz etwas mehr als die inconstanz odf^r incurie 
der alten schrift stecken. Es ist auch wol möglich, dass die 
-ff- und -^^-formen, da sie nur im oskischen nachweisbar sind, 
nicht bei den Umbrern und selbst auch nicht bei den Sabellern, 
nur auf einer specifisch einzeldialektischen neubilduiig der 
t}^pen 4. und 6., und eventuell auch des typus 2. als des aus- 
gangspunkts jener, in der spräche des Samniterstammes beruhen. 

Eine besondere bespiechung erfordert noch das volsk. 
sistiatiens 'statuerunt' und die dazu gehörige form der Fren- 
tanermundart, welche man in dem sest. a. plens der Inschrift 
C. J. L. I p. 555 jetzt fast allgemein, nemlich Corssen de 
Volsc. ling. 5 f. annali dell' Instit. di corrisp. arch. 1866 
s. 116 ff. ausspi'. vokal. II ^ 250, Bücheier pop. Iguv. lustr. 
37. lex. Ital. XXVF und Bugge altital. stud. 82 gegen 
Zeyss Kuhns zeitschr. XXII 181 ff., vermutet. 

Das zweimalige i in volsk. sistiatiens^ jedesmal hinter ^, 
scheint unetymologisch und nur, wie auch schon Corssen de 
Volsc. ling. 5 f., ferner Zeyss Curtlus' stud. VII 171 und 
Bugge altital. stud. 67 lehrten mit beibringung verwandter 
altitalischer lauterscheinungen, als eine mundartliche „para- 
sitische" affection der ausspräche des t im silbenanlaut vor 
vocal entwickelt zu sein, so dass als oskische schwesterform 
*sistatens von unserem typus 5. zu gelten hätte. Ist das 
richtig, so verdient von den beiden emendationsvorschlägen 
Büchelers für die Frentanerinschrift, sestatiens und sestiatiens, 
lex. Ital. XXVI'', der letztere den Vorzug als der eine 
consequenterc lautgestaltung darbietende; Corssens sestatiens 



— 245 — 

erkennen wir jetzt als allzu oskisch wegen seines -tt-. Nun 
möchte ich ferner jetzt nicht mehr das volsk. *sisti(i-i(in = 
osk. *sistä-um, wie neulich Paul-Brauno's beitr. YIII 541 f., 
als ein „denonüuativum'' schlechthin betrachten von einem 
aus dem reduplicierten praesensstamme sist- wie griech. roz-ö-g, 
inr-io-r oebildeten Substantive, sondern ich claube. dass hier 
vielmehr die uach Wirkung des alten starken praesens- 
stammes der >y//-conjugation si-sUi- = indog. si-sthü- in 
griech, "-tjid-ui sing. act. auf italischem boden zu verspüren 
ist. Im lateinischen ist es nicht zu einem *sistä.-re gekommen, 
weil von den schwachwurzcligen formen des plurals sistimus, 
sistäls^ imper. sistlte = griech. 'iaräusv, "orära aus — vergl. 
lat. JuijApiter voc. = Zeu ttÜtso, m-situs cön-sltus aus ^'in- 
-sätos ^cön-sätos , dd-ditus red-ditus aus *äd-dätos *red- 
-dätos , ef -fielt cön-cipit aus *ef-fäcit *cön-cäpit und vieles 
andere der art — ■ die neue flexion noch vertimus, vertUis, 
vertite begründet wurde. Ebenso lat. serimus, seritis, serite 
aus *sisämos. "^sisätis, *sisäte (vergl. sä-tu-s partic.) wie griech. 
Isutv^ hrs beschaffen und darnach serö, serls, serit statt 
*serem., *seres, *serct = griech. h]ia, "rjg, "rjvi. Auf dem laut- 
gesetzlichen übergange von "^äd-dämu^^ ^äd-dätis, '^äd-däte zu 
(td-dii)ius, dd-ditis, äd-dite beruht so auch der übertritt der 
composita von däre, der ud-dere, red-dere u. s. w., in die 
sogenannte dritte conjugation; im sing. act. hätten '"^äd-däs, 
*äd-d<(t lautgesetzlicher seits bei den simplexformen (7(/s, '^dät 
=-- histor. dat bleiben können. Aber Zwiespältigkeit der aus- 
gleichung des paradigmas neunter indischer praesensclasse 
im lateinischen , wenn man Froehde Bezzenbergers beitr. 
III 305 (vergl. auch verf, morphol. unters. lY 39) berück- 
sichtigt, bei con-sterm-re und sterne-re, spernä-ri ä-spernä-rl 
und sperne-re: alte flexion war sing, indic. praes. '^-ster-na-m, 
-ster-nä-s, -ster-na-t (_= sanskr. str-nä-mi, str-nä-si, str-iiä-ti) : 
plur. ster-ni-nius, ster-ni-tis, ster-ni-te, wie griech. öd[.i-vä-/.u, 
~fä-q, -vü-Ti : LSau-vä-jutv, -vä-vs. Ausgleichung so wie bei 
con-sternä-s, con-sterna-t auch in dem falle lat. (in-)dinä-s, 
-cllna-t = sanskr. crl-nä-si, cri-ijiä-ti. Also, sieht man, hätten 
es auch wol zu einem *sistä-re statt siste-re die Lateiner 
bringen können, wie die Yolsker zu ihrem *sistiä-iim (für 



— 246 - 

*sistä-i(m). Umbr. sestii, seste= lat. sistö^ sistis (Bücheier 
pop. Iguv. liistr. 37, intei'pretat. tab. Iguv. II Bonner progr. 
1878 s. 7. 15. lex, Ital, XXV *") ist ebenso entwickelt wie 
das lateinische verb, indem im umbrischen synkopierte formen 
des schwachen starames wie sestu sistn sistito' imper. = 
griech.^ mrarw es sein mochten, die mit ebenfalls synkopierten 
wie ku- vertu co-vertu 'convertito' (vergl, s. 233) auf 
eine linie traten. ') Dass nun im volskischen *'sistid-um mit 
den denominativen der ä-conjugation sein perfectum sistiatiens 
bildet, ist ebenso selbstverständlich, wie im lateinischen in- 
-cllnävl, con-sternävl nach cärävl, wie desgleichen im umbrischen 
die Zugrundelegung des starken praesensstammes der nii-con- 
jugation dersä- dirsü- für die formation des futurum exactum 
ander safust andirsafust atedafust nach analogie der perfect- 
bildung der schwachen «-sonjugation (oben s. 241). 

Ich habe oben s, 231 f, auch vermutet, dass der ausgang 
1. sing, perf, -Cm im umbrisch-sabellischen selbst auch den 
Wurzelverben, deren stamm- oder wurzelauslaut nicht -ä- wie 
bei stä-, fä-, snä- war, zugekommen sein möge, dass man 
auch *dedmi 'dedi' und *benäu 'veni' gesagt habe. Denn in 
der tat wolle man erwägen : die gesamte flexion dieser in 
allen schwachwurzeligen formen, also im ganzen pluralindic. und 
in den zum perfectum gehörigen oder sich daran anschliessen- 
den modus- und tempusbildungen (opt. perf,, fut. exact.) 
konnte von hause aus schon keine andere sein als bei stä-, 
fä-, snä- und ihren perfecten (vergl. Brugraann morphol. 
unters. III 37 anm.) ; jene hatten ferner, wie ja osk. deded 
umbr. d e d e , osk. küm-bened und selbst altlat. ßiet, dedet, 
falisk. dedet zeigen, die 3, sing, indic. frühzeitig durch einen 
schon gemein-italischen neuschöpfungsact (s. 205 ff.) an die 
gruppe der schwach wurzeligen formen mit erteilung des per- 
sonalausganges -cd lat. -et angefügt ; es hatten endlich im 



■•) Aber im indo-iranischen hat bei sanskr, tishtliämi tishthati, 
ftvost hishtämi hisJifaifl, im gegensatz zu dem entsprechenden vor- 
gange der altitalischen sprachen, der keim zu der historischen ö-con- 
jugation vielmehr in formen wie sanskr. tishthd-mi 1. sing., thhth-anti 
3. plur., tishth-e 1. sing. med. gelegen, die man wie sanskr. hhärä-mi, 
bhdra-nti, bhdre aufFasste. 



— 247 - 

umbi-isch-sabellischen dem Systeme von '^stetem, '^fefau, *snenau, 
*pepäH sich g-anz uud gar und auf verschiedenen wegen die 
perfecta der vielen denominativa und sonstigen verba der 
schvi^achen ä-conjugation angeschlossen. Mussten da nicht 
für die perfecta von wurzeln wie dö- 'geben', ben- 'kommen' 
die Chancen äusserst ungünstig sein, um ihre altererbte bil- 
dung der 1. sing, iudic. perf., etwa *dedöH = sanskr. dadaü 
und *ben (^aus *bena) = sanskr. ved. ja-gäma (^oder auch 
*benä-u mit dem accossorischon -u wie im litauischen), gegen 
die gesamte spracliströmung fort und fort zu behaupten? 
Nichts konnte näher liegen, als auch ihnen bei so vieler gleich- 
heit und gemeinsamkoit derformenbildung das sich mächtig aus- 
breitende -äu nachgerade zu übertragen. Unter solcher Voraus- 
setzung würden wir denn auch erst ganz eine erscheinung 
verstehen wie osk. priiftü-set probata sunt' cipp. Abell. 
16. die bildung eines -^o-participiums von einem schwachen 
ä-verbalstamme nach analogie derselben formation von wurzel- 
verben: nach *bentü-set = lat [circum-, in-)venta sunt war 
jenes osk. prüftii-set leicht fertig, wenn schon die ganze 
flexion des perfectums act. bei *benum und *prüf;T-um die 
gleiche, *benüu bened *benens wie * p r ü f ä u * p r ü f e d 
*prüfens (*priiff;Tu prüffed *priiffens), war. 

Schliesslich aber bemerke ich doch ausdrücklich, dass 
eh auf meine theorie von dem -cm der 1. sing, dennoch nicht 
ein allzu übertriebenes gewicht lege, dass mit derselben keines- 
wegs meine ganze erklärung der oskisch-sabellisch-umbrischen 
perfectbildung steht und fällt. Sollte mich das umbr. sub- 
-ocan getäuscht haben und wäre von ihm entfernt nicht auf 
die *stetmi, *fe/äu, ''^snenäu = sanskr. tastJunl, bahlicm, scisnau 
zurückzuschhessen. so wird mir doch das jeder urteilsfähige 
zugeben können, dass die 3. plur. perf. indic. von stä-, fä- 
(um auch s«ä-, pä- ganz bei seite zu lassen) in den formen 
'^stet-ens, *fef-ens bei jenen italischen Völkern gelebt haben 
werde und dass wenigstens diese formen allen anforderungen 
genügen, um sie als altererbte reduplicierte perfectbildungen 
indogermanischen gepräges ansehen zu können. Dann setze 
man nur einfach statt meiner typen *profän, *proffäii, ^-pro- 
fäfäu, "^profäffauj '^'profätäu^ '^profättäii der reihe nach ein : 



— 248 — 

*profens^ *proffens, '^profafens u. s. w. kleine erklärungen, 
wie osk. uupsens zu upsä-, UAch^restens SiWg, ''^re-st{e)tens 
zu restä- u. s. f., bleiben ganz dieselben, wenn ich auch von 
sub-ücau und was damit zusammenhängt sollte absehen müssen. 
Gegen den allgemeinen einwand aber, wie ich phan- 
tastisch oder tollkühn genug sein könne, auf eine anzahl rein 
hypothetischer formen hin ein ganzes gebäude von erklärungen 
realer und historisch bezeugter umbrisch-sabellisch-oskischer 
Spracherscheinungen aufzuführen , würde ich zu erwidern 
haben: sollen wir es uns etwa durch die kärglichkeit der 
Überlieferung einer spräche verbieten lassen, auch das wenige, 
was wir von ihr kennen, mit den weiteren mittein der com- 
parativen disciplin nach seiner historisch-genetischen seite 
hin zu erforschen? Indem ich wenigstens diese frage ent- 
schieden verneine, musste es im vorliegenden falle meine 
aufgäbe sein, unter Zugrundelegung von mutmasshchen erb- 
formen, die strict nach den erkannten indogermanischen bil- 
dungsgesetzen und gemäss den festgestellten einzelsprach- 
lichcu Umbildungstendenzen ermittelt sind und für deren 
nichtmangel im oskisch-umbrischen einigermassen das Vor- 
handensein ihrer Verwandtschaft in dem nächst gelegenen 
lateinischen Sprachgebiet zeugt, unter befolgung ferner der 
fingerzeige, welche in dem historisch überlieferten sprachgut 
des oskisch-umbrischen selbst auf eben solche formen als 
ausgangspunkte einer grösseren entwickelung hindeuten, meinen 
erklärungsversuch für die eigentümliche perfectbildung dieser 
altitalischen dialekte getrost zu wagen. Ich darf hoffen, dass 
derselbe sich aucl) dadurch empfehlen wird, dass dabei keines 
der sicher erkannten umbrisch-oskisch-sabellischen lautgesetze 
verletzt worden ist; sowie ferner dadurch, dass keinerlei 
analogie Vorgänge angenommen sind, die nicht an sich ihre 
innere Wahrscheinlichkeit hätten und in anderen sprachen 
und Sprachgebieten zahlreich ihres gleichen oder ihnen ähn- 
liches fänden. Dieses letzteren punktes bedurfte es hier um 
so mehr, als, wie man weiss, gerade die oskische perfect- 
bildung und die altitalische überhaupt sich die unerträglichsten 
erklärungstheorien von je her hat gefallen lassen müssen, 
als man anschauuno^sweisen wie die verrottete alte annähme 



— 249 — 

einer Zusammensetzung mit dem perfect der wurzol fu- leider 
immer noch liin und wiedci- auch in den sprachwissenschaft- 
lichen Schriften der neuzcit spuken sieht. 

Haben wir den Zusammenhang der umbrischen form 
suh-ocau mit den lateinischen perfecten auf -avl abj^ewiescn 
(s. 232 f.) und gesehen, wie die nichtlateinischen stamme 
Altitaliens sich in ihrer ganz eigenen weise halfen bei dem 
bedürfnis, abgeleiteten verben eine perfectflexion zu geben, 
so mag nun endhch in dieser Untersuchung auch noch auf 
die lateinische neuschöpfung des perfectums auf -€l näher 
eingegangen werden, um die schon s. 181 zum voraus an- 
gedeutete hypothese im einzelnen fester zu begründen. 

Das nächste anrecht darauf, als ein verwandter des 
lateinischen i'-perfectums zu gelten, würde aus umbrisch- 
sabelhschem gebiete noch die oskische form ümbn[a]vt auf 
der censorinschrift von Bovianum vetus (Pietrabbondante ) bei 
Zvetajeff" tab. IV no. 1 haben : Bücheier rhein. mus. n. f. 
XXX 440. 442. XXXIII 286 deutete sie als nuncupaverat' 
oder 'voverat', und ßugge altital. stud. 67 f. fand zu ihr und 
paelign. omnitu Votum' das etymon in griech. o^uvvrai, unter 
beistimmung von Bücheier lex. Ital. XVIII''. Wie so nun 
ein plusquamperfectum mit der dem lat. -äverat con- 
gruenten oder ähnlichen endung in ümbn[a]vt formal ge- 
rechtfertigt werden könne, sehe ich nicht ein, so wenig wie 
dies Zvetajeff tut, der syll. inscr. Ose. I 146 fragweise auf 
das „perfectimi?" rät. Ferner ist ja das [a] nicht überliefert, 
und Bücheier, bei einer mündlichen besprechung, meinte mit 
mir, dass die beschaflfenheit des steines jeden beliebigen 
anderen breiten buchstaben, z. b. V, zu ergänzen erlaube. 
Liest man ümbn[ü]vt, so hat man das imperfect- 
gebilde des dem griech. ojui'Vfu entsprechenden altitalischen 
verbums in idealer regelmässigkeit vor sich: osk. -nüvt aus 
indog. - n e u - 1 = 'mdo-ira,n. '^-nan-t in sanskr. d-ci-no-t ay est. 
ci-nao-t. Griech. olivv (augmentiert coiivv} imperf. ist ja die 
bekannte neubildung statt '*ojnvev nach verf. morphol. unters. 
II 139, Gust. Meyer griech. gramm. § 487 s. 376 f. Die 
graphische darstellung des italischen „diphthonges" ou aus 



— 250 — 

ursprünglichem eu (Birt rhoin. mus. f. philol. n. f. XXXIV 
1 f., verf, morpliol. unters. II 140) wäre in osk. ümb- 
n[ü]vt mit nationaler Schrift genau dieselbe wie in tüvtiks 
'tuticus' Zvetajeif tab. X no. 4, tüv[tiks] Zvetajeff tab. IV 
no. 3 von *tüvtü (vergl. tovtad, tovtico, tovticom in der 
lateinischen schrift der tab. Bant., noFvo auf der griechisch- 
oskischen inschrift von Messana Zvetajeff tab. XVIII no. 14) 
= got. piuda. üass das altindogermanische tempus imperfec- 
tum sich zu der bedeutung der Vorvergangenheit, wenn man 
diese für osk. urtam liisd [p]aam ess uf ümbn [ü] vt 
Votum solvit quod ipse voverat' urgieren will, von seinem 
ursprüngliciien durativen sinne aus im italischen wol hätte 
entwickeln mögen, räumt mir auch Bücheier ein. Das omnitu 
partic. des weihgedichts von Corfinium zeigt jedenfalls den 
praesensbildenden nasal fest und allgemein stammhaft ge- 
worden, wie älmlich lat. minntns, steriintäre, und wird sich 
sicher von unserem Standpunkte aus nicht schwerer deuten 
lassen, denn bei der Voraussetzung eines om(h)iiä- als verbal- 
themas. Vielleicht ist onufito- bei den Paelignern, wenn wir 
mit Bücheier das -i- lang sein lassen, von omnn- neu gebildet 
worden nach dem muster des aus umbr. ßto altlat. fltimi sich 
ergebenden *fTto- von fu- 'werden' oder des in lat. suf-fUus 
vorliegenden ital. *fUo- von fii- 'räuchern', indem bei diesen 
der Ursprung solcher participbildung durch die jodpraesentia 
lat. /iö^ suf-fiö gegeben war (Breal les tabl. Eugub. 124 f., 
Thurneyseu üb. herk. u. bild. d. lat. verba auf -io 24, Brug- 
mann moiphol. unters. III 48, verf. morphol. unters. IV 27). 
Vermeintliche spuren eines germanischen „t'-perfects", 
das mit dem lateinischen auf -vi übereinstimmen soll, bringt 
H. Möller Kölbings engl. stud. III 162. Paul-Braune's beitr. 
VII 469 bei. Aber seine combinationen schweben sehr in 
der luft. Dass man besser täte, auf das iv der verba ags. 
säwan, cnäwan, deren perfecta seotv , cneotv Möller den 
lat. sevi, növi an die seite zu setzen wagt, bei seiner so 
äusserst problematischen natur noch nicht so weittragende 
hypothesen zu bauen, lehren die bemerkungen Pauls in seinen 
beitr. VIII 221 f., die, selbst behutsam, andere zur behut- 
samkeit in diesem punkte mahnen. Meines erachtens hat 



— 251 — 

das lateinische „i;-perfect" als eine relativ späte und speciell 
lateinische neubildung nirgends in den verwandten sprachen 
seines gleichen, wie wir es denn auch sogar in den nicht- 
lateinischen dialekten des alten Italiens selbst vergeblich 
suchen. 

Nach den vier musterverhältnissen lat. föv-l : fö-tus, 
möv-l : mö-tns^ vöv-l : vö-tus und jäo-l : jä-tus erwarb man 
zunächst ohne Schwierigkeit zu irgend welchem beliebigen 
particip auf -ä-tus, -e-tus, -l-tus, -ö-tus oder auch supinum 
auf -ä-timi, -c-tiim, -J-tiim, -ö-tum das perfectum auf -a-vl, 
-e-vi, -l-vi, -o-vi. Daher ßä-vi nä-vl amä-vl, fle-ot ne-vl ple-vi 
sne-vl cre-vl (zu praes. crescö) dele-vl, scl-vi trl-vT ßul-vl^ nö-oi 
u. dergl. Auch strä-vl zu strä-tus, da letzteres particip eine 
erbform aus dem indogermanischen ist wie das genau ent- 
sprechende griech, otom-to-c; vergl, morphol. unters. IV 
Yorw. s. IV. oben s. 178. 

In der folge blieb die neue perfectbildung, wie es 
kaum anders sein konnte, nicht in steter abhängiger gefolg- 
schaft vom -^o-participium und supinum, sondern emancipierte 
sich in der weise, dass nach einer zuerst geschaffenen anzahl 
von exemplareu andere neue -y«-formen auch etwa vom 
praesens entspringen konnten. 

Also vielleicht schon bei {ac-, con-, ex-^ per-)ci-vl zu 
ciö nach flni-vl : f'miö^ während das von uns vorhin s. 225 f. 
ebenso wie cl-vl aufgefasste scl-vi wol auch noch den vier 
musterformen direct folgen mochte; bei dem particip mit % 
{ac-^ con-, ex-}cl-tus, besteht nemlich, nach verf. morphol. 
unters. IV 73 f., einige Wahrscheinlichkeit dafür, dass es 
selbst erst statt ci-tiis eine jüngere nachformung derer wie 
finl-tus sei. Also aber notwendig bei 1-dI und qm-vi, da 
deren participia t-tns (Xtiim est^ ad-ttus^ in-ttus, ob-itus, praeter- 
-itiis)^ qm-tus \jie-qmtus) einzig die kürze haben; Is quis, it 
quit, imus quTmus, itis qultis und infin. Ire quire, imperf. conj. 
irem qtürem genügten nunmehr, um diese zwei verba die 
schwache perfectbildung von sci-vT und audi-vT, fini-vi etc. 
nachahmen zu lassen, so wie umgekehrt die alten w, qundie fund- 
gruben für die ai(du, flnit und consorten wurden nach s. 225 f. 
Wie ich ebendort auch schon bemerkte, ist dann auf grund 



- 252 — 

von 7-vJ neben i-tus, qnJ-vi neben qiu-tus, cT-vi neben cX-tus 
hinwiederum die existenz von sT-vi, iJ-vI zur seite ihrer parti- 
cipien s7-tus (po-sltus, de-situm est), It-tus (col-, il-, oh-litus) 
gegeben gewesen. Neben si-T und der nachgeburt zu ihm. 
sT-i'T^ gibt es spuren einer jüngeren starken bildung sln-J ; 
ferner bezeugt ein ebensolches lin-T aus Yarro und anderen 
„vetustissimi" Priscian X 1, 38—39 p. 529 sq. H. (vergl. 
Neue formen!, d. lat. spr. II- 489): hier ist also der prae- 
sentische nasal von si-m>, li-nö als wurzelhaft aufgefasst 
worden und haben als muster für die neuschöpfung etwa 
mundo : mandi^ pandö : pandl, scandö : scandi, mdö : cädT^ 
vertö : vertT, stridö : strldT^ selbst -ddö : -cidi (in compositis 
von cadö) gedient. Aehnlich erscheinen mit -n- aus dem 
praesens tutund-i^ pupung-T gelegentlich für die älteren 
tutud-I, jmpu(j-T (Neue a. a. o. II- 460). 

Zu pä-scö von würz, pä- (vergl. pä-hidum und oben 
s. 235) stellte sich pa-vJ nach cre-scö : cre-vT, stie-scö : sue-ct^ 
nö-scö : nö-vl oder auch nach Inceterä-scü : inveterä-m, da 
inveteräscere selbst ja das perfectum seines stammverbums 
inveteräre teilte: das alte supinum *pä-tum ^= sanskr. pä-tum 
infin. 'zu bewachen, zu hüten war der lateinischen neubil- 
dung vom praesensstamme püstum aus ''^päsdum^ wie pastor 
gleicher wurzel aus *päsctor und wie posttdäre = *posctidäre 
zu poscö (Corssen Kuhns zeitschr. XI 365. ausspr. vokal. 
I- 808, Pott Wurzel- wörterb. I 198), gewichen. Lat. co-cjnö- 
-vl natürlich und a-f/nö-vT wegen des simplex nö-vl, trotz 
co-ym-tum co-gm-tiis, a-gm-ttim a-gnt-tus, denn participium 
und supinum haben hier beim simplex {g)nö-tHin : *(g)nä-tus 
(vergl. nÖ-ta mit der von gnö- übernommenen vocalqualität, 
Misteli zeitschr. f. völkerpsych. u. sprachwiss. XIV 295 anm.) 
und compositum *co-gnö-tui)i : co-gm-tus sich in verschiedener 
richtung vocalisch ausgeglichen; übrigens sind im älteren 
latein spuren der participialbildung a-gnötus bei Pacuvius und 
grammatikern (Neue formenl. d. lat. spr. II ^ 553. 588). 

Als ein product der association der verbalnomina ne-inen, 
flä-men, strä-men^ co-gnö-men, mö-men mit dem alten neutrum 
lat. se-men ■:= abulg. se-me^ lit. se-mü alts. ahd. sä-)no ergab 
sich das perfectum se-vT^ wie m-vT, flä-vi^ strä-vT, co-gnö-vl 



— 253 — 

und wie das sie alle an alter üborrag-endc möv-T. Möglicher 
weise entsprang auch sc-vT zu einer so frühen zeit, als noch 
das supiuum *sc-ti(»i hiess, gleichen Stammes und ablauts mit 
dem von Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 29 aufgehellten 
ved. sä-tu-sJi m. mutterleib', als mithin das Verhältnis von 
nö-ttini sup. und co-yiii-tus partic. au solchem *se-tuin neben 
sä-tus noch seines gleichen im latein hatte. 

Lat. se-vJ ist aber selbst meines erachtens nach folgender 
Seite hin normgebend und der anstoss zu einer kette von 
analogiebildungen geworden. Wahrscheinlich zuerst in com- 
positen, indem man hier bei coti-se-vJ : con-si-tus^ in-sc-vT : 
in-si-tus, ob-sc-rJ : ob-si-tns gleichheit der particip- und supin- 
bildung, deren Ursprung aus *c6n-sä4i(s u. s. w. man vergass. 
mit col-li-tus, il-U-tus, oh-U-tus zu haben glaubte, gelangte 
man zu dem gebrauche eines le-vJ, welche concurrenzform zu 
iJ-vT demnach aus col-le-vT, il-le-vJ^ ob-le-vJ sich verselbständigt 
haben müsste. Berücksichtigt man ferner, dass anstatt der 
ebenfalls aus ihren compositen entwickelten lat. cerno, certus 
ehemals als simplicia *crt-)iö, *cri-t'HS = griech. y.of-rai, y.oi- 
-ro-c bestanden haben müssen (verf. morphol. unters. IV 1 f. 39), 
so begreift sich die existenz des perfectums cre-vl (con-, de-, 
dis-, ex-, s?-cren) zu ee)'nö vermittels der proportion l^-nö 
U-tiis : Je-vJ = *cn-n() *cri-tus : cre-vl. Allerdings ver- 
schaffte dann cre-vl selbst wieder einem neuen particip crc-tns 
nebst con-., de-, dis-, ex-, se-cretus das dasein, während *crX-tus, 
in-certus isolierte formen wurden. Endlich nach cer-nö : cre-v7, 
cre-tus ausbildung des a verbo sper-nö : spre-vJ, spre-tus. Solche 
bewandtnis also hätte es mit der in spre-v7 spre-tus, cre-vT 
cre-tus vermeintlich zu entdeckenden metathesis durch „svara- 
bharakti und vocaldehnung" (Joh. Schmidt z gesch. d. indog. 
vocal. II 352). 

Von den perfecten auf -vT können diejenigen auf -m, 
von aina-vT nicht monuT getrennt v^erden. Nun zerlegen sich 
uns deutlich diese letzteren in zwei grössere gruppen: erstens 
solche auf -uJ mit particip auf -rdus, praesens auf -uO; zweitens 
solche auf -?/7mit anderer particip- und praesensbildung. Sagen 
wir der kürze halber: die gruppe acuJ und die gi'uppe (/enuT. 

Wie die lateinischen verba acuö, aryiw. metuö., statuö, 



— 254 — 

trihuö und die an diese denominativa der M-declination früh- 
zeitig angeschlossenen ursprüngliclien primitiva der fünften 
indischen praesensclassc ininnö^ sternuö ihr perfect auf -m 
gewannen, ist einfach zu sagen : durch nachbildung des flexions- 
systemes der wurzelverba auf -tto, der Verhältnisse nuö : nui^ 
riiü : riü, phiö : pluJ, luö : lu7, ex-uö ind-uö : ex-ul ind-m, 
mi-buö : im-hiü. ' ) Die neubildungsweise ist dieselbe wie der 
Übergang der formation von n, ciJj seil, sit an die denomina- 
tiva der /"-conjugation, an audit von aiidiö^ nach s. 225. Wenn 
im älteren latein jene musterformen auf -uT auch mit ü er- 
scheinen, pläit, läit, ad-näit u, dergl. belegt sind und fm, 
fnit (inschriftlich fuueit), füimus vorkommt, so möchte ich 
das anders als morphol. unters. IV 391. 392 jetzt so auf- 
fassen: das n ist immerhin jung, jedoch wahrscheinlich nur 



ij Warum setzt man lat. im-htiO, unstreitig ein wurzelverbum, 
nicht = griech. }f/-(pvwl 'Eintauchen' und 'einpflanzen', beide sind ein 
'drin sein lassen', die Verschiedenheit der constructionen, imhuere aliquem 
aliquä rc und l/uipvfiv nvi rt, schliesslich kaum eine erheblichere, als 
etwa bei lat. interclüdere hosten comnieätü (Caesar) und interclüdere 
inimlcis commeätum (Plautus), dunüre aliquem aliquä re und dönäre 
alicui aliquid. Mau vergleiche noch insbesondere lat. se studils, aliquem 
opiniönibiis inibuere mit griech. rti iroQeia f^u(pvfa' (Aratus), (?.-niin xat 
noQaaxfuaTg s/ucpvdv (Plutarch), Toili Soyjuaair i/utpvsLV (Plutarch), pectora 
religiöne oder pietäte imhuere mit e^wrä nvi }ju(pvM' (Xenophon); man 
übersetze auch Homers d-eoq fxoi Iv tp^salv olung navTotag h'S(pvae Od. ^ 347 f. 
durch deits me variis carminum modls imhuit. Lat. im-buere, so ange- 
sehen, bestätigt den transitiven gebrauch, den wir schon an formen 
des verbum simplex auch im lateinischen erkannten an der band der 
lateinischen glossen fuat : faciat, fuet : faciet bei Loewe prodrom. corp. 
glossar. Lat. 363; vergl. morphol. unters. IV 25 f. Die gleichung im- 
-bü-tu-s = ffi-tpv-To-g führt den morphol. unters. IV 87 f. aufgezählten 
einzelsprachlichijn Vertretern der alten satzdoublette indog. bhü- 
-tü-s : bhü-tü-s den lateinischen gesellen zu. Endlich im-bul perf. 
mit in-ful verglichen lehrt, gleich so vielem anderen, „den positiven 
wert der isolierung" (Paul princip. d. sprachgesch. 154 ff.): in folge 
seiner besonderen bedeutungsentwickelung aus dem zusammenhange 
mit allen sonstigen formen von lat. fu- losgerissen zeigt das compositum 
im-buö das lautgesetzlich zu erwartende inlautende -b- aus urital. -/-, 
während in-ful auf die heerstrasse des simplex und seines y-anjautes 
zurückgekehrt ist, wie ja auch con-fuit coii-forc, dc-ful und wie anderer- 
seits m-/erö, i)i-f(iiis nebst iii-fitiae in-fitiäi% in-fiiidö, in-fodiö, iii-fldus 

U. 8. W. 



— 255 — 

in folge der pioportionalen analogie von Ivgü : legt, edö : edi, 
emö : eniT, tcö : Tel u. dorgl. entwickelt bei den perfecten 
wie 'pWit neben praesens i)liüt\ fm etwa zu füam conj. praes. 
wie legi zu legam. Es machen das n. aber wiederum diesen 
wurzelporfecten auch ihre nachkommen, die perfecta der ab- 
geleiteten verba auf -^<6», nach, da altlateinisch auch institm, 
constitäit, constitüerain n. dergl., bei Plautus und sonst, be- 
zeugt sind. Vergl. Neue formenl. d. lat spr. 11 2 497 f. 597. 

Anders verhält es sich mit der gruppe genuJ, deren 
Vertreter sich neben den verschiedensten anderen praesens- 
bildungen als solchen auf -u5, ferner neben partic. praet. 
pass. auf -itiis und -tus vorfinden. Es scheint mir wegen 
dieser Verschiedenheit der ganzen ausserperfectischen flexion 
bei der gemiJ- und bei der ac«/J-gruppe keine aussiciit vor- 
handen, den perfecttypus jener aus dem leichter zu ver- 
stehenden der praesentia auf -uö herzuleiten oder überhaupt 
damit zu vermitteln, an welche möglichkeit Brugmann morphol. 
unters. III 50 dachte. Hiermit ist zugleich gesagt, dass auch 
eine ansieht wie diejenige Brugmanns morphol. unters. III 47 ff. 
und Thurneysens d. verb. etre u, d. französ. conjug. 34, wornach 
hauptsächhch in dem einen fuJ das muster für die analogische 
nachbildung der habul, genul gelegen habe, nicht durchführ- 
bar ist. 

Auch die anderen altitalischen dialekte, behaupte ich, 
haben nichts der lateinischen bildungsweise von habuT, gemü 
analoges. Es sind im oskischen und umbrischen durchweg 
nur futura exacta, welche als ihr charakteristicum -u- haben; 
z. b . umbr . f a k u s t f a k u r e n t , iust, hemist henurent, t e d u s t , 
covortuso, hahuretit, peperseust^ dersieust dersieurent, osk. dicust, 
hipust, eomparascuster, tribarakattuset, cehmist, fefaeust. 
Ferner findet sich diese -«-bildung des futurum exactum augen- 
scheinlich bei allen beliebigen perfecten in gebrauch. Solches 
osk. umbr. -u- hat also eine erheblich andere sphäre als dasjenige 
von lat. habuT, geuuT^ welches nur bei einer bestimmten gruppe 
von perfecten vorkommt, liier aber alle formen des perfect- 
stamraes, nicht nur die des futurum exactum, bildet. Möglich 
also immerhin, dass Brugmann a. a. 0. diese oskisch-umbrische 
futurbildung vom perfectstamme richtig auf die analogie der 



— 256 — 

einfachen futura von fii- osk. fiisU "^fuzenU umbr. *fust, 
furent furo zurückführt. Aber für das latein ist damit nichts 
geholfen. Hier ist fuerö selbst; aus vorhistor. *fuisö, zu 
fuistis entsprungen nach dem vorbild von erö (= *esö) neben 
estis, wie ebenso fiierani, fiässe nach eram, esse (vergl. oben 
s. 212). Ebenso wie ficerö aber auch die paradigmen von 
habuerö, geniierö u. s. w., sowie von fecerö, sederö, vtderö, 
mem'merU u. s. w^, nach demselben muster der futurformen 
von es-. 

Also auch von selten der altitalischen schwesterdialekte 
im stiebe gelassen, muss man meines erachtens zur erklärung 
der lat. gennJ und consorten eine ganz andere construction 
machen, bei der wiederum das -^o-particip und supinum ihre 
wichtigere rolle spielen. 

Bei den perfecten des typus gennJ scheint es weitaus 
das häufigste und die alte regel zu sein, dass sie neben einem 
particip auf -ttus und supinum auf -%tum hergingen. Man 
vergleiche diese collection, die auf Vollständigkeit keinen an- 
spruch macht: crepm crepitum, doniiu domitus, (op-, coni-^ 
ex-, im-)plicui -plicitus, somit sonitum, tonm at-tonitus, vetuT 
vetitns von verbis auf -äre; {co-, ex)-ercuJ -ercitus, caluT 
ccditürus, carm caritärus, doluJ doUtäriis (und perf. dolitus 
sum)Jiahui habitus, jacul jacüüriis, lihuit libitum, licuit licitus, 
merin inerltus, inonul monitus, nocuT nocitum, päruJ päritunij 
placin placitus, tacul tacitus, terrui territus, vahil valitrtrus 
von verbis auf -ere; alul alitus, fremm fremitvm, gemui 
(/emitumf gemü genitus, e-liciü e-licitus, mohü molitus, paraü 
(altlat. bei Naevius fragm. v. 69 Ribbeck comic. Lat. rell. p. 16 == 
Nonius p. 153, vergl. Neue formenl. d. lat. spr. II ^ 474. 553 f.) 
parcitum, {com-, dis-}pescm com-pescitum (ohne beleg bei Priscian 
X 3 19 p. 511 H.), strepui strepitum, tremm tremitum (ohne 
beleg bei Priscian X 7, 37 p. 528 H.), vomui vomitus von 
Verben auf -ere; cuhü ciib'dum sowol zu cuhäre als zu ciim- 
bere. Auch Neue sagt formenl. d. lat. spr. II 2 550: „Zu 
einem perfectum auf rii gehört meistens ein supinum auf 
^tum."^ 

Es kommt nun auf die qualität der lateinischen particip- 
endung -Uus hinsichtlich ibres anfangslautes, des -i-, an. 



— 257 — 

Zusammenstellungen wie die von lat. (/etii-tu-s mit f«'riech. 
ytvs-Ti], lat. vomi-tu-s mit griech. ^/nf-ro-g adj. oder sus-ro-g 
subst. m. (Curtius verb. d. griech. spr. 11 ^ 387 f.) hält wol 
heute jedermann für zulässig. Ueber die natur der bctrefFen- 
Jeu griechischen bildungen habe ich mich Kuhns zeitschr. 
XXIY 417 f. ausgesprochen und mich, dort im anschluss an 
Bopp, Leskien und Curtius dafür entschieden, dass man das 
„bindevocalische" -f- derselben für den verbalthematischen 
vocal der rj-conjugatiou zu halten und sanskritische nominal- 
bildungen wie yaja-iä-s, darra-td-s zu vergleichen habe. 
Neuerdings kommt Brugmann morphol. unters. III 80 ff. auf 
dieselbe frage zu sprechen und glaubt gründe zu finden, 
„dass unser bindevocal i schon urlateinisch i war." Ich kann 
seinen deductionen nicht beistimmen. „Das beweisen am 
klarsten die formen wie vTdisseni vidisse sowie die praesens- 
bildungen wie gennscö pactscor ainscor"" ist ein Brugmann- 
scher satz, der für mich in keiner beziehung giltigkeit hat. 
Das -is- der perfectformen vidisse vTdissem hat nichts mit 
dem aoristischen sanskr. -ish- zu schaffen , wie ich oben 
s. 214 f. gezeigt zu haben glaube. Und was die praesensbil- 
dungen auf -iscü, -iscor betrifft, so hat sie Brugmann schon 
allein darum falsch beurteilt, weil er die länge des J ver- 
kannt hat, die nach den romanischen sprachen unbezweifel- 
bar ist: italien. cajnsco = \a,t. *captscö, während ein Italien. 
*-esco mit geschlossenem e aus lat. *-iscö hervorgegangen 
wäre, vergl. s. 210. Meine auffassung der bildungen wie 
apTscor, gemtscö, oben s. 157, dürfte dartun, wie dieselben 
keineswegs ganz unmittelbar neben griech. nont-ax«), dg^-ax«) 
u. dergl. in betracht hommen können '). Was sonst Brug- 



1) Ueberliaupt: gleichen sich griechisch und lateinisch durchaus 
nicht so aufs haar in den resultafen ihrer analogischen Übertragung des 
inchoativen -axu), -scö auf die abgeleiteten verba, welcher process eben 
auf beiden gebieten ein unabhängig erfolgender war. Das zeigt auch 
schon die quantitätsverschiedenheit bei griech. }jßi-ay.w, IXu-nxouai und 
lat. puerä-scö,inveterä-scö; denn -äscö steht hier sicher nach dem für lat. 
incestus, perfectus, coiicepttts, fefelll u. s. w. geltenden vocalschwächungs- 
gosetz, das auch lat. *-escö aus *-äscö erfordert haben würde. Der 
Grieche verfuhr nach dem Schema 5:2, wenn er nach att. (p^-dw 

Osthüff, zur gescliichte d. perfepta i. iiidog-ermanischen. 17 



— 258 — 

manu noch vorhringt, um in gemi-tus^ (jeni-tus geni-tor und 
selbst in gene-trJx, iiiere-trTx^ mole-trlnu (in diesen hat die r 
enthaltende consonantengruppe nur laut schützend auf das 
vorhergehende e gewirkt) urlateinisches i zu rechtfertigen, 
ist an sich von keinem grossen belang. Ich meine aber 
auch, dass wir uns bei der leugnung von „urlateinisch i" 



f^fßfj^na : (fu-nxM und ßrj-ao/xai f-ßrj-au : ßu-axca auch att. ^ßa-axco neben 
»;/S/;-ffw {jß>i-att bildete; der Lateiner aber vielmehr nach dem Schema 
1:1 bei dorml-scö zu dormi-s, -l-mus, -l-tis, -l-re und ex-perl-scor zu 
ex-perl-rl nach scl-scö : scl-s, scl-miis u. s. w., und andererseits nach 
dem Schema ? ; l, wenn nach dormiö : dormlsco, ex-perior : ex-perlscor 
ein apiö : apiscor ins leben trat. Hat treniescö, wie Brugmann a. a. o. 
gegen Corssen ausspr. vokal. II ^ 283 behauptet, langes e als analogie- 
bildung „nach inclioativformen wie horrescö pavescö calescö,'^ so kam 
jenes wol durch das Verhältnis horrnl horrebam : horrescö ^= trenml 
tremeham : tremescö auf; so wenig wie dann aber dieses treniescö im 
griechischen seines gleichen hat, ebenso wenig ist es verwunderlich, 
wenn ircmlscö, gemlscö als nur nach speciell lateinischem neuschöpfungs- 
princip zu erklärende bildungen dastehen. Dem nachweis, wie auch diese 
zu -isrö kamen, oben s. 157, habe ich liier nur die beraerkiuig hinzuzufügen, 
dass es doch wol kaum statthaft ist, mit (Brugmann und) Corssen aus- 
spr. vokal. 112 283 f. die verschiedenen lateinischen inchoativbildungen 
auf -iscö in zwei gruppen, solche auf -tscö und auf -tscö, aus einander 
zu reissen. Das tut zwar neuerdings auch A. Marx hülfsbüchl. f. d. 
ausspräche d. lat. vokale in positionsl. silben 8 f., aber gerade bei 
diesem zeigt sich, zu welchen Ungeheuerlichkeiten eine derartige theorie 
führt: Marx mutet seinen leseru den glauben an ein langes * in cuplscö, 
rvsiplscö und an ein kurzes in ad- ind-ipiscor und proficlscor zu, trotz 
der bildungsgleichheit der stammverba ciipere, resipere einerseits und 
(tpere^ pröficere andererseits und augenscheinlieh aus keinem anderen 
beweggrunde, als wegen des zufällig entwickelten umstandes, dass in 
cupnvl ciqntns, resiinvl die classische latinität einige analogiebildungen 
nach dem Systeme der schwachen I-conjugation (aitdire) erzielt hat, 
von denen sie bei aplö apere und prößciö pröficere nichts weiss! Auch 
Bücheier als praefator der Marxschen schrift lullt ebend. vorw. s. V 
seine zweifei „an der künftigen beständigkeit dessen was [von Marx] 
über die inchoativa mit kurzem voeal vorgetragen ist" nicht zurück. 
Das latein kennt also wahrscheinlich nur -cTscö, -escö und -iscö mit 
stetiger vocallünge vor dem -scö, und dem „bindevocal" -e-, -1- von 
vlv-e-re, vlv -l-mus vlv-t-tis schenkte die lebendig schaffende sprachkraft 
bei der erzeugung von vlv-e-scö und revlv-l-scö, trem-e-scu und contrem- 
-l-scö wol keineswegs die zarte rüoksiclit, die ihm neuere grammatiker 
bei der benrteilung dieser inchoativformon zu teil werden lassen. 



— 250 — 

für diese geiti-tus, (jeni-tor, (jene-trJx uiul geni-nteit^ sowie 
für domi-tus, donu'-tor, der hoffnung auf eiue sclilicssliclie 
einigung mit dem vieldeutigen -/- von sanskr. jani-tär-, 
jäni-trt, jani-tra-m, jänl-man-, sanskr. dami-ta-s, dami-tdr- 
niclit mehr begeben, als wir auf eine solche aussieht auch 
seitens des klärlichen nicht-/- bei den Griechen in j'fvf-r/f, 
ysvk-rioo^ yevs-rsiQa, yfvb-d-Xt], ykvt-oi-c, in d-du/.iä-TO-c, nav- 
-öttf-ia-TiOQ, öa/iid-rHQu zu verzichten haben oder beziehungs- 
weise nicht haben. 

Steht lat. gem-tns, wie ich nicht zweifle, für früheres 
*gene-to-s, so konnte sich zu letzterer participform ein per- 
fectum urlat. *geiie-vl bilden, ebenfalls nach der stricten 
proportionalen analogie der musterfälle wie nuw-t : mö-tus. 
Ein solches *gene-v7 aber genügt uns : es entwickelte sich 
streng lautgesetzlich durch *ge)iovi zu histor. geniit weiter, 
wie ja lat. de)im auf de- *nevv{d) *de-novü, lat. vidna auf 
*videvä *vidoüa^ im-pluö auf *im-plevö (vergl. griech. uXta) 
sanskr. plävumi abulg. plova) '^'im-plovö — altlat. per- 
-plovere ist Wiederherstellung nach dem simplex ploeö in 
plovebat bei Petron. 44, während jj^mö als simplex aus den 
compositen hervorging — beruhen. Vergl. verf. morphol. 
unters. IV 80. 125 f. 158. 391. Ferner; sollten etwa, was 
ich hier nicht zu entscheiden brauche, für die beurteilung 
des zwischenvocales in lat. domi-tus^ domi-tor die griech. 
rt-Jß/m-ro-g , 7Tui'-öaf.iä-T(0Q da^cä-rkiga mehr rücksicht ver- 
dienen als got. tami-p-s ahd. gi-zami-t^ so würde sich auch 
von da aus lat. domut unmittelbar begreifen lassen : das zu 
*domä-to-s = histor. domi-tus geschaffene *d6mä-vi musste 
auch seinen weg über *dömoDi hinüber zu histor. doinut 
machen, wofür als beweiskräftige parallelen lat. e-luäcrus ^^ 
*e-läo(lcro-s*e-looücro-s und äb-luü = ^db-lävö *(ii-Zow (morphol. 
unters. IV 158) dienen. Die betonung der mö-tus möv-J war 
in urlateinischer zeit auch keine andere als bei den '^gene- 
-to-s *gene-v1, '^dömä-tos *d6niä-vi in den fällen, wenn jene 
ein verbalpraefix vor sich nahmen, weil man da z. b. urlat. 
*cöm-mö-to-s '^cöm-möv-t als proparoxytona sprach. 

So vereinigt sich demnach die perfectbildung der gruppe 
genuT mit derjenigen von amä-vl, dclc-vl, audJ-vJ. Obwol 

17* 



— 260 — 

aber neben dem particip auf -itus entsprungen, bleibt (^och 
auch der ]>erfecttypus von doniui^ genm uaturgemäss kraft 
der wucherraacht der analogie nicht an diesen seinen Ursprung 
gebunden. Trotz sedns und nectiis {ß-nectus) ein semn zu 
secö secäre und nernJ (c-necm) zu necö necäre, nemlich wegen 
domm : domo donuire, vetiü : vetü vetäre u. ähnl. Trotz 
doctus das perf. dorm, auf grund von Jcabul : (habitus) habere, 
monut : {jnonitus) monlre u. a. Und so zu serö sertus perf. 
(in compositis) serul] zu canö cantum neben dem alten cecinl 
ein besonders in den compositen beliebtes canul (con-cinul, 
in-cinui, oc-cinm und nach dem simplex erneuert oc-canm^ 
prae-cinui, suc-cimif) nach Neue formenl. d. lat. spr. II^ 467 f. 
und den dort verzeichneten grammatikerangaben; zu volö ohne 
particip und supinum volm: alle diese etwa nach alö : alm 
(partic. alitns und alUis), frenw : fremiü, gemö : gemuT, molö : 
molm, vomö : vomiü u. dergl. Ja, auch zu dem reduplicierten 
se-rö 'säe', partic. sätus ein serul, als seltene concurrenzbildung 
des se-vi (Neue formenl. d. lat. spr. II'-' 489 f.). 

Sodann ging zu rapiö raptus hervor rapiü, zu sapiö 
perf. sapm: diese jodpraesentia hatten ja viele formen, wie 
z. b. den infinitiv auf -e/-e, mit alere, fremere, geniere, molere, 
^;o»^e>•e gemein ; es bekundet denselben trieb der formassociation, 
wenn auch in umgekehrter richtung wirkend, die bildung der 
gennscö, tremlscö nach re-sijnscö, aplscor (s^ 157. 257 f. anm.). 
Uebrigens mochte auch e-liciö : e-UcuT, da es ja das particip 
e-Ucitus hat, zum aufbau der a verbo rajjiö e-ripiö : rapm 
e-ripiü und sapiö re-sipiö : sapuJ re-sipul dienen. 

Endlich war kein grund mehr, anderen praesentien auf 
-iö und mit dem infinitiv auf -tre, zumal solchen die eigent- 
lich und von hause aus starke verba der dritten conjugation 
waren wie jene rapid und sapiö, das perfectum in -m vorzuent- 
halten. Daher auch aperi<> : aperm, operiö : operui, saliö : 
saluli säriö : särm und amiciö : amiciü. Gerade auf diese 
nur, und nicht weiter bis zu den eigentlichen denominativen 
wie fJmre, restJre, inänlre, iBifre, erstreckt sich der einfluss 
der bildung -lü wiederum wesentlich nach massgabe der 
participia und supina: weil apertm, opertus und saltum, 
*sartus (zu vermuten nach sartor m. 'behacker' Plaut. Capt. 



- 261 — 

111 5, 3 (661), sartnra f. das behacken, gäten') , amictus 
mit den entsprechenden uominalbildungen vieler vorben der 
sogenannten dritten (und auch zweiten) conjugation, wie z, b. 
mit seHus sertwn, doctus doctuni, associierbar waren, darum 
-uT bei den aperiü u, s. w. wie bei serm, docuT. 

Eines der interessanteren analogieerzeugnisse ist po-sui 
zu po-sttus. Es zeigt nemlich, wie der innige Zusammen- 
hang zwischen dem perfectum auf -lü und dem particip auf 
-itus sich auch noch bei später nachbildung fühlbar erwies: 
indem man po-sttus fälschlich als pos-ltus auffasste, ergab sich 
die form pos-iü. Mit ihr haben wir bei dem compositum 
pönö aus *po-s[i)nU die vierte lateinische perfectbildung aus 
derselben wurzel si-; wegen si-T und sJ-vl., sin-T sieh oben 
s. 252. Es ist mit den lautgesetzen nicht vereinbar, wenn 
man, wie oft geschehen und z. b. auch von Corssen ausspr. 
vokal. II- 585, unser po-suT aus dem älteren po-sTvI durch 
Schwund des langen * vor v entstehen lässt. Dieselbe doppel- 
heit der bildung begegnet bei sapul und scqn-iü, saluT und 
saM-vi, särul und särl-vT, oder auch eine dreiformigkeit unter 
hinzurechnung der nach w, eil, scü, sii gebildeten saptl, scdü 
(s. 225 f. 251). Man ersehe bei Neiie formenl. d. lat. spr. 

112 482 ff. 484. 490 f. 491 f. welche Verlegenheiten den alten 
grammatikern diese abundantiae bereiteten. 

Wie in vulgär- und neulateinischer sprachentwickelung 
noch manche weitere Wucherungen des -/«-perfectums, sowol 
in der hier geschilderten als in noch anderer art, statt 
fanden, ist schon oben s. 185 f. angedeutet worden. Dieser 
späteren zeit blieb es aber auch vorbehalten, die Verschmel- 
zung der im alten latein noch aus einander gehaltenen beiden 
gruppen genut und acul eintreten zu lassen. Eben das bei 
verschiedenem Ursprünge gleichlautend gewordene perfectum 
bahnte diesen process an, der sich bekanntlich so vollzog, 
dass die arwZ-gruppe, obwol an zahl geringer, es mit ihrer 
participbildnng auf -ätus = griech. -v-rb-q in danov-xb-q der 
anderen antat; vulgärlat. hahm und habütus nach acm, acutus. 
Vergl. Diez gramm. d. roman. spr. II -^ 134, Breal bibliotheque 
de l'ecole des hautes etudes XXXV 102 ff., verf. d. physiol. 
u. psychol. moment in d. sprachl. formenbild. (Yirchow- 



— 262 — 

Holtzendorff's Sammlung gemeinverständl. wissenschaftl. vor- 
trüge XIY ser. lieft 327) s. 37 f. Die acnJ-gvuppc konnte, 
trotz ihrer viel geringeren anzahl, diesen sieg darum davon- 
tragen, weil ihr participausgang -ätus gemäss den auslauts- 
gesetzen der neulateinischen sprachidiome immer eine deut- 
lichere und voller in die ohren fallende äussere form bewahrte 
als die participia auf -ttus, -tus bei der //e»?<i-gruppe. 

Indem ich zu guter letzt noch einmal auf die vier 
muster mit wurzelhaftem -y-, üxxi f('>v-i : fö-tus, mov-t : mö-tuSj 
vüv-J : vö-tus , j'äv-t : jä-tus zurückkomme , geschieht dies, 
um nachträglich die bemerkung nicht zu unterlassen, dass bei 
ihnen durchaus die rein lautgesetzlichen fortentwickelungen der 
indogermanischen flexionsverhältnisse vorauszusetzen keines- 
wegs vom Standpunkte unserer theorie über das -OT(-m)-per- 
fectum unbedingt erforderlich ist. Es mag z. b. wol sein, 
dass möv-l^ da es den einer indogermanischen 1. sing, des 
mediums zukommenden wurzelablaut der tiefstufe sicher nicht 
haben kann, seinerseits selbst nur eine neuschöpfung ist zu 
mÖceö praes. nach den Verhältnissen sedeö : sedl, vtdeö : vidi ; 
möv-eö praes. selbst, wie mön-eö, und tond-eö, spond-eö und 
wie griech. cpoo-aw, oy-no gebildet, hat ja schon die hoch- 
stufe der in griech. ä-utv-aaod-m^ fut. a-f.av-Gcodai mittelstufig 
vorliegenden wurzel. Aehnlich übrigens verdanken, beiläufig 
bemerkt, auch nur denselben sedeö : sedl, vtdeö : vuU ihr 
dasein die lateinischen perfecta cävt^ fcwl, ex-fcm zu cäveö, 
fäveö, ex-päveö-^ sowie entsprechend meines erachtens für lävi 
und smhi notwendig angenommen werden muss — für scäbi 
trotz des got. sköf ags. scof mhd. srhuop., weil diese germa- 
nische form eben activ- und nicht medialgebilde ist — . dass 
sie den praesentien mit kurzem wurzelvocale lävö lävere, 
scäbö scäbere als neubildungen nach den schematen älteren 
datums wie Icf/I : legö legere, edt : edo edere, em'i : einö emere 
und Tel : icö teere (und weiterhin auch fägi : fügere) an die 
Seite traten, adaequat also, wie sich uns s. 254 f. die im 
älteren latein begegnenden perfecta mit ü von lüere^ nuere^ 
pluere zu bilden schienen und wie wol auch födi zu födiö^ 
födere und ödl zu dem obsolet gewordenen praesens ödio^ infin. 
oc^Fre (vergl.Neue formenl. d. lat. spr. 11- 617) auf die analogie 



— 263 — 

von fügJ : fügiö, fugere und venT : vSniö, vemre^) zurückzu- 
führen sein werden. Es kann ferner auch sein, dass von iiwv-eö 
das alte -/o-particip ^mä-tu-s war nach dem zeuguis des sauskr. 
häma-mv-ta-s von liebe gedrungen' und etwa auch von mä-t-ön- 
m. 'männliches glied' und mä-t-äre'im lateinischen selbst (Curtius 
gruudz. d. griecli. etym. ^ 324, verf. forschuugen im geb. d. 
indog. uomin. stammbild. II 59. morphol. unters. IV 22, Birt 
rhoin. mus. f. philol. n. f. XXXI Y 37, Vanicek etym. wörterb. 
d. lat. spr. - 218, Fick Bezzenbergers beitr. VI 213), dass 
mö-tii-s statt dessen^ und in derselben weise mö-men mö-men- 
ttim neutr., mö-tu-s m., mö-tiö f., mö-tor m., mU-blU-s adj. 
für frühere formen mit *w7-, aufkam durch die stoffliche aus- 
gleichung mit möv-i perf. Aber nichts hindert ja auch, uns 
alle diese neu- und Umbildungen, sowie die etwa ähn- 
lichen für die Systeme der fÖveö^ vÖveö^ Jüvö anzunehmenden, 
in einer so frühen periode der lateinischen spräche voll- 
zogen zu denken, als dieselbe noch kein einziges der später 
so massenhaften perfecta auf -vT (-^w) ausgeprägt hatte. 



*) Oben s. 105 f. hob ich die Schwierigkeiten hervor, welche sich 
einer deiitung des perfectums venl als latein i s cli er neiischöpfung 
nach dem e-typus von sedl, legi oder edl in den weg stellen. Ich über- 
sah dabei die existenz des ffif/l, nach dessen proportionaler analogie 
ja veiil allerdings bei ursprünglich durchaus gleicher praesensbildung 
beider verba im lateinischen neu entstanden sein könnte, aber frei- 
lich doch nicht unbedingt sein muss. 



V. 

ZUM VOCALISMUS DER PERFECTREDUPLICATION. 

Es ist ein in der neueren Sprachwissenschaft jetzt ziem- 
lich allgemein zugestandener satz, dass der vocal der perfect- 
reduplication ursprünglich durchgängig bei allen wurzeln e 
gewesen sei und dass im allgemeinen die europäischen 
sprachen in diesem punkte dem indogermanischen zustande 
näher geblieben sind, als die asiatischen, sanskrit und iranisch. 
Yergl. Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXY3'2 f., Collitz Bezzen- 
bergers beitr. III 211 ff., F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 70 f., 
Brugmann Techmers Internat, zeitschr. I 22. Diese ansieht 
ist im wesentlichen auch durchaus die meinige, wenn ich ihr 
auch einige erst weiter unten bestimmter zu formulierende 
modificationen geben zu müssen glaube. Von dem boden 
der vulgaten theorie aus ist es aber bis jetzt noch nicht 
oder erst zum geringsten teile gelungen, die Störungen und 
abweichungen von der allgemein anerkannten grundsprach- 
lichen regel, welche auf einzelnen Sprachgebieten historisch 
eingetreten sind, einleuchtend zu erklären. Diese lücke aus- 
zufüllen betrachte ich hier als meine zunächst liegende aufgäbe. 

Mit alleiniger ausnähme zweier fälle, sanskr. ha-hhüo-a 
avest. ba-väv-a für %a-wuv-a (verf. morphol. unters. IV 389), 
sanskr. ved. sa-suv-a von 4. su- zeugen, gebären', zeigt sich 
im sanskrit und avesta durchweg im perfect solcher 
wurzeln, die ein i, u (^, v) enthalten, ein i, u als redu- 
plicationsvocal. Ich habe morphol. unters. IV vorw. s. X f. 



— 265 — 

auseinandergesetzt, wie und warum icli diese erscheinung für 
ur- und jjemein-indogGrnianiscli halte bei denjenigen wurzeln, 
die mit dem /'-, u- selbst anlauteten: also bei sanskr. 
i-ijaj-a, i(-cdc-a, u-vdd-a, ii-vdp-a, u-vag-a, u-väs-a, u-vdh-a 
von den wurzeln yaj-^ vac-^ vad-^ vap-, vag-, 5. vas-, vah-, 
trotzdem es eben nur das sanskrit allein von allen indo- 
germanischen sprachen ist, welches diesen brauch noch kennt, 
den in allen übrigen gebieten die uniformierungstendenz aus- 
gewischt hat. Von der analogie der sanskr. i-ijdj-a^ u-vdc-a 
u. s. f. kann es aber meines erachtens auch nur herrühren, 
dass bei den Indern und Iraniern wurzeln, welche ein i, u 
an anderer stelle als im wortanlaut hatten, dieselbe redu- 
plicationsweise obwalten lassen. 

Ich hatte bereits oben s. 131. 132 ff. gelegenheit darzulegen, 
auf welche weise im altindischen gerade die i-ijaj-a, u-vdc-a 
u. s. w. zunächst massgebend wurden für die perfectbildungen 
wie iydy-a, ferner iijesh-a, uvosh-a^ ved. uv6c-a^ von sanskr. i- 
'gehen', ish- 'heischen', usli- 'urere', uc- 'gefallen finden', 
wurzeln also, die indogermanisch in ihrer mittelstufengestalt 
mit vocal e-, a- anlauteten, in ihrer flexion der schwachen 
perfectformen aber mit den wurzeln i/aj-, vac-, vad- u. s. w. 
von alters her zusammentrafen. In anderer manier, nemlich 
durch die association der starkwurzeligen i-ydj-a, u-vdc-a des 
sing. act. mit ausserperfectischen formen derselben wurzeln, 
vornemlich mit solchen des tiefstufigen wurzelvocalismus, 
konnte das /, u als reduplicationsvocal von jenen aus weiter 
dringen, d. i. auch zu wurzeln mit anlautenden consonanten, 
insbesondere geräuschlauten, gelangen. 

Ursprünglich bestand das Verhältnis perf. *^2i-svdp-a : 
partic. ^np-tä-s bei svap- 'schlafen' parallel mit demjenigen 
von VL-väp-a : wp-td-s bei vap- 'hinstreuen, aufwerfen'. Dieses 
letztere war dadurch im vorteil vor jenem, dass u-vdp-a so 
zu sagen besser zu reduphcieren schien: mit u- begannen 
wirklich formen der einfachen nicht reduplicierten wurzel 
y«p-, solche wie eben das particip wp-td-s\ mit *sa- keine 
einzige von svap- 'schlafen'; n-vdp-a hatte für das Sprach- 
gefühl ebenso den anlaut von iij>, wie pa-2?<x^a, SK-sdd-a 
denjenigen von pa^-, sac^-. Also bildete man slL-shvdp-a 



— 266 — 

neu wie VL-väp-a oder übertrug auf das alte *sa-s?'ap-a den 
anlaut der participform Sllp-td-s. Die wurzeln vi/ac- 'in sich 
fassen, aufnohmeu, vi/adh- 'durchbohreu, durchstechen bildeten 
ihren precativ und ihr passivum ganz wie i/aj- verehren, 
opfern': vic-;//«-/., \\dh-ya-te wie \yya-t^ ij-tja-te. Daher 
sagte man aucii x\-vi/äc-a, Yl-vi/ädh-a pcrf. wie \-yaj-a. Eben- 
falls wegen \-ydj-a neben ish-tä-s partic, blieb ein ''^ca-Jcäy-a 
neben ci-td-s, *yd-yäy-a neben ji-^a-s, *mii-iiidy-(( neben mi- 
-tä-S; ^HR-säy-a neben si-td-s, wegen der ii-vdc-a, ii-vdp-a 
neben nk-td-s^ iip-tä-s ein '^'SR-sdv-a neben sn-td-s. *ja-My-a 
neben hu-^rt-s nicht mehr statthaft; daher vA-My-a 'hat unter- 
schieden, wahrgenommen', ]i-gdy-a hat gesiegt, gewonnen', 
mi-mäy-a hat gemindert', si-shdy-a 'hat gebunden, um- 
schlungen', sil-shdv-a 'hat ausgepresst, gekeltert', in-häv-a 
'hat angerufen'. 

Mit dieser ersten schiebt der neubildungen war weiterem 
Umsichgreifen der -i-, -u- in der reduplicationssilbe des per- 
fects tür und tor geöffnet. 

Sagte man einmal ci-käy-a und su-shäv-a, so Hessen 
auch gi-rrdy-a und ru-erdi^-a, su-srdv-a nicht mehr lange auf 
sich warten, obgleich man mit dieser Umbildung der alten 
^^'ü-cräy-cif *ca-cräv-a, *sa-sräv-a ja nicht gerade den vollen 
anlaut von cri-td-s, cru-td-s^ sru-td-s erzielte. 

Eine besonders folgenreiche wirkung hatte es aber 
auch, dass man in den Systemen der neuen su-slivap-a, vi- 
-vyäc-a^ ci-käy-a, su-shdv-a die neue reduplication auch auf 
die formen des schwachen perfectstammes ausdehnte: su- 
-shiip-ni: vi-oic-atur^ ci-ky-ür, sn-sJm-md. Darin konnten ja 
die alten muster i-ydj-a^ u-vdc-a mit ihren schwachwurzeligen 
formen y'-atiir IJ-e tj-ire^ iic-imd nc-ür nicht tonangebend 
sein. Durch vi-vic-atnr, su-shup-ur war nun auch die existenz 
des ganzen heeres solcher formen wie ri-ric-äthur ri-ric-4, 
sl-shic-ur si-shic-e, hi-hhid-e hi-hkid-vdms- und tu-fud-ima tu- 
-tud-e, hirhudh-e hu-hudh-ire gegeben, die ihrerseits die neue 
reduplicationsweise unmittelbar weiter an ri-rec-a, si-shec-a, 
bi-bhed-a und tu-tod-a, bu-bodh-a im sing. act. vermittelten. 
Denn in der gestaltung der tiefstufigen formen gingen ja die 
wurzeln wie sanskr. rec-, sec-, bhed-, tod-, bodh- mit vyac-j 



- 267 — 

vyadh-^ svap- übcvcall auch ausserhalb des perfects zusammen, 
weswegen bekanntlicli auch die so leicht erfolgenden reihen- 
vertauschungen bei sanskr. vi-vee-a statt und neben vi-vi/uc-a., 
bei anord. saw^ mhd. so^<c perf. von indog. suek'^- (Petersb. 
wörterb. VI 1430, verf. morphol. unters. lY 80 f. Paul- 
Braune's beitr. VIII 280); hatte vi-vidh-ur den vollen anlaut 
von vkldhä-s partic, so schien auch den *ba-bndh-ür, *ba-budJi-e 
(vergl. griech. Ti^-nvG-f.iai) derjenige von buddJtd-s zu gebühren. 

Die also geschilderte einsetzung des «, u für a = indog. e 
in der reduplicationssilbe war kein speciell sanskritischer neu- 
schöpfungsact, sondern ein solcher der gemeinsamen indo- 
iranischen Spracheinheit. Das erkannte auch schon Collitz 
Bezzenbergers beitr. III 213. Die beispiele avestischer per- 
fectformen aus „i- und w-wurzeln" wie di-dhaij-a^ pi-py-usMm, 
bi-wl-väo ^ di-dvaC'sh-a di-dvtsh-nia , su-sru-ma u. a. zählt 
Bartholomae altiran. verb. §§ 124 ff. s. 89 f. (vergl. auch 
desselben handb. d. altiran. dial. § 323 s. 142) auf. Es 
deutet wol auf so frühen Ursprung auch die cerebralisierung 
von wurzelanlautendem s nach i, u hin in den sanskr. su- 
-shväp-a^ su-shäv-a, si-shdij-a^ si-shniy-e^ sl-shec-a ; denn der 
eintritt dieses lautvorganges geschah ja in jener grundsprach- 
lichen Periode, vergl. oben s. 21 f. Freilich finden sich auch 
sanskritische formen wie si-sic-atur si-sic-ur si-sic-e selbst in 
der älteren spräche, wie su-säv-a von 4. su- und nebenform 
des sa-süv-a (Peterb. wörterb. VII 979. 1022, Whitney ind. 
gramm. § 181 c. s. 62), aber die werden doch wol nur erst 
wieder neubildungen der sanskritsprache durch analogische 
einsetzung des unversehrten wurzelanlautes von sie-, su- sein. 
Sanskr. su-sräv-a ist lautgesetzlich gerechtfertigt, da ein fol- 
gendes r als im sanskrit selbst cerebral (Whitney ind. gramm. 
§ 52 8. 18) bekanntlich die cerebralisierung des s durch i, u 
dissimilandi causa unterbleiben oder auch wieder aufheben 
lässt, , wie in tisräs, usrä-, tämisrä u. a. (Whitney a. a. o. 
§ 181 a. s. 62). 

Wenn also die iranische spräche solche alte reduplications- 
bildungen wie das sanskr. i-yä')-a, u-väc-a nicht mehr kennt, 
sondern da nur noch avest. va-vac-a bietet gleich dem jüngeren 
ved. va-väc-a vgv. I 67; 8 des sanskrit selber (morphol. 



- 268 - 

unters. IV vorw. s. XI. oben s. 136 f.), so hat sie in ihren 
dl-dliay-a, su-sru-ma die Wirkungen einer Ursache, die selbst 
dahin geschwunden ist, und würde ihrerseits aus sich heraus. 
ohne beihilfe des altindischen, eine handhabe zur erklärung 
der /, u in der reduplicationssilbe nicht dargereicht haben. 
Mit Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 32 f., wenn 
derselbe, wie ebenso Collitz Bezzenbergers beitr. III 212 f.; 
urteilt, „dass die europäische reduplication mit e bei allen 
wurzeln die ursprüngliche ist und die arischen i, u erst durch 
assimilatiou an die Wurzelsilbe der schwachen perfectformen 
zu stände gekommen ist," vermag ich nur im ersten teile 
dieser behauptung völlig übereinzustimmen. Von einer laut- 
mechanischen „assimilation" des *ba-bhid-, %a-hmlh- zu 
sanskr. hi-hhid-^ bu-budh- — denn eine solche meinen doch 
wol Schmidt und Collitz — kann nicht die rede sein; sehr 
wol von einer durch associative processe erstrebten und er- 
reichten. Ich sehe auch nicht, was in Schmidts argumentationen 
eigentlich folgende bemerkung beweisen soll : „Es gibt noch 
eine indische doppelform, welche notwendig auf a als redu- 
plicationsvocal führt. Vedisch liegen neben einander cicyushe 
und cucijnve. Da weder / sieh folgendem u^ noch u sich 
folgendem ij. l assimiliert, können ckijn- und cucyu- nur ver- 
schiedene assimilationeu von ^cacyii- sein." Vergl. auch Schmidt 
a. a. 0. 74. Ist etwa die Schwierigkeit gehoben, wenn man 
an die stelle des einen undenkbaren ein anderes ebenso un- 
denkbares, zwei „verschiedene assimilationeu" von dem einen 
*ca-cyu-, setzt? In unserer anschauungsweise nimmt sich 
dieser eine fall etwa folgendermassen aus. Ursprünglich 
bestanden natürlich nur *ca-cyäD-a und *ea-cyuv-e, *ca-cyu-slie. 
Alle drei formen wurden durch dieselben in indo-iranischer 
zeit wirkenden analogieprocesse zu '^cu-cydv-a, cii-cyuv-e, *cu- 
-cyu-sM, durch welche *ca-crä-va, *ra-rru-mä, *ca-gruv-e in 
sanskr. gu-gräv-a, ru-cru-ma ■= avest. su-sru-ma, sanskr. gu- 
-gruv-e übergingen. Xun bemerken wir ferner, dass der ein- 
fluss der ganz alten form i-yäj-a und der frühzeitig nach ihr 
gebildeten vi-vyäc-a^ vl-vyädJi-a im speciellen leben des sans- 
krit eine weitere Wirkung hat: nach diesen perfectbildungen 
aus yaj-, injac-^ vyadh- schuf man auch ved. ti-tyäj-a rgv. 



— 269 - 

X 71, G von tyaj-^ si-shyand-a nebst si-shyad-ür si-shyad-e 
von syaiid-', die eigentlichen bildungen dieser wurzeln^ ta- 
-tyaj-a, sa-syand-e (vergl. Petersb. wörterb. 111408. VII lo94), 
wurden aber niemals völlig verdrängt. Ueberlieferungen aus 
arischer zeit können solche ti-tyäj-a, si-sJtycoid-a darum nicht 
sein, weil zu einem so frühen Zustandekommen derselben die 
existenz tiefstufiger wurzelformen mit i, also *fy-, *s«/-, er- 
forderlich gewesen wäre, die wir als das hauptageus zum 
wirksamwerden der formassociation erkannton. Ein *sid- 
fehlt notwendig, weil eben nasaliertes syand- die nicht redu- 
cierte wurzel, syad- also deren tiefstufenform ist; und von 
einem *ti^'- verlautet wol deshalb nichts — überlieferte tief- 
stufenbildungen sind u. a. tyak-ta-s partic, tyak-tod absol., 
tyaj-ya-te pass., ta-tyaj-e perf. med. — , weil die wurzel indog. 
tjeg^- mit / spirans, nicht tieg^- mit i consonans, war, 
vergl. oben s. 173 f. anm. Ganz wie die ti-tyäj-a, si-shyand-a 
mochte nun nach denselben mustern vi-vyäc-a, vi-vyädh-a 
sich auch ein sanskr. '^'ci-cyäc-a von cyao-, praes. cydv-a-te 
neu formen: man abstrahierte gleichsam die bildungsregel, 
dass wurzeln mit consonant y im anlaute / als vocal der 
reduplication zu setzen hätten, wie ja auch su-shvdp-a bei 
SV- -u- vorhergehen Hess. Das *ci-cyäv-a, als concurrent des 
älteren *cM-cyäv-a erstehend, erstreckte dann leicht seinen 
einfluss auf die zu dem letzteren gehörigen schwachwurzeligen 
perfectformen, also dass man promiscue *ei-cyuv-S und cn- 
-cyuv-e, ci-cyn-she und *cu-cyu-ske zu sagen anfing. 

Schmidt a. a. o. erwähnt auch noch als zeugen für 
seine assimilationstheorie : ^tatära : titirus ^ titiroänisas; 
tastära : tistire, tisfirdtid du."' Diese erscheinungen bekunden 
nur ebenfalls wieder die über den gemeinsamen indo-iranischen 
sprachzustand weiter hinausstrebende nivellierungstendenz des 
altindischen. Sagte man nach der nun einmal aus vor- 
sanskritischer zeit überkommenen bildungsweise vi-vic-ur 
neben vic-d-ti praes., warum sollte man nicht auch ti-tir-nr, 
ti-stir-e von den in tir-d-ti praes., in ved. npa-stir-e dat. infin. 
empfundenen pseudo-„i-wurzeln" sich gestatten? Neben ti- 
stir-e liegt ebenfalls vedisches ta-stir-e, was als die ältere 
bildung: betrachtet werden muss. Yon sanskr. div- eiu di-div- 



— 270 — 

-nsh-, vou (li/u- ein du-dyü-väms- als partic. perf, act., ob- 
gleich ja div- und dyü- nur verschiedene phasen einer und 
derselben wurzel sind; vergl. verf. morphol. unters. IV 319. 

Indo-iran. i und m, als perfectreduphcationsvocale ein- 
mal üblich geworden , nahmen ferner auch leicht an den 
Schwankungen der quantität teil, welchen die nemlichen 
vocale in der pr aesensreduplication von uralter zeit her 
unterworfen waren (vergl. oben s. 56). Also existieren 
auch mit «, ü : sanskr. ved. dl-däij-a dt-de-tha. dl-dhi-ma 
di-dhi/-ur, pl-päy-a pi-pe-fha, hl-hliäy-a, nü-mäy-a. jii-jm:-nr 
jü-jii-väms-. cü-cuv-ur gü-guv-c' gü-cu-yä-ma cii-QU-väms-, avest. 
vi-vaedh-o, iri-rith-are irl-rith-ushhu, tü-tav-a tü-tu-ydo^ tirfi- 
-raodh-a urü-raos-t urfi-rudh-iisha. Dass sich etwa sanskr. 
pl-päy-a^ jü-juv-nr in rücksicht auf die reduplicationslosen 
tiefstufenformen mit ?, 1% wegen p2-td-s, jü-tä-s u. dergl. in 
der stricten proportionalen analogie Ish-ül-s üp-td-s : ^-yäj-a 
u-väp-a = pt-tä-s jn-tä-s : pi-päy-a *jü-jäv-a^ gebildet hätten, 
werden wir weniger anzunehmen haben. 

Der einzige dunkler bleibende punkt wäre die sich er- 
hebende frage: warum, ans welchem individuellen gründe 
vermochten sich die sanskr. ha-hlmo-a avest. ba-väv-a, sanskr. 
ved. sa-süv-a , diese „ersten" oder besser jetzt „letzten 
regungen" des im griechischen allgemein herrschenden princips 
(Lassen ind. biblioth. III 93, Delbrück altind. verb. § 151 s. 127, 
Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXY 32, Collitz Bezzenbergers 
beitr. III 213, Curtius verb. d. griech. spr. II- 142), der all- 
gemeinen Sprachströmung zu entziehen, so dass das erstere 
in alter weise wie griech. n^-rfv-aai, umbr. fe-fu-re fut. 
exact. rodupliciert blieb? Ich wüsste zur autwort nichts als 
die allerdings nur unsichere Vermutung, dass dies bei ha-hliüv-a, 
ha-vdv-a geschah, weil es immer das allerhäufigst gebrauchte 
perfectum war und darum ihm die öfter hervorgehobene 
grössere „Intensität der gedächtnismässigen einprägung" (Paul 
in seinen beitr. IV 329. princip. d. sprachgesch. 107. 110 f., 
O. Behaghel Germania XXIII 279, verf. morphol. unters. 
II 63) zum schütze gereichte. Aber sa-siw-a? Es müsste 
nur eine sanskritische neubildung speciell nach ha-hlmv-a sein, 
für welche annähme man sich ja auf vielfachen formalen 



— 271 — 

parallelismus in der vcMbalcn flexion von hliu- und 4. su- 
{sii-^ — sil-tä-s, sn-tvä, saintd wie hhü-td-s^ bhn-tvä^ hhavitd 
— berufen könnte, ferner auf das semasiologische moment 
entschiedener bedeutungsnähe zwischen ha-hlmv-a 'ist ent- 
standen, ist geworden' und sa-suv-a 'hat geboren, hat er- 
zeugt'. Man vergleiche die Umformung von ^yavi^uOui in 
yev'eodui noch rs/taifai auf grund formaler und begrifflicher 
berührung der beiden verba, nach verf. Paul-ßraune's beitr. 
VIII 304 f. anm. 

Fast handgreiflicher noch als beim indo-iranischen lässt 
im lateinischen sich die ganz entsprechende art und weise 
des eintritts anderer reduplicationsvocale für das indog. e 
dartun. Denn erstens kommt hier ein weit beschränkteres, 
daher übersichtlicheres formen material in bctracht. Zweitens 
geht jener piocess noch so zu sagen unter unseren äugen 
vor sich, wenn selbst noch in dem ganzen Zeiträume von 
Plautus bis auf Cicero und Caesar „manche im lateinischen 
nach der weise des griechischen in der reduplicationssilbe 
ohne rücksicht auf den stammvocal ein e anwandten" und 
darnach erst die bekannten me-niordl, spe-pondl, pe-poscJ^ pe- 
-pugt, ce-curri in entschiedenen abusus kamen. Vergl. die 
nachweise Neues formenl. d. lat. spr. II'- 464 f. im anschlusse 
an die Überlieferungen bei Gellius VI (VII) 9 und Nouius p. 140. 

Der anstoss der ganzen bewegung ging meines erachtens 
von den zwei einzigen pe-peiidJ, te-tendi aus. Als muster- 
exemplare unter den nach indogermanischem princip redu- 
plicierten lateinischen perfecta konnten diese dem Sprach- 
gefühl darum gelten, weil sie, wie ich mich oben ausdrückte, 
am besten zu reduplicieren, wirklich den vollen anlaut der 
Wurzel, sowol wie dieselbe im perfect selbst als besonders auch 
ausserhalb dieses tompus auftrat, behufs der reduplicatiou zu 
setzen schienen. Nach dem vorbilde denn von pewf/ö {'pendeö) : 
pe-pewc^r, tendö : te-tendi: bildete man die neuen verliältnisse 
mordeü : mo-mordi, tondeö : to-tondi, S])Ondeö : spo-powrfr, 
poscö ; po-poscT", (Wscü : di-dia, scindö : S(ii-cid7, pii;///(J ; 
pu-pU(/7, tiindo : tu-tilrf7, cnrrö : cil-ClirrZ^. 

Wie genau man das princip inne hielt und strict nur 
dasjenige umbildete, was sich nach den massgebenden Schemen 



— 272 — 

^endö (j^endeö) : ^;e-pe>«f//, tenc^ö ; te-tendi iu dieser weise 
umbilden Hess, zeigt klar der umstand : es unterbleibt die 
associative herübernahme des echten vollen wurzclanlautes in 
die perfectreduplication überall da, wo nach den gesetzen sei 
es der lateinischen vocalschwächung sei es auch des indo- 
germanischen ablautsystemes der vvurzelsilbenvocal im per- 
fectum abweichend von dem im praesens oder überhaupt in 
allen nicht reduplicierten verbalformen geworden ist. Auf die 
reduplication der pc-pig~t, te-tigt^ ce-cidJ, ce-cim^ pe-per7, pe-perci^ 
fe-felVi, ce-cldi hat sich der einfluss des vollen anlauts sou ixingö^ 
tangö^ cadö, canö, pariö^ parcö, fallö, caedo nicht erstrecken 
können; wäre *pe-pägt erhalten geblieben, so ist durchaus zu 
vermuten, dass daraus die cinwirkung von Jinngö ebenso ein 
^pa-pa^?" gemacht hätte, wie sich pe-piigJ mit rücksicht auf 
^nngö zu pil-pUf/T" entwickelte. Ä.ucli pe-pult und altlat. 
te-tidJ^ te-tinJ (Neue formenl. d. lat. spr. II ^ 463 f.) zeigen, 
dass nicht „assimilation" des reduplicationsvocals an den 
nachfolgenden der Stammsilbe schlechthin , von der Collitz 
Bezzenbergers beitr. III 212 und neuerdings F. Stolz z. lat. 
verbal-flex. I 70 f. ebenso für das lateinische redeten wie sie 
Joh. Schmidt für das indo-irauische behauptete, im spiele 
war: einzig wegen der existenz der pellö^ tollö^ teneö mit 
anderen wurzelvocalen als m, i kam es nicht zur ausprägung 
von *pu-ptdit *tu-hiU, Hl-tim. 

Welcher art und herkunft die im falle ihrer Über- 
einstimmung auf die reduplicationssilbe wirkenden wurzel- 
vocale des praesens und des perfects waren, ist der lateinischen 
spräche bei dem in rede stehenden associativen umformungs- 
processe ganz gleichgiltig gewesen. Stolz a.a. o. hat darin durch- 
aus recht, dass er meint, die herleitung des lat. discö von einer 
nicht-/-wurzel, derselben welche doceU aufweise, scheitere nicht 
daran, dass das perfectum di-dic-1 statt ^de-dic-J laute. Aehnlich 
über die reduplication di- bei niclit ursprünghchem wurzel-^' 
von di-dic-t, „wie aus doceo erhellt", auch schon Bugge altital. 
stud.31. Das danebenbestehen von discö praes., aus *di-dc-scö 
mit praesensreduplication wie das wurzelverwandte griech. 
di-öä{yi)-ay.M, entschuldigt di-dic-1 vollauf, aucli wenn das / 
von jenem ein genetisch völlig anderes war als das zweite i 



- 273 - 

in dei' perfoctforni. Wenn Stolz obend. anm. 2- aiu-li beti-effs 
Gellius VI (VII) 0, 15 richtig bemerken sollte, dass der zu- 
samtnenliang der stelle eher auf ein sceclderat deute als auf 
sciciderat^ welches ich Faul-Braune's beitr. VIII 541 nach 
Lachmann und Martin Hertz angenommen, so wäre mit sce- 
-cidJ den altlateinischen von der ausgleichung noch nicht 
betroffenen beispiclen pe-piigJ, me-mordl u. s. w. nur ein 
weiteres neues, wie ja auch Stolz will, hinzugefügt. 

Kaum eine Schwierigkeit macht auch lat. pe-pl'dJ Horat. 
sat. I 8. 46 von pedö 'farze'. Die etymologie hat neuerdings 
Fick Bezzenbergers beitr. VII 270 aufgeklärt und als wurzel 
pesd- in slov. pezdeti, \d&mv\Xii?,. pezditij 'pedere' gefunden.') 
Ein anscheinend nach unserer thoorie zu erwartendes *pr-pedJ 
wird man freilich nicht gerade unter berufung auf die alte grund- 
forni *pe-pezdJ abweisen wollen: zu tlor zeit. -Ah pu-pu(jJ für pe- 
-pu(ß eintrat, bestand wol pcdö längst nicht mehr als "^'pezdö. 
Doch mochte die spräche von der Substitution emos^pi-pedi für 
pe-pedT wol darum absehen, weil es ihr auch bei der schöpfung 
Aev pu-pugJ, uio-wordl mehr \\\xv auf qualitative gleichlieit 
des reduplications- mit dem wurzelvocale ankam, als gerade 
auch auf quantitative. In dem falle genügte aber die bei- 
behaltung des alten pe-pedT. 

Noch ein anderes moment kann secundär in der latei- 
nischen Sprachgeschichte mitbestimmend eingegriffen haben. 
In compositen ging auch das reduplications-e, den haupt- 
ton verlierend, regulär lateinisch in i über, also z. b. bei 
ad-didt, e-didl, red-didJ u. dergl. neben dedt. Wenn man 

^j iVlhd. nlid. ßst aber, das Fick aucli hinzuzieht, macht Schwierig- 
keiten, da auch germanische Wörter dos gleichen Stammes mii 7, anord. 
//S(^ mhd. tnsen-i sicli finden; vcrgl. Kluge etym. würterb. il. deutsch. 
spr. 80 ^ Aber griech. ßS-no scheint mir nunmehr zu derselben wurzel 
pesd- mit ped-ö gezogen werden zu können; es hat schwächsten tief- 
stufenablaut : ß5- aus *ßzd- = indog. psd-. Vergl. auch kleiiiruss. 
bzditg, aus welchem nach Fick lit. bezdetl entlehnt ist. Es gibt, bei- 
läufig bemerkt, also doch, was Pauli etrusk. forsch, u. stud. III 44 nicht 
erwartete, leute, welche wogen ]nt. pedö nicht „von stricter anwondung 
der lautgcsetzo abstand nehmen" und es sich in der tat „einfallen" 
lassen, „lat. pcdo von sanskr. pdrde, griech. n>-'QSuuat, lit. perdzit, bölun. 
2>rdiit ahd- ßrzii zu trennen," weil „sonst im lateinischen r vor d nicht 
ausfüllt." 

Ostliol'f, zur gcschiclile i\. porl'eots i. indügermauisclicn. 18 



— 274 — 

nun -stitl aus den compositen verselbständigte nach verf, 
morpliol. unters. IV 3 anm. 392 (vergl. auch F. Stolz z. lat. 
verbal-flex. I 3 anm. 2), so stellte sich dieses anstatt stett mit 
gutem fug gerade zu dem praesens mit i sistö, als dessen 
eigentliches perfect gerade stitl ja auch vielen der alten und 
neuern galt (Neue formenl. d. lat. spr. II'-' 46()flF.!. Ebenso 
mag hibJ aus *he-hi (vergl. griech. nh-nro-xa^ jib-no-rai. sanskr. 
pa-paii) zunächst nur in den Zusammensetzungen co»i-; e-, 
im-, per-hihi zu hause gewesen sein. Die selbständig ge- 
wordenen sti-tT, hi-hi in ihrem Verhältnisse zu den praesentien 
sistö^ hihü mit gleichem stammvocale vermochten dann wol 
aber jene jje-^yendl, te-tencU in ihrer Wirkung auf die me-mordJ, 
pe-pug'i und genossen zu unterstützen. 

Ein, wie es scheint, sicheres beispiel des jüngeren den 
wurzelvocal statt des indog. e in der perfectreduplication 
setzenden Verfahrens kennt auch das oskische : fi-fikusfut. 
exact. auf der exsecrationsinschrift der Yibia, „jedesfalls," wie 
Stolz z. lat. verbal-flex. I 71 anm. bemerkt, „richtiger von 
Rücheier rhein, mus. XXXIII 27 = defixeris gecleutet, als 
von Bugge altit. stud. 31," gleicht im lateinischen am meisten 
den sci-cidT^ di-dicT. Vom oskischen wird ähnliches gelten 
gegenüber dem latein, wie vom altiranischen im entsprechenden 
falle gegenüber dem sanskrit (vergl. s. 267 f.): die novm- 
angebenden perfectformeu lat. pe-pendl^ te-tendl oder ihnen 
ähnliche werden auch der Samnitersprache nicht gefehlt haben. 
Nur der eine unterschied würde docli wol zu machen sein : 
in Asien augenscheinlich nur grundsprachlichen Ursprunges, 
gemein-arisch, dürfte dieselbe erscheinung in Italien ihrem 
alter nach kaum hinter das einzelleben der dialekte zurück- 
datiert werden. Denn erstens seilen wir ja auf lateinischem 
boden das jüngere princip der mo-mordl, pn-pugT erst in so 
relativ später und hell erleuchteter historischer zeit der spräche 
sich regen und mit dem älteren der e-formen kämpfen. So- 
dann können die pe-pendi, te-tendl ihre Wirkung im latei- 
nischen nachweislich nicht vor dem Vollzug der nur speeiell 
lateinischen vocalschwächungen kurzer nicht haupttoniger 
vocale (vergl. s. 163. 164) geübt haben; anderenfalls 
würden doch wol sicher formen von a-wurzeln wie lat. 



- 275 — 

^'pci-jpi(j7, *ta-ti(/J. *ca-cid7 hcgogüen als die historischen refiexe 
der in vorlateinischer periode neu gebildeten *iJ((-pc(f/7^ *ta- 
-tagl, *ca-cadi und der systematische connex derselben mit 
paiigö, tangö, cadü hätte wol auch immer seine schützende 
band über solche *pa-pig7, *ta-tkj7^ *ca-cidi gehalten. Die 
Übereinstimmung des osk. fi-fikus mit der reduplications- 
weise von lat. sci-cid7, di-div7 muss folglich bis zu gewissem 
grade für eine ebenso zufällige gehalten werden, wie der 
einklang von Latein und sanskrit in dem in- bei tu-tndimus 
= tu-tudima sicher ein zufällig entstandener ist. 

Auch das umbrische führt auf eben diese schlnss- 
folgerungen. Es erkennt sicher in seinen formen des futurum 
e\a.Qt\\m de-rsk-iist 'dixerit' de-rsic-iirent dixerint', fe-fu-re 
'fuerint', pe-purk-urent 'poposcerint' nicht die jüngere weise 
von lat. sH-cidi^ pu-pugT an; vergl. auch Schmidt Kuhns 
zeitschr. XXY 33. 73. Dem gegenüber kommt das von 
Bücheier = lat. sf^YenY gesetzte um br, stiti opt. perf. (vergl. 
s. 234. 240. 243) kaum in betracht als ein zeugnis für den 
anderen jüngeren modus. So wie lat. st'd7 nach unserer an- 
sieht könnte überdies umbr. stiti nicht zu seinem / ge- 
kommen sein, da in derselben läge 'in compositis, wo das 
latein -stlt7 aus siett entwickelte; das umbrische den betreffen- 
den kurzen vocal ganz zu synkopieren hatte (s. 235 f.). Es 
mag, wenn überhaupt Büchelers deutung die richtige ist. der 
vocalwechsel von umbr. stiti und steteies 'steterint' mit 
dem freilich selbst noch nicht aufgeklärten, aber nicht ab- 
leugnenden schwanken zwischen i und e in der praesens- 
reduplication der wurzeln indog. sthä-, do-, dhc- u. a. 
zusammenhangen, an dem ja gerade auch das umbrische 
seinen erheblichen anteil nimmt: sanskr. ti-shthdnil avest. 
hi-sJitaitl apers. a-'i-shtatä griech. "l-aräßi lat. si-stö und umbr. 
sistu 'sistito' tab. Iguv. III 8 (von Bücheier freilich ab- 
weichend und mir nicht einleuchtend interpret. tabularum 
Iguv. III et IV Bonner universitätsprogr. 1880 s. 4. lex. 
Ital. XXIY'' = lat. s7ditö gestellt), aber umbr. sestu seste; 
griech. di-Ö(oai osk. di-dest umbr. di-rsa di-rsans di-rstn 
paelign. di-det dat' di-da 'det' (Bücheier lex. Ital. VI'')? aber 
sanskr. dn-ddtni avest. da-dhumi apers. da-dätiw und dazu 

18* 



— 276 - 

unibr, te-(1a de-rsa tc-(ttu; griech. ri-ö?]f(i, aber sanskr. 
dä-dhämi avest. da-dhCäü apers, a-da-da abulg. de-~dq lit. 
de-dh u. dergl. mehr. Yergl. Job. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 74 f. Analog dem schwanken im praesens wird das 
umbrische ein ebensolches im reduplicierten perfect derselben 
wurzeln haben eintreten lassen, aber nicht nur bei stä-^ sondern 
auch bei dö- 'geben gemäss der überUeferteu doppelheit di- 
-rsiist 'dederit' fut. exact. tab. Iguv. VII a 43 = te-dust 
tab. Iguv. Ib 34, de -de 'dedit'. So fände der reduplications- 
vocalismus von umbr. stiti seine individuelle erklärung und 
hätte mit demjenigen von lat. stitt genetisch nichts zu schaffen. 

Im gotischen ist, seitdem man, namentlich nach 
Scherers vorgange z. gesch. d. deutsch, spr. ^ 11 (vergl. 
2. ausg. s. 279), das tn der peifectreduplicationssilbe als ai 
-= indog. e aufzufassen sich gewöhnt hat, nur das auffallend 
geblieben, dass nicht in den meisten fällen vielmehr got. i, 
der normale Vertreter von indog. e, erscheint. Die lösung 
des Problems ist angebahnt durch Kluge german. conjug. 89 
anm.* Die von ihm statuierte analogiewirkung bedarf nur 
noch einer eingehenderen psychologischen motivierung, um 
gegen einwände wie die von Job. Schmidt auzeig. f. deutsch, 
altert. VI 122 gemachten sicher gestellt zu sein. 

„Berechtigt und gesetzmässig ist/' wie Kluge bemerkt, 
als sogenannte gotische „brechung" von i vor h und r „das 
cd Yonhaihald, ha/häh/haihaif, hivmhivöp. \haihlaup\rairöp^ 
natürhch auch von einigen, die in unseren texten nicht vor- 
kommen, wie rairö ruderte, JutildO brüllte, haihaggiv hieb, 
htraihu-ös hustete." Von diesen aus lässt Kluge „den 
systemzwang mit notwcndigkeit wirken" und das ai allen 
übrigen mitgeteilt werden. Nach Joh. Schmidt a. a. o. soll 
schon Aufrecht zeitschr. f. vergleich, sprachf. I 475 vor Kluge 
diese selbe erklärung aufgestellt haben. Ich vermag aber 
aus Aufrechts Worten : „Wenn das gotische den kurzen 
e-laut vor A und r entwickelt hat, konnte dies gelegentlich 
wol auch an andern stellen eintreten" nichts anderes herauszu- 
lesen, als dass Aufrecht in w^eiterem umfange, als allein vor 
Ji und r, eine lautgesetzliche gotische entwickelung von ai 
anerkannt wissen wollte, kann mithin diesem gelehrten nur 



— 277 — 

das verdienst einrcäumen, das ihm auch Kluge selbst germ. 
conjug. 71 untei" ausdrücklicher citierung der botreffenden 
stelle lässt, nenilich dass Aufrecht überhaupt die geltung dos 
gotischen reduplicationsvocales als ai im gogensatze zu der 
diphthongischen auffassung Jak. Grimms, und zwar neben 
anderen gelehrten (Ettmüller, Gislason) beträchtliche zeit vor 
Scherer, vertreten habe. 

Erwägt man den zustand, wo alle reduplicierenden 
perfecta im gotischen strict lautgesetzlicli in ihrer ersten 
silbe das indog. e entwickelt hatten, die einen als al vor r 
und /(, die meisten als /, so wird man finden, dass in keinem 
einzigen falle qualitative Übereinstimmung des reduplications- 
vocales mit dem wurzelvocale des praesensstammes hervor- 
trat mit alleiniger ausnähme von rai-röp d. i. re-röp 
zu red-an. In diesem falle herrschte nun gerade die brechung 
cä. Das rat-ruj) trat durch solchen umstand für die gotische 
spräche in die günstige läge, welche die i-yäj-o., u-vdc-a im 
Sanskrit, pe-pendl, te-tendl im latein erlangten ; am ähnlichsten 
ist äusserlich dem Verhältnis red-a : re-röp das lateinische 
pcd-ö : pe-pedJ (s. 273). 

Ich denke mir nun. dass rai-rop alsdann unmittelbar 
die ihm zunächst stehende gruppe der anderen verba des 
gleichen ablauts P- : ö beeinflusste: man sagte nach ihm auch 
gai-gröt, Jcu-löf, tai-tök, %ai-hlös statt *gl-gröt u. s. w., da- 
mit gret-an, Ict-an., ti'k-an, hles-an ebenso vollkommen rodu- 
plicierten, den normalvocal des verbums, als welcher der im 
praesensstamme galt, auch wirklich durch die reduplication 
andeuteten, wie es rai-rop tat oder zu tun schien. Die 
saian^ laiau, oaian hatten zwar nicht mehr im verbum selbst 
got. e, doch trat dies wol in nominalbildungen, bei saian ja 
nachweislich, noch hervor; also wegen (mana-)se-J)-s 'saat' und 
*se-ma m. oder *se-mö n. 'samen' (== alts. ahd. sdmo m.) 
wurde auch die neubildung sai-so (se-sö) statt *si-sö be- 
günstigt. Vollends musste slep-an mitgehen als solches, das 
den e-vocalismus ja auch im perfect selbst kannte; daher 
auch sai-zUp {sai-slep) für *si-2lep. 

Davon aber war die weitere folge die, dass fortan auch 
die übrigen n)it lautgesetzlich entwickelter brechung cü einen 



— 278 — 

halt und nach und nacli ein übergewicht innerhalb ihrer 
betreffenden engeren gruppen erlangten: nach hwai-hivöp 
bildete man *bai-blöty fai-ßök (zu *ßOkan ), nach Itai-lmit die 
a'i-ail-, fai-frais, lal-laik, mai-mait, skai-skaid, nach *hai-Jilaup 
die a'i-auk, *bai-bau, *bai-bnau, *stai-staut^ nach Jiai-hald die 
*ai-alp, fai-falp, *sa(-saU, stai-stald, *ivai-wald und *bai- 
•bland, "^pat-pragy, *stai-stag(j^ nach hai-häh endlich fai-f ah. 

Was besagen nun im ernste die zweifei Joh. Schmidts 
anzoig. f. deutsch, altert. YI 122? "Vor allem nichts die be- 
merkung: „warum heisst es denn nicht aucli %aHimi nach 
taihum?"' Das heisst doch wol verlangen, dass zwei dinge 
von sonst sehr disparater art wegen Übereinstimmung in einem 
rein äusserlichen punkte durchweg den nendichen existenz- 
bedingungen unterworfen sein sollen. Und das zahlenver- 
hältnis 30 (nach Schmidts und anderer Zählung, genauer 28, 
da gaggan wegen khlja praet. nicht in betracht kommt und 
auch plailiaii als redupliciereudes verb bei der schwachen 
conjugation des ahd. flehan mindestens fraglich ist) zu nur 6 
mit berechtigtem al? Eine seite weiter wird von Schmidt 
gegen eine andere erklärung Kluges german. conjug. 101, 
wonach bei einer bestimmten erscheinung des angelsächsischen 
„etwa 25 verba sich nach der analogie von etwa 10 gerichtet 
haben," eingewendet: „werden die leser auch so bescheidene 
anforderungen an eine erklärung stellen?" Es würde ein 
leichtes sein, aus den neuesten arbeiten Schmidts eine blumen- 
iese von beispielen zusammenzustellen, wo dieser gelehrte in 
„bescheideneu anforderungen" an eigene erklärungen, was 
die zahl der ein neues lautgesetz bestätigen sollenden einzel- 
fälle sowie der für eine weitgreifende analogiewirkung an- 
gesetzten wenigen muster anbetrifft, jene harmlosen Wagnisse 
Kluges weit in den schatten stellt. 

Bei dem statuieren einer ausgleichung zu gunsten einer 
minderneit von formen konunt in der tat alles darauf an, 
dass man zeigt, wie das kraftverhältnis sich zu einem günsti- 
geren für die miuderheit gestaltet nicht nur dadurch, dass 
ein häufigerer gebrauch der ihr angehörigen einzelformen, 
sondern auch eine von den sprechenden unbewusst empfundene 
grössere zweckdienlichkeit dieser die höhere zahl der 



— 279 — 

entgegenstehenden gruppe aufwiegt. Gerade bei der redu- 
plication, meine ich, bedarf es so erhebhcli wenig, damit das 
von Paul princip. d. sprachgesch. 63 f. geschiklerte „gefülil 
für die bildungsgesetzo der spräche" wach bleuet oder sich 
immer wieder auffrischt. Der reduplicierende consonant, 
wenn er erhalten bleibt, genügt schon, um die empfindung 
einer beabsichtigten „doppelung" nicht untergehen zu lassen. 
Fügt es sich, dass iigendwo, wenn auch nur in ein paar 
fällen oder gar in einem einzigen, der nachfolgende vocal 
die anzudeutende doppelsetzung des lautgehaltes der wurzel 
oder auch „doppelsetzung des verbalstammes" (nach Curtius 
verb. d. griech. spr. II '-^ 140) unterstützt, so mag daraus 
leicht eine neue norm für viele oder die sämtlichen anderen 
fälle werden. Wie gerade dies princip der morphologischen 
auffrischung vielfach auch auf die consonantischen Verhält- 
nisse der perfect- und sonstigen reduplication von einfluss 
ist, glaube ich neulich Paul-Braune's beitr. VIII 546 ff. an 
den einzelsprachlichen Umbildungen gezeigt zu haben, welche 
der indogermanische reduplicationstypus der mit sÄ'-, st-^ s^)- 
anlautenden wurzeln vielerorts zu erfahren hatte, ferner 
ebend. 557 f. an der gotischen Wiedereinsetzung der inneren 
fortes -/-; -h-, -s- anstatt der nach Yerners gesetz zu er- 
erwartenden leues -b-^ -g-, -z- in solchen perfecten wie fat- 
-falp^ hai-hald, sai-sö. 

An diesem letzteren punkte noch, dass eigentlich die 
von Kluge und uns als rauster für die ausbreitung des ai 
hingestellten got. hai-hald, hai-häh, hai-hait^ hwai-hivöp, *hai- 
-hlaup gar kein inneres -h- und damit auch keine brechung 
al haben sollten, dass es in ganz ursprünglicher weise got. 
*hi-(jald , *]ii-gait lauten müsste w^ie *'un-tvald, *hi-hhmd, 
braucht man sich nachgerade auch nicht zu stossen. Die 
analogische Wiedereinführung des -h- in diesen, wie der -/-; 
-s- in '"^ß-falp^ *si-sö, kann im speciellen gotischen sprach- 
leben ein relativ sehr frühzeitiger neuschöpfungsact gewesen 
sein, so dass wol ein '^'hi-hald vor dem wirken des brechungs- 
gesetzes da sein und mit zu hai-hald gebrochen werden 
konnte. Hier bietet sich dann die passende parallele der 
got. taihmn, taihans dar, als solcher formen für rein laut- 



- 280 — 

gesetzliche Higum., Higans^ welche, wie auch taühnm, taühans, 
ebenfalls die brechung vor nur analogisch wiedergewonnenem 
-h- eingetreten zeigen. 

Geht man vollends ganz in die indogermanische urzeit 
zurück, so dürfte es selbst um die lautgesetzliche berech- 
tigung des hauptmusters got. rai-röp übel stehen. Wie die 
für uralt zu haltenden sanskr. i-gdj-a, u-väc-a normal indog. 
{i)i-i6g^-e, {u)ii-uök--e vertreten, so ist zu postulieren, 
dass auch bei den mit liquida r, l und nasal />?, 71 anlautenden 
wurzeln die nebentonig-tiefstufige reduplicationssilbe die grund- 
sprachliche entwickelung zu ('OT"^'"' (0^-^-i (m)m-m-, 
(ji)n-n- vor folgenden sonanten aus urindog. *re-r-', *le-l-', 
*me-m-\ *ne-n-' gezeigt habe. Statt griech. U-Xom-s, /.u- 
-1.10V-S, {<jvv-)v'e-vorp-b wären nach so altem princip histor. 
*ä-?iOin-t, *a-«oj'-f, *ä-i'0(f-f zu erwarten ; im gotischen *aü-röp, 
*ii-hnk, *u-ina/t von redan, laikau, maitaii. Griech. *ä-Xoi7T-s, 
*a-[XO)'-cS *a-vo(/i-f ; ni-noid-s = ßc/X-iov lir/X-sTy, Ta\).-(ov ra[i- 
-f n', }CTOiy-(')v xrav-f M' .• tbv.-c6v rBY.-Hv und got. *ail-rö^; '^'\\-\aik^ 
*}l-\\\ait : *t\-Xök ytai-tök) = got. baiir-ans, h\v\-ans. q\\m- 
-ans : gih-atis; und analog ja auch sanskr. \-yäj-a, u-vac-a ; 
pi{,-\tät-a = ü\j-ünd-s, s\\\-änä-s : ?i.^-änd-s. Ob von dem 
primitiven zustande solcher griech. *ä-Aoin-s u. s. w., got. 
*aü-röp u. s. w. sich nirgends auf historischem boden spuren 
zeigen, bleibt noch zu untersuchen. Jedenfalls aber ist, wenn 
nicht auf grund einer gleichung wie sanskr. ra-rädh-a = 
got. rai-röp von einem scbou gemein - indogermanischen 
re-rodh-e statt r-rödh-e gesprochen werden dürfte, so 
doch auf dem gebiete der einzelsprachen und ihres lebens 
für die mit den sonoren r, /, w«, n anlautenden wurzeln die 
sehr frühzeitige neubildung ihrer perfectischen reduplications- 
weise nach derjenigen der mit geräuschlaut beginnenden 
wurzeln, also derselbe Vorgang wie bei avest. va-vac-a sanskr. 
ved. va-vdc-a (s. 136 f. 267), unbedenklich anzunehmen. 

Dem satze. dass indogermanisch der allgemeine und 
durchgängige perfectreduplicationsvocal e war, glaube ich 
also jetzt die modifieation geben zu sollen, dass dies in der 
letzten zeit der indogermanischen grundsprache lautgesetzlich 
in so weit nicht mehr der fall war, als nach dem ersten 



— 281 — 

wirken der tiefstufengesctze vor den sonoren i, n, r, l, m, n 
als wurzolanlauten regelrecht die assimilation des c der nicht 
haupttonigen silbe in den entsprechenden sonantischen sonor- 
laut statt gefunden hatte. Vor dem sonanten hatte dann 
der wortanlautende oder reduplicieronde consonant seine 
geltung verloren, was ein sehr leicht und fast unwillkürlich 
sich ergebender lautprocess der grundsprache sein niusste. 
Einen speciell sanskritischen Übergang von '^yi-y(1.j-a, *vh- 
-väc-a in i-yäj-a^ u-väc-a dürfte man zwar, nach morphol. 
unters. lY vorw. s. X, auch annehmen, doch liegt nichts 
näher, als die lautvorbiuduugen //-, Mn-, rr-, /[,-, nm-, nn- 
schon bei ihrem Ursprünge sofort und unmittelbar zu /-, «-, 
fi, Z-, m-, n- reduciert sein zu lassen. 

Dazu kommt als etwas weiteres eng mit dieser modi- 
fication zusammenhängendos : auch in den schwachen perfect- 
stümmen der wurzeln wie ia(ß- Verehren, opfern', uek'-- 
sprechen war durch die tiefstufengesetze das e der redu- 
plication untergegangen, so dass hier indog. «"i/^- = sanskr. 
Ij- in y-iü' Ij-l'^ indog. ük-- = sanskr. Cic- in üc-imä nr-nr 
gesprochen wurde. Demnach ward man consequent auch 
den wurzeln von der gestalt indog. rex-, lex- und in ex-, 
nex- nur fx-^ Ix- und Tnx-, fix- als die reduplicierten 
schwachen perfectstämme zuzusprechen haben. Und ferner : 
wie die mittelstufig mit ei- ai- , eti- au- anlautenden w^urzeln 
in ihrem schw^achen perfectstämme ebenfalls die assimilation 
aufweisen, wie z. b. von el- 'gehen, aiclh- 'flammen', eus- 
'sengen' bestanden Jl- = sanskr. ty- und ///- (in ep. anv- 
-iyur perf.). Idh- = sanskr. ?(///-, üs- = sanskr. ush-^ so 
muss in der theorie anerkannt werden, auch wenn es histo- 
risch nirgends mehr nachweisbar sein sollte, dass entsprechend 
bei wurzeln von den typen er{x)-^ el(x)-, em{x^-, en{x^-, 
beziehungsweise u r (x) - , al (x) - , a m (x)- , a n {;x) - , der- 
einst als ebensolche lautgesetzliche assimilationsproducte im 
schwachen perfectstämme formen mit dem vocalismus f, l, 
in, n vorlagen. Yergl. oben s. 130 f. 132 f. 136. 

Eine von der jetzt vulgaten ansieht abweichende theorie 
über den ursprünglichen vocalismus der perfectreduplication, 
die fast keinen anklang, jedoch auch noch keine ausdrück- 



~ 282 — 

liehe Widerlegung — abgesehen jetzt von der kurzen Zurück- 
weisung seitens Brugmanns Techmers Internat, zeitschr. 
I 22 anm. — gefunden hat, ist von Hübschrnann auf- 
gestellt worden, nach der mitteilung des ihm beistimmenden 
Kluge german. conjug. 53 f. Hiernacii sollen allerdings die 
wurzeln, welche inneres i und u enthalten, wenigstens in 
den formen des schwachen perfectstammes i und u als vocale 
der reduplicationssilbe gehabt haben, so dass indog. bhe- 
-hh 6 i (I - und b h i -hli i d- , h h e-hhön d h - und h h ii' - h Jt u d h- 
neben einander hergegangen wären. Ich kann in dieser 
construction, welche die tatsächlichen Verhältnisse, wie wir 
gesehen haben, nicht nötig machen, keine ratio finden. Ihre 
consequenz würde sein, dass man den wurzeln mit inneretn 
r, /, in, n auch liquida oder nasalis sonans als ursprünglichen 
reduplicationsvocal der schwachen formen zuerkannte, dass 
man z. b. sanskr. da-drc-ur Substitut eines lautgesotzlichen 
*dr-drc-ür sein, griech. 7ts-ttc<&-vTu für *7ja-nad-vTa aus 
*7Tn-Tiud--v(o)ta stehen lassen müsste. Wo wäre aber dazu 
irgend ein anhält vorhanden? Mit recht erkennt auch schon 
Collitz Bezzenbergers beitr. III 212, dass den „/-" und ^u- 
wurzeln" eine solche ausnahmestellung im reduplicieren, wie 
sie sie im indo-iranischen tatsächlich haben, als eine ihnen 
ursprünglich eigene zu vindicieren vom Standpunkte der 
neueren vocalismustheorie unzulässig sei. 

Kluge a. a. o. beruft sich ausser auf das sanskrit mit 
bibheda, bitbodha und das lateinische mit scicidT, pnpugl auch 
noch auf die zwei altirischen formen rir 'dedit', Ul adhaesit' 
und deren deutuug durch Windisch Kuhns zeitschr. XXIII 
210. 214. 230 f. 245. Aber gerade wenn hinter rir, Ul, wie 
Windisch will, mediale perfectformen von „i-wurzeln" stecken 
— direct dem sanskr. li-hj-e gleich könnte altir. Ul, auch ab- 
gesehen von dem rediiplicationsvocale, aus verschiedenen 
gründen nicht sein — , so ist ihr / als gesetzmässige altirische 
färbung (..infection") eines ursprünglichen e durch nachfol- 
gendes l (i) der nächsten silbe vollauf gerechtfertigt, wie 
auch Brugmann Techmers Internat, zeitschr. I 22 erkennt. 
Uebrigens ist bei rir die „/-wurzel" äusserst zweifelhaft, wenn 
man, wie Windisch selbst a. a. o. 214. Kulms beitr. YIII 11 f. 



— 283 — 

Paul-Braunc's beitr. IV 234 und bei Curtius grundz. d. griech. 
etyni. -^ 273 f., griech. ntQ-rtj-ai, oder, wie Zimmer Kuhns zeit- 
schr. XXIV 041, sanskr.yv-H«-/«/ 'spende reiclilicli, verleihe, be- 
schenke mir' dem altir. re-nini praes. vergleicht. Dann enthält, 
während altir. le-)iim = sanskr. ll-nä-mi lat. U-no, altir. cre-nim 
= sanskr, hn-nä-mi ist (verf. morphol. unters. IV 37 t". 45 f.), 
re-nim vielmehr in dem re die normale keltische gestaltung 
des indogermanischen r-vocales (^Zimmer a. a. o. 540 ff., 
Wiudisch kurzgef. ir. gramm. vorr. s. V. § 325 s. 83. § 354 " 
s. 94. § 361" s. 96). Dann ist ferner aber rlr von renim 
wol nur eine analogiebildung nach Ul von leniiw, bei Hl allein 
ergäbe sich das i, was auch immer die endung gewesen sein 
mag, aus der nachwirkung der schwachen perfectstammform 
altir. U-U- aus He-U-. Ja, in einem belang müsste das yir 
so wie so schon, des consonantismus der reduplication wegen, 
für eine unursprüngliche form gehalten werden: pr- war 
nicht der anlaut der reduplicierten form einer mit pr- be- 
ginnenden Wurzel, sondern nur einfaches p- (verf. Paul- 
Braune's beitr. VIII 543), so dass die form mindestens *ir 
aus *i)ipr- zu lauten hätte und ihr vorderes r- nacli renim 
wiederhergestellt haben müsste, sowie altir. le-hlaing er sprang' 
statt *fe-blaing nach lingim praes. sich bildete (verf, Paul- 
Braune's beitr. VIII 562) und wie ähnlich wenigstens ver- 
einzeltes altumbr. et e (t e dedit' auf dem stein von Tuder, 
statt eines *tede (vergl. fut. exact. tedust neuumbr. 
dirsusi), sich hervorwagte (Bücheier rhein. mus. n. f. XXXlll 
274) mit associativer angleichung des anlauts an den inlaut 
nach massgabe der reduplicationsformen bei anderen wurzeln. 
Etwas anderes , was Kluge a. a. o. auch ausspricht, 
könnte man sich eher gefallen lassen: die Vermutung einer 
bereits grundsprachlichen „uniformierung dos reduplications- 
vocales" beim perfectum, der art, dass die nicht-<?-wurzeln — 
in sofern doch „die bisherige auffassung der reduplication 
als andeutung einer Wiederholung der Wurzelsilbe richtig 
ist" — ihr reduplicierendes e nur den zahlreicheren ^-wurzeln 
entlehnt hätten. Quod ego ut incompertum et yhorToyovmov 
in medium relinquam. 



DAS GRIECHISCHE ASPIRIERTE PERFECT. 

Ein sehr zweifelhafter fortschritt, den die neueren mit 
dem sogenannten aspirierten perfect des altgriechischen sich 
beschäftigenden erklärungsversuche über einen älteren Stand- 
punkt hinaus gemacht haben, ist die vermeintliche erkenntnis, 
„dass hier zunächt zwei erscheinungen aiiseinandei-gehalten 
werden müssen, die sich chronologisch und wesentlich 
unterscheiden" : die bei Homer sowie Hesiod und Herodot, 
bei Theognis, aber auch in attischer prosa bei Thnkydides, 
Xenophon, Plato und inscliriftlich auftretende aspiration vor 
den pluralendungen -arui^ -aro einiger medialen perfecta 
und plusquarnperfecta, z. b. in vsT^ucpaTai^ Taroäcparo zu r^ji-no), 
fiSfu/uTai zu f-dyvvfii] andererseits die nachhomerischo und 
fast ausschliesslich attische Charakterisierung des activen 
perfects durch den aspirierten wurzelauslaut, z. b. in rtTQnq)a 
zu TO^Ttd)^ TTsnXe/a (nenXo/a) zu nXsxw. Vergl. Gust. Meyer 
griech. gramm. § 556 s. 422 f., H. von der Pfordten 'zur 
geschiciite des griechischen perfects' (München 1882) s. 45 ff. 
gegenüber Curtius verb. d. griech. spr. 11- 215 ff. grundz. 
d. griech. etym. '' 505 f. Der chronologische abstand 
des ersten historischen eintretens dieser beiden erscheinungen, 
den übrigens auch Curtius nicht verkannt hat, ist im allge- 
meinen zuzugeben; die statuierung einer wesentlichen 
Verschiedenheit wird sich uns als null und nichtig erweisen. 

lieber die aspiration von n^roäqarai äusserte Gust, 
Meyer a. a. o. s. 423 nur zweifelnd : „vielleicht ist sie durch 



— 285 — 

den ursprünglich folgenden nasal (n) veranlasst." Diesen un- 
glücklichen gedanken trägt, ohne es zu wollen, von der Pfordten 
a. a. 0, 47 zu grabe: er macht damit als mit einer „will- 
kommenen erklärung des sonst ganz willkürhch erscheinenden 
lautwand eis" ernst, und hierbei zeigt sich dann für jeden 
urteilsfähigen die bodenlosigkeit eines solchen lösungsver- 
suches. Warum hat in df/.a, ly.avör, dor. FUaxi, in ndrnq^ 
rj-naroQ \w\<l vielen anderen Wörtern die nasalis sonansjene ihre 
„aspirierende kraft" nicht betätigt wie angeblich in TtvoäifaTuiy 
:iXi/arn? Und soll etwa gar in den rfro/V/urr«, jusfii'/arai, 
ög(OQi/(/.Tai der sonantische nasal ausser dem aspirieren auch 
noch das tonlosmachen der ursprünglichen tönenden mediae 
-ß-, -y- haben zu wege bringen können? 

Sehen wir s'orläufig einmal — wir werden dies weiter 
unten zu corrigieren haben — das -//<- in solchen formen 
wie Ti'f-TJKiyiiat, ßtijQ^yfiai als ein gesetzmässiges Substitut für 
-y.u-, -yu- an, so waren im ganzen perf. und plusquam- 
perf. med. die formen der 3. plur. a uf -ar«/^ -aro die 
einzigen, welche die explosiven stam mauslaute 
ff) und n ß, / und ■/. y lautgesetzlich gesondert er- 
halten mussten. Hier hätte es nebeneinander yeyQacp- 
-uvai iycyodip-uxo und *V6VQdn-arai *£TST()U7j-aro, *Tirxnlß-aTui 
'^hevQiß-aTo^ ferner Turtvy-arai und '^hikU-avai (vergl. ihy.- 
-uq ßovg), '"^uciiiy-arai heissen sollen. Im übrigen ist ja aber 
die flexiou von yeyQuaiiai eytyoduuijv und TsvQauimi erfTgau/n?]}', 
TtrQii.ii.iai sTSTQinu-i^v , sowie diejenige von rersvyfiai (älter 
Tsrvyuui) und andererseits ei?uy/iiat, jui-uiyjuai, was die aus- 
lautende wurzelcousonanz anbetrifft, genau dieselbe. Neben 
einem einheitlichen -a,«-, -ip-, -nr-, -(pÜ-- und -y/n-, -^-, -y.r-, 
-yß- in den sonstigen formen fing die alte dreilautigkeit -r^-, 
*-7r-, *-ß- und -y-, *-x-, *->'- in jenen 3. plur. auf -«r«<, -avo 
an als etwas lästiges und unnötiges empfunden zu werden; 
partieller gleichklang führte durch analogiebilduug zum totalen. 

Dass nun bei der ausgleichung gerade die stamme mit 
wurzelhafter aspirata die sieger bheben, hatten sie wol zu- 
nächst dem umstände zu verdanken, dass sie ein genügend 
grosses contingent an formen ins feld stellten. Dabei ist zu 
berücksichtigen, dass zwar die n- und /!/-stämme, beziehungs- 



— 286 — 

weise die •/- und j'-stämnie, zusammengenommen eine 
grössere menge bilden mussten, als andererseits die r^-stämme, 
beziehungsweise die /-stamme, für sich betrachtet. Allein 
denen mit ursprünglichem -cp-arai -(p-aro und -y-axai -y-axo 
standen ja die gesamten übrigen nicht als einheitliche 
gruppen gegenüber: es spalteten sich die letzteren in je zwei ge- 
trennte heerlager. in solche welche *-n-aTai *-7r-aro und anderer- 
seits "^-ß-arai "^-ß-aro , beziehungsweise *-y.-uTai *-x-«ro und 
*-y-a.vai '^-y-axo, von rechts wegen hatten. Dazu nun aber war 
die schar der formen von 7 -stammen gewiss numerisch stark 
genug, um in getrennten entsciieidungskämpfen einerseits 
der ursprünglichen bildungsweise der 77-stämme, andererseits 
derjenigen der /j-stämmo den garaus machen zu können; und 
dasselbe gilt von den /-stammen in ihrem Verhältnis zu den 
nicht vereinigt ihnen entgegen wirkenden formenmassen mit 
*-y.-avai *-/.-uro und *-/-«ra/ *-/-aro. 

Nach der übereinstimmenden Zählung Gust. Meyers, 
von der Pfordtens und Curtius' verb. d. griech. spr. II 2 239 f. 
reducieren sich die nachweisbaren fälle der aspiration im 
perfect und plusquamperfect med. vor -uzai und «ro auf 
diese neun: rergä^avai vttQärparo , T^roi(^aTa.i ^ Örjdeyarui 
örjök/uro (vergl. zur etymologie oben s. 50. 52), dXi/aro^ ^QX^' 
Tui so/aro fVp/r<ro, uru-ucui'/arai, oofons/aTai opojpf/aro, fos- 
aä/aro, T&Tu/aTca srsra/cao. 

Diesen gegenüber erwähne ich folgende überheferte 
formen auf -arm, -uro von ff- und /-stammen : ytyoäqarai auf 
attischen Inschriften, der in den anfang des peloponnesischen 
krieges gehörigen von Methone C. I. Att. I no. 40 z. 10 und 
C. I. Gr. I no. 75 z. 3 (vergl. Curtius verb. d. griech. spr. 
12 99, Gust. Meyer griech. gramm. § 468 s. 363), tysyQaffiaro 
Dio Cass. LYI 32: xfx^^r/ntr«« Hesiod. op. et di. 386. theog. 
730. Hippocr. VII 382. YIII 342 ed. Littre; rermfarat Herod. 
VI 103; ln-«')/aro Homer. II. M 340 zu In-lyu) nach all- 
gemeiner annähme (Buttmaun ausführl. griech. sprachl. II ^ 189, 
Curtius verb. d. griech. spr. II- 157. 240. 241); ri^rtv/arai 
Homer. II. N 22, Tfr^v/aro srersv/uro Homer. II. A 808. 
2: 574. Ilesiod. theog. 581. Mosch. II 43. 

Also weil bei dieser letzteren gruppe in den ausgängon 



— 287 — 

der 3. plur. -(furai -(faro, -yarai -yaro^ wenn man diese bei- 
spielsweise an dem -nrm -uro, -xrcti -y.ro der entsprechenden 
3. sing. {ytyQaTirai (yf-yganro, tsvvxtui artri'xro) mass. gleich- 
sam -arat und -aro als die personalendiingcn abstrahiert 
wurden, darum stellte man zu den ebenfalls ungehauchten 
-Tirai -nvo^ -xrui -y.ro der 3. sing. perf. und plusquamperf. 
med. von tostko^ rofßio und tkiaaio, ootyio neue pluralformen 
mit „behauchung". Uebrigens ist aber nicht alles alte mit 
stumpf und stiel in dieser weise ausgemerzt worden. Die 
form ani'yaro bei Ilerod. VIII 6, die Curtius verb. d. grioch. 
spr. 112 240 als den einzigen abweichenden fall verzeichnet, 
ist doch wol nur als ein rest des alten lautgesetzlichen zu- 
standes zu betrachten. 

Man mag auch noch fragen, warum die ausserperfec- 
tischen formen mit rein erhaltenem wurzelauslaut dieser aus- 
gleichung in der 3. plur. perf. und plusquamperf. med. keinen 
dämm entgegensetzten, warum z. b. wegen roin-c), rgiß-w, 
oosy-(o nicht die *rtrQd7i-urai, '"reroifj-arai., *6()(ooey-urai und 
wegen f/"V"'/'' ^^^^ *^ut;jidy-aTai aufrecht erhalten geblieben 
sei. Hier stand offenbar ein systemzwang gegen den anderen: 
man entschied sich lieber dafür, die schon fast fertige ein- 
heit der flexiou des medialen perfects und plusquamperfects 
aller guttural- und labialstämme durchzuführen, als auf nieht- 
verdunkelung des etymologischen wurzel- oder staramaus- 
lautes zu halten. 

Aber noch ein anderes moment half das gegengewicht, 
das etwa von den ro^n-fo, ro/p'-f-;, oge'y-io^ tt.ny-/]i' ausgeübt 
werden mochte, erheblich vermindern : ausser in vielen formen 
des medialen perfectums und plusquamperfoctums selbst war 
der unterschied zwischen den t? -, ß- u n d rp-, sowie 
X-, ;'- und /-stammen auch total verwischt in den 
s i g m a t i s c h e n t e m p o r e n u n d d e n v e r b a 1 a d j e c t i v e n 
auf -roc;, -reoc. Auch schon allein wegen des parallelismus von 
rolifjio STQixpa TtrQi'tpoiKu rginrog 

und yQa\jjv> sygarpa ysyguxpofiai ygunrog 
konnte man nroUfarai wie yiyoärparai bilden, wie ebenso der- 
jenige von /</"^w ff.uta f.ie/.H^of.iui 
und ri-vid) ertvicx rersvioiiai 



— 288 - 

ein iiBi-d/arui wie TtvtvyaTui scliafFon lassen konnte. Sagte 
man neben einander 

d-Ocip('i £Ö()Si/,'u dQ&nrsog vaif-QajiijiKxi 

und Tottpo) sroiipa Tosnrtoq Tfcoai.if.iat, 

so führte so viel gleichformigkeit leicht auch zu einem rerQucparai 
TeTQÜrpaTo in dem Systeme des unaspirierten robn-w. 

Diese selben Verhältnisse geben aber nun 
einfach auch den Schlüssel her für den Ursprung 
des nachhomerischen activen aspirierten per- 
fectsraufderbasis desselben reihenparallelis- 
m u s namentlich in den s i g m a t i s c h o n t e m p u s b i 1 - 
düngen ist die griechische spräche auch zu Ttroirpu, 
/iafii/a, zu ein em r6'r()oy.a y o n TQi'n-(ft als nach formung 
des TSTourpa von rgtif-co gelangt, i^ach demselben muster 
TbTQocfa neben d-Qi-rpo sSgeipa d^Qenvloq sowie auch nach 
eoTOCfu (unbelegt) zu orc-yjd) aoreU'a orsnroq entsprang '/.■cy.lofpa 
zu y.Xsxp(t) sxXexpa -AXenroc -/lenTsog. Richtete sich die reihe 
nXtio) s'nXf^a nXey.rog von nXsxc) nach der proportionalen ana- 
logie dieser nemlichen Vorbilder, so acquirierte sie das perf. 
act. in der form tt^ttXo/u, wofern jedoch nach derjenigen von 
ygdxpw e^Qa^pa yganroq : yiyouffu oder ßdifJio sßaWa ßanrog : 
ßtßu(pa (unbelegt), y.ovyo) oy.ovrl'a ynvTrrhg : y.^xQvfj^a, SO hatte 
nenXs/u seinen Ursprung. Auf die gleiche weise mit diesem 
n£7iXs/a dann auch XeXs/a bei Gfalen (Veitch greek verbs 
irreg. 4 414) — statt eines ursprünglicheren XsXtya bei Hesych 
— zu Xs^di sXsia XtXtS,OLiai Xbkcy.xai Xty.vöq, ferner rtrvtfja zu 
Tvipco trvxpa, >c&y.o(pa — statt eines älteren y.r/.onu in homer. 
y.sy.OTrojg II. N 60. Od. a 335 — zu yöyjo sy-orlja y.8y.öii'0ucu 
y-onrog, ßtßXu(f,a zu ßXrhpM sßXai/m ßeßXäipofiui. Aehnlich aber 
wiederum wie n^TiXo/a von Xf-yoi sage' y.aT-eiXo/e in einem 
Homerscholion (Veitch ebend.) ; von Xf/<» 'sammle' auf jene weise 
spätes hi-eiXe/a bei Aristides und andererseits dagegen früheres 
ovv-siXo/a bei Demosthenes und Dio Cassius (Veitch a. a. o. 
415, Curtius verb. d. griech. spr. II 2 149. 222). 

Fördernd musste in diese ontwickelung auch noch ein 
umstand eingreifen, den die praese nsbildung mit sich 
brachte. Bekanntlich ist das praesens nach der r-classe auf 
-n-T(i) bei labialstämmen übeiaus häufig; nicht selten das 



— 289 — 

jodpraesons auf -a(uo {-Tno) bei gutturalen stäunuen. Wenn nun 
jenes bei einer wurzel auf -7- auftrat, z. b. bei än-Tui, ßän-no^ 
■}'Xän-x(o, Oan-i«)^ ÖQVTi-r«)., i)ovn-r(o, xovti-tm, y.vn-Tto (^Curtius 
verb. d. griech. spr. 1-241 f.), das -ggco (-rrw) etymologisch 
für *-/-iw stand, wie in ßi^ood), d-^aomo ion. dgr/Ooc), tttvoo«), 
ft&iXiaoM (Ascoli studj crit. II 422 f., E. Mucke 'de conso- 
narum in Graeca lingua praeter Asiaticorum dialectum Aeolicam 
geminatione' gyninasialprogr. Bautzen 1883 s. 15 f.), so konnte 
hier um so sicherer das Sprachgefühl zu der anschauung, es 
sei die aspiration ein charakteristisches bildungselcment des 
perfectums act., gelangen, als bei allen solchen verben dann 
nur noch der starke passivaorist auf -rjr den aspirierten 
Wurzel- oder stammauslaut rein hervortreten liess, dieser passiv- 
aorist aber erstens nicht regelnicässig bei allen in gebrauch 
oder doch wenigstens iuuner ein veihältnismässig selten zur 
anweudung kommendes tempussystem war, zweitens aber 
auch selbst, was noch wichtiger ist, vielfach nicht in den 
alten bahnen seines etymologischen stammauslautes blieb, 
wie wir weiter unten sehen werden. Also auch schon wegen 
praes. ^Qv-n-ru) : xtxovcpa, ßun-vw : ßsßacpa konnte die aus- 
bildung der neuen formenverhältnisse tvttzo) : vbTvqa, xotitco : 
y.iy.o(fa ^ ßkänvu) : ßbß)M(pa^ oüjJtitio : eoy.rj(fu gegeben sein, 
wegen praes. d^Qaoow ion. 9-q?]itoio : ion. xhTQriya , ßrjood) : 
ßäßrj/a (unbelegt) diejenige von nouooio : niTioü/a, von ttIt^oom : 
TT f 71 ?^?]/a, juojyGM : (.ibiiaya, Tuooto : xhia/a, (fvXdaodj : TihCfvXaya^ 
aXXä.GGw : -ijXXaya u. s. w. 

Wie wir also sehen, hatte Curtius verb. d. griech. spr. 
112 219 durchaus recht, Avenn er die schon bei Homer be- 
gegnenden 3. plur. med. auf -q-arai -q)-nTO, -/-arm -/-am 
als „die Vorläufer" der noch nicht homerischen und erst im 
attischen häufigeren activformen auf -(f-a. -/-a bezeichnete; 
einen rückschritt machten Gust. Meyer und von der Ffordten 
mit ihrer auflösung des historischeu Zusammenhanges beider 
erscheinungen. Die neubildung im medium geschah aus den- 
selben anlassen und mit hilfe desselben mittels der spräche; 
sie tritt nur darum chronologisch fj-üher auf, weil zwei ein- 
zelne formen , die allein in dem ganzen Systeme zweier 
tempora ihre eigenen wege von den übrigen abgesondert 

Ost li off, zur geschieht^ d. perfecta i. indogernianisclicn. 19 



- 290 — 

gingen, begreiflicher weise eher zur ausgleichung auffordern 
musstcn, als ein ganzes compact in sich zusammenhaltendes 
anderweitiges formensystem, das des perf. und plusquamperf. 
act. Also ward zur Verdrängung der *TSTQißarui, *)tfx67raza« 
durch TSTQi'rparai, ^-x^y-crpaTai bereits geschritten, als im activ 
von *Tfr(}ißa *hf=TQi'ßsa, xsAona ty.sxönsa die grössere menge 
der einzelnen sich gegenseitig stützenden formen als solche 
noch einen halt zu längerem widerstände in sich hatte. 

Bei unserer auffassungsweise dürfte es auch klar werden, 
warum die dentalstämme an dem aspirierten perfect keinen 
teil haben. Es liegt an ihrer verschiedenen behaudlung des 
dentalen stammauslautes in den sigmatischen tempusbildungen. 
Wenn bei rtviio smiS,a : rtr^v/a das Verhältnis von k : kh 
und bei 9-Qn/'0) sdg&r/'a : rhrgorpa dasjenige von p : pli 
abstrahierbar war, um auf andere fälle mit äusserlich gleicher 
futur- und sigmaaoristbildung übertragen werden zu können, 
lag im analogen fallo bei Xr^oio sX7]oa : X'cXrjd-a, Ksva«) ey.evoa : 
y.k-/.£vS(i oder neioi') ensioa : ninoid-a nur : th vor: nicht 
die aspiration allein erschien hier als der formale exponent 
der perfectbildung. Zu m'Qtho ein ^nkTfOQd-a statt nenoQda 
wäre wol nur erst wieder secundäi-, durch die analogie von 
Xsyo) : X^Xs/a, TQtßio : Tsrgiqia, zu schaffen möglich ge- 
wesen. Herodots ioy.i^vädarar, tr/XMia'tVaro (^Herod. IV 58. 
YII 62) sind gerade so ursprünglich wie sein dn-iy.aro (s. 287), 
jene darum nicht zu ^koy.tvddarai *60x£väd^aro geworden, weil 
die formentrias xtv-oo) : y.ly.iva-Tai : xsxsvd-arui einen laut- 
wechsel von : s : th am stammende hervortreten liess, aus 
dem keineswegs so wie aus j^ ■' p '• P^ hei yQcm-OM : ytynan- 
-rai : yf-ygacp-axui oder k : k : kh bei tsvx-gio : tstsvx-tm 
{T^Tvy.-Tai) : rtTsv/-ava.i das gefühl resultieren konnte, dass 
vor den medialen perfectendungen -arai, -rxro eine dem ex- 
plosiven stammauslaute angehängte aspiration das eigentüm- 
liche sei oder auch das -ärai, -ärn bei yi-gan-drai tysyQair-dvo, 
Tsravx-r/.Tai ivf^Tevy.-uxo als die personalausgänge erschienen. 

Dass die alten perfecta mit berechtigter aspirata wie 
ThTooqja von roi'rf«), yiygaffja, yJxPfpa, ion. ThiQi-j/a eine rolle 
gespielt iiaben, um die aspiration „gewissermassen im perfect 
als charakteristisch einzubürgern", haben auch schon die bis- 



— 291 — 

herigen erklärei'; sowol Curtius wie Gust. Meyer und 
von der Pfordton, angenommen. Aber erstens zeigten sie 
nicht das wie dieses einflusses, zweitens liesscn sie denselben 
nur nebenher als einen secundären gelten und fanden den 
eigentlichen erklärungsgrund, mit oder ohne berufung auf 
II. W. Röscher Curtius' stud. I 2, 63 ff., in „der dem daavpsiv 
zugeneigten attischen Volkssprache", aus welcher das aspirierte 
perfect „in die Schriftsprache eingedrungen" sei. Schieferes 
als dieses letztere konnte meiner ansieht nach kaum erdacht 
werden. Ein volkstümlicher attischer localdialekt, der etwa 
nanlo/a als seine lautgesetzliche Verwandlung eines ^nsnXoxa 
sprach, sprach doch wol zugleich auch *7TXb/io statt nXsxco, 
und wie in aller weit konnte dann daher die „Schriftsprache" 
die aspirierung des wurzelauslautes als ein princip ihrer 
perfectbildung entnehmen ? Und ferner betrachten ja jene 
gelehrten auch neuion. ^TienojLirfas bei Herod. I 85 als sicheres 
und geradezu frühestes beispiel der aspirierten perfectbildung. 
Ausserdem verweist Curtius verb. d. griech. spr. II ^ 223 
nachdrücklich, und ebenso von der Pfordten z. gesch. d. 
griech. perf. 48, auf dor. ty.ey.nür^m/i]i.isc Sophron bei Athen. 
XI p. 504 b, zählt Curtius a. a. o. 222 auch dor, ^usT-cdXa- 
/6rog auf der Inschrift aus Thera C. I. Gr. uo. 2448 (= 
Cauer del. inscr. (»raec- no. 148) A 11 mit auf; vergl. Ahrens 
de graec. ling. dial. II 331. 332. Sollen etwa die neuere 
las und der Dorismus sich ihr hauchperfectum auch von der 
attischen Volkssprache und ihrem „daovveiv^'' haben zurecht- 
machen lassen? Auch für mich ist dor. yexQäri]()i/a zu y.oä- 
xrjQiKw — denn dieses dorische zeugnis wenigstens bleibt 
übrig, selbst wenn man mit Gust. Meyer griech. gramm. 
§ 556 s. 422 das i-ieT-aXXa/öroQ jener theraeischen „vom ge- 
meingriechischen auch sonst stark beeinflussten Inschrift" in 
abzug bringt — nicht anders beschaffen als att. -nlnm/hv 
Plutarch. Demosth 9 zu nalZio: association von dor. y.Qärrjoi^io , 
av.QävrjQi'ia und att. naiS,«), sjiaiia (Veitch greek verbs irreg. ^ 
509) mit dor. rsvi:(~) att. tcv^o), hev^u, sowie mit dor. Squ^m 
att. dguho, c&Qcc'ia (Veitch a. a. o. 319) zu dQctoo«) aus 
*d^ga/-i(o, daher dor. y.ty.oöT/jai/a, att. nlvaiya, wie tiisx'/a 
und *rtr(jä/a = iou. t''to )]/_<>.. 

19* 



- 292 — 

Das priiicip clor entgleisungeu von den der 
Zweideutigkeit unterliegenden formen der sig- 
nia tischen tempora aus ist es also, vermittels dessen 
wir dem Ursprünge des aspirierten griechischen perfects bei- 
kommeu. Dass dieses selbe princip aber in noch viel weiterem 
umfange für die altgriechische laut- und fornienlohre frucht- 
bar zu machen ist, dass auch sonst zahlreiche Wechsel zwischen 
den stammhaften charakterlauten -rr-, -ß-, -ff- und -x-, -y-, -/- 
bei den sogenannten „verba muta" auf dem beschriebenen 
wege erfolgt sind, ist meine feste Überzeugung. Hiei' mögen 
eine anzahl besonders nahe liegender beispiele diese meine 
ansieht erhärten. 

Ich beginne am füglichsten mit dem neugriechischen, 
da ja die gute methode der Sprachwissenschaft das „ab Jove 
principium" aus bekannten gründen zweckmässiger in sein 
gegenteil verkehrt. Unser princip hat nemlich an der neu- 
griechischen spräche, die von den alten sigmatischen tempus- 
bildungen nur noch den aorist auf -oa besitzt, bereits vor 
kurzem der treffliche aufsatz von G. Hatzidakis 'zur praesens- 
bildung des neugriechischen' Kuhns zeitschr. XXVII 69 ff. 
sehr eingehend und erfolgreich zur geltung gebracht. ' Es 
genügt mir, einfach einige der resultate Hatzidakis' in wört- 
lichen auszügen hier mitzuteilen. S. 73: „Die verba auf -Cw, 

deren aorist auf -5« endigte, und die alten verba auf 

-ooco sind zusammengefallen, weil eben der aorist aller 
dieser auf -'Sa endig te^ z. b. roiZo, y.naLo, oqxiuo u. a. 
Daher bildete man auch äXXa'.i» statt dXXäoofo, vuQa^(o, tc'X('), 
doälc), ffQuCc), TT/JL«), a-naoaCu) etc. Xach diesen verben wurde 
weiter von hyvva%a{= avrTJyayor^ avvduo.^^ S. 75: „Wir haben 
oben gesehen, dass das verb ovmy(t) nach aualogie derer auf 
-00(0, -^(0 in Gvi'dooco, ovvdiio verwandelt worden ist. Auch 
das umgekehrte hat bei einer anzahl von verben stattgefunden. 
Prodomus I. v. 371 sagte wkiyo/nai. Jetzt hört man (pvXdyio, 

Tivdyui etc. nach der analogie von xjisyu) srpe^rx, orsgyco, 

äi'olyiu."' S. 76: „Schon im altertum gab es verba auf -ßio, 
TQifi«), d-Xlßto, Xtiß«), df.iHß(o etc., cf. Lobeck, Rhematicon 32 ff. 
In den spätem zeiten sind zu diesen noch andere hinzuge- 
treten, z. b. y.ovßio, :}-ovßi') (bei uns dovßto — zerkrümeln, 



— 293 — 

schimpfen) cf. Lobeck a. a. o. uncl in Phryn. 317 — 318. 
Dazu haben sicii di o sp r echon Jen v on den gleich- 
lautenden aoriston verleiten lassen, fS^hrpa, ergiipa, 
^XfiWa, Tj/iaixlja =■ exovU'a, sd^QvrjJu und dann &Xiß(i), roißoj = 
xovßd), &Qvß(» etc." S. 76 f.: „Und nach allen diesen bei- 
spielen sind die verba auf -tttoj ummodelliert in ay.äßio, Qußu), 
i'ißo), xXsßco etc., weil sie alle im aorist auf -ttpa, -av.'a, 
d. h. gänzlich wie ^Toixlm, sd-)ux!>a^ also sy.XeV'a •coooAl'a, .... etc. 
endigten." S. 80 f.: „Und von den verben auf -rfi» sind 
wieder einige nach den verbis auf -ßo .... umgestaltet, z. b. 

in Athen sagt man dXeißio = dXelxfu) Die Trapezuntier 

sprechen d/Toiß«) für r/.GVQb(i(o (^archiv 277) und umgekehrt 
die Zakonen TQUfov für rgißco."' 

„Wenn nun jemand fest überzeugt ist, dass das Sprach- 
gefühl der alten Griechen in bezug auf die wurzeln und 
Suffixe nicht im geringsten besser als das der Neugriechen 
sein konnte, so wird derselbe, glaube ich, an der band solcher 
geschichtlich festgestellten und bloss durch die analogie er- 
klärbaren phaenomene, sich nicht mehr scheuen, von der- 
selben methode auch da gebraucli zu machen, wo mau sich 

gevröhnlich gesetzwidrige Veränderungen anzunehmen 

genötigt sah." Dieses allgemeine schlusswort, das Hatzidakis 
a. a. o. 81 seinen lehrreichen nachweisen anknüpft, mag uns 
hier als das vorwort zu folgenden nachträglichen aufstellungen 
für das altgriechische dienen. 

Messen: y.^y.XeßoK auf der grossen von Sauppe abhandl. 
d. königl. ges. d. wissensch. zu Göttingen 1859 histor.-philol. 
cl, s. 217 ff. edierten und behandelten mystcrieninschrift von 
Andania (= Cauer del. inscr. Graec. - no. 47) z. 77. Yergl. 
Curtius grundz. d. griech. etym. '^ 539. verb. d. griech. spr. 
II- 223, der auch Hesychs &i'oaßioc ' iyygdyjag heranzieht, 
das lemma in sr-yoaßiöc verwandelnd. Von dem letzteren 
sehe ich ab ; Lobeck technol. 36 anm. 5 liest &yyguffcog in 
der Hesychglosse und deutet dieses als adverbium, und gegen 
die Curtiussche participiale auffassung kann auch der mangel 
der reduplication in der vermeintlichen perfectischen participial- 
form mistrauisrh machen. Was betreffs messen. xsxXeßojg 
Curtius zur erklär ung der „herabsenkung eines n zu ß"' an- 



— 294 — 

führt, ist unbrauchbar; besser schon Gust. Meyers bemerkung 
griech. gramin. § 108 s. 180. Es hätte an sicli, anstatt zu einem 
aspirierten, auch ganz wol zu einem erweichten perfect kommen 
können, wenn allgemeiner so, wie hier dialektisch, sich die reihe 
xXbxI.'w txAfi/ya üXt-Trröq ihr perfect nacii dem schema rgiipw 
£rQiy,'a roinrng : *TEVQißd)Q entwickelt hätte und nicht dieses 
*riTcuß(!)c. anderwärts selbst der analogie von ytyQacpcog, xf- 
yQV(f(og u. dergl, verfallend in rsxQKpivg übergegangen wäre. 
Sauppes angenommenes praesens *xXi'ß(o anstatt •aXstitm (a. a. o. 
s. 239) wird von ihm selbst schon ganz passend durch die 
parallele von spätgriech. y.Qvßu) bei Diodor. Sic. für y.Qvntu) 
(Veitch greek verbs irreg. ^ 392) gestützt ; wir müssen sagen, 
dass solches *xXbß(o wenigstens in der idee für messen. x&aXf-ßcog 
existiert habe, sowie im neugriechischen tatsächlich yJjß«) aus 
hxXeifja nach Hatzidakis. Gleichen wesens und Ursprunges 
aber mit y.snX&ßu'ig und wegen seiner mehr als einzeldialek- 
tischen Verbreitung ein noch schlagenderes zeugnis des a priori 
vermuteten erweichten perfects ist T!i'n<]aya, zuerst bei Pindar 
nachw^eisbar und so zwar älter als att. ntnQccxa, aber nicht 
weniger als dieses eine nenschöpfung durch entgleisuug, da 
ja durch ngäoaco praes. im verein mit dem inschriftlichen 
delph. TTQuxog 'straffällig' und vielleicht auch mit ausser- 
griechischer Verwandtschaft (Curtius grundz. d. griech, etyin. 
■' 274. 674. verb. d. griech. spr. I^ 318, E. Mucke de con- 
sonarum etc. geminatione 15) der x-stamm dieses verbums 
feststeht. Ferner TT8(f)oaya, v^Qi-neqtQayvlai im schol. zu Hesiod. 
scut. Herc. 298 zu rpQuoGc) = lat. farciö \ daneben ursprüng- 
licheres, wenn gleich erst spät bezeugtes i/i-nscpQÜy.soai' bei 
Josephus antiq. XII 8, 5 (Veitch greek verbs irreg. '^ 688). 
TTkTTQäya : TtsTiQä/a ^= messen. ysxXeß(dg : att. ysyXocpojg; aber 
n'iifQaya : nerfQaaa ähnlich wie att. xey.ocpwg : homer. xetconcog 
(oben s. 288). 

Ich bin hiermit schon den altgriechischen spracher- 
scheinungen directer nahe getreten, die auf Buttmann ausführl. 
griech. sprachl. I- 376 f. 435 anm.* den eindruck machten, 
„dass es keineswegs notwendig ist, dass der reine charakter 
immer ein so ganz bestimmter buchstab sei" oder „dass der 
Charakter -consonant keineswegs in nllen verben fest ist." 



— 295 — 

Augenscheinlicher noch gehört dahin, dass fast anncähernd 
ebenso, wie für jedes beliebige „verbuni mutum" ein aspiriertes 
perfect, so es für die verba auf -aaco (-rrai) teilweise schon 
in der älteren graecität regel geworden ist, dass sie im starken 
aor. pass. aui -fjv und dem zugehörigen fut. pass., sowie auch 
in dem verbum besonders nahe stehenden verbaluominibus, 
einen /-stamm supplieren. Man vergleiche: dXkuaoo) : rjXXäytjv 
(ji,XXay?]Oo/Liai schon von Herodot, Thukydides und Aeschylus 
an, und dXXayrj, compp. an-, di-, 6v-, i-isv-, aw-^ xm-aXko.yri 
ebenso alt; fi(/.a(j<o : tfiayijv von Plato an, /naytvg, /näysigog; 
if^äood) : lijQayip' (jiQaytjooinai von Plutarch an; vvaao) : Ivvyrjv 
von Plutarch an; ngvoaio : lÖQvyfjv, oQvytjoojLiui und (o()v'^) 
oQvyog, OQvyrj, oovyiov spät; tttvogw : inrvyrp' bei Hippokrates; 
Tiväoad) : htvüyjp' u. a. (E. Mucke de consonarum etc. gemi- 
natione 15). Schon Gust. Meyer griech. gramm. § 198 s. 180 
bringt die richtige erklärung dieser erscheinungen in vor- 
schlage jedoch ohne die angenommene analogiebildung durch 
constatierung ihres anlasses zu motivieren. Alles dies sind 
nemlich entgleisungen nach den mustern wie d^io sa^a : iuy?]v, 
O(f)a^co sa(faia : iarpäyi^v, Xe^io sXe^a : sXjjrjv, (fiXb^co 6(pXi:'S.a : 
^(fjXtyr]r. Nur selten erscheinen daneben noch ältere nicht- 
/-formeu, wie in den fällen: y.av-o()v'/t]Ooi.isoda Aristoph. av. 
394 nach Elmsleys allgemein recipierter lesart (v, 1. /«r- 
-OQv/dijonjiuaSa), ö()v/>j Plutarch., Öqv/(o praes. Arat. ; irrv/tq 
bei Homer, Hesiod und epikern, tttv/tj bei Pindar und den 
attischen tragikern (Curtius grundz. d. griech. etym. •' 529). 
Wenn nun im verbum der passivaorist eben solche wege der 
entgleisung ging, wenn z. b. bei uXXdoaoj, welches gleich 
seinem genauen altirischen reflexe ailigint auf einem wie 
sanskr. anyakä- beschaffenen nominalen -Ä-o-stamme griech. 
*uXXaxo- beruht (Curtius grundz. d. griech. etym. ^ 357. 675. 
verb. d. griech. spr. I ^ 374), frühzeitig und schon in der 
älteren Atthis jener aor. pass. als tjXXdyrjv erschien, woher 
sollte das starke perfectum das regulativ nehmen, um seiner- 
seits an der alten x-form att. '*i]XXay.a festzuhalten und nicht 
als ijXXa/a, attisch zuerst bei Xenophon, in die analogie der 
/-stamme sich hineinreissen zu lassen ? Es musste ihm ebenso 
fehlen, wie dem (fi vXuaoa) wegen, des ausschliesslichen gebrauches 



— 206 — 

seines ^-aoristes €(pvXä/ßrjv der Übergang von ursprünglicherem 
nfcpvXaxa (argum, Eurip. Med., Septuag.) zu ns(f'vXu/a (Plato, 
Xenophon, Dinarcii) erleiclitert wurde. Vergl. oben s. 289. 
Yicc versa kommen dann aber auch durch dieselbe aus- 
gleichung in umgekehrter richtung schon altgriechisch prae- 
sentia auf -(jon) (-Trio) von alten /-stammen auf. Ascoli studj 
crit. II 412 anm. veranlasste diese tatsache zur aufstellung 
einer eigenen , etwas gekünstelten und auch von Curtius 
grundz. d. griech. etym. -^ 675 anm. abgelehnten theorie, 
wornach z. b. att. orfurrco auf .einem *a(pd}(-T-l(o beruhen 
sollte. Dessen bedarf es keineswegs, sondern die einzig 
richtige beurteilung der auch von Curtius grundz. ^ 673 ff. 
noch unter andere gesichtspunkte gestellten erscheinungen 
gibt neuerdings bereits E. Mucke de consonarum etc. gemi- 
natione 17, wenn er deu in alexandrinischer und römischer 
zeit regelmässiger werdenden eintritt des praesentischen -oaio 
bei /-stammen als entgleisung von deu doppeldeutigen futüren 
und aoristen auf -'S.(t), -J« erkennt, zugleich auch seinerseits 
von Hatzidakis unabhängig auf die neugriechischen parallelen 
wie ^dXXdUo pro dkXäaoM, /aQctCo pro ;^ap«fTao>" aufmerksam 
machend. Einige spätere boispiele sind zunächst folgende: 
uoau) {y.ar-äaoc)) = dyi'Vfii, „erst nach Augustus nachweisbar" 
bei Appian und Arteraidor (^Curtius verb. d. griech. spr. 
I- 316); „(f()vo<y(o ganz späte nebenform von (pniyo),"' bei 
Galen u. a., während bei Theokrit YI 16. XII 9 die 
lesarten (pnvyfi, (pQvyowoq noch durchaus bewährter sind als 
(fQvTTst, (fQvvTovToc. (Curtius vorb. d. griecli. spr. I - 319). 
Doch erscheint so auch schon viel früher arpaoo«) als taren- 
tinisch oder a(pdTT(o als boeotisch und als „die praesensform 
des jüngeren Atticismus von Plato an, während bei Homer, 
Herodot, den tragikern und Thukydides nur arpä^to vor- 
kommt" (Curtius grundz. ■'' 674. verb. d. griech. spr. I^ 318); 
Gust. Meyer griech. gramm. § 198 s. 180 sieht im Wider- 
spruch mit den daten der Sprachgeschichte umgekehrt in der 
x-form affUTTd) das ältere und in sa(fdy/]i' die neubildung. 
Ferner ist in dieser weise ^ofjaaio späte nebenform von 
QTiyvviu^ bei Hippokrates und Diodor (Curtius verb. d. griech. 
spr. P 166, 318); „TTtjaao) späte, zuerst nus Strabo und Dion. 



— 207 — 

Halic. nachgewiesene nebonform von nTJyyvjni"^ und von dieser 
wol nicht so zweifelhaft, ob sie „ihr dasein nur der analogie 
verdankt", als es Curtius verb. d. griech. spr. I- 317 (vergl. 
auch ebend. s. 166. grundz. •'' 674) erscheint. Weniger sicher 
kann man darüber schon bei dem viel älteren homer. vX-)]ao(o 
(Curtius verb. d. griech. spr. I - 318) sein; denn so gut wie es 
selbst aus dem futur nX-ijS.«) und aorist 8nX7]'^a entwickelt sein 
mag, können auch die y-formen nsnXT^ya perf., iTrX-rjyrjv, i'^- 
•snXäyTj)' aor., nXijyfjf. ebendaher ihren Ursprung haben. Es stellen 
uns ja für die indogermanische grundsprache hier die doppel- 
formen der nasaliert vorkommenden wurzel,|9^äÄ;'^- in lit. plakü 
und plag-- in griech, nXuC«), lat. plangö^ pläga^ got. fiökau, 
zu geböte (verf. niorphol. unters. IV 325 ff., Kluge Paul- 
Braune's beitr. IX 180 if.); freilich auch so heip)ö,k^- und 
päg^- fest machen', allein das griech. 7j?jaaw wird eben wegen 
seines späten auftretens kaum für indog. päJc^- in betracht 
kommen dürfen. Unsicherheit der entscheidung herrscht vor- 
läufig auch bei rannai neben Ixäyriv, ray7jooi.iai und subst. 
vayog: je nachdem was die noch nicht sicher aufgeklärte 
etymologie an die band gibt, werden die /-formen oder das 
praesens räood) als die entgleisungen von raS.«), sra^cx aus an- 
gesehen werden müssen. Aehnliches gilt über das Verhältnis 
von naroLGOM^ schon homerisch, zu dem gleichfalls schon 
homerischen närayog masc. und dem von diesem wieder 
derivierten naraysiOy von nXardaaio zu nXarayfj, nXavayMv, 
nXaray^io , von uf.iaQt')no(.o zu d/iiaQvyfj , von nrtQvaaof^iai zu 
{jttIqv^) nrsQvyoq, nrsQvyoco, nTSQvyiov, 7iTeQvylt,io u. a. 

Es gehört auch zu den Substitutionen von y- für x-, 
/-formen und umgekehrt auf grund der gleichen futur- und 
sigmaaorist- und medialen perfectbildung, was als tatsache 
schon andere, z. b. Gust. Meyer griech. gramm. § 518 anm. 1 
s. 393 und R. Meister d. griech. dial. I 132, constatiert haben: 
„Bei den verben auf -oato und -tw haben vielfach formüber- 
tragungen herüber und hinüber stattgefunden." Als dialek- 
tische Zeugnisse genügt es tarent, ärdoo fiU' dvdooM u, a. 
(Ahrens de graec. ling. dial. II 101, Curtius grundz. d. griech. 
etym. ^ 673), lesb. nra^M, nXat«) zu erwähnen und Meisters 
bemerkung über diese letzteren a. a. o. : „Nach den gram- 



— 208 — 

matikern soll äolisch t für gemeingriechisches aa in TTzätw, 
nXätio = TiTijoadj, TiXijnato eingetreten sein; als beleg wird 
citiert sncaCov Alk. 27, ^TiinldCovrf-Q Sa. 1 7. An eine laut- 
liche entstehung von l aus aa ist selbstverständlicli nicht zu 
denken." Also auch alles schon dagewesen unter der sonne 
von Alt-Hellas, was Ilatzidakis an neugriechischen erschei- 
nungeu wie „«'AAaLC) statt dXXäaoM, raod'Qdt, raUo, uqÜUm, 
(pQaC(o, nrjCio^ aTru.v)ai(o ctc." ZU zeigen weiss. 

Bei den labialstämmen muss besonders wieder denen 
auf -Tino im praesens reichliche veranlassung zum entgleisen 
gegeben sein; vergl. oben s. 288 f. Dies beobachten wir vor 
allem an den Wortsippen von vinr«)^ qitttw^ oxrinTo^ d-Qvnrto^ 
xaXvnvM, y.ovTTTd), xa/irw, axdnrio. 

vinTio \on i'(ji- =; indog. nig"- sanskr. /^^/- in /r'g-viß-a, 
viL,io (=- *i'iy-l(o); dazu )n(prjaoiii(u in der Septuaginta, vergl. 
Veitch greek verbs irreg. ^ 466, Curtius verb. d. griech. spr. 
12 243. 

QiTiTM mit einerseits Qlnfj, (ünig, QTnl'Cd)^ andererseits 
eoQirpa perf., igolxpr/r aor. pass., QKprjaouai fut. pass., i-oQicpov 
aor. act. bei jüngeren Attikern und Alexandrinern; vergl. 
Veitch a. a. o. 577 f., Curtius a. a. o. 240. Die beschränkung 
der ^-formen auf das verbalsystem macht es wahrschein- 
lich, dass allerdings die nominalbildungen mit -n- für das 
aufsuchen der noch nicht überzeugend nachgewiesenen ety- 
mologie das massgebendere sein werden. 

oxv/nro) nur in Hesychs glosse oy.vinTkiv ' vvaaeiv, xairo- 
Toueip: reihenwechsel bei dunkler herkunft auf selten von 
oxvinog knauserig', aycriTTorf^g oder auf derjenigen von ay.vKpnq, 
axviffOTTjg. Curtius a. a. o. 241. 

d-Qvnrio von TQV(p- (= *if-QV(f)-) in homer. öia-TQvipiv, in 
TQvcpog^ TQvcpsoög, TQvtfrj^ TQVffidco u. a.; sehr s^ät tS'gvßrji' bei 
Theod. Prodr., vergl. Veitch a. a. o. 321. 

y.aXvTTr(f). ^ß wol nur in yaXvßt] (Herod. Thuc.) und den 
jüngeren ableitungen daraus: y.aXvßiov, yaXvßirrjg .... Einzelne 
formen zeigen auch (p : nsQutuXvrpfj (Plato), axdXvrfog (Diog. 
Laert.)." So Curtius verb. d, griech. spr. I ^ 243. Nach 
lat. clupeus (Pott wurzel-wörterb- II 1, 197, Curtius grundz. 
■'' 539, Fick vergleich, wörterb. II '-'' 12, 0. Schrader sprach- 



— 299 - 

vergl, u. urgcsch. 3201 wäre hier zweimalige entgleisung an- 
zunehineu; die ältere zu einem /:/-stamme iu xalvli?^ könnte 
durch ßkaßt] neben ßXänTw veranlasst worden sein, nach 
Gust. Meyer griech. gramm. § 198 s. 180. 

y.QVTTTw. Curtius bemerkt verb. I^ 242: „Stammhaftes 
(f) zeigt sich in den iiachhomerischen Wörtern yQvijrj^ AQvcfia, 
)iQvif)aTog, xgvtfog, y.ovrptog und in der Soph. Ai. 1145 durch 
La. gesicherten form xovcfjf-ic. Die spätere spräche hat zahl- 
reiche nebenformen mit p': y.Qv'fl«), xgvß(or, ty.Qvßrjr^XQvßi^aoi.iai.'^ 
Vergl. auch Veitch a, a. o. 392 f., oben s. 286. 289. Also ana- 
logiebildung von ly.gvßrjv, y.grßijaofiai nach h<)lßrjr. r(>tßijaofiat, 
wie andererseits ebensolche von Ti-rgiffu, TSTgifpurai nachxfc/()i;(/«, 
xsy.Qv(paTai ', und grund beider Vorgänge: der zusammenklang 
von xpifT/'w, i:y.QVXpa, ysygvT/'Of.irxi, ysxgvjitfiui^ xgvnvöq mit vglipo), 
svgixpa^ rar gl rlJOf-iai^ Titgi^i^iai, rginrog. 

xanvio in der glosse des Hesych tyxanvBi ' exnvH; dazu 
einerseits xanvto, xairvöq, anderseits xbxrjfps ' red^vrjxev Hesych. 
und homer. xhxaifi^öra II. E 698. Od. t 468. Vergl. Curtius 
verb. I^ 240. grundz. ^ 142. 511. Der eigentliche wurzel- 
auslaut als -n- ist auch wegen der aussergriechischen Ver- 
wandtschaft nicht zweifelhaft. Also würde sich bei unserer 
auffassung des aspirierten perfectums in x&xa(p')]iog das älteste 
und homerische beispiel dieser gattung ergeben ! Ich 
komme wegen des nicht durchaus dagegen zeugenden par- 
ticipialausganges -7](i)c in der nachfolgenden abhandlung über 
das x-perfectum auf homer. x&xa(f7]Mg zurück. 

GxdnTio. Curtius grundz. ^ 167. verb. I^ 167 hat recht, 
wenn er den wurzelauslaut p für gesichert hält durch axunävrj 
'grabscheit, spaten', oxänevoq und xäntrog graben, grübe' und 
aussergriechisch durcli abulg. kopati federe', lit. käpas 'grab- 
hügel', sowie durch altlat, scapres 'schäbig, rauh, krätzig', 
welches Corssen ausspr. vokal. I '- 128 f. aus Nonius nachwies. 
Daneben nun, weil man axänvo) nxäxpco soxaxpa eoxa/.i/Liui oxanvög 
wie ßÜTXTM ßäxfjdi tßar/m ßeßafiiiai ßanrög auffasstO; die f/)-formen: 
im verbum saxarfu bei Isokrates, also ein aspiriertes perfeet, 
iaxä(p7]v (bei Herodot, Sophokles, Euripides u. a.), oxa(priaof.iai 
(Veitch greek verbs irreg. ^ 590) ; in nominalbildungen oxmpi] 
ausgegrabener oder ausgehöhlter körper, schaff, wanne, trog, 



— 300 — 

mulde, becken, nachen, schiff", oyucpiov, oyjKflc, demin., ay.äfpaXoc 
'schöpfer, Schöpfeimer' (Ilesych.), ay.ajphTnv 'grabscheit', axacfsvc 
'der grabende, gräber', axucfiog n. 'das graben, grabscheit, hacke, 
ausgegrabener oder ausgehöhlter körper, schiffsbauch, nachen, 
schiff. Nanienthch das alte schon homerische nomen yantToc 
kann als zeugnis für die grössere ursprünglichkeit des -p- 
gelten, da es auch in seinem anlaute sich von dem verbum 
oxünTii) unbeoinflusst zeigt. Got. skaba ahd. scabit 'ich schabe' 
beweist nichts für indog. -bh-, es ist aoristpraesens mit germ. 
•b- aus indog. -j)- nach Yerners gesetz, wie auch Kluge etym. 
wörterb. d. deutsch, spr. 283'' urteilt: indog. sk'^ apo -zz uv- 
germ. skabo^ wie ahd. bi-ltha von indog. lipo nach verf. 
morphol. unters. IV 4 f. Paul-ßraune's beitr. VIII 268. 287. 
305 f. 808. 309. Aber lat. skabö 'ich schabe' und scaber 
(stamm scabro-), Scabies weisen die neben wurzel von sk'^ap-, 
indog. sk'^ab- auf, so dass folglich lat. scabö nur in dem- 
selben grade = got. skaba alid. scabu ist, wie lat. sägö ^= 
ahd. sfigu 'ich sauge' (verf. Paul-Braune's beitr. VIII 278 f!.). 
Auf die nebenwurzel sk-ab- mit „herabgesunkenem" aus- 
laute hat man auch lit. skabns schneidend, leicht ins holz 
dringend', nn-skabetl 'mit einem scharfen Werkzeuge ab- 
schneiden', abulg. skobli m. 'radula', russ. sköbelt f. 'schab- 
eisen, hobel', skoblja 'schnitzraesser'. skobliü öech. skobliti 
'schaben, hobeln" zu beziehen; ferner aus dem germanischen 
nebst alts. skeppien ahd. scephen 'schöpfen', alts. skap ahd. 
scaph scaf n. schaff, gefäss , fass , bottich, scheffel, boot, 
nachen' vielleicht got. ga-skapjan 'schaffen', wenn anders 
schaffen' eigentlich durch aushöhlen zu stände bringen' ge- 
wesen sein soll (Jurmann Kuhns zeitschr. XI 389 f., Zimmer 
nominalsufF. a und ä 299, Curtius grundz. d. griech. etym.^ 167, 
Schade altdeutsch, wörterb.'- 778 \ 779 f.). 

Ich bringe nun noch mehrere einzelne fälle der ent- 
gleisung besonders zur spräche. Voran stelle ich, als dem 
aspirierten perfect zunächst vergleichbar, diejenigen, wo durch 
die in rede stehende analogiebildung auch ein aspiriertes 
praesens oder sonstige aspirierte verbal- und nominalformen 
ausser dorn porfoctnm .statt ursprüngHcher unaspirierter zu 



- 301 - 

stände gekommen sind. Es sind dies dksüf.fo, avQs^d), xv(fiu), 
dh/oiiai, Siduoy.(<)^ nnvoofo. 

dXf-iqxo muss auf *äXHn<() zurückgebracht werden wegen 
sanskr. limpänii 'bestreiche, beschmiere', lepas^ lepanam 'salbe', 
lit. liiiipii, lipti 'kleben', lipus 'klebrig', abulg. Upü 'viscuni', 
lei)iti 'conglutinare' und wegen XiTia, /Jnoq 'fett', Xmaooc, 
Xlnaorjg, iTnuo:'«) im griechischen selbst. Der „besondere 
anlass zur aspiratiou" für dXeiq«)^ den Curtius grundz. d. griech. 
etym. •' 510 vermisst, bietet sich für uns dar durch die viel- 
gliederige gleichung ao-'V'U) rjoHim, yoäipio byoaWa^ yXdyno syXuri'u, 
yXvr/'W syXvilm, OTti/'io eataxlm, vlyjiii h'Tyyf : aQt(f(o, yodcpd), yXd(pw, 
yXvffco, orHfHo^ vlcfsi = dXeitl'Co tjXfiip'a : dXhi(j.(u. Nach dXsi'ffco, 
dXrjXi(pa^ rjXirprjv (bei Plato und späteren) dann auch die nomina 
dXei(faQ {dXfi(fi(), äXonfrj statt *dXemuo^ *dXni7rl]^ während Xhju, 
Xinoc. wegen ihrer mangelnden prothese. XittuqÖc und Xlnngt^Q^ 
XlnuQsio ausserdem durch ihre abweichend entwickelte be- 
deutung vor der beeinflussung seitens des verbums dXeupio 
geschützt blieben. 

orotipoj^ wenn wir es in derselben weise auf ^orgendi 
zurückführen wie dXat(fO) auf *dXsino)^ wird zur uebenform 
des gleichbedeutenden rotT/w, zu dem es sich bezüghch des 
anlauts dann so verhält wie art/oc arby-)] oTsy«) zu r.-'/oc n-y?] 
lat. tegö u. dergl. mehr (verf. morphol. unters. lY 329 f. 
anm.). „Etwaige entfernte beziehung zu zobmo'' glaubte 
schon Pott wurzel-wörterb. V 134. 419 bei dem otoHfio ent- 
decken zu müssen. Ob rgenw selbst näher zu altlat. fre2)if 
'vertit' nebst trepidus, trepidäre oder zu lat. torqueö, torqiws, 
sanskr. tarhis m. f. 'spindel' gehöre (vergl. Pott wurzel- 
wörterb. III lö6. Y 134, Curtius grundz. d. griech. etym. 
5 468 f, Corssen ausspr. vokal. I '-^ 68. 117. 502, Yanicek 
etym. wörterb. d. lat. spr. - 106), braucht uns hier nicht 
weiter zu interessieren. Yon den verbalformeu orgäffio, 
fGTQO(fa, boxodffijv aus durchdringt -</- auch die ganze nomi- 
nale Wortbildung: crrooy;/, oroncpuXoc ^ (JTooffdXiyi , aroöffiyi, 
GTQO(pevQ, OToncfoc, oTooffior, OTQÜiftQ. Nur bleibt daneben eine 
menge von /J^-formen, ovgaßög, argdßw); TioÖo-avoußrj, oxQsßXög^ 
argsßXTj, OTodßoc, arooßiXog, orgoßeci, nrooßsig, ev-orgnßijc u. a., 
„welche aus der sippe von aro;-y w zu stosseu man kein recht 



— 802 — 

hat" : diese repi'aesentiereii die indogei'iiianisclie nebenform 
der Wurzel mit erweiclitem auslaute statt des tonlosen -p- 
(beziehungsweise -k-A , zu deren annähme besonders das 
nasalierte nomen OToö/ißoc 'kreisel, Wirbelwind' bereclitigt ; 
vorgl. Pott Wurzel- wörterb. Y 421 ff., Curtius grundz. d. 
griech. etym. ^ 528. 

Tcfff). Morphol. unters. lY 177 erkannte ich noch nicht 
„das Verhältnis der consonantischen entsprechung-' von sanskr. 
dhvp-a-s m. 'räuchorwerk, rauch', dhnp-cma-m 'räucherwerk', 
(üinp-äi/a-ti 'räuchei't' und griech. Tvq-o-c^ Tvcf.-<')c, Ti'(i>-(!)v^ 
Tv(p-aMv u. s. w. Curtius' ausgehen von einem '^dvcp- als ur- 
griechischer wurzelform, grundz. d. griech. etym. ^ 228, be- 
friedigt nemlich keineswegs, da sich dem das sanskr. dhüp- 
— es müsste alsdann vielmelir sanskr. *(lubh- oder bei letzterer 
tenuis aspirata ^dfijiJt- erscheinen - nicht fügt. Die Störung 
ist vielmehr vom griechisclien verbum ausgegangen, das im 
praesens normal *dtn-(')^ im aor. pass. *t-dvn-i]}> lauten sollte. 
Es wurden das futur dvyj(u und der aorist sdvtpa, perf. pass. 
Tt&viijiiut empfunden wie do-'vno sd^otii'u rcß^o^uiiiai , ddioco 
s&aip'a Tt&a/^/iiur^ also bildete man praes. Tvcf-o wie rotfp-to, 
und aor. pass, s-Tv(f-t]v, fut. pass. rvrp-TJaouai wie i-väfp-Tjv^ 
Ta<f'-rjoof.iai. Dann teilte sich die neue wurzelform Tvrp- an- 
statt des alten *&v7t- auch den zu dem verbum gehörigen 
griechischen nominibus mit. 

öl/nuai 'nehme auf, warte ab, erwarte' neben ion. dor. 
lesb. öty-ofiui. Es ergibt sich nach Curtius tirundz. d. griech. 
etym. •'■ 507 „dr/. die nicht aspirierte, bei loniern, Doriern und 
Aeoliern (Ahrens d. dor. 82) vorkommende form als die ur- 
sprüngliche, die attische de/ als eine hysterogene. Selbst 
die Attiker bewahrten das ältere x in einigen Wörtern, 
deren Zusammenhang mit di/i-oUui dem sprachbewusstsein 
schwerlich klar vorschwebte, in doy.-ij-c balken, doy.-avi] gabol, 
aber auch in doooööy.oc, nai'döy.ng mit seinen ableituiigen, 
vielleicht auch in dry.uir ' o dry.aL'oticvoc und d'sy.n'^eii' bestechen, 
das sich am besten als frequentativum von öh/i-adai im sinne 
von bei sich aufnehmen, bewirten, tractieren (vgl. dy.ovr/.Zeadai, 
l-uyätsadai) erklärt." Auch Job. Spitzer 'lautlehre des arka- 
dischen dialekts' inaui^uraldiss. Kiel 1883 s. 47 anm. 1 ent- 



- 303 — 

scheidet sicli betreffs dos arkad. tty-dorA --=^ att. tyi-öo/ij für 
die Priorität des x. Als \v(!itero x-formeii wären aber noch 
/AI nennen, da ja ds/fo&ai auch 'entgegenneiimon, abwarten, 
erwarten' bedeutet : öoy.^iUo passe auf, fasse ins äuge, belaure', 
TiQoa-öoyM«) 'warte, erwarte'. Formenverhältuisse, nach denen 
bei den Attikoru das aspirierte Öl/oiua ans öi'tnimi A^f^a/<///' 
Sidey.ra( tdi'/i) ip' gefolgert werden konnte, sind : ßof^/o : /ip/iw 
ißfieta ßeßosxrai &ßoi^/>irji', aij/oiicu : a.Q'^of.iai rjoS.ä/.iT^p, yXi/ouai : 
^yXi^nurj)', Fv/nuai : n'ioiuxi Tjvh'xin-jv u. a. — Die perfect- 
bilduugen homer. i^^/arai 11. /)/ 147, dno-df-de/nrai lierod. 
II 43. (35. 77, sowie auch eoroorpa, xar-soToäcfuro Herod. I 27, 
sind aspirierte gleicher weise wie siXi/aTo und ntnXo/a, ri-roocf^a, 
trotzdem dass jene bei auch aspiriertem praesens nicht als 
solche erscheinen. 

dtöä<ix(o, SiSa/7]. Wenn lat. doc-eü, di-dic-1 auf nicht- 
aspirata im wuirzelauslaute hinweisen (vergl. oben s. 272), 
so ist gricch. cV/J«;^^ (bei Herodot, Thukydides, Plato u. a.) 
mit nichten eine Instanz dagegen; es ist nur zu ^löüh'ß löiöu^a 
dtdiÖay.xai ididä/drjr d'iday.TOC nach den Schemata vaQaS.(o fVapai« 
TsruQaxrui {-ranä/ß i]v : ra^ayr^, Jivvho enrc^a nenrvy.vai tvTv/driv 
nrvyröc : nrv/rj neu hinzu gebildet worden, ebenso wie das 
aspirierte perfect Ö^diön/a nach xsrdoa/a, hnTv/a. 

oQvnG(i). Obgleich sich oben s. 295 die formen der 
basis 001';^- auf griechischem boden als älter denn diejenigen 
mit ;' wie ciovy-riv, dovy-rj erweisen Hessen, so stellen doch 
auch jene oov/-rjaouai, oo-t<')nv/-a^ ^^Q^y.'V keineswegs die ur- 
gestalt der wurzel dar. Dies tut vielmehr nur griech. püx-ar?; 
'liobel' in seinem consensus mit lat. runc-üre, rwic-ön-, rmic- 
-ma (Vanicek etym. wörterb. d. lat. spr. - 242, Curtius grundz. 
d. griech. etym. ■' 529). Also sind auch oowWoj, o^wirtj, wQvia 
aus *novy.-m, ^öovy.-oci^ ^'wQvx-du in altgriechischer zeit zwei- 
mal entgleist, zuerst in die analogie der /-^ später noch ein- 
mal in die der /-stamme. Analog zw^eimalige stammverände- 
rung, wenn man das neugriechische hinzuzieht, bei *dXct'n(o : 
altgriech. dXtlqxo : neugriech. (Athen) aXn'ßi'i und *orQeTr(o : 
altgriech. orosffo) : neugriech. (Trapezunt) u/jolßo) (Hatzidakis 
Kuhns zeitschr. XXXII 80 f.). Der indogermanischen neben- 
wurzel mit erweichtem auslaut, die mit der nasalierung in 



- 304 — 

lat. runc- genetisch zusammenhängt, entstammen die latei- 
nischen //-formen ar-rngia, cor-rngus 'stellen', räga runzel, 
falte', sie sind also nicht zu griech. ÖQvy- in directe historische 
beziehung zu setzen. Bei griech, Qvy.drrj wird es der formale 
abstand seines anlauts gewesen sein, weswegen es sich der 
beeinflussung seitens der neuen verbalen basis öqv/- entzog, 
sowie bei A/tt«, XmuQdg die mangelnde prothese gegenübei' 
uXei'ffu» (s. 301).') 

Nicht hierher gehört t^v/m, obgleich man auch ihm und 
seinen gesippen tsv/oc, Tvy/avd), erv/ov, rv/i] ursprüngliche 
aspirationslosigkeit hat zuerkennen wollen , hauptsächlich 
wegen homer. rsrvy.sTv, TtTvy.nvro^ rsTvy.<of.isOu, Tswyoiutdu, 
TSTvxh&ai, nachhomer. n'xoc m. 'meissel' (Curtius grundz. d. 
griech. etym. ^ 219 f. 507). Zunächst kann mit f'-ri-y-o-r, 
rey.-i'o-r, n-x-og^ n-y-^iao und was Curtius (vergl. auch J. Sanneg 
zeitschr. f. d. gymnasialwes. XX^YIT (1883) s. 332 f.) sonst 
noch alles hinzuzieht, unser rsv/jo ganz und gar nichts zu 
schaffen haben. Yielmehr erscheint, wenn man ein indog. 
dhengh-- und als seine grundbedeutung tüchtig machen, 
tauglich machen, zweckentsprechend herstellen' ansetzt, die 
von W. Wackernagel altdeutsch, handwörterb. ^ 306'', PauH 
verba praeteritopraes. 30, Leo Meyer got. spr. 548 f. 702 



1) Ich halte nicht mehr, wie raorphol. unters. IV 29 ff. 88 126. 
137 f., danin fest, dass jedes indogermanisch mit r- anlautende wort 
im "riechisehen notwendig die prothese entwickeln musste. Vielmehr 
werden satzdoppelformen mit und ohne prothese sowol bei r- als bei l- 
und den nasalen di-, n- für die urgriechische zeit anzunehmen sein. 
Also wie aXeifpio und Kna, a?Jyu) und Xfyt^^i (H/uV^ai. oin'/i-'u) und ftor/og, 
aualöi; und juaXttxög ßh]/q6; ßXai, (\u((tiqoQ a/jav^ödO und ^unvfto; lUaiiooio, 
auaiivm^w ü/ictQvyij und uctQuoQO; uaQf4niq(o fjaqunoiL.10 fjuQfjnQSOi; jmtqfiaQvyiji 
ajumM und fjvvrj fjvvaadai (Curtius grnndz. ^ 324 j, o^öqyvü^ui, und ^joQlavTo 
fioqlätm'oi an-f-/io(i'idin;r (Aristo])!!.) , ar^Q avSqö; und rTpw'v' (^qoTTjTa 
(Curtius grundz. ■> 307, Clemm rhein. mus. n. f. XXXII 463 ff., Brug- 
mann Curtius' stud. 1X387), so auch von indog. ren- 'raffen, reissen' 

(lat. riiere) griech. }qv(0 iqvoixn und qvouat. qT/t/jq ySz-o; qüra qü/uoi quuu 
(== ahd. alts. riomo), so oQvaaw und quxnrtj. Nur seheint zufällig bei 
r-anlaut die griechische ausgleichung mehr zu gunsten der prothese- 
versehenen formen, also bei Iqfvd-M fQuf)-qo(;, Iqivyfodm. iqfi'xco, f^Aßco oQo<pog, 
f'efßog, oqf'yw, ausgefallen zu sein ; nicht so jedoch bei lifyfv; 'fiirber', 
Qftiö 'färbe' = sanskr. rdjyämi. 



— 805 — 

und Kluge etym. wörterb. d. deutsch, spr. 841 " vorgeschlagene 
cünibiuation des vi:v/w mit got. duug, dugan 'taugen', anord. 
dygä ags. duiuä ahd. tugid f. 'tüchtigkeit, brauch barkeit, 
tugeud', lit. daüg 'viel' (eigentlich 'tüchtig'), die Joh. Schmidt 
indog. vocal. I 172 noch als „lautlich unmöglich" bezeich- 
nete, als die einzig befriedigende und richtige. Wie das 
germanische praeteritopraesens intransitiv, so zeigt sich im 
griechischen die active perfectform gleichen Systems n-ziv/u 
in einem sonst von Tktvy/^iai occupierten sinne einmal bei 
Homer : Od. ^i 428 /:/ooc (jd'oTo Ttrtv/iöq aus rindsleder zurecht 
gemacht' oder verfertigt'. Geradezu unser tmigen^ tiiclitlg sein 
können wir in anwendung bringen bei der Übersetzung von 
II. 168 yvi'uiy.og wp' ärti rf'rrio so viel wie ein weib nur 
taugtest du, nur eines weibes tüchtigkeit bewiesest du'. Von 
Seiten der form ist zunächst zu bemerken, dass rsv^«) fut., 
TtTVKTui perf. med. , rj'xro'c partic. lautgesetzlich *9^sv^co, 
*vbdvyf.rai, *dvy.r6g heissen sollten. Der annähme einer doppelt 
aspirierten wurzel sind besonders günstig die hesychischen 
glossen 6i'&vay.tt ' h'wy/dvti, dnolfva^tii' (cod. dnodvy.siv) 
dnOTvy/äi'sn' und ovvdv^si ' avvavrrjGsi; vergL Lobeck technol. 
62, Curtius verb. d. griech. spr. I ^ 286, verf. morphol. unters. 
IV 35. Freilich wäre hier, während das futur -Sv^w aus 
*-&vy-o(o in voller Ordnung ist, für das fxx-praesens vielmehr 
*Tvo/io zu erwarten, da nda/io^ aus *ndd^-(jy.(t) oder eigentlicher 
noch aus *(fäd-oy.i'), zeigt, dass der hauch an zweiter stelle 
sich in solchen fällen auf das y der bildungssilbe verlegte. 
Aber d^voyoj praes. hat seine lautform durch Übertragung teils 
eben von dem futur 9-vho teils und besonders von der redu- 
plicierten praesensform *i-iUvayofiut. Dieses nemlich , nicht 
das historische nvvay.oftai, war das vorschriftsmässige evolut 
einer grundform *Si8vo/o/iai. Desgleichen steht der redu- 
plicierte aorist Tt-rvy-eTv für zu erwartendes *Ts-9^vy-sTv. Aus 
*de9^v/jF£v, *di&voyo!.iai mussten *T£&vyeTi', *Ti9^i)oy.ofiai ebenso 
hervorgehen, wie rsö^i^na aus ^d^-c&üqxx, von würz. *däq>- 
staunen' in s-racp-ov ra^^-fJr aor., räcf-oc neutr. Das gesetz 
der griechischen hauchdissimilation ist nemlich, um auch den 
Wörtern mit drei und noch mehr aspirationen gerecht zu 
werden, ganz allgemein so zu fassen: an den ungeraden 

Ostliüff, zur geschichtP. <1. perfecta i. indogermanischen. 20 



— 30(5 — 

stellen geht der hauch verloren, an den geraden 
wird er beibehalten. Wenn es darnach für ztvQocfa (zu 
TQtrpiij), nenoi&ansTiidsTi', ri-TUifia, nanovdrx., ion. vkVQrj/a ^Teragä/ei 
und VbTSv/a eigentlich auch *r^d-Qnna, *iri:(foiTa ^nsrpir&h', 
*Ts9-una, *nerfn]'ra^*tid-Q?]yM*6Tf^aoäxfi, *vti)evAa lieissen sollte, 
SO ist hier nur wieder hysterogen die analogio der laut- 
stellung in rgbcfw, Ti&id<o iniööiirji', tvätpi^v tc/j^oc Tucpoog^ enadov 
■nädoc TTtvdng, XQü/yc, vaoa/i'-j {^kvaoü/d-i]i'), Tivyut massgebend 
geworden, nach denen sich frühzeitig das gefübl ausbilden 
konnte, dass beispielsweise mit einem dau- vor einem eine 
neue silbe beginnenden consonanten ein rar/i- vor vocalen 
(oder einem nicht im silbenanlaut stehenden consonanten) 
abzuwechseln habe ; ein gefühl, das sich ja auch bei der neu- 
schöpfung von rtffio statt *Oünn) (s. 302) geltend machte. 
Auch für das alte homer. rsd-ijntv bildet sich ja das spätere 
durch Hesych bezeugte TtTi](:f.cv ' ixm-nlijxTai , ixnXTJTTsvat ; 
über den wert des &r;n(.o " Imd-viau, d-uv^m^co bei demselben 
glossographen sieh oben s. 62. ') Also ist in homer. tstvxsTv, 
TiTvoxojiiai das -x- durchaus gesetzmässig aus -/- entsprungen, 
nur das zweite -r- von vsv/o) sowie besonders von hv/d^tjv 
(sprich hwd-rjv) her den beiden formen wieder aufgedrängt 
statt *-6^-. Nach dem alten activaorist ts-tox-hv^ dem praesens 

1) Nach der obigen fassung des hauchdissimilationsgesetzes, die 
vielleicht ebenso auch für das sanskrit in anwendimg zu bringen ist 
(bxhodhu statt *huh]iöda wegen hödlutti hüdhijate abodJiisham), ergeben 
sich auch die griechischen iniperativformen dos aor. pass. rfd->;Ti, tv9->jti 
als ganz normale entwickelungen aus *-5f5-);i9't, '",9v,'^>}9i,. Nach ihrem 
muster wurde -5-;;ri als endung constituiert in oüd-i^Ti, d'ö9->j7t, XvS^tjTi, 
u. dergl., statt deren als lnutgesetzliche formen *ütoT>jd-i, u. s. w. vor- 
liegen sollten. Bei dem Wettstreit der beiden typen r^S-tjTi und *aMT>j9-i. 
gab vvol folgender umstand den ausschlag zu gunsten des ersteren: 
TfS^tjTi verdunkelte das infinitivsuffix -,^t, *(nÖT^9^t aber den passivaorist- 
charakter -9>j-; ersteres erschien darum unanstössiger, weil das -t- von 
TfS^r]TL wenigstens zu dem gleichen laute in den sämtlichen übrigen 
Imperativformen, Tt»r]To}, ri&rjrov, rt^ijTf u. s. vi., passte, das ~t- in 
*awrr]&i zu keiner einzigen sonstigen form des systemes von hnoS-tjv. 
Auch ^^v»rjTi kann neben Tf&tjri, tv^^ti unter den ansbildnorn der 
ondung -»tin gewesen sein, freilich nur in seiner vormaligen form 
*xv9t]Ti, da ja der ganze aorist h^v^riv das ^ durcli den systerazwang 
von -/fia., f'/fi^ y.fx^ucxi, ymözy /vul;, /tZua wiederhergestellt liat. 



— 307 — 

Tnvo-/.nttni und besonders nach dem ganz lautgesetzlicli ent- 
standenen passivischen hv/dviv (aus *l-9^i/Jiip-, vergl. tTvlit^v 
von d^vfo, in^Sijv von zid^Tjui) fügten sich nun. so nehme ich 
an, zunächst alle formen desselben verbums, die mit ihnen 
den gleichen tiefstufen vocalismus i^ hatten; also tv/.tÖq und 
T^Tiini TtTv/.Tui rirv^o (^Irt'nxro Ttrvyfitvoc statt ^'üvy.Toq, 
^Tsdr^ai u. s. f. Die engere sippe von tv/-?], h-j.v/-nr, rv/y- 
-ävio ging nicht mit. weil sie bei besonderer bedeutungsent- 
wickelung schon ganz ihre eigenen wege für sich wandelte. 
Also kein *rvy.-7] für rry-rj, aber wol hinwiederum xvy.-o-c, 
'meissel' für *ri'/-o-? nach t-Tv/-d^rjy (== phonet. ^-ti'x-S^t^}'), 
TS-Tvy.-sTi'. Endlich blieben bei rev/jo auch *d^sv^(o fut. und 
*s8^svia aor. nicht länger in diesen ihren alten formen, nachdem 
zuvor alles *-&vy.- und *tv/- zu rrx- geworden war. Dass sich 
Tfvi:(jü, ersvia, riTixTai, rvy.iöc ohne weiteres direct von rtv/jo 
ihren wurzelaulaut r- geholt hätten, wird man wol nicht be- 
haupten dürfen. Freilich läge die berufung auf nsvaauai, 
ntnvOTai, nvOTOc, ttvotic und ntioio, Eirstaa, nl-n^iorai, nioroc, 
ni'oTtc, auf Txeioofua (von zrf r^--), sowie auch auf raodamo nahe, 
die ja ebenso aus '^(fsi'oouui u. s. w., aus '^r^elao u. s. w., 
*(f>sinouai, *ii^aoaoa(o (vergl. die ältere nebeuform d-Qaoaci^ nach 
Tisvd^oiiai eirvdourjv, neld'tM tTxidourjv, siraS^or nädoc Ti'cvdoc, 
Tuija/7] umgestaltet sein müssen. Aber hier hängt wol über- 
all die möglichkeit solcher analogischen Umformung des 
Wurzelanlautes mit dem verschwinden des eigentlichen wurzel- 
auslautes vor dem antritt des bildungselementes zusammen : 
hätte *(pevTOotiai (vergl. sanskr, hhotsyate) immerfort sein -r- 
behalten, so ist wegen der ^oeyco : Toscfo, S-a-cio) : rot/i'i, 
d-ärjMi) : häffViV sehr wol zu vermuten, dass jenes alsdann 
auch nicht das n- von nsv&o/nai übernommen hätte. Ich 
verweise wiederum auf das hervorgehen des rv(p(o aus &vrp(o 
£&vxi'a als Zeugnis, wie sehr vollends ein nicht erst neu er- 
schaffenes Verhältnis m-v&ofiai : *ffsvroojitai dem griechischen 
Sprachgeiste immer conform sein musste. 

Unsere ausfüiirungen über rev/(u schliessen wir, nur 
noch bemerkend, dass nach denselben der heros Ttvy.onc auch 
weiterhin aussieht behält, etymologisch als der tüchtige' oder 
meinetwegen auch als guter treffer' mit tsv/(o in zusammen- 

20* 



— 308 — 

hang zu bleiben (vergl. Curtius grundz. d. griecli. etym. ^ 219. 
507), wenn man die ältere namensform des schützen ''T&vx-go-g 
ebenfalls auf associativem wege nach dem aorist th-rvy-hJv 
oder auch nach ri-rvay.n^axi 'ziele, will treffen im wurzelaus- 
laut umgestaltet sein lässt; dass ferner hier nachträglich unsere 
berechtigung erhellt, gerade auch rlxivya und TtTsv/arai, 
tvertv/avo unter die musterformen für die ausbildung des 
aspirierten perfects zu rechnen. 

Die kehrscite des an dkeiffxu., orgltpo), rcrfo)^ dZ/ofiui und 
ngvoo«) wahrgenommenen zeigen uns ßXcn(o , niftna) , sowie 
dod(jaof.iai, nrtjriodi. 

jikkno). Es ist für mich keine frage , dass ß'/Jcpaoor 
augenlid' und ßkicpaoig 'augenwimper' den wert „isolierter 
formen" haben. Wenn W. II. Röscher Curtius' stud. 12, 108 
und Curtius grundz. d. griech. etym. ^ 505. 510. 511 einmal 
nach den isoliert zur seite stehenden nominen Xina, Xmagog 
die lautverhältnisse des verbums aX&iqxo, andererseits nach 
dem verbum jjXtnM diejenigen der nomina ßXsffuooi', ßXsrpugi'g 
beurteilen, so ist das zum mindesten ein inconsequentes ver- 
fahren, welches auch dadurch nicht gerechtfertigt wird, dass 
in jenem ersteren falle zum glücke die aussergriechische Ver- 
wandtschaft besser bekannt ist. Von Benfeys lautgesetzlich 
verfehlter deutung des ßX^rfugov aus *ßXän- Fuqo-v, Kuhns 
zeitschr. VII 52, will auch Curtius mit recht nichts wissen. 
Die lautform des verbums ßXknco mit -tj- ist aus ßXhx/joj i-ßXsxfja 
ßeßXs^i/iiai tßXb(fd^i]v ßXejirÖQ gefolgert, indem man diese bil- 
dungeu wie XiriMo sXeipu Xi-Xs/nuat von Xsnco, d'QtyjM sdgsipa 
tdot(pi)i]i' d'ÖQtnroQ von ÖQhnM, nQ'cipto engsipu von nomai, 
rokxjji» evQsyja tqstttoc von Toen«) u. dergl. mehr aufzufassen 
lernte. Die vergleichung des ßXtni-iv mit abulg, cjlipajq, 
glipati 'cernere' (Fick vergleich, wörterb. I^ 574, Curtius 
grundz. d. griech. etym. '^ 481) ist zu beanstanden, weil sie 
auch am wurzelvocalismus erhebliche Schwierigkeiten findet. 
Dahingegen könnte jetzt für den verschlag W. Wackernagels 
altdeutsch, handwörterb. ^ 226% den O. Sehade altdeutsch, 
wörterb. - 678 noch das recht hatte abzuweisen, dem aber 
bereits Kluge etym. wörterb. d. deutsch, spr. 253" sich an- 
schliesst, die bahn mehr geordnet sein: griech. ßXhfir ist 



— 309 - 

vielleicht mit ahd. pJilegan mlid. nlid. pflcfien 'wofür sorgen, 
besorgen, behüten, betreiben, die sitte oder gew^ohnlieit haben 
/u', alts. plegan 'wofür einstehen, versprechen, verbürgen' zu 
identificieren, indem man als den grundbegriff der wurzel 
gelten lässt sein augenmerk richten, im äuge haben, acht 
haben'. Damit käme man auch dem tatsäclilichen gebrauche 
des griechischen verbums in manchen stücken näher als mit 
der aus jener erst abgeblassten bedeutung 'sehen, blicken': 
ßAsTTsiy ffc, TTong ri oder riru bei den tragikern, Thukydides, 
Plato u. a. heisst etwas oder jemand berücksichtigen, be- 
achten', ßlsTieir slg S^sovg Soph. Antig. 922 f. 'auf die götter 
hoffen, vertrauen'. Die neuhoclideutsche bedeutung des pflegen 
mit dem Infinitiv 'die gewohnheit haben, meistens tun' kommt 
im mittelhochdeutschen nur erst ausnahmsweise vor, wo da- 
gegen das starke verbum bei handlungen ganz regelmässig 
sie 'betreiben, als geschäft, als pfllcht besorgen, sich ange- 
legen sein lassen' ausdrückt (Benecke-Müller-Zarncke mittel- 
hochd. wörterb. II 1, 497). Nun vergleiche man mhd. pflegen 
mit dem ijifiuitiv 'sich angelegen sein lassen' und griech. 
ßXlnsiv mit dem Infinitiv in gleichem sinne in diesen stellen: 
Nibelungenl. 40, 2 f. ed. Bartsch Siglint pflac teilen rotez 
golt, Wigal. 202 f. (Ärtüs) nach dem alten site pflac die 
ritter alle empfähen wol und Aristoph. Acharn. 376 oväev 
ßXf 71 ovair aXXo nlijr yjr/ff(o i)ay.th', Aristoph. vesp. 847 f/w 
ri^uav ßlf-TT 10. Das germanische wurzelverbum für ein 
„zweifellos aus der fremde eingeführtes" zu halten, ent- 
schliesst sich nicht jeder so leicht wie O. Schade a. a. o. 
Der anlaut germ. p- hochd. pf- weist für denjenigen nicht 
notwendig auf ein fremdwort hin, der mit Kluge Paul- 
Braune's beitr. IX 184 f. indog. b zw^ar für einen in der 
grundsprache seltenen, aber ihr doch nicht ganz fehlenden 
laut hält. Indes eine Schwierigkeit bhebe betreffs des an- 
lautes von ßX/mo und pflegen doch bestehen, die,, dass dorisch 
(bei Pindar) y/Jcfjagov für ßXsffaQov und bei Hesych ylnfaga ' 
ßXfrpaou, offdaXiiol vorliegt. Man müsste also schon darauf 
hoffen, dass aus dem wüst von material , welches mit 
mehr behagen als kritik Fick und Bezzenberger in des 
letzteren beitr. Y 169 ff., anknüpfend an BechteJ bezeichn. 



— ;no — 

d. sinnl. wahrnehm. 74 f. anm., für „germanische labiale aus 
gutturalen" zeugen lassen, sich uns noch einmal das laut- 
gcsetz über german. _^, / = indog. (/^ ^2 ergeben werde. 
Eher aber als in dieser weise eine Wurzel g^legh^- möchte 
ich dennoch lieber indog. blegh-- zu gründe legen und 
betreffs des dor. yXscfaoov an die möglichkeit eines dialek- 
tischen lautwandels von ßX in yX denken; neugriechisch 
wenigstens kommt der entsprechende Wechsel zwischen dem 
spirantischen / und ß so, dass der labiale dabei unstreitig 
der ältere laut ist, vor, und besonders, zufolge Foy lautsyst. 
d. griech. vulgärspr, 14, bei nachfolgendem X: neugriech. 
yXTvoq für ßXTrog ßXevoq franz. hlenne, yXrjxovrt für ßXrj/jov, 
ferner yXiiKo eben für unser ßX^-nn)^ das fremdwert oovyXa 
neben anderweitigem oovßXu =-- lat. säbula. 

Aehnlich wie ßXsno) auf *ßXeff(o beruht wol 
ntf.nno auf "^nf/ttcfKo, wie trotz der noch unaufgeklärten 
etymologie die „isolierte form" honier. ep. dvn-vtß(pBXoq 'bös 
befördernd, von beschwerlicher und gefahrvoller fahrt' anzu- 
nehmen gebieten dürfte. Brugmanns versuch mit der „ge- 
brochenen reduplication" Curtius' stud. VII 347 f., um Tisunw, 
dva-7Te/-irft?,oc an nfgdo) und sanskr. jpar- , pi-par-ti 'führt 
hinüber, geleitet, befördert' anzuschliessen, würde wol ausser 
an dem -(f- auch an dem X in dva-nsiKpeXog scheitern. 

Und nun die perfecta ßf-ßXexpa, ntnof.Kpa^ Es sind ver- 
mutlich doch nur wieder neuschöpfungen von ßXento, ne/unw 
aus, also aspirierte perfecta der gewöhnlichen sorte. Für 
ßtßXffpa ist das um so wahrscheinlicher, als es uns erst in 
später zeit bezeugt ist, aus Antipater bei Stobaeus florii. 
70, 13: dnoßtßXaipörec:, vergl. Veitch greek verbs irreg. ^ 135, 
Curtius verb. d. griech. spr. 11'^ 210. nsnniKpa. schon bei 
Herodot, Thukydides und anderen attischen prosaikern 
(Veitch a. a. o. 523, vergl. oben s. 21)1), könnte schon eher 
die alte form mit demselben etymologischen -y)- wie Sva- 
-Tis/ii(f'tXog sein, bliebe aber doch auch so ein sicheres und 
das einzige zeugnis für die bokauntschaft der spräche lierodots 
und Thukydides' mit dem aspirierten perfect, denn diese 
schriftsteiler haben ja daneben auch ■nt/.ino), mit welchem zu- 
sammen ntno^Kfa darum nicht zu *nenojiina geworden sein 



— 311 — 

niüsstc, weil die neuere las und die ältere Atthis auch schon 
andere e\t;niplarc solcher lautcntsprechung zwisclion aspiration 
im pcrfect und nichtaspiration im praesens aufzuweisen hatten. 
Das nsTiQrj/svai Herodots V 106 ist freilich unsiclier, da dafür 
Stein auf grund guter handschriften nsnoitjyJvrxi liest; vergl. 
Curtius verb. d. griech. spr. II ^ 218 anm. 

dQdaaojiiat. Hier zeigt sich die entgleisung eines ur- 
sprüngliclien ;^-stammes — denn die von Fick vergleich, 
wörterb. I-' 107. 619 vertretene Zusammenstellung mit sanskr. 
darh- df^hati 'macht fest, befestigt', drhi/ati., -te ist fest', avest. 
dereza f. 'fessel', derezro adj, 'fest', han-dareza 'fessel', dare- 
zmjeitl 'fesselt , bindet', abulg. drizq, drizati 'hailten , fest- 
halten', lit. dirzas m. 'riemeu' trifft sicher das richtige, trotz 
Curtius grundz, d. griech. etym. ^ 492. verb. d. griech. spr. 
I '-' 316 f. und E. Mucke de consonarum etc. geminatione 14 — 
wesentlich nur auf seiten von nomiuen. Curtius bemerkt: 
„neben dem / von dQu/juij zeigt sich 7 in dgäy/na und vollends 
•/. in dgüi: doay.og band, wozu M. Schmidt auch cVapx-fg • dtojuai 
(Hesych.) d. i. bündel, maiüpidi, ägay^iava stellt" und gegen 
Fick gewendet: „mit einem 'dialektischen' x für / ist es 
nichts." Allerdings nicht; aber was hindert, öqÜ^ band' und 
dügi 'bündel' aus *Jpa'/-?, *dägx-c herzuleiten (vergl. Sgii aus 
*&ql/-q) und von diesem nom. sing, sowie dem dat. plur. 
ögu^l, öagii den übertritt in die analogie von rfv?Mi: (pvXah : 
(pvXay.oc, <T«()i : oagnog sich vollziehen zulassen? Das princip 
der Umbildung aus diesen zwei |-casus ist das gleiche, wie 
bei den verben der reihenwechsel vom futur und aorist auf 
-$w -^a, -V'f" -'/'« aus. Weil auch in nzsgvy- 'flügel, feder' 
der /-stamm aus tttsov^, titsqv^i erst gefolgert sein kann, 
darum Hessen wir oben s. 297 das Verhältnis zwischen der 
verbalen x- oder ;/-form nvi^gvoooiiai und dem stammnomen 
als dunkel dahin gestellt sein; nur das zeitlich frühere auf- 
treten von TTTtnv'S. TXT^Qvy-og, da dieses schon homerisch ist, 
könnte hier einigermassen für die posteriorität der lautform 
des denominativen verbums zeugen. Der münzname dga/j-irj, 
eigentlich griff, eine handvoll', muss jedoch immer zur be- 
stimmung des wurzelauslautes das massgebendste wort der 
ganzen sippe von ögäooof.w.i bleiben. Auf die /-formen ögayua, 



— 312 — 

öouyfu'c drei fingcv voll', homer. iTfJ^a/iu/rog part, perf. med. 
werden wir weiter unten noch zurückkommen. 

7ir7J(ya(o. Wegweisend kann hier als „isolierte form" 
einzig 7Tr(o/-n-c 'bettler' als 'der sich duckt und bückt' (Passow 
handwörterb. d. griech. spr. ^ u. d. w.) sein. Es ist titco/Öc, 
dessen / nach Cnrtius grundz. d. griech. etym, ^ 702. 712 zur 
abwechslung einmal von ox herkommt, erstens ein uraltes 
der griechischen spräche seit Homer eigenes nomen, es be- 
findet sich zweitens in genügendem bedeutungsabstande von 
dem gleichwurzeligen verbum und weist drittens sogar den 
einem -o-stamme gebührenden alten hochstufenvocalismus 
einer wurzel nTciy- auf wie aQMy-o-c, den der e-wurzel von 
aoriy-(a , wie rgorp-o-c, Xotn-6-c u. s. w. (de Saussure syst. 
primit. 155). In der uebenfoim des verbums mit to, homer. 
ion. att. nnöaoio, braucht man nicht mit de Saussure a. a. o. 
156 nur eine ableitung von nn/i^ zu sehen, sondern zu der 
zeit, als die 3. sing. perf. noch *E-nr(o/-i- lautete, ohne die 
ausgleichung mit ^-nräy-a 1. sing. = att. i-nxriy-a, wird 
TfxaGau) gelegentlich, ohne selbst unterzugehen, von den 
perfectformen mit hochstufe den ro-vocal übertragen erhalten 
haben. Aehnlich ist nach Passow handwörterb. d. griech. 
spr. 11^ 1358* ^(ödGii) „von gramm. gebildet zur abltg. von 
iQQioytL, Qtnt, unoooM^ u. dgl., Et. M. p. 131. 54." Für enT-t^/a, 
das bei den attischen rednern Isokrates, Lykurg, Demosthenes 
üblich ist, findet sich bemerkenswerter weise erst ganz spät, 
byzantinisch bei Themistius, die nebenform enrrjVLa (Yeitch 
greek verbs irreg. ^ 566) und als dorisch enräy-u in Hesychs 
glosse enray.evai ' xey.nvq)f i'ai (Buttmann ausführl. griech. 
sprachl. II - 285). Dieses entipa ist als ueubildung wie die 
xtxXtßcoQ^ nengayu (oben s. 293 f.) zu beurteilen. Angebahnt 
ward die entgleisung schon früh durch die Schöpfung der 
starken aoristform y.ara-nräxdn' bei Aeschyl. Eumen. 252, 
mit der Buttmann und Lobeck ausführl. griech. sprachl. 
a. a. 0. schwierigki'iten hatten, enrayor ist zu nT-tj^oi, tnTtj'^a 
der. STiTä^rx hinzu gebildet nach tdäxor neben d^j'^o/nat, Itdrjia, 
so dass hinwiederum grade nach dem alten inriy/a, als einer 
der vorbildlichen formen für das aspirierte perfect überhaupt, 
das öiörj/a von däy.vd) entsprungen sein mag. Von den 



— 313 - 

nominen nrä^, nrcli, vra^yAc. können die beiden ersteren, 
ebenso wie öoäi. doaxoc, daoxfc, die entgleisnng aUvS sich selbst 
wegen ihrer J-casus erfahren haben; nTciy.ag 'scheu, schüchtern' 
bildete sich statt ^nro/ng unter dem einflusse jener und der 
verbalformen wie enräy.ov. Zu Tisnixo-xa, das nur x-perfectum 
von ni7TT(o ist, hat rmjanci entfernt nicht die enge beziehung, 
die man gemeiniglich angenommen hat. Die entartung des 
TTTü/- zum /-stammein lesb. nrdCci'ist s. 297 f. bemerkt worden. 
Ein fall von zweifelhafterer art ist ßor/o 'knirsche' neben 
ßgvxo) 'beisse'. Dass sich die Scheidung in zwei formal und 
begrifflich verschiedene verba nicht durchführen lässt, davon 
überzeugt man sich durch einen blick in das material bei 
Veiteh greek verbs irreg. ^ 144 f., welcher nur ein verbum 
ßQvxio 'to grind the teeth. bite' aufstellt, und bei Passow hand- 
wörterb. d. griech. spr. '^ unter ßgV/(o, welcher bemerkt: 
„Nach Moer. ist ßovxsiv die att.. ßgv/tiv die gemeine form 
desselben Wortes; das richtige ist wol, dass zwar beide werte 
gleichen Ursprung haben, im gebrauch aber ßgvy.o die bdtg. 
beissen, ßQv/ci die bdtg. knirschen erhielt, s- Herrn. Soph. 
Phil. 745". Und ühev eßgr/e anthol. IX 252 Passow: „Doch 
steht anth. 9, 252: ^ßoh/e J'aAAo? aXXov , einer biss den 
andern, wenn dort nicht fßovxs als aor. 2. zu ßgvyoj herzu- 
stellen ist," Yeitch : „Generally ßoi'yjo bite, ßgv/c) c/nash, yet 
sßov/t hit, anth 9, 252. The change to eßnvy.t is easy, but 
their radical connection may as easily justify an occasional 
indiscriminate use." Bei Sophocles Philoct. 745 ist ßgv/oaai 
in dem sonst von ßovy.ouai vertretenen sinne ich werde von 
schmerzen gebissen , werde gequält' die Überlieferung fast 
aller handschriften, darunter des Laurentianus A, und der 
schollen. So leugnete die ursprüngliche einheit beider verba auch 
sogar G. Hermann zu Soph. Philoct. 745 rec. Erfurdt nicht, trotz 
seiner schärferen semasiologisclien scheidung der /.- und der 
/-form nach Yalckenaar zu Ammon. p. 34. Selbst diese 
aber hoben auf ausser Passow und Yeitch auch Butt- 
mann zu Sophocl. Philoct. 745 , Ellendt lex. Sophocl. 
unter ßgöxo) und Kühner ausführl. graram. d. griech. spr. 
I 2 789 ; der letztere gelehrte mit ansetzung der bedeutungs- 
scala „esse mit einem geräusche, fresse, dann beisse, knirsche", 



— 3U — 

sowie schon Eustathiiis (vergl. Ellendt a, a. o.) das ßovxftv 
als TQa//(iic iiexa noiov rivoq r,/ov toO^isiv definierte. Schwer 
nur ist zu sagen, was von beiden aus ßQvio fut., l'ßtyv'iu aor. 
als jüngere bildung gefolgert ist. ob ßoö/(') oder ßQU'/jo. Wenn 
aber 'knirsclien' die grundbedeutung war und diese sich einer- 
seits zu 'beisseu, zerbeissen', andererseits zu brüllen, heulen, 
hohl oder dumpf tosen' specialisierte, so gehören ßm/äouai, 
ßtßnv/a zu derselben sippe. Ferner auch ßQv/.-a acc. sing, 
meeresschlund, tiefe' Oppian. hal II 588 (vergl. Lobeck 
paralip. 107), vnö-ßoty-a adv. unter wasser, untergetaucht' 
Od. t 319. ßoiy-io-g adj. tief, hohV vom raeere und vom 
eclio (Aescliylus), vTTo-ßov/-to-c adj. tief, in der tiefe, unter- 
getaucht': der begriff der tiefe wird nach dem dumpfen, 
hohlen Widerhall sprachlich bezeichnet. Dadurch wächst, zu- 
mal da ßlßQv/fv-, vnn-ßov/a bereits homerische formen sind, 
die Wahrscheinlichkeit, dass ßfjvy.o die jüngere abzweigung ist. 
Wir hätten also auch hier, wie bei Tirrjoaaj tVräxoi', ent- 
gleisung eines /-Stammes in die analogie der x-stämme und 
in ßlßm/ß neben ßwho, sßgv'^a ein weiteres der typischen 
Vorbilder für das aspirierte perfect. Hübschmann armen, 
stud. I 3(1 04. 66. 73 vergleicht armen, krc-el 'zähneklappern' 
aus *kruc-el mit griech. ßoiy.-«>, ßnvy-iiö-q und möchte hier 
armen, c = indog. li- sein lassen. Anderwärts ist in sicheren 
beispielen vielmehr c fwie Hübschmann transscribiert) das 
aus altem Ic- vor e, /. i hervorgegangene armenische palata- 
lisierungsproduct, nemlich in y^ac-lc äugen, gr. ooof., ksl. oci; 
cor-U vier, skr. catväras, reooaotc', cu aufbruch, skr. cijuti"" 
nach Hübschmann armen, stud. I 66. So scheint auch der 
abstand des armen, krc-el von dieser gruppe auf etwas anderes 
als einfaches indog. ä;- im wurzelauslaute, mithin auf unur- 
sprünglichkeit des ßoi-x-w. hinzuweisen, und vielleicht war 
für ßiJi/-«) und das armenische verbum die gemeinsame grund- 
sprachliche Wurzel in tiefstufenvocalismus ein f/'rükh-- mit 
schliessender tenuis aspirata. Nicht palataHsiert ist indog, kh- 
armeniscli durch liauchverlustiges k vertreten in dem zu 
sanskr. khan- graben' gehörigen akaii '6'töniyf.ia\ das mir 
llübschmann armen, stud. I 64 unrichtig unter die beispiele 
für atmen, k = indoR. k- einzureihen scheint. 



— 315 — 

Den Übergang von ;^-stämmen zu }'-stämmcn haben wir. 
abgesehen von den fällen wie nrvoooj enn'yi^v , oovonfo Movyrji', 
die wir schon oben s. 295 zur spräche brachton, zu con- 
statieren für die zwei verba out/a> und rpu/ct. Deren 
aspirierter staninicharakter steht als der ursprünglichere oder 
wenigstens im griechischen ältere fest durch das vorkommen 
praesentischer und imperfectischer formen in der homerischen 
spräche: a,uv/oiTo II. X 411, dvaxpv/owa anoxpvyovra uva- 
rpvyBiv avsrpv/ov dnsipv/ovro II. E 795. yl 621. N 84. X 2. 
Od. d 568. fo348; für yw/co auch durch die zu allen zeiten 
üblichen nomina rfT/rj^ V^v/oq, i/Jv/Qog. Die späteren ;'-formen 
besprechen bereits Buttmann ausführl. griech. sprachl. I- 377. 
435, Curtius grundz. d. griech. etym. ^ 529, Kühner ausführl. 
gramm. d. griech. spr. I- 617. Es sind: dno-o/nvytvTsg 
bei Lucian dial. mort. VI 3, wo freilich die lesart an- 
gezweifelt wird; iywyf^v, ipvy/joofiai bei Aristoteles. Dioskorides, 
Arrian, Galen u. a., vielleicht aber auch einmal schon bei 
Aristoph. nub. 151 (Veitch greek verbs irreg. "* 714), nebst 
yjvytra ' dyytia Iv oic, vd'oQ y'v/^rai Hesych. Dazu, dass die 
grammatiker, Thomas Magister unter druyw/Jjrui und Moeris 
unter Uiv/fjvai^ lehren, dass „attisch s-rlJv/-')'jv ^ hellenisch 
i-rpvy-fjv"" sei, bemerkt Buttmann ausführl. griech. sprachl. 
1 2 435 anm. treffend : „Wenn indessen auch die Atticisten 
es [if'vy-^vai^ verwerfen, so bleibt es doch griechisch und alt, 
und selbst bei Aristoph. nub. 151 wird ohne bekannte Variante 
so gelesen." Es ist vielleicht übertriebene gleichmacherei, 
wenn an der Aristophanesstelle nur Dindorf, dem Kühner 
a. a. 0. folgt, gegen alle Überlieferung lOv/eiarj einsetzt ; denn 
wenn auch Aeschylus und Plato und andere komiker ausser 
Aristophanes iyjv//]^ gebrauchten (vergl. Yeitch a. a. o.), 
so muss darum nicht dieser letztere notwendig auch so, ja 
selbst jene nicht einmal i m m e r nur so, gesprochen haben. 
Mit dem a^uc/o wird bekanntlich gern die germanische Wort- 
sippe von ags. smeociDi fumare'. sniec m. 'fumus', siiioca m. 
'fumus', neuniederländ. sniook^ neuniederd. smök\ mhd. siiiouch, 
nhd. schtnauch, schmauchen verglichen, indem man gerade an 
jenen griechischen aor. pass. i-auvy-ip' anzuknüpfen pflegt; 
vergl. Pott wurzel-wörterb. III 1055, 0. Schade altdeutsch. 



— 316 — 

wörterb. ^ 832'', Kluge etymol. wörfcerb. d. deutsch, spr. 298 f. 
Diese combination würde nun entweder die griechische Sprach- 
geschichte wegen der erst späten und noch dazu etwas 
zweifelhaften beglaubigung der einzigen y-form avo-oi^ivysvvec, 
widerraten. Oder es bleibt der ausweg, dass man ofiir/jn selbst 
trotz seines höheren alters im griechischen eine entartung aus 
ursprünglichem *a(«i;j'to sein lässt: in vorhistorischer zeit wäre 
*o/i(vy<i> : ofivS.(»^ ^ea/tw^u nach der analogie von /-stammen um- 
geformt worden. Und vermutlich dann eben nach y/ö/jo : 
xfw^o), hpv^a, denn eine associierbarkeit dieser beiden verba 
liegt bei der berührung ihrer contrastierenden bedeutungen 
'durch ein schmochfeuer verbrennen, verschwelen' und 
'kühlen, abkühlen' sehr wol im bereiche des denkbaren. Von 
ndso&ai ist xi'v/eod-ai der gegensatz bei Plato Tim. p. 88 d.; 
ähnlich steht dem m-TTVQay.Tiood-ai das eti'v/d-ai gegenüber Sext. 
Empir. p. 510, 20, 23 sq, 24, 25 ed. Bekker; ro nvg ist 
iV'vyittim' erkaltet, niedergebrannt' Plato Critias p. 120b., 
und ff'Xoi: yjiyerai epigr. bei Suidas s. v. xpv/sTai. Vergl. 
Passow band wörterb. d. gi'iech. spr. II ^' 2, 2594 ** unter y'v/co. 
So kann auch ai.it/fir als verbum des brennens, verbrennens 
in Verbindung und corresponsion mit iiwyeiv wol gebraucht 
worden sein. Das späte dno-a^ivyerTsg des Lucian würde 
also nur eine zweimalige entgleisung dieses verbums, wo- 
durch dasselbe zu seinem ausgangspunkte zufällig zurück- 
gekehrt wäre, bezeugen, und man vergleiche den zweimal er- 
folgten Stammwechsel, den wir für xa/LvVrw, oovnnw und ihr 
Zubehör oben s. 298 f. 303 f, constatieren zu müssen glaubten. 

Neben r-^yjo 'schmelze' liegt als nomen instrumenti rrjy- 
-avov 'schmelztiegel'. Kein „unzweifelhafter fall" einer grie- 
chischen „erweichung" von x zu /, wie Curtius meint grundz. 
d. griech. etym. •"' 444. 535 und mit ihm Gust. Meyer griech. 
gramm. § 198 s. 180, eine solche gibt es überhaupt nicht; 
und Tijyai'or auch wol nicht mit Kluge Paul-Braune's beitr. 
IX 180 unter die fälle indogermanischer erweichung zu steilen. 
Sondern es gilt die gleichung rxp/arnr : rrjh» ir^-jSa tt^htÖc -= 
TjXr/yci'nr 'schlägel, prügel' (Hesych.) ; nXrj'ito inXi]ia TrX/]y.TOc; 
vergl. auch Ti.irihi> cV/f?;^« von T/nTJy«). 

Der enge verband, in welchem alle mutastämme durch 



— 817 — 

die gleiche bildung einer grossen reihe von verbalformen, 
insbesondere des signmtisclien futurs und aorists, unter ein- 
ander stehen, erklärt auch eine anzahl von erscheinungon 
der Wortbildung, in welchen man lautgesetzlichen wandel 
eines x, / zu y oder auch in liellem Widerspruch damit eines 
X, y zu / unter den nemlichen umständen statuieren zu müssen 
geglaubt hat. Vei'gl. W. von der Mühll 'über die aspiration 
der tenues vor nasalen und liquidis im zend und im grie- 
chischen' inauguraldiss. Leipzig 1875 s. 51 flP., Gust. Meyer 
griech. gramm. § 208 s. 187. § 280 s. 240. Ohne mich auf 
eine ausführliche erörterung aller der fälle, die man dafür 
anführt, hier einlassen zu können, hebe ich nur den einen 
punkt heraus, dass angesichts von beispielen wie äy.j^noi' änjLuj, 
l'y.f.ii'voc, Xi-Auöc, Thy.utoo eine andere behandlung der lautgruppe 
-x^<- im wortiunern als die hier sichtbare für das altgriechische 
nicht glaubhaft zu machen ist, dass ferner einen Übergang 
von -/ji- in -y^i- und vice versa einen solchen von -yf.i- in 
-yji- aufzustellen zu den grössten willkürlichkeiten gehört. 

Vor den wi-suffixen des perf und plusquamperf. med. 
-/.KU, -fiiji'^ -fifd-or^ -fit!)a. partic. -fievog erscheint der stamm- 
charakter aller gutturalstämme als -y- : nsnleyiiai von 
nXtxco^ ßfßQty/iai von ßoe/o wie XsXsy/nui von Xsyio. Das ist, 
worauf ich schon oben s. 285 hindeutete, auch nur wieder 
analogiebildung und als solche bereits von der Mühll a. a. o. 
52 bewusst geworden: „Man sagte nfnXsy/uai wie XtXsyf.iai 
(dessen y als ursprünglich angenommen v. grundz. nr. 538), 
wie man hinwiederum in ntjrXexTai und XtXtarai denselben 
harten gutturalen laut sprach." Also hier ebenso durch- 
greifende ausgleichung zu gunsten des typus der y-stämme, 
wie in der 3. plur. derselben medialen tempussysteme alles 
in -y-axai, -y-arn zusammenfällt nach massgabe der formen 
der /-stamme. Das mediale aoristparticip homer. y.axa-Xsy- 
-^tsroQ 'sich niedergelegt habend' Od. X 62. / 196 war, statt 
*yaTa-Xty-iLiti'og von wurz. Xey-{^Xty-og^ Xey-iö, Xöy-o-c, Xöy-firj)^ 
dadurch ermöglicht, dass in Xe^o/nai eXt'Sa Xt^aod^ai u. dergl., 
ferner in iXhy.xo ?Jyro yava-Xi-yßat die formen dieser auslautend 
aspirierten wurzel mit den entsprechenden von Xiy-M 'sammele, 
wähle, zähle, spreche' ganz zusammenfielen ; man vergleiche 



— 318 — 

Homers t-Xtyi-irjv 'zählte mich ;:u' Od. i 335 mit jener nach- 
bildung y.ara-Xeyfnrog von 'Ae/- 'liegen'. Dieselbe erklärung 
gilt für liomer. tdi-ynip', dv-söty^ad-a, ötyuevoc von Jfx-(cU/-) 
'aufnehmen, erwarten' (vergl. s. 302 f.), wie für die gleich- 
wurzelige perfectform öeöi-yutrnc,. Und in dei nominalbilduug 
mit w-suffixen entstanden älinlich ösTyaa^ dijyfiu, öüoyua. onry/na, 
nXtyiia, noayuu^ cj^>vXayna und aoyna (a-n-agyiici), ßolyua {^aiin- 
-ßQsy/.iu)i ßovyjita^ dgdyuu, svyfia, nrvyf^ia wie oosy/tia, q'khyj^ia. 
fSTiyiia^ l-uyi-ia^ (rqdyfia, ferner drjyf^iöq^ öioy^ing und ßoiyunc^ 
ßgvyucc wie if/.nyuöc, nnyfiöc^ /ayfiög, Weil die verba zu diesen 
verbaluomiua im futur und s-aorist allesamt übereinstimmend 
die ausgängo -ho, -^a hatten, im aor. pass. auf -/ßf]v, in den 
verbaladjectiven auf -xroc, -y.rtog und sonst noch in anderen 
formen zusammen gingen. 

Die nominalen ausgänge -/-fto-c, -/-i(^, -/■"« sind laut- 
gesetzlich nur ausgebildet bei den /-stammen, wie in ßQs/ua 
(Alkiphron) und ßQt/jiog (II. E 586) und ßgo/jiwg (Hesych.) 
zu ßof/o), in 6/jioc zu s/w, '^ö/jirj von würz. Af/-, t/uu zu 
f yw. Durch deren aualogie kommen auch auf nlo/uöq zu 
nXs'Mo, f.ivxfJ-6g zu /uf/uvaa oder zu /livUo, Q(o/j.i6c zu Q7Jyrcf.a; 
denn ßoo/jiog : ßQS%(o sßgs^a ßlßQsy.rui = jiXoyiiöq : nl^ho 
snXe^a ninXf/.rui und = go/jiög : ^^iw ^QQ'}^<^ igory^rai (mit 
urgriechischem ' t'-laut). Nach iTXo/i.iög zu nXo/.)) wiederum 
mag homer. ho/jiög als nebenform von homer. iaiy.-i^ sich ein- 
gefunden haben. Durch ßg^/j-iu erklärt sich, wegen ß<r''^io 
sßgs^a ßsßgsxrai ißg:^/!frp' ßgs/.zsov = nga^io sngaSa u. s. w., 
sowie auch durch s/jnu, wegen t^o fxro'c = ngFxid) ngcr/.rog, 
das ion. 7Tg7J/ua inschr. aus Chios Röhl inscr. Graec. antiq. 
no. 381 (= Cauer del. inscr. Graec. - no. 496) b 17. c 5, 
nach Curtius grundz. ■> 521 wieder ein fall unmotivierter 
aspiration, richtiger schon bei Gust. Meyer griech. graram. 
§ 198 s. 180 beurteilt. Also allerdings ion. ngii/un : jigfjyua att. 
noäy/iia = att TthngCe/a : m-ngüya, y-fovm wie /-form gleich weite 
abirrung aus dem geleise des alten x-stammes; vergl. s. 294. 

Dass in dieser weise endhch ein einfluss der /- auf die 
übrigen gutturalstämme auch in den w-formen des perf. und 
plusquamperf. med. ehemals, bevor die regel des -y-/ii- nach 
der anderen analogie durchgeführt wurde, geherrscht habe. 



— 319 — 

darauf deuten einige unverkennbare spuren noch hin. Denn, 
wie von der Mühll a. a. o. 52 bemerkt, „schrieb Herodian 
z. b. O 296 dede/iii'i'og, während Aristarch die gewöhnliche 
form d^dsyuivoc als die honierisclie ansah." Verblieben ist 
ferner als ein solcher rest homer. ax«;^«fc)'o^ von äy.- 'schürfen'; 
eine „isolierte form" also, die als solche nicht auf lautgesetz- 
lich keit, sondern nur auf analogieschöpf ung in einer früheren 
spiachschicht hindeutet, wie die oben s. 49 f. besprochenen 
erscheinuugen. Es erweist sich folglich von diesem Stand- 
punkte auch nicht als so uneben, wenn vou der Pfordten 
z. gesch. d. griech. perf. 47 das ny.u/ja'voc mit erschlossenen 
3. plur. *dy.((/atcu, '"'ay.äyaro in Zusammenhang bringt. An 
der Odysseestelle v 435 stützt sich die lesart jue^uo^vy/nera 
nur auf untergeordnete handschriften und auf Apoll. Soph. 
p. 111, 5 Bekker: die beste überheferuug mehrerer Codices, 
darunter des Venetus Marcianus M von erster band, bietet 
usuoov/iüva, das auch anderweitig, durch Hesych und Photius 
lex. p. 209 ed. G. Hermann feststeht; vergl. La Roche z. d. st. 
Das hom. fuuoQv/fitva nun könnte unter anderen eins der 
muster für äy.u/jusrog u. dergl. gewesen sein, wenn auf einen 
/-stamm hingewiesen wird durch Mogv/oc^ „bein. des Dionysos 
in Sikehen, von iioQvanu)^ weil man ihm in der Weinlese das 
gesiebt mit traubensaft beschmierte, Suid. t. 2 p. 201 Beruh. 
Lob. techn. p. 245" (Passow handwörterb. d. griech. spr. 
II-'' 1, 281'' unt. BIoQv/nc). Faesi-Kayser's bemerkung zu 
V 435 in ihrer Odysseeausgabe 5. aufl. (vergl. auch die- 
selben commentatoren zu Od. <o 416 über f.iv/ji6c) : .,usi.ioqv/- 
l-.'va für das gewöhnliche i^uiioovy^üva^ nach analogie von 
ay.a/itcrog^ ßoe/uöc"- wäre also, was uy.a/ulvoc anbetrifft, in 
ihr gegenteil zu verkehren, was ßQs/iiöq angeht, so weit zu- 
treffend, als auch ''''ßsßos/uevoc mit etymologisch berechtigtem 
-/- statt ßeßgey/Litvoc zu postulieren ist und zusamt dem 
fisuogv/jtH'ng zur bildung des dy.a/iisvoc beigetragen hat. 
Hesychs glosse T&d^(oy/Lisvoi ■ uf/iis,9vo,iu'}'oi verstössl. auf rf- 
d^Mxrai • TsdvKWTui folgend, gegen die buchstabenfolge; viel- 
leicht wird also M. Schmidt das richtige treffen mit seinem 
änderungsvorschlage Ts&w/jievoi , denn die anerkannte be- 
ziehung zu dem /-stamme von if^dy-oj ioii. att. i^/;/-w (Ahrens 



— 820 — 

de graec. liug. dial. II 182. 343, Ciirtius verb. d. griech. spr. 
12 228 f., de Saussuro syst, piimit. 155, Giist. Meyer griech. 
gramm. § 49 s. 53) hindert die Zulassung einer solchen form 
mit -y- nicht. 

Es liegt meinen ganzen bisiierigen aiisführungen unter 
andern die Voraussetzung zu gründe, dass auch bei dem an- 
tritte von r-suffixen die aspiratenstämme mit denen auf -x- 
-y-, -Ti- -ß- gleich ausgehende formen entwickelten, z. b. ßs- 
ßoijxrai ßor/.zög {^a-ßgsyroc) von ßQS/- und ßeßanvai ßanrog von 
ßa(p- wie XsXtxrai Atxrog von Af/-, xenX^nrui xXctttoq von xAcrr-. 
Diese Voraussetzung bedarf nachträglich einer rechtfertigung. 
Auch ich bin nemlich, wie Brugmann liter. centralbl. 1882 
uo. 11 sp.359, geneigt, nach der von Bartholomae ar. forsch. I 3 f. 
handb. d. altiran. dial. § 175 s. (18. Kuhns zeitschr.HXXYlI 206 
entwickelten theorie die genesis der bekannten sanskritischen 
Vertretung der ursprünglichen lautgruppen indog. (/A, bh -i- t 
höher hinauf zu datieren und wenigstens den keim dieses 
gesetzes progressiver assimilation in die indogermanische grund- 
sprache zu verlegen. Kluge bringt neuerdings Paul-Braune's 
beitr. IX 153 dafür eine auzahl beachtenswerter momente aus 
dem germanischen bei. Yom indogermanischen Standpunkte 
aus sollte es demnach z. b. griech. *ßeßu(i,9ai *jV/.y^oc, sowie 
ja auch "^nvad^og *Tivüd^iq (vergl. sanskr. huddhä-s huddhi-sh)^ 
lauten. ') Aber die annähme ist ja wol ganz unbedenklich, 



>) Allerdings wird noch näher zu untersuchen .sein, wie weit die 
umwandelung der lauts^ruppen gh + t, bh -f- t in der indos^ermanisehen 
grundsprache vori^eschritten gewesen sei. Denn direct die sanskritischen 
laiitgestalten -gdh-, -hdh- schon in jene urzeit zu verlegen, hat doch 
wol seine bedenken. "Wie will man z. b. lat. lectus, lectulus, lectica 
von würz. le(/h-- (griech. /If;^- in ;.f^-oj) erklären? In diesem falle kann 
doch an associative Umbildung der einzelsprache , wie sie etwa bei 
vecttts, vectis neben veh-ö (würz. negJi' -) annehmbar wäre, kaum ge- 
dacht werden, da lat. lectiis längst kein lebendiges participium mehr 
war und überhaupt ein verbum oder sonstige formen von legh-- 'liegen' 
im lateinischen nicht erhalten sind. Ferner käme auch abulg. mostl aus 
*mok-ti-s = got. maht-s in betracht, von aspiriert auslautender wurzel 
nach mog-n = got. mag. Es inuss in erwägnng gezogen werden, ob 
nicht gth, bth die im letzten Stadium der indogermanischen einheit 
erreichte lautstufe waren: der hauch war umgesprungen, nber ilie 



— 321 - 

dass, sowie Bartholoinae selbst ein avest. claptö statt '"^dahdö 
= sanskr. dabdhä-s und viele andere ausnahmefälle derselben 
art als iranische neiibild inigen erklärt, dass so auch im alt- 
gegenseitige assimilation dos tönenden ersten und tonlosen zweiten ver- 
schlusslautes noch nicht vollzogen. Von (jtli^ htli konnten die einzelnen 
sprachen in verschiedener rielitung assimilierend vorgehen: die einen 
gelangten progressiv zu gdh, bdh, so das sanskrit und iranische; andere 
regressiv zu l-fli, jy^^f oder von dieser phase aus zu den hauchverlustigen 
ht, pf, wie eventuell das lateinische. Ein indog. (/fh. hth braucht man 
nicht als unsprechbar zu verwerten; es ist gewiss ein irrtum Gust. 
Meyers zeitschr. f. d. Österreich, gyinn. XXXIV (1882) s. 922 f., dass 
man zur erklärung des Überganges von altgriech. aiirö? {antös) zu neu- 
grii-ch. aftös nicht mit Blass üb. d. ausspr. d. griech, 70 eine durch- 
gangsphase *avtös annehmen solle, weil die lautverbindung -vt- aus- 
sprachlich undenkbar und ihre Zulassung eine „lautphysiologische un- 
genauigkeit" sei. Gerade die Voraussetzung derartiger noch unassi- 
milierter lautfolgen für die indogermanische grundsprache dürfte uns 
in einigen fällen erwünschte aufsehlüsse über sonst dunkel bleibende 
erscheinungen geben. Ich will hier nicht gewicht darauf legen, dass 
sich uns oben s. 20 ff. die möglichkeit herausstellte, dass in 
Wörtern wie nisdö-s 'nest', sisdo 'sldo' das urvolk noch tonloses s 
gesprochen habe. Es will mich aber jetzt bedünken, dass im letzten 
gründe wol sepdm, oh^dö die grundformen der sieben- und der acht- 
zahl gewesen sein möchten. Auf progressiver assimilation würden hier 
die meisten einzelsprachlich üblichen formen mit innerem -pt-^ -kH- 
oder deren reflexen beruhen ; auf regressiver aber griech. ?ßSouoi 
abulg. sedmijjl aus *scbdn>i/ß, -.'riech. uySo{f)o;. Den gegensatz der 
lautform zwischen enrii und 'ißjouo;, oxnö und oySo^/^Jo; könnten dann 
alte und hier wol auch im griecliischen bewahrte accentverhältnisse be- 
wirkt haben, indem etwa nach der haupttousilbo regressiv, sonst pro- 
gressiv assimiliert wurde. Lat. septrmtis, octävus könnten, statt *sebdimHS, 
*ogdätmSi an septem, octö angeglichen sein. Unter dasselbe für 'i-ßSofw; 
geltende assimilationsgesetz würden aber vermutlich auch die etymo- 
logisch von ped- 'fuss' herstammenden Wortbildungen sanski'. iipa- 
-hdd-, upa-hdi-, pl-bdninäna-, pi-bda>id-, avest. a-bda-,up)a-hda-,fra-bda-, 
bi-bda- , tJiri'-bda-, v'ispa-bda- , griech. fm'-ßSta (Brugmann morphol. 
unters. I 13. III 107, Job. Schmidt Kuhns zeitsclir. XXV 05 f , Hübsch- 
mann Kuhns zeitschr. XXVI 606) sich zu stellen haben, wenn auch bei 
den einzelnen unter ihnen der einklang des assimilationsproductes mit 
der accentstellung in folge von Störungen und ausgleiehungen nicht 
immer bewahrt vorliegt. Doch verkenne ich selbst das hypothetische 
dieser meiner bemerkungen nicht, mit denen ich auch nur melir im 
allgemeinen zu einer Untersuchung über diese fraglichen gegenstände 
augeregt haben möchte. 

O Stil off, zur g-eschichte d. perffcts i. inilogeimanisclieii. 21 



— 322 — 

griechischen und auf den anderen Sprachgebieten die reactionen 
des „systenizwanges" gegen das gesetzmässige indogermanische 
product jener lautgruppen yh, hh 4- t sehr frühzeitige ge- 
wesen sein werden. Es können also solche ^ßsßos/d^ai 
*ßQe/&f)c, *ßsßafpdui ^-ßa(f,ijnq im urgriechischen längst vorher 
die „heilung" ihrer endungen zu den historischen formen 
-y.vm -xro'c, --nrai -nvöq erfahren haben, ehe die associativen 
einwirkungen der aspiraten- auf die nicht-aspiratenstämme 
und vice versa sich geltend zu machen begannen. 

Ich hoffe durch meine jetzt abzuschhessende Unter- 
suchung zur genüge gezeigt zu haben, wie ausser dem 
aspirierten perfect sich eine menge anderer ähnlicher er- 
scheinungen der altgriechischen spräche in ein wesentlich 
anderes licht stellen, die mau in einem system des „spora- 
dischen lautwandels" mit den Schlagwörtern der unmotivierten 
„aspiration", „hauchentziehung", „erweichung" abzutun pflegt 
oder beti'cffs deren eine vorsichtigere und wissenschaftlichere 
auffassungsweise, wie sie bei Gust. Meyer griech, gramm. 
§ 211 s. 188 begegnet, nur zu constatieren hatte: „Kein be- 
sonderer äusserlicher aulass zur aspiration ist vorläufig zu 
erkennen". Es sei mir nun noch gestattet, mit ein paar bei- 
spielen darauf aufmerksam zu machen, wie die vielfach zu 
beobachtende „entgleisung" auch dem gebiete der dental- 
stämme im griechischen nicht fremd ist. 

Das praesens ßodoGo att. ßodtrcj (Plato, Aristophanes) 
bekommt in ganz später zeit die nebenform ßgalw (Heliodor); 
vergl. Veitch greek verbs irreg. ^ 142, Curtius verb. d. griech. 
spr. 12 319. 322 f., Ascoli studj crit. II 442 anm. Umge- 
kehrt sagten für das alte ijoü'On die Tarentiner f/of/'oow, die 
Boeoter (KorinnaJ fforkvo); vergl. Curtius grundz. d. griech. 
etym. 5 673. verb. d. griech. spr. I^ .^24- Weil alles ausser- 
praesentische bei den r- oder ^- und den (V-stämmen gleich- 
formig war, ßnäaio eßgaau ßbßQUOf.iai ißor/.a,'h]i' ßgaorsor wie 
ffQaoo) srpnaaa Tiscpoaoaai i(fQ(xnßrji' rpnaavirnv^ also konnten 
auch hier die praesentia auf -aar-) (-rn-*) und auf -tf'> changieren, 
ßoä^c) sich nach ifodtco und /üCo, /jCf^^ -/.vitw^ o/Jto., anderer- 
seits (fodvru) sich wie ßgdrroi und Tidrrci, nAdTuu, ßXiTriohWden. 
Für rfodCro hat der ti-stamm y-oacV- durch die formen der 



— 323 — 

ältesten spräche wie f^-nf-(fO<id'-ni ^ (pQad-/^g d-(poaS-/^jg uoi- 
-(foad-fjci f/oäd-iK'iv SO entschieden das vorreclit der Primo- 
genitur, dass für eine feststelluug der etymologie der aus 
tarent. (fQaaoco boeot. (fguTTo zu abstrahierende tenuisstamm 
aanz wertlos ist. Will man o;leichwül an der beliebten ver- 
g'leichung mit lit. prant-h prat-aü pras-ti 'merken, erlernen', 
pröt-a-s m. 'verstand, einsieht', got. frap-jan frop^ frap-i n., 
fröp-s adj., fröp-ei i\ (Curtius grundz. d. griech, etym. ■'' 673, 
Leo Meyer got. spr. 73. 135 f. 284. 350. 396. 609, Fiele 
vergleich, wörterb. I -^ 679 f.) festhalten, so geht das, weil 
erstlich die existenz des nasalinfigierenden litauischen praesens 
die annähme eines grundsprachlichen -phrad- als nebenform 
der Wurzel plirat- erleichtert und zweitens die anlaute griech. 
^-, germ. /-, lit. p- sich jetzt zwanglos unter der indo- 
germanischen tenuis aspirata ph- vereinigen. Denn dem 
litauischen (und sla vischen) ist die alte aspirierte tenuis 
ebenso zur hauchlosen tenuis geworden, wie die aspirierte 
media hier in die einfache media überging; vergl. z. b. lit. 
piäu "ich falle' und lat. fallö, anord. falla ags. feallan alts. 
ahd. fallan^ griech. q>>'j?.6c betrügerisch, täuschend', (prjXoco 
betrüge, täusche', (p-jh^rrjc m. betrüger, dieb' (Kluge etym. 
wörterb. d. deutsch, spr. 71 f. wxitQx fallen und /als ch\ ferner 
Mt.'platü-s breit' = sanskr. prtJiü-s und lit. 7'ätas m. 'rad' 
= sanskr. räthas^ avest. rathö^ alid, rad aus urgerm. rdJ)om 
(Kluge Kuhns zeitschr. XXVT 89. etym. wörterb. d. deutsch, 
spr. 262*). Auf dem indog. phrad- beruht aus dem ger- 
manischen got. ns-frat-ivjan 'klug machen', das auch schon 
Fick a. a. o. dem griech. (pnad- (iQdto) zunächst zur seite 
gerückt hat. 



21* 



YII. 

DAS GEIECHISCHE X-PERFECTUM. 

Zu dem, was Brugmann Kuhns zeitschr. XXV 212 ff. 
über den Ursprung des griechischen „schwachen" perfecta 
lehrte und Gust. Meyer griech. gramm. § 557 s. 423 sich 
aneignete, habe ich niemals rechtes vertrauen haben können. 
Die gleichung griech. dtöwy.e = sanskr. ved. dadäca ist aus 
mehr als einem gründe sehr anfechtbar, wie auch schon 
F. Stolz zeitschr. f. d. Österreich, gymn. XXXI (1880) s. 828 f. 
erkannte. Die formalen bedenken ergeben sich unmittelbar 
aus meinen obigen ausführungen, s. 50 ff". Sanskr. däc- ist 
trotz des langen ä doch nur eine phase von däc- = indog. 
dek''- in lat. dec-us, ved. dag-asydti; also könnte im grie- 
chischen nur ein *c)f-cVo/.-f der genaue reflex von ved. da- 
-däg-a 3. sing. perf. sein. Ferner erkennen wir im griechischen 
mit Leo Meyer und Jak. Wackernagel, denen hierin auch 
Curtius verb. d. griech. spr. II^ 219 und F. Stolz a. a. o. 
folgen, einzig in homer. drj^-vv /.isvoc, (oder dcy.vvi.iBvoq)^ t)>;- 
-cVfx-ro, örj-öey-arai^ dtj-dSy-aTo verwandte von sanskr. däc- 
'ehren, huldigen', welche sich als solche genügend zu legi- 
timieren wissen; von dieser gi'iechischen Wortsippe ist aber 
doch wol <.Uö(i)y.a in jeder beziehung weit abliegend. End- 
lich der bedeutungsabstand : griech. ösSoj/m zeigt nirgends 
spuren einer so zu sagen edleren grundbedeutung 'habe huld- 
voll gewährt' oder 'habe ehrend dargebraclit', welche sanskr. 
da-däg-a seinerseits, auch wo es den begriff des 'schenkens' 
nebenher entwickelt zeigt, nirgends verleugnet. Bei dem 
scheinbar analogen falle von würz, da'u- durch gescheuke 



— 325 — 

ehren' scheint mir kaum in irgend einer spräche, die von den 
morpliol. unters, IV 370 ff. besprochenen abkömmlingen 
welche aufweist, der ursprünglicla prägnantere sinn so ganz 
abgestreift zu sein, wie es bei Ssiüuma nach Brugmanns an- 
sieht der fall sein müsste. 

Die bemerkungen von F. Stolz a. a. o. verdienen eben 
auch nur nach der negativen seite, in dem was gegen Brug- 
mann und Gust. Meyer vorgebracht wird, beistimmung. Wenn 
dieser gelehrte, von d'^(oy.u absehend, diejenigen perfecta auf 
-xa zum ausgangspunkt nimmt, bei denen das -x- sicher 
wurzelhaft ist, so sieht man nicht ein, von welchem punkte 
aus die spräche jemals dazu gelangen konnte, in i.tsf.n]y.(ö(;, 
tiri^YM das -y.- als flexivisch anstatt als wurzelauslaut zu 
empfinden. Nur XtlrjyM könnte von den Stolzschen beispielen 
allenfalls brauchbar erscheinen, da nach ihm neben dem 
praesens Xäoy.a) aus *X(xy.-oy.(.o freilich wol ein ßsß7]xa zu ßäanco 
und hiernach etwa weiteres hätte entspringen mögen. Aber 
Xdoxo) ist im griechischen kein besonders häufig gebrauchtes 
und jedesfalls fast ausschliesslich auf die poetische spräche 
beschränktes verbum; Aristot. bist. an. IX 32, 3 ist nach 
der Stellenübersicht bei Veitcli greek verbs irreg, ^ 412 f, 
das früheste und beinahe einzige Zeugnis für Xday.o (speciell 
dessen 3. sing. perf. XtXi]xsv) in der prosa. Es wäre also 
kühn, gerade in dieser Singularität den keim zu einer so 
folgenreichen entwickelung zu erblicken. 

Nichts fördert auch H, von der Pfordten z. gesch, d, 
griech, perf, 51 ff., der bei seinem eklektischen Standpunkte 
vieles und das widerstreitendste zur erklärung des x-perfects 
lierbeizieht, von den rt'r?;/«, fiefir]y.(/)g, ntffQty.äai, /.isfAüns aber 
auch seinerseits, was das notwendigste war, zu zeigen unter- 
lässt, dass und wie sie der abstraction des griechischen Sprach- 
gefühls zu formen mit den flexion Sendungen -x«, -xw'c, 
-y.aoi, -y.t wurden. Insbesondere aber gelingt von der I'fordten 
a. a. 0, 31. 52 auch keineswegs der versuchte nachweis, wie 
trotz der beziehung von homer. örjöf/arai^ Srjdeyaro (von der 
Pfordten kennt auch ein praesens cVt/tVs/o/«/.« !) auf altind, 
duc- die Brugmannsche anknüpfung des dldtoxa und aor, 
£()wxa an dieselbe sanskritwurzel „nicht fallen muss". 



— 326 — 

Am nächsten hat meines erachtens de Saussure syst. 
pvimit. 140. 147 ff. an den wirklichen Ursprung des x-per- 
fectums gerührt, besonders mit diesen drei bemerkungen über 
U')-y.a {ä(i,-e('ixa dorisch und ionisch nach Suidas s. v. rupsTy.a^ 
"etym. magn. 176, 45 sqq. = Herod. II 236, 1 sqq. ed. 
Lentz) von Iq-in: „II y a eu addition de -x« sans modi- 
fication de la syllabe radicale" (s 140), „A 1' abtaut grec 
7] : (0 (i7]iiu : Hoxa) repond exactement V ablaiit du norde.- ä 
(germ. lith. ö). C'est celui qu'on observe dans les preterits 
gothiques sai-so, vai-vo, lai-lo, venant de racines se, ve^ le"' 
(s. 141) und „Dans les 3^' personnes comme .... to-ye on 
obtient en rctranchant l'appendice -xt le type pur du grec 
tres-ancien" (s. 149), überhaupt mit der gleichsetzung des 
*eV.u in Ho-y.e einerseits und der bildungen wie got. saisö und 
sanskr. *dadhä [in dadhä-u) andererseits. Mit anderen Worten: 
es steckt flexion in dem dem -ya, -y.e vorhergehenden 
wortteile bei den perfecten der auf -e-, -«-, -ö- aus- 
lautenden wurzeln wie ^-, d-i]-^ om-, Öo-. Das fw-xf, 
dessen Wichtigkeit de Saussure somit richtig erkannte, setzten 
die sämtlichen anderen theorien über das x-perfect un- 
gebührlich bei Seite und würde auch wol keine derselben 
von ihrem Standpunkte genügend zu erklären vermögen. Es 
ist jedesfalls ein innerer Widerspruch, wenn Gust. Meyer 
griech. gramm. § 40 s. 4ö in cap-Ho-y.a indogermanischen 
„ablaut w" findet und ebend. § 557 s. 423 alles mit Brug- 
mann von ölduyy.a ableitet, nach welchem doch wol als grie- 
chische neubildung aus li]ui nur ein *brjy.a resultieren konnte. 
EigentUch constatierte schon längst vor de Saussure Herodian 
11436,2 sqq. ed. Lentz für d(p-t(oyu und nrf-sfovrrxi^ äv-l-wvrai, 
dv-kond^ai (tab. Heracl. I 153) den w-ablaut, wenn diesem gram- 
matiker das -co- hier ^xQonrj rov rj tig w" steht oder, -wie es 
Curtius verb. I^ 398 anra. ausdrückt, „Vertreter des in V-?;-/« 
hervortretenden E-lauts" ist. Weist uns also H')-ye deutlich 
durch seine hochstufigkeit der Wurzelsilbe auf die indo- 
germanische perfectbildung der wurzel sc- = griech. //- hin 
(vergl, 8. 207 f.), so erscheint schon dadurch der versuch 
indiciert, das -y.e irgendwie als ein späteres von aussen an die 
fertige perfectform angeschmolzenes accedens zu rechtfertigen. 



— 327 — 

So kämo OS denn vor allem darauf an. eine enklitische 
partikol in dem -x^ oder dem -xa der 1. sing, herauszu- 
stellen, üass wir a priori herechtigt sind, festen und früii- 
zeitigen partikelanwuchs an indogermanischen verbalformen 
überhaupt und insbesondere au solchen des porfectums, ferner 
namentlich hinter vocalischem auslaut derselben zu suchen, 
lehren zur genüge die in weiterem umfange zu machenden be- 
obachtungcn einer derartigen Verwertung der partikel -u, wenn 
wir dieser bei sanskr. tasthä-u, dadhä-u, dadä-u u. s. w., 
vielleicht bei umbr. sub-ocä-u, im litauischen bei teka-ü, eda-u, 
eja-ü u. s. w. und vom perfectum abgesehen in injunctiv- 
formen des indo-iranischen, injunctiv- und optativformen des 
germanischen begegnen. Vergl. verf. morphol. unters. IV 252 f. 
254 tf. 258 f. anm. oben s. 63 f. 122 f. 233 f., neuerdings 
auch R. Thurneysen Kuhns zeitschr. XXVII 174 f. 

Die partikel xfr, homerisch und lesbisch (vergl. Meister 
d. griech. dial. I 195), sowie auch dorisch nach berichten 
der alten grammatiker [ vergl. weiter unten s. 330), ist als x« 
bei deu Doriern, Elieru uud Boeotern vielfach bezeugt; vergl. 
Hugo Weber die dorische partikel x« Halle 1864, Gust. 
Meyer griech. gramm. § 22 s. 25 f. Da an der Identität 
des X« mit jenem xtr nicht zu zweifeln ist. andererseits aber 
weder 'diese beiden formen unter sich nach den einzeldialek- 
tischen Lautgesetzen völlig congruent sein können noch auch 
xa mit der homerischen und zugleich lesbischen und kyprischen 
nebenform ohne nasal xf sich deckt, so bleibt als rettung 
aus dem dilemma wol kaum etwas anderes übrig, als zunächst 
X6J' und xot in das Verhältnis der satzdoppelformen zu setzen. 
Dies geht vom indogermanischen Standpunkte durchaus 
an. Denn, was als eine möglichkeit auch schon Gust. Meyer 
a. a. o. sah, „xr« kann .... aus einer form k)^ (km^ mit 
uasalis souans entstanden sein" ; xfj' = indog. ken oder kern 
war die orthotonierte form dazu mit der bei einer solchen 
regelrecht erforderlichen mittelstufigkeit des vocahsmus. Die 
einzige Verschiebung, die sich soweit das griechische, wenigstens 
das homerische, jedoch wahrscheinlich auch sclion die ur- 
helleuische spräche, gestattet hätte, wäre die, dass hier das 
ursprünglich uur haupttonige *y.c'v zu /.sv, d. i. auch zur ton- 



— 328 — 

losen enklitika, wozu von haus aus nur das aa bestimmt war, 
herabsank. 

Treffend lüsst sich der diialismus von ntv und y.a durch 
ein anderes formenpaar bei einer und derselben alten partikel 
illustrieren, durch das nebeneinander nemlich von griech. av 
und andererseits sanskr. ved. u, griech. -v in ttuv-v (verf. 
morphol. unters. IV 253 f.). Denn richtig bemerkt bereits 
Fick Bezzenbergers beitr. VII 270: „av verhält sich zum 
gleichbedeutenden ved. u, n 'und, auch, ferner' wie axnoc. zu 
s. ushds."' Ja, es hat sogar der abwechselnde gebrauch von 
indog. ä n und u^ wie er in der ^grundsprache sich regelte, 
so im griechischen sich strict aufrecht erhalten, in sofern hier 
noch immer av die haupttonversehene form, auch in ai;-rt, 
av-Ti, av-Tic, av-&i, av-ß^iQ (und in lat. aii-t, au-tem., osk. 
av-t, av-ti au-ti, umbr. u-te o-te , in got. au-k 'denn, 
aber anord. au-k ags, ed-c alts. o-k ahd. oit-h 'auch' = griech. 
av ys), ist, -v nur enklitisch in näv-v, rovxo = *ro v zo auf- 
tritt wie desgleichen u im sanskrit stets, «t : ii, -v = *xt'i' 
(haupttouig); z«. Für meine morphol. unters. IV 323 ff. gegen 
andere forscher verfochtene lehre, dass mittelstufige ai, du 
ebenso die tiefstufengestalten ?, ü zur seite haben mussten 
wie mittelstufige ei, eu^ ist der dort noch übersehene fall 
der partikel dti : ü eines der beweiskräftigsten argumente. 

„Wurzelabstufung ist überhaupt den partikeln nicht 
fremd, wir finden sie z. b. in /.a neben xf ?■" ; mit dieser be- 
merkung hat mir schon Joh. Spitzer in seiner verdienst- 
lichen doctordisseitation über die „lautlehre des arkadischen 
dialekts" Kiel 1883 s. 8 die obige erklärung vorweggenommen. 
Derselbe forscher bestimmt ferner auch richtig das Verhältnis 
der dritten form homer. lesb. kypr. xf zu den beiden übrigen, 
indem er, unter nütberücksichtigung der entsprechenden 
formentrias -^fv, -9u und -dt^ von y.t sagt: „letzteres ist 
off'enbar aus xa und y.ev entstandene contaminationsbildung". 
Es musste wol *v.bv zuvor auch enklitisch wie x« zu fungieren 
begonnen haben, damit füglich dieses letztere die vocalisation 
des gleichbedeutenden xtr annehmen oder auch xfr nach 
massgabe seiner soitenform y.a den schliessenden nasal ein- 
büssen konnte. 



— 320 - 

Zu oinoin nndeion rosultato der ausgleiclmng zwiselicn 
y.{=v und /« könnte der arkadische dialekt gelangt sein : hier 
entwickelte sicli nenilich vielleicht als solche coniproniissform 
das geliilde a(tv^ wenn dies zweimal auf der hauinschrift von 
Tegea. in f< ynv nc ylvi-jvni z. 2, f/ xai' ya-XtviDvcti z, 15, er- 
halten ist; vergl. H. Weber d. dor. partikel y.a 17. Gust. Meyers 
bedenken dagegen, griech. granini. § 22 s. 26, und sein ver- 
schlag, vielmehr xar (= y.ai av) zu lesen, sind freilich sehr 
wol erwägenswert; der umstand, dass die inschrifr sonst nur 
«r, H d'ny kennt, ist zum mindesten der annalime, die andere mit 
«V gleichbedeutende partikel sei hier zuzulassen, nicht günstig, 
wenn er dieselbe vielleicht auch nicht geradezu unmöglich 
macht. Jedesfalls ist aber solches y.av als die allerälteste 
und urgriechische foim der partikel auszugeben ein jetzt 
nicht mehr zulässiger Standpunkt H. Webers, sowie auch 
der versuch dieses gelehrten, das y.av an stelle von x« oder 
xfv durch conjecturen in die texte der dialektischen dichter, 
insbesondere Theokrits, und der grammatiker hineinzubringen, 
ungerechtfertigt. Um von einem yaxv die f-formen y.sv und xf 
abzuleiten, bietet das heutige wissen vom indogermanischen 
und griechischen vocalismus keine handhaben mehr; nur y.a 
neben y.av könnte begreiflich sein, wenn auch nicht als eine 
durch abfall des -r daraus entstandene Verstümmelung, so 
doch als im griechischen gleich alte und aus dem indo- 
germanischen erbe erhaltene seitenform. 

Es erweisen alle diese erörterungen zunächst, was für 
uns wichtig ist zu constatieren: dass y.u eine ehemals 
g e m e i n g r i e c h i s c h ü b 1 i c h e form der p a r t i k e 1 w a r. 
Es hat erstens, obwol anderwärts als in dorischen, elischen 
und boeotischen denkmälern nicht anzutreffen, dennoch ja in 
keiner weise etwas von der specifischen lautgestaltung dieser 
mundarten an sich. Es erklärt sich zweitens unter dieser 
Voraussetzung, und wie es scheint nur unter dieser, gut das 
erscheinen der dritten form /.s auf anderen dialektgebieten : 
wenn nemlich xsp und na jener in der besagten weise zum 
aufbau dienten, so zeugt indirect das x£ Homers und der 
Lesbier und Kyprier für die einstige anwesenheit des y.a in 
dem Sprachschätze dieser mundartlichen Varietäten. Drittens 



— 330 — 

aber, was das entscheidendste ist, wir vermögen einzig den 
dualismus von xiv und y.a durch zurückgehen auf den laut- 
zustand der indogermanischen grundspraohe als einen uralten 
zu rechtfertigen, nicht denjenigen von y^r und y.f. Das na 
wegen seiner localen beschränkung in historischer zeit dem 
urgriechischen abzusprechen ist ebenso untunlich, als betreffs 
des XtT zu glauben, dass es, weil ausser in den homerischen 
gedichten und der späteren an das alte epos sich anlehnenden 
poesie nur im lesbischen nacfi weisbar, darum nicht vor zeiten 
im sprachbesitze aller griechischen stamme gewesen sein 
könne, sowol derer, welciie später nur y.a oder y.a hatten, als 
auch derer, welche das bei Homer erst in der entwickelung 
begriffene etymologisch verschiedene av gebrauchten, ysv und 
y.a müssen, die neubildung xf kann ur- und panhellenisch 
gewesen sein. 

Nach grammatikerüberlieferung, die Ahrens de graec. 
ling. dial. II 381 anm. 2. 382 und H. Weber d. dor. partikel 
xa 10 f. berücksichtigen, war übrigens auch y.fv dorisch neben 
xcx. Da man gerade nur dieses formenpaar als das ursprüng- 
liche vorauszusetzen hat und die betreffenden Zeugnisse auecd. 
Graeca Oxon. I 160, 1 Gramer y.e ovriha/iog ' oi zf(ooicTc rj fisrd 
Tov V Xbyovoiv rj rooTirj tov e tlg a, Apollon. de adv. p. 604 
Bekker ö ys nvröso/nog y.lv lod''' örs XbysTui nngd /JwQisvoiv an 
deutlichkeit der spräche nichts zu wünschen übrig lassen, so ist 
kein grund des zweifeis an dorischem y.tv vorhanden, wenn- 
gleich auch solches in Sprachdenkmälern dieses dialekts bis 
jetzt niclit nachgewiesen ist. Der Dorismus hätte mithin 
überaus treu an dem altüberlieferten zustande fest gehalten. 
Dasselbe zeigt sich noch an folgendem anderen punkte. 

Neben xa sprachen die Dorier auch mit langem vocale : 
y.a. Die beweisenden dichterstellen für x« aus Epicharm, 
Theokrit und den dorischen sprachresten in Aristophanes' 
komödien (Acharn., Lysistr.) verzeichnet Ahrens de graec. 
ling. dial. II 382. Kurzes x« ist dagegen nur gesichert durch 
o/.y.ä Theokr. IV 21 und in dem dorischen epigramm der 
Nossis anthol. Palat. VI 353, 4, jedoch auch, da die elision 
eines langen a dem dorischen ebenso wenig wie sonst einem 
altgriechischen dialekte zuzutrauen ist, durch das häufige 



— 331 — 

x' {/), selbst auf inscliriften, für y.a: „tabb. Heracl. I 53 
celx e/iTJooad^a dvndiviovri, 1 104 (d d: y^ vtjo nnli'/icio &yF^ktj- 
d^iwrri, Soplir. 51 (önn&oui'x^ f'§ .'-roc y.sXiv^uarog, Epich. 19. 94. 
95. 102 /', 9 ui'x\ 10. 90 öx/', Acharn. 698 aiy', 728 oW 
et saepe apiid Theocridim" (Ahrens a. a. o.). Vergl. auch 
H. Weber d. dor. partikel na 18, Meister Curtius' stud. IV 371. 
Es ist aber, wie auch schon Oiust. Meyer griech. grainm. § 22 
s. 26 urteilte, II. Weber der nachvveis durchaus nicht gelungen, 
dem in erster linie seine sehrift über unsere partikel gewidmet 
ist, dass die form x« mit langem vocale ganz zu verwerfen 
sei gegen die Überlieferung in dorischen dichterstellen, ferner 
gegen Apollon. de pron. 142 C. und das vetus scbolium zu 
Theokrit I 4 — 6 ed. Ahrens p. 35^ 20 sqq., deren beweis- 
kraft Weber a. a. o. 8 ff. abzuschwächen sucht. 

Nun kann aus x« nicht x« durch eine griechische 
oder auch nur specifisch dorische Verkürzung entstanden sein, 
wie Gust. Meyer a. a. o. meint; dafür gibt es kein laut- 
gesetz. Aber wiederum vom indogermanischen Stand- 
punkte aus verliert auch nß neben x« und nev alles befremd- 
liche. « ist der griechische repraesentant der langen nasalis 
sonans, also erscheint dor. xc? neben xa so wie homer. ßrjtrjv 
neben ßccr/]v^ ßijd-i neben ved. gadhi {gahi) avest. jaidhi, 
griech. *ßC(T6-c in dfiq)i(y-ß7jtHo^) neben ßciro-g sanskr. gatä-s 
avest. gdto. Vergl. morphol. unters. IV vorw. s. IV f. oben 
s. 30. 55. Mit hinzukommen des x(7 als form der nebentonigen 
tiefstufe ergänzen wir die obige zweigliederige proportion 
xf )' ; X« = av : sanskr. li jetzt zu der dreigliederigen : y.8v : 



1) Dass die selion von den alten aufgebrachte ableitung des 
verbums aucpid-ßrjrfM von afj(ptg und ßaivio hinfällig und durch eine 
weiter hergeholte zu ersetzen sei, kann ich ßrugmann inorpliol. unters. 
I 22 f. nicht glauben. Gegen die richtigkeit der Zerlegung in a^u(pi? 
und -ßt^Tf(o beweisen die im attischen und sonst auftretenden praeterita 
mit augment nach iler praeposition wie i^^uipsaßrjTow nichts. Die formen 
)]in<piaßt]Tovv. ■^]u(pLnßr'iTtjnct sind für die älteren zu halten. Wenn man 
daneben nun bei allmählich eintretender falscher analyse aju<pi-aßrjr(io 
seitens des spi-achgefühles auch *aiicpfnßrjTovr zu augnientieren anfing, 
wie aiKpfOTftpdrouv, au(pfnTsX?.or, SO entsprang leiclit auch die mischung 
beiiler tj|)en zu P^uipioßriTow. 



— 332 — 

xä : xa = av : sanskr. avest. ü : sanskr. avest. ü griech. -v 
(in :i<a'-r)\ \ev^\. morphoL unters. lY 252 ff. 

Ein woitorcr beweis für das auf griechischem boden 
höhere alter des verliältnisses /sv : y.ä ist die häufigere Wieder- 
holung gerade dieser doppolformigkeit bei anderen indeclinabilia 
(partikelu, adverbia, praepositioneu), auch in der weise, dass 
die ä-forni nicht immer nur für das dorische oder elische 
und bocotische in betracht kommt Ich erwähne, wegen der 
belege für das einzelne zumeist auf Ahrens de graec. ling. 
dial. I 152 f. II 384, H. Weber d. dor. partikel y.a 10. 82, 
Meister d. griech. dial. I 39 f. und Gust. Meyer griech. 
gramm. § 22 s. 26 f. verweisend : -d^tv gemeingriechisch in 
Ir&sv, av(.o^ei\ nQoadsv Sjungond^tv, äreg&ev, svSQder, önioSav 
u. s. w.. als homerisch, attisch, dorisch, aeolisch (lesbisch) 
nachgewiesen, und -^a in gemeingrieeh. ev9-a, dor. lesb. 
TToooS-a Siinnoada^ aragd'fx, f rtpi^^a, dor. oniaf^a lesb. vttig9u bei 
grammatikern, dor. av«)&a nebst eungood^a auf den tafeln von 
Heraklea ; -rtv in dor. ion. att, antirsv, ion. elrsv und -ra 
in dor. homer. ion. att. cneira, att. situ, lesb. 6va. nova. dXXora\ 
homer. att. dor. ivey.tv, ion. ti'rey.&r und homer. att. dor. tvf-y.u, 
homer. ion. fi'vey.u, lesb. &i'rey.a (C. I. Gr. II no. 2183 z. 8). 

Ich kann es zunächst nicht gelten lassen, wenn Gust. 
Meyer a. a. o. und Meister d. griech. dial. I 40 unter anderem 
aus dem seit Homer im griechischen überall geltenden ver- 
schiedenen gebrauche von svda und svlfev schliessen, „dass 
-^ce und -ü^ir -Ssv von anfaug an verschiedene bildungen 
waren," hnt. intus 'von innen' (abl.j, drinnen' (loc), nach 
innen, hinein' (acc. des zieles), griech. ixzÖQ aussen, draussen, 
ausserhalb' (loc.)^ 'nach aussen, hinaus, fort' (acc. des zieles), 
griech. /afiai auf der erde, an der erde, am boden' und 'auf 
die erde, zur erde, zu boden', ferner die von mir verb. in d. 
nomiualcomp. 211 anm.* angeführten erscheinungen aus 
anderen sprachen (sanskrit, slavisch, romanisch) lassen es 
schon zur genüge beobachten, wie leicht sich die Verschiebung 
und erweiterung des alten casusbegriffos iu derartigen zu 
adverbialen ausdrücken erstarrten casusformen ergibt. Also 
kann auch bei dvOa und s'vd^fi' die durchgehende verschiedene 
bedeutung als etwas secundär entwickeltes kein hindernis 



— 333 — 

sein, um ui'sjM'üng-liclic identität der beiden wortformen zu 
statuieren. 

Lassen wir nun die misehbilduug xf aus xev und xä 
eine, wenn nicht gemeingriechische, so docii wenigstens in 
dem leben der einzeldialekte frühzeitig genug vollzogene sein, 
so scheint mir manche klarheit in die bestellende buntheit 
von formen hineinzukommen und in die „menge ungelöster 
fragen", die Clust, Meyer a. a. o. auf diesem gebiete con- 
statierte. Ich behaupte nemlich keineswegs, dass überall 
in den aufgezählten fällen die a-form auf einer solchen mit 
indogermanischer nasalis sonans beruhe oder dass, wo neben 
der fj'-form und jener eine dritte auf -t sich zeigt, diese 
letztere die zu jüngst entwickelte sein müsse. 

Das -rt von homer. ion. att. o-rf, ro'-rf. Tro-rf, aJdo-rs 
stellt man doch wol mit recht allgemein dem enklitischen 
sanskr, avest m_, lat. -qtte in quis-que, uter-qae, qutcum-que 
gleich und lässt die partikel im griechischen an die adverbial 
gebrauchten pronominalneutra ö', ro, *77o. uXXo angefügt sein. 
Vergl. CoUitz Bezzeubergers beitr. III 197 anm. 1, Gust. 
Meyer a. a. o. Wenn neuerdings Jak. Wackernagel Kuhns 
zeitschr. XXVII 00 das -rf in uXXo-vs und genossen lieber 
auf *-rfti zurückführt und die vergleichung mit avest, cat 
bevorzugt, so täte das hier an sich zwar nichts zur sache. 
Jedoch ist die frage wol aufwerfbar, ob nicht die Iranier 
selbst dieses ihr cat nur auf dem wege der contaminations- 
bildung neu geschaffen haben dürften, nemlich aus ca und 
der inhaltlich ihr gleichen anderen enklitika cit\ ein accessorisch 
angetretenes -t zeigt ja doch wol auch, und vielleicht nach 
demselben muster, die avestische partikel ga-t im veigleich 
mit dem entsprechenden sanskr. gha. Ein indog. ic^-ed als 
nom.-acc. sing, des indefinitstammes, anstatt k-od = lat. 
quod got. hica osk. püd, will mir einstweilen noch nicht recht 
in den sinn, und osk. pid ist sicherlich nicht als i)ed = 
avest. cat mit Wackernagel aufzufassen, sondern nur als Ver- 
treter von indog. k-id = avest. cit lat. quid; vergl. morphol. 
unters. IV 233 ff. Etymologisch verschieden ist nun jedes- 
falls von diesem griech. -rs und sicher zu an' gehörig das 
verallgemeinernde -xa der Dorier in o-x«, -nn-y.a, a'AAo-x«, wenn 



— 334 — 

auch -rf uiul -v.a meist, selbst von anhängein der neueren 
vocalismuslehre noch wie z, b. von Job. Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 97, gemütUch zusammongewoifen werden. Mit homer. ilc. 
y-iv {alaö-Aer) 'bis, SO lange als', homer. oc x^ und selbst orn y.i:v 
sind die dor. o-y.u^). nö-y-u zunächst verwandt. Wo aber 
bleibt lesb. -r« in o-ra, nö-tu, äXXn-Tu? Die antwort ist leicht, 
wenn wir aucli die lesbische mundart vermutungsweise in den 
besitz der nebenform y.a von y.sv setzen. Die Lesbier konnten 
ein äk'Ao-y.a wie die Dorier und ausserdem das mit diesem 
gleichbedeutende akko-n- der homerischen und attischen 
gräcität besitzen; aus dem compromiss beider entsprang ihnen 
ihr ukko-za als neue form. 

Yon f?r«, Inirixa steht nicht fest, ob ihr -ru mit dem 
enklitischen anfügsei in lesb. o-r«, no-za. akko-ra etwas zu 
schaffen habe. Das Verhältnis zu der nasalierten nebenform 
ion. slvsv, ion. dor. att. tntirav war entweder von hause aus 
ein ebensolches wie das von w. zu y-tr, indem nemlich -u in 
eha snairu die nasalis sonans vertritt, oder ist nach diesem 
neu entwickelt, mag nun die form auf -ra die zuerst vor- 
handen gewesene sein und die andere nach sich gezogen 
haben oder umgekehrt. 

Betreffs Irr/.a ist es nach den lautgeschichthchen aus- 
führungin Jak. Wackernagels Kuhns zeitschr. XXY 260 ff. 
nicht zweifelhaft, dass die mannigfaltigen formen att. liomer. 
ti's/.u. ion. homer. Hvi-y.a, lesb. .^rr.^xf/. ihre einigung nur in einem 
urgriech. *i%'Fey.a finden können. Was ist nun etymologisch 
dieses *fVF6xa? Auf die wurzel sanskr. vag- 'wünschen, wollen', 
griech. Ffx- in fx-ejr, .^x-T^r/ riet bereits Pott etyra. forsch. 
II 268. Wurzel- wörterb. II 2, 128; entschiedener Ebel 
Kuhns zeitschr. Y 67. Und das ist um so ansprechender, als 
ja das nur poetische ^'///rt dor. eyan in den bedeutungen — 



1) Natürlich dor. bxxa : oxa wie orn : on. und ö-nnw: : oTTiog, 
oTiTTOTf : oTJoTf u. defgl. Das will heissen, dass auch in oxxa die assi- 
milation aus *8S-y.a zu suchen und oxa mit einfachem -x- daneben so 
zu erklären ist, wie Jak. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXVII 89 ff. 
scharfsinnig das Verhältnis der -rr- und -TTTr-formen der griechischen 
indefiniten relativa zu den entsprechenden nebcnfornien ohne gemination 
festsresiellt hat. 



— 335 — 

eigentlich nach dem willen, dann 'wegen um .... willen' und 
'kraft, vermöge, was anbelangt' in der Stufenfolge bei Passow 
haudwörterb. d. griech. spr. I' 2, 831' — und in der cou- 
structiou mit dem genitiv ganz mit dem evexa zusammentrifft. 
jS^un bildet im sanskrit dieselbe wurzel oac- das nomen 
vdca-s m. 'willen, wünsch, belieben, befehl, herrschaft, gewalt, 
botmässigkeit, von dem zwei casus adverbial oder praepositional 
in einei" au &y.rjri und &fsy.a 'um .... willen, wegen' sehr nahe 
heranstreifenden bedeutuug gebraucht werden : vacena instr. , 
sing, und vacäd abl. sing, 'auf geheiss. in folge, in veran- 
lassung von, zufolge, gemäss, vermittelst', wobei nach dem 
i'etersb. wörterb. YI 811) f. das abhängige nomen im ersteu 
gliede eines tatpurushacompositura oder bei vacäd auch im 
genitiv steht, z. b. varät prakrteh^ tapasah, vacäd vidhelt. Ferner 
bildet dieselbe wurzel ein suftixloses nomen von abstracter 
bedeutung und mit adverbial gebrauchtem casus : in apers. 
vas-iy 'viel, sehr', eigentlich loc. sing, "im belieben, nach be- 
lieben, beliebig', wie Spiegel d. altpers. keilinschr. '-' gloss. 
s. 2.59 einleuchtend deutet, vielleicht auch in avest. vas-ö 
adv. nach wünsch, nach belieben', an das Spiegel auch er- 
innert und das man als abl. sing, aus demselben ras- fassen 
kanu, obgleich es gewöhnlich nach Justi handb. d. zendspr. 
271" als adverbialer acc. sing, des neutralen -es-stammes 
avest. ras-anh- gilt. Dass in dem &/.t]-ti dor. i/.ä-Ti der Griechen 
der reflex eines sanskr. *vacä cid mit anfügung der so oft 
verstärkend und hervorhebend gebrauchten vedischen partikel 
cid zu finden sei, scheint klar zu sein ; das ey.ü- = *vacä 
würde man als instr. sing, eines mit dem o-stamme sanskr. 
vdqa-s bedeutungsgleichen femininen (7-starames, wie griech. 
Xä&^)C( und andere adverbien dieser spräche auf -a, wie ved. 
dhärä und lit. mergä nach verf. morphol. unters. II 116, fassen 
dürfen. Das compositum ay-j^-ßäkog nach wünsche treffend, 
treffend wie und wenn man will' brachte, sowie das gleich 
geartete homerische epitheton des Apollon lya-egyng der nach 
belieben und freiem ermessen wirkende', schon G. Hermann 
opusc. VII 306 (vergl. auch Passow haudwörterb. d. griech. 
spr. I -• 2, 820". 831") durchaus passend in Verbindung mit 
ty.tj-Ti^ anstatt mit ly.äg 'fern'. Vielleicht sind auch im sanskrit 



— 336 — 

die composita vacägatas, va<;äyätas (in mctrya-vacägatas am 
wege gelegen', märga-ocu^äi/atas 'dem wege entlang gehend, 
am wege liegend', eigentlich gehend nach dem willen, der 
richtschnur des weges') eher in vaca-gatas , -yätus als in 
vaca- -r ägatas, vaga- -\- äyfdas zu zerlegen, so dass ilir vagä- 
= griech. Ffxä- in &k7]-ci^ {■)ti]-ß6)M-c wäre. 

Auf den consonantischen stamm des wurzelnomens, dem 
apers. vas-if/ als loc. sing, entstammt, möchte ich, und zwar 
als regulären instrum. sing., das griech. Fr/.-a von ty.ä-i^Qyog 
und unserem /'vsy.u = *£)'-FfK« beziehen. Das tr- aber muss 
wol die praeposition sansk. sam-, avest. apers. ]t,aü- mit, zu- 
sammen' sein. Freilich weist abulg. sü^ sq- in oompositen 
wie sq-sedü nachbar', sq-zitt f. sq-Uteli m. 'conjux', sq-logü f. 
'uIo/oq' u. a. auf ein hochstufiges indog. söm hin; aber ein 
mittelstufiges sein dürfte daneben ouch bestanden haben, da 
es ausser von griech. *i'f-Fi-nu klärlich auch von der alt- 
germanischen und gewiss alten mustern folgenden composition 
ags. sin-lüwan afries. sin-lugen alts. ahd. slii-hiun ntr. plur. 
conjuges' erfordert wird, da ferner ein solches indog. sem 
als praefix wol kaum etwas anderes sein konnte als das 
adverbial gesetzte neutr. sing, sein ein' == griech. kv. Ist 
aber etwas wie *t)'-Ffy.u aus ^l'/i-Fi-y.a ein als gesetz zulässiger 
lautwandel? Sicherlich zunächst für das sanskrit anzuerkennen 
wegen ved. jaganvän aus *ja-gcim-vän partic. perf. act. und 
ved. gänvahi aus *gäm-vahi 1. du. med. injunct. von gam- 
'kommen'; vergl. Brugmann morphol. unters. II 211. 212. 
Lautnhysiologisch auch sehr leicht erklärbar als dissimilations- 
vorgang: die bei imi oder niiv erforderliche zweimalige ver- 
schiedene lippenarticulation wird vermieden, wenn für den 
labialen nasal der dentale substituiert wird, wodurch das 
hppenpaar sofort zu der bei der it-bildung notwendigen ge- 
rundeten vorstülpung oder auch zu der bei der ?r-bildung zu 
machenden geradlinigeren und parallelen annäherung der 
lippenränder (Sievers grundz. d. phonetik § 15, 1. s 99, verf. 
morphol. unters. IV 372 anm.) frei wird. Für das urgriechischa 
ebenfalls diesen dissimilatorischen Übergang von ,«F in j-F 
anzunehmen, bietet sich meines wissens kein hindernis in 
anderen formen als *^r-F.-/« dai'. Also würde nun l'rfxu 



- 337 — 

Ttvoc eigentlich bedeuten 'unter dem mitwollen jemandes' d. i. 
fast soviel wie unser um jemandes willen'. Daher Bn>o(f,i~)vro(; 
h'f/.a 'durch zutun des Xenophon', iiiov y& tvsy.u 'so viel an 
mir liegt, meinetwegen, immerhin, ich habe nichts dagegen' 
(Aristophanes, l^lato), tvsy.ä yt: y/jocog 'wenns aufs alter an- 
kommt' (Plato), li'sy.d ye nov ijif^qia/.iäTon' 'wenn es den be- 
schlüssen nachginge, darauf ankäme, den beschlüssen nach', 
öuotoi ToTc xv(pXo7c av /jftsv U'ey.d ye t(~)v 7]iuTboiov orpdaXf.aov 
'wir wären wie blinde, so weit es von unseren äugen ab- 
hängt, wenn es auf unsere äugen ankäme, trotz unserer 
äugen (Xenophon) u. dergl. mehr. Nachdem aber der alte 
instrumentalis li'ey.u Hvey.u tyrey.a für die Griechen ganz zu 
einer praeposition erstarrt war, gewann man die nebenform 
auf -SV, tvsy.si' elreyi-r, dazu an der hand anderer indeclinabilia, 
die von alters her in solcher dittologie auftraten, besonders 
nach unserer partikel y.8v : y.a; weiti rliin, wie sich y.£ zu xfj' 
und y.u hinzugebildet hatte, so „im späteren lonismus auch 
&ivsy.s (Aret. ac, m. cur. 1, 2.) u. bei sehr späten Hellenisten, 
wie Palaeph. Cornut. Aristaen. u. auf späteren Inschriften 
(Boeckh inscr. 1. p. 658. n. 1347. p. 674. n. 1404.) tr^xf" 
(Passow handwörterb. d. griech. spr. I ■' 2, 929 "). — Ueber 
die in *er-Fsya gesuchte instrumentalisbildung consonantischer 
declination spreche ich mich etwas ausführlicher im excurs 
VII aus. 

Was bei den Verhältnissen ^nxQoo&a : sf-inaood^ev : 
SjUTiQOO&s., öniod-a : oniadsv, avo)Su : dvcodev, ev!}a : si'S^ev das 
ältere und was die jüngere entwickelung sei, ist nicht leicht 
zu entscheiden. Die herbeiziehung von sanskr. ä-dha 'da, 
dann', avest. i-dha 'hier' und von lat. iii-de^ un-de, cdicun-de 
(Pott etym. forsch. 12 278. Kuhns zeitschr. XXYI 177. 232) hilft 
nemlich nicht allzu viel.^) Diese indisch-iranischen und latei- 
nischen parallelen können sowol für die priorität des griech. 



Dass solchem lat -de immer ein n vorliergelit, wie Pott be- 
merkt, mag daher kommen, dass inde = griech. l'rd^a war, aber auf den 
pronominalstamm /- in i-s, i-d vom Sprachgefühl bezogen wurde. Dann 
bildete man ic-iide von i(- in ^(-bf, wie man i-nde von i- in i-hf zu 
haben meinte. 

Ost hoff, zur gesohichte d. perfects i. indogermanisclien. 22 



— 338 - 

-&a als auch des -5^f eintreten; für ersteres das lat. inde in 
dem falle, dass das schluss-a von tvd^a nicht aus der nasalis 
sonans hervorgegangen. Denn inde musste wol dem latein, 
das niemals kurzes ä in den nicht haupttonigen silben unge- 
schwächt lässt, durchaus die lautgesetzlich vorgeschriebene 
Wandlung eines *indä = griech. evOu sein. \) Ich möchte 

1) Dartim ist historisch vorliegendes u in lateinischen endsijben 
wol immer die Verkürzung eines langen ä, wie im nom. sing. fem. terra, 
im neutr. plur. _/«(/«, genera, nuniiiia; was ich morphol. unters. II 119 
über dieses letztere -a bemerkt liabe , ist hinfällig. Ein fall der 
Schwächung aber von kurzem ä in einer lateinischen eud- und flexions- 
silbe ist wol noch dieser: acc. sing, -lern von luxuriem, barbariem, mä- 
teriem, mollitiem, saevitiem, düritietn, segniliem, amlcitiem, pigritiem 
u. dergl. = griech. -iav in oXr/ß-fiuv, Soa- fuut'rfiur- svafßstai:, avoiav und 
r.Ssiuv, doTtiquV', aiörnqav, o'lgÜr, Tfxrcnvav-. noTrtay, ipfQovnav, löv~ia7', sanskr. 
-yäm in ved. nadyäm, vrKyäm, staryäm (Whitney ind. gramm. s 356 
s. 124). Daher denn das bekannte schwanken derer wie lat. mäteries 
mäteria zwischen der e- und der c7-decliuarion (Neue formenl. d, lat. spr. 
12 370 ff.): der acc sing, mäteriem folgte den spuren von diem, rem; 
umgekehrt bildete sich aus dem gen. und dat. sing. *mäteriäs, mcUeriae 
(vergl. griech. aliji^fuig -ä, <pfQovo>j? ->;, sanskr. nadyä's nadyai, bhärantyäs 
bhdrantyai, gor. frijöndjös frijöndjai) das ä-parailigma von mäteria, 
mäteriam, Dass dieser art stamme im nom. sing, gemeinindogermanisch 
den ausgang -l hatten, erkannte zuerst Sievers Paul-Braune's beitr. 
V 136 ff.; dass sie -ia- stamme waren, die nur in den casus mit 
vocalisch anlautenden Suffixen wie gen., dat. sing., nom. plur. den -iä- 
stämmen gleichförmig wurden, sah Kluge Paul-Braune's beitr. VI 3''1 f. 
Das griechische bildete sich zu seinem acc. sing, auf -Mr (-i^r), den 
wir also auch durch das latein jetzt als alt kennen lernen, den nom. 
sing, auf -lu (-15) hinzu, SoTSiQa, ah;!)-fia zu (^clrttgar, u).rj&fiav, und ge- 
langte so zu seiner abweichung von dem -l fast der sämtlichen übrigen 
sprachen. Umgekehrt erwächst dem sanskrit aus seinem -? des nom. 
sing, nach dem rauster der a-flexion dQvä : dgväm : dgväs eine «-flexion : 
tdvishtm, dätri'm, dein'm zu tävishi, ddfr/', dev/' , acc. plur. und im veda 
auch nom. plur. devi'sh. Vergl. aueli Brugmann morphol. unters. 
II 196 anm. Aber auch der alte acc. sing, auf -yäm wird im alt- 
indischen fruchttragend, indem nach nadyäm, wegen samldhas -e, 
haritas -e neben samidham, harttam, neu entspringen ved. nadyds gen. 
sing-, nadye dat. sing, und der auch in der späteren spräche erhalten 
bleibende nom. plur. nadyäs. Der lateinischen Schöpfung des ä-para- 
digmas mäteria, mäteriam ist am ähnlichsten, wenn für griech. aXTjSsin 
später a).t]&siä ion. alrj^firj eintritt wegen des gen. und dat. sing, auf 
-j«;, -ä oder im slavischen bei abulg. peJcnsta, ^jftils«, im germanischen 
bei gof. frijöndja der acc. sing, den typus der -iä- statt des alten der 



— 339 — 

deswegen dem typus i'finonn'hi vor demjenigen des l'/tin^naih 
den vonang des höheren alters lassen, weil ersterer im alt- 
griecliischeu sich in viel weiterer verbreitnng zeigt, letzterer 
sich für einzelne dialekte, z. b. den Dorismus, bis jetzt 
nicht nachweisen lässt. Dann erhielten i^fargoada, tr,')u, nach 
lat. inile mit einem -ä wie irexa^ auch so wie dieses ihre 
filialformen auf -fc und -f, tiiTToooi)^}'^ i-iinooalf^ und IvS^ev, 
nach dem schema y.a : y.sv, xt, — Einen dialektischen Wechsel 
von wortschliessendem -dtv und -d^a bezeugen die grammatiker 
auch bezüglich der personalendung der 1. plur. med. und 
geben -cisSev als aeolische nebenform von -^it&a in Xeyöut&u 
an. Da aber für solches -iittttr nach Ahrens de graec. ling. 
dial. I 130 und Meister d. griech. dial I 45 die bestätigenden 
beispiele in den epigraphischen und litterarischen deukmälern 
fehlen und nur ifiootjutda^ nlr/jui-da als lesbisch nachweisbar 
sind, so mögen die grammatiker der falschen consequenz- 
macherei geziehen werden: sie verallgemeinerten ihre Wahrneh- 
mung der adverbialen dittologien wie &jiiiiooad^^i' und s^ingoada. 
Ueber dem dor, boeot. ya, boeotisch vornemlich m'idir-yu, 
Tov-ya, und seinem Verhältnis zu ion. att. kypr. ys lagert wol 
die allergrösste dunkelheit. Ich möchte nur das eine bemerken, 
dass Gust, Meyer griech, gramm. § 22 s. 26 doch im irrtume 
sein kann, wenn er meint, dass das abulg. -~c notwendig 
für die f-forra yt als die ältere beweise. Wenn die slavische 
Partikel etwa dasselbe -e hätte wie die acc. sing, consonan- 
tischer declination hamen-e, mater-e d. i. die regelrechte 
slavische gestalt der wortauslautenden nasalis sonans nach 
verf. morphol. unters. lY 308, so wäre vielmehr -:e ----- dor. 
boeot. ya zu setzen, sowie ja jene acc. sing, der «- und 
r-stämme ihres gleichen an griech. ay.uor-u^ ^ujito-u haben. 



-kt-stämme aufweist. — Die schrift von 0. A. Danie]s.son 'granimatiska 
atimärkningar' I Upsala 1881 kenne icli bis jetzt nur aus der recension 
Gust. Meyers pliilol. Wochenschrift 1883 no. 37 s}). 1154 ff. Des Ver- 
fassers ausgehen von -ie- als dem vermeintlich ursprüngliciien stamm- 
charakter der feminina auf -t nom. sing, im indogermanischen (-t« 
griecli.) wird nur scheinbar von der lateinischen spräche em|)folilen, 
wenn unsere vorstehenden beraerkuiigen sich cinigermassen stichhaltig 
erweisen. 

22* 



— 340 — 

Dass abulg. -~e diesen etymologischen wert haben müsse, 
soll aber damit nicht gesagt sein, und ich stelle es im übrigen 
weiter dringender künftiger Forschung anheim, den knäuel 
von formen zu entwirren, die sich hier alle zur vergleichung 
zusammendrängen: ausser griech. /u, yi- und abulg. -ze nem- 
hch sanskr. ved. gha (/hu, ved. nachved. Jia, avest. ga-t (vergl. 
s. 333), lit. -gl -g = lett. -gi, -g = apreuss. -gi und 
apreuss. -ga^ lit. lett. -gic^ abulg. -go. german. -k in got. mi-k, 
si-k. Versuche und combinationen, die keineswegs befriedigend 
alle hier vorhandenen vocalischen und consonantischen Schwierig- 
keiten lösen und zum teil sicher auch unverwandtes hinzu- 
ziehen, sind unter anderen gemacht von Fick vergleich, wörterb. 
13 78. 315. 575. II^ 77. 353. 545. 727. III ^ 95 und Job. 
Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 95. 117. 

Ehe ich zur weiteren ausschliesslichen beschäftigung mit 
unserem y.a, y.ev (xt) zurückkehre, ist hier ein wort über 
die ausbildung des sogenannten v sfpeXvLvovmöv hinter 
wortauslautendem -s im griechischen am platze. Denn 
manchem meiner leser mag sich wol mittlerweile schon von 
selbst der gedanke aufgedrängt haben, dass auf diese frage 
von meinem Standpunkte der beurteilung dieser partikel und 
alles dessen, was damit zusammenhängt, vielleicht ein neues 
licht fallen dürfte. 

Hatten, wenn nicht die urhellenische spräche, so doch 
die einzelnen dialekte für sich frühzeitig ein xf aus der ur- 
sprünglichen und ererbten dittologie y.sv und aa durch con- 
taminationsbildung gewonnen, so war es ein leichter schritt, 
die nasalauslautende form y.^v in der folge vorwiegend vor 
vocalischem anlaut des nächsten wertes zur Vermeidung des 
hiatus anzuwenden und daraus allmählich bei dem häufigen 
vorkommen jenes flickwörtchens v.ev xf ein beispiel zur nach- 
ahmung für andere fälle werden zu lassen. Zunächst viel- 
leicht für diejenigen wie {jroorida) ngöads : -nQÖadsv, {tvsy.a) 
'ivexa : ^rsxfv- Möglich, dass diese indeclinabilia überhaupt in 
der weise zuerst in das gefolge von xm, y.ev sich gestellt 
hatten: die urgriechische prosarede — von der beliebig y.sv 
vor consonanten und auch x' vor vocalen setzenden dichter- 
sprache ist abzusehen — hatte vielleicht angefangen, noch 



— 341 — 

vor der ausprägung der jüngsten form xf auch schon zwischen 
den beiden älteren formen x« und y.ey den gebrauch nach 
dem princip der hiatusvermeidung zu regehi; also begann 
man damals beispielsweise ein *n'Fey.fy unter derselben be- 
dingung der satzstellung (vor vocalischen wortanlauten) den 
Stellvertreter des '^h'Fexa sein zu lassen, unter welcher y.sv 
in gewisser regelmässigkeit neben und für y.a gebraucht 
wurde. Später wurde in allen diesen fällen die doppelheit 
-a : -tr partiell zu -f ; ev ausgeglichen. Und darum end- 
lich, denke ich, ergaben sich auch ein sXi^mev, a)a7if^r, sXtiV'tv 
und XhloiTT^i' auf dem gebiete des verbums als bequeme hiatus- 
füllende nebenformen der älteren auf -f. Dies ergänzt die 
von mir morphol. unters. lY 231 aufgestellte Vermutung über 
den Ursprung des ephelkystischen -v hinter -i in Xslnovoiv^ 
rid^rjaiv , sorir . nocr/iiaoir , dass derselbe nemlich aus der 
veranlassung solcher älterer und etymologisch zu begrün- 
dender doubletten wie ovToa-iv und ovroo-t herzuleiten sein 
werde. 

Für was halten wir nun etymologisch das y.ei' (y.e), y.a? 
Man stellt es bekanntlich seither zu der altindischen partikel 
ved. kam 'wol, gut, bene' oder enklitisch kcon wol, ja'; vergl. 
A. Kuhn allgem. lit.-zeit. Halle nov! 1846 no. 250 s. 845 f. 
Höfers zeitschr. II 174. Kuhns zeitschr. XY 405, Benfey gloss. 
z. sämav. 45 f. 114" unter w«, Sonne Kuhns zeitschr. XII 275, 
Schweizer-Sidler ebend. XYI 154, Pott etym. forsch. I"- 425 ff. 
wurzel-wörterb. II 2, 155, H. Weber d. dor. partikel xa 18, 
Gelbke Curtius' stud. II 12, Meister ebend. lY 370 f., Del- 
brück syntakt. forsch. I 84 ff. lY 144, Grassmann wörterb, z. 
rgv. 314, Ascoli studj crit. II 231, Gust. Meyer griech. gramm. 
§ 22 s. 26. Aber „unzweifelhaft", wie Delbrück meint, ist 
die Identität durchaus nicht. Ja, hiesse es sanskr. *ca/H mit 
der palatalisierung oder umgekehrt im griechischen *y.ov\ 
Und selbst dann würde uns heutzutage immer noch ein griech. 
*rcv im ersteren, ein *7ror im zweiten falle besser oder eigent- 
lich erst ganz befriedigen; *7ro)' wäre um so entschiedener 
zu desiderieren, als ja auch der Zusammenhang des kam kam 
mit dem pronominalstamme sanskr. ka- = indog. k'^-o- behauptet 
wird. Ein leidlicher ausweg, um y.ev und sanskr. kam kam zu- 



— 342 — 

sammenzuhalten, könnte nun der sein, dass man im sanskrit die 
doppelformen *cdni = griech. homer. lesb. xf r und *k'a = griech. 
dor. boeot. y.a zu dem resultat des einen Mm kam ausgeglichen 
sein liesse. Aber auch diese annähme wird erschwert oder 
vielleicht abgeschnitten durch die slavische den dativ regierende 
praeposition abulg. ä;m, deren Identität mit dem ved. Mm, 
soweit letzteres als häufige postposition mit dem dativ im 
veda erscheint, schlagend Wsewolod Miller Kuhns beitr. VIII 
101 ff. 105 ff. dargetan hat. Darnach steht hochstufiges 
indog. k~öm = sanskr. ved. Mim., abulg. kü entschieden fest. 
Es bliebe nur übrig, eine mittelstufenform indog. l--em da- 
neben zu postulieren, und die möglichkeit der einstmaligen 
existenz einer solchen sind wir freilich in abrede zu stellen 
nicht gerade berechtigt, da wir ja oben s. 336 auch einem 
indog. sem- in griech. *er-Fiy.u und alts. ahd. sin-htun neben 
anderweitigem söm zu begegnen glaubten. 

Aber warum sollte mau nicht von ved. kam kam. ganz 
absehen und vielmehr aus dem sanskrit ved. nachved. cäm 
indecl. woltätig, zum vorteil, zum heil, wol, gut, bene' dem 
griech. xfr vergleichen dürfen? Der umstand, dass das 
sanskrit wort räm sich noch nicht als partikel mit ganz 
blasser, beinahe absterbender bedeutung nachweisen lässt, 
wäre kein hindernis für die identificierung mit xtr; im gegen- 
teil um so besser könnte das für uns sein, da die wenigstens 
an einem punkte noch nicht abgegriffene münze hier das ur- 
sprüngliche gepräge voll und deutlich erkennen lassen würde. 

Wir haben fast für jedes einzelne Stadium der bedeu- 
tungsentwickelung des indog. k^em li^m die genaue parallele 
unseres nhd. ivol. Im altgermauischen als got. ivaüa., ahd. 
ivela icola adverbium und noch nicht abgeblasste partikel 
von fast nur satz- und phrasefülhrndcr function, kaum auch 
im neuenglischen als ivell so weit heruntergesunken, beginnt 
icol im mittelhochdeutschen zuerst, wie man aus Benecke- 
Müller-Zarncke mittelhochd. wörterb. III 798 ff. ersehen mag, 
die entwickelungsscala von dem ursprünglichen vollsinne gut, 
bene' durch die mittelbegriffe 'recht sehr, durchaus, völlig, 
gewiss, sicherlich' bis hinab zu 'leichthch, vielleicht, etwa, 
wie es scheint' zu durchlaufen, Aber die ursprüngliche 



— 343 — 

kräftigere grundbedeutung besteht neben dem partikelgebrauche 
auch heute ja noch fort, und bekaiuitHch so, dass in jenem 
falle das irol orthotoniert bleibt. Es könnte nun doch, meine 
ich, in neuhochdeutschen sätzen wie dir ist ivol nicht ganz 
icül, er wird wol nie wieder ganz ivol iverdeu das erstere 
enklitische woJ durch griech. y.sv wiedergegeben werden, das 
zweite vollbetonte durch sanskr. mm in anbetracht von rgv. 
I 114, 1 yätlu't cdm äsad dvipdde cätushpade 'damit wol 
sei dem zweifüssigen, dem vierfüssigen', rgv. X 165, 1 gdm 
no astu dvipdde gdm cdtushpade 'es sei uns wol, dem zwei- 
füssigen wie dem vierfüssigen, rgv. X 165, 3 gdm no göbligag 
ca piirushehhyac cästu 'wol möge uns sein, den herden und 
den männern' u. dergl. Wie neuhochdeutsch das adverb 
auch substantiviert auftritt in dem neutrum das wol, ebenso 
bezeichnet das altin disclie indeclinabile gdm häufig als subject 
und object 'heil, wol, glück, segen, z. b. rgv. I 43, 6 gdm 
nah karaty drvate sugdm. meshäya meshye nfhhyo näribhyo 
gdve 'er schaffe unsern rossen heil und glück dem widder 
und dem schaf, den männern, weiberu und dem rind' (Grass- 
mann). Weiteres der art bei Böhtlingk-Roth Petersb. wörterb. 
VII 76 unter 5. gam. 

Griech. y.tv mit dem optativ und conjunctiv bringt, wie 
man jetzt weiss, zu diesen modis ursprünglich nichts eigent- 
lich neues hinzu, nichts nemlich, was nicht auch schon in der 
optativ- und conjunctivform selber gelegen hätte. Man billigt 
mit recht Delbrück syntakt. forsch. I 90 über das wesen 
der später untrennliaren Verbindungen von xfv und dv mit 
conjunctiv und optativ: „Sie begleiten den conjunctiv und 
optativ durch alle inneren Wandlungen, aber sie erzeugen 
dieselben nicht. Sie sind nur ein beredterer ausdruck dessen, 
was auch durch den blossen conjunctiv und optativ ausge- 
drückt wird." Yergl. auch F. Stolz z. lat. verbal-flex, I 38 f. 
Ganz so unser ivol^ wenn wir es in jenen griechischen Stellungen 
des xf j' zur Übersetzung dieses in anwendung bringen : II. B 

158 fl[. (vergl. auch B 176 f. J 173 f.) ovru) Jt? nly.övÖ^ 

/tgyHOi (piv^ovTui . . . ., xdö db y.sv i^v/MA-tjv riQidf.ap y.ui Tq(ooI 
Xhoiev \4Qyeiriv 'EXir)]v 'so wollen die Argiver fliehen und 
möchten wol gar ihre landsmännin Helena zurücklassen', 



— 344 — 

r 41 v.ai x£ ro ßovXniii?]}' ja das wünscht' ich w o 1', F 220 
(pali^gns 'man möchte wol boliaupten', 7 '255 r(p Jt xf viy.t]riuvri 
yvvT^ xat xiTJ/Liad^' tnoiTo 'dem sieger aber wird wol weib und 
habe zu teil, zJ 171 xai xsv iXly/iaTOQ TioXrön/wr l-l^yog 
inoii-irjv 'und ich würde wol als der beschimpfteste zur durstigen 
Argos heimkehren', Od. « 390 y.al xev tovt edtXotfii Jiög ys 
diöovrog dotodat 'gern w o 1 möclit' ich dieses, wenn Zeus es 
schenkte, mir nehmen' (Voss), Od. ß 74 f/<ot Je xs y.i'göiov 
SU] 'für mich wär's wol besser'; oder bei den conjunctivischen 
structuren II. ^I 433 ij v.sv ^/lko vnn d'ovgl Tvn&/Q utto &vu6i> 
oXeaotjg 'oder du wirst wol von meinem speere getroffen 
dein leben verlieren'. Od. a 396 roTr xtv ng roJ"' s/rjoiv 'da- 
von bekömmt w o 1 einer das' u. dergl. mehr. 

Wir haben aber unser hauptaugenmerk auf die Ver- 
bindungen des y.fv mit dem indicativ zu richten. Weniger 
zunächst auf die mit dem indicativ des fu tu rums, wo man 
als einige unter vielen homerischen beispielen namhaft machen 
könnte — ich berücksichtige wieder nur die sogenannten 
freistehenden hauptsätze — IL A 139 6 da xer xt/oXojoerai 
ov y.hv "Uuii-iai 'der wird wol zürnen, zu dem ich kommen 
v/erde', /l 176 xai xe ng löä^ tgaei TgtoMv so wird wol 
mancher unter den Troern sprechen', B 102 tV^rt xf ot] ßovXrj 
drjXijoirtai 'dann wird w o 1 dein rat sich schädlich erweisen'. 
Auch wenn der griechische indicativ des sigmafuturums nicht 
nach der Buttmann-Brugmannschen anschauung (vergl. morphol. 
unters. III 58 ff.) geradezu ein conjunctiv des sigmaaoristes 
sein sollte, stehen doch immerhin und anerkannter massen 
diesen fügungen die conjunctivischen wie _/433 ij xsv d^vfiov 
oXsGoijg begrifflich recht nahe. Auch noch nicht so sehr in- 
teressieren uns hier die fälle von xev mit dem praesens- 
indicativ, die man nicht ganz dem Homer abzusprechen ver- 
mag. Sicher steht IL H 484 rrJ xal xt rtg ev/svcu drtjg 
'darum wünscht sich wol auch mancher' (Faesi-Kayser z. d. 
st.), 'so wünscht auch ein anderer mann wol' (Voss). Od. 
ß 86 schwankt die lesart zwischen Id-tXoig opt. und cd-tXstg 
indic, und jenes pflegt man jetzt nach den besseren hand- 
schriften zu bevorzugen (vergl. La Roche z. d. st.); an sich 
könnte sonst betreffs sd-^Xstg de xf /lköiiov drar/jai du willst 



— 345 — 

mir w 1 gar einen schandlappen anhängen' Passow hand- 
wörterb. d. gricch. spr. I'' 2, leQQ*" nicht unrecht haben, 
wenn er den indicativ gegen das von Wolf zuerst aufge- 
nommene &9-bXni(; als „viel passender" in schütz nimmt, „da 
Antinoos dergleichen absieht beim Telemach mit ziemlicher 
gewissheit voraussetzt." 

Es beschreibt Sanders wörterb. d. deutsch, spr. 1648'' 
den gebrauch unseres expletiven ivol in sätzen wie er l'ommt 
IV ol noch heute (== 'ich denke, dass er kommt), kommt er 
wol heute noch? (= 'meinst du, dass etc.'), das ist tvol 
20 Jahre her, ist's wol schon so lange? und ich bin wol 
(=^ 'sicherlich') zu beneiden, bin arm und bin doch reich 
(Matthias Claudius) in dieser weise: wol „= nach meinem 
— und in fragen : deinem — wissen, denken, dafürhalten, 
meinen, vermuten, schätzen etc." Damit nun vergleiche 
man Faesi-Kayser zu II. H 102 srd^a y. s drjXrjotxai : „xf beim 
futurum, nicht um einen zweifei und ungewissheit, sondern 
ruhige Zuversicht auszudrücken, wie sonst irov, ohiai'' und 
dieselben zu B 484 ttoT ymI xs tiq svyerui: „Hier scheint xe 
beim praes. indicativ tv/erai zu stehen und kann wol wieder 
= nov, oi^uai gefasst werden, wie beim futurum 102." 

Kei' mit dem indicativ eines p raeteri t alen tempus, 
so dass die partikel, ohne die bedeutung des verbums irgend 
erheblicher zu alterieren, „nur ein beredterer ausdruck" der- 
selben nach Delbrückscher redeweise ist, gewahren wir mit 
Sicherheit wenigstens an einer Odysseestelle. 

Wir übergehen Od. ß 104, was das einzige beispiel für 
das erzählende imperfect neben xs)> sein würde: die les- 
art svd-a -/.t v rjf.mrt')^ jdv v(f>au'soxfv f.ibyav igtov steht der 
anderen^ svd^u y.al u. s. w., an gewähr nach, da jene nur 
auf den mittelmässigen Vindobonensis D, nach La Roche z. 
d. st., sich stützt. Desto sicherer ist ysv als begleiter des 
indicativs des (nicht irrealen) aorists Od. J 546 f.: -tj ydo 
(.UV Ccoov ye /.r/rjOtai, -/j y.sv 'Ooi'ari]g xrsTi'sv vnocpddiavog. 
Passow handwörterb. d. griech. spr. 1^2, 1690" meint zur 
rechtfertigung des yev eine verschwiegene bedingung aus dem 
inhalte des satzes selbst herauslesen zu müssen: ^.xrsTvsv 
(= y.Tsh'si', si sy.rtn's)j oder es hat ihn 0. umgebracht^ wenn 



— 346 — 

er es getan hat, d. i. oder es hat ihn vielleicht 0. 
umgebracht." Aber viel besser sagen aucli hier Faesi-Kayser 
z. d. st.: „^' xfi' — xvfh'e)', oder es hat ihn wol (wie sich 
annelinien lässt) Orestes dir zuvorkommend getödtet. lieber 
xeV = nnv vgl. zu S, 484." Lesen und übersetzen wir ferner, 
diesmal mit Passow a. a. o.. Od. x 84 f)',9-a x' avnvng dmjo 
öomvg i'S.ijoaro luodovg 'da könnte sich wol einen doppelten 
lohn verdienen' und Od. to 61 h>d^u xsv ov nr üdäxQvtov y 
6vni]oa<; 'da sah man nicht leicht einen ohne tränen', so ist 
zu bemerken, dass das irreale der handlung in solchen sätzen, 
wie auch schon die deutsche übertragunj: des letzteren 'da 
sah man u. s. w.' andeutet, ebenso wenig wie es in der 
verbalform selbst liegt, so auch nicht von dem beigesetzten 
xf r hinzugebracht wird , sondern nur einfach und in jedem 
falle zu den Brealschen „idees latentes du langage" gehört. 
Yergl. auch F. Stolz z. lat. verbal-flex. I 87 ff. 

Es erübrigt mir nur wieder, zur confrontation mit Homers 
ij y.tv 'Oj)6'oT7/c xreTi'sv u. dergl. den gebrauch unseres wol 
bei praetoritalformen, wo dieses nach Sanders wörterb. d. 
deutsch, spr. II 2, 1648'' f, „fast pleonastisch, zumal in er- 
zählenden gedichten des volks oder im volkston," steht, 
heranzuziehen und mit einigen beispielen zu belegen. Solche 
sind u. a. : Sie glmj w o l fort mit weinen , iv ol vor's kom- 
mandanten haus (Kretzschmer) ; Es ging ein müller ivol 
übers feld (Kretzschmer) ; Ein knählein ging spazieren 
tvol lim die ahendstund, er ging ivol auf und nieder (Wilh. 
Müller); Es gingest drei jäger wol auf die hirsch (Uhland) ; 
Es zogen drei burschen wol über den Rhein (Uhland); Es blies 
ein Jäger w o l in sein hörn, er ivarf sein netz tv o l über den 
Strauch (volkslied). 

Dass uns kein beispicl des indicativs des perfects 
mit der (unverschmolzenen) partikel xev bei Homer begegnen 
will, ist zum teil gewiss wol als eine sache des zufalls zu 
betrachten. Kaum erwischen wir ja noch jene paar spär- 
lichen y.ui y. s Tic sv/fTai, tj xsv 'Oot'ori]g yrtTvirV, um y.tv wol 
in Verbindung mit praesens- und aoristindicativ kennen zu 
lernen. Es ist ja die Verwendung des perfectums überhaupt 
in den altgriechischen sprachquellen im vergleich mit der des 



— 347 — 

imperfects uml aoiisfs eine ziemlich beschränkte und dieses 
tcnipus. wie in den sonstij^en litterarischen donkmälorn, so 
besonders in der erzählenden rede des volkscpos im Verhält- 
nis zum aorist verschwindend selten. Man vergleiche Mahlow 
Kuhns zeitschr. XXVI 570 ff. über einen älteren sprachzu- 
stand, wo „die wähl zwischen perfcctum und aorist viel freier 
war, als sie im griechischen ist", und über die gründe, warum 
in der gesprochenen spräche das perfectum auch bei den 
Grieclien viel häufiger anwendbar sein musste, als „in der 
historischen orzählung, die in der litteratur eine grosse rolle 
spielt." Sodann aber dürfte ja auch dies nur ganz bogroif- 
lich sein: je mehr erst y.cr sich als der in gewissen fügungen 
später unzertrcunliche begleiter des conjuuctivs und optativs 
ausbildete und je fester erst im laufe der zeit der ausdruck 
des irrealitätsmodus durch xfr (aV) und den indicativ eines 
augmenttempus, wie in homer. sv&a y.sr e^tjoaro, evda y.sv 
svoTjOttc^ sich einbürgerte, desto mehr und gleichsam schritt 
haltend damit musste allmählich die spräche überhaupt den 
gebrauch der partikel mit indicativformen in anderer Ver- 
wendung als der zur darstellung des irrealitätsverhältnisses 
verlernen. 

Im Sanskrit brauchen wir dagegen nach der Verknüpfung 
von perfectindicativformen mit expletiven und fast pleo- 
natischen partikeln nicht lauge zu suchen. Das sma sucht 
als den reflex des griech. aua, so dass ihm der verblasste 
sinn unseres 'einmal' in der märchenerzählung zugesprochen 
werden könnte, unser excurs VII hinzustellen. Dieses sanskr. 
sma nun begleitet nach dem Petersb. wörterb. VII 1381 f. 
nicht nur das praesens in seiner eigentlichen praesensbedeu- 
tung und in der der Vergangenheit (als sogenanntes praesens 
historicum), ferner nicht nur das imperfectum und den aorist, 
sondern auch das perfectum, alles dies, wie die belegstellen 
zeigen, vornemlich im epos. Und vollends sanskr. ha ■= 
griech. yt (/«) erweisen Böhtlingk-Roth ebend VII 1485 f. 
als „überaus häufig am ende eines verses: nach einer 3. sg. 
perf. (o — \jY durch zahlreiche stellen aus dem mahäbhärata 
und rämäyana und anderen epischen schriften. Die ge- 
sprochene spräche der alten Inder wird also häufig genug 



— 348 — 

ein hahMva ha, hahhanja ha wie mahabh. I 2, 251. 314 ed. 
Bomb., jayäma ha, vivega ha, dadarga ha, mumoda ha wie 
rämay. I 1, 25. 29. 40. 53. 84 ed. Schlegel in nicht wesent- 
lich anderer bedeutung als die einfachen perfectformen her- 
vorgebracht haben, so dass sich dem epischen dichter un- 
gesucht dieses schema der partikelversehenen 3. sing. perf. 
für das metrische bedürfnis des glokaabschlusses darbot. Im 
rgveda findet sich einmal ghä verstärkend hinter einer praesens- 
form: ucdnti ghä rgv. 10, 3; vergl. Grassmann wörterb. z. 
rgv. 419. 

Tantae molis erat! Solcher umwege bedurfte es und 
dieses mühseligen hindurchwindens durch ein partikel- 
gewimmel, dieses eingehens auf herkunft und älteste ge- 
brauchswcisG des xf j' (xa), um zum Ursprünge des grie- 
chischen x-perfectums zn kommen. 

Ich fasse fWröx« auf als 's-ora ym 'ich hab mich wol 
gestellt, stehe wol' (vergl. Goethes Es steht ein regeuhogen 
wol über jenem haus), rs&i^xa als raS^i] ^a 'ich hab wol ge- 
setzt', ö^ÖMy.a als Ö'cdui yia 'ich hab wol gegeben'. Die form 
der enklitika dor. el. boeot. xa glaube ich genugsam als eine 
urgriechisch vorhanden gewesene (oben s. 327 ff.) gerecht- 
fertigt zu haben. Wegen eines etwa sich erhebenden zweifeis 
betreffs der etymologie der partikel aber bemerke ich, dass 
diese analyse der enrä-xa, ri&tj-Ka, Stdco-xa nicht notwendig 
damit hinfallen wird, wenn man unsere Zusammenstellung des 
y.ev, y.a mit sanskr. cdni, *ca als unstatthaft zu erweisen ver- 
mag. Eine eventuelle zusammenlötung von *JfJw ya, *toTä 
ya, beziehungsweise *dsSco /t, *aoTOJ yt in der 3. sing., hätte 
die Griechensprache zu partikelbehafteten perfectformen ge- 
führt, die vollständig den bahhnva ha, hahhanja ha, jagäma ha 
u. s. w. im epos der Inder coramensurabel wären. 

Es ergeben sich im ganzen etwa acht formen, die man 
auf dem von uns gewählten Standpunkte als die erzeugerinnen 
des x-perfects wird ansehen können : horä-ya, *nl(f>a-na ; d'cörj-y.a, 
*h]-y.a, Tbd^rj-y.a ; cVf-'JVo-xa, '^'ytyvM-y.u, nbnat-y.a. Denn es be- 
stehen diese gleichungen: 



— 349 — 

farä(xa) = sanskr. t(istlia{n), avcst. hislita für *hasta 
durch ciufluss des leduplicierten pracsonsstammcs; 

*7Tfc'^(7(x«) = sanskr. hahhd{ii)', 

öi;örj{y.rx) =■ sanskr. dadä{ii) (unbelegt) von 4, (/«-'binden'; 

*fc?;(x«) = got. *saise, wofür saisö durch ausgleichung 
(vergl oben s. 61 ff. 207 f.); 

xad-)]{aa) = sanskr. dadhä{u)^ avest. dadha gathädial. 
dadliä (nur als 3. sing, belegt); 

*/£'7)'w(xa) = sanskr. jajnä{ii), altir. {cid-)<jen. aus *<je(jno 
(vergl. oben s. 64); 

did(o{xa) = sanskr. dadä{u) von 1. da- 'geben', avest. 
dadha gathädial. dadhä', 

*7T&Tno(y.u) = sanskr. papä^ii) von 1. pä- 'trinken'. 

Von diesen musterformen ist ^ni'fä-y.a ausgestorben, 
weil das verbum (fCc-iil sich späterhin die perfecta anderer 
wurzeln [Xtlbya oder )JXt/a, siQrjy.a) cooptierte; vergl. weiter 
unten s. 352 f. *yeyvio-üa veränderte sich nur in der redu- 
plication, wodurch sypio-xa entstand wie ^orgorpa. egooya 
u. dergl. Für dsÖTj-xa und für r^&7]-/.u, welches letztere 
Brugmann in seinem aufsatz über das x-perfectum noch nicht 
oder nur als heischeform berücksichtigte (Kuhns zeitschr. 
XXY 223); sind die belege: dedT]xoTag Aeschin. II 134 (gut 
überliefert, und Cobets mehr energisches als innerlich be- 
gründetes verdict über diese 7;-form, Mnemos. YI jahrg. 1857 
s. 401 f. = nov. lect. 469 f., brauchte entschieden den neueren 
Aeschinesherausgebern nicht so sehr zu imponieren), tdsd/jy.iri 
Andoc. IV 17, vergl. Veitch greek verbs irreg. ^178; ärun&t]- 
xÖTiov C. I. A. II 403, 38, boeot. iy.rsd^^y.avdi inschr. von 
Aegosthene z. 6 „mit hellenistischem ?; für boeot. f/", vergl. 
Gust. Meyer griech. gramm. § 557 s. 424, Meister d. griech. 
dial. I 278. von der Pfordten z. gesch. d. griech. perf. 8. 10. 
Später traten dafür Ssdsxa und rsd^sxa ein nach den medien 
ötöefiai, Tsdsiiui ; entsprechend bildete sich auch toräy.a mit 
transitiver bedeutung nach toräuai (Veitch greek verbs irreg. 
4 339, Brugmann Kuhns zeitschr. XXV 223 f.). Ingleichen 
ward so *e7]-y.a zu *£fxa =: att. ax« umgewandelt durch die 
anlehnung an *ee/iiai = att. H/aat. Und nach sixa, ti/nai gab 
es dann hinwiederum auch att. rtd^tixa, Ttd^sif-iai. Vergl. 



— 350 — 

Curtius verb. d. griccb. spr. II- 233 f., Joli. Schmidt Kuhns 
/oitschr. XXIII 281, Brugmann Kuhns zeitsclir, XXV 217, 
(iust. Meyer gi'iecli. granim. § 557 s. 424 (anders, aber un- 
richtig, vorher § 40 s. 45. § 68 s. 74), veif. philol. rund- 
schau 1881 sp. 1590. Nach Meister d. griech. dial. I 219 
anm. 278 und von der Pfordton z. gesch. d. griech. perf. 8 
k(")nnte es scheinen, als ob nach berichten der alten grani- 
niatiker auch ein boeot. rkdema zu den Zeugnissen für ur- 
griechisches Tt'!fiji(n iiinzulcäme. Allein wenn die grammatikor, 
Ilerodian II 362, 15 sqq. 836, 44 sqq. Letitz = Choerob. 
dict. 870, 7 sqq. Gaisford, horti Adon. 209 (vergl. Ahren-s 
de graec. ling. dial. I 182 auni. 3, Lentz zu Ilerodian II 362, 14 
sqq.), ^as Tb^&r/.d als Boeotisnius heranziehen, so wollen sie 
nur „in bekannter weise" das ei der attischen form als aus i] 
entwickelt ^^y.ura toon/]v Boiorixi']!'"' erklä:en, wie schon Ahreus 
de graec. ling. dial. I 183 anm. 4 statuierte und welchen 
Sachverhalt Meister selbst a. a. o. 220 anm. wenigstens für 
andere nicht boeotische formen mit ei anerkennt. Das erwähnte 
iüschriftliche iy.Tsdiy/.avdi behält aber seine beweiskraft für die 
//-form als noch in der /.mvl^ gesprochene und von da in den 
gebrauch dei' lioeoter aufgenonuuene. Auch mag Gust. Meyer 
a. a. 0. vielleicht mit recht das voi euklidische [Tii]07i7i'O.i' 
auf der attischen Inschrift C. I. A. I 19, 2 noch als [r;^]- 
i)^rjy.(öc zu lesen empfehlen. 

Indogermanisch lauteten von sthä-^ dUc-, dö- die 
formen der 1. sing. perf. indic. act. s est ha, dhedhe, dedö 
mit -(/, -e, -(I als contractioncn aus *-(1-a, *-e-a, *-o-a. 
Aber die 3. sing., hochstufe der wurzel erfordernd, bildete 
sestho^ dhedhti. dedo mit schliessendem -o aus urindog. 
*-o-e. Yergl. oben s. 207 f. 234. 326. Griechisch wären letztere 
formen ohne allen zusatz *i-or(o, *rb&('i, *dbd(o. Hätte sich 
nun beieits in ur- und panhellenischer zeit die jüngste par- 
tikelform y.f ausgebildet, so wäre es sehr begreiflich, dass 
mau wegen der Verhältnisse l'Xtya : /JXoyi-, ^ö'di-oy.a : öbdoov.f-^ 
^XiXsiTJu : AfcAo/3Tf, viqtvya : *ni'(fiovye und besonders wegen 
XblüOa : *kbhoiJ£, *Fi:fQi^ya : *F£Fo<oy(- (= histor. *t:QQ7^ya : 
iQQor/i-)^ *Trr'(fi('iyu : *7TSffi(oys gerade dieses xt, und nicht x«, zum 
anhängsei in *inr(o-y.s, *Th!)«)-yi-, di'do-y.i- gewählt hätte. Für 



— 351 — 

diese theorie könnte nun eben, da (Tt'Jfj-Kf und *y{'yi'(i)-x£ 
(JypiD-xe), Tienw-y.!: bei ihrem immer mit der 1. sing, gleichen 
wurzelvocalismus nichts beweisen können, einigermassen jenes 
{u(p-yiiii-/.s = gut. saisö (oben s. 326) sprechen. Es wäre 
dann auch wol ganz denkbar, dass ; w-xf und *T's3i<)-/.h, sowie 
*frjrf(^-xf und cVt'Jo^-xf, *ysyvM-/.s, nlnci-xe die erstliuge gewesen 
seien, welche das -r Hf6i^xvoTiy.6v für die sämtlichen 3. sing, 
praet. der griechischen verba nacii s. 340 f. acquirierten: so 
lange noch ein gefühl für die paitikelnatur des -/.s in diesen 
F(»-/.{- und genossen besraiul, konnten sie gelegentlich zu 
fOj-xM' u. s. w. sich erweitern mit Übernahme der volleren 
form der paitikel y.cv. Such eo)-y.e{r) hätte sich später auch 
ein Hi)-y.a als 1. sing, nachgebildet, sowie umgekehrt die nach 
bOTä-y.a, TsVri-y.a geschaffenen 3. sing. aTrt7-xf(r). Ti'drj-y.&^r) 
den alten *totio-y.(:(^)'), '^rfd(»-y.t(i') zum ruin gereichten. 

Aber auch wenn wir die existenz des y.e für das ur- 
griechische noch leugnen und y.u (nebst y.ci) sowie /.ap für 
die alleinigen formen der partikel in dieser alten periode 
halten, bleiben wir betreffs des no-ya nicht ratlos. Es machen 
alsdann eco-y.a, Ho-xe{i'} wol die construction erforderlich, dass 
man annimmt: zu einer so frühen zeit, als noch ohne die ein- 
verleibung der enklitika in der 1. sing. *[// und in der 3. sing. 
*aio gesagt wurde, kam damals nach dem niuster der ein- 
tönigen *dbd(o, *7itnii), *yi-yi'io in beiden personeu auch ebenso 
eintöniges "^ho bei /V"? ^^^^ *^^"^ ^Is 1- sing., auf. Dieses 
*fw vrurde späterhin gerade so durch ko-y.a verdrängt, wie 
*di-öio durch di'd(o-y.a. Immerhin wird, wie man sieht, die an- 
nähme des partikelanwuchses als -y.a für die erste person 
ausreichend sein. 

"Warum die ampliativen farc7-x«, rld-rj-ya, öl-ö(o-y.a der 
spräche auf die dauer genehmer sein mussten als die alten 
einfachen *f0rä, *Ti'd^7'j, *ih-tVo)^ ist ohne weiteres klar: jenen 
verschaffte ihre äussere sprachform eine stütze an den sämt- 
lichen ebenfalls in der 1. sing, auf -a ausgehenden perfecta 
der consonantisch schliessenden wurzeln. Yielleicht ist das 
hesychische TJttfT], durch fqär/j glossiert, noch ein Überrest 
der alten formation ohne den zusatz der partikel. Ich 
wenigstens möchte mich zu dieser auffassung Mahlows Kuhns 



— 352 — 

zoitschr. XXIV 295 zustimmender verhalten, als Brugmann 
Kuhns zeitschr. XXV 220 anm., und hätte von meinem 
Standpunkte nur die modificatiou zu machen, dass, sowie 
eventuell *;'/; und *h-j sich wegen *c)/i)V(), *nsn(o, ^ytyvn) in die 
eine form *tu) vereinfachten, man so in umgekehrter aus- 
gleichung nach denselben mustern für urgriech. '^'nifpä 1. sing, 
und ''^nerp(i) 3. sing, später mit dem einen '*nf(fä =^ ion. att. nt(pi] 
sich begnügte.!) j,^ ^Q^n n&ipi] hätten wir denn auch, bei der 
anerkannten identität von indog. bhä- 'scheinen, offenbar 



1) Misteli bemerkt zwar neuerdings zeitschr. f. völkerpsychol. u. 
spraciiwiss. XIV .313, mit bezug auf meine erklärung von apers. ak'unauslt, 
adarshnnnsh morphol. unters. II 100 anm., dass er an eine analogie- 
wirlfung niclit glauben könne, „nach der eine deutiiclie 2. pers. die 
rolle der 3. übernimmt." Aber unter diesem seinem Unglauben leidet 
schliesslich jener geschätzte theoretiker der analogiebildungen nur 
alleine. Ist ihm etwa auch die erklärung bedenklich, welche doch auf 
dem Standpunkte der verschiedensten ablautstheorien — sowol der von 
Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 8 ff. als aucli der von Brugmann 
Curtius' stud. IX 371 anm. 6. morphol. unters. III 120 ff. und verf. 
morphol. unters. I 107 f. anm. 228 ff. anm. IV 304 ff. als endlich der- 
jenigen von de Saussure syst, primit. 72 f. und verf. oben s. 61 ff. — 
unumgänglich ist: dass im clii.ssischen sanskrit die ältere formale 
differenzierung zwischen der 1. und 3. sing. perf. act., die im veda 
und teilweise auch noch nachvedisch als jagänia und jagäma neben 
einander hergehen, durch einführung eines monotonen jagäma für 
beide personen, nach massgabe nemlich von daddrga u. dergl., beseitigt 
wurde? Oder bezweifelt Misteli auch, dass nhd. {ivir) sind die über- 
tragene 3. plur. {sie) sind ist, und war nicht die ältere 1. plur. wir 
sein — mhd. wir sin auch „deutlich" genug? Die praktiker der astso- 
ciativen erklärungsweise wissen sich diesen fall so zurechtzulegen, dass 
sie die schon alte formengleichheit von tvir ivaren und sie waren, wir 
wären und sie ivären im praeteritum, besonders auch von wir seien 
und sie seien im opt. praes. auf den indicativ des praesens einwirken 
lassen, und neuere volksdialekte gleichen bekanntlich das alte Ver- 
hältnis wir sein : sie sind nach oben jenen musterschenien auch um- 
gekehrt wie die Schriftsprache zu wir sein : sie sein aus. Ebenso nhd. 
sie gehen statt sie *gebenf nach tvir geben, wegen gaben, gäben und 
geben in denselben beiden pluralpersonen des praet. indtc, praet. opt. 
und praes. opt. Vergl. Braune in seinen beitr. I 12 f. über ähnliche 
analogische gleichmachungen der lautgesetzlich nicht zusammenfallenden 
pluralpersonen des verbums auf altsächsischem, angelsächsischem und 
friesischem boden. 



- 858 — 

werden' und hJiä- 'spreclien' (vergi. oben s. 283), ein 
wenigstens indirectes zeugnis für das vorhin s. 349 als reflex 
des sanskr. hahhü{u) construierte urgriccli. '''nt(fü-y.a habe 
gesprochen'. 1) 



') Die orweiterung durch den nasal in griecli. ipay-, (pai'vto, f-(fäv-tjv 
etc. hängt genetisch damit zusammen, dass in indogermanischer zeit 
eine nasale praesensbildung von der wurzel hliä- existierte. Diese 
reflcctiert zunächst und am klarsten das armenische mit seinem ha-na-m 
'ich eröffne, offenbare, erkläre' ^= indog. bh.v -na -m i nach der -na- 
classe ; der aorist armen, ha-ri beweist die beschränkung dos nasales 
von ha-na-m aufsein ursprüngliches formengebiot ; vergl. Hübschmann 
armen, stud. I 9i. Sodann wird man sanskr. ved. hhdiHifi 'ertönt, 
schallt, ruft laut', dessen hhaii- anerkanntermassen ja auch „aus bJid- 
erweitert" ist (Curtius grundz. d. griecli. etym. ^ 296, Fiele vergleich. 
wörterb. I ^ (586. II » 162. 415. 613. III ^ 201, Grassmann wörterb. z. rgv. 
927), als hhä-iia-ti aufzufassen haben; d. h. die „wurzel" blimi- int hier 
von derselben boschaffonheit wie die „wurzeln" pru-, »ir'J-i ^on denen 
die Inder ihre praesentia pr-iid-ti, mr-va-si ableiteten. Von der 1. sing. 
bha-nä-mi (= armen, ba-na-m') und 3. plur. bJia-n-anti, 1. sing. med. 
bha-n-e aus vollzog dieses praesens der -»d-classe, wie auch die von 
Job. Schmidt Kuhns zeitschr. XXIV 313 f. und von Whitney ind. 
gramm. § 731 s. 256 besprochenen übrigen fälle und wie ähnlich sanskr. 
tislitltumi (vergl. oben s. 246 anm.), seinen übertritt in die ö-con- 
jugation; nur hatte das neue bhä-na-ti seines wurzelhaften a wegen 
Wurzelbetonung anzuneiimen und also zu seinen Schicksalsgefährten 
pr-nd-ti, mr-^i^d-ti in denselben gegensatz zu treten, in welchem sich 
die gd-echn-ti, yd-ccha-t! gegenüber Icclid-fi, r-cchd-ti, prcclid-ti befinden; 
vergl. de Saussurc syst, priniit. 174. 234, verf. Paul -Braune's beitr. 
VIII 301. oben s. 143. In der germanischen aus gleicher wurzel bJiä- 
hervorgegangenen sippi' von anord. baitnn ags. ahd. banncoi 'einbe- 
rufen, entbieten, vorladen, unter Strafandrohung' befehlen', anonl. i(/;/;/ n., 
ags. Zf-bdii, alts. ahd. ban m. 'aufgebet, Vorladung unter Strafandrohung' 
(Fick aa. aa. oo.) fasst schon Kluge etym. wörterb. d. deutsch, spr. 
17* das -)in- — aus *-hw- und auf die fünfte sanskritolasso zurück- 
weisend — als ursprünglich nur praesensbildendes olement wie in ahd. 
spannan (zu griech. ir/rä-w), got. ags. alts. ahd. rinnan anord. rimia 
u. a. Das nebeneinander von praesensbildung nach der -ne'X- i^"i4 
der -«a-classe gehört ja zu den häufigst wahrgenommenen erschei- 
nungen; vergl. verf. morphol. unters. IV 35 ff. Das griechische nun 
wird neben seinem wurzelpraesens r/w-^/t = sanskr. bhu-nt! und seinem 
inchoativpraesens ipa-oxu» 'offenbare nach, rede, spreche' das gleich- 
wurzelige nasalpraesens zunächst natürlicli in der form '■■'•ipd-yrt-m be- 
sessen, dafür aber zeitig ein *(pä-vio substituiert haben, welches letztere 
Osthoff, zur geschichte d. perfecta i. iiidogermauiachen. 23 



— 354 — 

Was ferner ilas stanimliaftwerden des -x- in tnrä-y.a und 
coiisoiten oder die voruahmc der tiexion hinter der par- 
tikel, naclidem diese festgewaclisen, anlietrifft, so illustrieren 
wir diese erscdieinung am besten dui'ch das analogon des 
litauischen und seiner impeiativpartikel -/i-, nach den Ije- 
in"rkungen darülier hei Schleicher lit. gramm. § 108 s. 229 if. 
und ilruoinaiin iiiorphül. unters. I 140 f. 1G5 f. anm. 2, 
denen gegenüber die zweifei Knrschats gramra. d. litt. spr. 
§ 100") s. 284 von keiner eidieblichen bedeutung sind. Nach 
lit. el-k geh', bii-k 'sei', du-k 'gib', (jelhe-k 'hilf, jeszkö-k such', 
mutij-k 'schau' sagte man später auch mit einverleibung des 
-k- in die flexion 2. phir. clkite, Imkite u. s. w. ') Aehnlich 
larüy.ac, Thd^tjy.dC^ dir^oy.a: und inräyufi&f (^tc. etc. 



nunmehr dem armen, ha-na-m sanskr. hha-nä-mi so entsprach, wie 
x/.'i-yfo dem saiiskr. (abhi-, saiii-) grt-ixä-mi, tp&i-vai dem sanskr. ved 
kslii-iu'i'^iii 'i so trat ja auch i^riech. Säu-no für älteres Snu-v7i-ui ein. 
Von *(/)«-»•(.) aus ward dann wol der nasal wurzelhaft: wie xhvw fut., 
fy.Aivf! und Jip&ira aor. act., IxUvqv aor. pass. vois y.hv- und <p^tr-, so 
aueli fut. (pavi'to <purio, aor. act. ftpctm ion. att. f-'tp>-rtt, aor. pass. i<pciyi;r, 
perf. ion. att. ir^ipTjVtt von </>«»'- als der verineintliclien basis in *tpü-vw. 
Endlich f^ab dann das ensenible dieser ausserpraesentisclien verbalformen 
von ipav- den anstoss zur beseitiguns: ihres Urhebers selber: das praesens 
*ip((-rM ward durch i'jn ii„nyo) vcrdräiiijt, wobei muster der neuschöpfunü- 
waren udvounui, '■'m-i'ir, iiutitiv, intir^nt neben urt(vm { uiiivoiiai) prai'S., ni/7'iii, 
fciavit ion. att. farjy(( neben praes. nniyw u. dergl. Wie aber das pi'rfeetmn 
in der Hesychglosse, 7ii^(pi] ' f/irly>;, .<o ist al-^ veihalfoi-in noch ein anderes 
zeiiji'nis für unerweitertes ^rieuh. ipii- in di^r hcdeutiin^- "offi-nharen, 
zeic'en' das vom ])erteet.staniine o-ohildcte tuiunini iionier. .-iFiptjnfTuL 'wir.i 
erselieinen' II P 155. 

') Kursehar a. a. e. wendet i^^egen Selileicher ein, dass „d-as 
^e<^enwärti£;e imperaiivsunix -/.• sich niemals an den praesens- sondern 
stets an den futiirstamm anheizt", darum -k nicht wol eine an i'ine 
fertic;e ini])erativforni des praesens angefügte enklitisclie partikel sein 
Ivüniie. Aber hol der schwachen ä- und e-conjugation wird man wol 
die vor -/.; stehenden wortelemente von jenzkö-k, (jeJhe-h als solche 
echte praesonsimperative wii> lat. amä. »lOfie fassen dürfen, mai^- man 
auch die condensierung des urs|irünuliclien *-aifi, *-ele zn «, -e 
(durch *-fie, *-ee hindurch) in eine spraehperiode verlegen, in welelie 
man wolle. Vergl. neuerdings Jak. Wackernagel Kuhns zciisehr. 
XXVIl S5 ff. Dann sind nach j('s::h-ö-k neben Jt'szko-siii jeszkö-ti, 
gelbe-k neben <jeU)i'->iiii iirlhr-fi die »iiitij-l,-^ el-k, hü-k, du-k von ihren 



— 355 — 

Hinsichtlich des gaiigos der an alogische n Verbrei- 
tung d(M- neuen x-perfoctf'ormntioii von unseren acht niuster- 
bildiingen aus kann ich mich nun im allgemeinen und wcsent- 
liclion genauer an die constructionen meiner Vorgänger an- 
schlicssen, an Brugmann Kulms zeitschr. XXY 215) ff. und 
Gust. Meyer griech. gramni. § 557 s. 423 f., wenn diese 
alles auf der grundlage ihres einen di'i)(»y.a sich entwickeln 
lassen, ferner an von der Pfordten z. gesch. d. griech. perf. 
51 ff. Es erscheint mir aber zweckmässig, zwischen exten- 
siver und intensiver befestigung des neuen /-ty|)us zu 
unterscheiden. 

Unter dem ersteren,' dem extensiven wurzelschlagen 
verstehe ich das fortwuchern des neuen perfectbildungs- 
princips an andere wurzeln und verbalstämme als die das- 
selbe begründenden orä-, (/u-, d)]-, ij-, dij-, yi'io-, d'co-, ttm-. 
Hier ist es schon durch die genannten vorarbeiten und sonst 
festgestellt worden, dass sich zwei schichten der neu- und 
nachbildung chronologisch scharf gegen einander abheben: 
eine ältere das x-perfect noch ganz auf vocalisch aus- 
lautende verbalstämme beschränkende , ein zustand , auf 
welchem die homerische spräche streng verharrt; anderer- 
seits eine j ü n g e r e und n a c h h o lii e r i s c h e schicht , bei 
welcher auch co n s on a n t is ch auf A, p, >■ und dentale ex- 



ontsprechendoii f'utur- oder infiiiitivstiinimen aus neu o:f>l)il(l('t. Was 
(lürfto aber etyiiiolo^MScli das lirauisnlio imperativ-/,' sein? Der Solilei- 
ohersclu'n lieranz oliiinar dos sanskr. ca ist, obglcicli dio indefinite 
bedouiun.; von iiidog. k' c als 'irg-endwie' iiaoh Coilitz (vorn), oben 
s. 1"28) ja ]iassoii würde, der umstand niclit i^-ünstii;-, dass in älteren 
iitaniselieii diindcon und in diiimis oft der voeal hinter dem -/,• als -/ 
erhalten ist, z. 1). in alrlir. hiiki 'sei' (Jeizt Ln/,-). imel. dr/ri '\oix\ jiiäiiln 
'mäh'. Das lässt (dier :in da-< neulruin indou' k- i d -- o-rieeh. n lat. 
quid denken, wobdies ah enk]iris(die partikel in sunskr. cid avcst. cit 
{c'it) so häufig das vorangehende wort hervorzuheben dient; veryl. 
niori)hol. unters. IV SoH, oben s. 3H:5. Auch so wäre dh-lc i) eigentlich 
'gib irgendwie'. Die nebenforni auf -Ar wie in hül/i' 'sei' bei etwas ge- 
inildert.en\ befehl (SehlMi-hi'r a. a. o. 2:51) kann dur<di den einflnss von 
Optativ- (|termiRsiv-)fo;nien. z. b. fc-sid/i' 'mag er drehen', entstanden 
sein. In lit. dii.-I,--(/i 'so gili doch' aber wäi-e ])aiMikelli;infuni;- i'in^e- 
treten in folge tles erblassens der verstärkendi'U fnnetion der i^rsteren 
enklitika. 

23* 



— 356 — 

l)l()sivno nnsgdiondo vorhalstiunme der neuen sicli weiter von 
ihrem Ursprünge ontfornenden bildungsweise bemächtigen. 
Es würde mirjedoeli passender und ricbtiger erscheinen, an- 
stntt dieser distinction lieber eine andere gelten zu lassen, 
wonach dem älieren und bomcrischen verfahren, nur erst bei 
la n g voc;ilischcm stanimauslnut das perfect auf -xa in an- 
Wendung zu bringen, dasjenige einer jüngeren sprachperiodo 
entgegengestellt wird, w^elche weiter abgehend von dem 
quellgebiete der ncht musterformen auch von verbalstämmen 
auf kurze vocale, auf diphthongo und auf oonsonanten das 
x-perfectum bildet. 

An i'aräxa (homer. ion. att. ^rr?;/«) , ^uHfäxa schliesst 
sich das zahllose beer der formen von denominativen verben 
auf -Mf'» wie (-hßlüy.a (homer. ßeßhjxn) ^ Tsrf^aä/.n an, was zu- 
gleich als eine bestätigung der oben s. 233 ff. entwickelten 
ansieht dienen kann, dass im umbrisch -sabeHisch - oskischen 
die verba der schwachen cT-conjugation ihr pcrfectum ebenfalls 
nur durch die nachahmung der ererbten perfecta der wurzeln 
wie ital. stä-, fa- bekommen haben. Von didi]y.a, *ih]ya, T'tdijy.a 
ging entsprechend die schöpfung der nicht ininder umfang- 
reichen kategorie der v{-rfiXi-jY.a^ homer. d&defnr?]y.a, TtiyännrjY.n 
uml genossen aus; von '"'ylyvtovjf. , cV/'cVojx«, n^ndmt diejenige 
der (i;in'(it)(i)y.(it^ lun'ArjgiDy.a ^ did^jXdiy.c.^ i^Sicr/.n u. s. W., wobei 
das muster vliuir/.u. etwa durch die associierbarkcit von mZna 
mit den ihm gleich gebildeten verbalnominen /tüydiDita, 
TiXrjodifia, drjXoiia, äh'iniia mitwirken konnte. Tiberhaupt war, 
wo nur inuiier, nann^ntlich in der conjugation, ein verbalstamm 
auf -Ci-, -'/-, -'"- vorbig, fortan dazu ein perfect auf -y.a bild- 
bar. Also (■>!f)Cr/.a (homer. ion. att. ß'eßi]y.a). Homer. ß{-ßXi]y.u^ 
Jt()a7/Xf/., nachhomoi'. liaxXijy.a, fitfhy/.a^ i^n(ji'i]y.cuy.f/jlnijy.a^ yfyQä(pi]y.a 
zu den « aoriston hßXijv, tdi'oiv^ tny.Xrjv^ i^oßijy u. s. w. nebst 
den entsprechenden futuren auf -i'^ao/iai (vergl. l^rugmann 
moijibol. untiMs. 1 74 f.); tif/jjy.a zu fut. a/rjnut und neutr. 
^'/Jil'"-, '1''' ^'^''' «(^Ibst erst nach Oijaai, drjfta gebildet hatten 
auf gruud der association von t^-oy-f^-rov b-ay-k-rvjv !-<i/-i-Ti- 
d-ay-i-rn ay-i'-a!) (a mit r-ih-rnv !■-,') i'-r/p' f-.'}f-rf s-ih-m !)i-(iOtu 
(lirugniann iuor])hol. unters. 111 ■"). Fleckeisons jahrbb. f. 
class. philol. ISSO s. 224, vcrf. zeitschr. f. d. Österreich. 



— 357 — 

«^•yinn. 1880 s. 63 f'O. Homor. ßi'j-tnur/.a ^ /n'uj-lXoy.a, iiacli- 
lioiner. l((Xioy.a, di'äX(o/.a. Nach der proportionalen analogie 
aller acht muster auf -a-y.a, -r,-y.a, -ut-y.a schuf" man aber 
auch vlvTy.a {vtTi/.wQ Lykophr. 765), sowie die homerischen 
öciiiyM, viCfiC/M^ aifivy.a und att. lavv/.a (Veitch greek verbs' 
irreg. * 611) von den stammen vT- und Or-, y/C-, fiv-, otv-. 

So weit macht Homer mit. Er hat aber nocli kein 
einziges beispiel eines perfects mit kurzem vocale vor der 
endung -x«, wie die aufzähkmg der etwa 20 homerischen y.- 
perfectformen bei Curtius vorb. d. griecli, s[)r. II ^ 231 f., 
Brugmaim Kuhns zeitschr. XXV 213 und Gust. Meyer griech. 
gramm, § 557 s. 423 zeigt. Die spätere spräche tat ihren 
weiteren schritt zunächst wol damit, dass sie nach ii')]0(t) : 
vsrdrjy.u, d)](j(o n-d/jOa : öedi]y.a, dioact : dlöto/.u, att. (yvijodj hnvqna 
: ioviy/M in stricter proportionaler analogio formen wie 
hn-i^vs/.a , d?o]Xty.a , uQTjQ'cy.a ^ ifi/jf.tty.a , IXi^Xcr/.a ^ o/Lio')^toya ent- 
stehen liess, zu den futureu und sigmaaoristen en-aivbaot 
sn-Tjr&na, iiX^üa , uoi-oii) Tjoeoa , tfii-a«) 'rjueaa , eXaan) ijXäoa, 
aijLioou nemlich. Ferner diphthongische formen wie y.'ty.uv/.a, 
UTio-X&Xi'.ry.a, UcTiury.a und vf-vtv/.a, nc-nXevy.u, nenvt-iv.u, vienui- 
dtv/.a, Tidboäntvy.a etc., wie auch y.iy.oovy.n ^ zu deren futuren 
auf -avaco, -evom, -oi'oco {-uvoojnui, -i-vao/Liai^ -oi'oo^iai) und s- 
aoristen auf -avna, -tvou, -ovoa. Nun standen jene eXtjXaya, 
öfin'iuoy.tr. neben mediopassivischen iXy'jXaiiui, öfKo/iorru ; und 
die perf. inediopass. auf -avf-Ku , -ov/Liai, wie dno-X'cXuvj^iui, 
y.ey.urjLiui bei Thukydides und Euripides, virnur/iiui bereits bei 
Homer, Y.laoovitia bei Aristophanes, hatten wol schon länger 
ihren alten tiofstufenvocalismus nicht mehr in folge von früher 
analogischer Vernichtung des ablauts. Also konnten nunmehr 
auch nach solchen Schemen wie junuvy.a : TreTjav/aai, ä/idiany.a : 
oiKoiiorci^ wenn niclit etwa schon aus eigenem autriebe, die 
alten Jab/x«, n-Hrjxa, ^ny/.a selbst zu öldty.a, riri&y.a und 
*.s'xrt ;^ liy.c. umgeformt werden durch die vocalische aus- 
gleichung mit den medien diöi-juai, itütiiat und *i'(^iui tifiui, 
sowie auch wol mit sonstigen verbalformeu wie dsdrjrai 
Öeüi'-jdniiai tV^ro'cj, r&Ofjrai r^drjoouat ifiTOC, lifijvai i-&rj00uai 
itÖq ; desgleichen spätes transitives envä/.u nach eoräftai auf- 
kommen. Vergl. üben s. 349 f. Hiermit war die pforte ge- 



— •}58 - 

(■)H"iiet für (las hoi-eiiitroton von y.r-Y.lfy.n, ■/.l/.oi/.«, itfdr/.n und 
Ti-Dvy.o.^ Xi'Xvy.u , vinXv/.a, yJ/vy.a neben ihren niedien mit 
Wurzel hafte in i, v, von fxrofx«, Tträy.u neben r/.rä/nai, rlraimi. 

Wenn endlich auch die eonsonantischen stamme an die 
reihe kamen, so ist zunächst die erzeugung der formen wie 
nSTrfr/,a zu 7in'!)(<i, Tjitfr/.OL ZU fQe/dd) , eOTifvy.a zu ani-vö«) und 
selbst eines /oth-iau zu OTn'rd«) im gründe kein anderer act 
gewesen, als die neubildung der nenuvy.a, vi'vsvy.a, y.r/.Qovy.a : auch 
dort knüpfte die spräche nur an dies-futura und -aoriste Tifia«) 
(■Tjeina, toilaai Tjonan^ onnvad) i-OTJSvoa und oneiOfo &nv&i(ja (aus 
''^'OTjfi'dai') *sriTT&rdija) an. Etwas anders hierüber Brugmann 
Kuhns zeifsclir, XXV 223. Ebenso traten zu OTrovdäa(» lanovd'aaa 
und zu . yofiia(i) sy.n/iun(x die perfecta iunnvö'ay.a, y.ry.öni/.a ins 
leben. Diese abstraction vocalischer und diphthongischer ver- 
balthemen anstatt der eigentlichen dentalstäninie aus den sigma- 
temporen kann als die kehi'seite jener falschen auflFassung 
der futura und aoriste auf -^u) -ta, -y'(o -tpa angesehen wer- 
den, welche zur Schöpfung des aspirierten perfects und da- 
mit zusaiiimenluiugender erscheinungen im altgriechischen 
führte; vcrgl. oben s. 287 ff. 

Aber bei den liquidastämmen hinvfiedorum entsprangen 
Bifj&ao/.a, lanaoy.a , f-araXxa, rtraXy.a { (■TTai'areraXv.eri') Aristot. 
meteor. III 5 p. 376 b 29 ed. Bekker 1831) und ijyyay.a in 
einfacher consequenz aus den entsprechenden mediopassiven 
tif Daojiiai^ ttynatjfini, faraXiKu, TeraXfiai, TJyysXjtiai, wie nunmehr 
ja die Verhältnisse dfösy.a : d/dffuu. rfd^sy.a : vfü^e/nai und y.'t/.XCy.a : 
y.f- /.Xi i^iat , vb/y/jn. '. y.^/vfiat, T^rä/.a : rsräfiai etc. bestanden. 

Att. ly.xayy.a bei Aristoteles und Menander fVeitch 
greek verbs irreg.^ 395) ward neben fxrax'/t gebildet, jenes, 
indem man die proportion (fuHtoio rp'ifcnö, anciod) am-Qo» : 
B(f^(f.o/jf., lanaoy.a ^^ •/Tsii'C) Y.vevu) : x befolgte. Spätes nHfayy.n 
dagegen knüpfte man wol an den aor. pass. Hjävip' so an, 
wie es die veranlassung seitens der älteren sifiJany.u, tViTfMpx«, 
8(jraXya neben l(f&äoi]v, loiKun-jv , snrüXrjv an die band gab. 
Übrigens ja auch ly.iävdut und ■nHpärt)^ infin. perf. med. wie 
fif^&äod^o.i , !av('/.()3ai , i-arnXOai, ijyytXd'ui. Und wie m'-rpayv-a 
erscheinen dann auch die ebenso späten oder meist noch 
späteren fihidayy.a^ f^oguyy.a, aeorjf^iayy.a^' vqayua und ji<y/yyy.a, 



— 350 — 

loh'yy.u. Vei'i;!. (iust. ^Foyer i^riocli. gfaiiim. § 558 s. 424, 
von der l'forclton z. gesell, d. giieeli, perf. 00. 

Die intensive bet'estigung des x-pcifects nenne ich 
das a 1 1 in ä h 1 i c li e v o r s c li r e i t e n de r n e u e n st a ni m - 
bildung durch -/.- von den drei personen des 
s i n g u 1 a 1- s p e r f. ii n d ]i 1 u s q u a ni p e r f. aus in die 
übrigen activformen. Denn auch diesen process hat als 
einen ganz successive erfolgenden die interessante geschichte 
dieser abart des griechischen perfects deutlich beobachten 
lassen. Vergl. R. Loebell 'quaestiones de perfecti Homerici 
forma et usu' inauguraldiss. Leipzig 1876 s. 15 ff., de Saussure 
syst, priniit. 148 f., Brugniann Kuhns zeitschr. XXV 221, 
von der Pfordten z. gesch. d. griech. perf. 54 f. 

Hier liegt nun zwar die sache nicht ganz so günstig, 
dass <lie homerische spräche noch durchaus ungetrübt den 
älteren zustand daiböte, wo die z-formen noch gar nicht über 
den sing. act. des perfects (und plusquamperfects) hinaus- 
griffen, aber doch fast so günstig. „Die alten schwachen 
personen des activs", sagt Brugmann , „die ihrer lautgestalt 
nach keine Schwierigkeiten bereiteten, blieben vielfach länger, 
zum teil durch die ganze gräcität hindurch im gebrauch". 

Bei unseren acht mustertypen selbst hat Homer neben 
vielfachen, nenilich im ganzen 11 mal belegten i^ori]y.ac 
UiT-iy/.t{v) {■arrf/.ij ^^aTrjy.H(v) auf der einen und geradezu er- 
drückend vielfachen, zusammen 98 mal vorkommenden fnra- 
fifp i-aracf haTüai{i') '^ovarnv toraaav I'otu&i lovair] eoruuai'(ui) 
loranroc httuÖtc. laraorec haranrntv laraörug taraors aul der 
andern seite nu einmaliges töTty/äüiv II. z/434; und bekannt 
ist die regelmäsöigkeit der flexion hdTrjy.a, dual. Earaxov, plur. 
i'avnuf-)', iniiii. 'Inrarm, partic. ffrrf'c (aus laTcuöc) auch in der 
attischen s|iiache. Zur seite von JaV^ox« ist im boeotischen 
noch aTio-dei)n('.rih nachweisbar, auf der inschrift von Orcho- 
menos Cauer delect. iuscr. graec. - no. 298 (= I^arfeld sylloge 
inscr. Boeot. no. 33) z. 35. 

Und wie bei den mustern, so auch bei den ältesten 
der nachbildungen. Homer, ß'ßiy/.a ßlßi-jy.ac pV,:??;xf(j') ßf-ßr/y/j 
{f)ßfßi]/.&i sehr häufig belegt und dazu die ebenfalls nicht 
seltenen ßtßaCan ßißunuv ß&ßu/tifp ßeßawg ßsßawta ßtßworsg 



— 360 -- 

ßt(i(w7a : -X- tritt ohne ausnähme nur im singular des 
verbum finitum auf. Ilomor. Ti'rXiy/.cxc rhXrjy.^ und rhXa/.av 
rirXaOi Tf-rXäro TerXni'i] Ti-rXnui-y^ai) mit derselben constanten 
beschränkung- der -x-formen. Homer. rf&r7jy.e(j') 11 mal und 
Xbtivaiiirv r^ih'äoi{v^ reOi'aUi xtdrarai TtdraiycKv TsdyaiT^v rtS- 
vali]c. Tsilrulrj Tsdi'd/iiey^ai) zusammen 17 mal; abweichendes 
einziges y.ara-rfd^ioj/.äaiv nur II. O 664. Homer, ntrpv/.r] 
TiBffv/.si 6 mal und Tiscpväaii^v) nbcpviTnac (Od. e 477, var. lect. 
7it(/vn)rb) virff'VvTa nsifvvTui 8 mal im ganzen; dazu als gegen- 
reehnung einmal belegtes ne(fivy.äoi Od. ■>] 114. Ausserdem 
kommt als abweichung bei Homer nur vor: zweimaliges 
ß&ßQ<oy.wc IL A' 94. Od. / 403. R. Loebell quaest. de perf. 
Homer, forma et usu 22 glaubt, dass dieses der dichter ge- 
wählt habe aus der ganz individuellen veranlassung, um in 
der form *ßi-ßQ(o(oc den misklang der beiden zusammenstossen- 
den ö-laute zu vermeiden. Was wiederum die Attliis anbe- 
triift, so haftet der gebrauch der, wie man früher sagte, 
„synkopierton" perfect- und plusquamperfectformen fester bei 
ß'fßiyy.a und TsOriy/.a : ßtßchyi ßeßärat ßtßiöc und r't&varov 
TB3vaf.itv Tsdräai hldvaoar xtdrävai sind noch weitaus die 
regel, ßtßiyy.evai ßtßrjy.cog, re&i'/jy.erai Tti^rijy.wg Tei}vi]y.\nu nur 
sporadisch erscheinende ausnahmen. Yergl. Yeitch greek 
verbs irreg.^ 124. 125. 315. 

Eine ganz bestimmte gruppe von ausnahmen der regel 
bei Homer haben wir aber nicht als solche gerechnet: die 
aligeleiteten verba auf -ko oder überhaupt verbalstämme mit 
ableitendem (nicht wurzelhaftem) -?;- hatten allem anscheine 
nach frühzeitiger ihr activisches perfectparadigma mit voll- 
ständig durchgehenden x-formen etabliert. Das beweisen die 
vorkommenden homerischen fälle: n^Sagoijy.aoi II. / 420. 687 
und die participia ad)]y.6T^c ädiy/.örac H. K 98. 312. 399. 471. 
Od. /< 2S1, ötdta]y.nT(rC Od. ß 61 (sing, indic. dtöurjy.i- dsdärjy.ag 
Od. ,'/ 134. 146), vi^rv/Tjy.o'ic. II. f 748. Man wird annehmen 
diirfen, dass auch die anderen classen der schwachen verba, 
diejenigen auf -mo und -ohj, von denen zufällig nichts anderes 
perfectisches in Ilias und Odyssee belegt ist als ßfßh^ysv II. 
K 145. 172. // 22, sich in diesem punkte schon zu Homers 
z(!iten niclit anders vorhielten. Yollig begreiflich auch; denn 



— 361 — 

torccfuv soM'ie auch [l^l-läf.in>, -ntffväai \\. dorgl. waren ja, was 
man nicht vergessen darf, ererbte alte formen, zu deren preis- 
gebung man nur nicht sofortige Veranlassung hatte; von 
einem nach earä/nr erst zu schaffenden *ß{-i-'>lCxuev konnte 
aber Umgang genommen werden, in sofern offenbar das nach 
torä-y.a entspringende ßtßiä/.u auch von sich aus die zuge- 
hörige pluralform ßfßia/.afify erzeugen mochte. 

Von jenem kanon, der uns auf der schwelle der alt- 
griechischen Sprachgeschichte mit fünf verschwindenden aus- 
nahmen, wofern wir eben die perfecta der abgeleiteten verba 
auf -H'i (und -aai, -60) in abzug bringen, gegenüber einer 
überwältigenden majorität ihn bestätigender beispiele ent- 
gegentritt, kann ich nicht umhin zu glauben, dass er in einer 
nicht sehr weit vor dem beginn der Überlieferung zurück- 
liegenden zeit der spräche ausnahmslos und unverbrüchlich 
fest bestanden habe. Seine spätere Verletzung in der weise, 
dass die x-bildung aus dem singular heraus in alle übrigen 
activformen, aber niemals in das medium .perf. dringt, ist 
einigermassen der bekannten erscheinung beim sogenannten 
„starken" perfect vergleichbar, dass dieses seinen stark- 
wurzeligen ablaut des sing. act. vielfach wol über die 
sonstigen formen des activs auszudehnen wusste, wenn das 
weiter abseits liegende mediopassivum bei der alten tief- 
stufigkeit stehen blieb: rtrfjof/'« rtvQrxpajiitr : n-i) nafijuai, i'ifi!)o()i(. 
t(f9^0QajL(iri' : itfdaouai^ ixroi'u i-y.TÖi'ufi&i' : h./.vaf.iai u. dergl. Mit 
jenem festeren kanon aber, dass im ur- und frühesten 
altgriechischen regelmässig ein singular perf. auf 
-'/M mit langem vocale vor dieser endung und ausser- 
singularische formen ohne -•/.- mit der entsprechenden 
vocalkürze des stammauslautes sich zu einem para- 
digma zusammenschlössen, muss entschieden noch mehr, 
als seither geschehen, gerechnet werden. Denn in der tat 
stellen sich dadurch eine reihe nicht nur das peifectum be- 
treffender altgriechischer spiacheischeinungen in ein neues licht. 

Die attischen perfectformen rjoi'orafi&r, /jQioTcivai bei den 
komikern Theopompos, Aristophanes und Hermippos (fragm. 
Comic. Graec. II 799. 1154. 406 ed. Meineke, vergl. Veitch 
greek verbs irreg. "* 99, Kühner ausführl. gramra. d. griech. 



— 362 — 

spr. I -' 77S) sind sicher, wofür man sie wol auch allgemein 
ansielit, spätere neubildungen nacli torä,uev, lorcivai ; vergl. 
Curtius verb. d. griech. spr. II ^ 191, Brugmann Kuhns 
/.eitschi'. XXV 221 f. aum. Flcckeisens jahrbb. f. class. philol. 
18.S0 8. 230, Gast. Meyer griech. gramm. § 555 s. 422. Brug- 
mann bomerkt auch, diese ?}p/ara/ttj', TJ^tarävai könnten viel- 
leicht „den einen oder andern auf den gedanken bringen, sie 
repräsentierten uns noch die weise, nach der das perfect der 

verba auf -i'ao in der zeit, ehe das x-poifect aufkam, 

gebildet wurde. Das wäre aber sicher eine verkehrte fol- 
gerung." Allerdings; denn erstlich die rehitiv späte be- 
zeuguiig dieser formen von doiorcuo gestattet ja keine andere 
annähme als jene erstere, und damit zusainmen betrachtet 
der umstanil, dass die verba „contracta" eben wahrschein- 
lich schon zu Homers Zeiten das -/.- im perf. act. ganz durch- 
geführt hatten. Sodann ist im besonderen zu berücksich- 
tigen, dass hier freilich ja der anklang des gemeinsamen 
lautcomplexes -lart]- - lavü- verführerisch genug sein konnte, 
um eine association der beiden verba äoioräc) und 'iarijui zu 
bewirken, so dass wegen Tjoian^y.a = loriy/M auch /joiaväjtiev 
wie '^araiifv gesagt werden konnte. Curtius a. a. o. bemerkt 
treffend : „Die stelle des letzteren dichters [Hermippos] 
rjoiar(''.y(f.i y.ai naohyrävai rowl enthält offenbar eine assonanz," 
und nach ihm und Brugmann verdanken die formen fjoi'nräfie}', 
rjni(nc(fai ihr dasein der parodie oder einem ähnlichen Wort- 
witz, wie etwa in d(Hitschen scherzen unigchriutfjen, gespiesen, 
(jek)üppe)t. Immerhin würden sich diese attischen, wenn- 
gleich scherzhaften gebildo der Volkssprache hinsichtlich 
der art und weise ihres Ursprunges genau an italische per- 
fectformen der schwachen (/-conjugation wie osk. uupsens 
anschliessen, gemäss dem oben s. 231 — 248 hierüber bemerkten 
Att. ijnlarc(f.i£v^ rjntararai zogen dann auch die ebenfalls bei 
komikern, Eubulos. Alexis, Tlato, vorkommenden Ördeijivän&r^ 
dfd'&inrai'di (Veitch greek verbs irreg. ^ 174, Kühner ausfüiirl. 
gramm. d. griech. spr. 1 ■' 797, Curtius a. a. o.. Gust. Meyer 
a. a. o.) nach sich, als eine „synekdromc" nach Lobeck zu 
Buttmann ausführl. griech. sprachl. II- 28. „in folge der 
bedeutunffsverwandtschaft" nach Kühner ausführl. gramm. 



— 863 — 

d. grlech. spr. P 670 und Bruginann Kuhns zeitsclir. XXV 222 
anm.; dass ätÖHnvTjy.a im attischen wie ■rjoi<)-r?]iia ausiclang, 
konnte ausserdem von formaler seite der ankiiüpfungspunkt 
für diese formübertragung sein. ') 



1) Uel)i'ii;ens hätte aucli ohne ein sülclios biiidcg-Iicd tluroh die 
äussere sprai'liform die in rede stehende ncuschöiif'uni;' der (hrht'nv'uun-, 
(höfijjvarai nichts ixnfFiillendcs. Gegen das neue doj^'nui des besser 
wissenden Mahlow d. lanl,^ voc. A E 36, dass bei fehlender fürinoii- 
gleichheit bedeutungsgleichhoit „gar nicht das wirken ile nioinent" für 
d{is Zustandekommen von t'orniübertragungen sein könne, Iiat bereits 
Brugmann lit. contralbl. 1880 no. ^O s)). 944 den gebührenden ein- 
sprnch erlioben. Ancii für D(!lbrück cinleit. in d. sprachstud. 109 „ist 
wenigstens so viel klai', dass endungcn gleicher funcition sicli auch 
ohne lautälinlichkeit associieren." Ausser auf die von Brugniann a. a. o. 
genannten beispiele sei liier zunächst auf meine Zusammenstellung der 
fälle von formaler angleicliung logisclier gegensätzo, wie afranz. Jus 
nach s»s, italien. prid nach poscia, vulgärlat. (jrcvis nacli levis^ mittel- 
lat. nieridiöiuVis nach septcnifn'öiifdls, soiexfer nach dextcr, mor|)hoI. 
unters. 11 35 anm., verwiesen. Sodann erwähne ich hier noch eine reihe 
weiterer beispiele von analogiebilduugen, webdio lediglieh die bedeu- 
tungsgleichheit erzeugte. Nhd. blecli-eni, blei-eru, stein-ern, sinn-crH 
mit dem ansgange von kitpfcr-ii , silbcr-ii] vergl. dagegen cjiild-cn 
yold-cn, ird-cii. Pluralbildung der italienischen mascuHua auf -a, wie 
l)oeta, ditca, nach derselben weise wie bei denen auf -o, z. b. scriw, 
porco, also auf -/: italien. i poeti statt / *pofte = lat. Uli poctcie (vergl. 
Italien, le scrve = lat. illac servae); hiernach dann auch zu den aus 
griechisclien neutren entlehnten italien. il tema, il sisteiiia die plurale 
i friiü, i sistcini. Vulgärlateinisch die perfecta stettil, crevul, cogiiövul 
u. a. statt )itetl u. s. f. nach Jinbtil, sapni etc. (vergl. oben s. 185 f.). 
Griech. vlünL durch ^uyitTf^idai, nnToäm., utjTQaoi bedingt (Gast. Meyer 
griech. gramm. § .318 s. 273, Jak. Waekernagel Kuhns zeitsclir. XXV 289). 
Ganz ähnlich sanskr. ndptrü nuptre für '^iiapt-ä *)iapt-c von näpät- 
wegen bhrciträ bhrZtre, pitra pitre (Jak. Waekernagel a. a. o. 290). 
Ganz ähnlich ferner von lat. mäter spät und provincialdialektiseh 
inairabus Orelli inscr. 2080. 2091 (vergl. Nene furmenl. d. lat. s]ir. 
12 30. 292, Bücheler-Windokilde grundriss d. lat. declin. § 325 s. 12(i), 
weil nemlich doch wol ausschliesslich durch fUiäbus bedingt. Griech. 
fpfviovura, nXsviJovuai für (psu^ouni, nkfiiciotiai durch die anlehnung an 
//u^ovuai, Ka9--fSovuai. Tt?.ovucti (verf. verb. in d. nominalcomp. .338 ff. 
morphol. unters. II 40 f., Brugniann Fleckeisens jahrbb. f. i'lass. philol. 
1880 s. 227. morphol. uniers. III 59, Gust. Meyer griech. gramm. 
§§ 538. 539 s. 407 ff ). Noch weiteres dieser art würde sieh bei einigem 
suchen sicher leicht in menge finden la.ssen. Besonders häufig und für 



— 364 — 

Die spätere neuscliüpfiing dos att. ijoityrafif-r nach dem 
einen Unniit-v deutet aber auch an, was in urgriechischer zeit 
möglich sein niusste bei daniahgem festeren bestehen der 
paradigmatischen Verhältnisse i'arir/.a : taräf-itv und TkÖ7]y.u : 
*iiSf-/ii-i', dhdijy.a : *iV;'cV6/<6)', dhdtuy.a : *d:'d()/i^i', Tn-n(oy.a : *ni-7ii)/.isv. 



unseren gogonwjirti^cii zweck insh-iictiv sind die in den verschiedensten 
sprachen wahrzunelunenden juisgieiciiiingen, welelie formen des in seiner 
flexion so vielfach isoliert dasteliendon v e r li u ui s üb s t an t i v u ni 
denen anderer verba, ohne dass irgend welclie lautgesetzlich entstandene 
formale berührung mit diesen stattfimlet, gleich werden lassen. Man 
beachte als solche z. b.: vulgärlat. ctidcj-r — Italien, esscre provenQ. esser 
at'ranz. estre nfranz. ffrc statt lat. c.ssc im anseliluss an rendere, vincere 
u. s. w. (Diez gramm. d. romaii. spr. II'' 141, Blanc gramm. d. italiän. 
spr. o7(), Baragiola Italien, gramm. 114, Thurneysen d. verb etrc u. d. 
französ. conjiig. '22); „lat. nim «ts sä shniis sltis aint, romanisch umge- 
bildet zu sni{m) alas \A. s'idnius s'iätis alant, woraus fr. regelrecht sele 
süic, seien soies, se-iens, se-iez, seieiit soieiit"' und Italien, ski, sidino, si'die, 
s'iniio (Thurneysen a. a. o. 17j: für älteres Italien, eramo, eralc iniperf. 
= lat. crainus, erdtis jünger itaiien. cravanto, eravute, „aus dem be- 
streben entstanden , diesf! porsonen von c.sÄ't'rc denen der übrigen verba 
gloicht'örmig zu machen ," also nach iniiavaiiio, cniiaralc etc. (Blanc 
a. a. o. o80, Baragiola a. a. o. 114); im lateinischen siaif 'sie sind' 
statt *s-ent = umbr. s-cnt osk. s-et zufolge des einflusses der formen 
'6. i)lur. praes. indi(!. der ö-conjugation, lat. vehunt, ferunt etc., des- 
gleichen im slavischeii abulg. snti für *s-('/t nach vczati, bcmtl (Brug- 
mann Ourtius' stud. IX 301, verf. Kuiins zeitschr. XXIV 423); ger- 
manisch an stelle des älteren ,i;üt. ags. afries. alts. sind aiid. niiil die 
erweilertc bildung ags. siiid-on alts. sind-im ahd. siitd-nii siiil-iui mit 
herübernahme der endung -uii ags. -ou von der 'S. jilur. indic. der 
perfecta oder richtiger wol noch der ])raeterito])raesentia wie alts. 
witum ahd. wizziin ags. witon (Sievers Paul-Braiinc's beitr. YI 573 f., 
Kögel ebeiid. VIII l'J'.t f., Joii. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV ö'.K)). 
Auf reihenausgleiciiung oder auf eine art. proportionaler analogiebildung 
mag aber auch die hier berührte associalivc neuerung im letzten gründe 
wol hinauslaufen. Die wörter für derartige nahe verwandte begriffe 
werden häufig in der lede zusammen genannt, entweder coi)ulativ 
üd'r auch adversativ. Nun denke ich mir, dass etwa wegen der reihen 
uhd. niclil silbern sondern hupf c rn , griech. >](>inra/jer xai rtriaranfr 
und nach massgabe dieser die entsprechenden reihen nieht silbern 
sundern blei-, i'^mo, .< u n' xcä <h'hi7iy- um die Schlussglieder -ern, -„inr 
ergänzt werden konnten. Durch den parallelismus von o vincere 
soccoinbere ward man im italienischen dazu geführt, statt o vincere 
od *esse vinto später zu sagen o vincere od esser e vinio. Der reim in 



— 865 — 

Manelimnl ist ein oriechischer verbaler -«-stamm, der später 
auch weiter um sich griff, erst in der weise neu geschaffen 
worden, dass zu einem perf. plur. act. auf -ü-uev, -ü-re nach 
dem muster von taräuev haxuvs : mtCr/.a ein sing. act. auf 
-ä/.a trat. Zunüciist bei dor. ytyäy.fa' Find. Olymp. YI 49. 
„Für das Sprachgefühl dferer, die ykyä/.u schufen . . . ., war 
ytyausi' eine bildung wie tarafiev, in Wirklichkeit ist es der 
plural zu ytyora und steht für *gegn-men^. Vergl. Brugmann 
Kuhns zeitschr. XXIV 279. XXY 223, Gust. Meyer griech. 
gramm. § 558 s. 424. Eigentlich ist ßißä/.a {ßhßrf/.cx)^ das 
ein altes *ßißsua = sanskr. ved. jagdina verdrängte, nicht 
von anderem kaliber als ylyCc/.a, das früheres *yfyera = sanskr. 
ved. jV//«??« vertritt. Da aber jenes auch von dem wie snrüv 
(f0r?;r) anfgefassten aoriste eßär {tßt]}') ausgegangen sein mag. 
so gaben wir ihm schon oben s. o56 seine stelle. Wie 
eben y&ycr/.a zeigt, hätte es zur neubildung des ßeßcc/.a {ßf-ßijy.u) 
der existenz des aoristes tßäv (f,j?;i') gar nicht einmal bedurft, 
und ebenso wenig bedurfte es derjenigen von f/rr, tdpi\ da 
auch v'sffcy.a, Jf'Jrx« schon allein nach dem plural *^Hfrti8v, 
*öh)vu^v entspringen konnten. 

Die schwache pcrfectform rfrÄa- in rirrXatar rtrlüOi 
u. s. w. fasst richtig Brugmann morphol. unters. I 51 auf 
als eine solciie uralte, ..zu der der singular *ri-rn?u'. [genauer 
*r'ert^la mit mittelstufe der in reX-ainöy enthaltenen wurzel] 
lauten müsste." Der singular xtrXcc/.n = homer. att. rivXry/.a 
ist zu T^r'/.ansr ebenfalls so hinzugeschaffen wie dor. y'iyCr/.a zu 
ysycciisy; auch *r.-'rA-ntrr/ 3. plur. konnte als mit *Hira)'Tt 
homer. l'arCati wol associerbar eiii ausiianospunkt dieser neu- 
liililuii2,' sein. Dann aber bildeten sich weitei-e t'oriiirii mit 



i^r-iech. uijTQam rf ^vyaTQnai tf wäro CS gewesen, der auf 7r«rpar''vt zf 
v'tf'ai Tf (oder v'ioTc rf) pfodrückt und zur beseitigiing des niclitreimes 
in dieser letzteren veibinduntr iinbewusst mitgewirkt liiltte, und so er- 
scln'ene gewisserniassen vld.u als die gesuchte vierte proportionale in 
dem Verhältnis „>;rn,yiu : [^uynroitai = naToäm : X, ZU deren auffinden 
andererseits die existenz des nomens v'iö: die handliabe bot. Ueber 
analogiebildungen, die in complicierterer weise ihr Zustandekommen 
zweien von ver.«chicdener seite ausgehenden gleichzeitigen impiilsen 
verdanken, w^ar oben s. 133 f. die rode. 



— 366 — 

der basis rXa- eben von rhXCv/.a aus: aor. erXä>' liom. att 
trXi]!' wie sarär (a(Trrjr) neben (oräKu ({'avT^/.a) und uunmebr 
auch wie i^ßdt' (sß»]!') neben ßirßü/.a {ßi[i)f/.u) , lionier, att. 
TXrjaouai fut., rXi]r()Q pai'tic. Es zwingt uns nichts, rA//-ro-c 
dem lat. lä-tn-s aus *tl(i-to-s gleichzusetzen und wegen 
dieser scheingleichung mit Brugmann a. a. o. zum „verbalen 
Suffix -ä-" zu greifen. Denn das lat. {t)lu-tus vertritt indog. 
t'l-iö-s^ und eine correcte alte lautentsprechung wäre viel- 
mehr nur lat. (t)l(2-tu-s -= griech. *rX(o-Tn-c, sowie bei der 
verschiedenfarbigen griechischen und lateinischen Vertretung 
der langen indogermanischen liquidae sonantes sich genau 
lat. strä-tu-s und griech. (jrpro-ro-c, lat. stm-men und griech. 
(7rp((7-/(« decken (verf. morphol. unters. lY vorw. s. IV. 
oben s. IIH. 251). Das Brugmannsche „verbalsuffix -ä-", 
von seiuem ersten boarbeiter seiner zeit noch qualitativ un- 
bestimmt gelassen, wird sich überhaupt meines eraclitens auf 
ein weiterbildendes indog. -c- (mit dem hochstufenablaut -ö- 
dazu) reducieren müssen, wie ich auch schon bei der er- 
örterung über die intransitivbiUlungen mit -c- (griech. l-ßX-i]-r^ 
lat. lic-e-re^ got. i-ddj-e-s, abulg. '%(^-e h-c) morphol. unters. 
IV 364 ff. dachte. 

Griecli. Oru- 'sterben' hat ebenfalls einzig in dem perfect 
reSvCcAn homcr. ion. att. ri-,')i'ijy.a seinen ausgangspunkt ge- 
habt. Die wahre wurzel war ^'^.t- in Siivai, e-dar-ov, öuv- 
-nviiai , ddv-atoc.; Über ihre weitere Verwandtschaft mit 
(rci-n-c, l-nt-qn'-ov^ liesycli. (pa-rn-c und aussergriecliisch sieh 
Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV SO. 168 ff. 172. Wenn 
nicht *re3äxa entstand wie yiyCtv.a von j'.m'-, so hat das seinen 
o-i-und in dem schon von Brugmann morphol. unters. I 63 f. 
(vergl. auch oben s. 205) erkannten besonderen umstände, 
dass hier zuvor nach formen des schwachen perfectstainmes 
wie 3. plur. ^■Tt-Ui-arn = homer. r/.Vmn/'), partic. perf. fem. 



1) "Wenn auch für das a tt is ch o 5rioohiscli d\e hetonung rrd-räai, 
finn'H, ßfflüm (lurf'li lloroilian T 459 od. Tiontz duroliaiis feststeht, wie 
ich morphol. imtcrs. TV 2S;( f. i.hilol. nmdsrhau 18S1 sp. 1596 gegen 
Oust. Meyer hervor)iol), so zwiii^-t uns ilodi niehts, aiieh hei Homer 
die properispomenieriing aufrecht zu iialiiwi. Nur die offenen homer. 



— BOT — 

'^Tc-dt'-rn/. (lio älteren bildungen uns demselben scliwachen, aber 
nntecoiisoinin tischen i)erfectstuninio*r.'-iV«-wi(Mlie \.])\n\.*r!-!)u- 
-iic-i'7Ai ri-ih'i(-u;y nnijjeformt worden waium. liieizu dann ti'at 
riih'uy.'t, wei^'en ,'Vir«x<< neben l-arautv^ nud dazn wiederum 
ferner ein praesens Hi'nay.o, partic. ih'ürÖQ = houier. ion. 
att. ;))'/j'y/.(')^ 'JrTjToc. A^orlier bestand als praesens wol ein 
*dmy.ii>^ in welches nur der nasal von vidvCmt^ riUraiibv 
übertragen ward : '■^■S^a-ayjo (für noch ursprünglicheres *i/(''.-n-y.i,i 
nach S&i'rd) praes. oder noch eher nacli ^'v^-ihv-u !. sing, 
peif.) aus indog. gh-u-sk^o eine inchoativbildung mit neben- 
toniger tiefstufe wie avest. slni-saiti^ griech, fifoyo (verf. 
morphol. unters. lY 3-1 f.), avest. rpsat qisen vom ])iaesens- 
stamme qlsa- anfangen zn schwitzen' == indog. s rJd- sk^ 6- 
(Bartholomae altiran. verb. § 173 s. 118. handb. d altiran. 
dial. § 278 s. 120), lat. scT-scö (vergl. s. 157. 258 anm.) und 
wie b(>i wur/x'lhafter liquida griech. dgni-ay«), ß'/.ni-ay.di ; *l)d-(jy.(o 
auch mit demselben ablant von indog. gh-en- wie im sanskrit 
(/]ia-ta-s adj. 'tCxltend', m. schlag, tödtung', ghd-ti- schlag, Ver- 
wundung', ghd-fin- adj. subst. 'tödtend, mörder, vernichtend', 
ved. gliä-tn-ha- adj. 'zerreissond, tödtend', gltd-tya- adj. 'zu 
tödten'. 

Wahiseheinlicli wird sich nun auch für die griechischen 
wurzelformen Suü- bändigen', y.^iü- ermüden', Tftü- schneiden, 
iuCc- bauen' die so zuversichtlich behauptete „methathesis 
von nasalen" oder „svarabhakti hinter nasalen" (Job. Schmidt 
Kuhns zeitschr. XXIIi 277 ff.. Gust. Meyer griech giamm. 
§ 183 s. 108) oder auch das Brugmannsche -«-suffi.x (morphol. 
unters. I G3. 66) in derselben weise beseitigen lassen wie 
für .V)'(7- 'sterben': man muss die neubildung der perfecta att. 
dböitijyjt. (unbelegt), dor. y.ty.^iCua bomer. att. yJy.i^nj/.if.^ att. 
rhfti/y.a, att. öi'dfD/y.a ebenso erklären, wie wir diejenige des 
Ti'DruY.c. {r&lh')]y.a) auffassen, und davon alles w-eitere sich 
bilden lassen. Wenn (J-formen hineinspielen, als dorisch 
y.iy.firjy.(og und deöfii^vrai (zu d^fiai) bei Theokrit, T&Tftrii'na bei 



ßfßnrm, ypyftll'ri, iinircüiu stolieil auf (lorsolliPU Shifi' mit den ntt. ßeßatu, 
inrctot, Tf,9räni. Dosolciclioii würde ifli l)oi HoiiKM', tidtz (li>s nilisplu'n 
apcoiid's, aiirli in don iiracsonlicn nocli niclit anders als 'mr.Tiiij', Tittmu. 

'imn. rii'riou'H iietüllPIl. 



— ;}(J8 — 

Pindav niclit unwah)sohcinlich sind nacli Brugmann morphol. 
imtors. I G6, so stellen diese sich leicht heraus als ueben- 
bildungen in der art wie die f)Bß'A7]y.a, Hr/.hy/.a n dergl. mit 
urgriech. -?;-, die ihrerseits aus den intransitivaoristen b-ßX-rj-v, 
"-ay.X-i]-y frühzeitig hervorgingen (s, 356). Nemlicli nach 
dem Verhältnis von tßnKov : ßlßlrjy.a ßl-ßXt^uai konnten sich 
VAX L-y.aunr^ fvoLuor auch die perfecta dor. yfyui]y.u^ rsrjiiTjy.a 
TtTUT/uai einfinden, ferner dann aber der parallelismus von 
Tfuio) TsiKo fut. und dor. rcrurf/.a, sowie auch schon dor ältere 
von ay.{X:'(n aytXio und i:r)yjj]y.a, denjenigen von di^uä(o Jt/try 
fut. und dor. d'cdtnyy.a nach sicli ziehen. 

Wenn der hier besprochene kanon dei- porfectflexion, 
als dessen mustertypus uns tarcr/.a : l-nräuev gilt, als ein 
tin uralter zeit noch festerer und in weiterem umfange 
geltender anerkannt wird, wird sich unschwer auch die er- 
scheinung erklären, dass, zunächst bei einem x-perfect und 
zugehörigem schwachen /c-losen stamme auf -a-, die partic. 
perf. act. namentlich in der älteren und poetischen spräche, 
aber auch in iunischer und attisciier prosa, so häufig den 
ausgang *-CcF('')c, '^'-ävT<t = homer. ep, -')](ög hom. ion. att. -s(og 
(in bekannter ionisch-attischer Verjüngung), -rjvTa aufweisen 
statt des älteren -«cJc, -ävTu: ep. lnri]o')c Hesiod. theog. .519, 
InrijvTa Apollon. Rhod. IV 163. ion. lareclTog Herod. II 38 ; 
homer. rfrA/;o'r/, TtrXr^vTa ; homer. Te!)i'7jni<; rf.fiv^oroc (^rs{tv7j(ÖTog) 
und homer. n-ilv^iöri ep. ion. att. nd^viojc beiTheognis, Herodot, 
Thukydides, Aischylos, Aristophancs und späteren Attikern 
(Yeitch greek verbs irreg. ^ 315 f.), homer. Tf&rijvTai", homer. 
y.ty.ia]('')C y.i-yiir^nrac (y.[y.ui](~iri) : op. r^ruijnn Apoll, llhod. lY 156. 
Bei Vereinigung von raruy.a und partic. loräoig (oder auch 
noch *!-nTi(F«'>c mit gesprochenem diganmia) in einem flexions- 
paradigraa war es partielle ausgleichung, wenn das ])articip 
die vocallänge des sing. act. ohne das -x- übernehmend zu 
inTüiöc {*lnrC(Fi'>c) ^\urde; späteic totale bewirkte die neu- 
schöpfung jüngeren datums linay.i''ic. (ileicher weise konnten 
sich bei den urgriechisclieii Verhältnissen von n'üyyct .■'"'rfV&Fc'ic, 
i)tdrjy.a:'*didfFi'ic durch anschluss der pai ticipia an den vocalis- 
mus des ver])um finitum im sing. act. die formen *rfd7]Fi''>c, 
*dsLhjF<öc einfinden. 



— 369 — 

Dies hatte weitere wirkiing-en. Einmal gesellte sich 
nun übeiluiupt , d. i. aucli wenn das verbnni finitum bereits 
gänzlich das -/.- durchgeführt haben mo(dite. wie vielleiclit 
bei den verba ^contracta" auf -üat, -i'<o (s. 3(>(> f.), leicht zu 
einem perfect auf -u/.tt, -ly/.a ein participium act. auf -ciFuig, 
-7]Fi''ic. Daher liomer. y.cy.nnip n^ y.&y.nrrjön^ l'l.'^l-lani/nra lif-ßaoi/Orf^c 
und y.i/aoiiOn/., Tiviijovi r.nj^orfc, y.f^y.arj i^orrt.. Das y-' /'((J^j-'''"^f 
sowie aucli homer. y.i/a(jr/-of:rr'.i y.i/aor^-iji'aei' und naclilionier, 
y.f/((07j-f((u , gehört zu dem Systeme von y.f/aorj-y.uc Aristoph. 
vesp, 764, y{/ao7j-y.fit{c Ilerod. III 27. 42. Da yi/(''.oi]-y.a nach 
s. 3.")6 und mit ihm also homer. xf/«(i7;-(r;c an das r-intransitivum 
i-//i{)7]-y, /aoij-oniiai anlcnüpft, so hätten wir für liomer, 
rfn>;-(')'c nebst medialem homer. r&rirj-ijUnv Ttriij-iii-vnc, für y.i-y.a- 
(f)i]-(t'ic wol ancli als die eventuelle basis ihres sing. act. 
*TfTi7]-y.('.^ *y.;-yM<iri-y.a -/^-aoiiste *!--ri3j-v, *{'-y.ä(fii-y vorauszu- 
setzen. Solches '*l-Ti)}-v könnte man, beiläufig, etymologisch auf 
*t-rra-/]-y zurückleiten und die wurzelsilbi^ *rin- von Ti-Ti-ij-ulc. 
= indog, k-7s- 'sich betrüben, sich beküinniern, sorgen' setzen, 
in verweisuno- auf die sogleich zu nennentb^ italische ver- 
wandtschafr. Yielleicht ist aber auch nicht ein T-aorist *1-tu]-v 
= *e-Tl(7-i]-}' als ansgangspunkt zu nehmen und war vielmehr 
in homer, nTiijön -öt^c , Terhiru)nr'^ Tiriijic'vog das rnj- = 
ui'griech. *n(7-; das dann sich ergebende denominativum 
'■'rtfäo wäre im gründe identisch mit lat. cnrCire d. i. altlat. 
roiräre coerCire (Corssen ausspr. vokal. II- 703 f.). aus 
*c,o}säre gemäss dei' paelignischen perfectform roisaiens 'cura- 
verunt' (vergl. Büchehjr lex. Ital, XIII''): indog. k'-is-'' f 
'sorge, kümmernis", = griech. *ri-ii wie (fry-ij, i^'n''l-i'i , hi^- 
fu()-a ., sanskr. IhUl-n ^ umd-n . ags. stiiyu ahd. sfe</-a, got. 
bida alts. bed-a alid. let-a (de Saussui'e syst, pritnit. 82. 
233., verf. Paul- Braune's beirr. YIII 14i) und andererseit.s 
imlog. k'-oi-'^-n f, 'sorge' = lat. roir-a coer-a cnr-a wie griech. 
KOtß-rj, funiß-rj; dtioiß-ij, nnovd'-ij. 7;Äoz-?^', r<)n;r-i'^, rooq-i], nniiTT-/] 
u. a., anord. leid ags. lad f. (zu got. leipan) würdi» man 
durch ein stammabstufungsverhältnis zu vereinigen haben, 
auf dessen vorauss!'t;;barkeit ja aucli die disharmonie vor. 
accent und wurzelhoohsfufe in den griechischen bildungen 
loißi], nrnißi] u. s. w. und in german. /r/ /(?e f. 'weg' (^Verne; 

Ostlioff, zur ujes'.hiclite d. peiftcta i. indogermanischen, 24 



— 370 — 

Kuhns zeitsclir. XXIII 101 , de Saussure syst, primit. 84) 
wol schliesseu lässt. Insbesondere beachte man griech. OTotßjj 
'das feststopfen' und sein zu concreter bedeutung entwickeltes 
Supplement ar/ßi] gefrorner tau, reif; sowie ferner, dass der 
uns hier beschäftigenden gleicliuug *r/acu = lat. *coisaö cärö 
sehr ähnlich sein würde lat. 'Htbaö Itbö = griech. Xoißdo^iui 
bringe trankopfer' (Hesych.) , wofern man in lat. Uhäre die 
nebentonige tiefstufe mit indog. 7 zu der durch griech. Xsißto 
praes. dargebotenen mittelstufe XHß- sehen dürfte. Ein formales 
bedenken, das sich gegen die Zusammenstellung von xsTa]u')<; 
mit lat. cnra und dessen italischen gesippon noch geltend 
machen liesse, sucht der excurs VIII zu heben. 

Nachdem durch den einfluss von Hyrüxa sich HoräFaig 
= ion. ep. I(n7j(')g gebildet hatte, befand sich dieses particip 
auch neben dem plural.perf. act. tarüfiH', '^■taravTi = homer. 
taxCtiu. Was wunder, dass auch dieses paar Verhältnis frucht- 
bar wurde und sich darnach in der folge öfter ein particip 
auf -üFiÖq {-i]wg) zu einer 1. plur. auf -a/inr^ 3. plur. auf 
-am (-äßi) ergab? Die griechischen aequivalente der sanskr. ved. 
jiapt-imd, papt-ür von indog. ^^e^- 'vhjxHv können wir nicht 
anders als in den formen *ninT-äjim>, *ntTiT-avri voraussetzen. 
Von ihnen aus, da man sie mit eoräjui^v, ^tOTum paralleli- 
sierte, gelangte man zu zwiefacher neubildung des participiums: 
*Tif7JTa(^F)«')Q *vi-Tirii{F)öv- ■= att. vctttcoc v^nrwv- (^iiemuira 
Soph. Ai. 828. Antig. 097), wie das ältere ioTa{F)<i')<; iara{F^ÖT- 
= att. taT<i'tc; torwr-, und andererseits *77(TiTä{F)(6g *Tif:7jrä(F)6r- 
= homer. ep. Ti^nT^jaig verirtuiT- (II. (l* 503. Od. i 354), wie 
jüngeres ^'i:arCi{F)«'>g *{:OtC({F]Öt- = ep. tanpog ion. Iots(~>t-. 
Also würde n^-nnyiiQ auch genau vermittelst derselben zwischen- 
liegenden neubildungsprocesse an die erbformen des sing. act. 
griech. '''■'m^nara, ^jitiiori- = altind. papdta^ papdfa angeknüpft 
sein, wie itrltjUK an urgriech. *r/rfAf/. , *t'i:toXs = indog. 
tetela^ fetöle (s. 365). Vielleicht sind auch homer. 
reTH]-(öc, y.f-y.(/.(f /j-iog, wenn man nicht das recht haben sollte, 
ihretwegen auf die intransitivaoriste */-rii]-r, *i-/.d(f7j-v oder 
auch auf denomiiiativa der ä - conjugatiqn *r/f/w, *y.a(fid<o zu 
recurrieren, nur zu der 3. plur. der wurzelverba *rt-Ti(o)-äoi, 
xe-yuff-äoi neu entsprungen nach dem musferschema larijfög 



* 



- 371 — 

; toräai ; das zu gründe gelegte *ye-xa(f-äoi wäre die regel- 
recht tiefötufige pluralform zu Hesychs ne-xt^ff-s (oben s. 62), 
und würde hierbei auch die s. 299 vorgetragene auffassung 
des homer. xfxar/i?/o'$ als eines „aspirierten" wurzelperfects 
bestellen bleiben können. 

Zu den von den alten *7Tt7rT-ufar, ^nlnr-arvi ausgegan- 
genen neuschüpfungeu des partic. pcrf. act, ist noch zu be- 
merken, dass aus bekanntem gründe von einem TisnTipöq das 
att. nsTTTMc nicht, sondern nur von *ntnxä(i)<; herleitbar ist; 
ebenso nicht att. iorcog, ßeßivg, yt/w'g von lari^cog, ^ßtßipöq, 
*ysyrj(/)Q. Zudem zeigt der Atticismus mit dem ja auch ihm an- 
gehörigen r&dvHOQ seine toilnalimo an beiden formationsweisen. 
Bei der analogiobildung aber von att. venvuiq = *7TS7jrä(ijg 
und homer. TTsnrijwg nach toräajg und taxt^iög spielte wol auch 
die begriffsverwandtschaft von 'stehen' und 'fallen', die ja 
logische gegensätze sind, eine rolle; vergl. oben s. 363 ff. anm. 
Es wird auch dadurch diese annähme um so unbedenklicher, 
als nachweislich noch an einem anderen punkte dasselbe 
phonetisch aus nasalis sonans entwickelte -«- wie in *ntnr- 
-avTi 3. plur. perf. im griechischen die veranlassung wurde, 
um bildungen von pet- 'n^n^ad^cu (= pet- 'tiItitsiv) in die 
bahnen von griech. ara- 'stehen' hinüberzuziehen, s-m-är 'sie 
flogen' (unbelegt) nemlich ist reguläre 3. plur. indic. act. eines 
Wurzelaorists aus indog. ie-)pt-nt; die dazu gehörige 1. sing, 
lautete anfänglich griech. *f-7rfr-«, wie f-;^f(F)-o, u. dergl. nach 
Brugmann Bezzenbergers beitr. II 245 ff. Ferner ist in dem 
particip -nv-äyr- das -av- gleich der haupttonigen nasalis sonans 
(verf. morphol. unters. IV 290 ff.). Aber s-nr-ar ^ partic. 
*7TT-d}'T-g nrag wie homer. dor. att, l-arä-i' (IL 4 535. Find. 
Pyth. IV 135. Eurip. Plioon. 1246 im trimoter), partic. *ar«'- 
-rr-g orug aufgefasst führten zu fTzrcTc ion. att. tnrip' (zuerst 
bei Hesiod. op. et di. 98 114titi]), wie "i-otü-v e-ovi]-v^ und 
weiterhin zu att. nnjoofiai fut. , wie ovijaouai. Das späte 
praesens 'hxrx^mi fand als „treues conterfei von "orufiai"' schon 
bei Brugmann morphol. unters. I 16 f. seine erledigung; 
vergl. auch Gust. Meyer griech. gramm. § 44 s. 49. § 485 
s. 376. Aber lurav fjiTJjv , TiTTjoof^ira gehen nun auch für 
Brugmanns „verbales suffix a" verloren und entpuppen sich 

24* 



— 372 — 

gegonübor l'-nrnimi nur als die fiühzoitigeren und jenes nach 
sicli ziehenden Überläufer in die geleise der flexion von ova-. 
Homers mediales i-Tiraro nrnrn kann sich zu dem ja urgrie- 
cliisciien l'-jir-av ',]. plur. act., vr-ärr- ])aitic. gebildet haben, 
wie i-ff'o.-rn (ja-rn neben homer. l-(fHt-r, (pu-vr- bestand; aber 
auch in Homers partie. med. nnn-nr-njuirng vr-a^i^rrj ist -a- 
anaptyktiscli ans dem nasal entwickelt nach voi'hergehender 
langer silbe wie in der gemutmassteu 1. plur. perf. *7i;'-Tit- 
-niiev = altind. pa-pt-inid gegenüber ]'öinv = sfinskr. vidnia^ 
^TitviDiiiv^ wie ferner in Xavlfami, f^iar'jdvdi, ka/ißä)'«), Xayyavu). 
Xifinävio, (fvyyüi'M u. deigl. gegenüber öuy.vfo , y.äjirM, rri/nw 
{rlfiv(o), wie im sanskrit -u- in cakmwanti., amnvanti u. dergl. 
gegenüber sunvdnti, tanvanti^ crnvdnti u. s. w. (verf. morphol. 
unters. IV 390). Eine nähere beleuchtung dieser auch schon 
oben s. 43 f. angedeuteten lautgesetzlichen differenzierungen 
zwischen -m»!-^ -nn- und -);?-, -ii-^ sowie zwischen -fr-, -//- und 
-;•-, -/-, zwischen -ü'-, -hh- und -/-, -u- gibt der nachfolgende 
aufsatz über „anknüpfung der peisonalendungen". Also kann 
auch das aus *TiT-iiifi{i'nc hervorgegnngene homer. (djio-^nt- 
-dfi^voQ wie (fd-/tf^rnc aufgefasst , können ferner s-jir-äinji' 
f-TTT-ü/iieda mit &-(j(i.-iiriv S(fd-/ii&da ])aiall('lisiert die bildung 
von ejJTurn nrärn bcnvirkt haben, ähnlich wie wir unter an- 
derem wegen der gleichung hoiner. Arä-jnf-i'nc = (fu-fn^iog das 
homer. f-y.rur von der wnrzel y.r&y- nach si^a v von (fü- sich 
bilden sehen (Brugmiinn Kuhns zeitschr. XXIV 264, verf. 
morphol. imters. IV 2!)S f.). 

An eine rationelle tiieoi'ie über das griechische z-peifect 
stellt man billig auch die anforderung, dnss sie nicht weniger 
mit den x-aoristeu s!)/]^^, ly/.cu Sihny.a sich befriedigend abzu- 
finden vermöge. Die erklärung von unserem Standpunkte 
ei'gibt einfach der alte perhsctische kanon von i'nrctyn : &arä- 
Tov loräjiifi'. Es bestanden auch die flexion cn riih-jy.it. : ^tiültov 
*Ttüffisr^ ''^ti]y.a : *utov *ttu&v, lU'cVc^x« ; *J;-'t)orO)' *dt'dnfi&v ; es 
bestanden dieselben aller Wahrscheinlichkeit nach, zumal in an- 
betracht des boeotischen wertvollen Überrestes dTTo-didnavdi, 
auch noch in der spräche Homers, bei dem zufällig über- 
haupt kein*' formen des perf. act. von th]- , ?;- , dio- (nur 
didnrai pass. einmal II. E 428) überliefert sind. Wegen der 



— 373 — 

gomcinsamkeit der ausgänge -d^trov -()ifi$r, -tror -Ifnv, -d'oroi' 
-Liofier iin dual uud plural act. bei ^TbtHrov *vbö&^uv u. s. w. 
und den entsprechenden aoristformen setzte man zu t'^froi/ 
ilhiii-r, *ctrov *ff,«£j', tdorov idous}' die singularischen edrjy.a, 
^(■rjy.a, sä«)y.a mit denselben ausgängen wie xti^rjY.a , *l'i]xa, 
dtdW/.n. Also verschwanden *sd(ov *nhog *tö(o = sanskr. 
ddäm ddäs ädät und *s9^>ji' *sd-rjg *Bd>] = sanskr. ädhäm 
ädlias ddJiät; auch ein kypr. ytav-sd-i], die von Ahrens philol. 
XXXV 83 gefundene und von Gust. Meyer griech, gramm. 
§ 523 s. 396 aufgenommene griechische spur des sanskr. 
ddhät apers. adä, ist täuschung gewesen, da mit Siegismund 
Curtius' stud. IX 107 und De ecke Collitz' samml. d. griech. 
dialekt-inschr. I 30 f. für xurt-d-rj l vielmehr y.ar'edrjKe auf 
der betreffenden weihinschrift des stieles einer silbernen opfer- 
kolle von Idalion zu lesen ist. Aus *erjya , *tsfisi' machte 
später die analogie anderer nicht augmentierter verbalformen 
von h]/ia mit aspiriertem anlaute homer. t?yxa = att. ^x«, 
*cS7<fj' ^ att. sifisi', sowie ttonov imperf. statt ^tlonov = 
sanskr. dsarpam nach '^qtju) praes. sich bildete (Curtius Kuhns 
zeitschr. IX 332). Die Schöpfung von iS^t'jy.afisv 6i)i]yd/Li7]i>, 
ijy.ufisv rjy.fxi.i7jv, edioyajiify u. dergl. erfolgte erst hinterdrein, 
sowie diejenige von Tidijy.a/.uv^ ötdwya^usv im perfect eine 
hysterogene war. 

Der entstehuug eines gemeingriech. ^eoräna aor. statt 
soräv ion. att. eoxi]v = sanskr. ästhäni^ sowie auch eines 
*sßc(ya statt eßco', *s(fvy.a statt ^^(pvv, *edvya statt aövv.^ war vor- 
gebeugt durch den umstand, dass das flexionsverhältnis des 
perfects eoräxa : taiätov '^nräj-isv , ßlßäy.a : ßsßäroy ßsßäfitv^ 
nbfpi'y.a : "nsrpvTOv '''■n'&ifvf.iirv , dadUy.a : ""dedvrov *öe^vfi8i> bei 
dem dual und plural des wurzelaoristes von orä- und 
ßa-, (jv-, dl- nicht mehr seines gleichen vorfand, um auf 
grund partieller übereinstimnmng der flexionsausgänge totale 
hervorzurufen, weil frühzeitig bereits toTäror eoTä/nsv ion. att. 
aorrjTov e'oT/]iui> durch neubildung statt ^taräTov *tOTäju£v 
galten, ferner eßärov eßä/nsv , tcpvrov effv/nsv, edvvov sövfisv 
schon seit der indogermanischen zeit die vocallängeu als 
reflexe grundsprachlicher ;7i, ü in der tiefstufigen wurzel 
hatten nach verf. morphol. unters. IV 54 f. 57. vorw. s. IV. 



— 374 — 

Anders freilich ist das urteil Brugmanns Kuhns zeitschr. 
XXV 220. Ihm ist die „intransitive bedeutung" von aavav 
die Ursache nicht nur davon , dass diese alte form bestehen 
blieb, sondern auch von dem zeitigen untergange der wurzel- 
abstufung selbst bei tanifisv sorclrs: der intransitiven bedeu- 
tung wegen soll saräv mit den aoristen tß).i]r soßr^v soy.Xrjv 
tSf'a-jv iru/Mv u. s. w., deren dual und plural c-ßXr]Ucv &oß?]fi£v 
luXofifi' altüberkommenen langen vocal besessen habe, im 
bewusstsein der sprechenden associiert gewesen sein. Aber, 
erwidert man, das alte eorä/nsv =-- sanskr. tastliima lat. sfetimus 
hatte auch die intransitive bedeutung und es musste als 
wurzelgleich mit dem alten aoristischen *'toTäaer mindestens 
mit ebenso viel kraft zur erhaltung dieses letzteren wirken, 
als etwa ißXrji-isr und genossen zur Verdrängung desselben 
durch soTäfisi' aufzuwenden vermochten. 

Mir scheint der haupthebel, um dem *f arawfj' den garaus 
zu machen, in den conjugationsverhältnissen des eßai' ion. att. 
£ßr]i' gelegen zu haben. Bei diesem aorist von indog. g'^em- 
stammt, ebenso auch bei scpvr, edvr^ wie bemerkt, die vocal- 
länge aus den wurzelschwachen formen des duals und plurals 
act. Durch leorav eoräg lova nun und fernerhin *ed?]r *fd'f]c 
*f ^77, *fcVoj>' *f (Jwg *t Jw war man gewöhnt, langen wurzelvocal 
im sing. act. derartiger wurzelaoriste zu haben. Also beeilte 
man sich, eßäv sßäc sßä im sing. act. nach l'arCn' soräg f'arä 
zu bilden. Sind doch auch ßdaofiai fut. und ßsßßxa perf. 
notwendig analogieschöpfungen nach den entsprechenden 
formen von arä- und auch von selten der bedeutung 'gehen' 
und 'stehen überaus leicht associierbare begriffe. Vice versa 
erweckte dann das jetzt uniforme paradigma von sßär die 
neuen dual- und pluralgebilde eararoi' savä^isv wie eßäTov 
eßä/iitv. Auch im sanskrit erscheint ja, sehr frühzeitig be- 
kanntlich und wahrscheinlich ebenfalls durch dstJidm ästhds 
dsthät, ddhdm dähds ddhdt , dddm ddds dddt befördert, der 
sing. act. aor. dgdm dgds dgdt zur seite der älteren formen 
dgamani dgan dgan (für noch ältere "'djamam *djan *djan 
= indog. e-g-eni-in e-g-em-s e- g-em-t) nach massgabe 
der dualischen und pluralisehen dgutam dgdma dgdta =-- 
griech. ißüTov i^ßautv eßäre. Vergl. oben s, 55. Und ferner 



— 375 — 

könnte auch im sanskrit das auftreten vou dsthütam dsthätäm 
ästhäma dsthäta, ädhätam u. s. w., ddätam u. s. w. mit auf- 
gegebener stanimabstufung eben durch das Vorbild von dgä- 
tam dgätdm dgäma dgäta seine besondere erklärung finden. 
War vielleicht schon in der indogermanischen grundsprache 
die nobenflexion des Singulars S-g-m-s e-g'^m-t entwickelt, 
sowie man auf grund der Übereinstimmung von sanskr. dhhüs 
dhhnt mit griech. expvc. fV/ü und abulg. hy hy an eine ebenso 
alte Substitution der indog. e-bhä-s e-hhä-t für die allein 
ursprünglichen e-bheu-s e-bhezi-t denken könnte? ^) 



1) Auch das reduplicierte praesens von indog. f/^gj^j. jm g{jQgijj.j(;^ 
ved. nachved. ji-gd-ti\ erfordert die annähme, dass seine flexion mit 
durchgehendem wurzelhaften -</«- durch ausgleichung eines früheren 
zustiindes mit *ji-gan-ti (oder noch ursprünglicherem *j7-yo;i-^f) im sing, 
act. und ji-gä-tam, ji-gd-ta im dual und plural entstanden sei. Diese 
Voraussetzung hat zu ihrer stütze auch das naohvedische praesens 
^■Awäkr. ja-gan-ti ., bei der tatsache nemlich von dem häufigen Wechsel 
des indog. e und / als vocale der praesensredujjlication (vergl. darüber 
oben s. 275 f.). Ferner zeugt in demselben sinne eine vereinzelte grie- 
chische spur: dor. ßißavTt als 3. sing, in einem lakonischen opigramm 
bei Pollux IV 102 (Ahrens de graec. ling. dial. II 312. 483, Kühner 
ausführl. granim. d. griech. spr. I^ 649) ist in ßi-ßuv-rt zu zerlegen, 
und Curtiiis' abänderung der Überlieferung in ßCßän verb. d. griech. 
spr. I^ 15Ü bewährt sich eben so wenig, wie Veitch' auffassung der 
form als 3. plur. greek verbs irreg.* 132 die richtige sein kann. Das 
ßC-ßav-TL war nur statt eines *ßi-ßev-Ti = indog. g^i-getn-ti einge- 
treten zufolge des analogischen einflussos des vocalismus der dual- 
und pluralformen mit ä: ßi-ßä-Tor, ßi-ßä-^usv, ßl-ßa-rs. Zu diesem 
letzteren war nun wol ohne zweifei auch frühzeitig eine 3. plur. ßl- 
ßavxi, nach dem muster von Virrai-n neben 'Ima-Tov^ 'l-ara-jutv , 'l-aza-rs 
entsprungen, sowie homcr. ßißag partic. eben deswegen nach Iotu^ neu 
gebildet ist; *ßi-ßju-ni'Ti, *ßL-ßfj-d%'j-g waren hier die verdrängten ur- 
griechischen formen (vergl. s. 366 f). Also fielen die 3. sing, ßi-ßar-n 
und die 3. plur. ßißavTt, bei diesem ^/t-verbum formal zusammen. Nach 
massgabe dessen , scheint mir , ist dialektisch auch bei anderen /hl- 
verben schlechthin die form der 3. plur. indic. praes. öfter für die 3. 
sing, in gebrauch gekommen, nemlich im jungem Dorismus und viel- 
leicht im elischon: krot. dracht'xvwrt in dem decret der Vaxier C I. Gr. 
no. 3050 z. 21, mehrmalig (nicht inschriftlich) dor. hri für hr! und 
wahrscheinlich el. hr'' 3. sing, auf der alten vräträ C. I. Gr. no. 11 
z. 9; vergl. Boeckh zum Corp. inscr. Graec. I 31. 404**, 638**, Franz 
elem. epigraph. Graec. 67. 379 f., Ahrens de graec. ling. dial. 1 282. 
II 312. 319 f. An der tatsache also oder der möglichkeit, dass ein 



— 376 — 

Hierdui'cli also diirf'to dio v(M'dränmiiig der ulfen *föro- 
lov *(raräitcr u. s. w. durcli harürnv 'corüiiirv als eino radicalo 
und sclion urgriechiöcho gcnüfj^cnd iDotiviert sein. Gegen 
diese annalinu; spricht auch das Itovar 3. plur. bei Homer, 
Pindav und Euripidos (^Yeitcii greek vorbs irreg.'* 339) nicht; 
da es eino huitgcsetzhche Verkürzung aus *larüvT sein und 
also mit den !-<fivr , tymv , fit'ysr auf einer stufe stehen kann. 
Noch weniger beweist etwas dagegen honier. {-'araoav 11. 31 
56. Od. ;' 182: es ist an beiden stellen deutlich transitiven 
gebrauches, wird also richtig von Veitch greek verbs irreg.'* 
338 und Frohwein verb. Homer. 69 "^ auf den sigmaaorist 
soTTjnu bezogen und fälschlich von Brugmann Fleckeisens 
jahrbb. f. class. pliilol. 1880 s. 223 und Gust. Meyer griech. 
gramm. § 523 s. 396 , nach dem vorgange .loh. Schmidts 
Kuhns zeitschr. XXIIl 282, auf fott-jy. Zur seite von s-orrja-u 
bewahrt homer. s-oräo-av als 3. plur. treu den alten tief- 
stufigen Wurzelablaut des schwachen Stammes des s-aoristes 
und ist folglich älter als das gewöhnliche {--Gri^o-av 'sie 
stellten' (vergl. oben s. 30. 206 f. anm.); auch braucht mit 
nichten der Ameis'schea conjeetur "lüraoar für überliefertes 
hCTaauv, die La Roche an der Odysseestelle aufnimmt, räum 
gegeben zu werden. Die ganz späte gräcität von dichtem 
der antliologie gewann zu dem alten l'-oräo-ar = t-Gri]o-av 
auch singularische eovaauc, i-araos nacli Veitch a. a. o. 

Der nachweis der urgriechischen (oder noch früheren ?) 
entstehung der abstufungslosen flexion ^aTäv : eGxCaov sorä/Luv 
rechtfertigt eben, wie gesagt, die enthaltung des aoristes der 
Wurzel ar«- von der in ad-rjuix , edar/.u wahrgenommenen x- 
bildung. Wenigstens die enthaltung davon in derselben frühen 
ur- und gemeingriechischen zeit, denn cinzeldialektisch mochte 
auch diese schranke für orä- und seinen wurzelaorist durch- 
brochen werden. Das zeigt sich an dem entweder lakonischen 
oder boeotischen srrüy.uv ' 'aartjoar Hesyph.; veigl. Brugmann 
Kuhns zeitschr. XXY 220. Später und einzelmundartlich konnte 



hri im griechischen den wert der 3. sing. Iiabe, wird niiin nicht mit 
Gust. Meyer griech. gramm. § 483 s. 373 anni. '2 zu zweifeln brauchen, 
wenn man auch ül)er Bczzenbcrgers „sehr einfachen" erklärungsversuch, 
in dessen beitr. II 192, sehr einfacli zur tagesurdnung übergeht. 



— 377 — 

man neinlicli aucli zu iTräa(o und perf. 'iaxüy.a einen x-aorist 
*taTCr/M treten lassen, so wie man mm sdrj/.a^ ijy.a, {-ÖLDY.a neben 
3-rjOio T'etli]Y.a, -fjod), dd'ioro dsdtoy.a liatte. Eine andere solche 
spätere nachgeburt eines z-aoristes ist f^f/grjxa bei Euripidcs u. a,, 
über dessen schöpfimg nach etfiy/.a und speciellor noch nach 
r/xrt die trefflichen erörterungen Brugmanns Fleckeisens jahrbb. 
f. class. philol 1880 s. 217 ff. genügenden aufschluss geben. 
Ein e(f>/]y.a für Hiir^aa zieht neuerdings Baunack rhein. mus. f. 
philol. n. f. XXXYII 474 aus des Hesychios tTTsrf/joar ' fff?^- 
xav hervor, um es als analogiebildung nach id i]y.a, ed'coy.u^ rjy.a 
zu erklären; wenn mit recht, so möchte nur abäuderung der 
glosse in t-ntfprjy.av ' tfpijüav , damit das räthselhaftere wort 
voran zu stehen kommt, nicht unangemessen erscheinen. 

Die geschichte des x-perf ectums , wenn wir da- 
bei vornemlich die stufenweise ausbreitung des -/.- und die 
gestaltung der Wurzel- oder stammvocalischen Verhältnisse 
vor demselben ins äuge fassen, dürfte in f ü uf meist successiven 
entwickelungsstadien verlaufend sich jetzt folgendermassen 
darstellen. 

Erste stufe. Nur die 1. sing, hat bei den acht 
musterbildungen -y.a als angeschmolzene partikel. Von diesem 
ältesten zustande ist vielleicht eine gewahrte spur das hesy- 
chische tjc'^?;, in sofern als neben urgriech. *Tierfä 3. sing, 
wol schon ein '^■TTl(fd-y.a in der 1. sing, gesprochen sein mag; 
vergl. oben s. 351 ff. 

Zweite stufe. Die drei singularformen des indic. 
act. des perfectums haben -y.a, -yug, -xe, davor langen vocal 
auch die früheste schiebt der nachschöpfungen nach den acht 
Vorbildern ; sonst ist noch alles beim alten und kurzvocalisch 
der Stammauslaut in den nicht-x-formen. Also eoraya 'lavCcy.aq 
füvaxs : saräfisi' iaTäToy, med. enrai-iat. 

Dritte stufe. Den drei singularformen des perf. 
indic. act. folgen in der aneignung der x-bildung die singulare 
der modi des perfects, des conjunctivus und optativus perf., 
und des indic. plusquamperf. 

Vierte stufe. -/.- ist über alle anderen activformen 
ausgebreitet, wobei dem neuen cousouantischeu stamni- 
eharakter natürlich zunächst die vorausgehende vocallänge 



— 378 — 

als seine ständige begleiterin von altois her auf dem fusse folgt; 
das medium behauptet dem gegenüber noch seine alte vocal- 
kürze. Auf diesem Standpunkte vcrliarren für immer: ölötoy.a, 
öeäo'r/.a/isi' : Jf'()o/<«// nt'nw/.u, 7ii:V(iiy.u.i.tsv : neiioxai^ und. von den 
naclibildungen SlUvy.a, ö^dry.afi&v neben dem durch iv-d'ü)vaai 
anthol. Plan. IV 171, 2 gesicherten mediopassiven dedv/iui. 
Fünfte stufe. Es treten vocalische ausgleichungen 
zwischen activum und medium ein. Entweder 

a) es dring-t dem mediopassivum das activ perf. seine 
vocallänge des stammauslautes auf. Nemlich einerseits mehr 
sporadisch in den nach 'io)y.u, 'iwy.s entsprungenen av-kwvrai 
Ilerodot. II 165, dor. dv-eato&ui tab. Heracl. I 153, a(f-iwv- 
T(u Hcrodian II 236, 6. 13 ed. Lentz. nov. testam. Luc. 5, 23; 
vergl. de Saussure syst, primit. 140, Gust. Meyer griech. gramm. 
§557 s. 423 anm. 2, vcrf. oben s. 208. 326. Ferner jedoch con- 
stant und frühzeitig bei den verbalstämmen mit e-suffix und den 
verba „contracta" auf -sio, -dto, -om: ßi-ßX-?]/nai imd nscpiXrjfiaij 
Tsri^uäiiut, d&dov?joiiai. Hier kennt schon die älteste, home- 
rische spräche keine medialen formen auf '*-^(iiai, '"-äuui, *-ojnai, 
von denen überhaupt fraglich ist, ob sie jemals in der grie- 
chischen spräche auch in vorhistorischer zeit bei den besagten 
abgeleiteten verbalthemen üblich gewesen sind. Offenbar 
hängt aber diese erscheinung des frühzeitig festen -7]/iiui, 
-äfiui^ -(Ofiai hier genetisch mit der anderen zusammen, dass 
dieselben abgeleiteten -?;-, -ö-, -A>-stämme auch am ehesten 
die x-formen im ganzen activ eingebürgert zeigen (vergl. 
8. 360 f.). Oder 

b) es übernimmt in nachhomerischer zeit das activum 
die vocalkürze des mediiims (und anderer verbalformen mit 
tiefstufenablaut). So bildeten sich z. b. Je'Jfx« Sedi/.a/tisv : 
dfö&nai und rrdsy.a Tfrd^fy.a/m^r : rtdtjiai statt dor älteren Ver- 
hältnisse deö/f/.a did/]y.ati£v : c)f (5f/<«/, Ttdrjy.a rsdr^y.a.iisv : red^iiai. 
So spätgriechisches larcr/.a zwar nicht als crsatz des alten 
tOTä/.a (5'(yr/;xa), sondern als transitivum und das activische 
correlat zu dem passivum 'isotü/hui (s. 349. 357 f.). 

Hiernach erledigt sich nun auch für uns, was Brug- 
mann Kuhns zeitschr. XXV 223 f. als „regel" aufstellen zu 
können meinte: „dass ein x-perfect dann starke Stammform 



— 379 — 

hat, wenn keine raedialform daneben besteht und wenn beim 
beginn der liistorischen pcriodc der gricch. spräche die alt- 
indogermanische bihlung des phir. und du. act. mit der 
schwachen Stammform nocli nicht ausgestorben ist, im ent- 
gegengesetzten fall ist das x-perfect von der schwachen 
Stammform aus gebildet." 

Brugmann glaubt es von solchem Standpunkte aus 
motivieren zu können, warum anstatt radv/.a nicht *rf.9?;xa 
geschaffen worden sei. Aber dies T&d^>]y.a existierte ja in 
Wirklichkeit und ist sogar als die cältere form gegenüber 
Ts&sxa anzuerkennen; vergl. oben s. 349. Dasselbe gilt 
von dem im vergleiche mit jüngerem öeör/.a für viel älter 
zu erachtenden d^d7]y.a, mit welchem sich Brugmann als mit 
einer der „ein paar ausnahmen" von seiner „regel" not- 
dürftig abzufinden suchte. lieber nenw/M, Tjeni'rAa/uev : ■nlixorat 
spricht sich Brugmann gar nicht aus; es wird zu einer weiteren 
„ausnähme", ebenso wie Jf'Jwx«, ösÖMYMi.tbv : öeöofiai selbst, 
wenn dieses ö^^ur/.n vom Standpunkte unserer erklärungs- 
weise den nimbus, das alleinige prototyp für das ganze 
griechische x-perfect gewesen zu sein, verliert. Ein *t)fcVox«, 
dessen fehlen Brugmann bedeutsam, erscheint, hätte auch an 
sich nach ösöofiai und Sorog, lööd-i-jv ganz wol neu gebildet 
werden mögen; dadurch, dass dies unterblieb, bekommt 
ö'sSiona ebenso wenig einen Vorzug oder eine Sonderstellung, 
als Trhw/.a wegen der nicht eingetretenen vocalischen aus- 
gleichung mit nanovai eine solche zu beanspruchen vermag. 
Da Brugmann auch in nsfpvyM^ was er jetzt vielleicht nicht 
mehr tun würde, das (f>v- „starke Stammform" — die indo- 
germanischen vocalabstufungsverhältnisse haben über- 
haupt für den wurzclvocalismus der griechischen x-perfect- 
formen keine unmittelbare bedeutung mehr — sein lässt, so 
ist in solchem betracht ihm und seiner „regel" auch (Jt'Jcx«, 
dedöy.a^iei' : daövf.iai als eine der erledigung harrende „aus- 
nähme" entgegenzuhalten. 

Die zweite der bedingungen, von denen Brugmann es 
abhängen lässt, dass ein x-perfcct „starke stamniforni" habe, 
verfängt noch weniger etwas. Wenn neben den x-formen des 
sing. act. „beim beginn der historischen periode der griech. 



— 380 — 

spraclio die altindogermanische bildung des plur. und du. 
act. mit der scliwaclieu Stammform noch nicht ausgestorben 
ist", so haben wir eben aus manchen im vorhergehenden 
zur spräche gebrachten indicien hinreichend erkannt, dass 
eine solche paradigmatische Sachlage wie 'lorCr/M : eoTci/nsv 
in so früher zeit nicht das Privilegium einer wenigen verba 
mit x-perfect war, sondern im gegenteil die regel gebildet 
haben muss, wie bei den acht ältesten und typischen per- 
fecten auf -y.a überhaupt, so auch noch bei einem teile der 
nach ihrer analogie am zeitigsten ins leben gerufenen neu- 
schöpfungen. 

Hat nicht das -x-, nachdem es stammhaft geworden 
war im pcrfectum, auch noch weiter in den sonstigen verbal- 
bau hinein seinen einfluss erstreckt, als zur erzeugung der 
x-aoriste wie sd-fjy.u, qy.a, sdajy.a? Allerdings ist dies der fall 
gewesen. 

„Merkwürdig ist die späte, offenbar, wie auch die be- 
deutung zeigt, aus '^orrjy.a hervorgegangene form ovrjy.u) auf der 
attischen Hermeninschrift bei Kaibel no. 970: Öq ttots yv/nvuaüo 
(I)t?it]fi07'og soravtv 'Eqi.i7Jv vvv av/jy.d) y.aiy<o TaXeorfagog."^ So 
bemerkt zutreffend Curtius verb. d. griech. spr. II ~ 231 
anm., dem ich den zusatz: „Es ist dies wieder ein fall, in 
welchem junge sprachperioden zufällig zu dem zurückkehren 
was für weit ältere vorauszusetzen war" natürlich als für 
mich unbrauchbar anheim stelle. Wenn den Attikern mit 
XeXrjd^a^ oeof^na, rhrjy.a, ßeßQl&a sich ihr perfect eor/^xu auf 
gleiche linie stellte, konnten sie jenes praesens ottjxm schaffen 
nacii dem muster von X^jOdi, arj-n«}^ r?;'xoj, ßgidu). Kaibel a. a. o. 
bemerkt über ariy/jo noch, dass es auch neugriechisch im 
sinne von 'stellen und stehen' und ferner dem neuen testament 
nicht fremd sei, sowie Veitch greek vcrbs irreg. ^ 279 und 
Passow handwörterb. d. griech. spr. II ^ 2, 1541 ^ dasselbe 
ausserdem aus Aretaeus, Alexander von Aphrodisias und 
kirchenschriftstellern belegen. 

Gleicher weise abstrahierten die Kyprier aus Jf'Jwx« ihr 
praesens Siöy.u}^ wovon auf der inschrift von Idalion z. 16 der 
Optativ to-ko-i-je, d.i. Sioy.oljri nach Deecke-Siegismuud Curtius' 
stud. VII 243. 253, öi6y.oiji. nach Ahrens philol. XXXV 40 f. 68, 



— 381 — 

jedoch in jetziger richtigerer lesung to-lio-i-nu = dOr/.oi vr nach 
Deecke Bozzcnbcig'ors bcitr. VI 153 (^vergl. aucli Joh. Spitzer 
lautl. d, arkad. dial. GO), Der spiess dreht Kicli also um: 
nach Curtius verb, d. griech. spr. II'- 228 und auch nocli 
nach Brugniann Kuhns zeitschr. XXV 210 f. und (Just. 
Meyer griech. gramm. § 557 s. 423 sollte im gegenteil das 
vereinzelt auftretende kypr. öuWm , dem auch Breal niem. 
de la soc. de linguist. V 156 wegen der unhaltbaren coin- 
bination mit sanskr. düc- hohe altertiimliclikeit zuspiicht, 
etwas zur aufiiellung des allgemein im griechischen ange- 
troffenen perfects dedcoy.a beizutragen geeignet sein. 

Man wird aber einräumen müssen, dass die einzel- 
dialektischen praesentia att. anj-/.«) und kypr. dd'r/.n) auch ;ils 
ur- und gemeingriechische Schöpfungen möglich gewesen 
wären: seit der existenz der perfectformen f'aräxa, d/dio/.oi 
waren ja die factoren zu ihrer neubildung immer gegeben. 
Sollte also nicht auch bei den schon homerischen ^jvy.(o und 
oXay.io^ entgegen bislierigen abweichenden auffassungeu (Curtius 
verb. d. griech. spr. II ^ 228 f., Ahrens philol. XXXV 68, 
Scherer z. gcsch. d. deutsch, spr. - 228, Brugniann Kuhns 
zeitschr. XXV 216. 218. 222, von der Pfordten z. gesch. d. 
griech. perf. 52, Breal a. a. o.), das „wurzeldeterminativ" -x- 
auf die analogiebildung nach und aus den x-perfecten der 
wurzeln oder verbalstämmo hjü-^ oÄf- zurückzuführen sein ? Von 
igvio 'ziehe' ein *i]nry.a oder auch „attisch" roduplicicrt 
*tQT^Qvy.a war entstanden wie von <fv(n^ «Vt'ro die perfecta 
TTf'r^fxa, dcdvy.a: ohöXbvjf.^ was auch Gust. Meyer griecli. giamm. 
§ 557 s. 423 anm. 1 und von der Pfordten a. a. o. als mög- 
lich zugeben, entsprang dem stamme oAf- in n?,i'-a(,i fut., 
toXs-oa aor., oXf-rijo masc, oXe-ßon-c masc. so, wie dX-i'fAi-y.u, 
aoij(}f-ya, !'/.i7]/ii£-i((/. ihren respectiven -f-themen (oben s. 357). 
Zu *7JQV-y.öi. (*6()?y'()j"-xf/.) stellte sich als praesens eQcy-(o, dem 
dann in weiterer folge andere ausserperfectische formen der 
neuen basis l<jvy.- sich zugesellten, weil man jenes als *ij<)Dy.-a 
wie eines der alten wurzelperfecta aufzufassen lernte; zu 
6XcoXs-y.a, das möglichen falles in älterer zeit noch *uiX}-y.u 
war, nXex-u) nach massgabe der Schemen wie XtXsy-a : X&y-nt, 
:iirpfvy-a : (fi&vy-(i). Das8 *-)]{)Dy.a oder *iQ/'](jrxa gar nicht be- 



— 382 — 

legt ist, hindert als etwas wol nur zufälliges solche erklärung 
nicht. Ebenso wonig, dass gegenüber dem schon homerischen 
praesens h'/Jy.«» das perfect oXioXexu erst von Herodot an 
nachweisbar ist, da auch solcher mangel recht wol nur auf 
rechnung der Zufälligkeit der sprachüberliefernng gesetzt 
werden mag. Sind ja doch auch die sicher uralten rs&ijy.a^ 
JtJojx«, von viel häufiger gebrauchten verben als £qi'<<) und 
nXXi\ut^ aus Homer noch ganz abwesend. 

Aber eins freilich könnte doch bedenken gegen unsere 
beurteilung des Ursprunges von oAf xw erregen : ein perfect 
6X(»Aty.a oder '"'''lulsy.a scheint als homerisch unzulässig, weil, 
wie wir oben s. 356 f. (vergl. auch s. 378) erkannten, bei 
Homer noch alle vorkommenden /-perfecta nur langen vocal 
im auslaut des verbalstammes zeigen. Immerhin würde mich 
die eingenommene position nicht gerade unhaltbar dünken, 
denn es würde offenbar auch für unsere darstellung der ent- 
wickelungsgeschichte des x-perfects nicht viel verschlagen, 
wenn man der homerischen spräche bekanntschaft mit dem 
oh'uXsy.a (*wAfxa) zutraute und also in vereinzelter spur auch 
schon das jüngere bildungsprincip, kurze stammvocale vor 
dem -y.u zuzulassen, in der altepischen s])rachperiode hervor- 
tauchen Hesse. Oder sprach vielleicht Homer *()ls9^(o (wie 
o/fO(o, vffitS(o, l^icdc) und ffdi'dcü, ff'd^irvOco^ juivvSd) gebildet) 
und schmuggelten die späteren Sprachperioden dafür das erst 
von ihnen nach nXwXsy.a neu geschaffene oAfKw ein ? Man 
könnte um so geneigter sein, eben diesen ausweg zu betreten, 
als ja zu solchem *6Xf-d«) die deutlich einen dentalstamm be- 
kundenden futur- und sigmaaoristformen mit -of)-, homer. 
oXeotJSig oXeoai^i, oAfrjfT.'(j') oXtaouv oXeoaifi oXeonri oXeooai (opt.) 
nXhooov öXsoaai (infin.) dXhoaüc, trefflich sich fügen würden. 

Das praesens rjy.i» versucht neuerdings Breal mem. de 
la soc. de luiguist. Y 156 an "?;/« so anzuschliessen, dass er 
OS von einem perfect *^x« ohne reduplicatiou entwickelt sein 
lässt wie lüTi'y/.ut aus i'aTrjy.u. Wenn das richtiger sein sollte, 
als die oben s. 170 noch von mir aneikannte anderweitige 
herleitung, so würde ich nun, um eines reduplicationslosen 
K-perfectums nicht benötigt zu sein, lieber -f-y-n) so wie das 
att. OTTJy.io der Hermeninschrift ansehen, d. i, es als praesens 



— 383 — 

zu dem reduplicierten altou *hy/.a hinzu crschafFou sein lassen. 
Dem *n]yM dürften wir die intransitive bedeutung 'icli habe 
mich entsendet, bin hingehingt, bin da' gegenüber der transi- 
tiven von 'h]iii ebenso unbedenklicli zuerkennen, wie griech. 
hoxüy.a dieselbe gegenüber transitivem 'ioTa/:ii hat; att. ny.u 
aus *t£y.a stünde als transitives gegonstück des passiven 
ei/itai = *a£/iiai und als die neuschöpfung zu diesem auf dem- 
selben niveau mit dem nach tovä^iai pass. in späterer zeit 
gewonnenen hräy-a 'habe gestellt'. 

Es erübrigt zum Schlüsse noch, einige vereinzelt da- 
stehende neubildungen griechischer K-perfecta, die nach meinem 
dafürhalten ihr ganz individuelles muster für sich Iiaben, zu 
besprechen. 

In folge des parallelismus der praesens- und imperfect- 
formen ni-nv-n-fisi' ni-nt-n-m e-ni-jiT-o-usv mit Si-do-f^iei', di- 
-do-rri i-di-do-fitv entsprang das bei Herodot und Attikern 
bezeugte perfect n^nrcoya nach dem vorbilde von ösdwy.a. 
Was aber konnte wol die benutzung gerade des ösöw/.a von 
öidtof.a als eines individuellen musters für die Schöpfung eines 
x-perfects des verbums ninno nahe legen? Bezüglich eines 
in später gräcität für ■ni-nxu)y.a erscheinenden iisTTriy/.a wird 
bei Veitch greek verbs irreg. ^ 540 .ein irrtum untergelaufen 
sein: an der dafür angefübrten stelle anthol. Palat. VII 427, 3 
bietet die liandsclirift, die ich vei glich, deutlich ■na-nxi]oxac, von 
erster band, mit nachcorrectur in das dem verse widerstrebende 
■n}-TrTi](orag^ dar; das risTirjjnruQ wurde seither auch von den 
ausgaben (Jacobs) schon als conjectur in den text aufge- 
nommen. Immerhin wäre das aber selir wol möglich, dass 
in einer frülieren zeit der griechischen spräche jene oben 
s. 370. 371 behandelten neubildungen nach dem particip des 
perfects von ar«-, nemlich att. vtnrd'x; = *>Tf7/rö(F)fo?, homer. 
ep. 7isTiT-i]wg, sich allerdings auch durch einen nach taräxa 
entsprungenen sing. act. indic. '"^neTjrccy.a ergänzt hätten. Nem- 
lich wenn solches *7TsnTäxa als gegeben vorlag, scheint mir, 
dass daran oben, bei seiner association mit praesensformen 
wie niTiTo/a^r, leicht der hebel angesetzt werden konnte, um 
dies formale Verhältnis nachträglich mit demjenigen von 
tVf(Vfr)x« .• diihitfv in einklang zu bringen. T3en an sich nicht 



— 384 — 

zix oinander stimniendon 7i&vr(()y.awr\d *nsTirä(i'ic. 7isttt(i')c (^ntTrrrjdlc) 
würilu goiado in dem vorausgesetzten *TjhTCc/.a ihr einignngs- 
punkt gegeben werden. Oder, wie nian die sache auch 
sonst noch anseilen dürfte, falls man nemlich nicht gern 
gerade das dtöoyjn als spociclles und alleiniges muster für 
vsuriDy.a anrufen möchte: das ältere '^vI-tit.üym geriet im 
Verbalsystem neben ein redupliciertes praesens gleicher 
Wurzel; da bewirkte es der parallelismus der Verhältnisse 
von fffrcTxß, T£di]y.a^ ösdioy.a zu ihren auch reduplicierten und 
auch wie ttittto den reduplicationsvocal / enthaltenden praesens- 
formen "otuu&v nymm, Ti'üf^itsv rOevrt, didousv tV/Joer/, dass 
sich nach der proportionalen analogie aller dieser das schema 
^'nt-iTTÜya : ninrn/nr ninrorrt in usTrnny.a : TilnrnuBv ntTitoi'ti 
umsetzte. Die basis des Tje-Trvo-y.a aber ist nach der Schöpfung 
dieser verbalform auch für die bildung der uomina tttco-uc.^ 
7Tri~i-oi-c, c'-TTTio-c d-Tiroi-r-nc (bei Pindar und sonst) verwertet 
worden; man vergleiche ßoiii-na ßoio-iu-g d-ßQu'i-c. : ßl-ßodi-ya, 
oTQi~i-na (= lat. strä-men aus indog. sfr-mhi-, oben s. 3G6) 
OTOCO-ai-g ä-orixu-c : b-axodi-y.a^ att. arij-ftr/. (rä'd-nrrjua^ av-OT)]f^i<i) : 
%-OTrj-y.a l-or(ö;, ion. alt. ßrj-iiu : ße-ßi]-xa ßs-ßd'ig. Es haben 
Tiiunoxa und TTViöiia, nTtooic. d-nrol-c weder etwas mit dem 
„verbalen ä-suffix" zu schaffen , nach Brugmann morphol. 
unters. I 17, noch darf man, wie (>s gemeiniglich geschieht, 
das perfect TTsnxdr/.o. von 'iittto in diiecte beziehung zu }:nri]-/u, 
STi r i]y.a \on 77 ra;^- 'sich ducken' setzen (vergl. oben s. 312 f.). 
Ein rätsei war bis jetzt auch noch att. idijdny.a von id- 
'essen'. Denn weder Curtius verb. d. griech. spr. I- 884. 
387. 398 anm. II'- 161. 215. 235. 241 noch Chist. Meyer 
griech. gramm. § 557 s. 424 gelingt es, eine plausible er- 
klärung dieser activform sowie der zu ihr gehörigen medial- 
bihlungen zu gewinnen. Eine solche ergibt sich, wenn mnn 
nicht mit den gennmiten gelehrten und mit Cobet Mnemos. 
n. s. II 368 = misc. crit. 305 das homer. i^di-dnrat in Od. y 56 
onna lOi y/.nSTinrai y.a'i !Ö?]dnTai als falsch ül)erlief(ii t oder 
gar in Cobets redeweise als „neque Homerica formn nequc 
omnino Graeca" ansieht und durch aV//Jfr«/ eiset/.t. Es 
haben t-W/tVor«/ an jener Odysseestdle übereinstimmend alle 
die besten handschriften, so dass es auch La Koche in den 



— 385 — 

text seiner ausgäbe aufnimmt. Nach etym. magn. p. 31 G, 
25 und Zouar. lex. p. 015 sq. ed. Tittmann war freilich 
hier vielmehr {dijdsrci die lesart Herodians, i^rjöftrai diejenige 
Aristarchs. Das letztere aber weist Curtius mit recht ab, 
weil der plural neben hnenorat seltsam wäre. Aber idijdorcu^ 
wenn man es unbeanstandet lässt, kann als eine analogie- 
bildung nach n^norai wegen der nahen begriflFsverwandtschaft 
von 'essen und 'trinken' verstanden werden, sowie ja att. 
ösöei'vvaiifv auf anlehnung an TJQiorafisv beruht (oben s. 862 f.). 
Flectierte man das ni^nw/.a, das ja eine der acht original- 
formen ist, in homerischer zeit noch nach dem alten kanon, 
also mit *ns7Tou6y im plural, so moclite nach letzterem un- 
mittelbar das sinnverwandte und häufig in seiner begleitung 
auftretende '^iihjdufif-v zu *6d}]doufr werden und hierzu ein 
passivum uhjd'orai, wie ttsttotui, auch wol ein sing. act. '"'fd^jddr/.a, 
wie n&TTciy.a, entstehen. Dass Homer '''■'6Örjd(ir/.u wirklich ge- 
sprochen haben werde, ist durchaus annehmbar. Die spätere 
spräche glich das Verhältnis '^&d/'dii)y.a : ^dijänrai dann ebenso 
aus, wie die Verhältnisse deörf/.a : dcdi-rai, r^di]y.a : rf'.'^fra« ; 
also entsprang att. &d/]öny.n, wie öedF/.a und T&3iy.a. Das 
mediopassive lörjöoTo.t selbst aber wich später einer neubil- 
dung, indem sich ;iuf dasselbe die aualogie anderer passiv- 
formen, nemlich des „attisch" reduplicierten aorists rjö-eo-dip' 
und des von diesem wiederum in seiner bildung abhängigen 
yerbaladjectivs tSeo-ro-c erstreckte: also ging ^örjdorai in 
iöi]dsorc'.i über. Hat das von Cobet, Curtius und Gast. 
Meyer für Od. / 56 bevorzugte Hhjö&rcd Herodians ebenfalls 
die gewähr einer wirklich vorhanden gewesenen sprachform, 
so liesse sich annehmen : das iiheiie ^örjd'nrai lebte neben dem 
jüngeren AbyJ^ara/ noch eine weile im sprachgebrauche fort 
und beide erzeugten aus sich die mischbihlung eih^öcrai. 
Curtius verb. d. griech. spr. H - 235 vergleicht den parallelis- 
mus von nfuöiiorai und oudninnvui, und wenn erst in diesem 
und in anderen ähnlichen fällen, wie bei fl&ßvarai und hesych. 
"Qißvrai ' o^aay.rat u. dergl., häufiger jüngere (x-foimen und 
ältere sigmalose neben einander bestanden, so konnte auch 
schon darnach vice versa ein tötjö^Tui dem früher entsprungeneu 
tSr^ÖfOTtu an die seite treten. 

Ost hoff, zur gPi^i-lMchte tl. perfects i. iiidOi;i'rmanisi'hen. 25 



— 38G — 

Ton dorn boden unserer 1. plur. perf. *ad/id'oufi', als 
einer frübzcitip;eii griecliisclion neubildung- nach *7il-7iniii-v. lie- 
greift sieh nun aber auch die existenz der von Curtius grund/. 
d, griech. ctym. =^ 505. 601. verb. d. griech. spr, II'- 215. 
235 besproclienen rätselhaften fJ^c^oFc/c, tdfjdnFf auf der 
metrischen inschrift C. I. Gr. no. 15. Sowie nemlieh honier. 
df^idi-a, ihi'di~ac, dsidi-G (=*()f i)/*"/«, *dsdFiag. *däd'Fie) unbestreit- 
bare ueubildungen nach der analogie der schwachen formen 
wie deidi-f.isi' {= ^ö'söFi-fisr), dsdt'-üaiv sind (Brugmann Kuhns 
zeitschr. XXV 219), so konnten sich zu *tdrjd'o-ua}', '^adrjöh-aoi 
die singularischen ^aörjöo-n und *i^c)//Jo-«c, ^tS-^iio-s, d. i, in- 
schriftlich adTJdnFac, adrjdoFe, einfinden; denn mit Curtius 
glaube ich allerdings, „dass das F in hhjöoFa nach der 
Schreibung des Steinmetzen jenen zwischen o und « sich un- 
willkürlich entwickelnden Spiranten bezeichnen sollte, der 
von einem englischen ir nicht weit abliegt" oder genauer 
gesagt in unserem falle nichts als überleitendes o (o consonans) 
war. Die baldige hinzubildung der 3. plur. ^m-Tin-aoi, *ldij')()-CcGi 
(oder ui-griech. *ni:Tro-avTi, '-'ad/jön-arri) zu den 1. plur. *n'TJO-usv. 
*ii)T]dn-iif-r nach dem muster von homer. ihdi-ciai, na-qv-üni 
anzunehmen, sowie homer. ßf-ßä-dni , yeyä-ant , (nud-aoi in 
dieser weise entsprangen, gibt schon das boeot. ünn-deiiö-av^i 
als 3. plur. zu '"'dsdn-uri' und zu did(o-/a 1. sing, an die band; 
\ergl. verf. morphol. unters. IV 289 f. oben s. BG6 f. anm. 

Genetisch nichts zu schaffen hat meines erachtens 
mit dem x-perfect homer. ()aidoiy.a att. didmy.a aus urgriech. 
*dBdFniy.a. obwol man es meistens damit in der einen oder 
anderen weise in Verbindung gebracht hat. Vergl. Curtius 
vorb. d. griech. spr. II ^ 206 f. 229. 231, Brugmann Kuhns 
zeitschr. XXV 213. 216. 218 f. 221. 223. 224, Gust. Meyer 
griech. gramm.§ 557 s. 423, F.Stolz zeitschr.f.d. Österreich. gymn. 
XXXI (1880) s. 829, R. Loebell quaest. de perf. Homer, forma 
et usu 16, von der Pfordten z. gesch. d. griech. perf. 52. 54. 
Weder ist nach Curtius und andern *dldFnr/.a unter den 
musterfoi'mcn für die ausbreitung des x-perfectums noch auch, 
wie Brugmann und (hist. Meyer wollten, selbst nur eines 
der mit dem -xr/ nachgeborenen „schwnehen" perfecta ge- 
wesen. Was Curtius bemerkt: „wenn man y.a |in *dn)FniKn^ 



— 387 — 

als bildungssilbe des schwachen perfects aiiffasst, ist der 
diphthoug schwer verständlich," ist sicher richtig, widerlegt 
aber aucli seine eigene ansieht, dass *dedFnr/.a geeignet sei, um 
seinerseits als „wichtiger Stützpunkt" für die erklärung des 
x-perfecturas zu dienen. Es sind ja auch keine x-perfect- 
formen mit diphthong m wie *rhoi-y.a, *e'(f&oi-y.a jemals im 
griechischen entstanden, was der fall sein müsste, wenn 
jenes *ösöFoiy.a mit als einer der mustertypen benutzt worden 
wäre. Eben dem '^dsSFor/.a zu liebe coustruiert zwar Brng- 
mann die hypothetischen gebilde '^l^cfdoiM, */&/or/.a , aber 
diese sind undinge und Brngmanns ausspriicli: „Nun verhält 
sich ösiSFoi/.a zu ördFi/i^i' offenbar ebenso wie iat)]y.a zu 
aarausr"' ist weit von aller Wahrscheinlichkeit entfernt. Ein 
homer, ^dif^i'ör/.a wäre das einzige, was sich als singular eines 
x-perfects zu Stidf/nei' diidirf lU^uaui' partic. ösidicoc hätte 
einfinden können, gemäss Trsqiy.a und ßhßrjy.a^ dor. ylyCc/Ju 
anstatt deren doch auch nicht */7f(|or/«, *f?lpo;'xa, ^y'v/oyy.a 
neben homer. TTfCfviiai rre(fv(t')c , ßsßcalai fhßai'k , y^yääoi 
ytyudk auftreten. Selbst wenn dsöwy.a allein nach der Brug- 
mannschen theorie als ausgangspunkt gefasst wird, konnte 
nur die nachschöpfung von formen mit der voca Hänge 
vor -y.a der spräche angewiesen sein, nimmermehr von 
solchen mit diphthong oder indogermanischer hochstufe dor 
Wurzelsilbe. Zwar lehrt Gust. Meyer griech. gramm. § 558 
s. 424 über arkad. tffdooyjoc auf der bauinschrift von Tegea 
z. 11: „aus erfdooa. also richtiger als das attische scfdaoy.a 
nach scpdaouai."' Allein ich würde hier nur sagen: arkad. 
sffdooy.u weniger direct als att. eqdaoy.a nach sqdaoiiui, 
indem dieses medium selbst im arkadischen sich zunächst 
nach i^(pdoga in *8(f9ogaai umgesetzt und dazu dann sich als 
activische x-bildung eqdooy.a hinzu gesellt haben wird. Yeigl. 
über arkad. niOonyjoc auch Joh. Spitzer lautl. d. arkad. dial. 11 f. 
Die alte perfectflexion der wurzel giiecli. dFii- in d&T-iia 
neutr., dsi-fi6-c masc, öe-og neutr. aus *t^Ff/-oc, ihi'-a«) fnt., 
s-dtt-aa aor. = avest. dvae- in drac-fhd f. 'schrecken' war 
nach Mahlow Kuhns zeitsehr. XXTY 293 f.: homer. ep. dttda) 
aus *t^fJ/o(?'v< (vergl. oben s. 62). plur. d&idi/ur att. dUhatv. 
Daran ändert Curtius grundz. d. griech. etym. ^ 623 aniu. 



— 388 — 

vcib, d. griech. spr. II- 200 f. nichts; denn der einwurf: 
„wann würde äycTJy.nft zu *äy.7Jy.(<) contraliiert?" berücksichtigt 
nicht, dass in *'i)AV/>)« und äxrjxoa es verschiedene spiianten, 
in letzterem falle sogar eine consonantengruppe (indog. -us-) 
war, welche dem Schwunde in intervocalischer Stellung unter- 
lagen, so dass darum nach den Untersuchungen Jak. Wacker- 
nagels Kuhns zeitschr. XXV 267 fF. dieser scheinbar gleiche 
lautvotgang in der tat doch nicht der gleiche, nemlich ein 
zu verschiedenen Zeiten und also mit verschiedenem resultate 
erfolgender war. 

Von lÜFci- 'schrecken, in furcht setzen' war ferner die 
älteste praes en sbildung im griechischen, wie ich zuversiciit- 
lich glaube, einzig *iV^-cV/'7'-(rxo-^/«f -= att. dtdla/.nnai : fJfJ/dxfro 
Aristoph. Lysistr. 564, worauf auch die notizon alter er- 
klärer und glossographen zielen, nemlich tdidiaytrTn ' ^^/^(pr'.ßfi 
bei Saidas, deiöioysTo von Eustathius durch &S.e(f.(')fi&i inter- 
pretiert und iVfcJ/iTXfro • öiöinaiv tyjfnßfh' Hesych. durch die 
buchstabenfolge gesichert (vor einer änderung in Ssdiootm) ; 
dazu d'f-dioy.^ai Hom. hymn. Merc. 163 nach schon alter und 
allgemein acceptierter emendation (Pierson ad Moer. p. llO) 
statt des sinnlosen rirvay.f-ai der handschriften. Vergl, Veitch 
greek verbs irrog. ' H)9, Kühner ausführl. gramm. d. griech. 
spr. I- 706, Curtius verb. d. griech. spi-. 1'^ 280. Es war 
*di:-dFi-oy.o-uat genau so gebildet als rcdupliciertes is/i;-praesens 
wie horaer. ep. {^-i'-ay.di 'mache gleich, vergleiche' aus urgriecli. 
*Fs-Fi{y^-'r/.<». Der äusserliche gleichklang beider morphologisch 
gleichen pinesentia, nachdem *Fa-Fi-"y-«> lautgesetzlich sein 
wurzelauslautendes -x- verloren hatte, bewirkte analogie- 
bildungen in dem Systeme von *d!d Fi'ny.nitai d&di'iy/.nnat nach 
demjenigen von *FtFl(r/.(t) ti'iTy.io : att. dedi'i&oSai homer. df-idi- 
if a.Vrt, ( II. y 201. 432 und öndihra, liesiod. scut. 111) fut. wie *;7^(o 
= att. f'i^«) [f^iitic Aristoph. nub. 1001), att. Jfti/'iwa.'^«/ homer. 
dft<h'^aa9ai (11. - 164) wie *ii"Scxi; selbst als adj(!Ctiv Sfdfi'y.r'Anr' 
dsi (folinr/n-i'oi'^ ihiXov Hesych.. das wol zunächst als ^^i^i'y.sXnc 
nach rr/.fXnc geformt war und dann von den reduplicierten 
verbalform(>n dcö'ny.onai und öböniy.a diereduplication übernahm. 

Das alte praesens öf^öiay.nftm {dcidioy.o^iai) wich später 
aber selbst vor einer neubildung mit -aa- (-rr-) zurück : man 



- 389 — 

gewann homer. dfidhosodat att. deölrread^at aus den futur- 
und sig-maaoristformen ö(-{i)öi'^£oi)^ai , Öt{i)dilaai}ui , die iuan 
wie vQO-'i'S.oi.iai, a-nQo-'t%av{) neben noo-iooo/.iai bei Archiloclios 
(Veitch greek verbs irreg.^ 564, Kühner au«fiihil. gramm. d. 
giiech. spr. I- 899, Curtius grundz. d. griech. etym.'^ 138. 
verb. d. griech. spr. I- i317) oder auch wie (foiho, ttfoi^a neben 
(p()ioo(o auffasste. Ähnlich für älteres O(f:äL,(0 attisches (7(fdTiio 
als folgerung aus oipu^co iGrpaS.a und vieles oben s. 2!)G ff. 
ausführlicher erörterte. Auch zu einem praesens deidiuoi^at 
konnten die i-fornien der sigmatischen tempora die Veran- 
lassung geben, und so scheint Ilesychs glosse dsiöiuol^ui ' 
(poßsToi^at (das interpretamentum nach Musurus' eniendation, 
codd. (poßriOiisv) zu ihrem rechte zu kommen, denn eine 
änderung ihres lemma in Sttöioaiadai oder dsiöiG/.&ad^ai oder 
auch fut. t)>/J/if(T^af verbietet die alphabetische reihenfoige. 
Dass in unserem Homertexte niemals das von uns für älter 
erklärte praesens deiöioxo^ui erscheint, sondern nur die oa- 
formen d'Bidioo&aOui II. .ß 190, Sttälaoso J 184, SsidlootTo M 
52, dsidlootai N 810, dstöioosod^w O 196, will nicht viel be- 
sagen: wie leicht konnte die immerfort an dem text der 
homerischen gesänge tätig gewesene correctur jüngerer zeiten 
hier die formen mit -oo- als die im späteren sprachgebrauche 
häufigeren für die ursprünglichen ax-formen einschwärzen! 
Wenn bei Aristophanes aber an der Lysistratastelle v. 564 
ßlaydes in seiner ausgäbe, nach dem vorgange von Maltby 
zu Morell lex. Graeco-prosod. 221 anm. 3 , Utölrrcxo ein- 
setzen will, so ist das erstens gar keine sehr nahe liegende 
änderung: alle handschriften und die scholien stimmen über- 
ein in dem Idaäioy.sTo, und es wäre schwer einzusehen, wie 
die rarität, welche auch die alten selber, wie wir sahen 
(s. 888), sorgfältig annotierten, anstatt der häufigeren und 
geläufigeren form der Attiker durch Verderbnis in den text 
gekommen sein sollte. Zweitens aber scheint der dichter, 
worauf mich F. Scholl aufmerksam macht, nach dem i^.usatze 
(oo'ntQ Trjoavc bei iötöioy.aro rrjv lo/aöÖTUüXtr zu schliessen, 
unter dem eindrucke einer reminiscenz und also mit fleiss 
gerade zu der obsoleteren älteren ax-form , als der etwa in 
einem alten gefliehte von Tereus gesagten, gegrifTen zu haben. 



— 390 — 

Mit öe{i)6t^fo9ni ^ df(i)äi^('.<yf)fu hatte sich eiidHch auf 
dornselbeu wege zu dem misgcdcuteten praesens df{i)diay.r)fi(r.i 
das peifect liomer. df-iöoiy.a att. öidor/.a = "'deöForAa gel)ih]et, 
also nach tmxu =■■ *F£Foiy.a. Diese analogiescliöpfung consta- 
tierte als solche auch schon F. Stolz zeitschr. f. d. Österreich, 
gymn. XXXI (1880) s. 829, ohne jedoch die begründung 
beizufügen. Brugnianns versuch , die goncsis der x-formen 
von der basis JtJT'x- zu erklären, Kuhns zeitschr. XXV 224, 
mutet uns den glauben an ein verschollenes medium perf. 
*dsöFTuai zu , ferner die annähme der hinzubildung eines 
'^Si'öFfy.a als des transitiven activuins zu diesem medium; 
Zumutungen offenbar, die auch abgesehen von der praemisse, 
dass das intransitivum homer. ötidoiya als „schwaches" oder 
x-perfect entsprangen sei, uns schwer eingehen würden, zu- 
mal da mit dem *öföFr/.n = homer. *deiäTyM auch eine aus- 
nähme von der regel der ältesten spräche, welche die kurzen 
stammvocale vor dem -x« noch ausschliesst (vergl. oben s. 356 f. 
378. 882), geschaffen sein würde. Dass sich nun von Siidoiy.n 
bei Homer noch nichts anderes als die drei singularformen 
des indic. act. gebraucht findet und diese sich zu den alten 
dcidifisv dVdtCcdti' d'^ididi dridire Seidi'fisp deidtOTU U. S. W. stellten, 
ist ein paradigmatisches Verhältnis, welches man nicht gerade 
als zufällig entstanden anzusehen braucht; sondern zu dessen 
constituierung mag immerhin der eiufluss der flexioneu von 
larTjy.a und seinesgleichen wesentlich beigetragen haben, so 
dass dies mithin die einzige berührung wäre, welche nach- 
träglich dilÖo(y.a mit dem x-perfect erlangt hätte. 



VIII. 

ANKNÜPFUNG DER PERSONALENDUNGEN 
UND VERWANDTES. 

Das capitel über die „anfügung der personalendungen" 
un den perfectstamm iin vedischen sanskrit leitet Delbrück 
altind. verb. § 147 s. 119 mit folgenden worteu ein: „Be- 
kaDutlich zeigt sich häufig zwischen dem stamm und den 
endungcn des reduplicierten perfccts der bindevocal /, doch 
ist er nicht notwendig, sondern kann auch fehlen. Die regeln. 
über den eintritt des i, welche die indischen grammatiker 
aus der klassischen spräche gezogen haben, gleichen, wie 
man sicli aus der zusammensteliung bei Max Müller § 334 
überzeugen kann, eher einem chaos als einem kosmos. Die 
im veda vorliegenden erscheinungen dagegen fallen alle unter 
folgendes einftiche gesetz: Wenn die Stammsilbe kurz 
ist, so tritt die e n d u n g unvermittelt an, wenn 
die Stammsilbe lang ist, tritt ein verbindendes i 
zwischen sie und die endung." 

Ahnlich spricht sich über denselben gegenständ Whitney 
ind. gramm. § 798 a. s. 279 f. aus, nur dass dieser gelehrte 
als „schwere" und „hüclite" Stammsilben die bei Delbrück 
als „lang" imd „kurz" unterschiedenen bezeichnet und daun 
noch hinzufügt, dass die erste ausschreitung gegen das „gesetz" 
sich darin zeige, dass nur in den brähmana's formen der 3. 
plur. med. auf -ire ^ für welche endung übrigens ja aucli in 
der späteren sanskritsprache allein das -i- durchaus obliga- 
torisch ist, „nach leichten silben gebildet werden: sasrjire, 
huhudhlre.'''' 



— 392 — 

Als personalendungen, für deren anfüj^ung das „f^esetz" 
gilt, kommen in der spräche des rgveda überhaupt nur in 
betraclit diese vier : -tlia, -mä, -se, -re. Doch was -tha der 
2. sing. aet. anbetrifft, so ist hochbedeutsam die einzige von 
Delbrück und Whitney verzeichnete ausnnhnie: vettha. Nicht 
nur dass diese form in dieser gestalt heute wol jeder für 
eine erbform hält: sie gewinnt das praejudiz, mit ihrem ver- 
halten einzig das, was lautgesetzlich bei der anfügung von 
-t]ia hinter consonanten zu geschehen hatte, darzustellen, 
auch dadurch für sicli, dass veda^ als praeteritopraesens und 
weil es „auch durch den mangel der reduplication aus der 
aualogie der perfecta heraustritt" (Delbiück), mit seinem 
System den einwirkungen der übrigen perfecta kaum oder 
gar nicht ausgesetzt sein musste. Durch „stoffliche aus- 
glcichung" aber konnte dadurch kein ^veditha für vettha auf- 
kommen, weil ved. vklmä^ vidre als formen mit „leichter 
silbe" des Stammes (nach Whitneyschem ausdruck) selbst ja 
lautgesetzmässig des bindevocalischen -i- von je her ermangelten. 
Ist nachvedisches vidma trotz seiner Vereinzelung, weil es 
der in der älteren spräche herrschenden i'egel folgt, der alleinige 
repjacsentant des lautgesetzlichen zustandes gegenüber der 
ebenfalls nachvedischen ob zwar viel zahlreicheren gruppe 
der bibhidima, tutudima. dadrcima u. s. w., so ist der gleiche 
Vorrang auch im veda selbst dem vettha zur scite der das 
-i- aufweisenden gleichfalls vedischen dritha, dvitha, äsitha 
und cakartUha, tatdrdltha , vavdkshitha, viveditka^ vive^itha, 
ucöcitha, ruröjitlut , riirodh'dha , dudöhitha (Delbrück altind. 
verb. § rJ5 s. 37) unbedenklich zuzuerkennen. Psychologischer 
seits sind es die gleichen behinderungsgründe gewesen, welche 
in vettha wie in ved. nachved. vldmä das b/indende -i- niemals 
eindringen liessen. 

Zur weiteren stütze des aus vettha gezogenen resultats 
haben wir aber eine zweite form der 2. sing. perf. act., welche 
ebenso von der analogischen einführung des „bindevocals" -i- 
trotz ihnu' langen Stammsilbe nichts weiss: das zuerst in den 
brahmana's nachweisbare dttha. Ebenfalls wegen des prae- 
teritopraesentischen gebrauches von ulia (vergl. oben s. 176) 
ist dieses dttha der beeinflussung durch die eigentlichen 



- 393 - 

perfectformen nicht ausgesetzt gewesen; obwohl hier freilich 
die nicht belegte 1. plur, *ähii)iä zu der neubildung *ähitlta 
hätte führen können, ättha ist nur in sofern nicht rein laut- 
gesetzlich entwickelt, als die dentale gruppe -tth- notwendig 
für eine cerebrale durch ausglcichung substituiert worden ist, 
nach verf. Jen. literaturz. 1878 no. 33. s. 485'': vielleicht 
hiess es zunächst *ätJia für das echte alte *ddha., darnach 
ättha mit doppeklental durch den speciellen einfluss des 
vettha. 

Also erwächst das recht, von der glcichung sanskr. 
vettha = giiech. oiod-a got. iraist allerdings , wie es auch 
schon Brugraann niorphol. unters. I 162 getan hat, auf die 
einstige existenz eines sanskr. *ästha als des genaueren cor- 
relats zu griech. rjod^a zurückzuschliessen und ds-i-tlia als spätere, 
obgleich auch schon vedisch vorhandene ueuschöpfung anzu- 
sehen. Fällt aber -tha aus der reihe der personalendungen fort, 
welche ursprünglich bei voihergehender langer Stamm- 
silbe etwas mit dem bindevocalischen -/- zu tun hatten, so 
ist dagegen ohne zwoifel wol andererseits den übrig bleiben- 
den drei -mä , -se , -re das personalsuffix der 1. plur. med. 
-mähe anzureihen. Es sind im rgveda nach Delbrück altind. 
verb. § 23 s. 30 mit -nmlie im perfectum nur belegt, ausser 
va-vr-niähe^ das als form mit sonantisch auslautender Wurzel- 
silbe nicht in betracht kommt: biibhujniähe, mu))iuci)iähe, 
sasrjmähe, eäcadma]ie\ lauter bildungen also, die bei voraus- 
gehender kurzer Stammsilbe lautgesetzmässig des -/- ermangeln. 
Es ist aber kein grund abzusehen, warum man bei dem Vor- 
handensein von ved. itciniä und sedima, paptima im minde- 
sten daran zweifeln sollte, dass die entsprechenden niedial- 
formen mit ganz dem nemlichen anlaut -m- des suffixes und 
völlig gleicher accentuation einzig auch nur im vedischen 
ücimähe, sedimähe, paptiiuähe gelautet hätten nach derselben 
bei langer Stammsilbe den „bindevocal" -i- erfordernden 
lautregel. 

Mit -)nä, {-mähe), -re und -se^ bei ausschluss des -tha, 
haben wir dann aber durchweg suffixe mit solchen consonau- 
tischen anlauten, in deren phonetischer natur es liegen konnte, 
dass sie einen souantischen überji'ani'slaut zwischen sich und 



— 394 — 

dem vorhergehenden wiirzelschliossenden consonanten zur 
entfaltung brachten: die sonorhiute -in-, -r- und von den 
geräuschlauten der sibilant -s-. Die darnach sich erhebende 
frage, wie von der länge oder kürze (schwere oder leichtig- 
keit) der vorsilbe der tatsächliche eintritt oder nichteintritt 
solcher auaptyxis abhängen konnte, glaube ich unbedingt 
dahin beantworten zu dürfen, dass diesen unterschied 
die verschiedene silbentiennung mit sich brachte. 
Man vergleiche ved. nachved. üid\)nd , ved. vavan\)nä; 
rarahh\mä, jagrbh\md, änag\ma, vivish\ma, yuytij\via mit ved. 
tas\thima, pap\lima, sag\cima, 7iin\dima für ein älteres '^■na-nd- 
ima^}. sowie sedima aus *saz\diniu, yeinimä aus *yaij\mlniä 



1) Die laut- und bildunf^sverluiltnisse der von Fick vergleich. 
v(rörterb. d. indoJ,^ spr. I^ 125 f. und Curtius grundz. d. j^riech etyru.^ 
725. verb. d. ^rieob. spr. I^ 180 f. zusammenf,^estellten Wörter sind bis 
anlier so wenig' fest ermittelt, dass des altmeisters Pott bekeniitiiis 
etyni. forsch. 11^ 1,415: „Zwischen öVo//'« und öVftJo,- wüsste ich bluts- 
verwandtschaft grammatisch nicht zu begründen" auch jetzt noch unter- 
schrieben werden könnte. Doch scheint sich bei der annähme einer 
Wurzel nocl- 'anschreien, schmähen, verspotten, verachten' und eines 
alten rediiplicierten praesens aus derselben, indog. ni-nd-ö = sanskr. 
ved. nachved. n!-)id-dniii welches letztere sich der forniation nach zu 
den sanskr. si'dämi {sldä'iiu") lat. sldö griech. V^w, griech. yl-yv-ouni lat. 
gi.-gn-öi griech. tii-ttt-loi fji-ur-oi , l-a^-to (vergl. oben s. 2 ff.) gesellt, 
manches bisher dunkle befriedigend zu lösen. Indog. nod-, mittelstufig 
mit wie die morphol. unters. IV 343 ff. besprochenen fälle, ist ;ils 
griech. oyo('S~ mit prothese am klarsten in den homerischen futur- und 
signiaaoristformon orönafTui. ovöoasad-iu , ovoaad/Uivo; und mit verein- 
fachtem Sibilanten üivoaäai/v ovönands ovoaano^ ferner in aor. pass. xht- 
-ovo(i9-^i Herod. II 136, in dem verbaladjectiv homer. Svoaro? II. / 1(54. 
Mediale formen einer pracsensbildung der «wurzelclasse wie oroom (Od. 
Q 378), uvond-ov^ ovo(Ttii-, imperf. uirono, (ovoa&ov ^ lovondrjv, lovonS^e, iniper. 
oroao, orön,9o), intin. ovoadcxi hatten au<'h ihrerseits, auf ovoS- beruhend, 
-n- aus -an- und -a!f- aus -*Sa9-- (oder -*öd--). Diese aber wurden wie 
(ioUaai, SiSoa9or, SiSoads u. s, w. aufgefasst und führten so zu den naeh- 
bildungen von einer basis oro- : ovoyTUL Od. tp 427. Herod. II 167, ovoi.ro 
II. A^ 287, Od, ^ 231), divoro II. P 2b nach I. Bekkers herstellung (codd. 
oiyaro, was kaum zu rechtfertigen), xar-mvorTo oder -ovovto Heroii. II 
172, adj. verb. ovotÖ; Find. Isthm. I 4 (3) , 85 nebst Svordt^w denora. 
Im indo-iranischen sind Vertreter von indog. nod- sanskr. ndd-äml 
'brülle, schreie', ein ppaesens also wie griech. o&-ojuai, näd-ä-s m. 



— 395 — 

bei Delbrück altind. vei'b. § 11 s. 27; ferner ebenso die reihe 
Yüu vcil. vld\re , dadli\re , jagybh\re , dadrg\re , pasprdh\re, 
cäkIp\rS, änaj\re, tatas\re, vävak\re, vavac\re, gäcad\re, cikit\re, 
pipicre, riric\re, viüij\re, vioid\re, vivlp\re, duduh\re, nunud\re, 
muinuc\re, yuyvj\re, rurudh\re und andererseits ved. tas\thire, 
cak\rire, jag\mire, jajnire, saccire, tatakshire, tat\nire, dadh\- 
rire y dadhanrire , jahlirlre , üuvak\shire , mimik\shire , sowie 
sedire aus *saz\dire, i/etire aus *yc('i/'tire^ ijemire aus *//ai/\nilre 
(nebst den nticlibildungen dieser ved. hhejire, rebJiire, lebhire) 
bei Delbrück ebend. § 120 s. 77. Allemal, wird man finden, 



drühneii, brüllen, schroion' , avest. iiad-cht-ö partic. praos. plur. acc. 
'dio verschiiiälier', na'nlli-ijaitli- ni. 'vorächter'. Aber ilas reduplieierto 
praesens altind. iii-iid-üini wul'do, indem man es wie die nasalinfigieren- 
den bildimgen von e'rx- (aix-) wurzeln vindü'mi , sincä'mi, piiitcawi, 
linipumi, chiinhta, jJf't^fU-c-pi'l'shal (vergl. Brugmann morphol. unters. 
III 153 f.) zu verstehen begann, der anstoss zur folgerung einer wurzel- 
form nid-, }ied-; daher denn ved. nid- f. 'spott, sohmähung, schmach, 
Verachtung' und nid- 'scliniähend' in deva-nid- , tvä-nid- , ved. nid-ä 
f. 'schmacir, ved. ninid-ür perf. , nid-ünd- partic. med,, nid-yd-mäna- 
partic. praes. pass,, ni-nit-sät desid. und ved. d-ned-ya-s adj. 'untadelig'. 
Nun konnte auch die ursprüngliche 1. plur. perf. act. *na-nd-ima zu 
nindinia rgv. I IGl, 1 werden, indem auf sie der einfluss der gleichbe- 
deutenden jüngeren seitenform ni-nid-md (vergl. ni-nid-ür rgv. X 27, 6) 
und des praesens iiindämi sich erstreckte. Nochmals wieder vorgefügt 
ist die reduplication ni- bei den nachvedischen perfectformen ni-ninda, 
ni-iiinditha, oder auch es sind diese einfach, wie ved. ä-nindishur aor., 
nindita- partic, ninditdr- m. nom. ag., nindya- adj. 'verächtlich, ver- 
achtungsvvert', nachved. nindlslnjati fut., von der nachgerade als wurzel- 
haft empfundenen basis nind- des alten praesens nind-ämi hervorge- 
gangen. Das misverständnis aber, welchem das diesem letzteren zu 
gründe liegende indog. ni-nd-ö unterlag, um mit nasalinfigierenden 
praesensbildungen auf eine linie gerückt zu werden, war allem anscheine 
nach schon vor dem sondorleben des sanskrit in indogerniauischer ein- 
heitszeit erfolgt, da wir dio fruchte davon auch sehen an „griech. 
o-vfiS-o; n. 'schmähung, schimpf, o-vstS-l^w 'schmähe', lett. md-ii aor. 
'hasste, neidete', nid-et infin., ndid-s , "i-näid-s m. 'hass , feindschaft', 
naid-ig-s adj. 'feindselig', got. ya-nait-jan, ahd. neizen 'schmähen, 
lästern', got. nait-ein-s f. 'lästerung', schwed. nit n. 'zele, ferveur, ardeur, 
affection'" und den übrigen Wörtern, die von mir morphol. unters. IV 
325 als Zeugnisse einer mit -t- auslautenden nebenwurzel aufgezählt 
wurden. 



— 396 — 

gehört, wie ich es durch beigesetztes | angedeutet hnbe. bei 
vorhergehender kürze der hetzte consonant des stammes aus- 
spraclilich nicht zu einer und derselben silbe mit dem an- 
fangsconsonanteii der personalsuffixe -nid, -re; daher bh'oben 
diese -in-, -r- als einfaclie anlaute der schlusssilben und nichts 
anderes schlechthin consonantisch. wie sie es von anfang an 
gewesen: v'uhnä, vidre aus vid\mem, 'üid\räl. Indem aber 
z. b. bei einem urindog. *pep\trdi die Silbentrennung *pep\- 
träi oder auch strenger genommen peptrdi (vergl. oben 
s. 20) war und der wurzelschluss -t- in den silbenaiilaut 
kam, entwickelte sich aus dem ihm nachfolgenden und jetzt 
nicht mehr selbst silbenanlautenden -r- consonans dessen 
sonantisclies element; daher pe2)\trrdi -- altind. paptire. 
Wegen sanskr. -/r-aus*-rr- sind erscheinungen zu vorgleichen 
wie die aoristpraesentia kirdti, girdti, tirdti, das nomen gir'i-sh 
m. 'borg u. ähnl. 

Wie vereinigen sich mit denjenigen, die doppelconsonanz 
vor den endungen -imd, -ire haben wie paptire^ die zwar 
einfach consonantisch im stamme auslautenden, jedoch bei 
monophthongischer vocallänge die „schwere" der stanmisilbe 
erreichenden: ved. ärimd, ücimd^ Udima, dadächnd, suslmdima 
und tjire, vaväcire , ühire, irire , tdhire, irire, jihiUre? Hier 
hat man wol, im anschluss an Sievers Paul-Braune's beitr. 
V 161 f., seine Zuflucht zu der Voraussetzung der ausspräche 
mit ci r cumflectier end er bctonung oder zweien 
silbengipf ein zu nehmen. AVurden tjire, ühire als tjire, 
'ahire oder gleichsam mjhre, üü\hire gesprochen, so brachte 
der lange vocal {i-, ii-) doch auch seinerseits den einsatz der 
folgenden silbe mit dem dahinter stehenden wurzelschliessen- 
den consonanten so mit sich , wie dies bei päp\tire die an 
seiner stelle befindliche combination von kurzem vocal und 
einem consonanten (-cqi-) tat. 

Um auch in ved. ücishe von nc- 'gefallen finden', ncishe 
von vac- 'sprechen', npishe, nhislie (Delbrück altind. verb. 
§ 57 s. 46) das -i- als phonetische entwickelung aus dem 
zischlautgeräusch des -s- aufzufassen und z. b. ücisM etwa auf 
ein ri,\k-9säi der indogermanischen grundsprache zurückzu- 
führen, gibt uns die besondere veranlassung das auftreten 



— 397 — 

des doch wo! nicht verschiedenen -/- in dem „-/s//- aorist": 
snnskr. a-i^ed/sJiain^ a-hodlnslucm. Denn zur ansetzuiif^' schon 
grundspracliliclier (e-)veiddsm, {e-)hheudhdsin berechtigt hier 
docli wol die von J>ruginann niorphol. unters, III IG ff. 
(vorgl. auch Jak. Wackernagel Kuhns zeitschr. XXV 200, 
BrugniiUin Techniors inteinüt. zeitsclir. f. allgein. spracli- 
wissensch. I 239. her. d. kön. sächs. ges. d. wissensch. 
pliiloL-histor. cl. Leipzig 1883 s. 177) erkannte und fViiclit- 
bar gemachte gleichung (a-)re<lish(im =- griecli. liomer. 
(Fjcw'ciV". (aiigmentiert *?;-Ff/iV.-'/. = att. ijdi]). Denn eine 
hindeutung darauf, dass aucli hier das erscheinen des 
-/- mit vorhergellender „schwerer" Stammsilbe zusammen- 
hänge, wird man vielleicht in dem umstände zu erkennen 
haben, dass dieser sanskritische „-wA- aorist" bei auf geräiisch- 
laut schliessenden wurzeln durchweg „guna" als ablautstufe 
hat (Whitney ind. gramm. ^ 899 b. s. 310). Da der sigma- 
aorist als zu den Systemen der ;;?/-conjugation gehörig von 
hause aus auch die bekannte wurzehibstufung dieser zwischen 
sing. act. einer- und dual. plur. act. und medium andererseits 
haben nuisste (de Saussure syst, primit. 191, Job. Schmidt 
Kuhns zeitschr. ]^XY 600, verf. morphol. unters. IV 37. 80. 
390. Paul-Braune's beitr. VIII 552), so stellen sich sanskr. 
a-vedishmu act. .* ved. a-vitsi med., a-bodJdshaui act. ; ved. 
d-hhntsi med. als ganz reguläre abstufungsverhältnisse nach 
altem princip dar und sind sowol die medialfoi'men a-vedish/\ 
a-bodhisJii für spätere neubildungen nach dem sing. sict. zu 
halten, als auch von den activischcn dual- und pluralfoi-men 
(i-rediHhra a-redisJuiia , a-J)odh'nihra a-hodJiisJtma zu erkennen 
ist, dnss sie die Substitute ältei'or *ä-v/fsra *ä-vitsiiia , *ä- 
hhutsva *ä-hhntsii)a sind. Tatsäclilich wnhrt denn auch das 
griechisehe bei seinem „-/.s//-aorist" *r/-Fiiiha ijdi] dieses alte 
stammabstufungsvei'hältnis, in sofern hier die dual- und plui-al- 
formen att. /^aror, ijari]i', fjni.itr, /yTri-, rjnay als regelrecht aus 
*rl-Fid'orni'^ *i]-FiiioTäv, '"^'ij-Fuh/ff-r, *>j-Fid(ire , '^'/j-Fidorxi' ent- 
standen anzusehen sind und insbesondere das augmentlose 
homer. mar (II. J 405. Od. 772. r 170. V 152) aus *Fn)<7av 
und dessen genaues germanisches pendant got. irissun anord. 



— 3!)8 — 

vissu ags. wisson alts. alid. nnssun^) für die richtige er- 
sehliessuDg des sanskr. *d-vitsrni als der alten 3. plur, zu dem 
Singular a-vedisham und der durch a-vedishnr verdrängten 
erbform eintreten. 

In phonetischer beziehuiig, d. i. was die annähme oder 
verschmäliung des I)iiidonden -/- vor dem zischlaut anbelangt, 
würden sich nun aber eben, vorausgesetzt dass die vorstehen- 
den (hier leider nicht weiter zu führenden) erörterungcn über 
den „isA-aorist", das lichtige troffen, die langsilbigen vedisch- 
sanskritischen perfectformeii ficislu' , ucishe , vpislie , ithishe 
so zu den kurzsilbigen ved. rir/ksJif, vioitse, dadrkshe (Del- 
brück a. a, o.) verhalten , wie das in der wurzel Inngsilbige 
a-vedishani homer. (/•')fi't)>ß zu den bei kurzer Stammsilbe des 
bindevocals ermangelnden sanski-. *d-vitsan. med. a-vifsi\ homer. 
(^Fyi'oav^ got. fcissun. Somit dürfte nun auch mein oben 
s. 214 über den „-/.s/i-aorist" im sanskrit gefälltes urteil, dass 
„die „-?W/-" formen, von hause aus auf den sing. act. des 
indogermanischen s-aorists beschränkt waren", näher begründet 
erscheinen. Und ich hätte hier dieser bemerkung als ein- 
schränkung nur hinzuzufügen, dass immerhin in dem falle, 
dass die tiefstufigen formen des duals und plurals act. und 
des mediums des aoristes nebentonig-tiefstufig mit den längen 
indog. r, /7. '. /, iTi n, erschienen, dann freilich auch in diesem 
formenbereiche die entfaltung des sanskr. -/- vor -s/t- wol 
von anbegiun der altindischen spräche vorhanden sein mochte: 



ij Icii heliüllc piiier spiltoreii Untersuchung voi- zu zoigon , wie 
lind welche bausteino der indogermanische sigmaaorist der germa- 
nischen spraelie für den uufbau ilires seliwaclien p rao t eri t n m a 
geliefi'it liiit und in wiofcrii zur erkliiruiig des letzteren allerdings von 
solehen ents])reehungeii wie got. wissum = griech. *rj-J^i'^{tifr ü'yfv, 
got. in'ssun ^= homer. lam' einer der ausgangspunkte zu nehmen ist. 
Nur das deulo ich schon hier vorläufig kurz an: nach dem schema der 
ererbten aoristformen irissiim, in'ssiiii neben dem -to- particip german. 
jriäsu- (gor. ini-iris anord. afries. alts. in'ss ags. le-wis ahd. gi-icis) = 
indog. vidtö- sind meines eraehtens die praeteritalformen german. 
n a s i ä II VI (' , ii a z i d k n -^ ahd. »rri/ii»i,iicrrfiiii , alts. ncridini, ags. 
veredon zu dorn -to- particip gerjiian. n a z i äv - {ii\\i\. (/i-nfril alts </i- 
nerid n'Xf^.ncred got. >u(sips) entsprungen. 



— 899 — 

die satzzwillingsformen dor historischen sanskr. ved. a-vifsi, 
d-bhutsi, ein altiud. *ä-vUlis}ii^ *ä-biuiJtis]ii würden auch ilircr- 
seits das -ish- lautgesetzlich haben Icönnon wie die 1. sing, 
act. a-vedisliam ^ a-hodhishmit und wie im pcrf. med. jene 2. 
sing. ved. ucishe, ifclslie, ilpisJte, ühishe. 

Für -imd in ddimd , ved. pa^JÜma u. dergl. sollte man, 
wenn anders die form nach unserer theorie ein indog. 
pe ptn)))i(' III i'eflecticrt, unstreitig *-aiiid erw'arten: ''ühhiind^ 
*]><iiitamd. So w^eiseii ja griccli. -«//fj' von ^Idijöaufv in der- 
selben 1. plui'. porf. act. und got. -vin von (ium^ sPtmii ihrer- 
seits normal den einzelspracliliclien reflex der nasalis sonans 
auf. Und ferner, wenn für die deelinatiou der -man- und 
-?;rt»-stänmio im sanskrit hinsichtlich ihrer scjiwachen casus 
mit vocalisch anlautenden suftixen die regol gilt: „Nach dem 
III oder V der suffixe iiniii oder van bleibt das a, zur Ver- 
meidung allzugrosser consonantenhäufung . erhalten, wenn 
(dem 1)1 oder r) noch ein anderer consonant vorhergeht" 
(nach der fassung Whitnexs ind. gramm. § 421 s. 151), so 
stehen ja offenbar die betreffenden Casusformationen wie 
sanskr. hrdlimau-d^ hrdluiian-e, brdhiiniii-as, brä/tniandm auch 
ganz unter unserem indogermanischen gesetz von entfaltung 
des übergangsvocales nach langer silbe. Mit vollem recht 
setzt daiier auch schon Brugmann liter. centralbl. 1882 no. 
11 sp. 360 das -an- in diesen brdhinan-d , brdlunan-as 
u. s. w. = indog. -nn-. Also wird nun auch für sanskr. 
-imd der 1. plur. perf. act. und für -imdhe der entsprechen- 
den medialform notwendig zu statuieren sein, dass ihr -/- statt 
*-«- durch eine ausgleichung mit der qualität des entsprechen- 
den bindevocalcs in den medialendungen -ire und -ishe her- 
beigeführt w^orden sei. Ebenso wenn die Inder ddivd in der 
1. dual. act. sagten, muss dieser form ein *ddiivd = got. etil 
(aus german. etuive) vorausgegangen sein. 

Auch sonst ist noch keineswegs, selbst im rg-veda nicht, 
so klar auf der sprachstufe dieses ältesten denkmals das 
gesetz über das bindevocalische -i- des perfects durchblickt, 
alles in alter lautgesetzlicher Ordnung. Ich erwähne hier 
namentlich noch zweierlei ausschreitung von dem , was man 
lautgpsetzlicher seits zu erwarten hätte. 



— 400 — 

Es muss seinen besonderen grund haben, dass mehrfacli 
wurzeln auf auslautendes -d- gegen das gesetz Verstössen 
und auch nach kurzer Stammsilbe von dem -i- gebrauch 
macheu: im rgveda liegen von r//«/-, rä-, ]. pd- 'trinken und 
3. mä- 'messen' vor dadkima dadhire dadhishe , rarinid 
rarishe , papire , mamire. Diese ausnahmen werden zu nur 
scheinbaren, wenn man die formen entweder, was das ein- 
fachste sein wird, als analogiebildungen nach fasihinia, 
tasthishe (unbelegt), tasthire von .s^/id- ansieht oder auch 
von den alten bei nebentoniger tiefstufigkeit der wurzel 
reduplicationslosen *dhi-mä und dhi-re (rgv. I 166, 10. VIII 
28, 5. 1X68, 1) und dhi-she (rgv. I 56, 6. 70, 9. X 21, 3), 
*ri-md *ri-sJi(', *pi-re, *mi-re ausgehend vor diese die redu- 
plication wieder vorgeschoben sein lässt (vergl. oben s. 46. 
53). Die letzte dieser beiden möglichen erklärungen würde 
sich mit der Delbrückschen altind. verb. § 147 s. 120 be- 
rühren: „Das / nun bei den wurzeln auf d hat einen anderen 
wert als bei allen anderen, es hat ja den verlorenen wurzel- 
vocal zu ersetzen, oder ist vielleicht — worüber sich nichts 
gewisses sagen lässt — aus iiun entstanden." Dass übrigens 
die berufung auf den ..wurzelvocal" nicht schlechthin allein 
aushilft, ward dadurch bewiesen, dass, wie ja aucli Delbrück 
erwähnt, „eine einzige ausnähme, die überdies auf einen hym- 
nus [rgv. X 82, 5. 6 | beschränkt ist, existiert in dadJire von 
dhd (vgl. § 120)." Diese dritte vedische form der H. plur. 
perf. med. von dJid- ist der regelrechte alte satzzwilling zu 
dhi-re und da-dh-re auch normal bei „leichter" silbe des 
perfectstammes des zwischenvocales -/- entbelirend. Auf 
keinen fall werden wir, wenn wir selbst in ta-stJi-iina, iu-sth- 
-ire die geltung des -/- als reduction des wui-zelhaften -d- 
leuo-nen zu müssen glauben , die ansieht für durchführbar 
halten, die neuerdings Bartholomae literatur-blatt f. oriental. 
philol. I 18 f. über den „binde vocal" der endungen sanskr. 
-imä^ -ire äussert: es sei derselbe nichts als „die schwache 
form eines ausl. wurzelhaften d, die von den wurzeln auf d 
aus durch analogie auf die mit consonantisch anl. suffix ge- 
bildeten formen der übrigen wuizeln übertragen wurde." 



— 401 - 

Vcciische bildungen der 2. sing. porf. med. wie jajnishe 
\on Jan-, t(d)iishe von tau- dem erbtume aus indogermanischer 
zeit zuzurechnen sind wir wol kaum Irgendwie berechtigt. 
Es ist bei der gerüuschlautnatur des s und dem sonoren 
Charakter des nasals daneben schwerhch eine andere Silben- 
trennung als te\tn\säi für die grundsprache vorauszusetzen, 
wobei dann, wie man sieht, der nasal nur sonantisch sein 
konnte. Also ein *ta-ta-se als der altindische reflex von 
griech. rs-ra-Gui ist wol unbedingt zu fordern und jene 
jajnishe., tatnishe sind als nachschöpfungen zu den foriuon 
wie jajn-e^ jajn-w\ tatn-f aufzufassen , sowie khirlich nacli- 
vedische formen wie nbinishe, ji<jijishe auch nur hinter niinjur 
ninye, jigyiiy jigye analogisch entsprungen sein kihmen (verf. 
morphol. unters. IV 69). Dieselbe annähme seheint ja auch 
der parallelisnms der vedischen bildungen der gleichen perfect- 
form 2. sing. med. von wurzeln auf -r- einzig notw^endig zu 
machen, nemlich die analogie von ved. ca-kr-she, va-vr-shr 
(Delbrück altind. verb. § 57 s. 46\ Nur ved. imprlshe rgv. 
X 73, 8 und Jabhrishe rgv. IX 86, 29. 100, 9, für die aber 
Delbrük a. a. o. ich weiss nicht worauf gestützt auch papr- 
she, jahhj-slie liest, sind so wie jene jajnishe., tatmshe be- 
schaffen. 

Auch bei dei- 3, plur. med. auf -re stehen sich vedisch 
zvvci verschiedene bildungstypen gegenüber. Nach jajn-ire 
von jan-, tatn-ire von tan-, jagm-ire von gam-., ferner nach 
cakr-ire , dadhr-ire, jahhr-ire von kar-, dhar- , hhar- müsste 
es "'juhv-ire von Juw- giessen' heisseu. Statt dessen liegt 
vielmehr xeä.jidi/i-re vor, nach welchem seinerseits hinwieder- 
um dort die formen ^jaja-re, *tata-re, yaga-re und ^'caki-re, 
^dadhi-re, *jahhi-re aus ^cakr-re u. s. w. zu erwarten wären. 
Ich merke hier nur einfach diese differenz der bildungs weisen 
von jajn-ire und juhu-re an, da erst weiter unten in anderem 
zusammenhange meine Vermutung über das historische Ver- 
hältnis beider zweckmässig begründet vorgetragen werden 
kann. 

Ich finde noch nirgendwo angemerkt, worauf docli hier 
auch noch besonders hingewiesen werden mag: l)etreffs der 
anknüpfung der starken form des partic. perf. act. -rduji^- 

Ust.liof't', 7,iir ge.scluclito d. porfccls i. iiidnyprriiaiiisi/ljeii. 2(3 



— 402 — 

(und der sogenannten mittleren -vüt-) an consonantisch aus- 
lautende perfectstämme regelt in der spräche des rgveda den 
gebrauch und nichtgebrauch des bindevocalischen -i- fast in 
allem genau dasselbe princip, wie bei den personalendungen 
-iiiä, {-nidJie), -re, -se. Das betreffende formenmaterial nebst 
den belegen zählt Delbrück altind. verb. § 229 s. 234 ff. auf, 
wo nur sehr weniges wie ved. sam-vavrtvät rgv. V 31, 3, 
rarivän rgv. I 138, 4 übersehen zu sein scheint. 

Nach kurzer stanmisilbe steht ausnahmslos -vrims- 
ohne -/- in diesen rgvedischen beispielen: cikit-vän eikit- 
vämsas cikit-räs^ calk-vämsam, jujnsh-vän, dad-vmi, dadac- 
vän (von danic-), dadrc-vdn, dadas-vän^ dadhrsh-väti, iMpush- 
vän, ririk-vämsas, ririh-vämsam, rnriik-vän, vavrt-vät, vävrdh- 
vämsam, invik-vän, vid-vän vid-vumsam vid-vämsä vid vämsau 
vid-vämsas , viirkl-vän^ cucuh-vän , säsah-vän säsah-vdmsam 
säsah-vämsas, tastabh-vämsam, sushup-vämsas. 

Der gebiauch des -i-rdms- ist im rgveda auf die Stellung 
nach langer Stammsilbe beschränkt. Also in iy-ivämsam, 
ok-ivämsä (keine „unregelmässige perfectbildung von mc" nach 
(i rassmann wörterb. z, rgv. 304, wenn man Zusammensetzung 
aus *u-ukiväms- annimmt), jajn-ivän (von Jnä-), papt-ivämsas^ 
d-prosh-ivän (= ^ä-pra-nsliivän von 5. vas- 'verweilen')^ iasth- 
ivän tasth-ivämsam tasfh-ivämsas tasth-ivämsd. 

In der ausnahmestellung befinden sich, in sofern sie 
nach kurzer silbe das -i- zeigen, auch hier wieder nur die 
bildungen von wurzeln auf -d-: pap-ivdn pap-ivämsam pap- 
ivämsd, yay-ivän, rar-ivän (comp, ä-rarivdn). Wir werden 
sie, dem s. 400 gesagten gemäss, schlechthin nur als die 
analogieschöpfungen nach den ents])rechenden so häufig ge- 
brauchten formen von sthä-, wegen papaü papüiha , yayaü 
yaytWin und rarau rarätJia wie tasthaü tasfhcitha, auffassen. 
Di('ser ausgloichung wusste sich dad-vän rgv. X 132, 3 von 
der ja nicht minder häufig zur auM-endung kommenden wurzel 
da- 'gebon' ebenso zu entziehen, wie ved. dadh-re 3. plur. 
med. peif. von dJid- neben der neubildung dadh-irS erhalten 
blieb (s. 400). 

Brachten dio langsilbigen wie ved. papt-ivän^ tastli.-ivän^ 
nachved. dd-ivd)i lautgesetzlich den vermittelungsvocal zur 



— 403 — 

entfaltung, so docli ohne zweifcl nicht in der liistoriscli vor- 
liegenden qualität als -i-: vor -v- = indog. -u- konnte nur 
-u- anaptyktisch sieh einfinden. Also auch das -/- von -ivdms- 
ist übertragen von -i/v', -ishe, sowie nach denselben mustern 
-imd 1 . plur. act. statt *-aiuä sich neu bildete und wie ins- 
besondere ein sanskr. ad-ivd 1. dual. act. für "^ad-uvd = got. 
Hu aufkam; vergl. s. 399. Beim -ya^^s-paiticipium ver- 
treten die formen ved. dacnvun , ddcuvämsam, ddguvämsas, 
die nach Grassmann wörterb. z. rgv. 598 niotri causa an 
meiireren rgvedastellen zu lesen sind , den lautgesetzlichen 
zustand; für ddcnvän rgv. I 150, 1 hat erst die parallelstelle 
des samaveda I 2, 1, 1, 1 die form mit dem jüngeren -i- 
dägivän. So würde sich auch in dem zum adjectiv gewordenen 
ved. oldvdms- gefallen findend' rgv. VI 59, 3 das von Collitz 
Bezzeubergers beitr. III 20G und Whitney ind. gramm. § 462 d. 
s. 165 nicht verstandene unterbleiben der palatalisierung 
schon allein dadurch rechtfertigen , dass eben olciväms- nur 
früheres *oh<rä))is- veitritt. Übrigens aber musste auch die 
dem partieiplum ohiräms- das -/- anstatt -u- liefernde 3. plur. 
med. lautgesetzlich nur als '^tlkire mit intactem volaren gut- 
tural erscheinen, so gut wie in altind. gir't-sh 'berg', girdti, 
Järdti praes. das relativ spät aus r entstandene -/- keine 
paliitalisiereude Wirkung hat ausüben können ; vergl. Collitz 
a. a. 0. 205 f., Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 68 (im 
Widerspruch mit desselben gelehrten falscher auflFassung ebend. 
s. 81. 85). Sowol einem ficire, wenn so die (nicht belegte) 
3. plur. med. historisch lautete , als der participforni ved. 
ncushe rgv. I 103, 4. X 33, 6 kam der palatal nur von dem 
praesens ncyatl. 

Unter den sechs schwcrsfämmigen vedischen particip- 
formen mit -iväiiis- selbst hat ferner gar noch sicher eine, ri/- 
-ivärns-^ die neubildung nach olx-ivcims- , papt-iväms-, d-prosh- 
-ivdms-, tastli-ii'dnis- zu sein. Indem -iväms- in diesen letz- 
teren als zu den von hause aus sonantisch anlautenden 
euduugen gehörig empfunden ward, knüpfte die spräche bei 
der Schöpfung des hj-wäms- ohne bedenken an die ante- 
sonantische Stammform, die in hj-atltur lij-dtur uj-ür und be- 
sonders auch in der schwachen Stammform des participiums 

26* 



— 404 — 

ty-üsli- selbst galt, an. Eigentlich v/äre *i-vdms- zu erwarten, 
sowie wir ja oben s. 130 nur ein indog. I-mem, nicht ti- 
mmem = sanskr. ty-ima^ als ursprüngliche form der 1. plur. 
perf. act. von ei- 'gehen' erschliessen zu müssen glaubten. 

Ob ved. jajn-iuän von jnä- den „bindevocal" von alter 
zeit her habe oder ob dafür als ältere form ein *jaja-vän = 
indog. <ß eg'^n-uos, wie ved. sasa-vän von scni- und griech. 
ßi-ßa-(F)Mg zu ßah'oi. beziehungsweise ein *j(ijan-vän = indog. 
g^ey^n-uos^ nach massgabe der ved. takin-vän von tan-, 
vavan-vän von van-, jagJian-vän von han- , Jac/an-vän von 
(/am- (Brugmann morphol. unters. II 211 f.), zu postulieren 
sei, ist dieselbe frage wie diejenige nach dem Verhältnisse 
von tat)t-ire, cakr-ire und andererseits Jtihu-re {s. 401), kann 
also ebenfalls erst an späterer stelle dieser Untersuchung zur 
entscheiduug kommen. 

Dass die regel der anwendung des -/- bei langsilbigen 
und der nichtanwendung desselben bei kuizsilbigen ungetrübt 
bleibt, selbst wenn associative neuschöpfungen zu dem ur- 
sprünglichen bestände der langsilbigen diesen vermehrend 
hinzukommen, tritt uns ausser an ved. nj-iväms- auch an den 
im rgveda vorhandenen formen des veibum finitum vavandima 
vavandire, yuyopwiä entgegen. Diese sind ja ilirem wurzel- 
vocalismus nach sicherlich neubildungen; vergl. oben s. 53. 
Doch aber sehen wir auch sie mit der wähl der form ihrer 
personalendungen ohne weiteres in das geleise dei- wie sie 
langsilbigen stamm habenden eintreten, niclit in dasjenige 
von yuyujma, tatasre, welchem zweifelsohne die verdrängten 
Vorgänger jener in den vedischen lautformen *vavadmd *ca- 
vadre, *yuyupmä gefolgt sein werden. 

Wenn wir zum griechischen uns wenden, so findet 
hiei- das Delbrücksche gesetz über den zwischenvocal -/- bei 
den vedischen perfectbildungen ein merkwürdiges analogen 
au dem princip, welches das auseinanderfallen der sonst 
morphologisch zusammengehörigen nasalen praesensbildungen 
in die zwei gruppen auf -v(o und -äru) regelt. Einerseits 
d(v/.v(<), y.nnv«), TdjLiVd) (Tt/Livio)^ da.f.iv(i) (= düiirij/iii). Aber bei 
denen, die -äno ansetzen, „ist die Stammsilbe durchweg ent- 
weder von natur oder durch position lang" (Curtius verb. d. 



Jt 



- 405 — 

griech. spr. I- 255). Das gilt zunächst selbstverständlich 
für die zugleich innere nasalierung vor schliessendem geräusch- 
laut der Wurzel darbietenden: üvöüvm ^ y()i\u7i(a'io , öuyy.ävM, 
£Qvyyäv(i), ^lyyai'O), y.?Myyuv(o^ ex-y.oayyavd), y.wddvio, Xay/avio, 
Xaf(ßäi'io if Xai'd^aviü , Xiiinav«) , Xvyyavoi-iai , /.lavS^avu) , nuvdärd) , 
TTvrdnvo/.iai , Tvy/cci'io , (fvyycti'io , (fXvvSdvu) , yavSävM (Curtius 
ebend. I- 261 ff.). Aber auch die grosse menge dei' übrigen 
in der wurzel nicht nasalierten, bei Curtius verb, d. griech. 
spr. I- 263 ff. aufgezählten fügt sich; also ahj&drouat, dXffdi'(o, 
auaoTavco , av^dvco, Jap^arw, an-s/ß'uvouai , yev&avco, y.vdartOj 
X/]&drcü , olddvio, ocpXdvu) und wie die übrigeu alle heissen 
mögen, die nach allgemeinem einverständnis (vergl. Curtius 
verb. d. griech. spr. I^ 252 ff., Fritzsche Curtius' stud. YII 
387 f., Brugmann morphol. unters. III 151 ff., Gust. Meyer 
griech. gramm. §§ 501 ff. s. 386 f.) die jüngere schiebt gegen- 
über jenen den eingesetzten nasal enthaltenden ausmachen. 
Es drängt sich naturgemäss der gedanke eines causalen 
Zusammenhanges mit jenem gesetze Delbrücks auf. Auch 
die Xi^undvw und yrdavo) wird also die abweichende Silben- 
trennung der grundformen "^Xuinnvio^ "^y.i^önvio m den phone- 
tischen gegensatz zu Ja'xji'w, ydiL\vo)^ rturw, duiivw gebracht 
haben. Der umstand aber, dass ein grosser teil der griechi- 
schen verba auf -dno entschieden unursprünglich ist, das -dno 
bei vielen wie y.sv9--dvu), lay-dvo), dZ-dvco, uf.iaoT-dvio, dXvoy.-dvco 
offenkundig nur als secundäre „erweiterung anderer praesens- 
stammclassen" auftritt (Curtius verb. d. griech. spr. I- 255, 
Brugmann morphol. unters. III 151 anm.), würde noch nicht 
gegen die erklärung des -«- von -d-vco als einer stimmtonent- 
wickelung, die nach einem bereits indogoimanischen gesetze 
erfolgt sei, sprechen. Ganz ähnliches wie das , was wir so 
eben für die rgvedischen perfectischen neubildungcn vacandiiHa 
vavatidire, ymjopinul, Uj-iväms- constatierten, könnte hier in 
weiterem umfange auf griechischem boden geschehen sein. 
Es brauchten nur die praesentia auf -dnu mit innerer 
wurzelhafter nasalierung , die ja wie &iyydvio , Xiundvio, 
nvv&dyojLiai, cpvyydno, yavüdvto sicher nach ihren aussergriechi- 
schen entsprechungen zu urteilen von uralter zeit her das 
nasalinfix hatten (Curtius verb. d. griech. spr. I- 253, Fritzsche 



— 406 — 

a. a. 0,, BrugmaDn morphol. untors. III 150 f.) und von 
denen aucli sonst noch eine grössere zalil alte erbbildungen 
so wie jene sein können, den -di'io-tjims ihrerseits in vor- 
griechisclier zeit entwickelt zu haben: das genügte, um für 
den fall der nachschöpfungen ein gofühl der sprechenden zu 
befestigen, dass mit dem gebrauche des erweiternden -dvco 
schwere Stammsilbe hand in band zu gehen habe. 

Beiläufig: wenn Brugmann morphol. unters. III 151 
anni. über die secundäre und ohne innere wurzelnasalierung 
die bildung -uvm an anderweitige Stammbildungen anfügende 
gruppe bemerkt: „Von wo dieses -dvio seinen ausgang ge- 
nommen hat, ist noch nicht hinreichend aufgeklärt", so scheint 
mir folgendes nicht undenkbar. Zuerst hat wohl in den 
beiden fällen nwdä.vo): nsvnto ey.svaa y.ty.ev9^a^ Xuvd-uv(o : Xijoco 
sXijoa XbXrjda eine ausgieichung des praesens mit dem voca- 
lismus anderer tenipora vor sich gehen können, wodurch 
Hsv&dvio und X->]&drw^ beide schon homerisch (II. J' 453. Od. 
-?; 221), zu stände kamen; y.vyd^dno nemlich wird man, obwol 
es nur durch die hesychische glosse xvi'ddvbi ' Hovmsi be- 
zeugt ist, darum doch keineswegs notwendig mit Gust. Meyer 
griech. gramm. § 502 s. 387 für eine der späten analogie- 
bildungen zu halten brauchen, da es ja allen formalen an- 
forderungen an Zugehörigkeit zu der primitiveren bildungs- 
schicht genügt und Ilesychs lexikon neben vielem jungen 
bekanntlich doch auch sehr altes sprachgut verzeichnet. Dar- 
nach nun waren, gemäss dem Schema von y.sv9^dvio : xsvd^io, 
XTjd-dvM : XrjdM^ alsbald sehr viele andere praesentia auf -(o, 
aXrpto, d^r^yd), "^(o, ko/co, a'C(o^ nXvGxoj^ avi(o, aia9^o/Liai, e/ß^o^iai, 
SQvy.M u. s. w., der Umbildung in längere formen auf -dvio 
fähig. Und neben manchen der letzteren mögen dann auch 
die älteren kürzeren mutterformen, wie *dfidor(o, '*ßXdoTco^ wie 
*(pv^co (= lat. fi(gio) neben d/.iaordp(o, ßXuordvto, (fv^avio 
(Hesych.), obsolet geworden, beziehungsweise die imperfecta 
jener, wie bei rjiiunTov^ sßXuorov ^ im gebrauche zu aoristen, 
nomlich wegen ItXad-ov : Xavd-uvo), bXniov : Xif.tndvw^ ecfvyov : 
(fvyydvw, iTJvd^ö^itjv : ■nvvddvo/.iai u. dergl., verschoben wor- 
den sein. 



— 407 — 

Auf die merkwürdige Übereinstimmung der armenischen 
spräche mit der griechischen , in sofern jene ihre praesens- 
bildung auf -aneni dem -ni'oi dieser gegenüberstellt, ist des 
öfteren schon aufmerksam gemacht worden. Vergl. Bopp 
vergleich, gramm. § 496 11^ 358, Gust. Meyer d. mit nasalen 
gebild. praesensst. d. griech. 102, Hübschmann Kuhns zeitschr. 
XXIII 406. armen, stud. I 94, Curtius verb. d. griech. spr. 
12 251. Es genügt hier, erstens anzumerken, wie auch unter 
den armenischen bildungen der grundstock offenbar solche 
sind, deren Zusammenhang mit der nasalinfigierenden classe 
in den anderen sprachen evident ist: armen. Wanetn 'ich 
verlasse' = griech. Xifindv«)^ sanskr. rinäcmi rincmäs^ avest. 
irinakhtl, lat. linquö; armen, gtaneni 'ich finde' = sanskr. 
vindämi, avest. vindenti^ altir. ßnnaUn cognosco'; armen, he- 
kanem 'ich zerbreche' =^ sanskr. bJumdJmi bJianjmäs, altir. 
com-hoing 'confringit*. Ferner steht in lautlicher beziehung 
fest, dass auch die armenische lautgruppe -an- hier wie die 
entsprechende und gleichlautende griechische auf einem indog. 
-nn- wol beruhen kann; vergl. vorf. morphol. unters. I 114 ff., 
Hübschmann armen, stud. I 58. 71 f. 78. 82. Dass in ihr 
noch das gesetz, nach welchem sich die praesensstammbildende 
nasalis consonans grundsprachlich in -nn- mit entfaltung des 
sonantischen elementes „spaltete", zu erkennen sei, kann von 
einer so verwitterten spräche, wie es die armenische tatsäch- 
lich ist, von vorne herein gar nicht erwartet werden. 

In der formenbildung des sigmatischen aorists entsteht 
durch den unmittelbaren antritt des -s- an die wurzel überall 
dann eine „schwere" Stammsilbe, wenn die wurzel consonan- 
tisch auslautet. Hieraus folgt für die griechische flexion 
dieses tempus, dass in allen den fällen wie l-rvip-af-uv, i-fuS.- 
-uusv ^ e-OTbt.-u[.itv , l-nhy.i-af-itv ^ 6-/kO-a^isv (= *s-/tö-o-af.i£v), 
s-laa-a/iisp (= *a-^ko-o-af.uv) das -a- grundsprachlicher her- 
kunft ist als anaptyktische stimmtonentwickelung aus dem 
nasal der personalendung. Nicht nur aus dem -a der 1. sing, 
act. und dem -uu der 3, plur. act. hat sich, nach Brugmann 
Curtius' stud. IX 311 ff. und Gust. Meyer griech. gramm. 
§ 528 s. 402, die abstraction des nn/'a- als des aoriststammes 
vollzogen, sondern wesentlich haben dazu die formen s-vvip- 



— 408 — 

'U/iisv , i-Tvtf'-djuT]}' , &-TvV'-d/iii-dov ^ t-Tvi/i-du^da , partic. med. 
Tvxp-dfi8i'og mitgewirkt. 

Die griechischen s-aoristbildungen vocalisch auslautender 
stamme sind ja Scämtlich analogieschöpfungen nach den ent- 
sjtrechenden der consonantstämme ; vergl. verf. verb. in d, 
nominalcomp. 325 ff. morphol. unters. II 38 ff., Gust. Meyer 
griech. gramm. § 224 s. 198 f. Dennoch braucht man nicht 
gerade anzunehmen, dass die a-Tio-ufisv, t-Xuo-af-isv ^ wie sie 
das restaurierte -a- von i-rvip-a/uev haben, so nun auch not- 
wendig das -«- nur von dorther haben könnten : ihre sigma- 
verlustigen Vorläufer *^-ri-ai.uv ^ ^b-lü-af-isv hatten bei (hier 
natura) langer Stammsilbe auch ihrerseits den „bindevocal" 
lautgesetzlich, wüe im veda die perfectformen üc-imä, üd-ima 
(für H(k-amd, Hid-anut). Nur bei solchen kurzstämmigen wie 
i-TiTvo-ujiif-t' bleibt kein anderer ausweg als der der formüber- 
tragung zur erklärung des -a- übrig. 

Von dieser seite aus könnte denn nun auch die ansieht 
Job. Schmidts Jen. literaturz. 1875 s. 668. indog. vocal. II 331 
über 6-71 ()i-d/ii7]i> , welcher ich verb. in d. nominalcomp. 329. 
morphol. unters. IV 37 beistimmte, einen stoss zu erleiden 
scheinen, da ja ngl- stets kurzen vocal hat. Doch bliebe 
eine rettung der annähme sigmatisch-aoristischer bildung die, 
dass man einzig von der 3. plur. , welche ja aus ursprüng- 
lichem *6-noi-aTo = indog. e-k-ri-s-nto frühzeitig zu a-ngi- 
-ai'To fortentwickelt sein mochte nach verf. morphol. imters. 
IV 296, alles übrige neu gebildet sein Hesse. Aber freilich 
muss dann zugestanden werden , dass nunmehr denn auch 
6-TiQi-duf]}' gar kein sigmatischer, sondern einer der von Brug- 
mann Bezzenbergers beitr. 11 245 ff. (vergl. auch Gust. Meyer 
griech. grannn. § 523 s. 397 f., verf, morphol. unters. IV 
299 ff.) aufgeklärten „wurzelaoriste" wie e-/e-a und f-cfd-i-fuju 
gewesen sein möge: die vorausgesetzte 3. plur. *t-n(u-uto 
könnte auch als der reflex eines indog. e-k-rii-nto ange- 
sehen werden, unter rechtfertigung der personalendung -aro 
= indog, -ntö nach dem von mir morphol. unters. IV 285 ff. 
entwickelten „constitutiven lautgesetz der grundsprache" über 
-zwei Sonorlaute als bestandteile derselben silbe". 



— 400 — 

x\uf einen „wurzolaorist" *h-vsT-a habe ich oben s. 871 f. 
das partic. med. homer. uno-nT-ä/nsvog, nr-a^nvrj bezogen. 
Hier erhellt nun die lautliistorisclio berechtigung, so das -«- 
in dieser form und in i-nv-ai-i^v, t-nT-dfnjr, f-nT-d^ii-i^o)', l-nx- 
-ujii8&a aufzufassen und füglich von da sowol, wie auch von 
s-TTT-nv 3. plur. act., -nr-dw- partic. act., den ausgangspunkt 
zu den neuschöpfungen auf einer basis nvü- , i:--nvi]v (dor. 
f-T/r«)'), homer. t-nraro -nräxo, fut. Tir7jooi.iai und praes. spät- 
griech. "wai-iai, zu haben. 

Das tempus perfectum im vedischen sanskrit war, so 
zu sagen, die schwelle dieser abhandlung. Betrachten wir 
jetzt unter dem gewonnenen gesichtspunkte auch die art und 
weise der anfügung seiner personalendungen im griechischen, 
lateinischen und germanischen. 

Auf griechischem boden ist zunächst eine bestäti- 
gung der einen seite unserer alten regel, dass nemlich nach 
kurzer Stammsilbe es nicht zur lautgesetzlichen entfaltung 
der nasalis sonans aus einem das personalsuffix anlautenden 
-m- kam, die erscheinung, dass die wenigen reste des plur. 
act., welche das stammabstufungsverhältnis gegenüber dem 
zugehörigen sing. act. aufrecht erhielten, in der 1. plur. bei 
kurzem wurzelvocale vor einfacher consonanz (geräuschlaut) 
•iiev und nicht -auev haben : homer. ion. iö-/nei' zu olÖ£ in 
genauer übereinstimnmng mit altind. vid-md, homer. inlnld^- 
-/uev zu ntnoi&e. Von einem att. sX?jXv&f.i6v^ das aus einem 
fragment des Kratinos comic. fragm. II 153 Meineke auch 
Gust. Meyer griech. gramm. § 550 s. 418 erwähnt als die zu 
homer. sIXtjXoi'I^s im alten ablautsverhältnisse stehende plural- 
form, ist leider, weil es neben sich die metrisch sogar besser 
passende Variante lX7JXv{.uv hat und überhaupt nach Meineke 
a. a. 0. „perquam ambigua hujus versus et lectio et inter- 
pretatio" ist, bei solcher allzu grossen Unsicherheit der Über- 
lieferung abzusehen. Nach den ldi.iav und tneniO^jucv aber 
sind es entschieden auch nur *nü^vy-f.av , ferner *7Ttna9-/Lii:i> 
und *ci6'Joax-/<6j' gewesen , welche das urgriechische als die 
ererbten formen der 1. plur. zu nLq)Svya und zu ntnorSf, 
ö^doQüi; dereinst besessen haben muss, nicht *7t s(pijy-ufav, 
*n£ndd--uf.iep, ^dsÖQax-af.isi'. 



— 410 — 

Durchgehenda erweist dasselbe aber auch das griechische 
medium perfecti und plusquamporfecti. Dass hier keine spur 
You der hysterogonen stammerwciterung -a- des activums sich 
zeigt, liegt eben daran, dass die beispiele mit bewahrter alter 
(tonloser) tiefstufe der wurzel wie Titnva-jnui, TcTSy-jLirjv rarvy- 
-lavoc, n^ffwy-fif'rnc, ri-roaju-jiiH'og, sämtlich bei Homer belegte 
formen, dX/jkiu-ut'i'OQ bei Thukydides, Te&oafi-juai rtd^oai-i-^ied^a 
TfS^oufi-iibvoc. bei Thukydides, Aristophanes, Aischylos, Euri- 
pides (Veitch greek verbs irreg. '^ 647) selbstverständlich den 
typus zu constituieren hatteu, dem die späteren neubildungen 
homer. XeXrij.i-ii}]v XtXeiju-ftkrog, ^tevy-fiiirog, nachhomer. tjXsi^i- 
/.iki'og u, dergl. hinsichtlich ihrer anfügung der endungen -/<«<, 
-/LisSor, -fiedu, -fi/]v , partic. -[.dvog nur einfach sich fügen 
durften. 

Die activendung -uf.i£v musste als eine im perfect alt- 
herkömmliche zunächst t-oT-a/nsr = sanskr. ved, ta-sth-ima 
mit fug und recht haben. Es ist sicher das -a- in dieser 
griechischen form (und das -i- in der altindischen) nicht tief- 
stufiger wurzelvocal von ovä- (und altind. sthä-) von hause 
aus gewesen , obwol unstreitig das Sprachgefühl der alten 
Griechen selbst wie bis auf diesen tag auch wol das gramma- 
tische bewusstsein aller neueren Sprachforscher nur die ana- 
lyse t-oTccfiei' gekannt und anerkannt hat: bei bestehender 
reduplication ;'- , ta- hatte die Wurzelsilbe ihrerseits tonlos- 
tiefstufig, d. i. aber -ar- sanskr. -sth- nach verf. morphol. 
unters. lY vorw. s. XII f. (vergl. auch oben s. 125. 160), 
zu sein. Ferner eignete altes -a/Luv den zu erschliessenden 
griech. '^'nsnr-ui.nv = ved. papt-inia und dem *idr/>S-u^itv = 
sanskr. äd-imä (unbelegt). Wie das so sich legitimierende 
*nsnTa/.i&i' mit jenem I-otu/luv associiert die unmittelbare ver- 
anlassung zur Schöpfung der participformen att. nsnrwg 
(= *nsnrä{F)(og) und homer. ep. nsnrTjcog wurde, ferner auch 
sogar die mittelbare zur gewinnung des ntnTowa , ist oben 
8. 370. 371 f. und s. 383 f. gezeigt worden. Desgleichen oben 
s. 384 ff., wie *id?]d-u/-icv wahrscheinlich sich unter dem einflusse 
des begriffrtverwandten *ninofj.av in das nach homer. lörjöorai 
med. und nach att. tdrjdoy.a sing. act. zu vermutende *6dt]äofiev 
umwandelte. Das muster dieses ^sd'ijdofisv selbst aber, *ne- 



— 411 — 

-vo-utv, und mit ihm auch "'dh-do-i^av, *rt-i9^t-/<fi' waren, an- 
statt UiutgesGtzHcher '^jib-7i-i.ier , *j£-t)-/<fj', *Tt-&-/iif^v, auch 
nur frülier entstandene nacligeburten zu ihren singularen auf 
-(o-x«, -}]-y.a gewesen nacli dem schema von t-orä-xu : f-or- 
-a/iuv, sowie ganz ähnhch sieh die ved.-sanskr. dadhimä von 
dhä- Wuy^vai und paplrc, papioän von pä- trinken' uns als 
vermutliche nachbildungen nach ta-sth-ima ta-sth-ire ta-stli- 
-icän von sthä- herausstellten. Die vorausgesetzten griech. 
*Tk-&-f.iei' , "^'db-d-fi^v sind den belegten vedischen bildungen 
der gleichen wurzeln da-dh-re , da-d-vän conform. Vergl. 
oben s. 400. 402. 

Andere alte formen der 1. plur. perf. act. von der art 
des 6-aT-aficv und der in iiiren nachwirkungen zu verspüren- 
den *Tii-nT-afiti\ *idr]ö-auti> für die altgriechische spräche zu 
mutmassen , etwa auch ein "^Tc-r/.-auev zu Tt-zoy.-a u. dergl., 
haben wir keinen ersichtlichen anlass an erscheinungen der 
griechischen Sprachgeschichte selbst. Weil nun aber {^-or-uiitv, 
wie bemerkt, wol von je her eigenartig als &-ora-/iitr aufge- 
fasst wurde und nach seinem vorbilde sogar auch *ns-nT-ajiisv 
späterhin als *Tii:-Txra-i.isr , weil wir ferner auch nichts be- 
stimmtes über den kürzeren oder längeren lebensbestand des 
^iärjö-ui-iav wissen und als historisch übeiliefert nur dessen 
particip id/^diog IL P 542, sö'rjdvTai hymn. Homer, in Mercur. 
560 kennen, so ist aus allen diesen gründen auf jene drei 
formen und ihresgleichen wahrscheinlich nicht die Urheber- 
schaft des so regelmässigen auftretens der perfectendung 1. 
plur. -ufisv in allen den griechischen neubildungen wie 
slrjXvd-ai.iBv bei Isokrates und Plato (Veitch greek verbs irreg.^ 
275), wie andererseits TJSifievyaiitv und drittens rtröy.autv^ 
T£TQ6(pu/.av, nenolS-ai^iev, naTi6v9^a/.ist>, dedooy.ufiev u. s. w. zurück- 
zuführen. Will man sich nicht mit der einfachen annähme 
begnügen, dass die 3. plur. perf. auf -am (-«(Xf), indem dieser 
ihr ausgang gleichsam als -a-vn aufgefasst worden sei, den 
Ursprung einer zugehörigen l.plur. auf -cf.-usv bewirkt habe, 
so erscheint es als das geratenste, das perfectische -af-uv 
(nebst -avs 2. plur., -ac, 2. sing.) schlechterdings nur aus dem 
sigmaaorist, wo ja diese stimmtouentwickelung -a- weitaus 



— 412 — 

in den meisten fällen lautgesetzlich vorhanden war (s. 407 f.), 
übertragen sein zu lassen. 

Den anstoss zu dem übergange des -a^ibv vom s-aorist 
auf das perfectum gab natürlich vornemlich der zusammen- 
fall der beiden Vergangenheitstempora in dem -« der ersten 
singularperson : rt'roxa wie s-rsS-a, also reröy.-a/^ihv wie l-rt^- 
-uiav. Man sieht doch wol jetzt schon allgemeiner und 
sicher mit recht die umgekehrte ausgleichung zwischen den 
indicatischen personalendungen beider tempussysteme darin, 
dass das -f der 3. sing. aor. sigmat, aus demselben anlass 
„vom perfect herübergekommen ist" •, vergl. Brugmann morphol. 
unters. I 161 f., Gust. Meyer griech. gramm. § 528 s. 402. 
Wie nun auch Brugmann a. a. o. hervorhebt, muss diese 
letztere analogiebildung eine relativ sehr frühzeitige gewesen 
sein ; wir dürfen das -s von a-deii-e als einen spracherwerb 
schon der urgriechischen zeit ansehen. Dann kann aber 
-(x/iifr im perfect auch als eine weitere folge der bereits in 
zwei personen des singulars übereinstimmenden perfect- und 
aoristendungen, -« und -f, betrachtet werden. Wie nemlich 
durch die Zusammenstellungen von der Pfordtens z, gesch. 
d. griech. perf. 38 festgestellt wird, ist perfectisches -a/Lisv bei 
Homer — ausser natürlich in dem einzigen alten o-nr-a/uev 
nach unserer auffassungsweise dieser form — noch nicht in 
gebrauch. Da aber -ag statt -du allerdings schon homerisch 
ist, in den beispielen avioyug, ihidiug, dXrjXovSag, eoty.ag, tzoXnag, 
soQyag, oldag (neben altem oloäu), oXcoXag, övionag, ntnov&ag, 
so statuieren wir wol billig weiter auch, dass die gleich- 
raachung der endungen beider tempora zunächst überhaupt 
nur in dem engeren bereiche der unter sich einander ja näher 
stehenden drei sing.-act.-indic.-formen (vergl. oben s. 359. 361. 
377) vor sich gegangen, dass -aj-isv^ -ars beim perfect von 
den singularischen -a, -ag, -f insgesamt später nachgezogen 
worden seien. 

Weniger mussten der einwirkung des s-aoristes, wegen 
der nicht praeteritalen bedeutung, die praeteritopraesentia 
ausgesetzt sein. Daher blieb ldf.av vor der Umwandlung in 
*iöa/Ltev aus ähnlichem gründe bewahrt, wie im altindischem 
vidmd und vettha vor derjenigen in *vidimä, *veditha (vergl. 



— 413 — 

s. 392). Sobald aber von dem kanon der stammabstufung 
bei oida abgef^-angon wurde, erscheint auch sogleich bei der 
noubildung der 1. plur. die vollere enduug -afii-r: in dem 
oidctfiev des Ilerodot, Ilippokrates, einiger Attiker (Antiphon, 
Xenophon), des Plutarch un<l Aristoteles (Veitch greek verbs 
irreg.'* 218); doch ist diese junge form klärlich zimächst 
nur wieder den vor ihr neu geschaffenen perfectgehilden 
XsXm'jiaui-v, TitTjniihttici' nachgeahmt worden, nicht sowol auch 
ihrerseits unmittelbar den aoristformen auf -a-aiitr. Ja, das 
festere haften des alten -uf^v bei praeteritopraesentien scheinen 
mir nun indirect auch (ivaty-iitr hymn. Homer, in Apoll. Pyth. 
350 und eniy-ii&v l)ei Sophokles und Euripides (Veitch a. a. o. 
81. 222) zu beweisen: bei ihrer bildung ist augenscheinlich 
den älteren '^syyfisy, *ar7i.yinr nur einfach der vocalismus des 
sing. act. mitgeteilt worden. Von dem bei Plato belegten 
iolxn/Litr (Veitch greek verbs irreg.'* 221) hat natürlich das- 
selbe wie von ou)nfit-r zu gelten. Gegen diese theorie aber 
von der Sonderstellung der praeteritopraesentia in bczug 
auf den gebrauch von -fi&r und -afi&v braucht Homers 
elX/jXnvS^jiisv II. / 49. Od. y 81 als eine ja nicht praeterito- 
praesentiöche form darum kein bedenken zu ei'regen, weil ja, 
wie wir so eben bemerkten, bei Homer überhaupt noch nicht 
das -afiav im perfectum erscheint: der alte epische dichter 
konnte also einem ursprünglichen auch der bedeutung nach 
echt perfectisohen *fJ'A//Ar.9/^fr ohne weitere sonstige Um- 
formung die ablautsstnfe des singulars dXijXovdf geben. 

Wir resümieren zweierbn: erstens, die Übertragung 
des -a/iii-r aus dem sigmaaorist auf das perfectum 
ist erst ein n a c h h o m e r i s c h e r s p r a c h v o i' g a n g und 
eine folge der schon früher (bei Homer) gleichen 
singula r f 1 e X i on -a, -ac, -f gewesen; zweitens, die 
praeteritopraesentia enthielten sich als solche 
der teilnähme daran, indem sie selbst im falle 
der wurzelvocalischen neugestaltung des plur, 
act. das in den früher geltenden e r b f o r m e n 
herrschende kürzere -/<fr bestehen Hessen, wie 
bei nachhomer. toiy^t&v, ai'toyfur , oder doch nur erst 
wieder secundär in anlehnung an das wirkliche 



— 414 — 

(nicht praeteritopraesentische) perfectum zur aufnähme 
der endung -af^iov gelangten, wie bei nachhonier. mdaf.iev, 

Die lateinische spräche besitzt genug solcher formen 
der 1 . plur. perf. act., welche als erbtum gelten dürfen oder 
müssen und bei indogermanisch langer („schwerer") Stamm- 
silbe von je her die endung -imus (oder ursprünglicher, wor- 
auf es hier nicht ankommt, als die secundärform *-imeni), 
mit -im- aus indog. -mm-, haben konnten. Ich nenne als 
solche z. b. v7cU))iifs, llquimus. strTdimtis, co-nwimiis (Neue 
formen!, d. lat. spr. II 2 485. 495), Jcimns, endimmi, fndimus, 
fäyimus, rripimus;, con-tndimits (zu dem Ennianischen eon-tndit 
sing, perf., vergl. Nene formenl. d. lat. spr, 11'-' 476, Corssen 
ausspr. vokal. I- 555 f. und zur erklärung des wurzelablautes 
verf. morphol. unters. IV 385 f.), scd/)in!s, edimns , Pc/inins, 
co-epimus. Auch stet'mms gehört dahin, da es ja das correlat 
von t-ar-a/iisr und sanskr. fa-stJi-ima ist und olme die Paul- 
Braune's beitr. VIII 546. 548 ff. geschilderte teils associative 
teils lautmechanische Umbildung seines reduplicationstypus 
(vergl. auch oben s. 234) vielmehr als '''''se-st-ii)ius zu er- 
scheinen hätte. 

Nach allen diesen sind also hinsichtlich des die personal- 
endung anknüpfenden „bindevocals" -i- solche wie scicidhii'ns 
{scidimus), ßdmms , pnpiigimus , tufudivins und ceddimus, 
pepigimns und dedlmus die analogiebildungen gewesen. 
Sonderbares geschick, welches es so fügen musste, dass die 
nachvedischen sanskr, cichidima, tutudima so aufs haar ihren 
lateinischen entsprechungen gleichen, nur zum geringsten teile 
in folge uralter Identität, vielmehr wesentlich durch zwei in 
iliren mittein und endzielen übereintreffende associative neu- 
schöpfuDgsacte der einzelsprachen: die einführung des wurzel- 
vocals in die reduphcationssilbe (vergl, oben s, 271 f. und 
jetzt auch Brugmann Techmers internat. zeitschi-. f allgem. 
sprachwiss. I 255) und die Umformung der personalendungen 
-ma, -nius in -ima, -hnus nach dem muster der langsilbigen 
Stämme. Auch die neubildung des lat. ded-imus von dö- 
vergleicht sich der des ved. dadJi-imd von dhe- (s. 400. 402. 41 1), 



— 415 — 

Aber nicht nur die genannten lateinischen formen 
empfingen das -iiims auf diesem wego, sondei-n aucii andere, 
welche zwar lateinisch lange* Stammsilbe, in ihrer grund- 
sprachlichen gestalt dagegen kürze derselben hatten: pepen- 
dliiiuft und nioDiordimiis , deren -en- ^ -or- descendenz von 
indog. -;/-, -r- ist.') Dass vollends im indogermanischen auf 
sonanten (vor der endung -nicm.) ausblutende perfectstämme 
im lateinischen das allgemein durchgeführte -imns durch 
formübertragung bezogen haben , dürfte mehr oder weniger 
jetzt wol allgemein zugestanden werden. Es fallen aber 
unter diese bemorkung nicht nur solche wie sci-iiiius und 
wie fu-huns nebst seinem in gleicher weise neu geformten 
altindischen pendant ha-hhvr-'utid (verf. morphol. unters. IV 
391), sondern auch die, deren stammauslaut indogermanisch 
nasalis und liquida sonans waren : lat. »lemiii-inms für *iiie- 
-men-mus = griech. homer. fti'-fKx-^iev, sowie das „unicum 
auf ital. Sprachgebiet" (Yanicek etym. wörterb. d. lat. spr. 2 
208) lat. mc-men-tö = homer. fie-ud-T«) ist (nach F. Stolz z. lat. 
verbal-flex, I 47 f., vergl. auch oben s. 192); ebenso tetiri- 
-imus für '^'fe-ten-mus, cecin-imiis für *ce-cen-mus und tetid-imus 
(tuliwus) für '^'te-tid-mus = griech. Th-TAu-/Lisv, pepnl-innis für 
*l)e-iml-nms, peper-inms für *pe-por-mus. Was aber noch die 
bildungen von geräuschlautstämmen anbetrifft, so liegt die 
Vermutung nahe , dass viele der vorauszusetzenden alten 
formen wie *scendi)ms^ ^tetüdmvs, *dednnis oder gar *pepend- 
mus , ''■'»leiiiordniHS wol noch assimilationen zwischen dem 
Wurzelauslaut und dem -m- des suffixes hätten erleiden müssen, 
wodurch der ei"stere verdunkelt und mithin die etymologische 
deutlichkeit beeinträchtigt worden wäre: also dass auch aus 



') Da man altlat. mcnioi-d 1= \ndog. nif-nird-cii (beziehungs- 
weise se-siurd-di nach verf. Paul-Braune's beitr. VIII 550) setzen 
darf, so sind vielleicht die altlat. letondl zu fondeü und spepovdl zu 
spondeO nur analogieschöpfungen nach dem inemordi von niordeö ge- 
wesen und verschwindet also der schein, als ob in den medialgebilden 
ieiondl^ spepondu wie ich noch oben b. 192 annahm, die hochstufigkeit 
der Wurzel für eine nachwirkung des im lateinischen verlorenen sing, 
act. des indic. perf. von iend-, spend- zu hallen sei. 



— 416 — 

diesem gründe der spraclie das von den langsilbigon stammen 
her sich darbietende -iiiius nur durcliaus \Yillkommen sein 
musste. 

Es ist aber weiter noch in anreclmung- zu bringen, dass 
die roste des sigmaaorists (sigmatischen perfects) im la- 
teinischen, mit sehr geringen ausnahmen einiger weniger formen 
von nasalstämmen wie com-'p-sl^ dem-p-si, prom-p-si^ sum-p-st, 
con-tem-j)-s7, itian-si, samt und sonders wurzeln, die mit ge- 
räuschlaut schliessen , zu ihrer grundlage haben. In folge 
dessen brachten die säxiiims, dJ-vJsinius, cessinnis, (('(^'i'; <l'is-, 
ex-^ in-, i^er-] cnssinius, Hssinius^ gessinitis, sens/iirus^ forslDius^ 
fulsintus, HinlsiiHus u. s. w. — ich nenne nur solche, denen 
alter tiefstufeuvocalismus der plaralischen aoristforni teils er- 
weislich noch eignet, teils wenigstens nach den lautgesetzen 
noch eignen kann — das „bindevocalische" -i- als erbteil 
aus der grundsprache, da sie ja indogermanische lange Wurzel- 
silbe hatten, ebenso mit, wie ihre oben s. 407 f. besprochenen 
griechischen bildungsgenossen (-rvU'ausi^ ^iiiinftfi' etc. mit der 
volleren endung -a/tisr von alters her behaftet waren. Auch 
dies konnte das übergewicht des -i^inis der langsilbigen unter 
den echten (asigmatischen) perfectformen, derer wie vTcUmus, 
fügimus, scdiums , über das kürzere -rnus von *sceculnius, 
Hetudnnis, *pepüg)iius u. ähnl. nur verstärken helfen. Zu- 
gleich aber empfängt hier die oben s. 215. 219 im anschluss 
an Brugmann vertretene ansieht, dass gerade von der 1. plur. 
aus die sigmaaoriste im lateinischen zur annähme derperfec- 
tischen flexionsausgängc gelangt seien, eine neue stütze, wenn 
sich nemlich ja zeigt, dass die endung -iiiins den allermeisten 
dei- .s-aoriste mit einem guten teile der altindogermanischen 
perfecta des lateinischen wirklich von je her gemeinsam war. 

Im germanischen dürfen wir zunächst die Vertreter 
des perfectischen e-typus wie got. srfniii und rtum unbedenk- 
lich als dieji'nige gruppe bezeichnen, nach deren vorbild die 
personalsuffixform -u») der 1. plur. perf. = indog. -mmem 
frühzeitig die allein und allgemein herrschende wurde; also 
dass hituni und hndinii, sowie auch huiHhiin, iranrpum, hdpnm 
als ebenfalls vom indogermanischen Standpunkte aus kurz- 



— 417 — 

silbige, ihre ursprüngliche eiulung*-;^ = indog. - ni e m nach 
jeuer umgeformt haben. 

Bei der schon urgermanischen ausgleichung des perfect- 
ablauts der verba der a : ö-reihe hat es meines bedünkens 
folgenden hergaug gehabt. Die langen sonautischen liquidae 
der indogermaniscbon grundsprache »_' und 2 hatten im ger- 
manischen, laut dem oben s. 178 bemerkten, zu ihrer Ver- 
tretung die lautverbindüugen germ. rö, lö. Darum sind wir 
berechtigt , in beispielon wie den folgenden lautgesetzlichen 
zusammenfall der wur/olvocalstufe des schwachen perfect- 
stammes mit derjenigen d(>s sing. act. perf. zu sehen: got. f/a- 
dröhum , dröguni (= altn. drögniii ags. afries. drö^on alts. 
drogun ahd. truoguni), fröpttin (für *frödimi nach Verners 
gesetze), gröhum (^— anord. grofum ags. ^röfon alts. bi-gröbun 
ahd. gniobnni'), Idühion (für ^hlögioii = anord. Jdöguni ags. 
hlöioii alts. Idögun)- Idöpuni (für Vdödutn = anord. hlödiim 
ags. hlödon, sowie ahd. luoduni für *]duotuni)^ ga-röpum (für 
*-röduiii), slöhuni (für *slögum = anord. slöguni ags. afries. 
slözon alts. slogun ahd. slnogiini); ferner aussergotisch anord. 
flögiim 'excoriavimus', Hogniii fricuimus', ags. löion ahd, luogiun 
'vituperavimus' u. a. 

Das Schema dieser also ermöglichte es, hinfort auch got. 
sök : sökidii zu sagen, mit Vermeidung des älteren Verhält- 
nisses sük : '"'sahiui., bei welciiem die pluralform *sakn)ii als 
ablautsgleich mit dem praesens sakan auf die dauer für die 
spräche brauchbar zu sein aufhören musste (vergl. oben 
s. 120 f.). Eben diese rücksicht morphologischer art recht- 
fertigt es auch, dass, wie in anderen derartigen fällen (vergl. 
s. 48. 119 ft', 265 f. 271. 277. 278 f.), eine minderzahl von 
Verben — im gotischen stehen den aufgezählten 8 im ganzen 
14 desselben ablautes ohne wurzelhaftes rö, lö im perfect 
gegenüber — eine majorität gleicher art überwältigen konnte. 
Im partic. praet. aber müssen hinwiederum diejenigen ohne 
innere liquida wie got, sakaji,, skahan, ga-daban und liafjan 
den typus für alle hergegeben haben; denn hier wären, im 
gegensatz zu sakans, skabans, von graban und slahan ent- 
weder got. '^gröbaiis, *slUgans (beziehungsweise *slöhans mit 
der gewöhnlichen gotischen ausgleichung des grammatischen 

Osthuff, zur gpsobichte d. perfects i. iirdogcrnianisclien. 27 



— 418 — 

wechselst mit nebentoniger tiefstufe oder *grubans, ^slngans 
(beziehungsweise got. *slauhans) mit der in ahd. (/ruhilön^ 
nach Paul in seinen beitr. VI 123 und Kluge etym. wörterb. 
d. deutsch, spr. 115'', und in got. slmdits f. 'das schlachten' 
erscheinenden tonlosen tiefstufe zu erwarten.') 

Die germanischen perfectformen 1. plur. mit rö, /ö, wie 
got. dnxiuin, (jröbiini^ anord. sU'xjum ags. afries. slöioii alts. 
slögun ahd. sluogum, erscheinen hiernach ganz als erbformen 
in der weise, wie wir lat. vltlhuns, fnglmus für solche anzu- 
sehen uns berechtigt lialten: auch jene haben, gleich diesen, 
bei nebentoniger tiefstufigkeit der Avurzel — gröbuin = indog. 
gh^r bliuiiiic III - reduplicationsverlust von uraltem datum. 
Also folgt aber auch, dass gröbnni und genossen nicht min- 
der als setum und ctiuii und die sich ihnen anschliessenden 
e-formen zu den begründern der volleren personalendung 
1. plur. -um gehörten. 

Dieses -um nun, das, beiläufig bemerkt, auch die sigma- 
aoristform got. ivissnin (s. 397 f.) erb- und eigentümlich hatte, 
ergriff im germanischen auch, in abweichung von dem griechi- 
schen nach s. 412 ff., durchweg die praeteritopraesentia: daher 
got. wituin statt *witiii = altiud. vidmd griech. 'läuev. got, 
skulum für *sknliu. Im bunde mit dem un = indog. - /} / 



') Betrefifs der vermitteluni:^ des germanisclien ablauis von grab(i)i 
mit dem e-vocalisnius des slavo-baltischeii in abulg. greba 'scabo, pecto', 
po-yreha 'icli begrabe", lett. grehju, greht 'aushöhlen, mit einem grab- 
stichel eingraben' konnte es noch Kluge german. conjug. 152 zu keinem 
resultate bringen. Der plur. perf. got. gröhu»i, wenn wir diesen in der 
oben dargelegten weise für eine erbbildung halten, gibt auch hier den 
erwünschten Schlüssel : gcrman. -rot)- braucht ja nicht notwendig die 
nebentonige tiefstufe von einem indoi;. gJi'^rab/i- zu repraesentieren, 
sondern kann auch als solche zu indog. gii'rebh- sich stellen, sowie 
wir ja oben s. 178 das noinen ags. broc ahd. mhd. bruoch zu indog. 
bhreg'- in got. brikcm gehören sahen. Es ist einfach nur von ver- 
schiedenen punkten aus erfolgte normalisierung der ablaute von got. 
brika, Brak, *brökum, brnkans und got. *griba (= abulg. greba), *graf, 
yröbum, *grtibans (oder *gröbaiis) zu constatieren. Den perfectischen 
e-typus eines got. *gi'ebum, den die Germanen also vermieden, culti- 
vierte dahingegen das baltische in iit. grebiii, greblau, grepti 'greifen, 
harken', wie s. 81. 82 f. von uns ausgeführt worden i.st. 



— 419 — 

der H. plur. des porfectuins und anderer „iinthematischer" 
vprbiilÜexionssysteme erzeugte aber das -kdi der 1. plur. den 
„bindevocal" -u- bei der 2. plur, got. -nj) anord. -inl alid. -i/f 
und bei der 2. dual. got. -uts-^ wie auch schon richtig von 
Sievers Taul-Braune's beitr. V119 anm. 2 constatiert worden 
ist (vergl. aucli verf. Kuhns zeitschr. XXIY 42o, Joh. Schmidt 
ebend. XX Y 592). 

Dass auch die pra(>seusformen von es- 'sein' ini germa- 
nischen, uemlich anord. ei-idii, enitt nebst den auf ihnen be- 
ruhenden fdid. h-iruiii , b-irid, solche seien, welciie zu dem 
-Hin, -uä -nt auf associativem wege kamen, weil nach dem 
Zeugnis der verwandten sprachen, apers. aiDahy griech. hj^iIv 
abulg. ,/'es;//M lit. esiDe, sicher im indogermanischen „die personal- 
endung hier unvermittelt an die wurzel trat", habe ich beieits 
Paul-Braune's beitr. VIII 555 anm. 2 hervorgehoben. Wie 
es mir jetzt scheint, brauchen wir dei- gormanischen zeit nur 
für die 3. plur. eine dem griech. homer. a-äoi aus iudog. 
es/j^i adaequate erbbildung ezünpi zuzusprechen. Dieses 
urgerm. ezünpi spaltete sich nach einführung der wurzelbe- 
tonung in die satzdoublette ezunpi und iziinpl, indem bei 
enklitischem gebrauche die e^-form zu einer /s'-form zu wer- 
den hatte. Ahnlich sind nach Paul in seinen beitr. YI 85 
die /-formen der personalpronomina alid. ili, inili, dih, slh, 
mir, dir „wahrscheinlich die verallgemeinerten enklitischen 
formen, in denen der wurzelvocal der accentuation entsprechend 
wie sonst in den ableitungssiben behnndelt ist" ; und wegen 
des Überganges von e in german. i ausserhalb der hauptton- 
silben vergleiche man ferner auch Sievers Paul-Braune's 
beitr. Y 157 anm. 1 und Kögel ebend. YIII 135. Auf der 
enklitikenform izunpi, genauer aber wol noch auf einem 
izuudi, da dieses ja zufolge der von Yerner Kuhns zeitschr. 
XXIII 128 hervorgehobenen ausgleichung des consonantis- 
mus der personalendungen sehr leicht und frühzeitig sich für 
jenes eingestellt haben konnte, mögen regelrecht anord. erii 
und ein ahd. *irunt beruhen, sowie anord. bera und ahd. 
herant 3. plur. anerkannt die getreuen reflexe von sanskr. 
bhdrcndl griech. (fioom abulg. berat l sind. Es war fehl ge- 
gangen , dass ich Paul-Braune's beitr. YIII 555 anm. aus- 

27* 



— 420 " 

sprach, das e in anord. erum^ eruä, eru könne direct das alte 
indof^. e sein; vielmehr hätte die orthotonierte form german. 
ezunpl {^ezunäi) ein anord, *joru mit ?<-umlaut des 
wurzelvocales ergeben müssen , während als lautgesetzliche 
Wandelungen von *iruii) , *iruä, *iru sich die altnordischen 
formen mit e- allerdings in der von Sievers Paul -Braune's 
beitr. YI 571 und Joli. Schmidt Kuhns zoitschr. XXV 503 
angegebenen weise erklären. Zu izuncti^ wenn dieses nach 
massgabe von hero-nCli die sprechenden als izii-näi em- 
pfanden, konnte auch schon urgermanisch eine 1. plur. izu- 
-mi = anord. emm aiid. '*iruni, wie bero-mi = ahd. hermn, 
gewonnen werden. Von eruin und eru aus ist dann im alt- 
nordischen und von *iriiiii {b-inun) im althochdeutschen, 
eventuell aber etwa auch schon von izumi 1. plur. aus iin 
urgermanischen, die weitere flexion des plurals nach analogie 
der praeterita oder praeteritopraesentia, nach anord. väriim 
väru, ahd. ivdruni oder anord. vitum. vitu, ahd. icizziini ( Joh. 
Schmidt a. a. o.. Kögol Paul-Braune's beitr. YIII 129), d.i. 
die hinzubildung einer 2. plur. anord. eruä; ahd. *irut (h- 
-iriit) erfolgt. Die existenz der angelsächsischen pluralform 
north.-kent. aro)!, im psaUer earun (R. Zeuner d. spräche d. 
kent. psalt. § 47 I 2 s. 95. § 56 I 1 s. 118. Sievcrs angels. 
gramm. § 427 s. 150), übei' deren wurzelvocalismus Sievers Paul- 
Braune's beitr. VI 572 f. handelt und worin derselbe gelehrte 
ebend. 573 f. „die alte gemeinags. form der 1. plur. erblickt, 
die ausnahmsweise auch für alle formen gebraucht wird, wie 
sonst die dritte", kann für uns auch nur besngen, dass die 
bildung eines izumi (oder nicht enklitisch ezumi) 1. plur. 
nach der 3. plur. auf -unäi {-unpi) eben eine urgermanische 
gewesen sei; dass ein north.-kent. *arom 'wir sind' und 
*earum der spräche des psalters ihr lautgesetzliches -m in -ii 
analogisch nach witön^ ps. weotu» (R. Zeuner a. a. o. § fß 
II 5 s. 119) 'wir wissen' als genetisch der verallgemeinerten 
3. plur. gewandelt iiabe, wäre eine hinzukommende leichte 
annähme. Wenn ich aber so durchaus und nur von eznnpi 
als germanischem descendenten des indog. esilfi = griech. 
säni ausgehe, so nötigt mich das beiläufig betreffs der kürzeren 
nebenform got. ags. afries, alts. sind ahd. sint noch zu der er- 



— 421 — 

klärun^, dass meine frühere ansieht über den vocalismus 
dieser, Kuhns zeitschr. XXIV 423. morpliol. unters. 1 98 f. 
IV 2!)7, wornach das -in- hier = haupttoniger indogerma- 
nischer nasalis sonans -n- sei. allerdings mit recht von Paul 
in seinen beitr, VI 238 bestritten worden ist; ich erkläre 
jetzt sind statt *simd (oder eigentlicher noch *SH)ip gemäss 
Verner a. a. o.) vermittelst der stofflichen ausgleichung mit 
dem vocalismus der optativform got. sijdu^ auf die behufs ihrer 
deutuug weiter unten (s. 423 ff.) zurückzukomn)en sein wird. 

Was von Paul in seinen beitr. VI 120 anm. 126 und 
von Brugmann moiphol. unters. IV 413 anm. vermutet ward, 
dass der „bindevocal" der perfectischen personalendung 1. plur. 
act. sanskr. -inid^ griech. -aiitv ^ lat. -iimis , got. -um nicht 
einzelsprachlich, sondern wahrscheinlich indogermanisch ent- 
wickelt sei, dass sicii sein Vorhandensein und nichtvorhanden- 
sein in ältester zeit nach einem bestimmten princip geregelt 
habe, dies, hoffe ich, haben meine bisherigen ausführungen 
auf ein festeres fundameut gestellt. Die dabei beobachtete 
alte regel kommt aber klärlich nur hinaus auf eine ervveite- 
rung des von Sie vers zuerst Paul-Braune's beitr. V 129 ff. 
aus der metrik des veda und dem altgermanischen aufge- 
deckten, von Hübschniann Kuhns zeitschr. XXIV 362 ff. am 
iranischen bestätigt gefundenen indogermanischen gesetzes 
über den Wechsel der consonantischen i und u mit den ent- 
sprechenden sonanten i, ii. Ich würde also jenem gesetze, 
indem ich es auf die nasale m, n und die liquidae r, l aus- 
dehue , ferner unter berücksichtigung der morphol. unters. 
IV 398 ff. von mir betonten notwendigkeit, dass in der ante- 
sonantischen Stellung nur von ii, im^ 7mn, nn^ rr, II und nicht 
schlechthin von i, u, m, n, r, l geredet werden könne, jetzt 
diese an die Sieverssche sich möglichst anschliessende fassung 
geben dürfen: unbetonte (nicht svaritierte) /, u, 
m, /«, r, l vor einem v o c a l sind c o n s o n a n t e n nach 
kurzer silbe; anstatt ihrer treten ?i, iin, mm, nn^ 
rr, 11 ein nach langer silbe ohne rücksiclit auf die 
sonstige accentlage des wertes. 

Es hängt auch nur mit der alten Verschiedenheit der 
Silbentrennung im indogermanischen zusammen , dass man 



— 422 — 

altpferniauisch noch mit strict waltendem unterschied hrui io- 
rücken', har io- 'lieer', aber andererseits hir äiio- 'hirte', 
ri:\kiio- 'reich' aussprach. Als besondere einzelne bestä- 
tigungen des Sieversschen gesetzes habe ich meinerseits ge- 
legentlich schon namhaft gemacht: morphol. unters. IV 33 
griech. fdico, wegen dessen auch schon Gust. Meyer griech. 
gramm. § 219 s. 195 an Sievers' regel erinnerte, aus indog. 
sv7\diio neben sanskr. svidyämi ahd. swlzzit aus svid i6\ 
morphol. unters. IV 399 den Wechsel der wortausgänge 
sanskr. -nuvdnti giiech. -vtclai (in Jf/x)'»'öff< für ursprünglicher 
vocalisiertes *öiy.vvaai') und sanskr. -nvänti in der 3. plur. 
praes. indic. der -we?,t-praesensclasse, je nachdem ob bei 
vorhergehendem schlussconsonanteu der wurzel der suftix- 
anlaut ->i- selbst die folgende silbe anhobt (sanskr. ac mivanti^ 
ui'griech. '^'i>iy.\yvFi'.vri) oder bei schliesseudem sonanten in der 
Wurzel aussprachlich sich noch zur ersten silbe fügt (sanskr. 
sioi vänti). 

Einige consequenzen aus dem erweiterten Sieversschen 
gosetze betreffen indogermanische Wörter, bei -denen sich die 
Sonorlaute i, n, m, n, r, I nicht in einer späteren wortsilbe 
als der ersten^ sondern im anlaut selbst hinter vorausgehen- 
dem anderen consonanten befanden. Täglich mehr und mehr 
tragen wir ja der tatsache reclmung, dass die einzelnen 
Wörter ihr leben im satze haben; innerhalb des Satzzusammen- 
hanges aber wird oft und leicht zum inlaut, was vorher und 
bei dem isolierten einzelnen werte anlaut war. 

In dem optativ praes. von es- sein' hatte die grundsprache 
zunächst die zwei formen mit differenter tiefstufe eslH = 
griech. ni^ und siH = sanskr. syät avest qyat entwickelt; 
vergl. morphol. unters. IV 333. 363 vorw. s. VI ff. Von 
dem kürzeren siet aber ward nun noch, wie ich bereits mor~ 
phol. unters. IV 294 anm. anzudeuten gelegenheit hatte, eine 
dritte form siiet abgespalten, und zwar nach dem princip, 
dass dieses siiet seinen Ursprung hinter langer silbe des 
vorhergehenden Wortes hatte: man sagte indog. so s\iet = 
sanskr. sd si/ät, aber t6d\ siiet und sdi siiet = altind. 
tat siyät, sä siyät. In wiefern noch die metrik des rgveda 
bei dem gebrauche von syäm, syäs, sydt, sytir und anderer- 



— 423 — 

seits sii/drn, siijäs, sij/nf, siyür (Grassmann wörterb. z, rgv. 
150) sich innerhalb der grenzen dos hiutgeset/.licheu indoger- 
manischen horkommens hält, wird s. 440 ff. darzulegen sein. 

Das avestische bietet den unterschied der optativ- 
stan)nifornien indog. sile- und sic-^ den es auch kennt, laut- 
lich vergröbert dar, indem qij- die entsprechung von indog. 
si- ist, für indog. sil- aber legulär h'uj-^ welches graphisch 
als hij- auftritt, erscheint (Bartholoniae d. gathas u, heil, 
gebete d. altiran. Volkes § 24 s. 94) ; also dass sich die 
reihen avest. qyeni^ (l!/^(0, qi/of., qi/aiiid, qi/atä, q//dtha, qi/en und 
hijäfi hijän, hyäre gegenüberstehen. Yergl. verf, morphol. 
unters. IV 294. 

Altlat. siem^ sies, siet ., sient sind, obwol zweisilbiger 
ausspräche, doch doppeldeutig (vergl. verf. a. a. o.), da im 
lateinischen bekanntlich regelmässiger für indog. i ein i (oder 
genauer ii] zufolge einzelsprachlicher entwickelung sich ein- 
stellt, wie z. b. in medius, alius^ praes. capiö, veniö, als den 
reflexen von sanskr. mddhyas avest. maidhyd griech. /.ieocioq 
got. midjis abulg. niezda , griech. alXoc got. aljis altir. aile^ 
got. hafja^ griech ßa/rto, und sonst. 

Aber auf den laut volleren indog. s'nem^ siles^ si'iH 
beruhen sicher auch got. sijau^ sijais^ sijai oder siau^ slais, 
siai in seltenerer und ungenauerer Schreibung (vergl. Leo 
Meyer got. spr. 352, Braune got. gramm. - § 10 anm. 4 s. 6. 
§ 204 anm. 1 s. 81): diese haben nur, statt ererbter laut- 
gesetzlicher *sije^ *sijes, *sija^ die endungen nach dem Opta- 
tiv der ö-conjugation hairau^ bairais, hairai = griech. "^qn^gna 
(verf. morphol. unters. IV 302 f.), rp^onic, qbooi umgestaltet 
bekommen, sowie nach demselben muster hairau ja auch die 
1. sing. opt. perf. got. witjaii^ herjau für *witje (= sanskr. 
vldydni), *berje^ ferner lüiljau für *wilje sich eingefunden 
haben (verf. a. a. o.) und wie in ähnlicher ausgleichung das 
vulgärlateinische zu dem couj. praes. s/am ^ skis ge- 
kommen ist (oben s. 364 anm.). Von dem altnordischen 
paradigma sjd^ ser^ se u. s. w, stimmt nur die 1. sing, sjd 
genau zu got. sljau, während jedoch anord. ser^ se zu den 
alts. ahd. sh, Si, ags. si sich stellen (vergl. Job. Schmidt z. 
gesch. d. indog. vocal. II 412 ff. Kuhns zeitschr. XXIV 



— 424 -~ 

303 ff., Paul in seinen beitr. IV 376 ff. VI 258); ferner teilt 
den Wechsel der /-form in der 1. sing, mit /-formen in allen 
übrigen personen das anoid. .s/a, ser, se, sowie ja auch alt- 
nord. bcera^ bcerir, hceri u. dergl. , völlig mit den sonstigen 
Optativen der ?»e-conjugation im gotischen . also mit got. 
herjau^ bereis, beri, got. witjan, iv'deis. iriti. Das dürfte frei- 
lich mit einiger Sicherheit darauf schliessen lassen, dass der 
gemeingormanisch erreichte stand der ausgleichung bei dieser 
Optativbildung der war, dass von den plural- und dualformen 
das alte -7- in die 2. und 3. sing, (und M plur. ) vorgedrungen 
war, nur noch nicht in die 1. sing. , welchen letzten schritt 
zu tun dem westgermanischen mit ags. alts. ahd. st, ags. 
beere alts. ahd. bäri, ags. wite alts. tviti ahd. ivizzl als 1. sing., 
dem altnordischen mit gceß als jüngerer nebenform zu (/<^fa 
vorbehalten blieb. Diesen urgermanischen zustand eruierte 
ja auch bereits Paul in seinen beitr. IV 383 auf grund der 
Übereinstimmungen zwischen altnordisch und den westger- 
manischen sprachen. Wenn das ags. seö 'ich sei' als alter- 
tümlichkeit = got. sijau anord. sjd zu setzen wäre, würde 
daran freilich etwas zu modificieren sein; es ist aber durch- 
aus wahrscheinlicher, dass wir in jener angelsächsischen 
nebenform zu st nur eine jüngere neubildung nach dem 
Optativ beö der synonymen wurzel zu sehen haben. Darnach 
nun stünden also immerhin got. sijau, sijais, sijai zunächst 
an stelle unmittelbar vorhergehender sijau, *seis , *sei = 
anord. sjd, ser, se , und wir würden darauf beschränkt sein, 
nur die 1. sing, des gotischen paradigmas sijau als Umfor- 
mung eines *sije mit dem ved. sanskr. siyäm zu parallelisieren; 
sijais, sijai wären nicht direct in ebenderselben weise zu 
ved. si'ijcXs, siijät, avest. *hyäo, hijät in beziehung zu setzen, 
sondern ihrerseits neuschöpfungen zweiten grades. 

Nacii dem Verhältnis von got. ivit-jaii zu den indicativ- 
formen ivit-um^ wit-iip, dual, tvit-u ist nun aber ferner sijau, 
als si-Jau aufgefasst, die veranlassung zur Schöpfung der 
gotischen pluralischen und dualischen indicativformen des 
praesens des verbum substantivum geworden, nemlich der 
got. si-iim, si-iip., si-u, die sich natürlich auch ihrerseits sofort 
in der ausspräche zu formen mit hier rein plionetisch ent- 



— 425 — 

wickelten! übcrgangs-jod si-j-utn^ si-J-uJ>, si-j-ii gestalteten. 
Da also erwiesener inasson der optativstamni got. sij- von 
sijaii als aus der indogermanischen grundspraehe stammend 
auch im urgermanischen vorhanden war, so ei'hellt hiermit 
auch unsere berechtigung, in got. ags. afrios. alts. sind ahd. 
sint 3. plur. indic. praes. den /- statt des lautgesetzlichen 
«-vocalismus aus der urgermanischen angleichung an den 
optativstamm — indem sich got, sijau für das Sprachgefühl 
naturgemäss in si-jau^ beziehungsweise germ. *sijen sich in 
*si-jen zerlegte — zu erklären (oben s. 420 f.). Zugleich 
fällt hier das nötige licht auf den schon morphol. unters. IV 
vorw. s. VII anm. von mir g(3kennzeichneten fehlgriff' Job. 
Schmidts, wenn dieser gelehrte Kuhns Zeitschrift XXV 598 f. 
598 die abwesenheit der den altnord. entm^ eruä^ ern ent- 
sprechenden indicativformen im gotischen zu weitgehenden 
rückschlüssen auf die Verwandtschaftsverhältnisse der ger- 
manischen sprachen benutzte. Auch der mit Joh. Schmidt 
sich berührenden Sieversschen auffassung der gotischen indi- 
cativformen si'um^ sulp, Paul-Braune's beitr. VI 573, stehe 
ich fern : das gotische setzte in der bildung dieser nur auf 
eigene faust fort, was das urgermanisclie mit seiner neu- 
schöpfung der 3. plur. sind in freilich etwas anderer weise 
begonnen hatte. 

Dem verhältniss von es-U'-t zu s-ie-t entspricht im 
Optativ des wurzelaorists von der synonymen wurzel bli.en- 
dasjenige von indog. bhä-ie-t (= sanskr. bhü-i/ä-t) zu 
hliü-ie-t. Vergl. morphol. unters. IV 54. Dem dort als 
Vertreter des schwächeren bhu-u-t genannten avest. bu-yä-t 
gesellt sich jetzt aus dem griechischen das in einem hexa- 
meter einer kyprischen bleiroUeninschrift überlieferte wert- 
volle kypr. (fv-jrj bei, das Deecke ColHtz' sammlung d. griech. 
dialekt-inschr. I 47 erkannte. Wie sich nun die doppel- 
formigkeit indog. esiet : si'et auch schon indogermanisch zu 
der tripelformigkeit esiet : siet : siiet erweiterte, so trat 
neben bhniet und bhüiet ganz entsprechend als dritter im 
bunde indog. bhuiiet ', töd\bhüiet, sa\bhüiet sagte man, 
aber so bhluiiet, bei welchem letzteren die andere silben- 
teilung alsbald auch rollentausch der sonantischen function 



— 426 — 

der u und i im gefolge hatte. Apers. hiya aus *bvii/ä nun 
ist der historische /enge für das indog. hhnilet. Weder 
Spiegel d. altpers. keihiischr.'-' 189 noch Bartholomae d. altiran. 
vcrb. § 268 s. 167. haudb. d. altiran. dial. § 339 anm. 4 s. 150 
wussten mit dem „grammatischen rätsei" des siebenmal auf 
der vi(>rten Behistaiier insehrift übereinstimmend überlieferten 
und also völlig sicher stehenden hiyä irgend etwas anzu- 
fangen, ausser dass sie schlechthin den unmotivierbaren „aus- 
fall des radicalen u"" statuierten. 

Nun wird auch klar, was es mit der scheinwurzel „/>/u-''' 
für hliü- auf sich hat, die jüngst Kluge Paul-liraune's beitr. 
YIII 339 ff. gerade aus dem altpersischen opt. aor. hiyä und aus 
einer reihe formen des germanischen und noch anderer 
sprachen abstrahierte und dem hlnl- gar unvermittelt an die 
Seite setzte. Wir haben es in Wahrheit bei ags. heön und 
was damit zusammenhängt nur mit dem jodpraesens der 
Wurzel bheti- zu tun! Denn auch dieses entwickelte neben 
dem dualismus von hliü-ui und bhü-io^ wegen dessen das 
morphol. unters. IV 24 flf. zusammengestellte und ausführ- 
licher besprochene material zu vergleichen ist, schon urindo- 
germanisch eine dritte satzform bhu-ilo, die hier z. b. in 
dem augmentierten imperfcct e-bhluUoiit zu hause sein 
musste. Aus bliuiio^ 3. plur. hhuiiönti gingen got. *hija^ 
*biju)id für *birija, ^bunjatul hervor, und eben solchen gotischen 
formen sind nach Kluge die ags. beö 'ich bin, werde sein', 
beöä plur. congruent zu nennen. Die 2. und 3. sing, indog. 
hhnilesi, bhuiieti hätte sich gotisch zu %eis^ *beip ge- 
stalten sollen; vergl. got. /reis =^ *frijis^ nom. plur. gasteis 
aus *yastijis^ 2. sing. got. sokxis, 3. sing. 2. plu:-. got. sökeip 
aus *sökiiis^ *sökijip u. dergl. mehr. Wir dürfen nach fällen 
wie got y reis -- anord. afries. ahd. /">v, got. gasteis = unord. 
gestir = alts. ahd. gesti (ags. hyre) , got. dömeis, döiueip = 
anord. doemir , doemiä die zusanunenziehung von einem iji 
{iii) in 7, wie ich auch schon Paul-Braune's beitr. VIII 286 
(ähnlich Mahlow d. lang. voc. AEO 43) urteilte, als bereits 
urgermanisch erfolgten lautwandej ansehen; ags. freö 'frei' 
stammt von den casus, welche im gotischen die themaform 
frija- zu gründe legen. 



— 427 — 

Was nun ags. alts, ahd, bist 2. sing., dazu ags. hid 
3. sing, mit T anbehiift. so lässt Kluge mit recht iu diesen 
„die ursprüngliche länge unter dem einfluss der enklitischen 
Stellung des v. subst. gekürzt sein". Natürlich hat his-t sein 
-t von den praeteritopraesentien, ags. ivast alts. west ahd. 
ireist u. dergl. , wie ja auch in ags. des-t (mercisch und im 
psalter dws-t) und ahd. tuos-t 'du tust' dieselbe erweitorung 
und nach demselben muster gegenüber der kürzeren und 
älteren form ahd. tiios alts. dös und ags. (im psalter) dces 
(vergl. R. Zeuner d. spräche d. kent. psalt. § 47 1 s. 94, 
öievers angels. gramm. § 429 s. 152) hervortritt. Das ältere 
bis wahrt zunächst das althochdeutsche neben List : bis in 
den Reichenauer bibelglossen Rb. (8. jahrh.) und bei Tatian 
nach Oraff althochd. sprachsch. III 14. 15. Ferner haben 
bis für bist die altnioderfränkischen psalmen 58, 17- Dazu 
würde trefflich das bis des Niederfranken Heinrich von Yel- 
deke stimmen, wenn dies bei ihm an einer stelle, nemlich 
En. 9955 ed. Behaghel, durch den reim gesichert wäre, wie 
das mittelhochd. wörterb. I 127" angibt; aber Behaghel, 
sow^ie auch schon Ettmüller Eu. 265, 23, liest nacli den 
besseren handschriften sts (; gewis) und bemerkt iu der ein- 
leitung seiner ausgäbe s. XC, dass allerdings wol bist En. 
3171 durch den reim auf list als form des Heinrich von Yel- 
deke gesichert sei. Es kommt jedoch , um bis vollends als 
gemein-westgeimanisch zu verbürgen, sein Vorhandensein im 
angelsächsischen hinzu, w^o es einmal, neben ebenfalls einmaligem 
d(es, der sogenannte kentische psalter hat nach R. Zeuner 
a. a. 0., ferner Sievers a. a. o. Erseheinen, wie Sievers aus- 
führt angelsächs. gramm. § 357 s. 121, überhaupt die formen 
der 2. sing, des indic. praes. auf -8 auch noch vom Stand- 
punkte des relativen alters der einzelnen angelsächsischen 
Sprachdenkmäler als die älteren gegenüber denen auf -sf^ so 
wird dasselbe denn auch wol von dem speciellen Verhält- 
nisse des bis neben ags. bist gelten. In anbetracht alles 
dessen dürfte die ansieht Joh. Schmidts kaum haltbar sein, 
wenn dieser gelehrte Kuhns zeitschr. XXV 596 f. zwar in 
bis-t den antritt des -t so wie wir erklärt, trotzdem aber sich 
dafür entscheidet, in dem kürzeren bis nur „eine gelegent- 



— • 428 — 

liclie neubildung nach niiiii!^ zu sehen, welche nicht dazu gc- 
hxugto das ältere bist zu verdi-ängen". 

Kluge a. a. o. hatte also auch darin recht, dass er die 
von Joh. Schmidt Kuhns zeitschr. XXV 594 vorgeschlagene 
und auch von mir uiorphol. unters. IV 300 acceptierte gleich- 
setzung des ags. beö mit dem imperfectpraesens sanskr. bhä- 
vänii avest. baväml als eine nicht wol zum ziele führende 
verwarf. Die nun aber in allen westgermanischen sprachen 
„schrittweis verfolgbare verschränkung von äsiiti mit hhdvänii^ 
stellt sich erst bei der notwendigen anerkennung von ags. 
heö 1. sing., ags. ahd. altniederfränk. his 2. sing, als alter nur 
lautgesetzlich umgebildeter erbformen in ein günstigeres licht, 
als ihr noch Schmidt a. a. o. .594 ft". zu geben vermochte. 

Von es- 'sein' waren die urgermanischen formen des 
sing. act. indic imi^ isi (= sanskr. äsi avest. ahi griech. hl 
lit. esi, vergl. oben s. 18), isti d. i. ?')w, ?s, ist im gotischen. 
Darunter war imi^^ini höchst wahischeinlich nicht laut- 
gesetzlich aus isnri entstanden, sondern nach einer pro- 
bablen Vermutung Kluges Paul-Braune's beitr. VIII 524 wol 
zu der als i-si aufgefassten 2. sing, analogisch neu ge- 
bildet worden, gemäss den schematen nemlich von -ö-mi: 
-ö-si bei ahd. tuo-n : tiio-s, lecchö-n : leccliö-s u. dergl. oder 
auch -äi-mi : -äi-sl bei ahd. hibe-n : bibe-s (verf. morphol. 
unters. IV 338 f. Paul-Braune's beitr. VIII 298, Kluge Paul- 
Braune's beitr. VIII 342. IX 170 f.).ij Aus der 3. sing, ist 
entwickelte das westgermanische ferner frühzeitig eine satz- 
doublette ist und ü's, indem etwa vor anlautendem vocal des 
nächstfolgenden Wortes dieses eng sich daran anschliessende 
proklitikon sein -t bewahren, vor consonanten und in pausa 
aber verlieren mochte: daher im altsächsischen ist und is 



') Klui^e ii. a. o. zweifelt noch wpojei) „got. Jtumma aus fosmef^, 
ob nicht doch eine lautgesetzliche herleitunij des /»i aus germ. iitinii, 
dem assimilations[)roduct eines ismi, möu;]ieh stiii wi'i-de. Da aueli die 
slavü-baltischen [ji-ononiinaibildiingen abulg. tonin dat., tonii Inc., lit. 
tdmiii tarn dat., tarne loc der ansetzung gruiidsprachlicher t'ormi>n mit 
-sm- nach sanskr. täsmüd, tdsDUti, tdsniiii noch Schwierigkeiten in den 
weg legen, so ist der ur.sprung des -»im- aus -siii- für got. pamnui noch 
durchaus problematisch. 



- 429 - 

neben einander, aber ahd. nur ist und andererseits ags. nur 
is mit ausgleichung zwischen den doppelfornien; möglicher- 
weise verdanlvt aucii anord. es 3. sing, einem entsprechenden 
hergange seine entsteiiung. '-) Ganz unwahrscheinlich l<lingt. 
zumal sie auf das nicht wegzuleugnende ist des altsächsischeu 
gar nicht passen würde, die von Schmidt Kuhns zeitschr. 
XXV 596 als „sehr wahrscheinlich" befundene annähme, „dass 
dies ahd. aufr. ist nicht das intact erlialtene got. ist, sondern aus . 
is durch anfügung des -^ der übrigen praesentia entstanden ist." 

-J Neil inen wir dieses im und berüeksiclitigen den älteren spraeli- 
zustand des aUnoidiselien , wo hier aueli die 2. sin;r. noch *es = iiof. 
is lautete, so würde es dureh den znsamraenfall der beiden sinn'ular- 
personen bei dem häufigst gebrauchten verbuui substantivuni motiviert 
erscheinen, dass das altnordische auch bei bindr die 2. sing, für die 
3. sing, mit gelten Hess und so bei allen starken verben der ö-conju- 
gation im indic. ])r;iüs.; anord. hiiidr und genossen wären somit ein 
weiteres beispiel der art wie die apers. ak-unaush, adarsJinaitsli, nlid. icir 
sind, deren zeugnis ich oben s. ;352 anm. gegen Misteli ins feld führte. 
Später fügte auch das altnordische, wie die Westgermanen ihr bis zu 
bist erweiterten, seinem *es als 2. sing, das -t der praeteritopraesentia 
veizt, parft, mcntt, aiint, kannt, slalt an; daher est 'du bist'. Noch 
jünger hier für die est, es im singular, durcli ausgleichung des gram- 
matischen wechseis nach den pluralformen aiiord. erum, eritä, eru — 
kaum nach bindr, wie Paul in seinen beitr. VI 54V1 annimmt — , die 
r-fornien ert, er; ähnlich ja auLdi im perfect von resci spätere anord. 
rar, vart, var für vas, rast, ras (Cleasby-Vigfiisson diction. 6941', Wjmmer 
altnord. gramm. § 116 s. lOO anm, Kögel Paul-Braune's beitr. YIII 130, 
O. Brenner altnord. haiidb § 109 s. 141). Ihren e-laut werden anstatt 
des lautgesetzlichon / die aUnordisclien singularforraen em, *es (esf)^ 
es wol auch nur, und zwtiv frühzeitiger, zufolge der überfragung von 
erum, eruä, eru bekommen haben, bei welchen letzteren wir oben s. 420 
mit ^^ievers und Job. Schmidt die Wirkung des nachfolgenden r auf 
ein urgermanisches i constatierten. Indem übrigens für ilie spätere 
praesensflexion anord. cni, ert, er nocli später nach raassgabe des per- 
fectparadigmas var, vart, rar ein er, ert, er eintritt, mit gleichheit 
also von 1. und 3. sing, praes. indic. CWimmer a. a. o., Kögel a. a. c, 
0. Brenner altnord. handb. § 109 s. 142), mag auch hier noch Misteli 
an anord. er 'icli bin' für em eine Widerlegung seiner wenig erwogenen 
behauptung, dass niemals eine ^deuHiche" personalform des verbums 
einer anderen auf analogischem wege gleichlautend gemacht werde, 
erkennen. Ich erinm^re auch noch an die altgriechischen dialekten 
eigene ersetzung der 3. sing, von in- durch die form der 3. plur. IvtC 
und meine erklärung dieser erscheinung oben s. 375 anm. 



— 430 — 

Die cocxistenz eines bis als ererbter foiin der 2. sing, 
des jodpraesens indog. hhuilo und eines '"'is = got. is in 
gleicher bedcutung mit jenem ist im nlthochdeutschen allein 
der treil)ende gnind gewesen, dass aucli neben */>n 1. sing. 
und neben die alten pluralformen */rHW, *i)-ut die gleichbe- 
deutenden />//H, biriini, Urut aufkamen, welche erweiterungen 
durch h- — zAierst und vor Kögel, Sievers, JqIi. Sclirnidt er- 
kannt von Kern taal- en letterbode V (1874) s. 89 ff. — dann 
in der folge ebenso ihre kürzeren rivalen verdrängten, wie das 
alte his von indog. hlieu- seine seitenforni */s von indog. es-. 

Auf sächsischem gebiete hat, wie ich annehme (ähn- 
lich bereits Kluge Paul-Braune's beitr. VI 388), zuerst 
das paradigmatische nebeneinander von ags. ieo, alts. *biu 
l.sing. und bis 2. sing, zunächst zai einem ngs. *eo, alts.*/« 
als neuer form der 1. sing, zu *«s 2. sing, geführt. Indem 
aber *m nicht sofort ausstarb, bildete sich aus ihm und dem 
neuen *eo, */« die compromissform ags. eoni^ alts. *mm. Das 
wirkte zAirück auf beö^ *biu: daher denn ngs. beom neben beö-, 
alts. b'mm zuerst neben *biu und später alleinherrschend mit 
Verdrängung sowol von *biu als auch von '^'iiim = ags. eom. 

Zu dem ags beo bezieht nun Kluge Paul-Braune's beitr. 
YIII 3-10. 341 auch lat. fw und altir. bin 'fio, sum', sowie 
griech. (flxv , rpirv«). Abgesehen von diesen griechischen 
Wörtern, mit deren T aus *r es doch wol eine ganz andere 
bewandtnis hat nach Cuilius grundz. d. griech. etym.'^ 3()4. 
371. 530. 717, Angermann 'die erscheinungen der dissimilation 
im griechischen' gymnasialprogr. Meissen 1873 s. 24, Fritzsche 
Curtius' stud. VI 281 anm., Brugmann Kuhns zeitschr. XXV 
30G f., verf. morphol. unters. IV 67. 110, kann ich in dem 
allen Kluge jetzt nur völlig beistimmen. 

Lateinische contraction von *Jiiis, ''yiiit, *püte = indog. 
bhuiiesi, bhuiieti, bhuiiete zu/is.ßt (altlateinisch noch 
unverkürzt bei Plautus und Ennius, vergl. Ritschi proleg. in 
Trin. CLXXXIV, Neue formen!, d. lat. spr. 112 434^ Corssen 
ausspr. vokal. II 2 491), f7te imper. anzunehmen hat ja keine 
bedenken, da dieselbe annähme doch wol auch für die 
endungen -7s, -it, -Jte von friiTs. f7)iif, flnlte, verglichen mit 



— 431 — 

griecli. -if-rf in nrjvi'&ri-. unabweisbar geboten ist. You fls, 
fjt^ fJtis, fJte abei' haben dann wol fjö, fJiDtt das lange J über- 
tragen bekonuncn. so dass daiier also das schwanken der 
lateinischen sjirache zwischen fWj fjani, fierein^ f^^t'ßf fieri 
und /Ter^/», füre, fierJ (Neue formen!, d. lat. spr. II- 611, 
Leo Meyer Bez/enbergers beitr. Y 177) seine erklärung linden 
könnte. Man beachte nun auch die Währung der anderen 
indogermanischen form des jodpraesens bhüiö oder bhüiu 
n lat. fuam fufis fuat conj. praes. , ferner in ini-buo (oben 
s. 254 anm.) : dasselbe nebeneinander dieser neben flö, fjs, ßt, 
wie im angelsächsischen dasjenige von hüan neben ied, bis{i), 
biä. Auch altir. ?//» reduciert sich qm^ %ni =^ m^og. bh tili o, 
wenn man entsprechend, mit annähme auch eines altirischen 
lautwaudcls von T aus *;7/, das i von h'dh 3. sing., sowie von 
&i2.sing., bei welcher letzteren form natür lieh kürzuug aus einem 
vorhist. *bi{s) des auslautes wegen erfolgt ist, analogisch 
weiter gedrungen sein lässt. 

So glaube ich denn, in sachlicher Übereinstimmung mit 
Windisch' neuester äusseruug über diese frage Kuhns zeitschr. 
XXYII 165 f, das altir. hhi allerdings bei lat. /Yö und der 
Wurzel indog. bJieu- belassen zu sollen, trotz Stokes' ab- 
weichender etymologie des keltischen verbums und trotz des 
gepolters von Zimmer Kuhns zeitschr. XX YI 423 f. Freihch 
gebe ich letzterem mein „italo-keltisches" lautgesetz morphol. 
unters. lY 15 f. anm., das ihn so sehr in den hämisch der 
moralischen entrüstung brachte, jetzt gern preis.') Yielleicht 
wird man, woiauf ich hier auch noch kurz eingehe, nunmehr 
selbst nicht einmal für das lateinische noch eines solchen 
lautgesetzes der verwandelung von üi in I benötigt sein. 

Lat. -fiö "räuchere" in suf-ßn kann ja jetzt auch ein 
indog. dhn-iiu repraesentieren , anstatt eines dhu-i<' = 
griech. öc-(o. Ebenso mag sich lat. in-ciens zu griech. h- 



*) „Leiclitfertig aufg-estellt" war das betreffende ^italo-keltische" 
gesetz übiiuens keineswet^s von mir, sondern in aller reserve mit einem 
Fragezeichen versehen, welclie meine interpunction herr Zimmer in 
seinem mir entnommenen citate zwar mit abdruckte, aber sachlich doch 
als nicht vorlianden anzusehen beliebte! 



— 432 — 

-y.v(in\ avest. su-ya-mnö so verhalten, dass jenes particip von 
einem *ciö -- mdog. k^u-iio ist. Ist vielleicht auch sanskr. 
cväyati schwillt an' ursprünglich *cv-ii/(iti gewesen, indem 
etwa zu letzterer praesensform zunächst ein perf, ^icväya, 
für älteres auch vorhandenes cu-cäv-a (Boehtlingk - Roth 
Petersb. wörterb. VII 419), nach Vorbildern wie pri-yu-ti 
'ist befriedigt, lässt sich behagen' (niorpho!. unters. IV 1,5) 
neben perf. pi-pray-u^ gescliaffen worden war, darnach 
*cviyaH selbst einem gväyati wich, welches man aus (;icvüya 
durch den parallelisnuis von tidyati : ninäya., cräyati : gigräya 
u. dergl. gewann? Lat. du-hm-s bleibt bei griecli dt'-(fivio-g, 
indem das morphol. unters. IV 148 als grundform vorge- 
schlagene indog. du-bh\uiio-s jetzt ja noch fester be^iiründet 
dastehen dürfte.') Wenn lat. ijius mit sanskr. i)f{- 'reinigen', 
lat. pu-ru-s^ pü-tu-s etymologisch zusammengehört, ist es in 
im-piu-s -- indog. n-p\uiio-s lautgesetzlich entsprungen; 
die Stammform des simplex kann uisprünglich *pu(i,)o- ge- 
wesen und durch die partielle ausgloichung mit dem oppositum 
im-pio- (vergl. certus statt '"'cntns nach in-certus , morpliol. 
unters. IV 1 f. oben s. 253) zu pJo- in inschriftlichem lat. 
pihis^ osk. piihiüi, umhr. pe in peia peihaner geworden sein. 
Endlich lat. cliens mag man jetzt allerdings entschiedener 
mit Leo Meyer Bezzcnbergeis beitr. V 176 ff. als 'den sich 
anlehnenden' von der wurzel indog. k^lei- al)leit('n, was ich 
schon morphol. unters. IV 17 wenigstens als eine auch be- 
rechtigte etymologie gelten Hess. So blieben schliesslich nur 
umbr. ^;^r Teuer' und sim 'suem', slf sues' übrig: speciell um- 
brische erscheinungen, die. wenn sie nicht noch eine andere 
erklärung finden sollten, doch sicher nur füi' diesen einzel- 
dialekt aliein den Übergang eines ui zu i {l ?) dartun 
könnten. 

Es restiert noch das lettische praeteritum des verbum 
substantivum hijn^ worüber von Bielenstein d. lett. spr. II 
258 bemerkt wird: ^hy- im praeterit. weist auf einen praesens- 



1) Ein unibr. difitv „biiiarlituin vel biforme" = griecli. (^ipui-'i 
neutr. erkennt Bachelor Umbrica (iö in nuonJracIo difm- 'inantele bifi- 
duni' tab. Iiruv. VIb 4. 



— 433 — 

oder infinitivstamm hJ, wie tmj- im piaet. nnju auf mJ ., cf. 
mi-ju mi-t, tauschen (IV); hl aber scheint nur Schwächung 
von hä zu sein und entspricht sicher nicht dem kslv. hy. 
Im Sackenliauseuscheu findet sich noch beim volke die form 
büj-u, partic, praet. hnj-is , fem. hiij-usi, plur. huj-uschi^ 
u. s. w., cf. hochlett. huw-tc, huw-i, hmv-a u. s. w." Sollte 
etwa lett. hijn ich war' direct das alte imperfect des jod- 
praeseus indoo-. hJiu-iiö-m sein können? Des auslautcs 
wegen bestünde nemlich kein hindernis, wenn man sich an 
lüi'lku acc. sing. = griech. Xvxo-r sanskr. vfka-m hält. Von 
hi'ju 1. sing, aus wäre gleiche flexion mit den übrigen prae- 
teriten auf -u =-- urbalt. lit. -au eingetreten. Doch ist wol 
ratsamer anzunehmen , dass früh im urbaltischen ein "^h'tjan 
= indog. hhu-iiö-m seinen auslaut nach der analogie der 
„aoriste" in -au umänderte und also doch auf *bijau die 
lettische form beruhte. Die dialektische form hüju wird eher 
für hiju zufolge der vocalischen ausgleichung mit huicis hmc- 
-usl partic. aufgekommen sein, als dass man liier au ent- 
sprechende vermittelung mit der durch griech. t-ifvoy ver- 
tretenen indogermanischen nebenform hhü-lö-m zu denken 
hätte. Vollständigere ausgleichung zwischen dem verbum 
finitum und dem particip führte aber zu hochlett. hinr-u, wie 
denn auch wol zu lit. huiv-an anstatt '''bijau^ während ich oben 
s. 69 noch das perfectgebilde lit. '''bair-an als die hier aus- 
gestorbene form vorauszusetzen hatte. In der Sackenhauseuer 
mundart des lettischen ergab sich nach der ersten Umgestal- 
tung des Verhältnisses biju : buiris brnvusi zu bujii: bmcis 
huivusi endlich das zuletzt bestehende buju: bujis bujusi partic. 
Eine solche uralte satzdoublette, wie sie in dem falle 
von apers. b-iyä opt. neben avest. bu-yCt-t zwei sich nahe 
stehende dialekte einer spräche zeigten , gewahren wir im 
Sanskrit selbst an dem Verhältnis von ved. Ir-iyd-iiui rgv. X 
32, 9 zu der sonstigen optativbildung dieser wurzol kar- 
sanskr. kur-yä-m., wenn anders wir in der weise Brugmanns 
Kuhns zeitschr. XXIV 282 diese letztere form auf die zweite 
praosensclasse zu beziehen und ihr -ur- als eine modifieation 
des sonantischen r zu betrachten haben werden. Daneben 
hat das sanskrit dann optative aor. (precative) wie dh'-yd-t 

Osthoff, zur g-esf.hiclite d, perfects i. indogermanischen. 28 



— 434 — 

von dar- 'bersten' (l^otersb. wörtorb. III 520), pur-ijä-t von 
par- füllen', die ihiersfifs bei der bekannten etymologischen 
gcltung von ?r, irr =^ indog. f (I) auf demselben niveau mit 
sanskr. hJiu-yd-t stehen. 

Das jod^raesens von indog. in er- 'sterben' bietet in 
seiner altindischen und lateinischen form uns den grund- 
spraclilichen dualismus dar, den wir an hhü-iö = griech. 
ifvd) und hhu-ilo = ags. heö von hhen- kennen lernten: 
eine andere einiguiig für lat. mor-io-r und sanskr. mr-iyä-te 
gibt es nicht. Also auch ein zustand von so mr letal, tödl 
mfietai^ neben so m\riletai^ imperf. e-in\riieto ist als 
der ursprüngliche vorauszusetzen. Sanskritische passivformen 
wie kr-iyd-te von Imr-^ dr-iijd-te von daj-- 'rücksicht nehmen', 
hhr-iyä-te von hhar-, die gleichen genres mit dem medium 
mr-iyd-te 'moritur' sind , verbalten sich demnach auch zu 
dir-yd-te von dar- 'bersten', dr-ya-te von car- 'brechen, reissen', 
pür-ya-te von par- 'füllen' u. dergl. genau so wie indog. 
hhu-iio zu hhn-u> mit uebentouig-tiefstufigem ablaut. 'Er- 
scheinungen wie diese letzteren meinte offenbar Sievers, wenn 
er Paul-Brauue's beitr. Y 180 aum. als eine consequenz 
seines v- und n-gesetzes hinstellte : „Es ergibt sich z. b. dass 
die dehnungen vor r + cons. der lebendigen vedensprache 
noch fremd w'aren, dass ür, Tr stets durch r hindurchgegangen 
sind , u. dgl. mehr." Jetzt freilich werden wir nicht mehr 
dies aus der stets consonantischen geltung der -v/-, -v- in 
ved. ctryate rgv. I 164, 13. püryanKhiam rgv. I 51, 10, ved. 
inirva- adj. folgern dürfen . dass hier die Sieverssche regel 
auf formen der „lebendigen" spräche mit mr-, pur- als den 
altindischen reflexen früherer *fr-, '^pr- zurückführe; viel- 
mehr darum treten jene Wörter niemals mit -il-, -uu- als der 
phonetischen geltung ihres -y-, -r- auf, weil sie vom indo- 
germanischen Standpunkte betrachtet ganz auf der rangstufe 
der ebenfalls vedischenj7//rt^6 und puyate, crüyate stehen und w' ie 
diese übeihaupt keinen c o n sonanlen als wurzelsilbenauslaut in 
grundsprachlicber zeit, sondern lange liquida sonans hatten, 
hinter welcher selbstverständlich nur eoii sonantisch e -j-, 
-H- und keine -?7-, -uu- statt haben konnten. 



— 435 — 

Wenn wir mit recht anncliinen, dass indoff. e-bh\tiii oni, 
S'm\riieto — niciit e-hliüloin , e-mrleto — die lautgesetz- 
lichen iniperfectfornien der jüdpracseDsbildungen von bJieu-^ 
mer- gewesen seien, dass ferner aus hJiülrt ~- avest. bui/at 
kypr. (frj'>] ein hhuiict = apers, biijä in structuren wie indog. 
so b]i\uuct geworden sei, so würde als allgemeines gcsetz 
hierfür auch noch auszusprechen sein: fand enger silbi- 
scher anschluss eines consonanten an einen vor- 
hergehenden (kurzen) sonanten statt, so conso- 
nantisierte sich h inte r dem seine silbe wechseln- 
den conson anten ein vordem sonantischer sonor - 
laut in dem falle, dass ihm weiterhin noch ein 
Sonorlaut folgte; dieser letzte Sonorlaut wurde 
dann seinerseits sonantisch mit entwickelung 
(oder beibehaltung) seines cousonantischen dementes 
vor noch weiterhin nachfolgendem sonanten. 

Wann aber fand denn der enge silbische anschluss statt, 
den wir für e-bh\uiiom, e-m\rileto, so b]t\nin't voraus- 
setzen? Wol sicher nicht unter allen umständen bei also 
vorhergehendem kurzen sonanten. Denn einzig ein indog. 
k-etur- = sanskr. avest. catnr-. lit. keiur- müssen wir doch 
wol als die antesouautisch geltend gewesene stannnforra des 
Zahlwortes vier' vor haupttonversehenem casussuffixe, z. b. 
in indog. k'-ettir-öm gen. plur., anerkennen; anteconsonan- 
tisch nur bestand dafür k-etur- in lit. ketwirtas abulg, 
cetvntyj quartus' und griech. rkgaroc aus ^v^Fgarog nach 
dem von mir morphol. unters. IV 285 ff. erörterten „consti- 
tutiven lautgesetze". Zu dem ansatze eines k-etiirr-öm 
als der für k- etur-6m frühzeitig eingetretenen pluralgenitiv- 
form zeigt sich nirgends die spur einer berech tigung.^J 



1) Hatte iiulog. /i--er»r^/( (5-,s die satzscliwesterfonii k-furthö-s 
= lat. quartus für *c(v(irtos (von Fierlinger Kulina zeitschr. XXVII 193), 
so paarte sich mit antesoiiantischeni Ic-ettir- ein in avest. ü-l-Jitiu'rim 
direct fortlebendes grundsprachliches k-tür-i das aber mittelbar auch 
durch abulg. cetyrije uns bezeugt wird: k-ettir- (oder auch k^etuöres 
und alle sonstigen formen mit erhaltenem anlautenden A--e-) und k^tür- 
ergaben nenilich das niisc-hproduot l'-cfür-. Dieses letztere dürfen 
wir vielleicht auch in got. ßdilr- finden, wofern man niclit das unter- 

28* 



— 436 — 

Mit h-etur-öm nun, wenn wir so richtig den gen. 
plur. der vierzahl ansetzen, stimmt, auch in der accentstellung, 
die pcrfectform \ed. jnhure von hav- 'giessen'. Dadurch nun 
dürfte diese allerdings das praejudiz der grösseren ursprüng- 
hchkeit vor dem typus der ved. jajnire (von Jan-)^ tatnire, 
jagmire, cakrlre , daxUirire , jabh^ire erhalten; vergl. oben 
8. 401. Mit juliure aber wären forner ak alt ihrem habitus 
nach gesichert die ved. mshuma, cakrmd, vavrmähe und griech. 
y.s/vfi&&n^ TfDvjLieda, X^Xvfitda, griech. ßlßafitv, yiya(.uv, }.df.ia- 
//f)', vhräi-isda, sowie ö^dä^fisOa, Tf^raXfisO-a u. dergl. mehr: 
so wenig wie ein *juhv-ire können griechische formen *>^ixF- 
-äfied^a^ '-^ßi'j-ifi-aasi', '''y.^yv-ufier als ursprünglichere vorausgesetzt 
werden. Beim partic. perf. act. auf. -uvs wären also auch 
ved. sushuvämsam, cakrvän, paprvän, vaprvämsam^ sasrvämsam 
in alter Ordnung. Und was die bildungen von nasalisch aus- 
lautenden wurzeln angeht, so hätte Brugmann morphol. unters. 
II 211 f. durchaus das rechte getroffen, wenn er avest. 
jaghnvao (d. \. jaghnnväo) die neubildung, \ed. Jaghcmvän 
jedoch und ved. jaganvän (von gam-), tatanvän, sasmivän, 
vavanvän = avest. vavanvdo^ mit -an- für indog. -ti- vor n, 
die ursprünglicheren formationen sein Hess, ^anskr. ja ghnivän 
(von /taw-, im gatap.-bruhm. nach Böhtlingk-Roth Petersb. 
wörtcrb. VII 1494) und die auch nachvcdischen jagmimln,, 
jajnivän (von jan-^ treten ja eben nachweislich erst in späterer 
zeit des altindischen auf. Ich wih'de also nicht anstehen, 
auch für das schon vcdiscli vorhandene jajüivän von jnä- 
als ältere und lautgesetzlichere foini ein *jajanväu = indog. 
c/^ eg^nuos zu heischen; vergl. oben s. 404. 

So scheint es denn, als wenn in unseren e.-hli\uiiom, 
e-m\riiet 0, so hh\uiiet die hli-, m- darum den Übergang 
an die vorausgehende silbe erfahren hätten, weil diese die 
haupttonige silbe war; was auch lautphysiologisch leicht be- 



blciben (iiM- brochuns; von kurzem ü in einem fidiir- in der weise Joli. 
Schmidts Kulms yoltsclir. XIX 27G. z. g^sfli. d. iiido^. vocal. II 423 er- 
klären will. Schon Braune iji der ersten auflapo seiner gotischen 
gramniatik § 15 anm. 1 s. 7. § 24 anm. 2 s. 11 entscliied sicli für fdür-, 
widorrirf dies aber in der zweiton aufläge § 15 anm. 1 s. 8. § 24 
anm. 2 s. 12. § 141 ntim. 1 s. 5(). 



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greiflich sein würde. In bhe\bhuuos = griech. nsrpv{F)(öq 
hatte, wie in h'e\tur6m gen. plur., die geringere exspiration 
der nebent